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#1096751 - 16.01.15 21:08 Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-)
philipp_k
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Beiträge: 73
Dauer:24 Tage
Zeitraum:8.4.2014 bis 1.5.2014
Entfernung:1500 Kilometer
Bereiste Länder:frFrankreich
itItalien
chSchweiz

Radreise von Freiburg über die Alpen nach Korsika im April 2014

Nun hatte ich mich doch tatsächlich entschieden.
Korsika sollte mein Ziel sein und mein Fahrrad mein steter Begleiter.
Lange schon hatte es in meinem Unterbewusstsein gearbeitet, hatte immer mit Bewunderung fremde Radreiseberichte gelesen, selber schon Erfahrungen mit einer großen Radreisegruppe gesammelt jedoch nie länger als 4 Tage allein mit dem Rad eine Tour gemacht.
Vor allem braucht es Mut den ersten Schritt zu tun bzw. mich auf den Sattel zu schwingen und das Vertrauen aufzubringen, dass schon alles irgendwie gut gehen wird.
Vorbereitungen hatte ich groß keine getroffen.
Es war Mitte März 2014, das Wetter schon erstaunlich sommerlich und mir war klar, dass in den kommenden Wochen nicht all zu viele Jobs auf mich warten würden.
Mein Fahrrad hatte ich bereits Anfang des Jahres komplett gerichtet und wieder fit gemacht und sämtliches Equipment war so wie so von anderen Touren vorhanden.
Wenn nicht jetzt auf Tour gehen, wann dann?
Was bräuchte ich auch groß anderes als bei einer längeren Wandertour, außer Radtaschen und Flickzeug?
Es war also alles bereit und ich musste nur „ Ja „ sagen.
Nachdem ich mich im Netz grob über die Richtung informiert, mir die gröbsten Karten gekauft und den ersten Proviant besorgt hatte konnte es also losgehen.
Im Prinzip ist es ja total einfach dachte ich mir. Ich müsse nur immer in Richtung Süden fahren, dann würden irgendwann die Alpen kommen und ...
Ja, Mensch, die Alpen.
Es war März und naiv wie ich war fiel mir plötzlich auf, dass wahrscheinlich im Gegensatz zum Schwarzwald in jener Zeit, in den Alpen sicher noch Schnee liegen würde und ich nicht einfach mal so ohne Probleme über jeden x-beliebigen Pass würde fahren können.
Mit dieser Tatsache konfrontiert suchte ich doch noch mal das Radforum auf und bekam ziemlich schnell die nötigen Informationen.
Super, dass es so freundliche Foristen gibt, die so schnell die passende Antwort parat haben.
Lukmanierpass sollte also das entscheidende Nadelöhr für mich über die noch sehr eisigen hohen Berge sein.
Ich hatte zwar noch nie vorher von diesem Pass gehört, sonst war ich halt immer mit dem Auto durch den Gotthardtunnel gefahren, aber das würde schon klappen.
Nun konnte es also wirklich losgehen.

Montagmorgen 8. April 8 Uhr

Erste Etappe : Freiburg - Weil am Rhein 75km


Am Morgen vor der Abfahrt in Freiburg

Tagebucheintrag nach 5 km Fahrt:

„Kurz hinter Freiburg.Die Nervosität & Angst schwindet.Zuversicht & Vertrauen halten Einzug.Das Gefühl von Freiheit offenbart sich - Ich lasse alles hinter mir &
folge dem Weg.
Dem, welchen ich nicht genau kenne.Ich lasse mich leiten, führen, von meinem Inneren, von meinen Geistern.“


Irgendwo im Markgräfler Land.

Es fühlt sich gut an unterwegs zu sein. Mein Weg führt mich hinaus aus Freiburg, auf kürzestem Weg an den Rhein und dann immer schön am Rheinuferweg entlang.
Die Sonne lacht und es ist sehr warm für Anfang April.
Das merken selbst die Schnecken, denn ich habe Mühe schnell voran zu kommen, da hunderte wenn nicht tausende Kriechtiere meinen Weg in Richtung Wasser kreuzen.
Langsam, Slalom fahrend erarbeite ich meine ersten Kilometer.
Diese Etappe ist recht einfach zu fahren.
Sie geht konstant geradeaus, immer parallel zum Rhein.
Die Vegetation ist nicht besonders abwechslungsreich, sondern wirkt geprägt von Pappeln, Weiden und ein paar Sträuchern auf Dauer ziemlich eintönig.
Gottfried Tulla hat ganze Arbeit geleistet, als er damit anfing den Rhein zu begradigen und es fällt mir schwer mir vorzustellen wie viel Masse bewegt werden musste um einen Kanal zu schaffen, auf welchem täglich tausende Binnenschiffe auf und ab fahren.
Zumindest kann ich mich nicht verfahren.
Ich schaffe es am ersten Tag bis in die Nähe von Weil am Rhein und suche mir in der Dämmerung einen geeigneten Platz zum Campen.
Schnell ist auch noch ein Feuer entfacht und ich kann mich von der ersten anstrengenden Etappe erholen.


Feuerstelle am Altrhein

Zweite Etappe : Weil am Rhein - Aarau 95km

War das eine beschissene Nacht denke ich mir als mein Wecker klingelt um 7.30 Uhr.
Erst waren es besoffene Jugendliche, die an einer nahe gelegenen Feuerstelle bis spät nachts Radau gemacht haben und anschließend zog ein Gewitter von Frankreich auf, welches so schnell nach Deutschland herüberzog, dass ich es gerade noch schaffte meine Schuhe und Hose anzuziehen, als schon die ersten Blitze zuckten und ich fluchend hin und her rennend mir eine sichere Stelle gesucht habe.
Zum Glück war die Autobahn nicht weit und da gab es eine Unterführung, die mir Schutz bot.
Zerzaust und ziemlich müde, demotiviert und genervt starte ich also meinen zweiten Tag.
Ich packe mein Zelt und die restlichen Sachen zusammen und mir wird klar, dass das nun sicher 30 mal hintereinander so geschehen würde.
Besser ich würde mich gleich daran gewöhnen.
Zu allem Unglück fängt es auch noch an zu regnen.
Nach einem kurzen Frühstück fahr ich los in Richtung Basel, stets dem großen Strom zu meiner Rechten folgend.


Irgendwo kurz vor Rheinfelden


Laufenburg am Rhein

Im Laufe des Tages wird das Wetter besser und ich kann meine Regenklamotten wieder verstauen.
Mein Ziel ist heute Aarau. Da möchte ich Freunde besuchen und ich freue mich auf eine gemütliche Couch.
In Koblenz (Schweiz) mündet dann die Aare in den Rhein.Hier verlasse ich nun den imposanten Fluss und folge einem anderen, tiefer hinein in das Land unserer Schweizer Nachbarn.
Das flache Dahingleiten findet hier sein Ende.
Von nun an geht es Berg auf und Berg ab. Willkommen in der Alpenrepublik denke ich mir.
Als ich nach kürzester Zeit schon an einem zweiten AKW vorbeikomme wundere ich mich schon, wieso diese so nah an die deutsche Grenze gebaut wurden.
Zumindest ist es schön in einer Schlucht auf einer Insel gebaut, damit man es von der Ferne nicht sehen kann.Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Hoffentlich findet hier auch bald ein Umdenken statt.
Langsam merke ich, dass meine Beine schwer werden.Ich habe noch ca. 20 km bis nach Aarau und diese empfinde ich plötzlich als ewig lang.Die Tour muss sich hart erarbeitet werden.
Das Käsefondue, das ich als Willkommensmahl bekomme von meinen lieben Freunden lässt alle Strapazen vergessen.
Tausend Dank an den, der die Couch erfunden hat denke ich noch und befinde mich schon auf dem Weg ins Traumland.

Dritte Etappe : Aarau - Luzern 50km

Tagebucheintrag bei Hochdorf 13 Uhr

„Ich sitze hier & sehe die Alpen.Bin ganz nah vor Luzern.
Ich liebe Sie, die Berge. Mein Herz geht auf, sie sind so imposant & strahlen so viel Energie aus! Stärke auch! Sie sind voller Schnee & scheinen nicht überwindbar.
Schon gar nicht mit dem Rad.
Ich fahre durch eine Landschaft, wie ich sie mir idyllischer kaum vorstellen kann!
Mein Herz tut weh bei diesem Anblick.
Kleine Dörfer, Wiesen, wenig Verkehr & Wasser.
Immer wieder ein Schloss oder eine Burg. Schweiz, du bist wunderschön.“


Kurz hinter Aarau


Auf dem Weg nach Luzern

Heute werde ich bis nach Luzern fahren. Da war ich schon mal vor Jahren, als ich nach Griechenland getrampt bin mit einem Freund.
Ich freue mich, da ich mich erinnere, dass die Stadt am schönen Vierwaldstättersee liegt.
In der Schweiz mit dem Rad zu fahren ist ein Traum.
Vor allem wenn man keine Karte oder ein GPS hat, da der Weg bestens beschildert ist.
Zudem führt mich die Route meist über kleine Seitenstrassen oder Landwirtschaftswege und hält mich so vom Strassenverkehr fern.
Selten bin ich durch eine sauberere und aufgeräumtere Landschaft gefahren als hier.
Die Schweizer, zumindest im deutschsprachigen Teil sind wohl noch genauer und penibler als die Deutschen bzw. die Schwaben.
Das Panorama, welches sich mir kurz vor Luzern bietet ist einfach sensationell.Aus flachem Land streben fast senkrecht riesige Berge gen Himmel und noch zweifle ich, ob ich tatsächlich die Kraft aufbringen werde, diese zu bewältigen.
Auch diese Nacht werde ich bei einer Bekannten verbringen und freue mich schon, den Abend gemütlich am Ufer des Sees ausklingen zu lassen.


Luzern Altstadt

Vierte Etappe : Luzern - Göschenen 80km

Früh breche ich heute auf bei bestem Wetter.Für meine Alpenüberquerung habe ich perfektes Wetter.
Heute ist also der große Tag gekommen und leicht nervös verabschiede ich mich von dieser schönen Stadt.
Zu meiner Rechten sehe ich noch den Berg Pilatus, der mächtig über Luzern thront und vor mir erstreckt sich ein Seitenarm des Vierwaldstättersees.
Ich folge dem Ufer, vorbei an unzähligen Villas. Hier wohnen offensichtlich viele wohlhabende Menschen, wahrscheinlich aus der ganzen Welt.
Nach einigen Kilometern endet der Radweg abrupt und ich muss eine Fähre nehmen.
Als der Kontrolleur 15 CHF von mir möchte merke ich ein weiteres mal, dass ich in der Schweiz bin.
Es geht immer tiefer hinein in die Berglandschaft, aber noch mache ich nicht viele Höhenmeter.


Irgendwo am Vierwaldstättersee


Gotthard?

Als ich nach dem Mittagessen Altdorf hinter mir lasse ändert sich dann die Steigung dramatisch.
Von jetzt auf nachher geht es steil Berg auf und mir wird klar, dass es nun sehr anstrengend werden wird.
Ich behalte Recht. Es geht von 300 Meter auf ca. 1000 Meter.
Schlagartig spüre ich jedes Kilogramm an meinem Rad und mit den 5 Taschen lässt es sich nicht so leicht fahren wie ich das bisher gewohnt war.
Völlig abgekämpft erreiche ich Göschenen.
Dieser Ort entstand hauptsächlich, da hier der Gotthardtunnel beginnt und damals die Arbeiter ein Heim gesucht und sich deshalb in Göschenen niedergelassen haben.
Heute macht dieser Ort einen sehr hinterwäldlerischen Eindruck.
Kein Mensch weit und breit ausser ein paar Kühen.
Ich schaue mich um, da für mich hier Schluss ist und beschließe erst morgen weiterzufahren.
Einen geeigneten Campingplatz zu finden gestaltet sich nicht sehr einfach und die paar Bauern, die ich antreffe und nach Plätzen frage geben mir nur mürrische Antworten.
Letztendlich finde ich nahe der Hauptstrasse an einem Fluss einen geeigneten Platz und schlage hier mein Lager auf.


Wilder Camping


Fortsetzung folgt grins
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#1096756 - 16.01.15 21:22 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Fünfte Etappe : Göschenen - Biasca 90km


Andermatt um 6 Uhr

Kalt war sie, die Nacht. Früh ist es noch, aber ich möchte los und zwar so schnell wie möglich.Auf den Schildern raten sie mir den Zug zu nehmen, doch mein Ehrgeiz lässt es nicht zu auch nur einen Höhenmeter nicht mit dem Zug zu fahren.
Die Strecke nach Andermatt führt durch einen engen Tunnel und es macht wahrlich keinen Spaß.Es ist auch schon erstaunlich viel los.Noch hoffe ich doch noch den Gotthardpass nehmen zu können.Es gibt Gerüchte, dass er heute vielleicht geöffnet wird.
Nun komme ich also in jenen Ort, den ein ägyptischer Investor in ein neues Touristendomizil ausbauen möchte.Verrückte Welt. Ein Ägypter hier mitten in den Alpen?!
Na was solls.Ich passiere das Stadtschild und weiß, dass ich nun schon auf 1500 Metern bin. Ziemlich stolz rolle ich in dem Alpenort ein und muss feststellen, dass der Pass doch noch geschlossen ist. Das bedeutet für mich nun Plan B durchzuführen.
Dieser sieht vor den Zug über den Oberalppass nach Disentis zu nehmen und von dort dann weiter auf den ganzjährig geöffneten Lukmanierpass zu stoßen.


Sicht aus dem Zug


Auf dem Weg zum Pass

Tatsächlich finde ich eine bestens geräumte Strasse vor und das Schild sagt mir, dass ich noch 20 km bräuchte bis es wieder Berg ab gehen wird.
Irgendwie hatte ich mir den Anstieg noch viel heftiger vorgestellt.
Stattdessen geht es gemächlich kontinuierlich von 1500 auf 2000 m.
Wenig Autos begegnen mir hier oben und so habe ich die Szenerie oft für mich allein.
Dann nach einem letzten langen Tunnel habe ich es doch wirklich geschafft.Der höchste Punkt ist erreicht und ich freue mich riesig auf dem Pass zu stehen.
Wow, das war anstrengend.
Zuallererst muss ich natürlich das obligatorische Gipfelfoto machen bevor ich nun alles wieder runterfahren darf, was ich mir so mühsam erkämpft habe.
Ganze 2 Stunden dauert das bis ich schließlich in Biasca ankomme und mir wieder in der Nähe eines Flusses einen Platz zum zelten suche.


Lukmanierpass 2000m


Into the wild nahe Lago Maggiore

Fortsetzung folgt
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#1096760 - 16.01.15 21:29 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Sechste Etappe : Biasca - Cannobio 62km


Ankunft Lago Maggiore

Ich bin nun in der italienischen Schweiz, im Tessin. Das merke ich sofort, da hier die Straßen schon deutlich schlechter sind als noch in Graubünden.
Von hier ist es nun nicht mehr weit bis an meinen Lieblingssee, den Lago Maggiore.
In dieser Gegend war ich schon sehr oft, vor allem im Maggiatal und deswegen fühlt es sich auf eine Art und Weise vertraut an hier zu radeln.
Das Fahren ist unbeschwert, da es weiterhin kontinuierlich leicht Berg ab geht.
In Ascona komme ich ans Ufer und genieße die Sicht übers Wasser.
Ich folge nun der Küstenstrasse bis nach Cannobio.
Die Zeit der einsamen Radwege ist vorbei und ich muss mir die enge Strasse mit vielen Autos teilen. Zu meiner Freude werde ich auch regelmäßig von Rennradgruppen überholt und lasse mich gerne für ein paar Kilometer in deren Windschatten mitziehen.
Ich habe einen Campingplatz im Sinn und diesen steure ich nun an.
Da es noch früh am Tag ist gehe ich wieder ans Wasser und bin auf einmal ganz und gar erschöpft und mache einen langen Mittagsschlaf. Nun wird mir klar wie anstrengend doch die letzten Tage waren und ich beschließe ganz in der Nähe eine alte Bekannte zu besuchen und erst einmal für mehrere Tage Pause zu machen.
Ich habe es tatsächlich geschafft. Die Alpen mit dem Rad überquert und das in nur zwei Tagen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich bin stolz, glücklich und motiviert meinen Weg weiterzufahren und viele weitere mir unbekannte Gegenden kennenzulernen.
Doch jetzt darf ich wohlverdient meine Beine für eine Weile hoch legen und mir die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.
Radfahren - das ist wirklich das GRÖßTE :-) !!!!
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#1096761 - 16.01.15 21:33 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Siebte Etappe : Cannobio - nähe Mailand 105km


Lago Maggiore Verbania


Ticino - der Fluß

Tagebucheintrag am Ticino :

„Anstrengend ohne Radweg & den vielen Autos.Spüre die Veränderung je weiter ich nach Italien komme.Die Bauten sind oft nicht schön & für Radfahrer gibt es einfach nix !!!!!“

Bella Italia. Hinter Cannobio beginnt für mich wieder „Neuland“.Weiter südlich habe ich es am Lago noch nie geschafft.
Es ist nach wie vor sehr eng und die Überholmanöver der Autofahrer werden immer waghalsiger.Hoffentlich bleibt das nicht in ganz Italien so.
Der Länderunterschied ist sofort zu sehen.Die Häuser, die Autos, der Müll.
Italien, das Land das mehrmals Berlusconi zum Regierungschef gewählt hat.
Na, das kann ja was werden.
Ich war schon oft in Italien gewesen, aber eben noch nie aus der Perspektive eines Fahrradfahrers.
Weitere 2 Stunden fahre ich am Lago entlang bis sich dann am südlichen Zipfel die Berge endgültig öffnen und sich vor mir die weite Poebene offenbart und fürs erste keine Höhen mehr zu sehen sind.
Ich folge dem schönen Fluss Ticino und mache an einer großen Wiese halt.
Der Anblick erinnert mich sehr an den Hochrhein in der Nähe von Stein am Rhein wo ich als Kind das Schwimmen gelernt habe und ich stelle mir vor, wie aufregend es wohl sein muss auf diesem Strom eine Kanutour zu machen.
Die Italiener scheinen wohl früh Feierabend zu machen, da die Wiese für diese Uhrzeit schon sehr bevölkert zu sein scheint.
Bis hierher war die Orientierung ohne Probleme.
Meine Hoffnung einen Radweg entlang des Ticinos zu finden wird leider nicht Realität und so muss ich wieder mit stinkenden LKWs um jeden Zentimeter auf dem Asphalt ringen.
Gegen später stoße ich zu meinem großen Erstaunen dann doch noch auf einen Radweg der in Richtung Mailand führt. Diesem folge ich und werde abermals von hunderten von Rennrädern überholt. Das scheint hier wohl Nationalsport zu sein.
Abends finde ich zu meiner Erleichterung noch einen offenen Camping direkt am Fluss.
Mit 18 € in der Nebensaison jetzt nicht gerade ein Schnäppchen, aber immerhin die Sicherheit, in Ruhe schlafen zu können.
Morgen ist Karfreitag.
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#1096763 - 16.01.15 21:38 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Achte Etappe : Nähe Mailand - Alessandria 70km


Marktplatz von Vigevano


Tagebucheintrag

„Gras blüht und es ist staubig!!! Nerv!!! Hier zwischen den Flüssen ist Italien nicht schön und die Strassen schwer zu fahren, da schlechter Zustand und eng.
Autos ganz nah.“

Es ist ruhig draußen und immer noch früh.Fühle mich ein wenig einsam, denn es sind wenig Menschen unterwegs und zu dieser Jahreszeit auch keine Touristen.Zumindest nicht hier Mitten in der Pampa.
Ich fahre weiter und sehe auf meinem Weg viele Ruinen.Alte, riesige Areale stehen leer und verfallen.Ich kann die Wirtschaftskrise deutlich sehen.Gäbe es nur solch verfallene Substanz noch in Freiburg und Umgebung.Das wäre schön und inspirierend.
Heute ist Feiertag und diesen scheinen die Einheimischen auch zu genießen.
Auf der Straße ist wenig los.
Dafür bläst heute ein heftiger Wind und ich mühe mich nur langsam durch die traurig dreinschauende Poebene.
Riesige Felder, keine Bäume, kleine verlassene Dörfer und mürrisch dreinblickende Menschen.
Seltsam fühlt es sich hier an.Ich sehne mich zurück an den schönen Lago.
Das soll Bella Italia sein?
Leider gehören solche Tage auch dazu.
Lange, gerade Strassen und Gegenwind sind wohl das schlimmste was einem Radfahrer passieren können.
Da war der Passaufstieg die reinste Erholung im Vergleich.
Fluchend, laut schreiend trete ich in die Pedale.Heute ist der erste Tag, an dem ich mir die Frage stelle was ich hier eigentlich tue.
Ich könnte doch auch ganz gemütlich mit einem Camper an den Strand fahren und es mir bequem machen.Stattdessen werde ich mit dieser tristen Landschaft konfrontiert.
Wieso muss ich hier so eine Egotour durchziehen?
Der Tag zieht sich und nur mühsam nähere ich mich Alessandria.
Dort angekommen versuche ich einen Campingplatz ausfindig zu machen.
Zum ersten mal erfahre ich, dass Hinweisschilder in Italien nicht grundsätzlich aktuell sein müssen und so folge ich deutsch naiv einem dieser und lande irgendwo, nur nicht da, wo es einen Campingplatz geben sollte.
Es dunkelt und ich verliere Zeit.
Italienisch kann ich nicht und die Italiener scheinen auch nicht die aufmerksamsten im Englischunterricht gewesen zu sein.
Ein jüngerer Mann kann mir grob einen Hinweis auf meiner Karte geben und mein Weg führt mich wieder raus aus der Stadt.
Ich bin dankbar, dass er Recht behält und ich im absoluten nirgendwo ca. 10 km vom Zentrum entfernt schließlich einen Platz zum übernachten finde.
In dieser Gegend möchte ich nicht wild campen.
Ich bin sehr froh, dass diese Etappe vorbei ist.
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#1096769 - 16.01.15 21:56 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 73
Neunte Etappe : Campingplatz - Alessandria 10km

Ich wache auf vom lauten Getrommel auf meinem Zelt.
Alles ist feucht und ich friere.
Es schüttet wie aus Eimern.
Bella Italia???
Na großartig.Muss das sein?


Jugendherberge Alessandria

Mir wird sofort klar, dass ich heute nicht weit komme.
Erst mal muss ich mein nasses Zeug einpacken und bin nach dieser Aktion schon sehr nass.
Was mach ich nun? Ich lerne Pläne über den Haufen zu schmeissen und spontan zu sein.
Das wollte ich ja auch und deshalb bin ich unterwegs und das schätze ich so am Radreisen.Nur diese positiven Aspekte kommen mir in diesem Moment nicht in den Sinn.
Ich bin wütend.
Über ein paar SMS mit meinen Eltern erfahre ich von einem Hostel in Alessandria.
Also gut.Dann mal los in die Naturdusche.
Eine Pfütze tiefer als die andere.
Nach 5 Minuten habe ich das Gefühl ich bin schon bis auf die Knochen nass.
Von wegen Gore Tex. Das kannst ja echt den Hasen geben.
Vor lauter Regen fällt es mir schwer die Augen offen zu halten.Jetzt bloß nicht hinfallen.
Das wärs noch.
In Alessandria komme ich an und erlebe das Deja Vu vom Vorabend.
Bis ich die Jugendherberge gefunden habe, kenne ich schon die ganze Stadt.
Dann kann ich mir wenigstens die Stadtrundfahrt sparen denke ich mir schmunzelnd.
Zu meinem Glück ist jemand da, der mir die Tür öffnet und mir auch bestätigt, dass es ein Bett bzw. ein Zimmer für mich allein gibt.
Super denke ich mir. Den Platz brauche ich auch, damit all meine nassen Sachen trocknen können.
Nach einer warmen Dusche hole ich mir erst mal eine Flasche Wein und vergrabe mich mit einem spannenden Buch unter meinem Schlafsack.
Wenigstens der Wein schmeckt nach Bella Italia ;-)
Den Rest des Tages verbringe mit lesen.

Tagebucheintrag

„Wie seltsam es doch ist hier 16 Uhr ein Tag später nun in Alessandria in einem Zimmer zu sitzen, das sich Jugendherberge nennt.
Ganz schön abgefuckt, aber trocken!!!
Wie wertvoll plötzlich ganz banale Dinge werden.
Die Freude Dingen beim trocknen zuzuschauen, ein Genuss und eine Freude.“

„Also Strasse nach Alessandria,Man ist das eng.Zweispurig, dann mal einspurig.
Irgendwo ein Zebrastreifen mit Warnblinkern an einer Stelle, wo nie jemand vorbeikommt.
Ihr seid bescheuert, denn ihr würdet sowieso nicht halten, also warum?
Auch das Museum für die Schlacht um 1800 voll heruntergekommen & geschlossen.
Straßen überall Löcher.Bin ich in Italien oder in Georgien?“
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#1096782 - 16.01.15 22:57 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 73
Zehnte Etappe : Alessandria - Savona 110km


Nach Alessandria

Das Unwetter ist vorbei.Meine Habseligkeiten wieder trocken.Mein Bauch voll und ich wieder guten Mutes. Der Blick aus dem Fenster verspricht Sonne pur.
Na, das fühlt sich doch schon viel besser an, nach 2 eher mässigen Tagen.
Einfach eine neue Seite aufschlagen heißt es doch immer.
Heute ist Ostersonntag.
Es ist 7 Uhr und gefühlt bin ich der einzige, der unterwegs ist.
Schlecht für mich, da ich nicht aus der Stadt hinaus finde.
Ach, ich liebe die italienischen Schilder.
Ein älterer Mann, mit seinem Hund Gassi gehend schickt mich eindeutig in eine Richtung.
Ich vertraue ihm schaue aber nicht schlecht, als ich plötzlich an der Auffahrt zu einer vierspurigen Schnellstrasse ohne Pannenstreifen stehe.
Auf die Karte schauend finde ich jetz Orientierung.
Wieder alles zurück und auf die Umgehungsstrasse?
No way! Ich bin in Italien und da sucht man den schnellsten Weg ein Gesetz zu umgehen.
Die Haltung mache ich mir zu Eigen und fahre verbotenerweise auf die „ Autobahn“.
Es ist ja schließlich Ostersonntag, 7.30 Uhr und kein Auto zu sehen.
An einem Arbeitstag wäre es sicher Selbstmord, aber so habe ich die Strasse für mich und da ich weiß, dass es nur 3 km sind bis zum Ende gehe ich gerne das Risiko ein.
Langsam nähere ich mich dem Piemont.
Und in der Tat ändert sich die Landschaft radikal.
Super schön ist es hier.Endlich, Bella Italia.
Viel Grün, kleine Weinberghänge, alte schmucke Häuschen.Diese Etappe wird der reinste Genuss für meine Augen.
Nur Italiener sehe ich an diesem Tag so gut wie keine mehr.
Ich versteh bis heute nicht, wo die sich alle am Ostersonntag vergraben haben.
Auf dem Weg fahre ich noch durch Aqui Therme und spule Kilometer für Kilometer Richtung Mittelmeer ab.
Im Gegensatz zur flachen Poebene wird es wieder sehr hügelig und bei meiner Recherche später weiß ich dann, dass das die Apeninnen sind.Ein mächtiges Gebirge, das sich durch ganz Italien zieht.
Das nehme ich dann auch am Ende des Tages danken an, als ich von ca. 800 m auf Meeresniveau nach Savona runterrase.
Am Meer.Genial,Einfach genial.
Auf dem Camping direkt am Strand eine Zigarette rauchend und ein Bier trinkend muss ich laut lachen über die Erlebnisse, die ich rund um Alessandria gemacht habe und öffne mein Herz immer mehr den Italienern.


Cairo Montenotte


Ja :-) da hinten sehe ich zum ersten Mal das Meer !

Fortsetzung folgt !
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#1096784 - 16.01.15 22:59 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
veloträumer
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 17.139
Hallo Philipp,
bis hierher schon mal ein toller Berichtseinstand mit den typischen Perspektiven eines Ersttourers mit persönlichen Gedanken und Reisenotizen. Über das eine oder andere wirst du später als alter Hase auch mal Schmunzeln. Im April in der Tat eine mutige Route - auch in Italien immer wieder bekannt für sehr unbeständiges Wetter. Ich bin schon gespannt, wie du den Korsika-Frühling erlebt hast - zumal ich nicht nur zweimal dort schon auf der Gebirgsinsel war, sondern Korsika einst auch mein Erstradreiseziel war (wenn auch bequemer per Flug erreicht).
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
Pedalgeist - Panorama für Radreisen, Landeskunde, Wegepoesie, offene Ohren & Begegnungen
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#1096811 - 17.01.15 05:47 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
Hansflo
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 3.828
schöner Bericht, aber fürs Auge und zum Lesen leider furchtbar.

Du tätest uns allen (auch dir) einen Gefallen, wenn du nicht nach jedem Punkt reflexartig die Zeilenschaltung betätigen würdest. Der Text in den Beiträgen bricht ja von selber um; alle paar Sätze ein sinnbasierter Absatz (mit Leerzeile) und schwupp, schon kann mans mit Vergnügen lesen.

Hans

Edit/PS: ach ja, und wenn ich schon am Meckern bin: VOR einem Satzzeichen KEIN Leerzeichen, danach aber schon! So sagt's die Norm und auch das sollte den Lesefluss verbessern.

Geändert von Hansflo (17.01.15 05:51)
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#1096817 - 17.01.15 07:41 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
carl
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 49
Bravo Philipp, super Bericht. Genau so wars bei meiner ersten große Radreise auch. Die Zigarette am Meer hast du dir wirklich verdient. Freue mich schon auf Korsika..........
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#1096829 - 17.01.15 08:48 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: Hansflo]
philipp_k
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 73
Diesen " Mangel " gleichen dann die schönen Bilder wieder aus ;-) Den Text habe ich in pages geschrieben und da sah das stimmiger aus.Beim Kopieren ist das dann so gekommen, aber damit kann ich leben.

Danke für den Hinweis,es gibt immer noch Luft nach Oben.
GRuß
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#1096832 - 17.01.15 09:02 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
Juergen
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 14.165
bravo
Wow! Philipp, Du schaffst es, mich mit deinen Tagebucheinträgen an der richtigen Stelle abzuholen. Welch eine Freude, dich in deinen Gedanken zu begleiten. Ich habe oft an meine erste Reise von Emmendingen nach Neuss im gelben HubbaHubba gedacht und bin gespannt, wie es weitergeht.

Lieben Gruß nach Freiburg
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1096856 - 17.01.15 10:42 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 73
Elfte Etappe : Savona - Genova Camping Est 80km


Hafen in Savona


Tolle italienisch, ligurische Architektur.Ich habe 7 Brücken gezählt.Du?

Als ich am Morgen auf die Berge schaue und diese mit Schnee bedeckt sind verharre ich erst mal kurz irritiert.Schon seltsam.Da starte ich im April in BRD bei über 20 C und erreiche das Mittelmeer bei maximal 10 C und weißbepuderten Berggipfeln.Hätte das nicht andersrum sein sollen?
Nun sollte das Fahren sehr angenehm werden, da ich mir vornehme immer der Küste zu folgen und das Meer stets zu meiner Rechten zu haben.Bis hinter Genua stimmt diese Annahme auch.Aus Savona geht es entlang am Strand und schon bald erreiche ich die Vororte von Genua.Diese erstrecken sich über eine gefühlte Ewigkeit bis ich irgendwann im Zentrum ankomme.
Ein kleines Highlight ist, dass sich der Flughafen direkt im Meer befindet und die Flugzeuge gewissermaßen fast schon senkrecht starten müssen, damit sie rechtzeitig an Höhe gewinnen.
Das ist ein faszinierendes Schauspiel, auch wenn ich selber kein Freund vom Fliegen bin.
In der Nähe des Zentrums‘ treffe ich einen anderen Radreisenden aus der Gegend.Er trainiere gerade für seinen ersten Trip nach Santiago de Compostella.
Ich sollte mir auf jeden Fall noch die Altstadt anschauen meint er, das würde sich lohnen.
Jene ist tatsächlich sehr eindrucksvoll und soll die größte Europas sein. Irgendwie kann ich das nicht ganz glauben. Dennoch fühle ich mich plötzlich mit der Zeit der Kreuzrittern und Seefahrern sehr verbunden, wovon viele hier aus der ehemals sehr mächtigen genuesischen Hafenstadt aufgebrochen sind.


Altstadt Genua

Da es sehr schmale Gassen sind strengt es mich an mein dick bepacktes Rad zu schieben und so finde ich bald wieder zurück zur Strasse und lasse mein Gesicht wieder vom Fahrtwind liebkosen.Ohne nasse Begleitung von oben lässt es sich einfach gut fahren und die geringen Temperaturen gleiche ich durch reges Strampeln aus.
Ich fühle mich gut.
Mittlerweile bin ich auch auf den typisch italienischen Kaffeegeschmack gekommen und starte nun meine Tage meist mit Capucco und Brioche.Auch mittags halte ich gerne mal für eine kurze Pause an einer der unzähligen Bars in Italien.Bei Preisen von 1 - 1.40 € das Tässchen passt das auch gut in meine Budgetvorstellung.Heute behalten die Schilder glücklicherweise Recht und nach einem kurzen, heftigen Anstieg checke ich am Camping Est ein und freue mich einen so tollen Ausblick von meinem Zelt weit hinaus genießen zu dürfen.

Fortsetzung folgt.
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#1096866 - 17.01.15 11:22 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Zwölfte Etappe : Genova Camping - Levanto 70km

Tagebucheintrag in Rapallo um 11.30 Uhr

„Sitze grad in einer Bar & bin ziemlich naß. Es hat geregnet als ich oben auf dem Berg ankam. Mich kotzt dieses Italien grad echt an. Seit ich hier bin bedeckt, immer wieder Regen, saukalt!!! zensiert!!! Es ist so ekelig auf dem Rad verregnet zu werde. Jetzt wärme ich hier erst mal auf und warte auf besseres Wetter. Mein Ziel heute ist Levanto.“


Rapallo

Ein neuer, nasser Tag beginnt. Als erstes wieder runter vom Bergcamping und an die Küste. Bald schon merke ich anhand meiner Schaltfrequenz, dass es oft hoch und runter geht.
Meine topografischen Kenntnisse haben sich mal wieder als falsch herausgestellt. Es wird sogar an manchen Stellen richtig steil. Die Apeninnen halt, an ihrem höchsten Punkt fast 3000m. Dieser ist aber viel weiter südlich. Ostern ist nun sichtbar vorbei, denn es herrscht der lebendige italienische Kleinkrieg auf der engen Strasse.
Auf einem kleinen Pass geht es dann wieder los. Aus dem Tunnel fahrend erwischt mich die nächste Regenfront. Ich schaudere. Boah ist das kalt. Eine Bushaltestelle bietet mir Unterstand und ich schaue in die Buch vor mir. Der nächste Ort heißt Rapallo. So wie es aussieht sitzt diese Regenwolke direkt zwischen den Berghängen und scheint sich auch nicht bewegen zu wollen. Ich kühle aus und beschließe zumindest bis nach Rapallo zu fahren und mir eine Bar zu suchen. Ein weiteres mal werde ich von oben bis unten nass.
Ich verfluche den Wettergott und bestell mir gleich 3 Brioches um mich mit Zucker wieder aufzupäppeln. Die Bargäste mustern mich sehr verdutzt und denken sich ihren Teil. Ein Italiener fährt nur Rennrad und sonst lieber Auto. Mit dem Rad reisen? Ihr Deutschen seid verrückt, bekomme ich oft zu hören.
Nach ca. 2 Stunden Dauerregen wird mir auch die Bar zu viel und Brioches kann ich auch keine mehr sehen.
Ich beschließe zum Bahnhof zu fahren und mich nach Zügen umzuschauen. Der Fahrplan lässt mich wissen, dass jede halbe Stunde ein Zug nach Levanto fährt. Wenigstens das klappt heute. Ein Ticket ist schnell gekauft und so sitze ich bald im Zugabteil und setze meine Reise fort. Auf mich wirkt es wie ein Wunder. Nach jedem Tunnel wird das Wetter besser und als ich in Levanto ankomme scheint die Sonne, es sind herrliche 20 C und die Menschen schlendern am Sandstrand entlang. Für mich fühlt es sich wie eine Zeitreise an.
Eben noch Winter und Schmuddelwetter, jetzt Sommer und Sonne. Das tut so unglaublich gut. Schnell sind meine Sachen zur Verwunderung vieler auf der Promenade ausgebreitet und ich erfreue mich wieder am Trocknungsprozess. Aus meiner Kindheit erinnere ich mich, dass es hier einen tollen Campingplatz gibt und diesen finde ich geöffnet vor.
Hier gefällt es mir so gut, dass ich ein paar Nächte verweile und Tagestouren in die nahe gelegene Cinque Terre unternehme.Zudem sind hier auch einige andere Radreisende gestrandet und so kann ich endlich all meine Erfahrungen mit Gleichgesinnten teilen.
Es fühlt sich plötzlich wie Urlaub an! :-)


Levanto


Hmm - lecker Cappuco und Brioche
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#1096892 - 17.01.15 13:01 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
kettenraucher
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Hey Philipp, mir gefällt Deine Geschichte auch super gut. Und wie Jürgen bin ich sehr gespannt darauf, wie´s weitergeht. Jedoch hättest Du im stilbewussten bella italia beim Cappuccino den Helm während der Kaffeepause auch mal abnehmen können. grins
Allen gute Fahrt und schöne Reise.

Geändert von kettenraucher (17.01.15 13:02)
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#1096905 - 17.01.15 13:55 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: kettenraucher]
philipp_k
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Danke :-) Das stimmt mit dem Helm. Den hatte ich aus Gewohnheit wahrscheinlich gar nicht mehr gemerkt und deshalb vergessen abzunehmen.

Gruß
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#1096913 - 17.01.15 14:14 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Dreizehnte Etappe : Levanto und drum herum X km

Tagebucheintrag

„Wäre schön noch n Radler zu treffen und mal ne Etappe zu zweit zu fahren. Hatte gestern noch voll viel Visionen ein Radreisefestival in Freiburg ins Leben zu rufen.
Muss mich mal erkundigen ob es so etwas in BRD schon gibt.“

Die Cinque Terre ist sehr besuchenswert. Zumindest in der Nebensaison. Im Sommer werden die fünf kleinen Dörfchen wahrscheinlich im wahrsten Sinne des Wortes von Touristen geflutet.
Von Levanto fahre ich auf einer alten Bahntrasse, die zu einem Radweg umgebaut wurde an der Küste in Richtung Norden, heute ohne Radtaschen und nur um mir die Gegend ein wenig anzuschauen.
Fühlt sich das seltsam und leicht an ohne meine 20 kg Gepäck am Rad. Ich muss schon fast aufpassen, dass ich den Lenker nicht zu sehr herumreisse.
Ich genieße die Tourenpause und erhole mich am Strand und in dem schönen kleinen Städtchen. Hier trinke ich auch den besten Cappuco meines Lebens. Keine Ahnung was dieser Barmann anders macht, aber es ist die wahrste Gaumenfreude. Schon allein deswegen sollte ich eines Tages mal wieder in Levanto vorbeischauen.
Mit den anderen Radlern tausche ich mich über deren Touren aus und lausche gespannt den Berichten einer Frau, die schon bis nach China gefahren ist. Eines Tages werde ich das auch schaffen. Allerdings wird mir auf dieser Reise auch bewußt, dass ich so eine lange Distanz nur mit einem Partner machen werde. Auf Dauer würde ich dann doch zu einsam sein und manchmal ist Hilfe von aussen unverzichtbar. Ich kann nicht alles allein schaffen.
Morgen geht es wieder weiter. Meine Akkus scheinen wieder voll zu sein und das Wetter ist weiterhin freundlich.
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#1096923 - 17.01.15 14:43 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Vierzehnte Etappe : Levanto - Viareggio 90km

Mich packt es wieder und hochmotiviert mache ich mich auf zu neuen Taten. Von Levanto geht es aus einem Kessel auf einen hohen Pass hinauf. Mein Wunsch scheint erhört worden zu sein, denn nach einigen Kilometern stoße ich zu zwei deutschen Radreisenden, die ebenfalls schon mächtig am schwitzen sind.
Freudig begrüße ich sie und nach ein paar gewechselten Sätzen muss ich leider feststellen, dass sie eine andere Route als ich wählen und wieder in die Cinque Terre abfahren werden. Schade, das wäre schön gewesen ein wenig Gesellschaft zu haben.
Manchmal sind die Stunden schon sehr einsam auf dem Rad. Jedoch war ich selten so frei und so in meiner Verantwortung. Jeden einzelnen Moment muss ich selber mit einer Entscheidung füllen. Soll ich nach rechts oder links. Dahin oder dorthin. Usw.Das ist auf der einen Seite unglaublich so eine Freiheit zu besitzen, aber manchmal auch anstrengend.
Alles hat eben seinen Preis. Heute fahre ich noch durch La Spezia und biege dann auf die Strasse in Richtung Via Reggio. Auch hier war ich schon mal vor Jahren mit Freunden auf einem Roadtrip mit meinem damaligen Auto gewesen und ich habe keine so tollen Erinnerungen an diese Gegend.
Es scheint sich auch nicht viel verändert zu haben. Wenn ich auf die Landkarte schaue sehe ich drei parallel verlaufende Strassen und dazwischen nur Häuser und Hotels und private Strandabschnitte.
Das Ferienmekka der Liguren und Römer. Naja, Geschmack ist bekanntlich verschieden, aber für mich ist die Vorstellung mir den Strand mit Abertausenden zu teilen und Handtuch an Handtuch liegend den Urlaub zu verbringen der absolute Horror.
Da muss ich nun halt durch. Stundenlang fahre ich nun diesen Abschnitt ab, immer geradeaus und muss mich konzentrieren, weil viele Autos, Skater, Jogger und unbedachte Fußgänger meinen Weg kreuzen.
Nach Viareggio, dem St. Tropez Norditaliens mit all seinen Luxusjachten hat der Spuk ein Ende und von jetzt auf nachher finde ich mich in einem riesigen Wald wider und fahre an den Strand um mich nach einem geeigneten Schlafplatz umzuschauen.


Strand mit viel Schwemmholz

Diesen finde ich hier nicht. Es sind zu viele seltsame Gestalten in den Büschen unterwegs.
Meine Erinnerung an den Überfall in Frankreich im Zelt am Strand wird wieder wach und so ziehe ich es doch vor, auf einem sicheren Zeltplatz meine Nacht zu verbringen.
Ich hätte auch nur 9€ gespart. Dieses Lowbudgetstreben wird dann auch manchmal zwanghaft und ich muss immer wieder abwägen ob nun mein Bedürfnis nach Sicherheit oder der Wunsch nach Abenteuer Priorität hat.
Heute ist es die Sicherheit.
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#1096925 - 17.01.15 14:54 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
Keine Ahnung
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Ein interessanter und gut geschriebener Bericht! Im Juni will ich ja von Thessaloniki nach Deutschland fahren. Da werde ich auch durch Kroatien kommen. Auf den letzten Teil Deines Berichts bin ich daher schon gespannt.

Die Poebene kann tatsächlich etwas zermürbend sein. Ich bin dort schon im Sommer gefahren. Da war es dann noch brütend heiß und schwül. Die Schweiz ist tatsächlich traumhaft schön und alptraumhaft teuer (jetzt noch mehr). Ich habe dort für Campingplätze schon Preise gezahlt, die ich in Deutschland für eine schöne Pension ausgeben würde.
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1096946 - 17.01.15 15:56 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: Keine Ahnung]
philipp_k
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Ja, das kannst du laut sagen. Der Franken tendiert grad bei einem Verhältnis von 1 : 1.
Das heißt für mich dann auch in Zukunft einen Bogen um die Schweiz zu machen.
Jetzt steht sowieso erst mal Frankreich an.
Durch Kroatien bin ich allerdings nicht gefahren.Die Adria war dazwischen ;-)
Es kommen noch ein paar interessante Etappen an der Küste Italiens.

Grüße

Geändert von philipp_k (17.01.15 15:57)
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#1096961 - 17.01.15 16:51 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Fünfzehnte Etappe : Viareggio - Nähe Cecina 70km


Hinter Viareggio


Der schiefe Turm von .... ;-)

Früh bin ich auf den Beinen. Ich habe sowohl gestern Abend als auch heute Morgen niemanden an der Rezeption angetroffen und so nehme ich die kostenlose Übernachtung als Geschenk an und klicke meine Schuhe in die Pedale.Heute steht eines der berühmtesten Touristenziele der Welt auf dem Programm.
Nach einer sehr erholsamen Fahrt durch einen riesigen Wald sehe ich ihn dann auch schon von weitem.Den Schiefen Turm von Pisa. Bus um Bus fahren an mir vorbei und streben der Stadt entgegen. Selbst so früh am Morgen und trotz Nebensaison sind hier tausende Touristen unterwegs. Das ist echt der Hammer. Wo die wohl alle herkommen? Ich finde es fast spannender die Touristen zu beobachten, als mir den Turm anzuschauen. Klar bin ich auch ein Tourist, doch fühle ich mich ehrlicher, in dem Sinne, dass ich mir den ganzen Weg erarbeitet habe. Vielleicht ist das auch Quatsch, aber in diesem Moment fühle ich mich so.
Mich dann doch dem Gebäude zuwendend bin ich auch überwältigt wie schief der in Wirklichkeit ist. Man hat echt den Eindruck der könne jeden Moment umfallen und es befinden sich viele Menschen darin, selbst auf der obersten Ebene.
Nach dem Foto, das sicher jeder der dort ist macht, geht es dann für mich weiter. Wieder ans Meer. Pisa liegt ein wenig im Landesinneren. Heute möchte ich noch deutlich weiter an der Küste der Toscana vorankommen.Die Landschaft hinter Livorno verändert sich immens. In einer Woche werde ich wieder hier sein müssen, da dann meine Fähre nach Korsika ausläuft und ein guter Freund zu mir stoßen wird.Kleine Bucht reiht sich an kleine Bucht. Wenn ich heute nicht so verbissen wäre Kilometer zu machen, dann sollte ich hier eine Strandpause einlegen.Doch es sollte noch besser kommen. Das denke ich mir zumindest beim ersten Anblick.Von weitem sehe ich hunderte Kites am Himmel und folge einer kleinen Strasse zum Ufer.Was ich da sehe verschlägt mir echt die Sprache. Ich habe den Eindruck in der Karibik gelandet zu sein. Blütenweißer, feinster Sand finde ich vor und alles voll mit Kitesurfern und deren Familien. Es sieht aus wie ein Volksfest in und auf dem Wasser.Hier möchte ich heute schlafen und noch ein wenig das Geschehen verfolgen.
Später werde ich dann erfahren, dass es eigentlich verboten ist sich am Strand aufzuhalten, da der Sand aus Rückständen besteht, die aus einer nahegelegenen Chemiefabrik stammen.Typisch Italien. Ein Verbot = Kein Verbot ;-)Irgendwie auch bewunderswert wie locker die mit solchen Dingen umgehen.
Mich hindert das ebenfalls auch nicht daran mir für die Nacht ein geschütztes Plätzchen zu suchen und hier zu nächtigen.


Blütenweisser Strand


Ist das nicht gemütlich?! ;-)
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#1096986 - 17.01.15 17:37 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
Keine Ahnung
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Wenn ich Dein Portrait vor dem schiefen Turm von ??? Genua ??? zwinker so sehe, so macht das den Eindruck, als ob es dort sehr kalt war. War das so oder frierst Du nur sehr leicht?
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)

Geändert von Keine Ahnung (17.01.15 17:39)
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#1097018 - 17.01.15 18:22 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: Keine Ahnung]
philipp_k
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Gut erraten.Zeimlich eingepackt oder ;-) Ja, es war glaub morgens um 8Uhr und die Nächte waren in Italien Mitte/Ende April noch sehr frisch.
Grundsätzlich wickel ich mich auch ganz gerne ein.Vor allem meinen Kopf. :-) !!!

Gruß

Geändert von philipp_k (17.01.15 18:23)
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#1097234 - 18.01.15 14:52 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
Mooney
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Danke für deinen lebendigen Bericht, der eine Menge Authentizität vermittelt.

Danke auch dafür, daß du ab der 13. Etappe ein Leerzeichen hinter dem Punkt gemacht hast, auch wenn du später wieder gelegentlich in die alte Gewohnheit zurückgefallen bist. zwinker (Das soll aber keine fundamentale Kritik sein. Ich habe einen Freund - Lehrer! -, den ich in jahrelanger Kleinarbeit umerziehen mußte.)

Als ich vor einigen Jahren, im Unterschied zu dir nach einer zermürbenden Hitzeschlacht, die ligurische Küste erreichte und die Strandordnung sah, habe ich sowas gedacht wie du: Eine Horrorvorstellung für mich, so seinen Urlaub zu verbringen.

Wolfgang
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#1097333 - 18.01.15 20:00 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Sechszente Etappe : Cecina - Florenz 25 + X km

Die letzte Nacht war so naja. Irgendwie schlafe ich unter freiem Himmel immer unruhig, da ich natürlich schon ein leichtes Opfer wäre wenn es Jemand auf mich abgesehen hätte.
Möchte spontan noch für zwei Tage nach Elba denke ich mir. Das ist nur noch eine Tagesetappe von hier und das würde von der Zeit gerade noch reinpassen bevor ich dann zurückkehre nach Livorno. Ich verlasse diesen schönen, aber auch künstlichen Strand und suche mir eine Bar zum frühstücken. Mir macht es Spaß jeden Morgen einen neue Bar aufzusuchen. Diese sind im Prinzip alle gleich, da es meist das ähnliche Sortiment gibt, aber auch alle eigen auf Grund ihrer individuellen Einrichtung. Zudem trifft sich hier immer ganz Italien und es ist ein reges Kommen und Gehen. Im Gegensatz zu Deutschland wird aber nicht lange verweilt, sonder nur kurz ein Espresso genossen und das im Stehen. Zeit zum Hinsetzen wie bei uns nehmen sich die Italiener nicht. Ich stelle mir die Frage, seit wann es wohl Kaffee in Italien gibt und wie sich solch eine, für die Gesellschaft so wichtige Trinkkultur verbreiten und manifestieren konnte. Wie würde es wohl Italien, mittlerweile wohl auch der ganzen Welt gehen, wenn mal für eine Saison die Kaffeebohnen nicht reifen würden? Das würde sicher zu enormen Umwälzungen führen.
Es ist wirklich spannend diese vermeintlich kleinen Bindemechanismen der Gesellschaft zu beobachten und diese zu leben. Italien, ich liebe deine Bars!!!
Vor meinen Augen breiten sich riesige Weinberge aus mit den typischen Häuschen in der Mitte und den von Zypressenalleen eingerahmten Auffahrten. So sah es sicher auch schon bei den Römern aus. Ich komme schnell und gut voran. Leider entdecke ich am Horizont wieder dunkle Wolken aufziehen. Es ist aber auch verflixt. :-( Ich komme noch weitere 10 km bevor mich der erste Tropfen hart an der Nasenspitze erwischt. Nein, nicht schon wieder. Wie oft soll ich dieses Spiel denn noch mitmachen? An Regenschauer auf dem Rad werde ich mich wohl nie gewöhnen. Ich erreiche gerade noch Vincenzo, als sich die Himmelstore öffnen und sich Rinnsale auf den Straßen ausbreiten. Eine Gruppe Einheimischer beobachtet mich wie ich, die Pause nutzend auf offener Strasse ein Müsli löffle. Was die sich wohl wieder denken? Ich grüble. Was soll ich denn nun machen? Im Regen weiterfahren? Das macht doch wirklich keinen Sinn. Selbst die Wettervorhersage aus der Zeitung sagt nichts Gutes voraus.
Ich schaue auf meine Karte und überlege was ich nun mit dieser Situation anfangen soll.
Nach langem Hin und Her entscheide ich mich dazu wieder den Zug zu nehmen. Nur dieses mal fahre ich nicht mehr weiter gen Süden, sondern kaufe mir ein Ticket nach Florenz. Da wollte ich auch schon immer mal hin. Spontane Planänderung. Gute Übung.
Das hat ja auch keinen Sinn weiter durch die nasse Toskana zu fahren. Beim Einstieg in den Zug breche ich mir beinahe meinen Fuß. Wer zum Henker kann erlauben solch komplizierte Einstiege in den Zug und das auch noch für das Radabteil zu konstruieren? Setzen, Sechs - wäre meine Antwort gewesen. Jeder auch nur halbwegs eingeschränkte Mensch wäre hier komplett aufgeschmissen. Dennoch finde ich meinen Platz und fahre innerhalb von 1 h die Strecke zurück, die ich mir in den letzten eineinhalb Tagen mit meinem Liebling erfahren habe. Wahnsinn, wie schnell doch unsere Fortbewegungsmittel sein können. Als ich in Florenz ankomme und um 13 Uhr das Touristeninformationszentrum schon geschlossen vorfinde kann ich nur den Kopf schütteln. Ihr habt zwar den besten Kaffee der Welt, aber ansonsten klemmt es an vielen Ecken und Enden. Immerhin bin ich in Florenz, eine der meist besuchtesten Städte Europas. Die meisten würden nun ihr Smartphone zücken, doch ich weigere mich noch hartnäckig mir ein solches zuzulegen. Die gute alte Technik, mit Menschen reden und diesen Fragen zu stellen funktioniert ja Gott sei Dank noch, nur dauert diese mindestens doppelt so lange. Dafür lerne ich wieder die Stadt kennen auf meiner andauernden Suche nach einem geeigneten Hostel. Schließlich finde ich eines und lege mich dankend auf eine Matratze. Tolle Erfindung, selbst für Italien. ;-)


Florenz
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#1097784 - 20.01.15 10:54 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Siebzehnte Etappe : Florenz - Pisa und drum herum ? km


Lucca

Ersten es kommt anders und zweitens als man denkt. Selbst zu dieser Jahreszeit schieben sich Menschenmassen durch diese fantastische, weltberühmte Stadt.
Was hier wohl im Sommer los sein muss? Florenz macht seinem Ruf alle Ehre und es ist erstaunlich, wer hier alles am Bau und Erschaffen der Kunstwerke und Architekturen mitgewirkt haben muss. Die Medici, eine reiche und mächtige Kaufmannsfamilie haben wahrlich beeindruckendes in die Wege geleitet.

Vor mir beobachte ich wie 3 Japaner, behängt mit mindestens 6 Kameras von Stelle zu Stelle hetzen und vor jedem „Stein“ ein Foto mit dem jeweiligen Anderen machen. Wer sich wohl all diese Tausend Bilder je wieder anschauen wird? Die Verkäufer von Regenschirmen, die überall unterwegs sind haben Hochkonjunktur, denn es regnet mal wieder. Meine Radtaschen sind immer noch im Hostel und deshalb macht es mir auch nicht viel aus, dass ich nass werde. Meine Kleidung trocknet schnell. Eigentlich wollte ich mit dem Rad zurück nach Pisa fahren, da das Hostel hier doch recht teuer und zudem übervölkert ist, aber ich ziehe abermals das trockene Zugabteil der Strasse vor. Dort angekommen finde ich ein tolles und preiswertes Hostel in der Nähe des Bahnhofs. Es gefällt mir so gut, abends gibt es immer Essen für alle für 5 € und davon wirklich viel, dass ich beschließe die kommenden 3 Nächte hier zu verbringen.

Meine Tagesetappen führen mich unter anderem nach Lucca, ebenfalls ein sehenswertes Städtchen. Auf den höchstens Berg hinter Pisa, von welchem ich eine fantastische Aussicht aufs Meer habe und in kleine Örtchen, von denen ich die Namen nicht mehr weiß. Auch die Stadt Pisa gefällt mir ausserordentlich gut. Wenn man den schiefen Turm ein wenig Richtung Zentrum verlässt, dann ist man ziemlich schnell den Touristenrummel los und findet sich in kleinen, schönen Gässchen, bevölkert mit vielen Studenten wider. Der Tag der letzten Radetappe naht und ich genieße einen letzten Abend mit netten Reisenden und gutem Essen. Es war einen gute Entscheidung, die Regenphase mit einem festen Dach über dem Kopf zu verbringen. Hier komme ich gerne mal wieder vorbei.


Schön vom Buffet und nicht vom eigenen Kocher ;-)


Geändert von philipp_k (20.01.15 10:55)
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#1098107 - 21.01.15 09:55 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Achzehnte Etappe : Pisa - Livorno 30km


Hafen in Livorno vor Überfahrt nach Korsika

Tagebucheintrag

„Sitze hier in Livorno im Industriegebiet und trinke Kaffee und esse Brioche. Wow. Ich liebe es und werde es vermissen, wobei ich mich auch wieder aufs deutsche Frühstück freue.“

Heute werde ich das letzte mal mit dem Rad unterwegs sein, abgesehen von ein paar kleinen Tagestrips. Auf Korsika selber werden wir den GR 20 wandern. Ich habe mich mit einem Freund in Livorno im Hafen verabredet und er ist mit dem Auto aus Freiburg unterwegs. Da ich nervös bin, dass auf der letzten Strecke noch etwas passieren könnte fahre ich früh los. Ich habe 5 Stunden für 30 km. Das sollte reichen, auch wenn ich unterwegs einen Platten haben sollte. Der Mann an der Rezeption rät mir die Via Aurelia zu nehmen, jene Strasse, die von den Römern gebaut wurde und direkt nach Livorno führt. Diese erstreckt sich beinahe schnurgerade gen Süde. Ich finde die Vorstellung unglaublich, dass sich schon seit 2000 Jahren die Menschen mit ihren Fuhrwerken auf derselben Strasse bewegen. Natürlich haben sich die Beläge verändert, aber die Streckenführung verläuft genauso wie Gaius Aurelius diese hat bauen lassen im Jahre 241. v. Chr.

Die Sonne lacht mir ins Gesicht und ich freue mich auf ein Wiedersehen und die kommenden 10 Tage zu zweit unterwegs zu sein. Ohne Zwischenfälle erreiche ich nach 1,5 h die Hafenstadt und bin natürlich viel zu früh. Diese Zeit nutze ich und schaue mir noch intensiv das Stadtzentrum an, wobei Livorno nicht zu den beeindruckenden Städten gehört. Das hängt damit zusammen, dass viele Gebäude im WK II zerstört wurden. Dennoch finde ich Gefallen am lebendigen Hafenleben mit seinen vielen kleinen Bötchen und dem Fischgeruch, der mir in die Nase steigt. Langsam werde ich doch ein wenig wehmütig, da meine Radreise nun zu Ende geht. Ich sitze lange auf einer Bank im Schatten, beobachte die Möwen und lasse mir noch mal viele Etappen durch den Kopf gehen. Das war schon ein Abenteuer und ich bin mir sicher, dass sich alle Strapazen gelohnt haben und ich weiß nun, dass nach Regen immer Sonne kommt. Im Prinzip eine Erkenntnis, die sich auf das ganze Leben übertragen lässt. Auf der ganzen Strecke hatte ich nicht eine Panne, keinen Platten und keine Situation, in der ich ernsthaft in Gefahr gekommen bin. Dafür bin ich sehr dankbar. Zudem ist nach der Radreise vor der Radreise denke ich mir und nächstes Jahr werde ich wieder unterwegs sein.

Hiermit möchte ich den Bericht beenden und mich fürs Lesen bedanken. Meinen letzten kurzen Eintrag möchte ich noch dem GR 20 widmen und allen, die auch am wandern interessiert sind.

Keep on cycling und alles Gute.

Viele Grüße

Philipp aus dem schönen Süden in Freiburg. :-)


black rider ;-)
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#1098198 - 21.01.15 14:18 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
Karl der Bergische
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Danke für den schönen Bericht.

Bin vor Jahrzehnten auch etwas auf Korsika gewandert und gespannt auf die GR20-Fotos/-Erlebnisse, auch wenn Du das Rad dort nicht geschultert hattest.

Karl
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#1098199 - 21.01.15 14:25 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
amarillo
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Hallo Philipp,

danke für deinen sehr persönlichen Bericht. bravo
War interessant zu lesen und ich konnte mit dir mitfühlen. Schade, dass deine Radreise nun zu Ende ist. Korsika kenne ich ebenfalls sehr gut - vom Rad wie auch vom Wandern - und bin selbst (zwar vor mehr als 2 Jahrzehnten) die GR 20 gewandert. Ich bin gespannt, wie ihr den Weg um diese frühe Jahreszeit gemeistert habt. Selbst bin ich damals Mitte/Ende Juni gestartet und zwar von Süden nach Norden, da im Norden einige Abschnitte noch unter den Schneemassen der Maischneefälle lagen.
Also, meinerseits besteht schon Interesse, noch etwas über das Abenteuer GR 20 zu erfahren.

Gruß Hildegard
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#1099309 - 25.01.15 10:06 Re: Von Freiburg über die Alpen nach Korsika :-) [Re: philipp_k]
philipp_k
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Letzte Etappe - 8 Tage Wanderung auf dem Fernwanderweg GR 20


Bastia Korsika

Wir sind nun auf der Fähre nach Korsika. Von Livorno braucht das Schiff nur 4 Stunden. Das Sonnendeck lädt zum Verweilen ein und langsam verabschiede ich mich innerlich endgültig von meiner Radreise. Jetzt kann ich noch 8 Tage auf dem GR 20 zeigen wie fit mich das Radeln tatsächlich gemacht hat. Korsika wird auch das Gebirge im Meer genannt und als wir uns der Insel nähern wird ersichtlich wie diese Beschreibung zustande kam. Die erste Nacht verbringen wir noch am Strand, bevor es dann am nächsten Tag losgehen soll. Im Norden sind die Berge deutlich höher als im Süden. Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass man den Fernwanderweg sowohl vom Norden als auch vom Süden starten kann. Angesichts der Tatsache, dass die Berge noch voller Schnee sind kommen uns erste Zweifel, ob wir unsere Tour überhaupt durchführen können.

Wir einigen uns darauf, dass wir es im Süden probieren wollen, in der Hoffnung, dass dort der Schnee in den niederen Lagen schon weggeschmolzen ist. Mein Rad hat mittlerweile seinen sicheren Platz im Bus gefunden und nachdem wir Proviant für 8 Tage gekauft, einen sicheren Parkplatz gefunden und alles verstaut haben machen wir uns auf den Weg. Im Abstand von jeweils einer Tagesetappe soll es Übernachtungsmöglichkeiten geben. Jedoch ist nicht sicher ob diese zu dem Zeitpunkt, es ist Anfang Mai schon bewirtschaftet sind. Man versichert uns aber, dass es immer eine Möglichkeit gibt die Nacht unter einem Dach zu verbringen. Dennoch nehme ich zur Sicherheit noch mein Zelt mit, denn man kann ja nie wissen was in den Bergen passiert und meine Erfahrung hat mich gelehrt diese 2 kg zusätzlich immer dabei zu haben.

Der Wettergott meint es gut mit uns und so starten wir unter strahlendem blauen Himmel. Es ist allerdings schon 15 Uhr und wir haben noch 15 km bis zur Hütte. Es fühlt sich so ungewohnt an, mich ohne Reifen unter mir fortzubewegen. Spätabends, es ist schon dunkel und es hat zu regnen begonnen erreichen wir das Lager. Landschaftlich war es bisher super beeindruckend. Sehr trocken, schroffe Steinskulpturen, mir unbekannte Sträucher (im Volksmund auch Maccia genannt) und steil abfallende Kanten. Zudem immer wieder das tief blaue Meer in der Ferne. Der Weg ist für mich als geübter schwarzwälder Wanderer gut zu gehen. Breit und gut ausgetreten. Die Gefahr sich zu verlaufen besteht nicht, da es fast nie eine Möglichkeit zum Abbiegen gibt. Wir finden die Hütte schon mit einem kräftigen Feuer prasselnd vor. Es sind noch 3 weitere Wanderer unterwegs. Wir verziehen uns aber recht zügig in das Matratzenlager und schlafen sofort ein. Am nächsten Tag ist das Wetter regnerisch und immer wieder nähern sich Gewitter von tieferen Lagen. Hierfür ist Korsika bekannt. Schnelle Wetterumschwünge und fast tägliche Gewitter. Das macht mir Angst. Denn Gewitter und Blitze in den Bergen sind sehr gefährlich.


Erste Etappe


Schöner Kiefernwald

Im Laufe des Tages umrunden wir das Bavellagebiet, ein wahrhaft berühmtes Klettergebiet. Dort beobachten wir auch wie mehrere Mufflons das Weite suchen, ein Schaf, das vor tausenden Jahren ausgewildert wurde und von denen es nur noch sehr wenige gibt. Bei der nächsten Hütte ankommenden begrüßen uns die Hüttenpächter, die sehr geschäftig wirken und allerlei Werkzeug herumliegen haben. Sie erzählen uns, dass sie in den letzten Vorbereitungen sind, da bald die Hauptsaison beginnt und es da durchaus vorkommen kann, dass über 100 Wanderer in und um das Haus nächtigen. Ich bin froh, dass wir die Landschaft fast komplett für uns allein haben und kann mir schwer vorstellen diesen Weg ebenso zu genießen in einer Schlange von hintereinander herlaufenden GR 20 Läufern. 10 € müssen wir für den Schlafraum bezahlen. Am darauf folgenden Tag erreichen wir den Gipfel unserer Tour nachdem wir ein großes Schneefeld durchquert haben. Da wir keine Steigeisen und Pickel dabei haben müssen wir uns sehr vorsichtig fortbewegen. Den Weg erkennen wir auch nur, da vor uns schon Leute unterwegs waren. An dieser Stelle hätte, wenn es noch mehr Schnee gehabt hätte auch Schluss sein können. Ich denke, dass wir Glück haben. In manchen Jahren hätten wir hier wieder umdrehen müssen.

Vom Gipfelkreuz haben wir einen fantastischen Rundblick und freuen uns über das gigantische korsische Bergpanorama. Den Rest des Tages steigen wir wieder von den 2200 m auf 1600 m ab und kommen dieses mal an einer Hütte an, die an einer Strasse liegt und deshalb auch von Touristen mit Autos besucht wird. Hier gibt es typisches korsisches Essen und wir können uns mit neuem Proviant eindecken was unseren schon beträchtlich geschmolzenen Vorrat ergänzt. In diesen Tagen Wasser zu finden ist kein Problem. Überall hat es kleine Bächchen und Wasserläufe. Im Sommer sieht das aber ganz anders aus entnehmen wir der Wanderlektüre. Auf der einen Seite muss man weniger Essen tragen, da die Hütten bewirtschaftet sind, auf der anderen Seite aber oft einige Liter Wasser. An vielen Stellen begegnen uns wilde Schweine, wobei diese auch zu Bauernhöfen gehören, aber frei umherlaufen dürfen. Das macht wohl den einzigartigen Geschmack der Salami und Würste aus.


Bavellagebiet


Bergunterkunft


Schneefeld


Gipfelsprung

Wir schlendern durch Gebiete mit alten, knorrigen und oft vom Blitz ausgebrannten Bergbuchen. Viele lassen anhand ihrer kleinen grünen Blättchen erahnen, dass der Frühling naht. Nach unserer letzten Tagesetappe legen wir unsere Rucksäcke vor der Tür einer besonderen Hütte ab. Diese ist in den steil abfallenden Hang gebaut und wirkt aus der Ferne betrachtet wie hingeklebt. Hier hat eine Schweizerin das Sagen und das kann man auch deutlich am Zustand des Hauses erkennen. Alles ist tip top aufgeräumt und in gutem Zustand. Da zur gleichen Zeit auch eine große französische Gruppe lachend und fröhlich das Haus erreicht verbringen wir gemeinsam einen lustigen, von Zaubertricks und Jonglagekunst gefüllten Abend in den Bergen. Der unglaubliche Sternenhimmel rundet diesen besonderen Abend dann noch ab.

Nach dieser Nacht geht es wieder ins Tal, aber in Richtung Landesinnere. Von dort aus planen wir wieder an die Küste zu trampen, was sich als sehr langatmig herausstellt. Es ist eine super Wanderung und zu zweit auch die richtige Gruppengröße. Nach meiner Radtour tut es mir gut immer wieder das Gefühl zu haben, es ist jemand da auch im Falle dass etwas passiert. Fern ab der Strassen und Handyerreichbarkeit ist es besser einen Partner an meiner Seite zu wissen. Es war die richtige Entscheidung vom Süden zu starten, da sich vor uns nun die noch höheren Berge erheben und diese alle im glänzenden Weiß erstrahlen. Das wäre wohl nur mit sehr guten Ortskenntnissen und der dafür nötigen Ausrüstung gehbar gewesen. Wir finden dann doch noch eine Mitfahrgelegenheit und erholen uns die letzten zwei Tage an einem schönen Campingplatz mit eigenem Strand.


Bademöglichkeit?! ;-)


Hütte mit schweizer Pächterin


Letzte Radtour an den Strand

Eine lange, sehr abwechslungsreiche Zeit geht nun zu Ende und bei der Rückfahrt mit dem Bus nach Freiburg, vorbei an vielen Plätzen, die ich mit dem Rad bereist habe lasse ich mich erschöpft noch ein bißchen tiefer in den Sitz sinken.
Was für eine Tour ;-) !!!
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