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#1151623 - 19.08.15 23:42 Minsk- Tromsö / Teil 2: Helsinki und Russland
uwee
Gewerblicher Teilnehmer Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 1152
Unterwegs in Italien

Dauer:13 Tage
Zeitraum:1.7.2015 bis 13.7.2015
Entfernung:1600 Kilometer
Bereiste Länder:fiFinnland
ruRussland, Russische Förderation
Externe URL:http://velo-traumreise.de






Wir fahren hauptsächlich mit unseren Rädern, aber auch mit Fähren und Zügen von Minsk nach Tromsö. Sechs Wochen haben wir für diese Strecke durch sieben Länder.

Der erste Teil Minsk- Helsinki ist hier nachzulesen:

Teil 1: Von Minsk durch die drei Baltischen Staaten bis nach Helsinki


Wir wollen nur einen Tag in Helsinki bleiben.
Warum wir von Tallin erst nach Helsinki fahren und von dort nach St Petersburg, wo es doch eine direkte Schiffsverbindung von Tallin nach Sankt Petersburg gibt?
Zweitens waren wir noch nie in Helsinki und haben so die Gelegenheit uns die finnische Hauptstadt anzuschauen.
Und erstens hätte die Fähre direkt von Tallin das Doppelte gekostet, wie die zwei Strecken
Tallin- Helsinki und Helsinki- St. Petersburg zusammen.
Drittens lieben wir neben dem Radeln und dem Zugfahren auch durchaus diese Bootspassagen.

Von 10:00 - 18:00 Uhr können wir die Stadt Helsinke erkunden.
















































Das Schiff heißt MURMANSK . Das passt.
Da wollen wir noch hin.







Und mit diesem Schiff gehts weiter nach Sankt Petersburg. Für 99 Euro incl. der Räder.
Dafür hätten wir in Helsinki kein Zimmer bekommen. Auf dem Boot dagegen eine eigene Kabine.


































Kaum was los auf dem Autodeck.







... und schon nach wenigen Minuten sind wir im Zentrum.

















Der Newski- Prospekt, die berühmteste Straße von Sankt Petersburg und vielleicht von ganz Russlands.











Fünf Minuten später wird uns in einem Cafe eine Geldbörse mit ein wenig Bargeld und zwei Kreditkarten gestohlen.
Zum Glück sperren wir diese sofort, so dass wir den Betrag komplett zurückerstattet bekommen, den die Diebe mit einer dieser Karten ergaunern.
Eigenartigerweise gibt es in dieser Stadt mit tausenden von Touristen jeden Tag keine Touristenpolizei. Und wir finden keinen eine uns bekannte Sprache sprechenden Polizisten.
Wir werden zu drei Polizeistationen geschickt. Diese liegen weit auseinander. Gut mit Rädern unterwegs zu sein...
Der letzte Polizist zwangsverpflichtet den Rezeptionisten eines 5- Sterne Hotels für die russische Polizei und uns unentgeldliche Dolmetscherdienste zu verrichten.
So bekommen wir nach fünf Stunden auch unsere Versicherungsbestätigung.
Daheim meinte die Versicherung: "Das hätten Sie auch daheim bei der Polizei machen können."
Merken wir uns fürs nächste Mal












Ein holländisches Paar hat uns Karten für die Erimetage geschenkt. Um fünf sind wir fertig mit der Polizei und zum Glück hat sie mittwochs bis 19:00 Uhr geöffnet.
Schon eine gewaltige Aufgabe : die Erimitage in zwei Stunden. Andere Menschen brauchen zwei Wochen dafür....
















Eigentlich hatten wir uns vorgenommen mit dem Flussdampfer nach Walaam zu fahren, der heiligen Insel im Lagodasee, dem größten See Europas. 40 mal so groß wie der Bodensee.
Es werden nur Rundfahrten mit Besichtigungen, Kabinen und Vollverpflegung angeboten.
Sündhaft teuer. Ab 400 Euro pro Person. Auf Mails wird uns nicht geantwortet.
Uns wurde am Ende geraten direkt zum Pier der Boote zu gehen.
Meist seien Plätze frei. Und da würden sie uns bestimmt relativ günstig auch one- way- Tickets verkaufen.
Es geht weit raus aus der Stadt, vorbei an den Badestellen der nördlichsten Millionenstadt der Welt und der fünftgrößten Stadt Europas.















Da liegen die hübschen Boote. Die Besatzung freut sich auf uns und wünscht uns viel Erfolg.




Nach einigen Stunden der endgültige Bescheid des obersten Chefs.
Ja, wir dürfen mitfahren.
Auch mit den Rädern.
Aber nur, wenn wir die gesamte Rundfahrt zahlen. 800 Euro sind uns für eine Bootsfahrt eindeutig zu viel.
Wir lehnen ab und fahren zum Bahnhof- bzw zu einem der fünf großen Bahnhöfe dieser Megastadt.
Da standen wir vor 5 Jahren schon mal und wussten nicht, wie wir über diese große Brücke mit vollbeladenen Rädern kommen sollten.
Es hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert...







Wir stehen an für ein Zugticket raus aus der Stadt.
Nach zwei Stunden sind wir von Platz 16 in unserer Schlange auf Platz 14 vorgerückt.
Auch wenn unser Zug erst in zwei Stunden geht: keine Chance.
Jemand erzählt uns hinten in der Halle gäbe es Automaten für Menschen mit Kriditkarte.
Alleine hätten wir das allerdings nie geschafft.
Eine Bahnangestellte hilft uns.
Etwas extrem Ungewöhnliches in diesem Land.
Normaler Sitzplatz? 2. Klasse? Erste Klasse?
Die zwei Tickets für die erste Klasse sind günstiger als das Zimmer in einem Mittelklassehotel.
Also erste Klasse.


Wir wissen es ist immer ein Problem die Räder in einen russischen Zug zu bekommen, es sei denn man bekommt sie in einen Schuhkarton... Am besten zwei Räder in einen.
Vor fünf Jahren gab uns die Bahnhofsvorsteherin einen Auszug aus den Beförderungsrichtlinien, in denen deutlich stand, wir seien berechtigt unser unzerlegten Räder mit uns zu führen.
Leider gibt es diesen Zettel nicht mehr.
Für jeden Waggon gibt es in russischen Zügen einen Schaffner, der seinen Wagen wie ein Fürst regiert.
Der Zugführer ist dagegen der Kaiser.
Der Kaiser befiehlt uns die Räder auf die Größe eines Schuhkartons zu verkleinern.
Wir streiten.
Ein englischsprachiger Passagier raunzt mir zu, ich solle es mit ein paar Rubeln versuchen.
Die umgerechnet 5 Euro lehnt Kaiser brüsk ab und entfernt sich.
Der Zug geht in 3 Minuten. Das Gepäck befindet sich schon in unserer erste Klasse Suite.
Wir drängen jeden schroff zur Seite und bugsieren die Räder in den Waggon. Unser Fürst findet dann sogar einen Platz für die Bikes. Wir bedanken uns mit einem Trinkgeld.
Wenige Minuten nachdem der Zug endlich rollt kommt der Kaiser und macht eindeutige Handbewegungen.
Er will jetzt sein Geld.
Er bekommt einen Euro- ist entrüstet.
"Den Rest bekamen Deine Fürsten!"
















Nicht schlecht. Mit eigenem Bad, WC, Fernseher, zwei breiten Betten und Verpflegung.






Ankunft in Petroskoi (Petrosawodsk), in der Mitte des Onega Sees, des zweitgrößten Sees in Europa, 25 mal größer als der Bodensee. Wollte man um ihn herum fahren so wären dies mehr als 1.000 km auf Straßen und Feldwegen.












Petrosawodsk ist die Hauptstadt Kareliens. Immerhin eine Stadt von einer viertel Millionen Einwohnern.
Das ist fast die Hälfte der Bevölkerung Kareliens, das wiederum mehr als halb so groß wie Deutschland ist.
Es gibt nicht mehr Bilder von der Hauptstadt.
Das hat zwei Gründe.
Zweitens regnet es immer wieder heftig, und ich habe schon zwei Kameras wegen Regens verloren..
Erstens waren das auch schon die Höhepunkte der Stadt.
(Ich hoffe ich verletze jetzt niemanden...)







Hier jetzt der Knackpunkt...
Vor fünf Jahren flogen wir mit den Rädern nach Sankt Petersburg, fuhren von dort nach Murmansk und weiter nach Norwegen.


Bericht: Lappland von Osten



Als wir im Zug saßen und die Seen und Wälder an uns vorbeiflogen versprachen wir uns:
"Und einmal fahren wir die ganze Strecke mit den Rädern."
Allein, der Blick in die Karte zeigt, es gibt eigentlich nur eine Straße in ganz Karelien. Die 1400 km lange Verbindung von St. Petersburg nach Murmansk.
Es gibt kaum akzeptable Alternativen.
Um 100km weiter zu kommen fahren wir jetzt 200 Kilometer. Dafür aber richtig schön.
Manch einer würde sich über die Qualität der Straßen beschweren, aber das passt schon.
Unsere Räder sind Kummer gewohnt.







Isabel mit "Abstandshalter", weil die motorisierten Verkehrsteilnehmer uns nicht sehr rücksichtsvoll behandelten und häufig nur eine Hand breit an uns vorbeirasten.







Ein bekanntes Jodbad und Wallfahrtsort.



























Mehr von Russland, Karelien und uns in Kürze...


Uwe






.
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Geändert von uwee (19.08.15 23:43)
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#1151969 - 21.08.15 12:49 Re: Minsk- Tromsö / Teil 2: Helsinki und Russland [Re: uwee]
uwee
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Unterwegs in Italien







Karelien, die Region, die wir nun durchfahren, liegt zwischen dem 60. nördlichen Breitengrad und dem Polarkreis. Weiter nach Norden schließt sich die Kola Halbinsel und Murmansk an.
Im Süden liegen der Onega See, an dem auch Kareliens Hauptstadt Petrosawodsk liegt, der Lagodasee und die Ostsee mit dem Finnischen Meerbusen. Nach Osten grenzt Karelien an das Weiße Meer. Westlich des russischen Teils liegen die finnischen Teile Südkarelien und Nordkarelien.
Über Jahrhunderte war das kaum besiedelte Gebiet zwischen Schweden, Finnland und Russland
umkämpft. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Finnland große Teile Kareliens an Russland- noch immer ein nationales Trauma für die Finnen.
Schon für das Zarenreich war es ein beliebter Verbannungsort für unliebsame Personen. Unter Stalin entstanden hier die ersten Gulaps und hunderttausende politische Gefangene, Kriminelle und Kriegsgefangene verloren in den zahlreichen Lagern ihr Leben.
Praktisch ganz Karelien ist bedeckt mit Wäldern. Es gibt wenige Siedlungen, wenig Industrie und auch keine nennenswerte Landwirtschaft.
Sieben Prozent der 200.000 qkm sind mit Wasser bedeckt. Vom kleinen Tümpel bis zu riesigen Seen. Ein Chiemsee würde es hier nicht in die Top 100 schaffen.
Es soll eine reiche Tierwelt geben. Davon sieht man aber meist nichts oder doch sehr wenig.
Mitunter fahren wir mehr als 100 Kilometer ohne ein Restaurant, Unterkunft oder Versorgungsmöglichkeit. Nur wenige Straßen sind asphaltiert. Abseits der Hauptachse Sankt Petersburg- Murmansk fährt man auf Naturstraßen.
Manche lassen sich gut befahren- viele aber auch nicht...















Der Bär ist allgegenwärtig.
Das hierzulande fast unbekannte Karelien ist das größte Waldgebiet Europas, und gilt als dessen grüne Lunge.
Zudem weist es den größten Bestand an Braunbären an. Besonders in Mittelkarelien leben nach Schätzungen etwa 200 Bären je 1000 qkm. Das ist einer auf 5 qkm. Es ist also stets einer in der Nähe.




Eigentlich ein wunderschöner Zeltplatz. Doch nun beginnt das Land der Mücken. Wie bei jedem unserer fünf Besuche im Hohen Norden versichern uns die Einheimischen so schlimm wie in diesem Jahr sei es noch nie gewesen.
Von vielen überzeugten Nordlandreisenden hört man: "Ist doch gar nicht so schlimm." und
"Da gewöhnt man sich dran."
Es ist schlimm!
Und wir gewöhnen uns nie dran!
Auch wenn Autan und ähnliche Mittel die Viecher kurze Zeit auf kurze Distanz halten.
Wohl fühlt man sich erst im Zelt hinter dem Mückennetz.










Noch um Mitternacht schwitzen wir bei 25°C im Zelt.






Am nächsten Morgen Dauerregen bei 8°C und mehr als 100 km kein Cafe, Restaurant oder Laden. Im Regen die erste Reifenpanne.




Durchgefroren freuen wir uns auf die erst nach 120km erwartete Sadt.
10km vor der Stadtgrenze die nächste Panne.
Gleiche Stelle.
Es zeigt sich, dass die Bremse nach einem Sturz an der Wand des Reifens geschliffen und den Mantel zerstört hatte.
Ausnahmsweise haben wir für diesen Urlaub auf einen Ersatzmantel verzichtet.
Die provisorische Reparatur hält bis zwei Kilometer vor das Ziel. Den Rest darf ich im weiterhin strömenden Regen schieben.
Um neun Uhr abends finden wir das scheußliche nichtsdesto Trotz teure Hotel.
Die Anmeldung geht hier so schnell von statten wie der Ticketkauf am Bahnhof von St. Petersburg.
Zwei Leute sind vor uns.
Wir brauchen ein einhalb Stunden. Frierend in nassen Klamotten.
Restaurants alle geschlossen.
Im Laden gibt es Bier nur bis 23:00 Uhr.
Es ist 23:03 Uhr.
Hole mir eine böse Zerrung im Unterschenkel und komme kaum hoch in den 3. Stock- Aufzug gibt es keinen.
Es gab schon bessere Tage.





Unser romantisches Hotel in Medvezhya Gora






Die Highlights der Stadt.













Am nächsten Morgen kann ich der Zerrung wegen kaum laufen.
Ein netter junger Mann sieht uns zu bei unseren Reparaturversuchen und bietet seine Hilfe an.
In seinem Kofferraum liegt ein Cannondale Rad. Sein Werkzeug reicht für einen mittelgroßen Radladen, und er bringt mich in ein von außen nicht als Bikeshop zu erkennendes Gebäude, wo ich sogar einen neuen Mantel kaufen kann. Er repariert, pumpt auf und verabschiedet sich mit freundlichen Worten.

Medvezhya Gora liegt am Nordende des Onega Sees. Radeln geht besser als Laufen. So schauen wir uns ein wenig die Umgebung an und finden tatsächlich eine Ferienanlage mit dem besten Restaurant des gesamten Russlandurlaubs.
Zufälliger weise treffen wir hier unseren freundlichen Helfer wieder und eigentlich auch bei jeder Fahrt durch die Stadt.

























Ich brauche ein paar Tage Ruhe- aber nicht in dem hässlichen Hotel. Bei Booking.com finden wir ein hübsches- allerdings 200km entfernt. So weit kann ich noch nicht radeln. So nehmen wir mal wieder den Zug.
Sicherheitshalber kaufen wir gleich auch Tickets für die Räder für den Gepäckwagen.





Der wunderschöne Holzbahnhof des Ortes.
Zufälligerweise findet sich auch der freundliche Helfer wieder ein. Und schenkt Isabel ein orthodoxes Kreuz als Kettenanhänger.
Ich weiß bis heute nicht, ob er ein Mitarbeiter des Geheimdienstes ist oder einfach nur verliebt in Isbel, was ich natürlich bestens verstehen könnte.
















Helfen tun uns die Tickets für die Räder leider gar nicht. Die Matrone an Zugchefin besteht darauf, dass wir die Räder zerlegen. Größe Schuhkarton. Unser Gepäck ist ein paar hundert Meter weiter hinten in einem Waggon. Der Zug fährt gleich ab und versperrt mit ihrem massigen Körper den Eingang.
Ich schreie sie an, schiebe sie zur Seite. Kein leichtes Unterfangen, bei Ihrem Gewicht und trage die Räder in den Waggon. Sie ist sprachlos. Der Zug fährt los- wie immer in Russland auf die Minute pünktlich. Die anderen Schaffner grinsen. Beliebt scheint die Chefin nicht zu sein.
Glück gehabt. Das hätte auch anders ausgehen können.






















Ein Geschäft auf dem Lande. Zwei Drittel der Ladenfläche machen Alkoholika aus.
Es gibt aber trotzdem alles, auch Telefonkarten. Und überall kann mit Kreditkarte bezahlt werden.





Es sind nur 40 km bis zum ausgewählten Hotel. Da wollen wir aber erst morgen sein und heute im Zelt schlafen.





An allen Waldwegen wird vor Bären gewarnt.





Konnten wir leider nicht lesen.














Und plötzlich steht einer da und lässt sich sogar noch fotografiern.
Isabel ist besorgt.
Ich versichere ihr, dass sie hier so stark bejagt werden und dass sie daher menschenscheu sind.



















Wir schlafen im Wald. Freie Flächen gibt es keine.
Es ist sehr angenehm nie auf die Uhrzeit achten zu müssen. Selbst um Mitternacht ist es ja noch hell.
Und so lange man auf dem Rad ist stören auch keine Mücken.
Im Wald dagegen schon.































Bau eines Holzhauses













Gibts als Bausatz. Jeder Balken nummeriert.







Dieses Jahr dauert die Fliederblüte sehr lang. Kaum war er daheim verblüht kommen wir pünktlich zur Fliederblüte nach Minsk und folgen ihr seither bis hierhin.






Mittlerweile ist es der 7.Juli


















Unser Haus besitzt vier Schlafräume.
Wir sind ganze Zeit die einzigen Gäste.
Booking.com: "Schnell buchen. Wir haben nur noch drei Zimmer."

























Unsere Sauna






mit Boot und Steg

























Auch an diesem idyllischen Ort wurden zur Stalinzeit viele Gefangene zu Tode gequält.











Das Angeln war nicht sehr erfolgreich. Die ansässige Fischfabrik fischt den See leer.
Durch die Abfälle der Fischfabrik werden viele Bären angelockt.
Wir sollen äußerst vorsichtig sein und bloß nicht alleine in den Wald gehen, warnen uns die Einheimischen eindringlich
Die Bären hier wären sehr agressiv und es gäbe jedes Jahr zahlreiche Übergriffe.
Vielleicht glaubt mir Isabel nicht mehr alles...

Sicherheitshalber erkundige ich mich bei Bärenexperten.

Bärenexperte gesucht





Das ist peinlich. Der darf wieder rein.












Die Wade erholt sich langsam.
Bald kann es weiter gehen nach Murmansk.
Hoffentlich hört bis dahin der Regen auf.







davon später





.
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#1152852 - 25.08.15 17:15 Re: Minsk- Tromsö / Teil 2: Helsinki und Russland [Re: uwee]
uwee
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Es sind noch etwa 650km bis Murmansk.
Der Wetterbericht hatte gelogen.
Es regnet den ganzen Tag heftig.
Es gibt nur wenige Bilder.
Die Kamera bleibt normalerweise gut verstaut in den Gepäcktaschen.





Wir sind verwöhnt.
Bisher kam der Wind grundsätzlich von hinten.
Jetzt haben wir einen kräftigen Nordwind.
Und Murmansk liegt genau im Norden.





Und auch die Straße ist nicht wirklich prickelnd.
Viel Verkehr, und die Fahrzeuge fahren sehr schnell und (zu) dicht an uns vorbei.
Der 20 cm breite Seitenstreifen hilft uns auch nicht viel.
Nach 100 km können wir uns im Restaurant einer Tankstelle aufwärmen.
Bei Regen, Sturm und Kälte sind wir total durchgefroren.
Der vorgesehene Ausflug ans Weiße Meer wird gestrichen, auch wenn es nur ein paar Kilometer bis dorthin sind.
Der Wetterbericht für die nächsten acht Tage meint, der Nordwind bleibt erhalten und die Temperaturen in Murmansk kommen im gesamten Zeitraum nicht in den zweistelligen Bereich.
Müssen wir uns das antun?





Die nächste Möglichkeit biegen wir nach links ab- Richtung Finnland, von dem wir uns eigentlich schon in Helsinki verabschiedet hatten.
Die Straßen sind gut. Der Wind lässt nach. Der Verkehr auch.










Gut, bald hört der Asphalt auf.
Aber Anfangs ist die Straße noch sehr passabel.

















... und schöne Plätze für das Zelt gibt es auch.
Und angeblich wäre es direkt am See ein wenig bärensicherer meinten die Einheimischen...














Schwer beladene Holzlaster begegnen uns hier immer wieder. Wohl die einzige Einnahmequelle. Meist geht das Holz nach Finnland.










Tagelang geht es durch dichte Wälder und Moore. Das Wasser der Flüsse ist dunkelbraun.



















In Kalevala finden wir nach mehreren Tagen auch mal wieder eine Unterkunft- mückenfrei.
Kalevala heißt auch das finnische Nationalepos.
So schmerzt es die Finnen noch mehr, dass die Stadt Kalevala heute in Russland liegt.














In Kalevala erleben wir mal wieder die Fliederblüte.











...und einkaufen können wir auch gut.
Es gibt vieles, was wir aus deutschen Supermärkten kennen.
Käse, Joghurt, Butter, Bier, Schnaps etc.











Es sind zwei Straßen Richtung Finnland in unserer Karte eingezeichnet.
Man bedeutet uns aber für Ausländer käme nur der Weg über Pyaozerski in Betracht.
Wir hatten Hoffnung die Straße sei so dicht an Finnland vielleicht asphaltiert.






Damit hatten wir kein Glück.
















Schlimmer wurde es dann allerdings am nächsten Tag.
In der Karte war diese Straße zur Grenze asphaltiert eingetragen, aber es sah 80 Kilometer lang so aus.
Und es ließ sich auch so schlecht fahren wie man bei diesem Bild annimmt.
Das verbessert die Laune nicht.





















In ganz Russland sahen wir nicht einen anderen Reiseradler.
Allerdings waren etliche Leute mit Kanus auf den Flüssen und Seen unterwegs.







Kurz vor der Grenze querte noch einmal ein kapitaler Bär unseren Weg.
Diesmal reichte aber die Zeit nicht für ein Foto.

15 Kilometer vor der Grenze dann der Grenzzaun, wie man ihn noch von der ehemaligen innerdeutschen Grenze kennt.
Hoher Zaun, breiter geharkter Sandstreifen, ein weiterer Zaun mit viel Stacheldraht.

Die Grenzer sind freundlich und mehr als erstaunt uns zu sehen.
So lange sie Dienst tun wäre noch kein Radler hier vorbei gekommen.
Es sei ihnen auch unverständlich wie man allein 60 Kilometer über solche Pisten bis ins nächste Städtchen kommen könne.
Und Minsk....
Na ja. Alles würden sie uns aber nicht glauben...















Willkommen in Finnland!



Uwe


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#1152970 - 26.08.15 01:49 Re: Minsk- Tromsö / Teil 2: Helsinki und Russland [Re: uwee]
RudiS
Mitglied
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Beiträge: 363
Hallo Uwe,

auf den Schildern die du fotografiert hast wird nicht vor Bären gewarnt. Das grüne Schild ruft zum Naturschutz auf, das kleine gelbe teilt mit dass im Jagdrevier Belomorsk das Jagen ohne (schriftliche) Genemigung verboten ist. Nur so zur nachträglichen Beruhigung. grins

Ansonsten ein schöner Bericht. Hast Du einen GPS-Track eurer Route - ich plane für nächstes Jahr vom Ladogasee aus am Onegasee vorbei nach Murmansk zu fahren und könnte noch Ideen gebrauchen um wenigstens einen Teil der M18 zu umfahren.

Gruß
Rudolf
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#1153188 - 26.08.15 20:22 Re: Minsk- Tromsö / Teil 2: Helsinki und Russland [Re: RudiS]
natash
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 5262
In Antwort auf: RudiS
könnte noch Ideen gebrauchen um wenigstens einen Teil der M18 zu umfahren.




nimm dafür auf jeden Fall schonmal das Fatbike mit grins


@ Uwe- schöner Bericht, durch eine Region, die ich ebenfalls spannend finde, obwohl sie keine Berge besitzt. Wenn nur nicht immer dieses Visumsstheater nötig wäre.

Nach Karelien führte vor etlichen Jahren meine erste längere Radreise, was dazu geführt hat, dass ich seitdem nie mehr anders urlaube schmunzel Ich danke auch für das Auffrischen der Erinnerung.

Damals war auf der M 18 nah an gar kein Verkehr ( alle paar Stunden kam mal was) und der bestand meist aus einer Ural mit Beiwagen, dem Milchtransporter oder Militärvehikeln. Und ich fand den Straßenbelag im Vergleich zu allen Alternativen traumhaft gut.
Tja, die Zeiten ändern sich, auch die Dorfläden waren nicht annähernd so gut bestückt, aber verdursten musste man trotzdem nicht.

Gegen die Mücken half das einheimische Mückenmittel halbwegs gut (enthielt aber DDT), aber nach einer Woche Dauerstechen habe ichs eigentlich nicht mehr gemerkt und hatte den Eindruck ich werde immun. Ein Mitfahrer jedoch bekam pockenähnlichen Ausschlag und drehte nach Finnland ab (wo die Mücken jedoch gewiss nicht anders stechen). es reagiert vermutlich jeder anders darauf.


Gruß


Nat
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Off-topic #1153212 - 26.08.15 21:19 Re: Minsk- Tromsö / Teil 2: Helsinki und Russland [Re: natash]
RudiS
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 363
Hallo,

die Idee ein Fatbike zu kaufen, entstand merkwürdiger Weise nahe der finnischen Grenze im russischen Teil Kareliens. 500km übler Piste (zum Teil habe ich bergab geschoben) unterbrochen von ein paar betonierten Bahnübergängen und zwei Orten mit "innerstädtischem" Asphalt waren dabei sehr hilfreich.
Da ich dieses Jahr nicht fit genug für die "Taiga" war, habe ich halt die gemütliche Kindertour durchs Baltikum gemacht und die dicken Reifen auf diversen Untergründen rollen lassen. Die meisten waren für das kleine Muli kein Problem, nur der Reiter hat ab und an geschwächelt.

Gruß
Rudolf
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#1153263 - 27.08.15 00:37 Re: Minsk- Tromsö / Teil 2: Helsinki und Russland [Re: RudiS]
uwee
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Beiträge: 1152
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Lieber Rudi,
danke für die Übersetzung.
Schlafen wir heute doch gleich besser...

Übrigens ist der Google Translator für solch eine Reise Gold wert.
Einen Satz ins Iphone eintippen und schon steht da die russische Übersetzung- oder wird sogar gleich angesagt.
Ebenso kurze Sätze ins Mikrofon und nach wenigen Sekunden folgt die Übersetzung.
Machte mitunter richtig Spaß. Uns und wohl noch mehr unseren "Gesprächs"- Partnern.
Und das Genialste war, dass wir die Speisekarten in kyrillischer Schrift einscannen konnten und dann bei zumindest der Hälfte der Gerichte wussten, was uns erwartet.

Haben das auch bei den Bärenschildern versucht.
Lag es am Regen, oder an der Sonne... hatte jedenfalls nicht geklappt.
Aber zum Glück haben wir jadas Radforum.

Der GPS Track war schon mal im ersten Teil Minsk- Helsinki.
Aber hier gerne noch einmal.

GPS Track Minsk- Tromsö

Es gibt in der Tat nur wenige Alternativstrecken.
Wenn Du diese wählst fährst Du doppelt so weit wie auf der Straße M18 St. Petersburg- Murmansk.
War uns aber egal.
Der Weg war das Ziel.
Und wenn die Zeit knapp wurde, oder die Wade zwickte, nahmen wir den (mehr oder weniger) parallel verlaufenden Zug, der mehrmals täglich verkehrt.
Die ersten Kilometer raus aus St. Petersburg würde ich die Bahn nehmen und erst dann westlich oder östlich um den Lagodasee herum fahren.
Die Landschaften sollen völlig unterschiedlich, aber zumindest die Straßen gleich schlecht sein, versicherte uns der Bike Experte aus SP.

Homepage "Peters Walking Tours" in St. Petersburg

Peter antwortet schnell und kompetent.

Die Strecke von Petrosavordsk nach Medvezhje Gorsk war unspektakulär, aber verkehrsarm und angenehm.
Am ersten Tag, 110 km, gab es genügend Einkaufsmöglichkeiten und sogar ein, zwei Restaurants.
Am zweiten Tag, 120km, gab es nichts!

Die M18 machte uns im strömenden Regen bei kräftigem Gegenwind keine große Freude.
Der Verkehr war nicht schlimmer und viel aufdringlicher als auf einer größeren deutschen Bundesstraße, aber auch nicht besser.
Das hält man einen halben Tag lang aus.
Aber zwei Wochen???

Es geht durchaus ohne Fatbike.

Manche Naturstraßen waren besser als geteerte Holperstrecken.
Dann schafften wir halt nicht 120 sondern nur 100 Kilometer.
Nur die letzte Strecke zur Grenze war heftig.
Es standen allenthalben Schilder, dass diese Strecke von Russland, Finnland und der EU ausgebaut würde.
Auch dieses Projekt liegt in diesen Zeiten wohl auf Eis.
Und wir mussten leiden und taten dies dann auf dem tiefen Schotter auch ausgiebig.

Vielleicht gibt es schönere und abwechslungsreichere Touren. Missen möchte ich diese aber nicht.
Die Ruhe, die Weite, das unverfälschte Russland, und die Russen, die oft so ablehnend schauen, Dir dann aber in der Not jede Hilfe anboten waren- mal wieder- eine tolle Erfahrung.

Viel Spaß bei der Planung für nächstes Jahr.

Uwe


... und Natash, freut mich, dass ich Dir angenehme Erinnerungen zurückholen konnte.
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