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Off-topic #1464782 - 04.04.21 07:53 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: Patrick.unterwegs]
cyclerps
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 4139
Da kannste mal sehen wie erschöpfend das Thema Radreise ist. grins
Gruss
Markus
Forza Victoria !

When nothing goes right -> go left!
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#1464788 - 04.04.21 08:40 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: Pedaltiger]
Andreas aus Graz
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 237
In Antwort auf: Pedaltiger
In Antwort auf: cyclerps
Ich als Schönwetterfahrer erdreiste mich jetzt mal zu schreiben das derjenige der hier, genau in diesem Forum, den Leuten Tipps geben will "wie man eine Tour plant" oder die "5 wichtigsten Tipps für eine Radreise" geben will den Schuss nicht gehört hat. Für neues hat man hier immer ein offenes Ohr aber die aller wenigsten sind Anfänger in der Sache.

Da muss man schon fast laut lachen. bier


gegen Tipps bin ich nicht verlegen und nehme jeden dankend an, nur der Junge hat so ungefähr die halbe Lebenserfahrung und verhält sich so, als wenn er die Weisheit gefressen hätte und wenn ich die Räder sehe, tun sie mir einfach nur Leid und Melli natürlich.

Ab und zu schaue ich mir ihre Videos an, nur kurz, find sie nicht prickelnd und der typ nervt und bei jeder sich möglichen Gelegenheit, wie man sie unterstützen kann.

Andere Videos die nicht so penetrant sind schau ich mir gern an, wie z.b rausgefahren, two wheeltravel,saddle stories, machen alle Freude.

Wenn ich Melli morgens mit ihrer E Zahnbürste sehe, ist hier doch was falsch.


In meiner Lieblingsvideoaufzählung fehlt noch Ed Pratt - mit dem Einrad um die Welt
Hier SEINE Ausrüstung > https://www.youtube.com/watch?v=AD6JRZzt-vk

Liebe Grüße
Andreas
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#1464824 - 04.04.21 13:55 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: Juergen]
StefanTu
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 1100
In Antwort auf: Juergen

Danke für den Link auf Rausgefahren und deren Ausrüstung

Ich frage mich jedes Mal wieder, für wen solche Listen oder Videos überhaupt gemacht werden. Was man einpackt ist ungefähr so individuell wie der Mensch der reist. Interessanter sind da doch aus meiner Sicht nur die Langzeiterfahrungen mit den einzelnen Produkten. Genau die kommen aber in diesen Clicklisten eigentlich immer zu kurz.
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#1464840 - 04.04.21 16:48 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: StefanTu]
StephanBehrendt
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 13426
In Antwort auf: StefanTu
Ich frage mich jedes Mal wieder, für wen solche Listen oder Videos überhaupt gemacht werden.
Na ja,
Zumindest ich kannte diese abgefahrene löchrige Schlafmatte nicht. Auch besteht ein solches Forum erfahrungsgemäß nur zum kleinen Teil aus erfahrenen aktiven Vielschreibern. Die Mehrzahl dürften passive Leser sein, denen solche Infos zumindest einen Eindruck vermitteln. Meine Vorträge in unserer ADFC-Geschäftsstelle zu Radreisevorbereitung bestätigen das.
------------------------
Grüsse
Stephan
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#1481082 - 11.10.21 08:02 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: VAEGABOND]
VAEGABOND
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 23
Unterwegs in Pakistan



März 2021: Unfreiwillige Pause – genutzt für Kreatives

Eigentlich wollten wir uns schon im Februar Update mit guten Neuigkeiten melden, was unsere Aufenthaltsgenehmigung für die Türkei angeht… Mittlerweile sind genau 3 Monate seit unserem offiziellen Termin vergangen – ohne, dass wir ein Zeichen von der türkischen Behörde dazu erhalten haben. Auf unsere 15 E-Mails und unzähligen Anrufe reagierte bislang niemand. Heute versuchen wir dort nochmal mit Hilfe von türkischen Freunden anzurufen und jemanden Befähigten zu erwischen. Anderen Reisenden geht es gerade ähnlich. Wir müssen also leider immer noch warten und hoffen, dass wir die Genehmigung bekommen. Schon lustig! Wenn wir genauer darüber nachdenken, sind bald schon zum zweiten Mal die 90 Tage rum. Bis zu 90 Tagen ist nämlich ein Aufenthalt ohne gesonderte Genehmigung in der Türkei kein Problem. Ob die lange Bearbeitungszeit der türkischen Bürokratie nun unser oder deren Problem ist, wird sich also noch zeigen.
Die lange Wartezeit haben wir jedoch gut überbrückt. Wir haben wieder fleißig neue Videos produziert und sind in unserer neuesten YouTube Folge schon in Bulgarien. Da erkunden wir thermale Quellen, radeln durch wunderschöne Bergdörfer, treffen wieder tolle Menschen und stellen einen neuen Rekord auf: Der Forstweg, auf dem wir unterwegs waren, wich einem gewaltigen, zerklüfteten, zerfurchten… ja, wie kann man so etwas am besten beschreiben… einem Kiesel-, Steinweg. Auf dem konnten wir beim besten Willen bald nicht mehr in die Pedale treten. Der Weg hatte den Namen „Weg“ nicht mal mehr verdient und erinnerte nur noch an ein Überbleibsel einer Muräne, die sich irgendwann mal den Weg ins Tal gebahnt hatte. An diesem Tag brauchten wir etwas mehr als 6 Stunden für sage und schreibe 5 Kilometer. Es gibt immer ein erstes Mal. Das Video könnt ihr euch hier ansehen.
Auch gibt es auf unserer Homepage vaegabond.com neue Blogbeiträge in der Rubrik Tipps & Tricks. Da haben wir z.B. einen Artikel über den „Perfekten Campspot“ geschrieben und auf was man beim Wildzelten besonders achten sollte. Weil wir auch sehr viele Fragen zum Thema Routenplanung und Navigation bekommen haben, gibt es auch dazu Tipps von uns, wo wir gratis Kartenmaterial downloaden und Empfehlungen, mit welchen Apps und Tools wir besonders gerne arbeiten. Außerdem gibt es nun auch eine neue Unterkategorie mit unterschiedlichen Testberichten.

So gesehen machen wir aus einer unfreiwilligen Pause etwas Kreatives. Es ist also momentan gar nicht so schlimm, dass wir gewissermaßen „festsitzen“. Zumal aktuell die Landesgrenzen nach Georgien und in den Iran immer noch nicht für uns passierbar sind. Es wird aber bereits darüber diskutiert, sie zu öffnen. Wir werden also bald wieder auf Achse sein. Auf diese Weise konnten wir auch endlich mal unsere ganzen Ideen und unsere Reiseerfahrungen ordnen und zu Papier bringen, unserer Kreativität freien Lauf lassen. Wir hoffen, dass unsere Beiträge dem ein oder anderen bei der eigenen Reise bzw. Reiseplanung weiterhelfen und inspirieren.
In diesem Sinne, bleibt positiv und gesund!

Artikel mit Fotos: https://vaegabond.com/news/news-update-maerz-2021_14910/
Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=7UCORq7O9tk

April 2021: Es geht bald weiter – Die Genehmigung ist da

Da sind wir wieder und diesmal ist es endlich soweit: Wir haben eine Aufenthaltsgenehmigung für die Türkei! Nachdem wir beim Amt in Antalya mehrfach angerufen haben (ohne Reaktion), sind wir letzten Endes persönlich, ohne Termin dort aufgekreuzt. Auf Nachfrage wurden unsere Unterlagen ziemlich zerknüllt aus einem Regal hervorgekramt und uns nach 3 Monaten Wartezeit mitgeteilt, dass unsere deutschen genormten Passfotos wohl nicht biometrisch genug für die Türkei wären. Lustig, noch biometrischer als in Deutschland, geht das überhaupt? Wir sollen doch bitte neue machen. Naja in Ordnung, aber hätten sie uns das nicht schon vor einigen Monaten sagen können? Ausdruckslose Gesichter, eine wirkliche Antwort blieb leider aus.
Also sind wir los, haben das mit den Fotos geregelt und nur 1 weitere Woche später unsere Aufenthaltsgenehmigung in den Händen gehalten. Dafür haben wir jeder über 330€ bezahlt inklusive zusätzlicher türkischer Krankenversicherung (nicht Türkische Versicherungen werden nicht anerkannt), aller Nebenkosten sowie Notar etc.
Wir haben noch mehr Neuigkeiten! Seit kurzem haben wir uns mit einigen anderen Radreisenden zusammen getan und einen Radreise Stammtisch gegründet. Das erste Treffen gab´s schon – und zwar auf unserem Livestream auf youtube.com/vaegabond. Sowas wird es nun häufiger geben, wo alle teilnehmenden Weltenbummler allerlei interessante Reisegeschichten auspacken und auf die Fragen der Zuschauer eingehen. Ein tolles neues Format, welches wir definitiv weiter ausbauen werden.
In den letzten Monaten haben wir unglaublich viel geschafft, die Webseite verbessert, viele neue Artikel geschrieben, unter anderem über Navigation auf Radreisen, wie du für deine Reise richtig sparen kannst und einen Beitrag zum perfekten Wildcamping. Wir sind so unheimlich froh, dass wir hier in Antalya neue Freunde gefunden haben, deren Couch wir auch während der ganzen Zeit belagern durften! So konnten wir etwas an Übernachtungskosten für Zeiten aufsparen, wenn wir wirklich mal in ein Hostel müssen… Wer uns kennt, der weiß, dass unser aktuelles Tagesbudget zwischen 3,50 bis 5 Euro bemessen ist. Da sind wir unseren türkischen Freunden umso dankbarer für ihr Dach über unseren Köpfen, um arbeiten zu können.
Denn wenn man´s genau nehmen würde, reicht unser Erspartes niemals bis nach Japan. Deswegen haushalten wir so gut es geht und versuchen von unterwegs aus Geld zu verdienen. Drückt uns die Daumen, dass es klappt! Wir werden unseren Traum auf alle Fälle weiter leben und unsere Erlebnisse mit allen teilen!
Uns juckt es schon wahnsinnig, wir wollen unbedingt weiter radeln. Deswegen haben wir jetzt auch genug vom Computer Dasein und wollen dringend weiter fahren. Die Route wird uns weiter gen Osten führen nach Mardin und in Richtung georgischer Grenze. Mal sehen ob sie offen sein wird, wenn wir dort ankommen. Wir sind gespannt!

Artikel mit Fotos: https://vaegabond.com/news/news-update-april-2021_14988/


MAI 2021: Gute Nachrichten & eine Katastrophe

Wir rollen wieder!!! Endlich wieder im Sattel und wunderschöne einsame Landstriche durchradeln! Zuerst ging es für uns nochmal nach Kappadokien, wo wir eine Untergrundstadt in Kaymakli erkundeten. Obwohl die Türkei einen harten Lockdown verhängt hatte, blieben Touristen und touristische Attraktionen davon ausgenommen. So konnten wir 4 Ebenen der 8 stöckigen Stadt unter Tage genauer ansehen. Die Atmosphäre war wirklich toll, die Gänge klein und schmal. Sogar Melli musste sich ab und an mit ihren 1,60m ducken, um sich nicht den Kopf anzuhauen. Stoßweise kamen russische Gruppen mit ihrem Guide an uns vorbei. Wir versuchten uns vorzustellen, welcher Andrang wohl vor Corona geherrscht haben musste und waren froh, die Höhlen für uns zu haben.
Anschließend ging es weiter Richtung Adana über das Aladaglar Gebirge, das auch Anti-Taurusgebirge genannt wird. Diese Etappe war besonders anstrengend, da wir stellenweise mehr als 20% Steigung bewältigten, oft auf Feldwegen radelten und die Temperaturen mittlerweile schon über 32°C im Schatten betrugen. Aber die Aussicht war mal der Oberhammer! Die Bergkette vor unseren Augen sah wunderschön aus und um jeder Kurve (auch wenn Melli manchmal minutenlang schieben musste) erwartete uns eine neue atemberaubende Kulisse.
An dieser Stelle würden wir dir gerne richtig coole Fotos an diesen Beitrag anhängen, ABER… Wir holperten gerade einen einspurigen Feldweg entlang. Dann geschah das Unglück! Unbemerkt rutschte das Handy aus der Halterung, wir wichen einem LKW aus und ja… richtig sch****… der LKW walzte ebenso unbemerkt über den mobilen Arbeitsplatz… Was soll man sagen, wir waren geschockt! Normalerweise sichern wir jeden Monat all unsere Daten, genau die letzte super tolle Woche, mit Fotos, auf die wir selbst schon total gespannt waren, lösten sich für uns in diesem Moment in Luft auf. Nicht nur Fotos waren futsch, wir navigierten mit dem Handy, erledigten so ziemlich alles damit, es war das Büro von VAEGABOND. Das Display war zerschmettert, reagierte nicht und Daten auf unseren Laptop ziehen konnten wir auch nicht.
Jetzt heißt es erstmal in die nächst größere Stadt, nach einer Möglichkeit die Daten zu sichern erkundigen und Ersatz beschaffen. Das wird wohl noch eine Weile dauern…
Es gibt aber auch etwas Schönes zu berichten! Es gibt weitere Aktivitäten in unserem Radreise Stammtisch mit 5 anderen Radreisekanälen. Mittlerweile fand mit allen Teilnehmern ein Livestream statt und wir haben zusammen eine ganze Serie von Radreise-Tipps produziert. In den Videos gibt jeder Kanal seine Erfahrungen zu Themen, wie z.B. Ausrüstung, Fahrrad, Planung etc. Bei unserem YouTube Kanal findest du Tipps zum Wildzelten. Zu sehen gibt es das Video hier:

https://youtu.be/Hp4gLfvm9qg


Zum Glück haben wir noch ein paar Fotos mit einem anderen Gerät gemacht, also gibt´s diesmal leider nur Fotos 2ter Wahl L Falls du jemanden kennst, der sich mit Datenrettung gut auskennt, wären wir dir sehr dankbar über jede Hilfe. Außerdem NUR für diejenigen, die möglichst schnell wieder Beiträge von uns sehen wollen und uns bei der Anschaffung eines neuen Arbeitshandys helfen möchten: ihr könnt uns hier direkt oder per Überweisung unterstützen. Natürlich kaufen wir in jedem Fall ein neues Handy, aber so dauert es länger. Vielen herzlichen Dank!

Artikel mit Fotos: https://vaegabond.com/news/news-update-mai-2021_15008/


Juni 2021: Drohne weg & unverhoffte Gastfreundschaft

Was man nur alles innerhalb von 4 Wochen erleben kann! Unser Weg führte uns in das Schlaraffenland Gasiantep. Fragt man einen Türken, wo man unbedingt die lokale Küche intensiv erleben sollte, kommt zu 90% die Antwort – da müsst ihr nach Gasiantep! Und tatsächlich, dort war das Essen besonders aromatisch und super lecker. Das Baklava bekam für uns eine ganz neue Bedeutung, denn hier zerschmolz es richtig auf der Zunge und war einfach unbeschreiblich köstlich. Auch andere Gerichte, wie z.B. Iskender oder Lahmacun und unheimlich viel Süßes musste bei unserer Food Tour gekostet werden.
Unser nächstes Ziel war Mardin. Von dort aus wollten wir zum Van See. Das Klima in Südostanatolien wurde immer trockener und heißer. Gerade zu Beginn der Strecke merkten wir schnell, dass wir genügend Wasser auffüllen mussten, denn Geschäfte, geschweige denn Häuseransammlungen, wurden ziemlich rar. Manchmal radelten wir 50 Kilometer ohne einen einzigen Baum zu sehen, der Schatten spenden konnte.
Allerdings stießen wir – falls wir unterwegs jemanden begegneten – auf sehr herzliche Menschen. Eines Abends hatten wir eine Ruine entdeckt, vor der wir übernachten wollten. Als es dunkel wurde, hielt ein Auto vor der Ruine und ein älterer Herr mit seinem Sohn kamen auf uns zu. Mit Händen und Füßen wollten sie uns dazu überreden, wir sollten doch mit zu ihnen nach Hause kommen. Allerdings waren wir schon ziemlich müde von der Fahrt, hatten schon das Zelt aufgebaut und gegessen. Alles wieder abzubauen und mehrere Kilometer im Dunkeln zu einem abgelegenen Dorf zu fahren, kam für uns nicht mehr in Frage. Sie verabschiedeten sich und eine halbe Stunde später kam erneut ein Auto auf unseren Zeltspot zugefahren. Es waren die Männer von zuvor. Diesmal hatten sie allerdings noch eine riesen Tüte Essen dabei, wirklich total lieb! Darin fanden wir Kartoffeln, Zwiebeln, Paprika, Chili, aber auch Salat aus dem eigenen Garten und sogar eine Art Joghurt. Erst später erfuhren wir, dass wir diesen zusammen mit dem Salat hätten essen sollen.
Am nächsten Tag kamen wir gegen Spätnachmittag in Mardin an. Wir wollten unbedingt die Altstadt näher erkunden, allerdings brauchten wir dafür mehr Zeit. Also musste ein Übernachtungsplatz her. Nach längerer Suche wurden wir doch noch fündig. Ein Security Mann lächelte uns an, das war der Moment. Wir fragten, ob er einen Platz für unser Zelt wusste und kurze Zeit später konnten wir um die Ecke unser Nachtlager aufschlagen. Um die perfekte Abendstimmung und den Sonnenuntergang einzufangen, packte Dani die Drohne aus und startete einen Rundflug über das wunderschöne Mardin. Nach kurzer Zeit fielen plötzlich die Satelliten aus, die Drohne erhielt keine Signale mehr und beschloss eigenmächtig irgendwo außer Sichtweite zu landen. Panik brach aus. Erst das vom LKW überrollte Handy, dann auch noch die Drohne weg… die Nerven lagen blank. Hörte diese Pechsträhne denn nicht auf? Uns blieb nichts anderes übrig, als einen Versuch zu starten sie irgendwo zufällig zu finden oder eben sich selbst zu überlassen. Der neue Finder hätte sicherlich sehr viel Spaß mit ihr.
Dani rannte los, irgendwohin, wo er sie vermutete laut des letzten Fotos. Außer Puste fragte er alle möglichen Passanten, ob sie was gesehen hatten. Einer sagte, er würde eventuell uns weiterhelfen können und es wurden Nummern ausgetauscht. Zwei Stunden später tauchte dieser jemand mit unserer Drohne in den Händen auf. Wahnsinn! Was waren wir erleichtert, damit hatten wir nie im Leben gerechnet! Wir wollten dem jungen Türken einen Finderlohn geben, dieser lehnte jedoch ab und meinte, es kommt von Herzen. Einfach nur unglaublich!
War Mardin schon faszinierend, so hatte Midyat uns total in seinen Bann gezogen. Wir erreichten die Stadt gegen Mittag und hatten uns gerade vom Bäcker Brot gekauft. Nicht weit entfernt fanden wir eine überdachte Bank, wo wir im Schatten gemütlich essen konnten. Wir packten unser Olivenöl aus, Melli begann die Tomaten zu schneiden. Aus dem nichts tauchte ein Mann auf, der fragte, ob wir einen Tee haben möchten, oder etwas zu essen. Wir bedankten uns freundlich und zeigten auf unsere Schüsselchen. Keine Minute ist vergangen, da kam ein anderer Mann. Dieser trug auf seinem Tablett 2 dampfende Teebecher, die wir nicht ablehnen konnten.
Kaum war dieser Weg, erschien eine junge Frau mit einem größeren Tablett. Darauf hatte sie eine Schale mit Oliven, Käse, Tomaten, Gurken, Brot und 2 Gläser sowie Wasser und Saft für uns. Wir waren sprachlos. Sowas ist uns noch nie passiert! Die Frau sah zwar unser Essen, aber ihres war ja besser und das sollten wir unbedingt essen. Das konnten wir wirklich nicht ablehnen. Sie kam nochmal und legte noch einen drauf. Eine dampfende Pfanne mit Käse auf Spiegelei… so lecker und wir waren richtig baff. Aber es war noch nicht vorbei. Die Frau kam ein drittes Mal und servierte uns zum Abschluss türkischen Mokka in den süßesten Gläschen mit Silberverzierung und Kappe, die wir je gesehen haben. Dazu gab es Lokum, also Türkisch Delight sowie Nüsse. Wir waren im Himmel! Die liebe Frau wollte dafür nichts als Gegenleistung, sie hat sich nur gefreut, dass es uns so gut geschmeckt hat und Fotos mit uns gemacht. Auf eine derartige Gastfreundschaft sind wir in unseren fast 2 Jahren Fahrradweltreise noch nie gestoßen… einfach unglaublich!

Artikel mit Fotos: https://vaegabond.com/news/news-update-juni-2021_15396/



Juli 2021: Heiße Quellen & Hoher Kaukasus

Wir haben die Türkei verlassen und sind mittlerweile schon im Land #17 – in Georgien. Schon allein der Grenzübergang war ein klein wenig abenteuerlich. Unseren vorletzten Abend in der Türkei verbrachten wir bei Murat, der in der Nähe der Grenze in einer kleinen Hütte am Meer wohnt. Wir staunten nicht schlecht, denn während der letzten Jahre sind dort so einige Reisende gestrandet und haben sich auf seiner Wand oder in seinem kleinen Büchlein verewigt. Die Welt kommt zu Murat. Von ihm haben wir auch den Tipp bekommen in das kleinere Krankenhaus in Arhavi zu gehen, um unseren COVID-Test für den Grenzübertritt zu machen. Gesagt getan.
Das lange Stäbchen wurde uns in den Mund und gleich darauf tief in die Nase gesteckt. Während dem wir noch würgten und niesten fiel uns auf, dass es unser erster Test dieser Art war. Bisher sind wir vom Timing gut über die Grenzen gekommen, ohne dass es bestimmte Einreiseanforderungen gab. Abends konnten wir dann unsere Testergebnisse abholen. Melli´s Test war negativ… doch irgendwie ist Dani´s Test verloren gegangen. Das war echt ärgerlich, denn nun musste er ihn nochmal machen und wir erhielten erst am nächsten Tag das Ergebnis. Außerdem durfte das Testergebnis nicht älter als 72 Stunden sein. Kurzerhand campierten wir einfach vor dem Krankenhaus.
Wie sich später herausstellte wurde der Test auf Dani´s Papa ausgestellt, weil der Name bei dem Pass für die Aufenthaltsgenehmigung der Türkei angegeben werden musste… Ahhhhhh… Egal, voller Elan ging´s zur Grenze. Der Grenzbeamte fragte nach dem ausgefüllten Einreiseformular. Ja, äh, welches Formular? Wir waren so beschäftigt mit den Corona Tests, dass wir das wohl irgendwie übersehen hatten. Wir dachten schon, dass wir nun einen Antrag stellen müssen, der wieder Tage lang durch die Bürokratiemühlen wandert und wir jetzt nicht einreisen können.
Zum Glück gab es einen QR-Code direkt um die Ecke und das Formular konnte innerhalb 5 Minuten eingereicht werden. Alles gut, wir waren drinnen! Auf den Schreck besorgten wir uns gleich mal ein kühles Bier, denn in der Türkei war Alkohol ziemlich teuer und man durfte es nicht in der Öffentlichkeit trinken. Wir lernten gleich 2 Radfahrer aus der Schweiz kennen, mit denen wir heiße Quellen ansteuerten. Der Ort war einfach super zum Zelten. Ein kühlender Fluss in der Nähe, eine gute Wiese und das Beste – eine heiße Quelle aus der schwefelhaltiges Wasser kam. Wir lümmelten uns in ein kleines von Hand gegrabenes Becken und waren super glücklich.
Nach 2 gemeinsamen Tagen trennten sich unsere Wege, die Schweizer fuhren durch das Landesinnere und wir in den Hohen Kaukasus. Es ging nach Mestia und von dort aus weiter nach Ushguli. Wir sind wirklich total froh, dass wir die vielen Höhenmeter in Kauf genommen haben, denn Svaneti ist einfach eine der schönsten Gegenden in ganz Georgien. Das urige Ushguli mit seinen alten Wehrtürmen und den vielen kleinen Steinhäuschen war ein Ort, wie man es sich im Märchen vorstellt. Danach ging es für uns über den Pass auf der anderen Seite wieder hinunter. Die Straße wich einer abenteuerlichen Schotterpiste und da es regnete, bildeten sich viele große Schlammlachen. Das war zwar anstrengend aber ein ziemlicher Offroad-Spaß, der es auf jeden Fall Wert war! Danach feierten wir Dani´s 30. Geburtstag bei anderen heißen Quellen. Georgien gefällt uns bis jetzt wirklich gut!

Artikel mit Fotos: https://vaegabond.com/news/news-update-juli-2021_15577/


August 2021: Georgien – ein faszinierendes Land

Wir sind schon fast 2 Jahre mit unseren Fahrrädern unterwegs und Georgien ist das 17. Land unserer Weltreise. Ganz ehrlich… Georgien hat uns so beeindruckt und hat sich sogar fast schon als unser liebstes Reiseland bisher gemausert.
Das Land ist zwar vergleichsweise mit Deutschland klein, aber man fühlt sich, als würde man alle 100km eine neue Zone erreichen. Am Rande vom Schwarzen Meer ist das Klima richtig tropisch. Im Inland und vor allem in der Hauptstadt kommt einem eher die trockene Hitze entgegen geweht. Landschaftlich ist vor allem der Hohe Kaukasus unbeschreiblich schön – und auch schön kühl.
Die lokale Küche ist lecker und abwechslungsreich. Von zig verschiedenen Sorten Käse über Aubergine mit Walnusspaste, bis hin zu Gebäck mit Käse oder gewürzten Fleisch, ist hier für jeden etwas dabei. Auch das Bier ist wieder geschmacklich besser, allerdings sollte man lieber einen der vielen verschiedenen Weine oder besser noch das lokale Feuerwasser namens Chacha probieren. Nicht zuletzt macht der Charme Georgiens auch die Bewohner aus. Die Menschen sind sehr freundlich und findet man sich unversehens in der Rolle des Gastes wieder, gehen die Georgien richtig auf. Wir hatten schon ein paar Mal die Gelegenheit einer alten georgischen Tradition beizuwohnen, die meist mit einem üppigen Mahl verbunden ist.
Dabei übernimmt ein Mann, in kleinerem Kreise meist der Gastgeber, die Rolle eines Tamada, also eines sogenannten Toastmaster. So wird immer wieder mit einem Glas Wein auf Gott, die von uns gegangen, die Lebenden und alle versammelten angestoßen. Natürlich wird das Ganze mit einer kleinen Geschichte untermalt und ist für alle Anwesenden etwas ganz Besonderes.
In Georgien darf man sich als EU Bürger bis zu 360 Tage ohne Visum aufhalten. Wir werden nicht ganz so lange bleiben, sind aber gespannt, was wir hier noch alles entdecken.

Artikel mit Fotos: https://vaegabond.com/news/news-update-august-2021_15646/

September 2021 Gefährlichste Straße der Welt

Es ist wieder richtig viel los gewesen bei uns die letzten Wochen. In Kazbegi nahe der russischen Grenze waren wir doch tatsächlich einmal richtig wandern. Es hat sich aber richtig gelohnt und war gar nicht so schlimm Es ging zur Gergeti Dreifaltigkeitskirche, von wo aus wir einen sagenhaften Ausblick über Stepanzminda hatten. Am nächsten Tag ging es wieder Richtung Gudauri, vorbei am Denkmal der georgisch-russischen Freundschaft. Nicht weit davon entfernt schlugen wir unser Camp auf und hatten einen fantastischen Ausblick auf den Hohen Kaukasus.

Wir radelten weiter Richtung Tal und Melli hatte eine ziemlich blöde Begegnung mit streunenden Hunden. Fahrradfahrer sind hier in Georgien nicht das, was man jeden Tag auf der Straße sieht. Normalerweise fahren wir langsam an den Hunden vorbei, wenn sie wie verrückt bellen, reden beruhigend auf sie ein und dann lassen sie von uns ab. Einer der Hunde ließ sich davon aber nicht beeindrucken und Melli wurde gebissen. Um auf Nummer sicher zu gehen, bekam sie in Kachetien im Krankenhaus Auffrischungsimpfungen gegen Tetanus und Tollwut. Zum Glück haben wir ganz liebe Leute kennengelernt, die uns zu sich nach Hause eingeladen haben und uns mit der ganzen Krankenhausabwicklung vor Ort unterstützt haben. Bei der Gelegenheit haben wir auch gelernt, wie man selbst Khinkali macht. Das ist so ziemlich eine der besten Mahlzeiten, nach der wir hier in Georgien total verrückt sind. Man kann sie sich so wie Dumplings vorstellen, also mit Hack gefüllte große Nudeln. Sehr, sehr köstlich!
Anschließend ging es für uns nach Tusheti und damit zu einer der gefährlichsten Straßen der Welt. Diese Gegend ist dafür bekannt, auch eine der schönsten in ganz Georgien zu sein. Der Weg führt über den berühmt berüchtigten Abano Pass, der auf fast 3.000 Metern liegt. Wir verabredeten uns mit unserem französischen Radfahrkumpel, den wir das erste Mal in der Türkei getroffen hatten. Er reist mit seinem Klapprad und da die Strecke so richtig untauglich für sein Gefährt ist, hielten wir den Daumen raus und lernten so lustige Georgen kennen, die uns mitnahmen. Auf der Ladefläche wurden wir hin und her geworfen, aber die Aussicht hinten raus auf die Landschaft und die Straße, die sich durch das Bergmassiv schlängelte, war einfach nur der Hammer. Auf der Hälfte der Strecke gab es dann Melone und Chacha. Ganz zufällig kam eine Gruppe georgischer Cowboys vorbei und kurzerhand wurde Melli einfach auf ein Pferd gesetzt. Das hat wirklich Spaß gemacht!

Oben angekommen hatten wir freie Sicht auf die Bergdörfer. Nun können auch wir es bestätigen. Diese Region ist tatsächlich eine der schönsten von Georgien. Allerdings sind die Bewohner im Winter vom Rest der Welt abgeschnitten. Der Pass schließt, wenn er zugeschneit ist etwa gegen Oktober und öffnet ungefähr im Mai wieder. Für Notfälle gibt es jedoch einen Helikopter. Nach ein paar Tagen ging es für uns über den Abano Pass wieder ins Tal und wir waren wirklich gespannt, wie wir mit den Rädern vorankamen. Das sah dann so aus: Je schlechter die Straße war, desto besser die Landschaft. Den ersten Tag hatten wir oft mehr als 20% Steigung, Melli schob fast den gesamten Weg bis zum Pass. Dani war noch im Stande zu radeln, hielt allerdings alle 5 Meter an, um zu verschnaufen Unser Nachtlager schlugen wir dann am Chacha-Cowboy-Rastplatz auf. Am nächsten Tag zog es zu und wir waren eingerahmt im Nebel. Der Tag verlief ähnlich wie der erste, allerdings wurde es nun sehr kalt und der Wind ging. Endlich am Pass angekommen, zelteten wir in der Nähe eine Kirche und hofften, dass sich das Wetter am nächsten Tag besserte. Wir wollten einen freien Blick auf die gigantische Straße zum Tal haben.

Leider hatten wir nicht ganz so viel Glück und auch am Tag danach konnte man nur etwa 7 Meter weit sehen. Dazu gesellte sich Regen, der unsere ohnehin nicht mehr dichten Radtaschen noch mehr einweichte. Die Taschen lösten sich an den Nähten auf und selbst mit unseren zwei Tuben Spezialkleber, konnten wir sie nicht dichter kleben… Übrigens wer uns beim Ersetzen unseres Equipments unterstützen möchte, kann das per Paypal.me/vaegabond (bitte “Freunde & Familie wählen, damit keine Gebühren abgezogen werden) oder per Überweisung.
Wir blieben also einfach noch einen Tag auf dem Pass, denn wir wollten ja sehen, wohin wir radelten. Ein vorbei kommendes Auto fragten wir nach Wasser, bis wir feststellten, dass es sich um eine ganze Kolonne mit 7 Geländewagen handelte. Wie sich herausstellte waren sie allesamt Polen und von der Heimat aus unterwegs nach Tusheti. Sie waren wirklich total lieb, denn als der Mann, den wir angesprochen hatten, uns zwei Flaschen in die Hand drückte, wollten sich alle Reisenden beteiligen. Nach nicht einmal einer Minute hatten wir eine Aldi-Kühltüte in der Hand, die Leckereien wie Kekse, Bier, Brot, eingelegten Fisch, Wurscht und Dosenfleisch enthielt. Trotz der Kälte und Dauerregens hatten wir so am zweiten Tag auf dem Pass ein regelrechtes Festmahl.

Dann klarte das Wetter zum Glück auf und wir hatten doch noch einigermaßen gute Sicht auf dem Weg nach unten. Alles in allem auf jeden Fall ein Abenteuer, welches wir nicht vergessen werden!

Artikel mit Fotos: https://vaegabond.com/news/news-update-september-2021_15896/


Liebe Grüße von unterwegs
Melli & Dani
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#1487120 - 24.12.21 09:42 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: VAEGABOND]
VAEGABOND
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Beiträge: 23
Unterwegs in Pakistan

Oktober 2021 UPDATE

Die härteste Etappe während 2 Jahren Weltreise!

Während unserer Zeit in Georgien haben wir schon ziemlich viele schöne Ecken kennengelernt und den Hohen Kaukasus erkundet. Also wollten wir jetzt auch durch den kleinen Kaukasus radeln. Wir sind bei weitem schon schlimmere Straßen geradelt, die den Namen „Straße“ wohl nicht mal verdient hätten oder haben uns steilere Wege raufgekämpft… Aber das hier stellte alles in den Schatten. Die Landschaft war wieder unbeschreiblich schön, aber das Wetter grauenhaft schlecht! Es regnete in Strömen und dazu kam noch dichter Nebel. Unser komplettes Equipment versagte, von den Taschen bis zur Kleidung – alles nicht mehr wasserdicht…

Es war richtig kalt und wir bis auf die Unterhosen klatsch nass. Nach langer Suche fanden wir auf einem Pass leer stehende Schäferhütten, in denen wir uns 2 Nächte einquartierten um einigermaßen trocken und nicht krank zu werden. Ein Happy End gab es dann doch noch:
Wir wurden von 3 Georgiern entdeckt, die uns prompt auf eine deftige Brotzeit mit Puri, Wurscht, Käse und selbstgemachten Wein einluden. Am nächsten Tag verzog sich der Nebel und wir hatten eine schöne Abfahrt – mit Ende an der überhaupt erst dritten bezahlten Unterkunft auf der gesamten Weltreise. Haben wir uns verdient, würden wir sagen &#128521;

Frisch, gestärkt und trocken machten wir uns dann auf den Weg nach Vardzia, wo wir eine Höhlenstadt besichtigen wollten. Wir folgten einem Flusslauf und waren sprachlos von der schönen Landschaft um uns herum. Es ging zwar stets nach oben, aber die Umgebung entschädigte das vollkommen. Als wir in Vardzia ankamen, waren wir überrascht. Der Ort bestand nur aus einer Handvoll Häusern und weit und breit konnten wir keine Touristen entdecken. Musste wohl an dem weiterhin bewölktem Wetter liegen… Da es schon gegen Abend zuging, nahmen wir uns die Höhlenstadt für den nächsten Tag vor und steuerten deshalb erstmal eine heiße Quelle an. Dort gab es sogar ein Poolhaus und wir dümpelten wohlig warm im Becken umher. Das Gefühl war einfach super, uns im natürlich warmen Wasser nach einem weiteren Radtag über den Kleinen Kaukasus zu entspannen.

Am nächsten Tag ging es dann in die Höhlenstadt. Besucher gab es nur wenige, also konnten wir die Höhlen ganz in Ruhe erkunden. Leider gab es keine Erklär-Tafeln, man musste sich also einen Guide oder Audio-Guide besorgen, um etwas mehr über die Geschichte des Ortes zu erfahren. Die Höhlenstadt wurde im 12. Jahrhundert gegründet und diente etwa 2.000 Mönchen als Höhlenkloster. Es war vorgesehen, dass auf 13 Stockwerken etwa 50.000 Menschen leben konnten, aber ein Erdbeben ließ das ganze Konstrukt auf nur noch ein Viertel schrumpfen. Heute leben noch einige Mönche im Kloster und es werden auch täglich Messen in der Kirche abgehalten. In der Türkei hatten wir schon einmal eine Untergrundstadt in Kappadokien (https://youtu.be/vstjZ6qaNCU)besucht. Diese hier in Georgien war nicht weniger eindrucksvoll.

Artikel mit Fotos: https://vaegabond.com/news/news-update-oktober-2021_15949/

Liebe Grüße von unterwegs
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#1492461 - 17.02.22 17:47 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: VAEGABOND]
VAEGABOND
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Unterwegs in Pakistan

NEWS Update November 2021

Berg- & Talfahrt im Land #18 - Armenien


Neuer Monat, neues Land – Armenien! Aber hier noch kurz die Geschichte, wie wir überhaupt dorthin kamen: Kurz vor der georgisch-armenischen Grenze verabredeten wir uns noch mit unserem französischen Radfahrfreund Thibaut, der mit seinem Klapprad Richtung Asien unterwegs ist. Gemeinsam wollten wir ins neue Land radeln und fanden kurz vor der Grenze bei Sadakhlo einen tollen Platz für die letzte Nacht in Georgien. An einer verlassenen Tankstelle fragten wir geschäftige Männer, ob wir unsere Zelte im Hinterhof aufbauen konnten. Kurzerhand wurde für uns einfach ein leer stehender Schankraum aufgeschlossen, in dem wir schlafen konnten. Wie sich herausstellte, waren die Männer die Besitzer des angrenzenden Restaurants, von dem wir die Toilette und sogar die Dusche nutzen konnten. Wir hatten also richtig Glück und waren im Warmen. Den letzten Abend feierten wir dann bei einem riesen Teller Khatchapuri (ähnlich wie Pizza mit super viel Käse), einem kleinen Grillteller und einer Spezialität mit Aubergine mit Walnüssen. Dazu gab es einen Wein aufs Haus.

Leider war Thibaut der einzige, der am nächsten Tag die Grenze passierte. Dani hatte so heftige Rückenschmerzen, dass er noch nicht mal aufstehen konnte. Für die Besitzer vom Restaurant war es glücklicherweise kein Thema, wir konnten solange bleiben, bis es ihm besser ging. Dann ging es auch endlich für uns weiter. An der Grenze musste man einem Arzt seinen negativen Corona-Test bzw. Impfausweis vorzeigen, dann folgte die übliche Kontrolle durch den Grenzbeamten. Keine 5 Sekunden nachdem wir den armenischen Einreisestempel im Pass hatten, hielten uns zwei Männer in Zivil an, die von uns verlangten, die Taschen zu öffnen. Das war das erste Mal, dass unser Gepäck bei einem Grenzübertritt kontrolliert wurde. Sie zeigten auf eine der Taschen und fragten was drinnen sei. Wir öffneten den Verschluss und sie warfen einen kurzen Blick auf die oberste Schicht des Gepäcks. Das wiederholte sich nur 2x, denn anscheinend war das Interesse dann doch nicht so groß, unser gesamtes Hab und Gut zu auseinander zu fleddern. Dann waren wir frei.

Unsere Route führte uns zuerst durch einen Canyon und bald darauf hatten wir unsere ersten herzlichen Begegnungen mit den Einheimischen. Uns wurden tütenweise Khakis geschenkt und abends wurden wir vom Zelt weg in ein kleines Häuschen eingeladen, in dem Eiscafé abgefüllt wurde. Wir saßen um einen kleinen Tisch herum und teilten Essen und Getränke miteinander. Es gab unser gekochtes Campingessen und Dolma (Reis in Weinblätter), eingelegtes Blaukraut und andere lokale Gerichte sowie einige Verdauungsschnäpse. Dann ging es weiter an den Sewan See. Der See ist der größte Süßwassersee in ganz Armenien und dort waren wir auch für kurze Zeit wieder mit Thibaut vereint. Für uns ging es weiter um den See herum, für ihn in eine andere Richtung. Da ja schon November ist (und wahrscheinlich auch wegen Corona) trafen wir auf viele verwaiste Restaurants und Picknickplätze am See. Plötzlich tauchte dann direkt hinter dem nächsten Wäldchen ein richtig altes, rostiges Zugabteil neben der Straße auf. Weit und breit waren keine Schienen, wie und warum das wohl hier abgestellt wurde, war die große, ungelöste Frage. Nachdem wir den Schriftzug „Schlafwagen“ entdeckt hatten, inspizierten wir das Innere und befanden es für gut genug, um darin die Nacht zu verbringen.

Als nächstes gelangten wir wieder in die Berge. Armenien ist übrigens ein Land mit sehr vielen Höhenmetern. Etwa 90% der Fläche des Landes liegt über 1.000 Höhenmeter – also ganz unser Fall &#128521; Nach zahlreichen Höhenmetern mussten wir zugeben, dass die Berge wirklich wunderschön waren. Manchmal ragten sie schroff und zackig neben uns auf, dann sahen sie wiederum von der Form so aus, wie bei einer umgedrehten Sanduhr. Wieder ging es durch einen sehr beeindruckenden Canyon Richtung Areni. Gerade mit den ganzen Orange und Gelb-Tönen um uns herum, konnte der Herbst nicht schöner sein. Auf dem Weg in Armeniens Hauptstadt Jerewan, konnte man dann schon von weitem den Ararat ausmachen. Der Berg ist eins der wichtigsten Wahrzeichen von Armenien, liegt aber so gesehen in der Türkei. Wegen der Verfolgung und Ermordung vieler Armenier in Zeiten des Osmanischen Reiches, spürt man immer noch ganz deutlich die Spannung zwischen den beiden Ländern. Unsere Türkei Flagge haben wir aus dem Grund eingerollt, um nicht respektlos zu wirken. In Jerewan besuchten wir dann auch das Denkmal sowie das Genozid Museum, welches mit vielen Schautafeln und Informationen dieses dunkle Kapitel der armenischen Geschichte beleuchtet.

Nach langer Zeit waren wir in Jerewan wieder bei einem Warmshower Host zu Gast. Wie sich herausstellte, war er der einzig aktive Gastgeber in ganz Armenien und war selbst erst seit 2 Wochen im Lande. Zufälligerweise kam am selben Tag ein weiterer Radreisender an, Atilla aus Ungarn. Wir verbrachten gemeinsam eine grandiose Zeit mit unseren französischen Gastgebern. Als wir wieder aufbrachen, hieß es wieder ab ins Zelt. Die Nächte waren jetzt deutlich kühler und das Lagerfeuer unser altbekannter Freund.

Als wir eine Ruine in einem kleinen Dorf ausmachten und unser Zelt dort aufstellen wollten, dauerte es nicht lange und wir bekamen Besuch. Der Herr wollte nicht, dass wir draußen im Kalten die Nacht verbrachten und lud uns deshalb zu sich und seiner Familie auf den Bauernhof ein. Wie sich herausstellte war die Familie aus dem Irak und lebte schon länger in Armenien. Auch wenn wir keine gemeinsame Sprache sprachen, irgendwie konnten wir uns dann doch verständigen und erhielten einen interessanten Einblick in das Leben der 6-köpfigen Familie. Gemeinsam saßen wir abends in der gedrungenen Küche. Es gab selbst gemachten Kompott und das Essen war zwar einfache Hausmannskost, schmeckte aber super. Wir genossen die Wärme, die vom kleinen Blechofen ausging, der unentwegt mit Kuhdung gefüttert wurde. Einfach, warm und herzlich: das war das Fazit dieser wundervollen spontanen Begegnung.
Liebe Grüße von unterwegs
Melli & Dani


Artikel mit Fotos

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Off-topic #1492463 - 17.02.22 18:49 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: VAEGABOND]
Juergen
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Nachdem ihr ja schon wieder seit 2 Monaten zurück in Bayern seid, könntet ihr mal euren Status im Profil ändern. https://vaegabond.com/news/news-update-dezember-2021_16235/
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
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Geändert von Juergen (17.02.22 18:50)
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#1492496 - 18.02.22 10:42 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: VAEGABOND]
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Unterwegs in Pakistan

Das war unser Jahr 2021

NEWS Update Dezember 2021

Wir sind immer wieder erstaunt, wie schnell doch die Zeit vergeht… Schwupp ist wieder 1 Jahr rum und wir sind nun sogar schon 2,5 Jahre mit dem Fahrrad unterwegs. Zeit für eine kleine Zusammenfassung unserer Highlights von diesem Jahr:
Den Jahreswechsel 2020/21 waren wir noch in Antalya in der Türkei. Die umliegenden Grenzen hatten wegen COVID-19 geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir am Ende insgesamt fast 9 Monate in der Türkei zubringen würden. Aber schlimm war es für uns nicht. &#128521; Wir entdeckten die Leidenschaft zum Felsenklettern, radelten zum zweiten Mal nach Kappadokien und über den Taurus. Außerdem genossen wir die hervorragende türkische Küche und lernten viele tolle Menschen kennen. Leider mussten wir uns auch von unserem treuen Arbeitshandy verabschieden, dass im Gebirge von einem LKW plattgefahren wurde. Fast hätten wir auch keine Drohne mehr, denn während eines wunderschönen goldgelb, orangenen Sonnenuntergangs über Mardin stürzte sie in einer Entfernung von etwa 600 Metern einfach ab. Wir hatten unglaubliches Glück und begegneten einem jungen Türken, der gesehen hatte, wo das ungehorsame Ding runterkam.

Im Mai ging es dann über Ostanatolien zum Schwarzen Meer und in das wundervoll, grüne Georgien. Gleich nach Grenzüberquerung gab es ein kühles Bier. Auch begegneten uns wieder Menschen in kurzer Kleidung. Die Landschaft ist einfach sagenhaft und fesselte uns immer wieder aufs Neue. Haben wir es eigentlich schon einmal erwähnt? Überall, wirklich ÜBERALL begegnet man frei laufenden Kühen und Schweinen, die gemütlich über die Straßen schlendern. Nachdem wir von einer heißen schwefelhaltigen Quelle zur nächsten radelten, ging es auch schon wieder in die Berge.

Im Hohen Kaukasus gefiel uns die Region Svaneti besonders gut. Dort radelten wir durch das urige Ushguli. Alte Wehrtürme sind das Wahrzeichen des Ortes und wir fühlten uns zeitweise ins Mittelalter versetzt. Später ging es nach Kazbegi und in die Region Tusheti. Dort radelten wir auf einer der gefährlichsten Straßen der Welt. Die Straße selbst ist nicht besonders gut befestigt und sehr eng. Man trifft dort fast nur Geländewagen und Einheimische, die die Gegend in- und auswendig kennen. Die Landschaft selbst ist aber unglaublich schön.

Genauso, wie rings um den kleinen Kaukasus, wo wir im Oktober das mit Abstand härteste Abenteuer unserer Weltreise erlebten. Tagelanger Regen und Nebel überforderten unser Equipment vollkommen und so waren am Schluss nicht nur wir bis auf die Unterhose nass, sondern auch unsere Taschen innen. In einer verlassenen Schäferhütte versuchten wir uns aufzuwärmen und uns sowie auch alles andere zwei Tage lang zu trocknen. Zufällig lernten wir dann Georgen kennen, die uns mit selbstgemachtem Käse und Wein die letzte Nacht auf dem Pass versüßten. Die größte Belohnung war der Blick ins Tal und der anschließende Downhill.

Etwas wehmütig verließen wir dann das liebgewonnene Georgien. Dort war alles so lecker, so einfach, die Menschen so nett, die Landschaft so wunderschön. Es ging weiter nach Armenien. Dort machten wir zwar nicht ganz so viele Bekanntschaften mit den Einheimischen, dafür gab es wieder eine ziemlich abwechslungsreiche Landschaft. Es ging durch Canyons, am Sevan See entlang, über Berge und direkt mit Blick auf den Ararat in die Hauptstadt des Landes.

Nun sind wir für kurze Zeit zurück in der Heimat. Nach 2,5 Jahren Dauereinsatz müssen wir viel an unserem Equipment reparieren und neu ersetzen. Bei dieser Gelegenheit sehen wir unsere Familien und Freunde auch endlich wieder. Das ist also unser drittes Weihnachtsfest der Weltreise. Wie die Zeit vergeht…
Weihnachten 2019 waren wir im Dades Tal in Marokko und kochten uns ein 4-Gänge Camping Menü mit einem anderen Radreisenden in der Wildnis.
2020 verbrachten wir in den Bergen von Antalya in der Türkei mit unseren Kletterfreunden.
2021 ist nun das erste Weihnachtsfest der Weltreise, welches wir wieder mit unseren Familien feiern.
Unsere Unterbrechung dauert aber nicht lange und bald sind wir wieder back on the road Richtung Japan!
In diesem Sinne wünschen wir euch allen ein frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches, gesundes Jahr 2022!

Artikel mit Fotos: https://vaegabond.com/news/news-update-dezember-2021_16235/

Liebe Grüße
Melli & Dani
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#1512348 - 19.10.22 11:51 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: VAEGABOND]
VAEGABOND
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Unterwegs in Pakistan

NEWS Update März 2022

Wir waren für kurze Zeit in der Heimat. Es war total schön, unsere Familien und Freunde wieder zu sehen. Außerdem konnten wir uns dort um unsere in Mitleidenschaft gezogene Ausrüstung kümmern. Seit über 2,5 Jahren, mehr als 17.500km und 18 Ländern, ist sie auf unserer Fahrradweltreise schon im Dauereinsatz. Extreme Temperaturen zwischen -15°C bis über 45°C sowie sämtliche Witterungsverhältnisse von Schnee, Hagel, Überschwemmungen sowie Regen und Nebel bis hin zu Sandstürmen in der Sahara, hatten wir schon alles durch. Aber auch unterschiedliche Straßenverhältnisse oder hohe Fahrradbeladung musste unser Equipment abkönnen. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass wir es permanent, rund um die Uhr und jeden Tag benutzen. Manche Ausrüstungsgegenstände haben uns bis jetzt gute Dienste geleistet, andere konnten den teilweise extremen Bedingungen unserer Tour leider nicht standhalten. Nach mehr als 2,5 Jahren war es deshalb für uns längst überfällig, unser Setup zu optimieren, viele Dinge zu ersetzen oder auf andere Produkte umzusteigen.

Aus dem Grund gibt es auch eine neue Packliste. Hier gelangst du direkt zu unserer Ausrüstung für 5 Jahre Fahrradweltreise https://bit.ly/fahrradpackliste2
Da geben wir auch einen kurzen Einblick, warum wir bestimmte Dinge nutzen oder auf einen anderen Ausrüstungsgegenstand umgestiegen sind. Bei unserer Rohloff hingegen, gab es die letzten 2,5 Jahre keinerlei Probleme. Wir lieben diese Schaltung und sind sehr zufrieden damit!

In der Zeit in Deutschland haben wir auch unsere Räder gewartet, natürlich viel gearbeitet und viele neue Blog Artikel vorbereitet. Nach und nach werden wir diese jetzt veröffentlichen. Zum Beispiel wurden wir oft gefragt, wie wir unterwegs arbeiten. Dazu haben wir sogar gleich zwei Artikel geschrieben. Einmal zum Thema „Digital Nomads – Filme unterwegs schneiden“ und „Outdoor Podcast“, wie wir unsere Podcasts aufnehmen und was wir dazu nutzen. Außerdem gibt es Tipps aus 2,5 Jahren draußen kochen kochen und was man für die „draußen Küche“ alles benutzen kann.

Dann haben wir einen Trailer über die letzten 2,5 Jahre Weltreise veröffentlicht und ein Resümee unserer gesamten Ausgaben bis jetzt gezogen. Denn die häufigste Frage, die wir tatsächlich gestellt bekommen haben, war: Was kostet so eine Weltreise mit dem Rad? All das inklusive Anschaffungskosten haben wir in diesem Blog Artikel festgehalten:
https://bit.ly/radreisekosten

Nun sind wir wieder on the road. Schon allein in Georgien gab es wieder Abenteuer und Action, ab der ersten Minute. Leider haben wir nach der Ankunft festgestellt, dass mit Dani´s Rohloff etwas nicht stimmte. Wir vermuten, dass irgend ein kleiner Fremdkörper unter die Dichtlippe gelangte und die Rohloff deshalb undicht wurde, also so richtig undicht. Nachgefülltes Öl ist binnen weniger Minuten komplett ausgelaufen. Das Öl zum Nachfüllen alle 5.000km hatten wir natürlich dabei. Allerdings brauchten wir unsere Reserven auf und das Problem war damit auch nicht behoben. Natürlich ist die Rohloff Nabe da hart im Nehmen, wir hätten auch noch ein bisschen ohne Öl weiter radeln können. Das Problem war aber, dass auf unserer Route in den nächsten 5.000 bis 10.000km weder ein Rohloff Händler, noch Service Möglichkeiten vorhanden waren. Dazu kam noch, dass nirgendwo so gut Pakete empfangen werden konnten, wie in Georgien. Wir hätten also durch „einfach weiter fahren“ das Problem nur noch verschlimmert. Zum Glück hat Rohloff einen super Service. Nach kurzer Recherche, wo genau uns auch tatsächlich Post erreichen könnte, wurde direkt ein Päckchen nach Georgien an uns geschickt. Vielen herzlichen Dank nochmal an unseren Kontaktmann bei Rohloff!

Das Einzige, was wir nun noch benötigten, war eine Kettenpeitsche, um das Ritzel zu lösen. Die war gar nicht so leicht aufzutreiben, deswegen wurden wir mal wieder kreativ. Also öffneten wir unsere Fahrradkette und befestigten diese mit Nägeln auf einem Stück Holz. Das Prinzip war genial, aber unsere Konstruktion leider nicht fest genug. So probierten wir nach und nach etwas anderes aus. Dani kam eine weitere Idee. Wir bauten das Hinterrad mitsamt dem Ritzel Abzieher ein, fixierten alles und traten rückwärts. Das hätte auch super funktioniert, aber leider war auf der Ritzelseite im eingebauten Zustand nicht genügend Gewindeüberstand vorhanden, um die Mutter drauf zu schrauben. Dadurch hat sich das Rad natürlich nur nach vorne bewegt. Also musste ein neue Lösung her.

Nach viel hin und her, kehrten wir wieder zu der Idee mit einer selbstgebastelten Kettenpeitsche zurück. Dani fixierte am Stil einer alten Axt ein paar Nägel, einen kleinen Schraubstock und Holz, als Kettenschutz. Und voilà, fertig war die DIY Kettenpeitsche. Mit dieser neuen Konstruktion waren wir tatsächlich erfolgreich und konnten so das Ritzel lösen sowie letztendlich alles reparieren. Die Methode hat super funktioniert und es wurde auch nichts beschädigt oder verkratzt. Falls du auch in so eine Notlage geraten solltest und keine Kettenpeitsche zur Hand hast, solltest du unbedingt darauf achten, dass die Nägel oder Schrauben nicht die Kette beschädigen. Wenn es möglich ist, solltest du sie immer polstern.


Die aktuelle Staffel 5 "Georgien" gibts hier zu sehen

Nun sind wir seit kurzer Zeit im Iran und es beginnt wieder ein neues Kapitel unserer Weltreise!

Den Ganzen Artikel mit Fotos gibts hier: Artikel mit Fotos


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NEWS Update April 2022

Iran – Berge und Wüste


Nun sind wir endlich da, im Iran. Eigentlich wollten wir schon 2021 dort hin, aber meistens kommt bekanntlich alles anders, als man denkt. Letztes Jahr waren wir noch mittendrin in der Türkei und die Grenzen wegen COVID-19 drum herum geschlossen. Direkt in den Iran konnten wir deswegen leider nicht einreisen. Als Georgien seine Grenzen wieder öffnete, machten wir also von der Türkei aus einen kleinen Schlenker Richtung Norden, um dann über das grüne Georgien und über Armenien in den Iran einzureisen. Fast ein ganzes Jahr später sind wir nun im 19. Land unserer Fahrradweltreise und wieder sind wir in einem Land, das wir mit keinem anderen vergleichen können.

In Armenien hatten wir noch zugeschneite Passstraßen und Schneeregen. Im Iran erwarteten uns schon ab der Grenze staubige, trockene Bergstraßen und später dann die Wüste. Auch unsere Kleidung hat sich geändert. Zumindest maßgeblich die von Melli. Im Iran ist es Pflicht, dass Frauen ein Kopftuch und ein weites Oberteil tragen, welches den Hintern bedeckt. Männer sollten lange Hosen tragen. Eine kleine Herausforderung bei den steigenden Temperaturen.

Anstatt auf der Hauptroute von der armenischen Grenze Richtung Täbris zu radeln, entschieden wir uns gleich zu Beginn unserer Iranreise für eine weniger stark befahrene Straße über die Berge. Etwa zwei Tage lang brauchten wir, um in das nächste Dorf zu kommen. Aber die Landschaft um uns herum war dafür wieder sagenhaft, auch wenn es nun anfing zu regnen. Wir hatten nun die Wahl, unserer Straße weiter zu folgen oder eine kleine Abkürzung zu nehmen. Die Alternative versprach deutlich weniger Höhenmeter und sogar 15 weniger Kilometer. Super! Dachten wir!
Die ersten 7 Kilometer waren wirklich schön, es ging bergab und der Fahrbelag war gar nicht mal so übel. Was wir aber total außer Acht gelassen haben war, dass es in dieser Gegend die letzte Woche durchgeregnet hatte. Man sollte so tolle Abkürzungen bei unbefestigtem Boden und Regen besser nicht radeln. Kurz darauf ging es durch eine schlammige Kuhle und der Dreck an den Reifen führte dazu, dass diese total blockierten und nicht mal mehr einen Millimeter rollten. Wir fingen an, beide Räder zusammen zu schieben, aber das machte wenig Sinn. Einer blieb bei den Rädern, der andere lief voraus, um zu sehen, ob sich der Weg besserte. Eigentlich lagen nur noch etwa 3 Kilometer vor uns, bis wir wieder auf die ursprüngliche Straße trafen.

Wir überlegten hin und her, ob es schlau wäre, das Gepäck abzuschnallen und Stück für Stück alles Meter um Meter nach vorne zu transportieren. Dann sahen wir aber doch ein, dass dieses Abenteuer dann doch ein wenig aussichtlos erschien, wenn wir nicht bis spät in die Nacht schieben und völlig entnervt an der Kreuzung ankommen wollten. Nass und schlammbespritzt von oben bis unten waren wir ohnehin schon. Also drehten wir um, schoben die gefühlt um Zentner schwerer gewordenen Räder, bis der Boden wieder besser wurde und es ging den tollen Weg wieder zurück. Der Dreck setzte sich jedoch so dermaßen hartnäckig an der Felge und den Bremsen fest, dass bei Melli sich die Bremse verklemmte und sie nicht mehr weiter konnte. Nun war nicht mal mehr schieben möglich. Zumindest konnten wir nun unsere ausgetauschte Ausrüstung, wie die neuen Ortlieb Taschen und die Regenkleidung, ausgiebig auf ihre Wasserdichtigkeit testen und können sagen – Härtetest bestanden!

Zufällig kam dann eins der kleinen blauen Packautos vorbei, die wir nun schon so oft gesehen hatten. Der Mann bot uns an, eins der Räder hinten drauf zu schnallen und bis zum nächsten Dorf mitzunehmen. So führte eins zum anderen und wir wurden von jungen Iranern in die Werkstatt von einem ihrer Väter geführt. Schnell sammelte sich eine kleine Menschentraube an, die neugierig Dani beim Schrauben zusah. An der hinteren Ecke der Schrauber-Garage wurde derweil ein Gasschlauch angezündet, aus dem wohlig warmes Feuer strömte. Einer der Männer konnte gut Englisch und lud uns ins Nachbarhaus ein, dort die Nacht bei ihm zu verbringen. Dort schliefen er, sein Freund und der Schwiegervater, nachdem sie vom Goldgraben zurückkamen. Denn in der Nähe gab es Goldmienen. Wir lernten einige Wörter in Farsi und erhielten einen ersten Einblick in die Kultur. Am nächsten Tag erreichten wir dann Täbris, wo wir geradewegs in eine riesige Fahrrad Gruppe hineinradelten. Auch dort wurden wir eingeladen und übernachteten so beim Gruppenleiter, der uns die Stadt zeigte. Abends nahm er uns zum Fastenbrechen mit auf einen Berg, wo wir mit vielen Familien gemeinsam aßen und einen tollen Blick über Täbris hatten.

Unsere Reise durch den Iran ging weiter. Wir hatten uns mit unseren Schweizer Radfreunden Lisa & Dario von Erfahrung der Welt verabredet, die gerade auch im Land unterwegs sind. Mit den beiden haben wir bereits in der Türkei und Georgien einige Zeit verbracht und auch sie sind ebenso mit dem Rad Richtung Osten unterwegs. Die beiden fahren im Iran die entgegengesetzte Route wie wir und so gaben sie uns noch ein paar gute Tipps mit auf den Weg. Dann ging es für uns auch schon ab in die iranische Wüste. Mehr als 350 Kilometer waren wir auf uns gestellt, davon 90km ohne Wasser, ohne Dörfer in der Nähe und kaum einer Menschenseele. Die wenigen Autos, die vorbeikamen, hielten von sich aus an und die darin sitzenden Iraner schenkten uns eisgekühltes Wasser und Süßigkeiten. Wasser hatten wir plötzlich also genug. Melli´s lange Kleidung und der Schal um den Kopf erwiesen sich dann doch als sehr nützlich. Das war ein guter Schutz gegen die Sonne. Die Temperaturen gingen auf die 36°C zu, wobei wir ziemlich froh sein konnten, denn für eine Woche später waren mehr als 40°C angezeigt.

Am dritten Tag in der Wüste sahen wir am Horizont ein Gebäude aufflimmern. Nein, keine Fata Morgana. Wir erreichten eine alte, verlassene Karawanserei. An einigen Stellen war sie baufällig, aber trotzdem nicht minder beeindruckend. Das Beste überhaupt – keiner war da. Wir hatten die Karawanserei für uns allein und gingen in Ruhe auf Erkundungstour. Einen besseren Platz für die Nacht hätten wir weit und breit nicht finden können. Also bauten wir in einem der halboffenen Räume unser Innenzelt auf und stellten uns vor, wie es hier lange vor unserer Zeit wohl ausgesehen haben mochte. Die Karawanserei diente als Anlaufstelle für Reisende, Warendepot und Wasserquelle mitten in der Wüste. Einfach fantastisch. Nach gut einer Woche haben wir dann die Wüste durchquert und können sagen: wieder einmal ein unvergesslicher und großartiger Moment auf unserer Weltreise!

Genauso wie die zahlreichen Begegnungen, die wir bereits in diesem Monat im Iran hatten. Sei es in der Hauptstadt Irans, in Teheran, in Isfahan, in Yazd, in den vielen kleinen Dörfern dazwischen oder einfach nur auf der Straße. Wieder haben wir wunderbare Menschen kennengelernt, die uns an ihrem Alltag teilhaben ließen, uns ihre Kultur näher brachten und von denen wir so viel Neues lernten. Gerade diese Begegnungen mit den Einheimischen machen unsere Reise so unvergesslich, so wundervoll und einmalig.

Gestern haben wir unsere Visa verlängern können, juhu! Der Iran ist einfach viel zu groß und es gibt noch so viel zu entdecken! Wir sind gespannt, was uns weiter hier erwartet!


Den gesamten Artikel mit Fotos gibts hier: Artikel mit Fotos

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NEWS Update Mai 2022

Iran - Persischer Golf & Shiraz


Nun sind wir schon den zweiten Monat im Iran. Die Landschaft ist so unterschiedlich und vielfältig, je nachdem in welche Region wir kommen. Im Norden hatten wir noch schroffe Berge vor der Nase und radelten durch das Hinterland auf verlassenen Bergstraßen. Anschließend ging es in die Millionenstadt Teheran, wo die vollgestopften Straßen in manchen Teilen nicht minder steil waren und wir schließlich die kulturelle Perle Isfahan hinter uns ließen. Es ging vorbei an einem alten Lehm Dorf, bis wir plötzlich um uns herum nur noch Wüste sahen. Es ist schon ein irres Gefühl, wenn man 20km geradeaus sehen kann und die Wüstenstraße hinter einem Flimmern am Horizont verschwindet.

Knapp eine Woche radelten wir auf uns allein gestellt durch die Wüste, bis wir in Yazd ankamen, wo uns die Altstadt vollkommen verzauberte. Auch hier waren die Häuser wieder aus einem Lehm-Stroh-Gemisch gebaut und die bunten, zwiebelförmigen Moscheen machten die Szenerie wie aus 1001 Nacht perfekt. Nachdem wir unsere Visa auf zwei weitere Monate verlängern konnten, ging es mit dem Nachtzug an den Persischen Golf. Wir teilten uns ein Schlafabteil mit vier anderen Reisenden. Unsere Drahtesel mussten im eigenen Gepäckwaggon mitreisen, was genauso viel kostete, wie ein Ticket für zwei Personen. Leider reicht unsere VISA Zeit im Iran nicht aus, um das ganze Land wie gewohnt nur mit dem Rad zu erkunden. Am nächsten Morgen erreichten wir dann Bandar Abbas, wo uns eine drückende und feuchte Hitze willkommen hieß.

Jetzt würden wir gerne von einer kühlen Meeresbriese berichten, die uns an der Küste um die Nase wehte… Aber bei mehr als 45°C im Schatten war selbst der Wind keine Abkühlung mehr. Wir erspähten gleich Strandabschnitte, wo Menschen im Meer badeten. Bei genauerem Hinsehen, war klar, dass dies hier der Männerstrand war. Der Frauenabschnitt war etwas weiter entfernt, wo die Damen mitsamt voller Kleidung und Schleier ins Wasser gingen. Bei lauter Vorfreude auf das Meer, hatten wir schon fast verdrängt, dass es hier besondere Vorschriften für die Frauen gab. Also selbstverständlich kein Bikini, oder gemeinsames plantschen im Wasser… Dafür war die Kleidung hier viel bunter und auch die Tschadors (langes Tuch, das den Kopf und den ganzen Körper der Frau bedeckt) nicht mehr nur schwarz, sondern die Frauen trugen farbenfrohe Muster. Teilweise trugen die Frauen auch bunt bestickte Masken.

Was wir auf jeden Fall sehr genossen haben, war das Essen! So köstliches Seafood, hatten wir schon sehr lange nicht mehr gegessen. Fast täglich gab es super leckeren Fisch, Shrimps oder Tintenfisch frisch zubereitet. Außerdem machten wir Ausflüge zu den Inseln am Persischen Golf, was definitiv zu den Highlights im Süden des Irans zählt. Zuerst schipperten wir mit der Fähre nach Queshm. Die Insel ist mit seinen 1335km² die größte im Persischen Golf. Es gibt dort Mangrovenwälder, die weltweit weiteste Salzhöhle und einen unglaublich tollen Canyon, den wir ansteuerten. Durch die enge Schlucht wandern neben den wenigen iranischen Touristen auch Schäfer mit ihren Ziegen. Sogar Brunnen mit Trinkwasser gibt es dort.

Die zweite Insel, die wir erkundeten war Hormoz. Diese Insel entpuppte sich als kleine, verschlafene Trauminsel, auf der an jeder Ecke eine neue Überraschung wartete. Dort gibt es Salzhöhlen, regenbogenfarbene Berge, einen Strand mit rotem und einen mit silber-glitzernden Sand und direkt am Hafen die alte portugiesische Festung. Da so gut wie gar keine Menschen unterwegs waren, konnten wir nicht widerstehen und hüpften ins Meer, was uns tatsächlich Abkühlung verschaffte. Ein perfekter Ausklang des Tages.

Da die Temperaturen hier in den nächsten Monaten auf bis zu 60°C ansteigen, war es für uns Zeit, weiterzuziehen. Es ging nach Shiraz. Auch dort war es warm, aber nicht mehr so diabolisch heiß, wie in Bandar Abbas. Es war gerade nach Mittag, als wir unsere Räder zu einer Bushaltestation mit schönen Buntglasfenstern lotsten. Nicht um mit dem Bus zu fahren, sondern weil dort eine große überdachten Bank stand. Perfekt, um der Sonne für einige Minuten zu entgehen. Kaum setzten wir uns, wurden wir von einem jungen Mädchen angesprochen, das hörte, wie wir uns unterhielten. Sie konnte Deutsch und freute sich, mit jemanden üben zu können. Wir verabredeten uns für später, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Wir schlenderten nicht nur durch den ewig verzweigten Vakil Basar, sondern besuchten z.B. auch den heiligen Schrein von Shah Cheragh. Am nächsten Tag lernten wir eine Gruppe von 5 jungen Iranern kennen, die ebenso wie wir Shiraz erkunden wollten. Wir verstanden uns auf Anhieb so gut, dass wir die restliche Zeit mit ihnen unterwegs waren und wieder einmal die fröhliche, herzensgute Art der Iraner genießen durften.

Nach Shiraz soll es für uns wieder Richtung Berge gehen, wo auch hoffentlich wieder kühlere Temperaturen auf uns warten. Aber mehr dazu in unserem nächsten Update &#128521;

Liebe Grüße aus dem Iran
Melli & Dani


Den ganzen Artikel mit Fotos gibts hier: Mit Fotos


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NEWS Update Juni / Juli 2022

Khuzestan, Kordest&#257;n & eine Zugfahrt


Unser letzter Monat im Iran war nicht weniger spannend, als die davor. Von Shiraz aus ging es nach Khuzestan, genauer gesagt nach Dezful. Berühmt in Dezful ist die Brücke, die aus dem 3. Jahrhundert nach Christus stammt. Sie wurde von römischen Kriegsgefangenen gebaut, die bis heute durch Restaurierungen erhalten blieb. Autos, Motorräder und übrigens auch Fahrräder dürfen nicht auf der alten Dammbrücke fahren. Direkt auf der Brücke lehnte ein alter Herr an der Brüstung des Eisengeländers. Er zeigte uns fingerdicke Löcher darin. Metallsplitter einer Bombe aus dem Krieg mit dem Irak vor 40 Jahren. Genau an diesem Tag, als Dezful unter Beschuss stand, war der Mann als Zeitzeuge eben an dieser Stelle auf der Brücke…

Ganz in der Nähe befanden sich sehr alte Häuser. Die Architektur ist sehr schön und einige dieser Häuser wurden als Hotels ausgebaut. Wir wurden spontan auf eine Besichtigungstour hineingebeten und dabei erlebten wir eine kühle Überraschung. Ganz Dezful wurde früher untertunnelt. Das Gebilde nennt man Shavadoon und es liegt etwa 5 bis 12 Meter tief unter der Erde. Wir spürten gleich die angenehme Kühle und waren froh, der Hitze entfliehen zu können. In Dezful kann es im Sommer zu Temperaturen bis zu 60°C kommen. Die Tunnel verbanden früher alle Distrikte miteinander. Jeder Distrikt hatte auch eine Wasserstelle, an der zu festgelegten Zeiten Trinkwasser geschöpft oder gewaschen wurde. Das Ende des Tunnels führt zum Fluss Dez. Während des Iran-Irak Krieges wurden Shavadoons von den Einwohnern auch als Schutzraum genutzt. Viele Tunnel sind eingefallen und werden momentan wieder unter anderem für Besichtigungen hergerichtet.

Von Freunden wussten wir, dass eine der schönsten Zuglinien durch den Iran nicht weit von Dezful entfernt liegen sollte. Also beschlossen wir unsere Räder diesmal stehen zu lassen und eine 6-stündige Zugfahrt durch das wunderschöne Lorestan zu machen. Wir nahmen den günstigen Localtrain und lernten eine ganz neue Seite der Iraner kennen. Normalerweise sind sie sehr freundlich, zuvorkommend und wir hatten den Eindruck, dass sie aufeinander Rücksicht nahmen. Dann fuhr der Zug ein. Eine große Menschenmenge drückte sich nach vorne und quetschte sich durch die Tür ins Abteil. Innerhalb weniger Sekunden und mit großem Lärm wurden alle Sitzplätze belegt und für weitere Familienmitglieder freigehalten. Wer hier nicht schnell genug war, der musste sich vor die Türe auf den Boden kauern.
Wir hatten Glück und ergatterten noch zwei freie Plätze.

In unserem Abteil schienen besonders viele Kinder zu sein, die auch besonders viel Freude daran hatten, unseren geteilten Fensterladen ständig nach unten zu ziehen. Wir wollten ja die Aussicht genießen, deswegen lieferten wir uns einen stillen Kampf im Rollladen hoch und runter ziehen mit den Kindern. Nach dem fünften Mal, nachdem wir den Rolladen wieder nach oben schoben, blieb er dort zum Glück auch. Aber der rappelvolle Zug und die immense Lautstärke der Reisenden, taten unserer Freude keinen Abbruch. Der Ausblick aus dem Fenster war einfach gigantisch. Die Strecke führte direkt am Fluss entlang. Wir fuhren an gewaltigen Felsformationen sowie Schluchten vorbei und durch Tunnel hindurch. Schließlich gelangten wir nach Dorud, der sogenannten Hauptstadt der Natur im Iran. Sinngemäß bedeutet der Name „wo sich zwei Flüsse treffen“. Der Ort ist der perfekte Ausgangspunkt für Ausflüge mit dem Zelt ins Umland. Es gibt zahlreiche schöne Wasserfälle und Wandermöglichkeiten. Hätten wir gewusst, wie schön es hier ist, hätten wir mehr Zeit eingeplant. Allerdings ging es am Tag darauf dieselbe Strecke mit dem Zug wieder zurück. Diesmal wurden wir direkt an das Ende des Zuges gewiesen, wo wir uns ein Abteil mit dem Zugpersonal teilten.

In Kermanshah hatten wir die Möglichkeit beim Training einer der ältesten Kampsportarten im Iran zuzusehen. Beim Zurkhaneh werden Gymnastik und Krafttraining zusammen mit Kampfübungen zum Takt von Trommeln ausgeübt. Diese Art des besonderen Trainings existiert bereits seit vielen Jahren noch vor der islamischen Zeit des Irans. Trainiert wird in einer achteckigen, ca. ein Meter tiefen Grube, deren Holzboden mit Matten ausgekleidet ist. Wir konnten die Männer beim gemeinsamen Training beobachten, das war wirklich sehr interessant und die Atmosphäre war sehr energiegeladen.

Unsere Reise ging weiter Richtung irakischer Grenze, in die Provinz Kordest&#257;n. Die Mehrheit der dort lebenden Menschen sind Kurden und der Kleidungsstil ist hier gefühlt auch traditioneller und bunter. Die Männer tragen oft weite Pluder-Hosen mit einem Stück Stoff um die Taille. Bei den Frauen sieht man bunte Kleider mit kurzen Westen und natürlich das obligatorische Kopftuch. Wir wollten ins gebirgige Hochland, ins Uraman Valley. Dort erwarten uns wieder spektakuläre Natur, kleine terrassenartig angelegte Dörfer, ein Stausee und natürlich wieder einige Höhenmeter. Nach einiger Zeit oder besser gesagt, an dem Punkt, an dem die Höhenmeter stiegen, hörte ganz plötzlich der Asphalt auf. Das machte die zahlreichen Serpentinen bei der Hitze natürlich noch reizvoller. Der Ausblick war umso gewaltiger.

Schließlich gelangten wir in die Hauptstadt der Provinz Kordest&#257;n, nach Sanandaj. Dort hatten wir das Glück bei einem jungen Paar für ein paar Tage zur Ruhe zu kommen und mehr über ihre Kultur zu erfahren. Wir wurden mit herzlicher Gastfreundschaft und leckerem Essen verwöhnt. Melli konnte ihre dürftigen Kochkünste weiter ausbauen und wir hatten richtig viel Spaß zusammen.

Vorerst sind wir wieder in Teheran und organisieren unsere weitere Reise. Ihr dürft also gespannt sein, in welches Land es für uns nach dem Iran geht &#128521;

Bis zum nächsten Update und liebe Grüße von unterwegs
Melli & Dani

Den ganzen Artikel mit Fotos gibts hier: Mit Fotos


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NEWS Update August / September 2022
PAKISTAN - Polizei Eskorte, Überschwemmung, Höhenkrankheit & Bären


Neues Land, neue Abenteuer – und das wirklich jeden Tag! Wir haben mit unseren Rädern Pakistan erreicht, das Land Nummer 20 unserer Fahrrad Weltreise. Was haben wir über dieses Land gedacht, bevor wir die iranische Grenze hinter uns gelassen haben? Naja, um ehrlich zu sein, wir glauben den Medien schon lange nicht mehr alles, wie es in anderen Ländern zugehen soll. Gewappnet mit den nötigsten Infos, machen wir lieber unsere eigenen Erfahrungen. Und das können wir sagen: Pakistan, du hast uns von der ersten Sekunde an total überrascht! Deine Bewohner sind herzlich, deine Landschaft einzigartig und als Reiseland wirst du total unterschätzt.

Nun aber mal von vorne, denn bereits unsere Einreise war ein Abenteuer für sich. Auf der iranischen Seite empfing uns Hamid an der Grenze. Er sorgte dafür, dass das Papierchaos für uns recht reibungslos vonstattenging und dann schoben wir unsere vollbeladenen Räder durch den Fußgängerteil der Grenze. Auf der anderen Seite wurden wir ebenso freundlich von drei Pakis begrüßt, die uns gleich mit kühlem Wasser versorgten.
Wir übergaben unsere Pakistan Visa.
Ungültig!
Was?
Zwei Monate vorher hatten wir sie beantragt und hatten bereits ein Dokument in den Händen, dass besagte, dass wir autorisiert wären, nach Pakistan einzureisen. Es half nichts. So wurde aus Minuten, Stunden und man versuchte für uns verzweifelt in Islamabad alle Hebel in Bewegung zu setzen, dass wir heute noch einreisen durften. Leider ohne Erfolg. Wir waren bereits die letzten Grenzgänger und die iranischen Kollegen wurden angerufen, das Tor wieder für uns zu öffnen. Wir konnten es nicht fassen. So nah. Wir hatten doch alles richtig gemacht. Der iranische Grenzbeamte winkte schon und hieß uns erneut im Iran willkommen – wo wir nun gar nicht sein wollten. Doch in allerletzter Sekunde kam einer der hilfsbereiten Pakis aus seinem Häuschen gerannt und rief uns zu, dass Islamabad sich gemeldet hätte. Wir dürfen doch rein! Juhuuu!

Trotzdem kamen wir nicht weit. Unsere Pässe wurden erneut kontrolliert, wir wurden von einem pakistanischen Grenzhaus zum nächsten geschickt, an dem doppelt und dreifach unsere Namen und die unserer Eltern notiert wurden und wir uns in ein liniertes Schulheft eintragen mussten. Dann wurden wir etwa zwei Minuten von einem Mofafahrer zum angrenzenden Polizeirevier eskortiert, wo wir die Nacht verbringen sollten. Am nächsten Tag und die Tage darauf wurden wir und unsere Räder auf Pickups verladen und wir wurden von bewaffneten Polizisten durch ganz Baluchistan gekarrt. Aus Sicherheitsgründen darf sich in dieser Region kein Tourist frei und ohne Eskorte bewegen. Wir mussten unzählige Male den Pick-Up Wechseln, weil oft schon nach nur 5 Kilometern andere Polizisten aus einem neuen Bezirk für uns zuständig waren. Das bedeutete oft unzählige Minuten Warten auf den nächsten Wagen, dafür aber hatten wir super nette Polizisten, die uns ab und an Wasser oder Snacks schenkten.

Zuerst ging es in die Wüste, nicht lange und der erste Sandsturm kam auf, gefolgt von einem Unwetter, dass wir so noch nie erlebt hatten. Ganze Landstriche wurden überflutet, die Straße stand unter Wasser und schließlich mussten wir die Fahrt abbrechen und in einem Polizeirevier die Nacht verbringen.
Es war kurz vor Mitternacht, als aufgeregte Stimmen uns aus dem Schlaf rissen. „Water is coming!“ Das verfolgt uns heute noch! Innerhalb von Minuten lief die Polizeistation voll und wir flüchteten mit all unserem Hab und Gut auf das Dach des Gebäudes. Ein Auge konnten wir diese Nacht nicht zu tun.
Am nächsten Morgen war das Wasser nur leicht zurück gegangen. Nach stundenlangem hin und her, ob die weitere Straße immer noch überflutet sei, gab es dann das GO zur Weiterfahrt. Wir wateten durch hüfthohes, dreckbraunes Wasser zur leicht erhöhten Straße, wo bereits eine rumänische Motorradfahrerin auf uns wartete. So wurden wir gemeinsam nach Quetta eskortiert, wo wir die Nacht im Gefängnis verbrachten. Also genauer gesagt auf dem Dach. Nach viel Anstrengung und Bürokratie erhielten wir die Genehmigung weiter zu fahren. Natürlich mit unserem alle 5km wechselndem Polizeischutz.

Kurz vor Islamabad waren wir dann endlich frei und konnten uns ohne Polizei bewegen. Ein Nachrichtenteam entdeckte uns auf der Straße und interviewte uns zu unserer Weltreise. Nach einer kurzen Verschnaufpause in Pakistans Hauptstadt ging es gleich weiter Richtung Karakoram Highway. Er ist eine der höchsten asphaltierten grenzüberschreitenden Autostraßen und verbindet die autonome Region Xinjiang Uighur in China mit Gilgit-Baltistan in Pakistan. Unsere Freude darüber endlich wieder unabhängig reisen zu können, wurde jäh zunichte gemacht. Nach etwa 50km wurden wir wieder von der Polizei begleitet. Diesmal durften wir allerdings radeln. Es ging durch wunderschöne Berglandschaften und gegen Nachmittag zog das Wetter erstaunlich schnell zu. Die aktuelle Eskorte bestand wieder aus einem Pick-Up und die Polizisten boten an, uns und unsere Räder einzuladen. Regen und viele Höhenmeter warteten. Da sagten wir natürlich nicht nein. Auf 4.100m am Babusar Pass angekommen, zitterte Melli wie Espenlaup. Es war super kalt und sie hatte hinten im Auto alles an Regen abbekommen. So wurden wir erstmal in die Polizei Hütte eingeladen, die praktischerweise am Gipfel stationiert war und konnten uns bei einem Teller Daal Mash und Chai am Feuer wärmen. Die Nacht durften wir in einem kleinem Raum schlafen, der zwar schimmlig und zugig war, aber Schutz vor dem Regen bot.

Die Nacht war der Horror. Wir bekamen beide rasende Kopfschmerzen, Atemnot, mussten uns übergeben und hatten Durchfall. Höhenkrankheit, da war doch was. Wir hatten tags zuvor viel zu schnell, viel zu viele Höhenmeter zurückgelegt und mussten nun dafür büßen. Die Reaktion der Polizisten: „Everybody gets sick up here for the first 3 days.“ Wir mussten so schnell wie möglich wieder in tiefere Höhenlagen, danach ging es zum Glück auch wieder besser. Und dann hatten wir ihn ganz plötzlich erreicht, den Karakoram Highway. Unfassbar schöne Landschaft breitete sich vor uns aus, die darauf wartete von uns entdeckt zu werden. Bald darauf zweigten wir ab, denn wir wollten unbedingt den Deosai Nationalpark durchradeln. Er liegt im pakistanischen Westhimalaya und ist das zweithöchste Hochplateu der Welt. Unseren Höhenrekord mit unseren Rädern haben wir somit zum zweiten Mal gebrochen und sind nun schon auf 4.200m geradelt. Auch wenn es unfassbar anstrengend war, Melli ihr Radel mehr schob als fuhr, war der Ausblick auf diese gigantische Landschaft einfach der Wahnsinn. So etwas Schönes hatten wir noch nie gesehen. Dieses Pakistan können wir mit keinem anderen Land vergleichen. Immer mal wieder kamen uns große Nomadengruppen mit ihren beladenen Packpferden entgegen.

Etwas anderes beschäftigte uns auch, hier gab es nicht nur tolles Naturschauspiel, auch Tiere, wie Bären nannten dieses Gebiet ihr zuhause. So suchten wir ein Camp nach dem nächsten auf, um dort unser Zelt aufzustellen, denn die Chance auf einen Bärenangriff war so geringer. Tatsächlich umstreiften die Bären nächtlich unser Nachtlager, aber zum Glück OHNE jegliche Zwischenfälle. Erschöpft, aber glücklich erreichten wir Skardu, wo wir eine Pause einlegten von den vielen Höhenmetern und endlich wieder Zeit für die Erstellung neuer Videos und Beiträge hatten.

Aber auch unsere Nerven wurden dort auf eine harte Probe gestellt. Täglich gab es hier nur ca. 1 Stunde Strom und die Internetverbindung riss dauernd ab. Keine guten Voraussetzungen, um zu arbeiten und die Unmengen an Filmmaterial zu sichten und in Videos zu verwurschteln. Dennoch stecken wir wie bei jedem unserer Beiträge und Videos unser ganzes Herzblut (und natürlich auch viel Zeit & Geld) rein, auch wenn es manchmal verzweifelt lange dauert, bis wir etwas produzieren können…
Aus diesem Grund sind wir sehr dankbar, an all die lieben Menschen, die uns z.B. über unsere Mitgliedsseite unterstützen! Dort erhältst du übrigens früheren Zugriff auf unsere Videos, Beiträge oder Zugriff zum Sonderpodcast „Melli & Dani Spezial“.

Denn so können wir uns überhaupt erst die Zeit zum Produzieren, Hochladen und Veröffentlichen unserer Beiträge nehmen und vor allem einen ruhigen Arbeitsplatz finanzieren. Deshalb nochmal ein herzliches Dankeschön an alle! Wir würden uns auch sehr freuen, wenn du uns einen Teller Daal Mash ausgibst, damit wir gestärkt, die nächste abenteuerliche Story für euch vorbereiten können.

Im nächsten Update erzählen wir euch, wie wir unser Jubiläum – 3 Jahre auf Fahrrad Weltreise – in Pakistan gefeiert haben!

Liebe Grüße von unterwegs
Melli & Dani


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#1512400 - 19.10.22 18:31 Re: 5 Jahre Fahrradweltreise: Deutschland - Japan [Re: VAEGABOND]
VAEGABOND
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Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 23
Unterwegs in Pakistan

Für alle, die erst jetzt dazu kommen:

Wir sind Melanie & Daniel und 2019 starteten wir in das Abenteuer unseres Lebens. Wir machen eine Fahrrad-Weltreise mit so vielen Umwegen wie möglich. Wir wollen mit unserem emissionsfreien Transportmittel nach Japan und darüber hinaus radeln. Uns erwarten also grob noch weitere 70.000 Kilometer bis dahin. Wir leben fast ausschließlich im Zelt, haben schon mehrere Unfälle erlebt, wurden von der Polizei verfolgt, hatten Begleitschutz an der Grenze zu Afghanistan, sind in einen Sandsturm in der Sahara geraten, haben in Marokko bei einem Einheimischen zufällig geheiratet, fuhren durch die 50°C heiße Wüste im Iran sowie auf die höchste Grenze der Welt mit über 4700m zwischen China und Pakistan.
Wir sind bis jetzt über 30.000km durch 20 verschiedene Länder gereist und radeln momentan durch Pakistan zwischen die Gebirgsketten des Karakorum und Hindukusch auf 4200m.


Gesamte Reise chronologisch
https://www.youtube.com/playlist?list=PLG43vqBetZVoX_lcPDs_cWEfqbCnZ_Mhv

Staffel 1
von Deutschland durch Westeuropa
https://youtube.com/playlist?list=PLG43vqBetZVqSB4IL4W6jWMlAZr7-GLsm

Staffel 2
Afrika Marokko
https://youtube.com/playlist?list=PLG43vqBetZVofpHk2DQNnFPMvkhP4wZtN

Staffel 3
Deutschland, Alpen, Kroatien & Balkan
https://youtube.com/playlist?list=PLG43vqBetZVoe9GXIhfqv6OM9J2TWgwao

Staffel 4
Türkei
https://youtube.com/playlist?list=PLG43vqBetZVrC0BjGXgpHaVH5oA8hprPj

Staffel 5
Georgien, Armenien
https://youtube.com/playlist?list=PLG43vqBetZVraY7_cpYsjoaBpej9BxSOC
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