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#749232 - 14.08.11 21:29 Tansania und Mosambik 2010
zulukurt
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Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 165
Dauer:
Zeitraum:
Entfernung:1600 Kilometer
Bereiste Länder:mzMosambik
tzTansania


Radreise in Tansania und Mosambik: Pole Pole

(Ich habe mit Hilfe meines Tagebuchs einfach losgeschrieben und es ist reichlich lang geworden – nur als Warnung)

Pole Pole heißt so viel wie „langsam“ oder „immer mit der Ruhe“ auf Suaheli.
Die Tour durch Südwest-Tansania und Nordmosambik hatte nichts mit Kilometerfressen oder Hochgeschwindigkeit zu tun. Die durchschnittliche Etappenlänge lag so bei 65-70 Kilometer und die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei beeindruckenden 14,7 kmh.

Tourverlauf vom 30.08.2010 bis zum 04.10.2010:
Zanzibar - Daressalaam - Njombe (Beginn der Radtour) – Ludewa – Manda (am Lake Niassa/Malawisee) – Mbamba Bay – Mitomoni/Congresso (Grenze) – Lichinga – Marrupa – Montepuez – Pemba – Ilha do Ibo – Mocimboa da Praia – Kilambo (Grenze) – Mtwara (Ende der Radtour) – Daressalaam – Zanzibar

Photos gibt es hier:
https://picasaweb.google.com/10147426678...feat=directlink

Geplant waren nur ein paar Eckpunkte der Reise, der Rest sollte sich ergeben, da wir keine Ahnung hatten, wie wir vorwärts kommen würden und wir auch einfach offen lassen wollten, wie sich alles entwickelt. Während der Planung hatten wir noch überlegt, weiter südlich an auf die Küste zu treffen, da ich gerne die Ilha de Mocambique (Weltkulturerbe) besucht hätte, doch das hätte 2-3 Tage mehr im Bus bedeutet. Gewollt war allerdings, daß wir bei insgesamt 1500 Kilometern nur ca 150 Kilometer Asphalt hatten und wir in abgelegenen Regionen unterwegs waren. Längere Asphaltstrecken haben wir dann mit Minibussen zurückgelegt. Informationen zu unserer Route im Südwesten Tansanias und dem Norden Mosambiks waren rar, auch weil Afrikaradler meist über Malawi fahren.

Am 29.8. ging es mit der Bahn von Bielefeld nach Frankfurt zum Flughafen und am Morgen des 30.8. landeten wir nach kurzer Zwischenlandung in Mombasa auf Zanzibar. Am Flughafen wurde doch sehr gestaunt und gelacht als wir unsere Räder montierten und beluden. Praktischerweise konnten wir unsere Kartons und Packsäcke am Flughafen deponieren. Nach nur 7 km waren wir in Stone Town und damit in für mich vertrautem Gelände, da ich 2009 am Ende einer 5 wöchigen Rucksacktour bereits ein paar Tage dort war. So konnten wir direkt ohne Fragerei die Büros der Fährunternehmen ansteuern und hatten noch Zeit für Bier in der Livingston Bar am Strand. Nach gut 1 ½ stündiger Überfahrt (kein Aufpreis für die Räder) und einem Kilometer durch die Innenstadt von Daressalaam waren wir in einer Unterkunft im indischen Viertel, wo ich bereits im Vorjahr abgestiegen war. Wir machten uns dann zu Fuß auf zum Busterminal der Scandinavian Bus Company, die, wir dann feststellen mußten, ein paar Tage vorher Pleite gegangen waren. Dorthin hätten wir am nächsten Morgen problemlos mit Rad fahren fahren können, nun mußten wir uns ein Taxi für 4:30 organisieren um zum Hauptbusbahnhof Ubango zu kommen.

31.8.
Das Taxi ist pünktlich. Gegen 5:00 sind wir am chaotischen Terminal und der Fahrer besorgt die Tickets für uns. Dann geht es durch das Gedränge zum Bus, wo sich herausstellt, das die Räder nicht ohne weiteres in den Stauraum passsen. Überlandbusse haben i.d.R. keine Dachgepäckträger mehr. Während ich das Gepäck bewachte, demontierte Uwe die Vorderräder, Pedalen, Sättel und Lenker. Nach gut 11 stündiger Fahrt, u.a. durch den Mikumi NP, wo sich auch ein paar Tiere sehen ließen, kamen wir ohne Probleme in dem Provinzstädtchen Njombe auf ca. 1800 m Höhe in den Livingston Bergen an. Wir hatten uns erst auf dem Flug entschieden in Njombe und nicht in der 230 km weiter südlich gelegenen Songea zu starten, weil wir uns erhofften so mehr Zeit am Lake Niassa zu haben und ein Forumsmitglied die Berge südlich von Njombe als reizvoll geschildert hatte.

1.9.
Nach einem guten Frühstück brechen wir gegen 9:.30 auf zum Einkauf im Ort. Der Markt war gut bestückt und zum Glück wußten wir noch nicht, daß die Versorgungslage auch mit Obst und Gemüse die nächsten 14 Tage äußerst bescheiden sein sollte.
Als Uwe auf dem Markt einkaufte, blieb ich bei den Rädern und hatte Spaß mit 3 Knirpsen, die zuerst testeten, wie sich weiße Haut anfühlt, dann probierten sie mich an meiner Beinbehaarung zu ziehen, um schließlich herauszubekommen, daß man auch einen weißen Mann nicht ungestraft vor das Schienbein treten darf!
Um alles weitere an Vorräten zusammen zu bekommen, mußten wir bestimmt 10 der winzigen Läden an der Hauptstraße abklappern. Schließlich war mein Rad mit ca. 37 kg beladen, darunter ca. 8 Liter Wasser.
Nach 18 Kilometern Asphalt mit der ersten knackigen Steigung ging dann nach Westen unsere erst mal recht gute Piste zum See ab. Landwirtschaftliche Flächen herrschten vor und nur selten kamen wir durch kleine Stücke üppigen Primärwald. Nach weiteren 40 km mit viel auf und ab, Bioteeplantagen und einem recht schmackhaften Mittagessen mit dem zähesten Stück Geflügel (Ente?) meines Lebens, schlugen wir auf einer Hügelkuppe mit toller Sicht inmitten von bunten Blumen und Pinien auf ca. 2200 m unsere Zelte auf. Bei schnell fallenden Temperaturen genossen wir den traumhaften Sternenhimmel bei einem Tetrapack Rotwein.

2.9.
Am Morgen ist es saukalt und das Zelt ist klitschnaß. Mit Handschuhen und Beinlingen geht es auf die erste Abfahrt und nach vielleicht 10km gab es ein Frühstück aus Keksen. So hielten wir es auch weiterhin, am Morgen nach dem Zeltabbau früh los und wenn wir Glück hatten gab es irgendwo Andazi (eine Art Krapfen nur viel weniger süß, wenn sie frisch waren und es einen süßen Chai dazu gab ganz o.k., nur leider…) und mit ganz viel Glück auch mal ein Omlett. Es wurde ein harter Tag mit viel auf ab auf einer durchschnittlichen Höhe von knapp 2000m. Die Piste wurde ganz langsam schlechter, erlaubte aber noch die ein oder andere rasante Abfahrt. Zum Mittag gab es an der Straße Chipsi (frittierte Kartoffelspalten).
Bei Kilometer 42 müssen wir das erste mal auf dieser Tour schieben, ein kurzer knackiger Buckel mit viel losem Material auf der Piste. Nach 60 km und einem Schnitt von 13,5 finden wir in einem kleinen Dorf ein Gesti (Guesthouse) mit warmem Wasser aus dem Eimer. Eine warme Mahlzeit ist nicht aufzutreiben und zum Kochen sind wir zu träge, also müssen ein paar Bier reichen. Später sitzen wir noch mit der Wirtsfamilie zusammen und es stellt sich heraus, daß der 19 jährige Sohn relativ gut Englisch spricht und so wird es für beide Seiten ein lehrreicher und lustiger Abend.

3.9.
Kurz nach Sonnenaufgang sitzen wir mit einem Omlett im Bauch im Sattel und fahren durch ein schönes weites Tal, das von felsigen Bergen eingerahmt wird. Wir verlieren an diesem Tag ein paar hundert Höhenmeter, was aber nichts daran ändert, daß es wieder ein anstrengender Tag wird, denn das ständige auf und ab auf nun deutlich schlechter werdender Piste bleibt uns erhalten. Mittlerweile sind die Abfahrten nicht mehr so ohne und verlangen volle Konzentration. Als wir nach nur ca. 40km in dem Städtchen Ludewa in der Mittagshitze ankommen, wollen wir es für den Tag eigentlich gut sein lassen. Doch in keinem der 3 oder 4 Gasthäuser ist ein Zimmer zu bekommen. Wir sind Opfer des Wahlkampfes geworden. An diesem Tag sollten der Vizepräsident und die anderen regionalen Größen der Regierungspartei eine große Show auf dem Sportplatz veranstalten, eine gewaltige Bühne war schon aufgebaut. Glücklicherweise hatten wir uns nach einem üppigen Mahl und reichlich Flüssigkeitszufuhr doch wieder recht gut erholt, so daß wir nach einem Einkauf noch 26 km schafften. Einige Kilometer hinter Ludewa mußten wir hinter einer Hütte wegen einer Staubwolke Deckung suchen, als die Kolonne des Vizepräsidenten und der anderen Bonzen aus gut 20 neuen SUV`s bestehend mit einem kriminellen Tempo durch ein Dorf raste. Später bekam Uwe eine reife Papaya von 2 Frauen geschenkt, zum Dank daß er sie fotographiert hatte!
Da die Besiedlung ziemlich dicht war, tat ich mich ziemlich schwer, mich für einen Zeltplatz zu entscheiden, so daß Uwe, als es schon dämmerte, mit den Worten „hier ist es gut“ ohne weitere Diskussion in den Wald abbog. Diese Nacht war aufgrund der Höhe von nur noch 1300m schon deutlich wärmer.

4.9.
Heute sollte es runter zum Niassasee gehen, der auf ca. 450m Höhe liegt. Wir kamen am Morgen nur langsam in die Gänge und verbuchten mit 7:00 wohl eine unserer spätesten Startzeiten beim Wildcampen. Kurz nach dem Start trafen wir am Straßenrand auf eine wohl schon vor Wochen bei Planierarbeiten aufgerissene Wasserleitung. Eine super Waschgelegenheit! Gegen 10:00 bekommen wir Andazi mit Chai und ein Omelett dazu und werden beim Essen von Kindern belagert. Das Lokal hatte uns der Dorfgeistliche gezeigt, offensichtlich der einzige Dicke am Ort. Die Menschen werden immer freundlicher und höflicher, wurden wir in Njombe nur von den kleinen Kindern mit „Shikamoo“, ein besonders ehrerbietiger Gruß, begrüßt, so grüßen nun auch viele Ältere so (korrekte Antwort: Marahaba) und knicksen dabei z.T. sogar. Auf der gesamten Reise bemühten wir uns sehr, so viel wie möglich zu grüßen, was z.T. extrem anstrengend war. Denn teilweise hieß das, auf der vierzehnten 10 prozentigen Steigung des Tages auf schlechter Piste in der Mittagshitze 10x zu grüßen und noch 5x die fast obligatorische Frage nach dem woher und wohin zu beantworten, während wir nach Luft schnappten. Wir waren sehr sehr tapfer!
Die Landschaft war weiter ein Traum, doch die Hitze war nicht ohne, so daß wir uns nach einem kleinen Pass in der Mittagszeit unter einen Mangobaum an einem Dorfrand retteten. Ein Dilemma! Mangobäume sind oft die einzigen richtigen Schattenspender, doch sie stehen ausschließlich in Dörfern. Zu gerne hätten wir das ein oder andere mal ein Schläfchen gemacht, doch fast immer kamen ein paar Dörfler verschiedensten Alters zu uns. Die einen wollten ein Schwätzchen halten, die andern begnügten sich mit Anstarren und die nächsten wollten uns zu sich einladen oder schenkten uns ein Stück Zuckerrohr zum kauen. Es gab also etliche nervige aber auch viele nette Momente, nur ruhige Momente gab es unter den schattenspendenden Mangobäumen nur selten.
Kurz nach der Pause machte eine Taschenaufhängung von Uwe auf der Rüttelpiste schlapp, so daß die Tasche bis zum Urlaubsende angebunden blieb. Ich versah meine Fronttaschen später mit einer zusätzlichen Schlaufe, so daß sie besser hielten, man sie aber noch problemlos abnehmen konnte.
Die letzten Kilometer zum See ging es so heftig bergab, daß wir es nicht genießen konnten. Die Piste, die sonst wohl in jeder Regenzeit weggewaschen worden wäre, war durch zwei ca. 40cm breite betonierte Spuren ersetzt. Das gab bei dem teilweise heftigem Gefälle (gut das wir da nicht hoch mußten!) auf den teilweise löchrigen Spuren einen anstrengenden Balanceakt mit Dauerbremsen. Jedes Abkommen von der Spur hätte zum Sturz geführt.
Nach nur 55 Tageskilometern waren wir an userem Ziel Manda, das direkt am Ufer des Niassasees liegt.
Nachdem wir eine einfache Unterkunft gefunden hatten, gingen wir erst mal zum Baden und Wäsche waschen zum See und tobten mit den Kids im Wasser rum. Später gingen wir zum Essen ins Dorf. Auf dem Weg fingen ein paar Mädchen spontan an, für uns zu Singen und zu Tanzen und gerieten völlig aus dem Häuschen, als Uwe ihnen die Fotos auf dem Display zeigte.
Ein gut Englisch sprechender Schneider berichtete uns, daß wir abgesehen von 2 deutschen Motorradfahrern, die 2 Wochen zuvor duchgekommen seien, die einzigen Touristen in diesem Jahr gewesen seien.

5.9.
Nach ungewohnt schwül-heißer Nacht saßen wir bereits gegen 6:00 im Sattel. Erst ging es durch flaches Schwemmland und wir mussten einen Fluß per Fährboot queren. Auf der anderen Seite gab es dann zum Frühstück sogar einen Tomatensalat.
Leider führte die Piste bald weg vom in der Regenzeit wahrscheinlich sumpfigen Ufer und das „Buckelreiten“ begann. Mit 7 kmh hochgekämpft und mit 6 kmh wieder runtergerutscht und zunehmend häufiger kamen wir nur schiebend oben an. So war es nicht ganz leicht die schöne Landschaft und die gelegentlichen tollen Aussichten über den See zu würdigen.
Ein geeigneter Zeltplatz war nicht zufinden, so daß wir schließlich nach nur 55 km (und einem Schnitt von 10,8) in Mbuli den Dorflehrer fragten ob wir irgendwo Campen dürften. Er meinte, wir sollten einfach zum Seeufer und nebem der Fußballplatzviehweide die Zelte aufschlagen, es sei hier absolut sicher. So kam es, daß wir in einer Menschentraube von bis zu 50 Personen aufbauten und zu Kochen begannen. Ein Erlebnis! Kurz nach Einbruch der Dunkelheit kam der Dorflehrer noch zu einem kurzen Schwatz und schickte die verbliebenen Neugierigen weg, so daß wir eine traumhafte und ruhige Nacht am schwarzen Sandstrand hatten.

6.9.
Nachdem Uwe vor einer Wirtin „gackernd und flügelschlagend“ rumgehüpft war, bekamen wir zum Glück ein schönes Omlett zu den Andazi, denn kaum saßen wir im Sattel, da begann auch schon wieder das „Buckelreiten“, nur noch eine Nummer heftiger als am Vortag. Einmal schafften wir es nur mit ach und krach die Räder zu zweit hochzuschieben und schön heiß war es auch. Zu dem Zeitpunkt dachten wir, daß wir an dem Tag höchstens 30 km schaffen. Doch erst kam zu unserer Rettung mitten im Nichts ein nettes „Straßenrestaurant“ und dann kam ca. 10 harte Kilometer weiter, wie von den Wirten versprochen, nach rasanter Abfahrt (mit glimpflich verlaufenem Sturz von Uwe) eine weite Ebene. Leider kamen kurz vor unserem Ziel Mbamba Bay noch einige giftige Hügel, die uns an unsere Grenzen brachten. Doch viele Pausen mit netten Kontakten und vielen Limonaden und die Hoffnung in Mbamba Bay etwas touristische Infrastruktur zu finden, ließen uns durchhalten, so daß wir am Ende tatsächlich 78 km geschafft hatten.
Unsere Hoffnung auf etwas Infrastruktur wurde allerdings bitter enttäuscht, hatten wir uns doch schon mit Cocktails am Strand liegen sehen. Zwei schicke Lokal und Hotels waren kurz zuvor geschlossen worden und ansprechende Mahlzeiten waren kaum aufzutreiben.

7.9.
Trotz der Enttäuschung legten wir wie geplant einen Pausentag ein, den wir auch für Einkäufe nutzten. Neben Verpflegung erstanden wir jeder einen robusten großen Packsack, den wir fortan intensiv als Decke in den Pausen nutzten.
Früh am Morgen landeten am Strand die Fischer ihren Fang der Nacht an. Ein herrlich buntes und entspanntes Treiben. Die meist sardienengroßen Fische wurden kurz in kochendes Salzwasser getaucht und dann zum Trocknen auf Holzgestellen ausgebreitet. Diese getrockneten Fischchen sind in der ganzen Region die Haupteiweißquelle der Menschen.
Beim Mittagessen lernten wir einen frustrierten jungen Polizisten kennen, der, nachdem er sich erst mal umgeschaut hatte, über Vetternwirtschaft, Korruption und die Regierung schimpfte. Mit seiner Hilfe bestellten wir für den Abend Hühnchen vor, was zur nächsten großen Enttäuschung führte! Voller Vorfreude gingen wir am Abend los und während ich immerhin ein winziges Hühnerbein serviert bekam wurde Uwe ein halber bereits vom Fleisch befreiter Rumpf vorgesetzt.
So ist das einzig gute, das ich über Mbamba Bay sagen kann, daß es dort relativ kühles Bier in ausreichender Menge gibt.

8.9.
Daher waren nicht traurig dem Ort den Rücken zu kehren, obwohl wir wußten, daß uns wieder ein harter Tag bevorstand, denn es sollte vom See (450m) hoch in die Berge auf bis zu 1500 m gehen. Nach ein paar kilometern Wellenreiten ging es dann ohne Unterbrechung 30 km lang z.T. ordentlich auf teilweise richtig schlechter Piste bergauf. Interessant waren die Veränderungen in der Landschaft und oben auf dem Plateau herrschte vergleichsweise intensive Landwirtschaft bei hoher Siedlungsdichte vor. Oben angekommen waren wir so platt, daß wir uns, was nur selten taten, am Straßenrand einen Eintopf bereits zum Mittagessen kochten.
Kurz darauf kamen wir mal wieder mit einem Dorflehrer ins Gespräch, mit dem wir schiebend ein paar Kilometer zum Dorf Mpapa gingen. Dort könnten wir bei seiner Schwester das Zelt aufbauen, doch zuerst müßten wir die Erlaubnis der Dorfhonoratioren einholen. Bis die alle versammelt waren, vergingen gut 45 Minuten und wir hatten unsere Geschichte schon bestimmt 4 mal erzählt. Nach wiederholtem Austausch von Höflichkeiten wurde es dann spannend, denn wir sollten für Nachtwächter, die wir gar nicht zu Gesicht bekommen würden (!), eine unverschämte Summe bezahlen, die sich angesichts unserer hartnäckigen Weigerung schnell verringerte. Wir blieben allerdings hart und erklärten, in so einem unsicheren Dorf würden wir nicht bleiben. Allerdings hatten die Herrschaften zu diesem Zeitpunkt bereits unsere Pässe, um uns zu registrieren, und die sie auch nicht wieder rausrückten. So zog sich die Sache noch eine Weile hin, doch schließlich zahlten wir nichts und bekamen unsere Pässe zurück. Selbstverständlich wurde auf beiden Seiten die ganze Zeit nur gelächelt.
Schließlich bekamen wir von der Schwester noch 2 Stühle rausgestellt und wir kochten mal wieder vor ganz großem Publikum und hatten auch eine ruhige kühle Nacht. In der unscheinbaren Hütte der Schwester stand übrigens eine fette neue Couchgarnitur mit polierten überladenen Schrankwänden samt TV und Stereoanlage.
Zudem bekamen von verschiedenen Personen (darunter wieder 2 Lehrer) gute Hinweise zum weiteren Routenverlauf bis zur mosambikanischen Grenze.

9.9.
Da wir im Hochland blieben, hielt sich das auf und ab in Grenzen, allerdings blies ein kühler Wind. Wir kamen durch einige staubige und triste Dörfer, in einem bekamen wir mit Hilfe eines älteren Motorradfahrers ein recht gutes Essen mit ein paar schönen wenn auch zähen Stücken Rindfleisch.
Später hätten wir beinahe unseren Weg verloren, denn eine gute Piste ging einem Dorf geradeaus u. eine Abzweigung gab es laut Karte gar nicht. Doch da wir wie immer nach dem Woher und Wohin gefragt wurden, bestanden die Dorfbewohner hartnäckig darauf, daß wir den abzweigenden Feldweg nehmen müssten. Der zunehmend schlechte enge Weg hatte kaum noch fahrzeugbreite und führte steil bergauf und bergab. Teilweise rutschten wir den ausgespülten Weg vollgebremst mehr herunter, als das wir noch fuhren. Bergauf hatten wir das längste Schiebestück der ganzen Tour. Aber die wieder waldreichere Gegend war wunderschön. Autos fuhren dort gar nicht mehr, aber der Motorradfahrer, ein Beamter, begegnete uns wieder und bestätigte, das wir richtig waren. Weiter ging ging es durch hohes Elefantengras in der Abendsonne und da kein Zeltplatz zu finden war, fragten wir im Dorf Ndondo, ob wir dort Zelten dürften. Daraufhin wurde uns eine kleine Hütte für die Nacht angeboten und auch noch eine Matratze herbeigeholt. Als wir später mit kaltem Bier mit unseren Gastgebern am Feuer saßen, kam der Motorradfahrer vorbei und es stellte sich heraus, daß wir bei seinem ältesten Sohn untergekommen waren.

10.9.
Nach einem herzlichen Abschied und einem Gastgeschenk ging es mit der Warnung vor Löwen und Elefanten los. Erst einmal wartete eine antrengende Abfahrt mit fast 1000 Höhenmetern. Am Morgen noch grüner Wald mit Kaffeepflanzungen, nun knochentrockener Buschwald ohne jeglichen Schatten, dafür aber mit vielen schwelenden Buschbränden. Am späten Vormittag kamen wir nach Liparamba, wo wir sehr mißtrauisch beäugt wurden und der Bürgermeister unsere Visa kontollierte. Grenzgebiet! Die Händler staunten nicht schlechte als wir erstmal 10 Liter Wasser kauften, doch die Kinder freuten sich über die leeren Flaschen. Beim Essen lernten wir einen Sozialarbeitsstudenten im Praktikum und natürlichen einen Lehrer kennen. Die beiden führten und zu einer Schule, in der gerade ein großer Empfang für einen einheimschen Bischof und eine Gruppe von 6 Deutschen, die das Entwicklungshilfeprojekt ihrer Kirchengemeinde besichtigen/kontrollieren wollten, stattfand. Wir ließen uns gerne „Teufelskerle“ nennen, doch wir mußten zügig weiter, da wir noch an diesem Tag über die Grenze wollten.
Am Ortsausgang wollte sich ein riesiges gelbgrünes Chamäleon partout nicht von mir fotografieren lassen. So schnell ich auch im Kreis um den Baum rannte, der Weg des Tieres um den Stamm herum war kürzer und schneller und einige Dorfbewohner lachten schallend bei dem Anblick!
Im letzten Ort vor der Grenze, Mitomoni, wurde schon portugisiesch gesprochen und wir wurden in eine Abkürzung geschickt, so daß wir mit einem Boot übersetzten mußten. Wir hatten gerade mühsam die Räder ins Boot gehieft, da kam ein übellauniger Offizieller angelaufen und bestand darauf, daß wir zurück in den Ort müßten zur Registrierung. Doch da das auch dem Bootsmann nicht passte, legten wir mit dem Offiziellen an Bord ab. Auf der anderen Seite wurden wir zu ein paar weiteren scheinbar wichtigen Leuten geführt und nach etlichem Geschleime unsererseits und zwei Schnäpsen durften wir dann weiter.
Nur 2 Km weiter waren wir an der Grenze, an der es seit ca. einem Jahr auch eine Brücke über den Ruvuma gibt. Dort erregten einiges Aufsehen und uns wurde versichert, wir wären die ersten Radler, die jemals hier durch gekommen seien. In freundlicher Atmosphäre wurden die Formalitäten schnell abgewickelt.
Auf mosambikanischer Seite wurden wir erst mal halbherzig gefilzt und konnten dann die Selbstherrlichkeit eines korrupten Beamten miterleben, der uns allerdings korrekt wenn auch arrogant abfertigte.
Kurz hinter der Grenze kehrten wir dann in einer Absteige mit ausgezeichnetem Essen ein, nachdem wir nach einigen Problemen doch noch Geld tauschen konnten.

11.9.
Wir hatten geplant nun wieder in Richtung Niassasee zu fahren. Mit Hilfe von Google Earth hatte ich schon zu Hause herausgefunden, daß es die in fast allen Karten verzeichnete Piste zumindest im ersten Teil nicht gab, wenn auch ein Gewirr von Pfaden erkennbar war. Ein Führer brachte uns dann zu dem Beginn der „Piste“ die zum See führen sollte, doch als wir vor dem vielleicht 1,20 Meter breiten und tiefsandigen Weg standen, waren wir uns schnell einig, das schön bleiben zu lassen. Die nächste nennswerte Siedlung wäre ca. 80 Km entfernt gewesen. Da wir bis zur Grenze eh schon länger gebraucht hatten als erwartet, beschlossen wir die Piste zur Provinzhauptstadt Lichinga zu nehmen.
Auf der Piste erwartete uns außer Sand, Hyänen- und Elefantenspuren und noch mehr Sand erst mal nichts. Als wir schließlich in einem kleinen Straßendort einen Laden ansteuerten, versteckten die Frauen erst einmal ihre Kinder und trauten sich auch nicht in den Laden. Erst als ein paar Männer hinzukamen, bekamen wir ein paar Kekse und eine mehr als lauwarme Berries-Fanta und wurden ordentlich abgezockt. So schnell kann der Wind drehen. Zum Glück konnten wir auch noch trübes Brunnenwasser bunkern.
Mühsam geht es weiter und gelegentlich bleiben wir im Sand stecken. Die Mittagspause brechen wir genervt ab, weil massenhaft kleine Bienen über uns herfallen und auch an die Feuchtigkeit in unseren Nasen und Augen wollen.
Kurz vor Sonnenuntergang schlagen wir uns nach erstaunlichen 80 Km kurz vor einem Dorf in den Busch und schlagen das Lager auf. Wir sind gerade beim Kochen, als wir Lichter und Stimmen auf uns zukommen sehen und hören. Uwe geht sofort auf die 3 z.T. bewaffneten Männer zu und läd sie zum Essen ein und entspannt so die Atmosphäre. Es gäbe hier im Grenzgebiet viele Banditen, deshalb hätten sie geschaut wer wir sind und Uwe muß mit unseren Pässen mit ins Dorf zur Registrierung. Mir wurde die Zeit doch recht lang während mir allerhand durch den Kopf ging!. Schließlich kam Uwe, der mit seinem Spanisch halbwegs mit den portugiesisch sprechenden Mosambikanern kommunizieren konnte, mit ein paar Litern Wasser und 4 kalten Bieren zurück, bei deren Kauf er sogar einen Heiratsantrag bekommen hatte.

12.9.
Nach wieder gut 80 km auf wechselhafter Piste und einem mühsam organisierten Mittagessen in netter Gesellschaft schlugen wir uns schließlich wieder in den Busch zum Zelten, wobei wir von einer großen Eule intensiv beobachtet wurden. Ein riesiger Termitenhügel gab uns zusätzlich Deckung und diente uns später als Aussichtspunkt, um vor dem Schlafengehen noch nach Bränden Ausschau zu halten. Das Abendessen fiel vergleichsweise üppig aus, da das Angebot in den mosambikanischen Lädchen etwas besser ist. Zudem bekommt man überall Bier (Wasser hingegen nur gelegentlich), so daß wir dazu übergingen gegen Abend immer ein Sixpack zu bunkern. Da es mit dem Trinkwasser oft zumindest mühsam war, kippten wir bei jeder Gelegenheit auch 2-3 Fanta oder Cola in den Schund, da wir zudem jede Kalorie gebrauchen konnten.

13.9.
Der Tag bot eine schöne Landschaft mit freistehenden felsigen Bergen und wir gewannen ordentlich an Höhe bis wir nach 82 Km (der Großteil auf Asphalt!) bereits um 14:00 in der auf einer Hochebene gelegenen Stadt Lichinga ankamen. Dort gab es erstmal eine gute Unterkunft mit heißer Dusche! Dann folgten bis zum Abend noch 3 üppige Mahlzeiten! Wir waren doch ganz schön erstaunt über die gute Infrastruktur, samt ATM, Internet und guten Einkaufsmöglichkeiten.

So, das war jetzt die erste Hälfte der Tour!

Gruß
Jörg
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#749237 - 14.08.11 21:52 Re: Tansania und Mosambik 2010 [Re: zulukurt]
Thomas1976
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Beiträge: 11795
Hallo Jörg,

coole Fotos, toller Bericht bravo

Ja, Afrika sorgt auch bei mir mal wieder für Reisesehnsucht.

Gruss
Thomas
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#749243 - 14.08.11 22:14 Re: Tansania und Mosambik 2010 [Re: zulukurt]
zulukurt
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Habe gerade gesehen, daß Picasa leider die Reihenfolge der Bilder durcheinandergeworfen hat. Also nicht irritieren lassen.

Jörg
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#750741 - 21.08.11 16:09 Re: Tansania und Mosambik 2010 [Re: zulukurt]
zulukurt
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Beiträge: 165

Teil II

Hier die Fotos zum 2. Teil der Tour:
https://picasaweb.google.com/10147426678...feat=directlink



14.9.
Per Minibus sollte es heute von Lichinga 250 Km in Richtung Osten nach Maruppa gehen, wo auch die Piste zum wilden Niassa NP nordwärts abgeht. Trotz intensiver Rumfragerei stehen wir zuerst am falschen „Busbahnhof“ herum, doch schließlich bringt uns ein Radler zum gut 3km entfernten Haltepunkt der Maruppa-Minibusse. Räder auf das Dach, rein in die Enge und los. Nach ca. 20 Km verliessen wir die Hochebene und fuhren auf ausgezeichneter fast verkehrsloser Teerstraße durch scheinbar menschenleere grüne Wälder, aus denen immer wieder einzelne Felsendome ragen. Leider war der Tag sehr diesig, so daß Fotografieren zwecklos war. Als wir noch tiefer kamen, wurde es scheinbar trockener und vereinzelte Dörfer tauchten auf, deren Baustil sich irgendwann abrupt ändert. 10 km vor unserem Ziel blieb unser Bus endgültig liegen. Für uns natürlich kein Problem, im Gegenteil, uns waren die paar Radkilometer nach der Enge willkommen. Maruppa, mitten im Nichts, überraschte uns durch ein paar schöne Gebäude, einen gut bestückten Markt und lebendige Kneipen. Wir kamen auf einer kleinen rustikalen Campsite unter und mit ein paar Deutschen, die gerade per Allrad von der Küste gekommen waren, ins Gespräch. Sie hielten es für nahezu ausgeschlossen, daß wir die Strecke nach Balama per Rad bewältigen könnten und auch der Campsitebesitzer war sich nicht sicher. Da es auf der Route aber keinen öffentlichen Verkehr gibt, was in Afrika schon etwas heißt, und auch keine private Mitfahrgelegenheit zu bekommen war, schlicht aus dem Grund, daß fast niemand von Maruppa nach Osten fährt, starteten wir am nächsten Morgen doch per Rad.

15.9.
Auf den des ersten 35 km nach Nungo überraschte uns die ausgezeichnete Piste und da wir auch noch 200 Höhenmeter verloren, rollte es sich fantastisch an den monolithischen Felsbergen vorbei. Leider entwickelte ich dann wohl etwas zuviel Vertrauen zur Piste und wurde unkonzentriert. Am Ende einer der vielen kleinen Abfahrten, die man problemlos mit gut 40 kmh runterknallen konnte, übersah ich ein Sandloch, kam ins Schleudern und ging nach meterlangem harten Kampf doch noch über den Lenker. Außer einer leichten Prellung am Ellenbogen und einem ordentlich verschrammten Schienbein, war ich mit dem Schrecken davon gekommen, der mich allerdings die nächsten Tage doch recht vorsichtig fahren ließ. In Nungo, dem letzetn richtigen Dorf für die nächsten gut 150 Km, wurden wir begeistert empfangen und konnten uns noch mal mit Wasser und Getränken versorgen.
Am östlichen Ortsausgang wurde uns dann schnell klar, was uns im weiteren Streckenverlauf erwarten würde. Ein frisch durch den Busch geschlagener besserer Trampelpfad ersetzte die völlig weggespülte Piste, so daß wir uns mehrfach bestätigen ließen, daß das der Weg nach Balama sei.
In den kleinen Dörfern und Siedlungen reagieren die Bewohner teilweise schon hysterisch auf uns. Frauen, Kinder und auch die jüngeren Männer kamen schreiend u. kreischend zur Piste gerannt. Überall tönte es „Mzungu, Mzungu“ (Weiße). Als es einmal schon bedrohliche Ausmaße anzunehmen begann, rief zum Glück ein älterer Mann die Massen zur Ordnung. Kinder folgten uns z.T. 2-3 Kilometer weit, was aufgrund des Sandes, in dem wir ständig stecken blieben, für sie kein Problem war. Begegneten wir einzelnen Menschen, waren diese meist verängstigt und trauten sich kaum an uns vorbei, obwohl wir schon immer von weitem freundlich grüßten. Ältere, die noch die Knute der portugiesischen Kolonialherren kennengelernt hatten, grüßten uns geradezu unterwürfig („padron“).
Am späten Nachmittag schlugen wir uns wieder in den Busch und mußten wegen den kleinen Bienen erst mal bis zur Dämmerung im Zelt verschwinden. Nach dem Essen rochen wir plötzlich Rauch und von einem alten Termitenhügel aus konnten wir dann beobachten wie sich nicht allzu weit entfent ein paar Flammen in wenigen Minuten zu einer Feuersbrunst entwickelten. Das hieß im Dunkeln das Zelt abzubauen und uns zurück zur Piste zu kämpfen, bis wir schließlich zu einem bereits abgebrannten Stück kamen und dort direkt an der Piste die Zelte wieder aufschlugen.

16.9.
Schon am frühen Morgen war klar, daß uns ein heißer Tag erwartete, kein Wölkchen weit und breit. Dafür zeigte uns die Piste sofort warum wir vor ihr gewarnt worden waren. Ständig blieben wir im Sand stecken und auch die kleinen Trampelpfade neben der Piste, die sonst oft befahrbar waren, zumindest wenn man hochkonzentriert auf einer extrem schmalen Zickzackspur balancierte, waren an hier oft tiefsandig. Als wir dann kurz nach dem Start durch eine Savannenlandschaft kamen, stürzten sich zu allem Überfluß auch noch Tsetsefliegen auf uns. Die Lanschaft blieb schön, doch die Piste wurde noch härter, so daß z.T. nicht mal mehr Schieben möglich ist. Daher bogen wir ab in den Busch, der zum Glück aufgrund von Bränden relativ arm an Gestrüpp war. In der Mittagshitze kamen wir an unsere Grenzen. Gegen 13:00 kamen wir endlich in ein kleines Dorf und es gab für jeden ein Bier und einen Mangobaum, also Schatten, und die Leute ließen uns in Ruhe, so daß wir erst mal etwas schlafen konnten.
Hinter dem Dorf wurde die Piste zeitweise etwas besser und erlaubte auch mal Geschwindigkeiten von bis zu 20 kmh. Häufig mußten wir über kleine Bäche über die Baumstämme als Brücken gelegt waren. Mit der Zeit wurde die Besiedlung wieder dichter und wir konnten 2 reife Papayas ergattern, die wir dann vor 30-40 Menschen, die im Kreis um uns herum standen, verzehrten. Als wir am Abend unter einem Baobab die Zelte aufschlugen, hatten wir erstaunliche 82 Km mit einem Durchschnitt von 11,8 kmh hinter uns gebracht.

17.9.
Am Morgen hieß es dann gleich wieder den Kampf mit dem Sand aufzunehmen, doch zum Glück nur für 7 Km, denn dann waren wir bereits in Balama, das auch schon mal bessere Zeiten gesehen hatte und noch aus portugiesischer Zeit eine ehemals protzige 4 spurige Straße im Zentrum hatte. Es gab ein Frühstück mit frischem Brot im Stehen und weiter ging es, da wir die Hoffnung hatten, es noch an diesem Tag bis nach Pemba am indischen Ozean zu schaffen, wo wir erst mal ein bis zwei Tage Pause machen würden.
Zwischen Balama und Montepuez war eine einzige 65 Km lange Baustelle, in der mit großen Materialeinsatz und unter gewaltigem Landschaftsverbrauch gearbeitet wurde. Da jedoch der Untergrund recht fest war, rissen wir die Strecke flott ab. In den Dörfern tauchten zunehmend mehr Kokospalmen auf und auf vielen Feldern war die Baumwolle reif. Im richtig städtischen und großzügig angelegten Montepuez, bestiegen wir nach zähen Verhandlungen einen Minibus, der uns auf der topausgebauten Straße nach Pemba brachte. An der Einfallsstraße ließen wir uns absetzten und fanden mit viel Fragerei ein schönes Strandresort.

18. + 19.9.
Wir gönnten uns 2 Pausentage mit je 3 üppigen Mahlzeiten und viel Faulenzerei am Palmenstrand. Zwischendurch besichtigten wir Pemba, kauften ein paar Souvenirs, plünderten den ATM und versorgten uns mit frischen Vorräten. Schließlich hatten wir in 2 Tagen deutlich mehr Geld ausgegeben als in den ein oder zwei Wochen zuvor.



20.9.
Von nun an ging es nordwärts die Küste hoch. Auf den ersten 20 Km hatten wir noch guten Asphalt, was dazu führte, daß wir auf einer Abfahrt unseren Geschwindigkeitsrekord mit 67 kmh aufstellten. Dann ging es auf passabler Piste über die Dörfer, die in dieser Gegend bessere Versorgungsmöglichkeiten, vor allem in Bezug auf Obst und Gemüse, boten. Mittags hielt dann neben uns Toyota und ein blonder Mann stürtzte mit den Worten „Ihr seid Deutsche, das sehe ich an den Taschen“ auf uns zu. Jörg war vor ein paar Jahren selber mit dem Rad dort unterwegs und so begeistert, daß er sich auf der nahegelegenen Ilha do Ibo niederließ und mit einem Partner das schöne Mtiwire Guesthouse eröffnete.
Nachdem wir noch eine Papaya gegen Kekse eingetauscht hatten, schlugen im Busch die Zelte auf und kochten uns einen Süßkartoffel-Curryeintopf. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit brach dann in der Nähe ein schöner Radau los, offensichtlich stritt sich ein Rudel Hyänen ums Futter. Obwohl wir schon ein paar Bier intus hatten, ließen wir uns doch soweit verunsichern, daß wir die Zelte eng zusammenstellten und von hinten mit den Rädern abschirmten. Was das gebracht hätte? Gute Frage! Die Theorie sagt, daß es keinen bestätigten Fall gibt, in dem eine Hyäne oder ein Löwe oder ein Leopard Menschen in einem GESCHLOSSENEN Zelt angegeriffen hat. Die Theorie ist aber das eine, Hyänengeheul hingegen das andere. Ich hatte auf jeden Fall eine unruhige Nacht.

21.9.
Am Morgen ging es dann durch eine hügelige Gegend auf ordentlicher Piste. An den vielen kleinen Flüssen kamen wir an üppigen Kohl- und Zwiebelfedern vorbei und in einem kleinen Straßendorf mit halbverfallenen Häusern aus portugiesicher Zeit konnten wir etliche indisch und arabisch angehauchte Snacks und Süßspeisen probieren. Bereits zur Mittagszeit kamen wir am „Hafen“ für die Dhaus nach Ibo an. Es war Ebbe und im Schlamm wimmelte es von Winkerkrabben, die schwer mit ihrem „wer hat die Größte“ Wettbewerb beschäftigt waren. Der Hafen selber war eine Schneise in den Mangroven. Uwe verhandelte hart und lange mit dem Kapitän, so daß wir Räder und Gepäck durch das bereits knietiefe Wasser tragen mußten. Die Überfahrt durch die Mangroven dauerte vielleicht eine Stunde, dann kamen ein kleines sternförmiges Fort und eine strahlend weiße Kirche in Sichtweite.
Wir steuerten das Mtiwire Hotel von Jörg an, wo wir uns das Zimmer nur leisten konnten/wollten weil gerade wenig los war und wir daher einen ordentlichen Nachlass bekamen. Das Hotel ist aber sein Geld wert und sehr geschmackvoll eingerichtet. Das Hummercurry am Abend war fantastisch und auch noch reichlich.
Der Ort Ibo besteht zu übert 50% aus Ruinen aus portugiesischer Zeit. Auch auf Ibo haben die Portugiesen verbrannte Erde hinterlassen und z.B. das E-Werk vor ihrem Abzug zerstört. An einem Seekabel wird zur Zeit gearbeitet. Da man auch an der nordmosambikanischen Küste auf einen Touristenboom wie im Süden hofft, beginnen auf Ibo erste Restaurierungsarbeiten (Kirche, Fort). Auch ein Luxushotel mit Zimmern für 300 Dollar hat sich bereits angesiedelt. Vermutlich würde ich mir in ein paar Jahren die Ilha do Ibo nicht mehr leisten können, dahin gehen auch die Einschätzungen der Einheimischen.

22.9.
Wir gönnen uns schon wieder einen Pausentag und erkunden ein wenig die Insel, besichtigen das portugiesische Fort und besuchen mehrmals die kleine ausgezeichnete Bäckerei.
Am Abend besprechen wir mit einem jungen ansässigen Russen die weitere Route, die sich ein wenig schwierig gestaltet. Wir beschließen ein Fischerboot zu chartern und nördlich von Ibo beim Dorf Olumbua anzulanden, da wir, wenn wir die Fähre zurück zum Festland nehmen würden, einen Umweg von gut 200 km machen müßten. Den Plan die Küste weiter mit einer Dhau hochzufahren müsssen wir aus Kostengründen aufgeben. Die Überfahrt nach Olumbua mit der Segeldhau kostete bereits ca. 30,-Dollar. Auch nördlich von Quiterajo, so Dimitri, werde unsere Route schwierig, die Piste, die in alllen Karten eingezeichnet sei, existiere nicht. Wir sollten es aber versuchen, er sei vor ein paar Jahren mit einem Geländemotorrad durchgekommen. Zur Not könnten wir immer noch umkehren und den Umweg über die Hauptstraße weiter im Inland machen.

23.9.
Noch im Dunklen ging es zu unserem Fischerboot und um 5:30 stakten wir in See. Da kaum Wind aufkam, schlug unser Kapitän nach einer Stunde, vor an einer Sandbank zu ankern und Schnorcheln zu gehen. Ganz uneigennützig war der Vorschlag aber nicht, da er mit seinem Kumpel in der Zeit Krebse und kleine Octopusse im flachen Wasser jagte. Kurz nach uns legte ein Ausflugsboot eines Luxushotels an und die Herrschaften nahmen erst einmal ein Sektfrühstück unter einem flugs aufgebauten Sonnensegel zu sich. Als gegen Mittag dann doch ein wenig Wind einsetzte, stakten und segelten wir dann weiter durch das kristallklare Flachwasser. Wir brauchten nur ins Wasser zu schauen, um bunte Fische, Seeigel und riesige Seesterne zu sehen. Letztlich drückte uns die einsetzende Flut an den Strand von Olumbua drückte, wo wir mal wieder für einen mittelgroßen Menschenauflauf sorgten. Ein Mittagessen war dort allerdings nicht zu bekommen, so daß wir uns mit Keksen und Bananen begnügen mußten, na, dann hatten wir schon härtere Zeiten. Da die Piste extrem tiefsandig war, zeigte uns der Kapitän und eine Abkürzung durch eine nur bei Hochwasser überfluteten Bucht, wo wir für mehrere Kilometer festen Sand mit Salzkruste unter den Rädern hatten. Letztlich konnten wir dem Sand aber nicht entkommen und mußten auf den verbliebenen 15 km bis Mucoje Schwerstarbeit verrichten (Schnitt: 10,4 kmh). Kurz hinter Mucoje am Strand von Pangane gibt es etliche Strandhotels, doch da wir weitere 7 km durch den Sand nicht mehr geschafft hätten, jedenfalls nicht vor Einbruch der Dunkelheit, fand sich zum Glück ein schickes Resort am Strand von Mucoje, das teilweise noch in Bau war und wo wir die einzigen Gäste waren, die dann für 10,- Dollar pro Nase ihre Zelte aufschlagen durften.

24.9.
Bereits um 6:30 rollten wir auf guter nagelneuer Piste nordwärts nach Quiterajo. Während unserer Frühstückspause wurden wir von 2 jungen mit Äxten bewaffneten Frauen angeflirtet Wir bekamen es mit der Angst zu tun und fuhren schnell weiter.
Kurz darauf hatte sich Uwe einen Platten geholt, unseren einzigen auf der ganzen Tour. Ein spitzer Samen, duch eine Art Regenschirm perfekt zum Einfahren aufgerichtet, hatte sich durch den Marathon XR gebohrt.
In Quiterajo hatten wir Probleme jemanden zu finden der genug Englisch sprach, um uns Auskünfte über den weiteren Weg zu geben. Nach einer halben Stunde hatten hilfsbereite Leute den 20 jährigen Dorflehrer aufgetrieben, der jedoch auch kaum Englisch sprach. Nach einer Weile verstanden wir, daß erst morgen eine Dhau nach Mocimboa abgehe, die aber 3 Tage brauchen würde, weil noch 2 Inseln auf dem Weg angesteuert würden und der Wind z.Z. schlecht sei. Der Weg über die Flüsse wäre aber passierbar. Wir müßten aber wieder 3 km vom Strand zurück zur Poststation am Ende der Piste, dort würde der Weg abgehen. Doch dort waren nur Trampelpfade erkennbar. Ein älterer Mann brachte uns schließlich zu einem Ranger des nahegelegenen Naturschutzgebietes (ja, es gibt hier Löwen, Elefanten, Hyänen, Büffel usw.). Der erklärte uns, daß wir die Flüsse nur bei Ebbe überqueren könnten und uns daher beeilen müßten. Schließlich engagierten wir einen Führer, der uns auf einem schmalen Pfad, auf dem wir auch noch Slalom um Elefantendung fahren mußten, bis zum ersten Mangrovensumpf führte. Bis zu den Knien im grauen Schlamm wuchteten wir die Räder hindurch, dann wieder ein paar Km fester Grund bis zum ersten Fluß. Der bei Ebbe knietiefe und gut 20 m breite Fluß war nicht das Problem, sondern der tiefe Schlamm beim Ein- und Austsieg. Dann hieß es wieder aufladen und vielleicht 2-3 km durch den Busch zu holpern bis zum 2 Fluß an den sich noch ein paar hundert Meter Mangroven anschlossen, bis wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Hier verabschiedete sich unserer Führer und kehrte um, während wir völlig fertig unsere mickerigen Vorräte plünderten. Leider war auch das Wasser knapp. Noch 3-4 km mußten wir einem schmalen Pfad folgen und uns einen Hohlweg hochkämpfen bis wir in ein kleines Dorf kamen, in dem eine mickerige Sandpiste in Richtung Norden begann. In diesem extrem abgelegenen Dorf, verlangten die Menschen sofort Geld als Uwe seine Kamera herausholte und dann sofort wieder einpackte. Am Brunnen rückten uns die Leute, zum einzigen Mal auf der ganzen Tour, unangenehm auf die Pelle, so daß wir etwas überstürzt mit zu wenig Wasser aufbrachen.
Nach ein paar weiteren Kilometern zelteten wir wieder und mußten das Wasser doch sehr rationieren, da wir nicht wußten, wann wir neues bekommen würden. Zum ersten mal in meinem Leben hatte ich richtig Durst.

25.9
Die 41 km nach Mocimboa standen mal wieder vor allem im Zeichen des Sandes. Üppig weißblühende duftende Bäume vesüßten uns gelegentlich die Plackerei ( Tagesschnitt 10,2). Häufig teilte sich die Piste in 2, 3 oder mehr Arme auf, wenn der Sand zu tief wurde oder die alte Piste metertief ausgewaschen war. Ein Auto begegnete uns nicht und auch nur ein Motorrad überholte uns bis wir am Ortsrand einen älteren Mann trafen, der uns auf Deutsch grüßte. Er hatte im sozilistischen Bruderstaat DDR in den 80er Jahren im Braunkohletagebau gearbeitet. Er führte uns zu einer ruhigen von einer Französin geleiteten Campsite. Der Ort selber war erbärmlich, 2 Straßen mit heruntergekommen alten port. Gebäuden ergänzt um ein paar sozialistische Protzbauten. Am Hafen und vor der Stadt lagen etliche riesige Camps u.a. von Baufirmen. Die Infrastruktur wird massiv ausgebaut und es heißt auch, daß verschiedene Bodenschätze in der Region auf ihre Hebung warten. Obwohl es noch über 150km bis nach Tansania sind, kann man in Mocimboa auch mit tan. Shilling bezahlen und auch die meisten Güter kommen über die Grenze bzw. per Schiff aus Tansania.

26.9.
Gegen 5:00 saßen wir im Sattel und die 86 km lange und recht reizlose Strecke nach Palma rissen wir zügig ab, so daß wir bereits um 13:30 ankamen. Den Nachmittag verbrachten wir mit Essen, Einkäufen und einem Abstecher zum 2 km entferten schönen Palmenstrand. Gut das wir an diesem Tag Kräfte sparen konnten, denn sowohl der Reiseführer als auch unsere Informanten drohten uns für den nächsten Tag Tiefsand bis zur Grenze an.

27.9.
Anfangs ging die Piste noch, doch ein paar kurze aber knackige Steigungen ärgerten unsere kalten Beine, bis dann der versprochene Sand kam. 10m fahren – steckenbleiben – vergebliche Anfahrversuche – 100m fahren – steckenbleiben – 500m schieben usw. Nach gut 30 km hatten wir einen Schnitt von 8,2 kmh und waren schon ziemlich platt, da auch kaum mal Schatten zu finden war. Später war der Grund der Fahrspuren so fest, daß wir etwas zügiger vorankamen, allerdings immer wieder durch unsere Fronttaschen gebremst, die auf beiden Seiten durch den Sand pflügten.
Am noch 5 km vom Grenzfluß Rovuma gelegenen nagelneuen mosambikanischen Grenzposten wurden wir korrekt und zügig abgefertigt und es gab reichlich kalte Getränke.
Am Fluß ragten noch ein paar Reste, der vor 2 oder 3 Jahren gesunkenen Autofähre, die nur bei Flut fahren konnte, aus dem Sand. Nach schwierigen Verhandlungen bestiegen wir schließlich ein größeres Ruderboot mit Außenboordmotor, (5 Mann Besatzung und 4 Passagiere) dann ging es im Zickzack immer die Fahrrinne suchend ans andere Ufer. Zwischendurch tauchten noch ein paar Hippos auf, wollten aber nicht für ein Foto posieren. Am tansanischen Ufer gönnten wir uns zur Feier unserer Rückkehr ein lauwarmes dunkles Starkbier (Laurentina, 6,8%) bevor es durch das Schwemmland zum gut 4 km entfernten tan. Grenzposten ging. Dort verschwand ein Beamter mit unseren Pässen ziemlich lange in einem Nebenraum, doch schließlich kamen wir mit einem jungen Beamten ins Gespräch, der aus Mbamba Bay am Lake Niassa stammte, wo wir vor 3 Wochen noch durchgekommen waren. Er war so begeistert über uns und unsere vorgebliche Begeisterung für Mbamba Bay, daß er flugs unsere Pässe holte und wir weiterfahren konnten. Zuvor hatten wir schon die Befürchtung, daß wir vielleicht zahlen müßten.
Wir fuhren noch ein paar hügelige Kilometer (65 Tagekilometer mit einem Schnitt von 10,2 kmh) und campten hinter einem Dorf, in dem wieder der Wahlkampf tobte. Unter unserem Cashewbaum umwehte uns ein Allkoholgeruch der von den herabgefallenen u.gärenden Früchten stammte. Wir waren ein wenig wehmütig, da es unsere letzte Campinnacht war, die leider unruhig wurde, da Affen und andere Tiere ständig Radau machten.

28.9.
Am Morgen fuhren wir gemütlich die letzten Kilometer bis in die uninteressante Hafenstadt Mtwara, wo wir noch ein paar Souvenirs erstanden und stilvoll auf der Terasse eines gehobenen Hotels mit Meerblick speisten.

29.9.
Am Morgen bestiegen wir einen bereits am Vorabend gebuchten Bus nach Dar, wobei uns noch ordentlich Geld für „Übergepäck“ und die Räder abgepresst wurde. Die Räder passten problemlos in den Laderaum und wir versuchten sie mit Hilfe unserer Packtaschen gut zu verkeilen, da wir wußten das auf der gut 500 km langen Strecke eine heftige Baustelle wartete. Die Baustelle war fast 200km lang und der Bus fuhr meist auf einer üblen Notpiste neben der Baustelle. Auch wenn man sich gut festhielt, hob man regelmäßig vom Sitz ab und nach einer Weile brach meine Rückenlehne weg, so daß es für mich eine richtige Tortur wurde. Am nächsten Tag hatte ich u.a. im Rücken einen ordentlichen Muskelkater. Die Räder überstanden den Transport zu unserem Erstaunen ohne größere Schäden.
Kurz vor Anbruch der Dunkelheit erreichten wir den Ubango Busbahnhof von Dar. Ich hätte gerne ein Taxi genommen, um dem Großstadtverkehr zu entgehen, doch mein Partner ist in diesen Dingen aus einem anderen Holz geschnitzt. Also fuhren wir am Rand einer 6-8 spurigen Straße die gut 8 km in die Innenstadt. Für mich war das echt grenzwertig und ohne unseren Exotenbonus wäre das glaube ich kaum möglich gewesen.
Noch am Abend buchten wir die Fähre für den nächsten Morgen nach Zanzibar.

30.9.
Beim gestrigen Ticketkauf hatten wir uns noch extra bestätigen lassen, daß wir (wie auch auf der Hinfahrt) für die Räder nichts extra zahlen müssen, doch dann holte uns die afrikanische Wirklichkeit ein. Ein nicht uniformierter Offizieller, den wir nicht höflichst gegrüßt hatten, da wir ihn ja nicht als Offiziellen erkennen konnten, forderte eine unverschämte Summe für die Räder. Irgendwie hatte ich an diesem Morgen überhaupt keinen Bock auf freundlich sein und Lächeln und Geduld haben, so daß es zu einer richtigen Konfrontation kam. Ich fragte den den Typen immer wieder ob er uns für Lügner halten würde, wenn er behauptete Räder würden immer etwas kosten und einige Uniformierte versuchten mäßigend einzuwirken und wollten uns durchwinken, doch der Typ wollte ja auch nicht sein Gesicht verlieren. So zahlten wir am Ende ein Viertel der ursprünglich von ihm geforderten Summe und er stellte sich als Wohltäter da.
Auf Zanzibar trennten sich dann unsere Wege. Da ich Stone Town vom letzten Jahr schon gut kannte, fuhr ich direkt weiter an die Ostküste und gönnte mir 2 entspannte Tage am Strand in der Nähe von Paje.

1.10.
Essen – Baden – Lesen – Strandspaziergang

2.10.
Nach einem Tag am Strand fahre ich am Nachmittag zurück nach Stone Town. Den Abend verbringen wir in einer netten Kneipe, wo wir allerdings ein paar „Servicegirls“ abwehren müssen.

3.10.
Ein letzter relaxter Tag in Stone Town. Ich erstehe noch eine kleinere Schnitzerei und Uwe verbringt den Abend damit, seine vielen erworbenen Schätze sicher zu verpacken.

4.10.
Früh am Morgen fuhren wir die 7 km zum Flughafen und kamen ohne Probleme an unsere deponierten Kartons. Dann durften wir noch einmal ausgeprägter Korruption begegnen. Jeder, wirklich jeder versucht Geld zu erpressen und einer schafft es auch. Die Frau am Gepäckscanner besteht darauf, daß Uwe seine kunstvoll eingepackte Bronzestatue auspacken soll und der danebenstehende Beamte macht uns klar, daß unsere Räder, die nicht durch den Scanner passten, nie an Bord unserer Maschine gelangen werden, wenn wir nicht zahlen. Schließlich bekommt er ca. 3 Dollar. An der Personen- und Handgepäckkontrolle meint ein Beamter, Uwe dürfte seine Holzfigur, die oben etwas gezackt ist, nicht mit an Bord nehmen und redet immer von „weapon“, doch Uwe lacht ihn solange aus, bis er schließlich durchgewunken wird. Die gefüllte 1,5 l Flasche die Uwe mit an Bord nahm, war hingegen kein Problem, nur ein Steward guckte etwas irritiert.




Auch wenn ich im Bericht häufig betont habe, wie anstrendgend es war, es war eine Tolle Tour! Nur an einem Abend waren wir so platt, daß wir ihn nicht mehr genießen konnten, ansonsten fühlten wir uns besonders an den Campingabenden im Busch pudelwohl. Die Begegnugen mit den Menschen waren ganz ganz überwiegend sehr positiv. Wir erlebten Gastfreundschaft und bei unseren vielen Stops in den Dörfern wurde viel gescherzt und gelacht. Der Lake Niassa (Malawisee) ist wunderschön und auch sonst konnte sich die Landschaft auf vielen Etappen sehen lassen, auch wenn es den ein oder anderen eintönigen Abschitt ( trockener Buschwald) gab. Insgesamt garantierte der Tourverlauf (Berge – See – Tiefland – ind. Ozean) reichlich Abwechselung. Tiere bekamen wir allerdings kaum zu sehen, obwohl wir durch einige Gebiete kamen, in denen neben Antilopen, Büffeln und Elefanten auch Löwen, Hyänen und Leoparden vorkommen. Doch da wir außerhalb von Nationalparks unterwegs waren, war die Tierdichte wohl eher gering und die Tiere wohl auch recht scheu. Zudem geht immer nur eins, fahren oder Ausschau halten, denn beides gleichzeitig ist auf den Pisten nicht möglich.
Der am Anfang angebene Schnitt der Tour von 14,7 kmh, kam mir etwas hoch vor, doch er ist korrekt, wenn auch durch die beiden schnellen letzten Etappen auf Zanzibar etwas geschönt.
Ich verlor auf der Tour gut 8 Kilo und Uwe noch ein wenig mehr, doch er hatte ja auch mehr über ;-)

Gruß
Jörg
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#750915 - 22.08.11 12:36 Re: Tansania und Mosambik 2010 [Re: zulukurt]
velOlaf
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Hallo Jörg,
schöner Bericht zu einem großen Abenteuer in Afrika!

PS: Das "Baumhaus" ist klasse und die Eidechse, -äh, wo ist sie noch gleich?- auch.

Gruß Olaf
--- off ---

Geändert von felgenbieger (22.08.11 12:37)
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#750943 - 22.08.11 14:19 Re: Tansania und Mosambik 2010 [Re: zulukurt]
joeyyy
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...schöner Bericht und beeindruckende Bilder. Zeigen die Unterschiede zu unseren Kulturen - aber auch die Gemeinsamkeiten.

Fahre im Winter nach Afrika - freue mich schon drauf...

lach

Gruß

Jörg.
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#751135 - 22.08.11 23:30 Re: Tansania und Mosambik 2010 [Re: velOlaf]
zulukurt
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Hallo Olaf,

da habe ich aber einen Moment gebraucht bis ich kapiert hab, was Du mit Baumhaus gemeint hast.
Bei der "Eidechse" habe ich etwas gemogelt. Die Bilder sind nicht auf der Tour 2011 entstanden, sondern während einer Trekkingtour im zentraltansanischen Udzungwa NP 2010. Da mir die Bilder aber so gut gefallen, habe ich sie einfach mal hinten dran gehängt.

Gruß
Jörg
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Off-topic #751136 - 22.08.11 23:33 Re: Tansania und Mosambik 2010 [Re: joeyyy]
zulukurt
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Hallo Jörg,

steht schon fest, wo es hin geht?

Gruß Jörg
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#751685 - 24.08.11 23:17 Re: Tansania und Mosambik 2010 [Re: zulukurt]
thomas56
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Beiträge: 406
Hi Jörg,
ein toll-lebendiger Bericht zu den Bildern
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