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#1353860 - 12.09.18 16:40 Warthe-Radweg 2018
ralien
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 2
Dauer:5 Tage
Zeitraum:28.8.2018 bis 1.9.2018
Entfernung:200 Kilometer
Bereiste Länder:plPolen

Der Warthe-Radweg von Posen nach Gorzow Wielkopolski

Mit der Vorstellung von deutschen Flussradwegen im Kopf gingen wir, Rainer (68) und Jo (67), von einem zwar etwas abenteuerlichen, aber doch eher gemütlichen Fahren auf ebenen, meist asphaltierten Wegen mit vielen Blicken auf den Fluss aus. Ohne polnische Sprachkenntnisse und mit einigen hilfreichen Infos von der Seite "radreise-wiki" machten wir uns vom Ruhrgebiet aus per Zug auf den Weg. Wir hatten uns die Strecke Posen - Kostrzyn vorgenommen für fünf Tage radeln auf etwa 200 km. Der Bericht bezieht sich auf diese Strecke des Warthe/Warta-Radweges.
Die Anreise nach Posen war unproblematisch mit vorreservierten Sitz- und Radplätzen, zweimaligem Umsteigen und einer Gesamtfahrtzeit von etwa 9 Stunden. Das Hotel Topaz in Posen bot sich für die erste Nacht an, da es in Bahnhofsnähe liegt, gute Bewertungen bei booking.com und einen akzeptablen Preis aufwies.

Der erste Radtag in Posen führte mit Hilfe der Rad-App durch die Innenstadt, für deren teils alte Bebauung wir keinen Blick hatten: der Verkehr und vor allem das grobe Kopfsteinpflaster verlangten viel Aufmerksamkeit. Ohne Polnisch-Kenntnisse waren einige Verkehrsschilder in ihrer Bedeutung nur zu erraten; immerhin lernten wir, das "nie dotycy" (oder ganz ähnlich) nicht heißt "nicht erlaubt", sondern "nicht betroffen", also "erlaubt" – und damit die Durchfahrt durch diverse Fußgänger-/Straßenbereiche freigab.
Auf das erste Schild des Warthe-Radweges (Fahrrad mit blauem Längsblock darunter) trafen wir am Stadtausgang und freuten uns, nun ohne große Orientierungsprobleme der Markierung folgen zu können. Doch die anfangs zahlreichen Radhinweise wurden bald spärlicher, und vor allem an einigen Gabelpunkten fehlten sie ganz. So kam es zu einigen wenigen Fehlorientierungen, die durch die schwieriger werdende Wegbeschaffenheit jedoch unange-nehm waren.
Der Radweg zeigte sich uns als mehr oder weniger gut beschilderte Strecke mit unterschiedlichster Oberfläche (Pflaster, Asphalt, fester Sand, Schotter, wellige Piste, Waldboden, lockerer Sand, ganz viel sehr lockerer Sand), die eine tolle Herausforderung für Mountainbiker darstellte. Diese begegneten uns an diesem Tag auch immer wieder. Für uns Gepäckradler waren die Sandstrecken mühsam zu fahren; immer wieder mussten wir absteigen und schieben.

Enttäuschend auf diesen ersten Stunden im Radsattel: von der Warthe war nichts zu sehen. Da gab es eine Senke rechts mit dichtem Bewuchs, in der man den Fluss wohl erahnen, aber nicht sehen konnte, und so mussten wir lange warten bis zum ersten Sichtkontakt mit dem Gewässer: Eine Brücke nach etwa 20 km bot die kurze Gelegenheit hierzu. Da sich die Warthe/Warta so lange entzogen hatte, strafte ich sie dafür mit einem lediglich kurzen Seitenblick.
Von der Brücke aus ging es auf der nicht sehr breiten Straße weiter, die erst wenig, dann aber vor Obroniki stärker befahren war, auch von LKWs. Das Fahrverhalten der meisten Fahrer, die uns Radler überholten, war okay, aber immer wieder gab es auch zu dicht vorbeibrausende Fahrer, darunter viele Kleinlasterfahrer. –

Obroniki erreichten wir nach 48 km; das Hotel Doris lag an der Hauptstraße mit viel Durchgangsverkehr, von dem man aber in den recht gut isolierten Zimmern wenig mitbekam. Die Räder konnten wir im gesicherten Innenhof abstellen, das Abendessen nahmen wir im angeschlossenen Bistro ein, welches selbst gemachte polnische Speisen anbot (z.B. Haxe gegrillt = Golonka), allerdings um 19.00 Uhr schon schloss. Eine Pizzeria gibt es 100 m weiter auf der anderen Straßenseite. Auf einer Terrasse im ersten Stock des Hotels lässt sich ein Abendbier trinken, eine Zigarette rauchen. Der dort seinen Frust wegtrinkende deutsche Monteur beklagte sich über die "polnische Wirtschaft" in dem Partnerbetrieb seiner Firma, wegen der er viel länger als vorgesehen in diesem polnischen Kaff bleiben müsse …
Das Frühstücksbüffet war gut bestückt, auch mit den – wie wir lernten – hier üblichen deftigen Spezialitäten wie verschiedenen Würstchen, unter Mayonnaise verschwindenden Eierhälften und hausgemachten hoch fetthaltigen Frischkäse-Melangen. –
Bei gutem Radlwetter verlief das erste Wegstück am Folgetag wieder der Straße entlang, auf der der Verkehr beständig abnahm und ein schließlich fast entspanntes Fahren bis Obrycko erlaubt. In Stobnica erwartete uns eine Überraschung: ein von Oborniki kommender, nagelneuer asphaltierter Radweg endete hier.
Der mit europäischen Geldern finanzierte schnurgerade Weg auf einer alten Bahntrasse war nirgendwo angekündigt; wir hatten irgendwie Zweifel, dass er sich tatsächlich über die Sichtweite hinaus fortsetzte… Als wir von hier an mehr auf die Schilder achteten, die auf mit Geld der Europäischen Gemeinschaft finanzierte Projekte hinwiesen, fiel uns tatsächlich deren Vielzahl auf: Straßen, Plätze, Bahnanlagen, Radwege, Gebäude, Brücken, Kultureinrichtungen etc.: nahezu kein Ort ohne mindestens ein (meist unfertiges) EU-finanziertes Projekt.

Hinter Obrycko wurde es problematisch: die Radwegmarkierung führte uns in den Wald, der Weg wurde sandig und schnell unpassierbar. Vor uns steckte mitten im Wald ein Laster im Sand fest und sollte mit Hilfe zweier Traktoren wieder flott gezogen werden. Was der hier wohl wollte?
Das würde dauern, die Reifen steckten tief im Sand. Wir quetschten uns vorbei; dahinter war ein Ende der Sandstrecke nicht in Sicht, also überlegten wir anhand der App eine Alternative, schoben einen Kilometer bis zu einem Sträßchen und nahmen den wenige Kilometer langen, gut fahrbaren Umweg gern in Kauf. Die letzten Kilometer bis zum Zielort ließen zum ersten Mal einen längeren ungehinderten Blick über leicht abschüssige Felder auf die in zweihundert Meter Entfernung dahinfließende Warta zu.


Das Hotel "Alte Schule" in Wartoslaw war eine schöne Überraschung: Eine komfortable Unterkunft in diesem abgelegenen kleinen Dorf! Das renovierte und erweiterte Schulgebäude (vielleicht ohne europäische Gelder?) hält komfortable Zimmer, einen Innenhof mit Garten und Sitzplätzen, kostenlosen Radverleih, Sauna und Jacuzzi bereit. Die Massage hätten wir vorher anmelden müssen, schade, schade.
Wir schauten uns noch die kleine Strömungsfähre in 300 m Entfernung an, mit der wir morgen über die Warta setzen würden, als es leicht zu regnen begann.
Im geschmackvoll eingerichteten Restaurantbereich sind wir beim guten Abendessen leider die einzigen Gäste, was zu der Frage führt, wie sich der Betrieb hier am Ende der Welt rentieren kann.

Am nächsten Morgen war der Himmel ein einziges Grau, das sagte: Bald wird es nass … Es hatte in der Nacht etwas geregnet, tröpfelte auch am Morgen, die Wetter-App sagte, um 9.00 Uhr kommt die Sonne, aber die App log. So standen wir mit Regenkleidung und abgedeckten Gepäcktaschen an der Fähre, die heute viel zu tun hatte, da die Brücke in Obrzycko in eine Richtung gesperrt war (Renovierung mit EU-Geldern). Die kleine Straße war wenig befahren, es ging gut voran, bis aus dem Asphalt ein grobfugiges Kopfsteinpflaster wurde, zu holperig und materialbelastend für die Räder. Die Sandspur daneben reichte zwar für ein langsames Vorwärtskommen, erforderte aber viel Aufmerksamkeit, und so ging es nun einige Kilometer weniger zügig voran. In Sierakow machten wir am zentralen Platz eine Pause; leider gab es kein Cafe, so musste es eine Bank tun. Der Himmel sah immer noch nicht vertrauenswürdig aus, allerdings konnte die Regenjacke auf den Gepäckträger, als es weiter ging, wieder auf einer Straße mit mäßigem Verkehr bis Miedchyzod, einem etwas größeren Ort. Die Warta-Brücke war auch hier eine einzige Baustelle, in eine Richtung befahrbar. Dahinter ging es links ab auf sehr kleiner Straße in gemütlicher Fahrt bis zum heutigen Zielort Wiejce, den wir nach 52 km erreichten.

Das beeindruckende Landgut "Palac Wiejce" lag auf einem riesigen parkartigen Gelände mit Verwalterhaus, Gutshof, Gärtnerhaus etc. Es musste sehr viel Geld in die aufwändige Renovierung gesteckt worden sein. Die dunkel getäfelten Gänge des Zimmertraktes im 2. Stock waren mit genau den Ahnenbildern versehen, die man hier erwartet. Als die nicht reichten, wurden vom Stil her nicht ganz so passende Zeichnungen/ Fotografien/ Bilder verwendet. Überhaupt bemerkte man an Kleinigkeiten, dass Professionalität und Stimmigkeit durchaus optimierbar waren. Der Freitagnachmittag stand hier im Zeichen der Vorbereitung einer deutsch-polnischen Hochzeit, zu der die Gäste nach und nach eintrudelten und am Abend in den Ablauf der Wochenend-Festivität eingewiesen wurden. Wir buchten noch schnell die Sauna im Nebengebäude, hatten zwei Stunden Entspannung für uns, mussten dann aber erfahren, dass die Küche am Abend geschlossen war, trotz anfangs gegenteiliger Auskunft. Dafür durften wir uns an den Resten des Frühstücksbuffets kostenlos bedienen, und die Geschäftsführerin bereitete uns eigenhändig einige Pierogi zu. Dazu gab's Fassbier.
Der Gesamtpreis am nächsten Morgen war moderat, auch wohl wegen der im Gespräch erwähnten polnischen Großeltern meines Freundes, denen hiermit gedankt sei. –

Auf der verkehrsarmen kleinen Straße fuhren wir am nächsten Morgen weiter; als aus Asphalt dann Kopfsteinpflaster wurde, fiel uns als situativ passende Übersetzung für den auftauchenden Ortsnamen "Swiniary" nur "Schweinerei" ein …
Wir erreichten Skwierzyna, wo wir ein weiteres Mal auf eine Brückenbaustelle und das bekannte blaue Schild mit den zwölf Sternen trafen. In Murzynowo trennten wir uns: ich fuhr die Radstrecke über die nicht einschätzbare sehr kleine, aber direkte Straße, Jo nahm die sichere Asphaltstraße mit einem kleinen Umweg. Meine Wahl war okay, nur im letzten Drittel traf ich wieder auf die unbefahrbare Kopfsteindecke, aber mit einer befahrbaren Sand-/Schotterspur daneben. Mir begegneten auf diesen etwa 10 km bis Stare Polichno ganze sechs Fahrzeuge; der ländliche Charakter der Strecke entschädigte für den nicht so bequemen Schlussteil. Wir trafen zeitgleich an der Straßenkreuzung ein. In Santok hatte das Restaurant-Cafe mit Warta-Blick leider geschlossen; die Uferpromenade war schön gestaltet, hatte einen Radweg, Spielplätze, war noch nicht ganz fertig, aber das bekannte blaue Schild stand gut sichtbar bei einer Sitzbankgruppe.
Wir fuhren den Radweg nahe der Warta, und nun stellt sich, zum ersten Mal, das Gefühl einer Flussradfahrt ein: wir fahren zwischen Warta und Bahnlinie auf einem kleinen asphaltierten Sträßchen, schauen quasi in die Hinterhöfe der Anwohner, sehen Angler, viele kleine ältere, einige neue Häuser und immer den Fluss, der sich wie wir Richtung Gorzow bewegt.

Gorzow Wielkopolski
ist eine Großstadt, das wurde bald deutlich, als der Verkehr drastisch zunahm und wir uns von der App durch die Stadt Richtung Hotel MCM führen ließen. Dieses lag an der Hauptstraße nicht weit vom Zentrum, war zweckmäßig, und die Räder konnten wir drinnen direkt vor der Rezeption parken. Der Preis von 40 Euro inklusive Frühstück war der niedrigste auf der Tour. Und das Frühstücksbuffet stand dem der vergangenen Tage nicht nach.
Zur Innenstadt ging es kurz über die Warta-Brücke; auf der anderen Seite wurde gerade die längste Rampenbrücke Polens renoviert und mit Cafes, Boutiquen etc. in den Bögen versehen. Ich verkneife mir den hier üblichen Zusatz, den der aufmerksame Leser eh schon mitdenkt. Wir erkundigten uns am Bahnhof (der kaum zugänglich war wegen Renovierung) nach den Zügen für den nächsten Tag und kauften Fahrkarten bis Kostrzyn. Grund: die weitere Streckenführung war unübersichtlich, sah später einen längeren geschotterten Deichweg vor, einfache Umgehungssträßchen fehlten zum Teil, ein- oder zweistellige Straßen mochten wir nicht nehmen. Da wollten wir den Warta-Weg lieber hier beenden und am nächsten Tag noch ein Stück Oder-Neiße-Radweg von Küstrin bis Frankfurt dranhängen.

Der Tipp der MCM-Rezeptionistin für ein polnisches Restaurant ging daneben; ihre Empfehlung, das Restaurant Pasja, war eine Art italienisch-französische Kreativküche, bot leckere, fein dekorierte Speisen zu (im Vergleich) anspruchsvollen Preisen. Die Kellner waren enorm flink und aufmerksam. Da wir beschlossen hatten, dass dies der letzte Abend in Polen sein sollte und die restlichen Zloty verwendet werden wollten, testeten wir auch den Dessert und den Grappa-Bestand; beide Male gingen die Daumen hoch …

Fazit: Als kleines Radfahr-Abenteuer im Nachbarland war die Tour prima, An- und Abreise waren kostengünstig und unproblematisch, das Wetter spielte mit, die Tagesstrecken waren für uns Best-Ager passend geplant (etwa 50 km/Tag), die Unterkünfte überraschend gut, das polnische Essen interessant und schmackhaft, die Preise generell deutlich niedriger als in Deutschland, die Verständigung klappte (meist englisch, sonst deutsch), die Menschen waren freundlich. Negativ fiel die meist geringe Flussnähe der Wegführung auf und die für Reiseradler oft unzumutbare Wegbeschaffenheit. Die Wegmarkierung könnte besser sein, spielte aber, da wir uns immer weniger nach ihr richteten, bald keine große Rolle mehr. Die Option einer Routenführung über eine geeignete Navi-App stellt eine notwendige Ergänzung zur Markierung dar, über die allein sich der Weg kaum fahren lässt. Übrigens ist uns in den vier Tagen nicht ein einziger weiterer Reiseradler auf dem Weg begegnet…

Geändert von ralien (12.09.18 16:40)
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#1353924 - 13.09.18 10:22 Re: Warthe-Radweg 2018 [Re: ralien]
bicicleta
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 55
Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht (von Poznan an den Weichsel-Radweg und dann Ostseeküste):
- an (fast) allem, was neu war, stand ein Schild "Gefördert von der EU"
- Radwegebeschaffenheit immer mal überraschend zwinker
- Leute nett, Preise gut, Essen gut
- ich fahre mal wieder hin dafür
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#1353946 - 13.09.18 13:31 Re: Warthe-Radweg 2018 [Re: ralien]
radl-josef
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 124

Mich würde interessieren, welche Navi App ein "Best Ager" nutzt ?
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#1360341 - 30.10.18 08:05 Re: Warthe-Radweg 2018 [Re: radl-josef]
ralien
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Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 2
Hi radl-josef,
wir haben in Polen maps3d benutzt und sind damit gut zurecht gekommen ... schmunzel
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