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#1509258 - 08.09.22 16:17 Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären
Indalo
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Unterwegs in Spanien

Dauer:1 Monat, 27 Tage
Zeitraum:20.5.2022 bis 15.7.2022
Entfernung:3200 Kilometer
Bereiste Länder:fiFinnland
noNorwegen
seSchweden

Die 3200 km sind die reinen Fahrradkilometer



Route:
Trondheim - Nordkap - Rovaniemi
Von Helsinki 100 km nach Westen
Turku - Schären - Stockholm - Nynäshamn

Die Tracks sind nachträglich entstanden. Eigentlich wollte ich diese hier mit caminaro verlinken, dafür war die Gesamttrecke aber zu lang. Deshalb hier die Route via komoot, weiter unten gibt es zu den Teilstrecken jeweils einen Link zu caminaro.


Planung:
Ich wollte schon immer irgendwann mal zum Nordkap und ich wollte schon immer irgendwann mal nach Lappland, ganz so wichtig war es dann doch nie und teuer soll es ja dort oben auch sein. Dieses Jahr allerdings ergab sich eine überraschend wohlgesonnene Zeit-Geld-Korrelation und ich beschloss mir endlich Sandinavien anzuschauen.

Die Strecke an sich war recht schnell geplant, so viele Alternativen gibt es ja auch nicht. Die Küstenstraße von Trondheim hoch nach Bodo soll eine der schönsten Küstenfahrradstrecken überhaupt sein, die war damit schon mal gesetzt. Dass ich mir danach die berühmten Lofoten ankucke war ebenso klar, die Fortsetzung über die Vesteralen und Senja nur logisch. Ab Tromsø gibt es eh nur noch die eine Straße bis kurz vors Nordkap. Auf die Idee mir das einsame Nordkinn und die Varanger-Halbinsel genauer anzukucken, bin ich durch die Berichte von Jim Knopf hier im Forum gekommen. In Lappland gab es letztendlich auch nur zweieinhalb Möglichkeiten, entweder die Hauptstraße, oder die Nebenstraße, oder Forstwege. Ursprünglich hatte ich die Idee von Lappland nach Nordschweden zu fahren und von dort die Inlandsbahnan zu nehmen um weiter in den Süden zu kommen, aber bei zwei Radstellplätzen pro Tag war bereits Monate vorher alles ausgebucht. Von daher bin ich von Rovaniemi nach Helsinki mit dem Nachtzug gefahren und von dort mit dem Rad und Fähren weiter bis nach Stockholm. Diese Version gefiel mir dann auch recht gut, immerhin war ich das erste Mal überhaupt in Skandinavien unterwegs und so konnte ich mir alle vier Hauptstädte zumindest flüchtig ansehen und auch noch die Schären „mitnehmen“.

Weitaus mehr Aufwand habe ich getrieben mir im Vorfeld schon mal möglichst viele Grillplätze, Picknickplätze und alle Arten von Unterständen rauszusuchen und mir in meiner Karte zu vermerken. Ich hatte mehrfach gelesen, dass es auf der Route gar nicht so leicht wäre wirklich gute Plätze zum Wildcampen zu finden, Jedermannsrecht hin oder her.




Fahrrad:
NoName-Stahlrahmen, simple Federgabel, 26“-Marathon-Tour-plus, Nabendynamo, cycle2charge-Lader
3x8er Shimano-Kettenschaltung, Felgenbremsen

Navigation:
Sehr rudimentär
Ich hatte mapy und OSMand offline-Karten auf dem Smartphone, auf OSMand waren auch meine POIs gespeichert. Das Gerät steckte in der Jackentasche, keinerlei Display am Lenker, noch nicht mal einen Tacho.


Anreise:
Mit dem Zug von Freiburg über Hamburg nach Kopenhagen, dort paar Stunden in Christiania rumgetrieben, eine Nacht im Hotel genächtigt, am nächsten Nachmittag mit der Fähre nach Oslo, alleine in der Zwei-Personen-Kabine, vormittags Ankunft in Oslo, eine Stadtrunde gedreht und am Nachmittag mit dem Zug via Lillehammer nach Trondheim.



Die Fahrt mit der Bahn übers Dovrefjäll war schon recht beeindruckend, ich war überrascht vom vielen Schnee auf ca. 1000Hm. Ankunft in Trondheim kurz vor Mitternacht. Übernachtungsmöglichkeit hatte sich keine ergeben, die Jugendherberge war schon Wochen vorher ausgebucht und das günstigste Hotel lag bei weit über 100€ und damit nicht erschwinglich. Von daher beginnt die Fahrradradreise pünktlich um Mitternacht am Nidarosdom.

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#1509261 - 08.09.22 16:48 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Indalo
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Unterwegs in Spanien

Trondheim-Küstenstraße Rv17-Bodø: knapp 800km (davon ca. 100km mit diversen Fähren), ca. 9000Hm, 8 Tage

Von Trondheim nach Bodø

Von Trondheim bis zum Nordkap folge ich im wesentlichen dem Eurovelo 1, auf dem allerersten Abschnitt bis Nesna allerdings variiere ich die Route, um anfangs noch Höhenmeter und einen stark befahrenen Straßenabschnitt zu vermeiden. Entgegen früheren Beschreibungen ist die Radroute 1/EV1 inzwischen bis zum Nordkap hinreichend als solche beschildert.



Bis Nesna erinnert mich die Landschaft noch an den heimischen Schwarzwald und die Fjorde dementsprechend an den Schluchsee, aber dann sehe ich zum ersten Mal Orkas auf der Jagd und die Berge werden rauer.







Die Landschaft wandelt sich zum Bilderbuch und bleibt so die ganze Strecke hoch bis Bodø .



Insgesamt elfmal setze ich auf diesem Streckenabschnitt mit Fähren über, die Autofähren sind bis auf eine allesamt gratis für Fahrradfahrende. Im berüchtigten Sjonafjord hängt Regen, hier kürze ich für 17.-€ mit dem Schnellboot (hurtigbot) ab.



Ich bin beeindruckt von der Infrastruktur an Straßen, Tunnels, Brücken, Hafenmolen etc., die hierzulande in den letzten Jahren gebaut wurde. So ist der Gewinn aus der Öl- und Gasförderung allemal besser angelegt als in Jachten und Villen irgendwelcher Despoten.







Die gesamte Strecke hoch bis Kirkenes finde ich immer wieder prähistorische Felszeichnungen, dokumentierte Ausgrabungen und Informationstafeln zur kontinuierlichen Besiedlung der Küste seit mindestens 6000 Jahren. In Alta beschäftigt sich sogar ein Museum damit schwerpunktmäßig.
Leider sehe ich auch immer wieder Denkmäler und Informationstafeln, die an das Wüten der deutschen Besatzungstruppen während des Zweiten Weltkrieges erinnern.

Zwischen Nesna und Ørnes hält sich der Verkehr sehr in Grenzen, auch Wohnmobile sind nur wenige unterwegs. Für diese sind die Fähren allerdings auch recht teuer.





Ab Ørnes soll die Straße stark verkehrsbelastet sein und durch mehrere unangenehme Tunnel führen. Diese lassen sich aber allesamt umfahren, landschaftlich lohnt sich dieser Abschnitt auf jeden Fall.


Nachtstimmung

Ich fahre die gesamte Reise bis Rovaniemi viel und gerne nachts, es herrscht so gut wie kein Verkehr und es gibt oft stundenlange fantastische Lichtstimmungen. Es ist hell genug zum Fahren, die Atmosphäre an sich ist aber trotzdem nächtlich gedämpft.


Brücke über den Saltstraumen

Der Saltstraumen, der größten Gezeitenstrom der Erde fasziniert mich sehr und ich bin froh nicht mit der Fähre ab Ørnes abgekürzt zu haben wie ich es ursprünglich geplant hatte.




Bodø von der Fähre aus
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#1509266 - 08.09.22 17:28 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Indalo
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Unterwegs in Spanien

Von Moskenes (Lofoten) nach Tromsø, ca. 600km, davon gut 100km mit Fähren und Hurtigruten, knapp 4000hm, 8 Tage

Von Moskenes (Lofoten) nach Tromsø

Die Fähre zu den Lofoten ist riesig und vollgestopft mit Wohnmobilen aus D-A-CH, die Mitfahrt als Fahrradfahrer ist auch auf dieser längeren Strecke gratis. Das Wetter ist vom Allerfeinsten und ich kann langsam die berühmte Lofotenwand aus dem Meer aufsteigen sehen. Die Fähre quert den Vestfjorden, dank des Golfstroms eines der fischreichsten Gewässers überhaupt auf unserem Planeten, aber auch hier gibt es massive Probleme auf Grund der Klimaerwärmung, den Fischen wird das Wasser hier zu warm.



Die Landschaft bleibt wie im Bilderbuch aber dafür sind die Lofoten ja auch zu recht berühmt. Im Vorfeld las ich dass sich das Touristenaufkommen zwischen den Jahren 2000 und 2019 verfünffacht hat. Ich empfinde die Inselhauptstraße jetzt Ende Mai schon als unangenehm voll, die Einheimischen meinen allerdings, verglichen mit Juli sei es noch vergleichsweise leer.







Empfehlen kann ich den Campingplatz von Frednang, dieser ist relativ günstig und angenehm spartanisch, sein größter Pluspunkt aber ist seine Lage an einer nach Norden offenen Bucht. Bei entsprechendem Wetter kann man von hier der Mitternachtssonne dabei zukucken wie sie von links nach rechts über den Horizont wandert.



Von hier unternehme ich eine Wanderung zur berühmten Walfischbucht die nur zu Fuß oder mit dem Boot erreicht werden kann.





Bei Leknes besuche ich das empfehlenswerte Wikingermuseum. Das Museum besteht aus zwei Teilen, der Rekonstruktion eines knapp Hundert Meter langen Langhauses einerseits, sowie einem modernen Komplex mit sehr gut gemachtem multi-media-Angebot.
An einem See ganz in der Nähe liegen noch mehrere nachgebaute Wikingerboote. Mit diesen Nussschalen wurde damals die Küste befahren.



Von dort wechsele ich auf die Südseite und folge der nur mäßig befahrenen Nebenstraße 815, die sehr schöne Panoramen bietet.



Wieder auf der vielbefahrenen E10 entdecke ich dieses faszinierende land-art-Objekt.



Von Svolvaer nehme ich das erste Mal die Hurtigruten und fahre mit bis zum nächsten Hafen Stokmarknes, dieser Abschnitt soll einer der schönsten auf der gesamten Strecke der Hurtigruten sein und ich werde nicht enttäuscht. Danke an Fricka hier aus dem Forum für diesen Tipp!



Von den Vesteralen bekomme ich nicht so viel mit, diese befahre ich bei langanhaltendem Starkregen. Die nächsten drei Wochen werde ich eher bescheidenes Wetter haben, kalt und nass.

Unterwegs finde ich zwei starke Graffitis im Bansky-Stil.





Auf der kargen und rauen Insel Andøya stürmt es dermaßen, dass ich mich kaum auf dem Fahrrad halten kann. Aus diesem Grund sind auch alle Walsafaris für die nächsten Tage gestrichen. Für diese ist das Städtchen Andenes bekannt. Ich habe keine Lust dafür tagelang im Sturm auszuharren und setze direkt über nach Senja.





Auf Senja ist ein wichtiger Tunnel gesperrt, der auch nicht auf alter Straße umfahren werden kann, dadurch bin ich gezwungen durchs Landesinnere auszuweichen.



Kurz vor Tromsø wird das Wetter für ein paar Stunden besser.



In Tromsø leiste ich mir ein Hüttchen auf dem Campingplatz für stolze 80.-€.

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#1509268 - 08.09.22 18:22 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Indalo
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Unterwegs in Spanien

Tromsø zum Nordkap, 530 km, ca. 6000Hm, plus 180 km mit dem Autobus, 7 Tage

Von Tromsø zuum Nordkap

Eigentlich wollte ich noch einen Tag in Tromsø bleiben, aber es ist mir zu teuer.
Ich verlasse die Stadt auf Fahrradwegen und Nebensträßchen und bin beeindruckt von der imposanten schneebedeckten Gebirgslandschaft rund um die Stadt. Irgendwann muss ich mangels Alternativen für ein paar Kilometer auf die vielbefahrene E8, kein Spaß. Meine Route biegt allerdings bald in ein einsames Hochtal ab, kaum Verkehr und nicht mal Ferienhäuschen gibt es hier.



Nach der nächsten Fähre folgt die Straße einem schmalen Fjord mit beeindruckender Gebirgskulisse.



Ich setze noch über den Lyngenfjord über und befinde mich nun auf der E6, der ich die nächsten gut 350 Kilometer folgen werde. Auf der gegenüberliegenden Fjordseite erheben sich imposant die Lygnen-Alpen mit bis zu 1500 Meter hohen vergletscherten Bergen, die senkrecht ins Meer fallen. Die nächtliche Lichtstimmung tut ihr übriges.



Nach dem kleinen Ort Storslett wird mir die Fjordfahrerei langweilig. Bis jetzt war ich schwer beeindruckt von den hinter jeder Ecke auftauchenden neuen imposanten Bildern, aber jetzt wird’s langsam Routine, schon wieder Meer, schon wieder ein schneebedeckter Berg, schon wieder ein rotes Häuschen, schon wieder ein Fischkutter.



Die Landschaft bleibt zwar hartnäckig schön, aber irgendwie ist die Luft raus, ich will jetzt endlich ins Inland. Vor Alta nervt mich auch der Verkehr.

Im Zentrum von Alta gönne ich mir eine Pizza mit Bier für schlappe 45€. Während ich auf der Terrasse sitze, checkt gegenüber im besten Hotel am Platze die Vorhut einer organisierten Fahrradreise ein. 10 Fahrer (ohne innen) in 10 Tagen von Amsterdam zum Nordkap, 3000 Kilometer, drei Begleitfahrzeuge plus zwei Motorräder für die Getränkeversorgung.


Nordlichtkathedrale in Alta

Ich miete mir ein Hüttchen auf dem Campingplatz, hier lungern schon ein Dutzend Radreisende rum, fast alle sind nach Alta geflogen, fahren mit dem Bus zum Nordkap und starten von dort in Richtung Süden. Die meisten haben zwei Wochen Zeit und wollen es bis nach Mitteleuropa oder zumindest bis an die skandinavische Südküste schaffen, die Lofoten und die Küstenstraße nach Trondheim werden allgemein als zu zeitraubend erklärt, fast alle wollen die E6 runterballern oder die E45 durch Schweden.

Ich verlasse Alta und kämpfe mich den sich doch recht ziehenden Anstieg auf das Hochplateau hinauf, anfangs noch durch Wald aber oben bin ich dann endgültig in der Tundra.



Ich treffe einen jungen Radler mit Ausrüstungsproblemen, sein Tarp funktioniert nicht richtig bei den hiesigen Verhältnissen und beim Biwak letzte Nacht in einem Bushäuschen bei Starkregen wurde sein Daunenschlafsack nass. Er macht sich Sorgen um die nächste Nacht. Ich lade ihn ein sich mit mir zusammen einen Shelter anzusehen, den ich auf einer Karte gefunden habe.
Bingo! Eine vollausgestattete Anglerhütte mit Heizung und Schlafzimmer samt Decken, der Kollege kann seinen Schlafsack trocknen und wir haben eine vorzügliche Nachtruhe.
Klagen über nicht zweckmäßige Tarps höre ich öfter auf dieser Reise, der Boden sei entweder zu hart oder zu weich, keine Bäume zum Aufspannen, zu starker Wind, zu heftiger Regen.

Die ewig lange Abfahrt durch das bewaldete Repparfjordsdalen entlang eines wilden Flusses ist ein Hochgenuss, trotz des vielen Verkehrs. Zum Glück biegen die meisten Fahrzeuge in Skaidi Richtung Hammerfest ab.
Auf der nun folgenden schönen Strecke durch die Tundra nach Olderfjord kommen mir Radreisende im 10-Minuten-Takt entgegen, die meisten haben aber keine Muße auf ein Schwätzchen stehen zu bleiben.

Kurz hinter Olderfjord biege auf die Nebenstrecke nach Havøysund ab, von dort will ich mit den Hurtigruten nach Honningsvåg übersetzen und so die berüchtigten Tunnel umschiffen.

Dieser Streckenabschnitt stellt sich als einer der schönsten der gesamten Tour heraus. Das kleine Sträßchen windet sich elegant entlang einer wilden felsigen Steilküste mit grandiosen Ausblicken auf kleine vorgelagerte Inseln oder auf das offene Meer.



Irgendwo steht nachts mitten auf der Straße eine größere Rentierherde. Das Rentier an sich ist an den motorisierten Verkehr sehr gut angepasst und interessiert sich weder für Motorräder, noch PKWs, noch Lastwagen. Bei Fahrrädern geraten die Tiere jedoch gerne in Panik.

Die Rentierherde auf der Straße nimmt mich wahr und beginnt vor mir die Straße entlang zu flüchten, ausweichen ist auch erst mal schwierig, links ist das Meer, rechts Felsen. Ich radele langsam hinter der trabenden Herde her. Als diese jedoch die dritte oder vierte Ausweichgelegenheit ungenutzt rechts liegen lässt, wird es mir zu doof, ich betätige meine Fahrradklingel und nehme wieder meine Reisegeschwindigkeit auf. Die Herde muss jetzt galoppieren und rennt aber nichts desto Trotz bestimmt vier Kilometer vor mir her, unterwegs auftauchende Wiesen und Täler als Fluchtwege komplett ignorierend. Erst als wir in ein kleines Dorf mit vielleicht zehn Häusern einreiten, verlässt die Herde die Straße und versteckt sich hinter den Gebäuden, sind doch domestizierter als ich gedacht habe.

Etwa 30 Kilometer vor Havøysund verlässt das Sträßchen die Küste und ich muss noch durchaus fordernd über zwei karge Gebirge klettern. Hier herrscht im Winter Pflicht zum Konvoy fahren.


Schneepflugaufsätze

In Havøysund passiert mir dann der erste gröbere logistische Fauxpas meiner Reise. Ich bin morgens rechtzeitig im Hafen zur Abfahrt des Hurtigruten-Schiffes und warte. Und warte und warte. Das Schiff kommt einfach nicht, irgendwann spreche ich einen Hafenarbeiter an, der mich auch schon fragend angesehen hat. Ich war davon ausgegangen, dass die Hurtigruten täglich fahren, das war auch lange Zeit so, sagt der Hafenarbeiter, aber inzwischen fahren die nur noch dreimal in der Woche, das nächste Schiff kommt übermorgen.

Ich finde heraus, dass es nachmittags eine Busverbindung zurück nach Olderfjord und weiter nach Honningsvåg gibt. Ich vertrödele die Wartezeit im Dorfcafé und im kleinen Heimatmuseum.
Im Dorfbus bin ich der einzige Mitreisende und tratsche mit dem schwedischen Fahrer. Er verdient hier in etwa das Doppelte wie in seiner Heimat und hat jede zweite Woche frei. Nur einen Passagier hat er selten, meistens sind es zwei bis vier, letztens sogar einmal über zehn. Ich finde es toll, dass der norwegische Staat in dieser Abgeschiedenheit eine Basisversorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln bereitstellt.
Zehn Minuten Umstieg in Oldersfjord und schon sitze ich im Anschlussbus. Die Strecke an der Ostküste sieht auch ganz nett aus, aber überhaupt kein Vergleich zur Wildheit und Abgeschiedenheit an der Westküste, zudem herrscht wesentlich mehr Verkehr. Ich bin heilfroh dass ich nicht durch diese grässlichen Tunnel pedalieren muss.

Die letzten 30 Kilometer ab Honningsvåg bis zum Nordkap sind berüchtigt dafür nochmal richtig hart zu sein und das sind sie leider auch.
Den ersten epischen Anstieg nehme ich noch sportlich und halbwegs mit Bravour, am zweiten noch viel epischeren Anstieg pfeife ich dann sprichwörtlich aus dem letzten Loch.



Der Eintritt ins Nordkapcenter ist für mit Fahrrad anreisende Menschen kostenlos. Ich verbringe den ganzen nächsten Tag quasi als Ruhetag in eben diesem Center. Es gibt ein Restaurant, eine Bar und zwei Souvenir-Shops in denen man jeweils gut Geld ausgeben kann, es gibt aber auch großzügige Sitzecken und Tische, ein Kino, eine Multimediainstallation, wo man sich ohne Konsumzwang im Warmen aufhalten kann, auch Steckdosen stehen reichlich zur freien Verfügung. Ich halte ein ausgedehntes Schläfchen im einem sehr gemütlichen Knautschsessel, gehe dreimal ins Kino (und schlaf zweimal ziemlich schnell ein, obwohl der Film echt gut gemacht und informativ ist). Auch gibt es Infotafeln zu einer Seeschlacht in der Nähe im zweiten Weltkrieg bei der tausende Seeleute den Tod fanden.

Ich finde den ganzen Ort irgendwie faszinierend, es kommen zwar über den Tag hunderte Wohnmobile und Motorräder an- und abgefahren, es kommen viele Dutzende von Bussen und schaufeln Tausende Passagiere der Kreuzfahrtschiffe hier raus und wieder rein, das hat bisweilen sogar Viehtriebcharakter. Aber irgendwie behält der Ort an sich trotz der Menschenmassen seinen eigenen Flair. Wenn man sich auch nur zehn Minuten vom Parkplatz wegbewegt, ist man auch schon wieder ganz alleine auf der windigen Hochebene.
Befremdlich finde ich die Fahrradkohorten der Kreuzfahrer, nachmittags stehen über hundert identisch gekleideter Menschen mit identischen E-Fahrrädern und identischen Helmen auf dem Parkplatz.
Mitternachts gibt es noch ein großes Drama, da spucken die Reisebusse an die tausend Passagiere eines Kreuzfahrers aus, „Mitternachtssonne am Nordkap“ ist einer der ganz großen Reisehöhepunkte. Aber Pustekuchen, Punkt Mitternacht ist es nebelig am Kap und man sieht noch nicht mal vom Panoramafenster bis zum Globus. Kaum sind alle Busse wieder weg, verzieht sich auch der Nebel.



Am Vortag im Café von Havøysund hatten die Einheimischen ziemlich über die Gesellschaft geschimpft die das Nordkapcenter betreibt. Es wäre ein multinationaler Konzern, der die Gewinne ins Ausland abführen würde und es würden auch keine Einheimischen angestellt sondern nur junge schlecht bezahlte Expads die unter sehr prekären Bedingungen hausen müssten. Ich kann das nicht beurteilen, während einer Kaffeepause des Personals fiel mir allerdings auf dass dieser Teil der Belegschaft muttersprachlich spanisch sprach.


Geändert von Indalo (08.09.22 18:26)
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#1509276 - 08.09.22 20:05 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Indalo
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Unterwegs in Spanien

Vom Nordkap übers Nordkinn und die Varanger-Halbinsel nach Kirkenes, ca. 500km, ca. 5400Hm, plus ca. 270 km mit der Hurtigrutenlinie, 9 Tage

Vom Nordkap nach Kirkenes

Am nächsten Tag verlasse ich das Nordkap wieder und fahre zurück nach Honningsvåg, der Rückweg ist zum Glück nur halb so anstrengend weil nur ein Berg zu überwinden ist.

Von Honningsvåg setze ich mit den Hurtigruten über nach Mehamn auf der Nordkinn-Halbinsel.
Ich bin schon sehr gespannt auf das „heimliche echte“ Nordkap. Das berühmte Nordkap weiter westlich liegt ja genau genommen auf einer Insel. Nordöstlich von Mehamn, nahe dem kleinen Ort Gamvik liegt der Leuchtturm Slettnes Fyr und dieser gilt als der nördlichste auf Straße anfahrbare Punkt von Festlandeuropa. Im Gegensatz zum berühmten Nordkap soll hier gar nichts los sein und sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Bei der Überfahrt sehe ich etwa zwanzig Fischkutter bei der Arbeit. Diese Boote sind bestimmt höchstmodern ausgestattet und wesentlich sicherer als in vergangen Zeiten, aber mir erscheinen sie trotzdem wie Nussschalen und ich habe großen Respekt für die Arbeit der Seeleute.
Ich sehe mir einen Doku-Film über den sogenannten Pomorhandel an, die jahrhundertelange rege Handelstätigkeit zwischen Nordnorwegen und Nordrussland, Norwegens Süden war weit weg und schwierig zu erreichen, Russland brauchte Fisch, Nordnorwegen brauchte Mehl. 1917 kam dieses Handelssystem mit der Oktoberrevolution zum Erliegen.

Mehamn selbst ist ein kleiner aber quirliger Fischereihafen mit großem Supermarkt, zudem gibt es einen erstaunlich gut sortieren Gemischtwarenladen (also von Gaskartuschen über Angelzeug bis zu Funktionsklamotten) und eine richtig leckere Bäckerei mit Café.
Ich fahre am nächsten Tag über mehrere kahle und einsame Berge weiter nach Gamvik und Slettnes Fyr, einem der erwarteten Höhepunkte meiner Reise.

In Gamvik gibt es ein kleines Museum, das aber einen verrammelten Eindruck macht und noch einen süßen kleinen Tante-Emma-Laden, der nördlichste Supermarkt von Festlandeuropa. Ich decke mich zur Feier des Tages mit Delikatessen und reichlich Dosenbier ein und fahre weiter zum Leuchtturm von Slettnes.



In den Nebengebäuden des Leuchtturms soll es Gästezimmer geben und ich hatte angedacht mir den Luxus zu gönnen, hier ein oder gar zwei Nächte zu logieren bevor es wieder Richtung Süden geht. Allerdings, die Nebengebäude sind verrammelt und verriegelt, irgendwo hängt ein kleines Zettelchen, das Gästehaus hätte auf unbestimmte Zeit geschlossen. Meinen Finanzminister freut das sehr.

Ich finde kurz hinter dem Ende der Piste eine Vogelbeobachtungshütte mit Tür, Fenstern und vier Stühlen. Auf dem Parkplatz hier am „Ende der Welt“ stehen zwei Wohnmobile, kein Vergleich mit den hunderten am Nordkap. Die Hütte ist stark verschmutzt, ich leihe mir bei einem Wohnmobil einen Besen und schnorre mir eine Mülltüte und mache Hausputz im Hüttchen. Den Rest des Tages kucke ich einfach auf die Behringsee und freu mich meines Lebens.



Am nächsten Tag gehe ich wandern, es gibt hier zwei markierte Wanderwege die sich schön kombinieren lassen. An der Küste entlang verläuft der Kultursteig, der auf mehreren Infotafeln die historische Besiedlung erklärt. Besonders faszinieren mich die Reste eines Steinlabyrinths dessen Alter mit knapp 2000 Jahren angegeben wird. Ursprünglich von Kreta kommend breiteten sich zu dieser Zeit diese Labyrinthe in ganz Europa aus und ihre Funktion ist noch immer unklar. Auch sehe ich Robben und Seeadler.



Durchs Inland verläuft der Natursteig, auf Infotafeln werden die hier brütenden Vögel beschrieben. Auf einer Tafel wird erklärt, dass es zwei Arten gibt die ihre Nester aggressiv verteidigen, die Raubmöwen und die Seeschwalben. Wenige Meter weiter werde ich auch in der Tat angegriffen. Insgesamt fünf Vögel vertreiben mich in einer konzertierten Aktion mit Kopfnüssen aus ihrem Territorium, ich fühl mich wie in diesem alten Hitchcock-Film.



Slettnes Fyr mit Hurtigrutenschiff

Am Nachmittag fahre ich wieder zurück nach Mehamn und mache mich abends auf die legendäre Route 888 zu befahren. Die Straße ist 101 Kilometer lang und gilt als eine der wenigsten frequentierten von ganz Norwegen. Sie wurde erst im Jahre 1989 eröffnet, davor waren die Ortschaften auf der Nordkinn-Halbinsel ausschließlich mit dem Schiff zu erreichen. Unterwegs gibt es keinerlei Infrastruktur, abgesehen von zwei Rastplätzen mit Toiletten.

Von Mehamn fahre ich bei sehr moderater Steigung auf das ca. 400 Meter hoch gelegene Fjäll, an der Abzweigung nach Kjøllefjord treffe ich einen Radler ohne Gepäck. Sein Segelboot liegt in Mehamn, er musste sich aber neue Seekarten in Kjøllefjord besorgen und lädt mich ein auf seinem Boot zu übernachten. Eine durchaus reizvolle Einladung, aber ich will weiter. Die Straße führt über eine unwirtliche und seenreiche Hochfläche, es liegt noch viel Schnee.

Nach der rasanten Abfahrt hinunter zum Hopsfjord sehe ich dort einen Gedenkstein. Hier wurden zwei Tage vor Ende des zweiten Weltkrieges noch mehrere Fischer ermordet.



Der Anstieg auf die nächste Hochebene ist um einiges steiler und beginnt mit einer fiesen Rampe. Oben angekommen bietet sich ein ähnliches Bild, kaum Vegetation, kleine Hügel, viele Seen, viel Eis und Schnee, keine Gebäude, keine Menschen, selbst für die Rentiere ist es noch zu früh im Jahr.



Mitten im Nichts liegt ein Rastplatz mit einer weiteren dieser abgefahrenen Sanitärinstallationen und hier passiert mir eins meiner skurrilsten Erlebnisse dieser Reise.



Ich rolle irgendwann nach Mitternacht auf den Rastplatz ein und will kurz pausieren und die vom Aufstieg verschwitzten Klamotten wechseln. Ursprünglich hatte ich überlegt hier zu zelten, aber der Boden ist noch schneebedeckt und es weht ein starker eiseskalter Wind.
Auf dem Parkplatz steht ein Wohnmobil, der Fahrer ist irgendwas am Fummeln an den Serviceklappen des Fahrzeuges. Wie er mich einrollen sieht, erschrickt er und springt schnell durch die Seitentür nach innen. Ich höre wie die Türen verriegelt werden, die Sitze im Cockpit werden hektisch von Salon- in Fahrtposition gedreht, der Motor wird angelassen und die beiden Insassen verfolgen fluchtbereit und argwöhnisch jede meiner Bewegungen. Ich bin ein wenig verwundert, ziehe aber meine Pausenroutine durch und fahre zehn Minuten später wieder weiter. Die Straße macht eine Schleife und ich kann beobachten wie mir der Fahrer mit dem Fernglas neben dem Wagen stehend hinterher kuckt. Wie viel Angst müssen diese Leute vor mir gehabt haben, und warum?
Eine Freundin von mir stellt später die Theorie auf, dass die wohl wirklich Panik hatten, ich würde ihnen hier in der Einöde das Wohnmobil klauen.

Kurze Zeit später folgt eine rasante Abfahrt mit schönen Aussichten runter zum Bekkarfjord.



Hier befindet sich ein weiterer Rastplatz, sogar mit beheiztem Aufenthaltsraum. Ich hänge drinnen meine Wäsche zum Trocknen auf und zelte direkt neben dem Häuschen.

Ilfjord besteht aus einer Kreuzung mit Tankstelle, Restaurant und angeschlossener Hüttenvermietung. Ich sitze eine ganze Weile auf der Terrasse und genieße dass hier so gar nichts passiert, alle halbe Stunde kommt mal ein Auto. Ich such mir einen Zeltplatz ganz in der Nähe, schlafe zur Abwechslung mal früh und komme am nächsten Morgen wieder zur Tankstelle um bei Kaffee und Frühstück nochmals eine ganze Weile dabei zuzukucken wie nichts passiert.



Irgendwann mache ich mich dann doch auf den Weg das Ilfjordfjäll zu überqueren, die Steigung hinauf ist recht moderat, zieht sich aber über viele Kilometer, Verkehr gibt es so gut wie keinen. Oben auf dem Fjäll lass ich mein Fahrrad stehen und laufe eine Stunde zwischen den Schneefeldern rum, heute weht kein Lüftchen und hier oben ist es so richtig still.



Es folgt eine lange und rasante Abfahrt zum nächsten Fjord und über mehrere kleine fiese Hügel geht es weiter Richtung Tana-Fluss und am Fluss entlang nach Tana-Bru, der einzigen Brücke über den Fluss weit und breit. Die Strecke am Fluss entlang ist eben, schnurgerade, langweilig und ich habe heftigen Gegenwind, was mich treibt ist die Vorfreude auf der anderen Flussseite mit Rückenwind die ganze Strecke wieder zurück zu pesen. Aber denkste, bis ich auf der anderen Seite bin, ist es windstill.
Tarna Bru ist quasi komprimierte Zivilisation, es gibt eine Tankstelle mit Imbiss, ein Hotel mit Restaurant, einen Supermarkt, einen Gemischtwarenhandel, ein Gesundheits- und ein Gemeindezentrum und sonst nicht viel.
Ich gönne mir einen Hamburger, gehe Einkaufen und fahre weiter. Die Strecke auf der anderen Flussseite ist genauso langweilig, im Gegensatz sind hier aber ziemlich viele Lastwägen unterwegs.
An der Mündung des Tanaflusses in den Tanafjord wird die Landschaft wieder interessanter, dies ist eins der größten Flussdeltas Europas mit sich ständig veränderten Schwemmlandschaften. Im Hintergrund sehe ich ein beeindruckend großes Übertage-Bergbaugebiet, es handelt sich um die zweitgrößte Quarzit-Mine der Erde. Vor kurzem wurde sie aus norwegischer Hand an ein chinesisches Unternehmen verkauft, wie mir die Einheimischen wenig begeistert berichten.

Nächste Nacht soll es schon wieder ausgiebig regnen und kalt werden, ich habe das Bedürfnis nach einer Unterkunft. In Austertana gibt es eine Hüttenvermietung, ich radle dorthin und soll 160€ für ein Hüttchen für eine Nacht bezahlen. Das ist mir gelinde gesagt ein wenig zu teuer, ich steuere einen kleinen Tante-Emma-Laden an und frage dort nach. Eine Nachbarin wird angerufen und ich lande in einer Art Monteursunterkunft für 40€. Alle Monteure sind aber im langen Wochenende und im wahrsten Sinne des Wortes ausgeflogen nach Oslo so dass ich ein ganzes Haus für mich alleine habe. Mangels Nachbarn höre ich seit ewig mal wieder laut Musik, draußen regnet es Hunde und Katzen. Die Vermieterin meint, ich könne den ganzen nächsten Tag im Haus verbringen, die eigentlichen Bewohner kämen erst gegen Mitternacht. Es regnet durch bis zum Nachmittag. In einer kurzen Pause mach ich mich auf den Weg übers nächste Fjell Richtung Berlevåg. Die Regenpause hält genau bis zum höchsten Punkt, dort erwischt mich heftiger Schneeregen. Die folgende ewig lange Abfahrt durch ein berühmtes Lachsfischgebiet mit vielen Ferienhäuschen kann ich gar nicht so richtig genießen, weil mir trotz zweier Paar Handschuh übereinander fast die Finger abfallen.



Im einzigen Dörfchen unterwegs entdecke ich noch diesen ehrwürdigen Tante-Emma-Laden.



Die Straße windet sich nunmehr durch wilde Felsenlandschaften entlang der aufgewühlten Behringsee. Schon kurz vor Berlevåg finde ich diesen pittoresken Zeltplatz mit Mitternachtssonne im Hintergrund.



Gleich ums Eck steht eine wieder aufgebaute Partisanenhütte aus dem zweiten Weltkrieg und es gibt einen kurzen Wanderweg zu einem Beobachtungsposten.



Berlevåg ist ein umtriebiger Fischereihafen direkt an der Behringsee, es gibt über zwanzig Fischfabriken. Ich besuche als erstes das lokale Museum und sehe mir eine sehr gute Dokumentation über den Hafenbau an. Das Meer ist hier so wild, dass es insgesamt 70 Jahre gedauert hat, bis die Hafenmolen so stark befestigt waren, dass sie der See dauerhaft standhalten. Gleich nebenan gibt es einen Campingplatz mit Restaurant und Mittagsmenü, als Radfahrer bekomme ich eine extra große Portion Fisch mit Pommes. Am Dorfplatz steht ein Wegweiser der nicht zu Ortschaften sondern zu Fischgründen weist.



Einen kurzen Regenschauer sitze ich im Dorfcafé bei Jazzmusik aus, dann fahre ich noch ein paar Kilometer weiter nördlich und besteige das Tanahorn, eine Felsklippe ähnlich dem Nordkap, die senkrecht 300 Meter in die Behringsee abbricht. Im Gegensatz zum Nordkap allerdings bin ich hier ganz alleine.

Zurück in Berlevåg besuche ich noch die hervorragende Hamburger-Bude am Dorfplatz von der ich nur gutes gelesen hatte. Am nächsten Tag soll es sogar noch eine Party mit Konzert geben, 10 Jahre Jugendzentrum wollen gefeiert werden. Der Musikanlagenverleiher ist auch schon vor Ort, 800 Kilometer aus Tromsø angereist. Ich hätte ja irgendwie schon große Lust auf eine tüchtige Sause hier am Ende der Welt, aber am Ende müsste ich dann drei Tage warten bis das übernächste Schiff fährt und das ist mir zu lange. So mache ich mich auf den Weg zum Hurtigrutenanleger, es gibt keinen Warteraum wie in den anderen Häfen, dafür aber eine öffentlich zugängliche heiße Dusche. Na gut, warte ich halt unter der Dusche.



Nachts auf hoher See weht ein stürmischer Wind und sogar das Hurtigrutenschiff hat ordentlich zu kämpfen und stampft schwer durchs aufgewühlte Meer.
Beim Zwischenstopp in Båtsfjord wird ziemlich viel Fracht ausgeladen und ich habe Zeit einem Fischer beim Netzeflicken zu beobachten.



In den Morgenstunden komme ich in Vardø an, ich befinde mich hier östlicher als Istanbul, St. Petersburg und Kairo.

Vardø liegt auf einer Insel und diese verlasse ich durch Norwegens ersten Untermeerestunnel, das ist wohl formal der Tiefpunkt meiner Reise.



Ich radele noch ein paar Kilometer und campe neben diesem land-art-Objekt.





Tags darauf sehe ich mir das nahegelegene Partisanenmuseum in Kiberg an, auf das ich schon seit der Tourenplanung gespannt bin. Letztendlich bin ich aber leider ziemlich enttäuscht, die Exponate sind ausschließlich in norwegischer Sprache beschriftet, die didaktische Umsetzung ist auch nicht so, dass Bilder für sich sprechen würden und es ist auch niemand vor Ort den ich nach weiteren Erläuterungen fragen könnte.
Das Land fällt hier zur Abwechslung in sanften Hügeln ins Meer und ist nicht mehr die wilde Steilküste wie sonst bisher. Bäume gibt es noch nicht aber frisches Gras und viele Schafe. Auf halben Weg gibt es ein bekanntes Fischrestaurant als einzige touristische Infrastruktur auf dem ganzen Weg bis Vadsø, aber es droht schon wieder Regen und ich schaue lieber dass ich weiterkomme und kehre nicht ein.

Am nächsten Morgen setze ich ein letztes Mal mit den Hurtigruten nach Kirkenes über. Die letzten drei Hurtigruten-Schiffe waren allesamt baugleich, dieses letzte ist wesentlich älter und auch kleiner und hat unter anderem einen sehr schicken Salon.




Geändert von Holger (10.09.22 21:09)
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#1509282 - 08.09.22 21:00 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Indalo
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Kirkenes nach Rovaniemi, 570 km, 2800 Hm, 7 Tage

Von Kirkenes nach Rovaniemi




In Kirkenes angekommen suche ich mir zuerst einen Postschalter in einem Einkaufszentrum in der Nähe des Hafens und schicke mir zwei Kilo warme Klamotten für schlappe 40€ nach Hause. Heute morgen in Vardø bin ich noch bei ca. 5 Grad aufgestanden, aber der Wetterbericht sagt für die nächste Woche bis zu 35 Grad und mehr voraus.
Auffällig in Kirkenes sind diese überdimensionieren Einkaufszentren, in denen sich kaum ein Mensch befindet. Hintergrund ist bzw. war ein Abkommen zwischen Norwegen und Russland, dass den russischen Nachbarn und Nachbarinnen erlaubt sich im Grenzgebiet visumfrei aufzuhalten und unter anderem in Kirkenes shoppen zu gehen. Seit Beginn des Ukrainekrieges ist dieses Abkommen allerdings ausgesetzt.

Ich entdecke dieses Denkmal als Dank für die Befreiung durch die Rote Armee von deutschen Besatzung, die Sonne steht gerade sehr pathetisch.



Nach einer kurzen Runde durch die recht übersichtliche Innenstadt mache ich mich auf den Weg Richtung Finnland. Es geht auf gut fahrbaren Radwegen raus aus der Stadt durch noch einen Vorort mit einem weiteren Einkaufszentrum. Ab hier wieder auf der Straße führt die Strecke eine ganze Weile recht steil durch ein militärisches Sperrgebiet, danach zur Abwechslung mal wieder an einem Fjord entlang, der letzte immerhin auf meiner Reise. Die Strecke ist ganz gut zu fahren und nach einer weiteren kleinen Steigung erreiche ich bei Neiden die Abzweigung hoch zur nahen Grenze.

Hier gibt es eine mächtige Stromschnelle, ich mache kurz Pause, inzwischen hat es schon an die 25 Grad, und bemerke das erste Mal überhaupt auf meiner Reise Stechmücken. Bis jetzt war es für die Biester schlichtweg zu kalt, aber pünktlich für meinen Lappland-Trip sind sie am Start. Sehr aufmerksam!



Ich pedaliere ganz gemächlich zur Grenze hoch und bin überrascht wie schnell sie nach Wochen in Fjordnorwegen plötzlich die Landschaft ändert. Nach wenigen Kilometern schon befinde ich mich im borrealen Nadelwald, auch Taiga genannt, statt alpiner, schneebedeckter Felsenberge sehe ich nur noch sanfte grüne Hügelketten.
Die Grenze besteht im wesentlichen aus den üblichen Schildern, kurz dahinter kommt der erste finnische Supermarkt zusammen mit einer Tankstelle auf der grünen Wiese.



Kurze Bestandsaufnahme: Lebensmittel nur noch halb so teuer, Bierpreise unverändert sehr hoch.

Es fahren nur sehr wenige Autos und das bleibt auch so bis kurz vor Inari.
Nach etwa 20 Kilometern fröhlichen Radelns durch noch sehr schüttere Birkenwälder und vorbei an den ersten Seen, kommt so was wie eine Ausflugsgaststätte ins Bild, so richtig mit einer biergartenähnlichen Terrasse und Musik und lachenden Menschen. Das hab ich ja seit Wochen nicht mehr gesehen. Spontan beschließe ich mir hier ein großes Bier zu gönnen, 6€ statt 15€ wie in Norwegen sind ja quasi ein Freundschaftspreis. Am Tisch neben mir sitzt eine sehr betrunkene Runde rüstiger Herren, ein Schnaps folgt dem nächsten. Irgendwann will der mir am nächsten Sitzende wohl eigentlich aufstehen, geht aber zu Boden, bleibt auf meinen Füßen liegen und schläft entweder ein oder ist bewusstlos, nicht mal sein Hund schafft es ihn noch aufzuwecken.



Die Wirtin kommt und fragt mich ob ich mit der Situation ein Problem hätte. Ich meine mir geht’s soweit gut, der Herr zu meinen Füßen hätte wohl eher ein Problem. Sie redet auf dessen Kumpane ein und zu guter Letzt bemüßigen diese sich ihren schwergewichtigen Kollegen irgendwie hochzuhieven, zwanzig Meter weit zu schleifen und ihn mit Mühen samt Hund in einen großen Geländewagen zu stopfen.
Damit ist die Sache erledigt, die Herren setzen sich wieder, die nächste Runde Schnaps kommt, ich kriege auch einen, Lakritze. Ich frage die Wirtin wie denn das jetzt weitergehen würde mit dem bewusstlosen Kollegen. Sie meint, der würde jetzt erfahrungsgemäß eine Stunde schlafen und dann nach Hause fahren, er hätte es ja nicht weit, nur so circa vierzig Kilometer.
Willkommen in Finnland!

Ich trinke noch ein Bier und schlage mich ganz in der Nähe irgendwo in die Büsche. Ich lerne die lappländischen Mücken kennen, es sind richtig viele, aber mit Mückenhut und viel „OFF!“-Spray halte ich sie mir vom Leib, die Stiche jucken auch nicht übermäßig.



Am nächsten Tag geht es unspektakulär aber durchaus kurzweilig auf guter Straße durch Wald und an vielen Seen und Flüsschen vorbei, kurz vor Inari muss ich allerdings für etwa eine Stunde auf die wesentlich stärker befahrene E75. In Inari gibt es Supermarkt und eine Pizzeria, die Leute hinterm Tresen sind schwer tätowiert und tragen bunte Haare, es läuft Rockmusik, Pizza und Bier kosten zusammen 18€, ist ja fast wie zuhause hier.
Ich campiere nicht weit bei einem Shelter direkt neben einer Stromschnelle. Eine nette Anglerin will mir einen ca. 40 cm langen Fisch schenken, ich lehne dankend ab, heute hab ich schon gegessen und was soll ich morgen mit so einen Riesenfisch bei diesem heißen Wetter.



Ich fahre weiter auf der berühmten 955, bekannt für ihren wenigen Verkehr und dass sie sich irgendwann in eine Dirt-Road verwandelt.
Nach etwa 35 Kilometern biege ich rechts ab in Richtung Lemmenjoki-Nationalpark, ich will nochmal wandern gehen.
Ich komme nachmittags am Ende der Straße an, hier gibt es einen Campingplatz, aber mein Plan ist eigentlich noch wenige Kilometer weiter auf einem offiziellen aber freien Campground zu nächtigen. Irgendwie hab ich aber ein komisches Gefühl und meine Nase wittert Regen, trotz wolkenlosem Himmel. Darum miete ich mir ein Hüttchen für 40€, ich wasche und sauniere und bekoche mich zu Abend, der Himmel ist immer noch wolkenlos und langsam frage ich mich, ob mich mein Näschen nicht doch getäuscht hat. Keine Stunde später tobt ein heftiges Gewitter, mit Hagel sogar und setzt sich am höchsten Berg der Gegend fest zu dessen Füssen mein ursprünglich anvisierter Biwakplatz liegt. Alles richtig gemacht!

Am nächsten Tag bei schönem aber schwülem Wetter besteige ich den höchsten Berg der Gegend, den Joenkielnen, am Ende sind es etwa 20km zu Fuß bei 500Hm teilweise durch sumpfiges Gelände. Es zieht sich ganz schön, macht aber Laune und ich treffe einen einzigen Menschen.



Am späteren Nachmittag, es hat inzwischen weit über 30 Grad, schwinge ich mich wieder aufs Rad und freu mich meines Lebens, endlich ist es mal richtig warm nach all den vielen nasskalten Tagen und Nächten in Norwegen.
Vor mir liegt ein Streckenabschnitt auf den ich mich schon besonders freue, erst mal 80 Kilometer einsamste Landstraße bis zur einzigen Tankstelle mit Café und dann 70 Kilometer Dirt-Road ohne Infrastruktur bis zum nächsten Ort. Von dort habe ich Pläne für einen ausgewiesenen 50 Kilometer Single-Trail und danach nochmal 200 Kilometer Dirt-Road-Vergnügen auf nicht asphaltierten Forststraßen. Geil! Eines der geplanten Tourenhighlights!



Soweit die Idee, es dauert nicht lange bis mich irgendwelche komischen Fliegen nerven. Nachdem mich zwei oder drei davon schmerzhaft gebissen haben, komme ich drauf, dass es sich nicht um irgendwelche gemeinen Schmeißfliegen handelt, sondern um die nordische Verwandtschaft der mitteleuropäischen Pferde- oder Rinderbremse, irgendein grässlicher Vertreter der Gattung tabernae.



Erst sind es fünf, dann zehn, dann zwanzig, nach kurzer Zeit fahre ich in einer vielköpfigen Wolke dieser Mistviecher. Ich hab sie natürlich nie durchgezählt, aber ich schätze so zwischen fünfzig und hundert werden mich stetig begleiten die nächsten Tage. Es fühlt sich ähnlich an wie mitten in einem Bienenschwarm, aber das permanent über Stunden. So etwas hab ich entfernt noch nie erlebt, es ist der reinste Horrortrip.
Die ollen Bremsen wollen mir nicht nur ganz banal das Fleisch vom Körper reißen und mein Blut saugen, nein am Allerliebsten würden sie genau das in meinen Augen, Ohren, Nasen machen wollen.
Es reicht, ich greife zur Vermummung obenrum. Fürs Regenzeug ist es mir zu heiß. Vorerst...



Wenn ich richtig zügig fahre, begleiten mich die Viecher zwar, können sich aber nicht zum Beißen festsetzen. Wenn ich allerdings in meinem gewohnten Reisetempo fahre, ist der Fahrtwind nicht kräftig genug und ich werde gebissen.

So hetze ich also im Sprintmodus den Rest des Tages über die Landstraße, bedrängt von einer Horde proteinsüchtiger Junkies. Zum Glück ändern sich abends trotz Mitternachtssonne doch Licht und Temperatur ein wenig und plötzlich sind die Bremsen weg.

Völlig erschöpft schlage ich einfach irgendwo mein Zelt auf, die dabei auftauchenden Stechmückenhorden ignoriere ich völlig. Blutige Anfänger!

Am nächsten Vormittag wartet die Bremsenhundertschaft bereits ungeduldig auf mein Erwachen und ich schaffe es in weniger als zehn Minuten und in kompletter Regenmontur meine sieben Sachen zu verstauen und loszudüsen. Ohne Kaffee, ich hasse Euch! Es hat um neun Uhr morgens schon um die 30 Grad.

Wenn ich stehen bleibe und mich zügig etwa zwanzig oder dreißig Meter vom Rad wegbewege dann habe ich etwa eine Minute um einen Schluck zu trinken und einen Happen zu essen bevor die Bremsen bemerken dass sich das Frischfleisch entfernt hat.

Völlig fertig erreiche ich die Tankstelle mitten im Nichts.



Der Wirt des dazugehörigen Cafés meint es würde sich um die schlimmste Bremsenplage seit Menschengedenken handeln, es wären nicht nur ungewöhnlich viele, sondern sie wären auch ungewöhnlich aggressiv. Die Rentierzüchter würden sogar schon anfangen ihre Herden zusammenzutreiben um ihre Tiere irgendwie zu schützen, eine sehr unübliche Maßnahme mitten im Sommer. Er rät mir mich mit Essig einzureiben.
Der Essig hilft allenfalls ein bisschen, die Mistviecher sind nicht mehr ganz so extrem beißwütig, das Frischfleisch ist wohl falsch mariniert, gleichwohl begleitet mich die Hundertschaft hartnäckig und auf Tuchfühlung.



Hinter der Tankstelle beginnt der gravel-Teil der Strecke. Anstatt dies angemessen zu genießen, rase ich so schnell ich kann die langezogen Hügel rauf und runter, zur Krönung sind die letzten 25 Kilometer Baustelle, keine feine gravel-Auflage mehr, sondern grobschotteriges Straßenbett. Bisweilen sehe ich Rentiere am Straßenrand stehen, sie sind allesamt eingehüllt in schwarze Wolken.

Gegen Abend erreiche ich Sirrka und lerne durch Zufall zwei junge Männer kennen die in der Gegend als Mountainbike-Guides arbeiten. Ich befrage sie zu meiner geplanten 50 Kilometer Single-Trail Tour durch den nahegelegenen Pallas-Yllästunturi-Nationalpark. Eine schöne Strecke hätte ich mir da ausgesucht, und ja, die wäre prinzipiell auch mit vollgepacktem Reiserad möglich. Aber momentan würden sie mir dringend abraten, die Bremsenplage im Nationalpark wäre unerträglich. Sie selbst hätten gerade alle ihre gebuchten Touren für die nächsten Tage abgesagt, das könnten sie ihren Klienten und Klientinnen nicht zumuten.

Ich such mir einen Grillplatz ganz in der Nähe, ein Schild am Klo weißt auf Videoüberwachung desselbigen hin. Solche Hinweise sah ich in Norwegen schon reichlich, hier in Finnland ist laut Schildern so gut wie alles videoüberwacht.



Am Morgen lerne ich einen anderen Radreisenden kennen. Er ist auf ganz großer Tour, von Frankreich ans Nordkap, durch Finnland ins Baltikum, von dort nach Berlin und weiter nach Athen, zurück über den italienischen Stiefel wieder nach Frankreich, das ganze in knapp fünf Monaten. Er beschwert sich bitter, dass seine Tour bis jetzt so langweilig sei, immer nur auf Schnellstraßen und er noch nichts von der angeblichen Schönheit Skandinaviens gesehen hätte, immer nur LKWs und Bäume. Ich rege an, er möge eventuell seine Route modifizieren, sich die schönen Strecken raussuchen und dazwischen auch mal Bus oder Bahn benutzen. Dies lehnt er brüsk ab, das würde nicht mit seinem Plan korrespondieren die komplette Strecke zu radeln und er macht sich schmollend auf seinen Weg. Tja...

Eben hab ich noch große Reden geschwungen über die Schönheit und Einsamkeit der Nebenstrecken, aber kaum ist der Kollege weg, beschließe ich alle meine gravel-Pläne über Bord zu werfen und statt dessen auf schnellstem Weg, sprich auf der Hauptstraße nach Rovaniemi zu düsen, ich will raus aus dieser blutrünstigen Insektenwolke.

Nachmittags zieht ein schweres Gewitter auf, ich finde zum Glück einen sehr freakigen Bauernhof mit Zimmervermietung und feiere mit dem Hofbetreiber und zwei Flaschen Wein meinen Geburtstag, wir philosophieren bis in die Morgenstunden, nicht nur über diese Bremsenplage biblischen Ausmaßes, sondern auch über den unbedeutenden Rest des Lebens.

Nach eineinhalb Tagen schweissverklebt und übelst nach Brandweinessig stinkend, ohne die Landschaft unterwegs groß wahrzunehmen, erreiche ich Lapplands Hauptstadt, nehme mir ein Zimmer und bin für zwei Tage zu gar nichts mehr zu gebrauchen, nur zum Besuch des Arktikum-Museums kann ich mich aufraffen.

Von Rovaniemi fahre ich mit dem Nachtzug nach Helsinki, aus Sparsamkeitsgründen habe ich mir nur Holzklasse gegönnt. Die Sitze sind unbequem, die Mitreisenden latent unruhig.

In Helsinki auf dem Bahnhofsvorplatz habe ich plötzlich einen Platten, den ersten überhaupt auf dieser Reise. Beim Schlauchwechsel bemerke ich dass meine kleine Reiseluftpumpe nicht mehr ordentlich funktioniert, sie bläst Nebenluft. In der Großstadt kein Problem, der nächste Fahrradladen mit Standluftpumpe ist nur wenige hundert Meter entfernt. Mit Grauen stelle ich mir allerdings die Situation vor wenn mir das irgendwo in Lappland mit all den Bremsen um mich herum passiert wäre.
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#1509284 - 08.09.22 21:39 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Indalo
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Helsinki-Turku-Stockholm-Nynäshamn, ca. 400km Rad, 2000Hm + 230km Fähre, 9 Tage

Von Helsinki 100km nach Westen

Von Turku über die Schären nach Stockholm und Nynäshamn


Ich sehe mir einen Tag lang Helsinki an.







Die Ausfahrt aus Helsinki zieht sich, ist aber recht kurzweilig, das Radwegnetz ist ausgezeichnet. Später geht es dann über verkehrsarme Nebenstraßen durch Wälder und über Felder und Wiesen, das Ambiente ist schon eher mitteleuropäisch, in der Nähe von Ingå schaue ich kurz bei einer Freundin auf eine Runde Sauna vorbei.
In Karis steige ich in den Zug, der Streckenabschnitt weiter bis Turku soll nicht so lohnend sein. Von Turku aus fahre noch ca. 20 Kilometer auf guten Radwegen durch dichtbesiedeltes Gebiet und erreiche dann die ersten Schären-Inseln.





Die nächsten vier Tage fahre ich erst über die Turku- und dann über die Åland-Schären. Die Landschaft ist lieblich, die Straße führt zum Teil über viele Brücken und kleinste Inseln, zum Teil auch durchs Innere der etwas größeren. Hier wechseln sich Felder, Wiesen, Weiden, Wälder und rundgeschliffene Granithügel ab. Öfter am Tag muss ich Fähren benutzen, viele davon sind sogenannte Kabelfähren, vom Wasser aus bieten sich schöne Ausblicke über die kleinen Inseln, alles wie im Astrid-Lindgren-Land hier.



Das Ambiente gefällt mir gut und das Inselhüpfen macht Spaß, aber mir steckt die Reise als gesamtes schon ziemlich in den Knochen und die Tage mit den Bremsen in Lappland haben mich erschöpft. Ich mache kaum Fotos und kann auch nicht viel erzählen, mein Fahrrad beginnt ebenfalls erste Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Den letzten Schlenker nach Süden über die Inseln Kumlinge, Överö und Degerö lasse ich aus, diese Variante hätte auf Grund ungünstiger Fährverbindungen übers Wochenende zwei Tage länger gedauert, die Zeit will ich lieber in Stockholm verbringen.



In Mariehamn besteige ich ein kolossales Fährschiff mit Kreuzfahrtcharakter, es gibt Diskos, Konzerte, mehrere Duty-Free-Shops und Restaurants, ich bin leicht überfordert mit so vielen Menschen.
Vor Stockholm verläuft die Schiffsroute über mehrere Stunden durch den Schärengürtel, was nochmal hübsch anzusehen ist.





In Stockholm bleibe ich zwei Nächte auf dem Campingplatz in Bredäng und sehe mir die Stadt an, unter anderem auch dieses riesengroße und sehr interessante Freilichtmuseum namens Skansen.



Von Stockholm aus bastele ich mir noch eine nette Route über Nebensträßchen und Feldwege bis nach Nynäshamn. Ich kann mir Zeit lassen und nächtige unterwegs noch einmal stilvoll an einem See.






In Nynäshamn bemerke ich dass ich noch schwedische Kronen im Wert von 30€ bei mir habe und schaffe es gerade noch diese in einer Hafenspelunke auf den Kopf zu hauen.

Zur Fähre habe ich hier schon was geschrieben:
Faden zur Fähre von Stockholm/Nynäshamn nach Rostock

Von Rostock fahre ich mit dem Regionalexpress nach Hamburg und von dort mit dem ICE nach Freiburg.




Fazit:
Schön wars, eindrucksvoll wars, anstrengend wars, teuer wars, abgesehen von den Bremsen in Lappland eine sehr tolle Tour.
Insgesamt bin ich 33mal auf Fähren, Schnellbooten oder Schiffen unterwegs gewesen, elfmal bis Bodø, viermal bis Tromsø, zweimal bis zum Norkap, dreimal bis Kirkenes und dreizehnmal auf den Schären.

Ausgaben:
Ca. 1000.-€ für An- und Abreise mit Zug und Schiff von Freiburg bis Trondheim und ab Nynäshamn bis Freiburg. Inklusive der zwei Zugfahrten in Finnland und Übernachtung in Kopenhagen, Rovaniemi, Helsinki und Stockholm
Ca. 200.-€ für die vier Passagen mit den Hurtigruten, 80€ für die Fähren von Turku nach Stockholm
Ca. 350.-€ für Übernachtungen unterwegs (viermal Hüttchen auf Campingplatz, zweimal Zimmer, zweimal Zelt auf Campingplatz)

Ca. 30.-€ im Durchschnitt pro Tag für Verpflegung, inbegriffen der Preis für täglich einen Liter Feierabendbier (5.-€). Zu Anfang und zu Ende der Reise hatte ich passables Wetter und konnte mich konsequent selbst bekochen, das war natürlich günstiger.
Während der drei feuchtkalten Wochen in der Finnmark bin ich meist einmal selten sogar zweimal täglich irgendwo zum Essen eingekehrt, in den größeren Orten bei Kebab/Pizzabuden sonst bei Tankstellen mit Imbiss, Kosten dafür jeweils um die 20.-€ pro Mahlzeit (oft Hamburger mit Pommes).
Lebensmittel kosten im Supermarkt etwa das zwei- bis dreifache wie in Mitteleuropa, relativ preiswert sind Lachs, norwegisches Rindfleisch und geschmackloser norwegischer Käse, es gibt viele minus 40% Angebote für bald ablaufende Ware.
100.-€ bezahlte ich für drei Päckchen Tabak in Norwegen.

Bemerkenswert allerdings fand ich dass Funktionsklamotten, Merinounterwäsche und Regenbekleidung preislich günstiger waren als in Deutschland.

Empfehlenswerte Apps und Seiten im Netz:
YR: offizielle Wetter-App des meteorologischen Instituts von Norwegen, schlicht, übersichtlich, zuverlässig, gutes Regenradar
Reiseøk Nordland: Diese App kennt alle Fähr- und Autobusverbindungen zwischen Trondheim und Kirkenes, außer den Hurtigruten-Schiffen

Die Fährverbindungen zwischen Turku und Stockholm habe ich mir mit Finnferries zusammengesucht.

touren-wegweiser.de/Skandinavien
sehr akribische und detaillierte Beschreibung nahezu der gesamten Route, auch viele Übernachtungsplätze (Biwak wie Camping) sind hier aufgeführt.

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#1509290 - 08.09.22 22:14 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Indalo
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Und Danke! an alle die mir im Vorfeld hier im Forum all meine Fragen zu Skandinavien beantwortet haben!
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#1509293 - 08.09.22 23:08 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Biotom
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Wunderschön, vielen Dank fürs Teilen!
I never go for a walk without my bike.
Link auf Biotoms Tourberichte
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#1509296 - 09.09.22 06:20 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
natash
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Merci und die Geschichte mit den Bremsen klingt wirklich übel. Wie schnell muss man denn in etwa sein um die abzuhängen?

Gruß

Nat
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#1509303 - 09.09.22 09:08 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Martina
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In Antwort auf: Indalo
relativ preiswert sind Lachs, norwegisches Rindfleisch und geschmackloser norwegischer Käse


Gibt es in Norwegen keinen braunen Karamellkäse mehr? Der ist jedenfalls nicht geschmacklos, allerdings ist der Geschmack nicht jedermanns Sache...

Zum Thema Bremsen: wir sind vor vielen Jahren ebenfalls während einer Hitzeperiode in Finnland unterwegs gewesen und hatten das Vergnügen mit Bremsen, allerdings lange nicht in dem von dir geschilderten Ausmaß. Wir waren auf ebener Strecke und Asphalt schnell genug, um nicht gebissen zu werden. Sobald es berghoch ging nicht mehr.
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#1509312 - 09.09.22 10:16 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Keine Ahnung
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Danke für den interessanten Bericht. Der Vorteil beim Betrachten der schönen Bilder ist, dass man mit den Mücken und Bremsen nicht in Berührung kommt. Ich hatte einmal den Fehler begangen, in der Nähe von Bergen auf einer Wiese mein Zelt aufzuschlagen. Nach kurzer Zeit war ich von einer Wolke von Mücken umgeben. Ich konnte mich ins Zelt retten, aber die ganze Nacht war um das Zelt ein lautes Summen zu hören - ich hatte das Gefühl, neben einer Trafostation zu übernachten. Zum Glück ging es dann hoch in die Berge, wo im Juni noch Schnee lag. Da war dann Ruhe.

Dieses Jahr wollte ich eigentlich Ende Mai im Anschluss an eine Tagung, die in Kiruna stattfinden sollte, von dort Richtung Bremen heimfahren. Vielleicht wären wir uns da begegnet. Leider wurde die Tagung verschoben (sie ist jetzt Ende September - zu kalt für eine Radreise in diesen Regionen), da traditionell an der Tagung viele russische Wissenschaftler teilnehmen, die im Mai nicht hätten kommen können. Die Hoffnung auf eine Besserung der Situation hat sich ja leider nicht bewahrheitet traurig .
Gruß, Arnulf

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Off-topic #1509317 - 09.09.22 11:49 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Martina]
iassu
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Bremsen beißen nicht. Sie stechen.
Gruß Andreas
Onkel Ju 2
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Off-topic #1509318 - 09.09.22 11:59 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: iassu]
Ticino
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Auch Biologe? und die Zecken?
Und der Unterschied zwischen Stacheln und Dornen?
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Off-topic #1509320 - 09.09.22 12:05 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Ticino]
iassu
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Nix Biologe, rudimentäres Allgemeinwissen, immerhin ehemaliger Imker.
Gruß Andreas
Onkel Ju 2
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Off-topic #1509321 - 09.09.22 12:32 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: iassu]
Keine Ahnung
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Lieber Andreas,

bist Du Dir da sicher? Ich würde sagen, dass Kriebelmücken und Bremsen beißen. Für Bremsen siehe z. B. HIER zwinker

Letztendlich ist es fast egal. Lästig sind all diese Viecher entsetzt
Gruß, Arnulf

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Off-topic #1509326 - 09.09.22 13:42 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: iassu]
Martina
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In Antwort auf: iassu
Bremsen beißen nicht. Sie stechen.


Im Reisebericht wurde das Gegenteil behauptet, das hat mich zumindest verunsichert. Bis dato war ich auch der Meinung, sie stechen. Ist aber egal, unangenehm ist es auf jeden Fall.
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Off-topic #1509329 - 09.09.22 14:31 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Keine Ahnung]
iassu
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Steißen und Bechen.

Aber unterm St(r)ich tatsächlich egal.... teuflisch
Gruß Andreas
Onkel Ju 2
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Off-topic #1509330 - 09.09.22 14:51 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: iassu]
Keine Ahnung
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... ich glaube, dass hier eine genaue Definition von "Stechen" nötig wäre. Wenn "Beißen" auch als "Stechen" definiert wird, so sticht eine Bremse. Ansonsten beißt sie und zwar mit dem, was zum Beißen verwendet wird, den Mundwerkzeugen. Wenn Du nun in den Apfel beißt, kannst Du das natürlich auch als Stich interpretieren - es wurde ja durch Deine hoffentlich intakten Zähne ein Loch erzeugt - aber ich würde hier doch eher sagen, dass Du den armen Apfel durch einen Biss verwundet hast. Draculas Bisse würden eher in die Kategorie "Stiche" einzuordnen sein und auch ein "Schlangenbiss" ließe sich gut als Stich interpretieren.

Man sieht einmal wieder, wie wichtig Definitionen sind - Martina kann das sicher auch in Bezug auf die Mathematik bestätigen zwinker .


P.S. Am Ende dürfte es beim Angriff eines Schwarms von solchen blutdurstigen Monstern nicht mehr interessieren, durch welche Methode sie einen maltretieren, wie der Reisebericht ja durchaus bestätigt. Insofern ist der Bericht derart, dass ich zwar aufgrund der Landschaftsaufnahmen Lust bekomme, auch wieder im Norden unterwegs zu sein, aber zugleich weckt er Erinnerungen, die mir zumindest gewisse Gebiete als nicht so attraktiv erscheinen lassen ...
Gruß, Arnulf

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Geändert von Keine Ahnung (09.09.22 14:58)
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Off-topic #1509332 - 09.09.22 14:57 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Keine Ahnung]
Martina
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In Antwort auf: Keine Ahnung
Ansonsten beißt sie und zwar mit dem, was zum Beißen verwendet wird, den Mundwerkzeugen.


Ggf. können wir uns ja darauf einigen, dass die Verletzung, die dir eine Bremse zufügt zu Ernährungszwecken dient, während es bei einer Biene Verteidigungszwecke sind. cool
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Off-topic #1509333 - 09.09.22 15:00 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Martina]
Keine Ahnung
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... darauf würde ich mich sofort einigen können grins
Bienenstiche habe ich auch schon auf Radreise genießen dürfen. Schön ist es z. B. wenn so ein Tierchen sich im T-Shirt verirrt
Gruß, Arnulf

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#1509338 - 09.09.22 16:54 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
nachtregen
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Vielen Dank, hat Spaß gemacht das zu lesen.
--
Stefan
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Off-topic #1509339 - 09.09.22 17:09 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Keine Ahnung]
Indalo
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In Antwort auf: Keine Ahnung
... ich glaube, dass hier eine genaue Definition von "Stechen" nötig wäre. Wenn "Beißen" auch als "Stechen" definiert wird, so sticht eine Bremse. Ansonsten beißt sie und zwar mit dem, was zum Beißen verwendet wird, den Mundwerkzeugen. Wenn Du nun in den Apfel beißt, kannst Du das natürlich auch als Stich interpretieren - es wurde ja durch Deine hoffentlich intakten Zähne ein Loch erzeugt - aber ich würde hier doch eher sagen, dass Du den armen Apfel durch einen Biss verwundet hast. Draculas Bisse würden eher in die Kategorie "Stiche" einzuordnen sein und auch ein "Schlangenbiss" ließe sich gut als Stich interpretieren.


Vielen Dank für deinen diplomatischen Beistand!
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#1509341 - 09.09.22 17:26 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Martina]
Indalo
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In Antwort auf: Martina
In Antwort auf: Indalo
relativ preiswert sind Lachs, norwegisches Rindfleisch und geschmackloser norwegischer Käse


Gibt es in Norwegen keinen braunen Karamellkäse mehr? Der ist jedenfalls nicht geschmacklos, allerdings ist der Geschmack nicht jedermanns Sache...

Zum Thema Bremsen: wir sind vor vielen Jahren ebenfalls während einer Hitzeperiode in Finnland unterwegs gewesen und hatten das Vergnügen mit Bremsen, allerdings lange nicht in dem von dir geschilderten Ausmaß. Wir waren auf ebener Strecke und Asphalt schnell genug, um nicht gebissen zu werden. Sobald es berghoch ging nicht mehr.


Ich kannte ja Bremsen nun auch schon vorher, aber eher so dass die vereinzelt unterwegs sind. In Chile war ich mal in einer Gegend die dezitiert als bremsenverseucht galt, dort waren es halt drei, vier von diesen Insekten die so um mich herumschwirrten.
Dass die sich in so Monsterschwärmen zusammenrotten, war für mich komplett neu, und nicht nur für mich. Wie geschrieben waren ja auch die Einheimischen der Meinung solche Mengen an Bremsen noch nie erlebt zu haben.
Es braucht wohl das Zusammenspiel mehrerer Wetterkomponenten für diese Situation. Feuchtes Frühjahr, mehrere Tage deutlich über 30 Grad, windstill, ganzen Tag Sonne. Und da waren sich die Locals auch einig, so eine Hitze und kein Lüftchen, das gibt es sehr selten. Die Rentiere taten mir leid, die standen da stoisch am Straßenrand und hatten Wolken von Insekten um sich und vor allem auch auf sich.

Den Karamelkäse gabs öfter mal zu Waffeln dazu, war schon auch lecker.
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#1509342 - 09.09.22 17:39 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Martina
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In Antwort auf: Indalo

Ich kannte ja Bremsen nun auch schon vorher, aber eher so dass die vereinzelt unterwegs sind. In Chile war ich mal in einer Gegend die dezitiert als bremsenverseucht galt, dort waren es halt drei, vier von diesen Insekten die so um mich herumschwirrten.


Ich erinnere mich spezifisch an einen finnischen Campingplatz, der abgesehen von den zahlreich vorhandenen Bremsen sehr schön war. Monsterschwärme gabs dort damals definitiv nicht. Es war übrigens auch im Süden Finnlands, d.h. es gab auch keine Rentiere...

Im Norden hatten wir dafür reichlich Stechmücken und zwar fieserweise bei einer Außentemperatur von unter 10 Grad und Nieselregen. Während der Fahrt ließen sie einen ja in Ruhe,aber sobald man auf die Idee kam, sich irgendwo unterzustellen wurde man aufgefressen. Die Viecher waren reichlich lahm, d.h. es war kein Problem, sie zu erschlagen (was mir bei den hiesigen nie gelingt), aber bei dieser Menge machte das keinen Unterschied.


Zitat:

Den Karamelkäse gabs öfter mal zu Waffeln dazu, war schon auch lecker.


Das kenne ich jetzt wiederum nicht. Wir haben den immer aufs Brot gegessen.
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#1509343 - 09.09.22 17:40 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: natash]
Indalo
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In Antwort auf: natash
Merci und die Geschichte mit den Bremsen klingt wirklich übel. Wie schnell muss man denn in etwa sein um die abzuhängen?

Gruß

Nat


Ich hatte ja keinen Tacho, aber ich weiss von diesen innerörtlichen Geschwindigkeitsmessgeräten die es als mal gibt, dass meine "Vollgasgeschwindigkeit" bei so 23-25km/h liegt. Reisegeschwindigkeit liegt eher so bei 14-17km/h.

Und von abhängen konnte leider keine Rede sein, ich las Bremsen könnten bis zu 50km/h schnell fliegen. Im Sprintmodus gab es nur zumindest so viel Fahrtwind dass sie nicht mehr so gut landen konnten.
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#1509346 - 09.09.22 18:46 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
natash
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entsetzt

Das ist wirklich gemein, da hockt man in schönster Landschaft und dann das.
An die nördlichen Schnaken (kenne aber nur russische und finnische) habe ich mich nach einer Woche gewöhnt. Sie nervten zwar noch, aber mein Körper reagierte nicht mehr auf die Stiche.
Dennoch: Sehr schöne Landschaftseindrücke

Grüße

Nat
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#1509355 - 09.09.22 21:23 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
akro
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vielen Dank für den tollen Reisebericht ! Die Bilder haben mich sehr beeindruckt. Glückwunsch zu Deiner Leistung ! Was mich sehr beeindruckt hat ist Dein spartanisch ausgestattetes Reiserad. Man braucht nicht immer das teuerste hippste und angesagteste Velo. Weiterhin viele tolle Reiseerlebnisse !
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#1509724 - 14.09.22 21:06 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
Falk
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Zitat:
Von Rovaniemi fahre ich mit dem Nachtzug nach Helsinki, aus Sparsamkeitsgründen habe ich mir nur Holzklasse gegönnt. Die Sitze sind unbequem, die Mitreisenden latent unruhig.

Das war ein Fehler. In Finnland gibt es keine Liegewagen, aber ein Schlafwagenplatz kostet nur etwa soviel, wie in Mitteleuropa ein Liegeplatz. Naja, solange es die noch gab. Dafür sind die finnischen Schlafwagenkojen wegen des gewaltigen Lichtraumprofils richtig groß und ein echter Traum. Besser habe ich das nie erlebt.
Falk, SchwLAbt
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#1509755 - 15.09.22 19:44 Re: Trondheim - Nordkap - Lappland + Schären [Re: Indalo]
qrt
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Unterwegs in Namibia

Toller Bericht, vielen Dank. Die Inseln zwischen Finnland und Schweden hab ich auch auf dem Radar und vielleicht gehts auch mal ganz nach oben. Für eine kühlere Reise schmunzel
Liebe Grüsse
Kurt
May the road rise to meet you
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