Heute habe ich eine knackige Gravel-Tour (wobei auf Grund der Nässe+Laub der Anteil unbefestigter Wege nur bei ca. 20% lag) von 28 Kilometern Länge auf 500 Höhenmeter unternommen und dafür exakt 1:10h gebraucht (23,3 km/h im Schnitt), wobei ich nicht alles gegeben habe (ist ja Training) und am Ende noch Körner hatte.
Ordnen wir mal.
1. Wieviel Gepäck hattest du dabei? Das ist die allererste Frage. Eine Tour ohne Gepäck mit dem Gravelrad ist nur sehr bedingt mit einer Radreise mit Zelt vergleichbar.
2. Ich halte deine Zeit auch für sehr sportlich.

Damit ordnest du dich schon vorn ein. Die Bezeichnung "Profi" darf mal als Bauchpinselei von Komoot verstehen - aber bei "sehr sportlich" wärst du dabei.
3. Und mein Hauptknackpunkt (ohne dir zu nahe treten zu wollen):
28 km ist gelinde gesagt ein Witz.

Das ist ein längerer Sprint, aber keine Radtour...

Dafür würde ich mich nicht mal umziehen, das lohnt den Aufwand nicht. Fahr mal eine mehrwöchige Radtour. Da sind diese Geschwindigkeiten niemals zu halten.
Es ist etwas völlig anderes, diese Leistung mal am Wochenenede über eine Stunde zu fahren als täglich viele Stunden über eine Zeitraum von Wochen. Wenn du versuchst, so auf Radtour mit Gepäck zu fahren, dann sind vermutlich nach einigen Tagen die Körner völlig weg. Das ist nicht übertragbar.
Da wir nicht wissen, wie Komoot diese Angaben berechnet, kann ich nur spekulieren: Wenn deine Sprintzeit als maßgeblich für Dauerleistung angesetzt wird, dann wärest du tatsächlich Profi.

Gruß
Thoralf
Hallo Thoralf,
das ist vollkommen richtig, meine "Touren" sind ja in dem Sinne keine, sondern vielmehr sportliche Ausfahrten zwischen 45 Minuten und 1,5 Stunden, mehr Zeit habe ich im Alltag und mit Familie (leider) schlicht und ergreifend nicht. Dass es derzeit schon um 16:30 Uhr dunkel wird, hilft da auch nicht unbedingt.
Gepäck habe ich nur eine kleine und leichte Gepäckträgerseitentasche (Inhalt Regenklamotten, Verbandszeug und etwas Kleinkram) sowie eine Rahmentasche von Ortlieb mit Flickzeug, Pumpe und Geldbeutel/Schlüssel. Also allenfalls Leichtgepäck. Das Gravelbike hat übrigens Vollausstattung (Bleche, Licht, Gepäckträger, Strahler etc.).
Dass ich auf einer längeren und mehrtägigen Tour niemals diesen Schnitt auf Dauer fahren könnte, ist mir außerdem natürlich klar. Aber ich gehe davon aus, dass Komoot dies (also die Streckenlänge) jeweils in den Fitnesseinstellungen entsprechend berücksichtigt.
Da ich bislang in fernerer Vergangenheit eben quasi nur Alltagsradler auf Kurzstrecken (max. 10 Kilometer pro Strecke in Stadtgebieten) war oder eben mehrtägige bis mehrwöchige Touren gemacht habe und nie betont bzw. primär sportlich gefahren bin, ist das für mich Neuland. Bei Mehrtagestouren früher war es immer so, dass ich am Anfang jeweils gewisse Eingewöhnungsprobleme über einige Tage hatte und diese dann während der Tour jeweils recht zügig verschwunden sind, am Ende war ich dann meist fit und konnte gefühlt unendlich lange und auch profiliert mit schwerem Gepäck umher fahren mit schnell weiter steigender Fitness.
So auch in diesem Sommer, weshalb ich beschlossen hatte, das Rad endlich als Sportgerät mit in den Alltag zu integrieren, zumal ich den Laufsport auf Grund von diversen orthopädischen Problemen seit Jahren nicht mehr sinnvoll betreiben kann. Früher war mir das einerseits zu aufwändig (viel Zeitaufwand, da ich ja wusste, wie lange man auf dem Drahtesel sitzen muss, wenn man das ambitioniert betreiben möchte) und auch zu teuer als Student.
Und zum Zeitaufwand: Ich hätte nie gedacht, dass man seine Fitness (vermutlich auch gerade zu Beginn) so effektiv steigern kann mit vergleichsweise kurzen und dafür knackigen Ausfahrten. Ich vermute, dass man eine einstündige sportliche Ausfahrt mit Profil ganz gut mit einem 30-minütigen (Tempo)Dauerlauf oder Intervalltraining vergleichen kann. Die Steigungen mit dem Rad wären dann die Kurzsprints bzw. Tempoeinheiten auf der Laufstrecke. Im Grunde ist also das sportliche Radfahren im hügeligen Gelände automatisch ein perfektes Intervalltraining.
LG
gisi