Radreise & Fernradler Forum
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#323521 - 02.04.07 21:06 Kuba - eine Perle der Karibik
JohnyW
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 7341
Hallo,

zum allerersten Mal habe ich es geschafft aus meinen Reisenotizen tatsächlich einen Reisebericht fertigzustellen. Hier im Forum erhielt ich wertvolle Tipps zur Planung der Reise erhalten. 4 Forumsmitglieder waren so freundlich die erste Version Korrektur zu lesen. Bei denen möchte ich mich hiermit nochmals recht herzlich bedanken. Ich hatte auch manchmal wirklich einen Stuss zusammengetippt grins

Eigentlich sollte der Bericht ja ein Fotoreisetagebuch sein. Aber die technischen Voraussetzungen fehlen mir dafür leider noch. Somit gibt es nur den Text lesen.

Um die Spannung zu erhöhen, gibt es ca. jeden zweiten Tag ein Update.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Euch

Thomas
Homepage: http://thomasontour.de
Neu 21.10.2009: 2. Bericht Projekt Hessen aus dem Jahr 2007
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#323522 - 02.04.07 21:08 Warum Kuba [Re: JohnyW]
JohnyW
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 7341
Kuba
04. November 2006 – 03. Dezember 2006


Warum Kuba?

Der Gedanke durch Kuba zu radeln, spukte schon lange in meinem Kopf herum. Die Insel hat fast die optimale Größe, um in vier Wochen von Ost nach West zu fahren. Eigentlich wollte ich zu dieser Zeit nach Tansania. Aber ich fand keinen Reisepartner und suchte nach einen alternativen Reiseziel. Ich hatte viele Ideen im Kopf. Costa Rica, Bolivien, Vietnam und eben Kuba gelangten in die engere Auswahl. Ausschlaggebend war der schlechte Gesundheitszustand von Fidel Castro. Neben Land und Leuten wollte ich auch den Sozialismus kennen lernen, da die deutsch-deutsche Grenze dafür zu früh fiel. Der November ist ein guter Monat, um in die Karibik zu reisen. Die Luft ist trockener und die Temperaturen sind nicht ganz so hoch. Außerdem wollte ich im Urlaub mal wieder schwimmen. Das zusammen gab den Ausschlag nach Kuba zu reisen.
Im Kopf hatte ich, die Insel von Ost nach West zu durchfahren. Havanna stand somit erst gegen Ende der Reise auf dem Programm. Den vorherrschenden Ostwind kann ich so ebenfalls nutzen. Nach dem Studium der Reiseführer vergaß ich ganz schnell diese Idee. Zentralkuba ist flach und landwirtschaftlich geprägt. Kulturelle Sehenswürdigkeiten sind ebenfalls rar. So plante ich zwei Wochen im Osten der Insel zu verbringen, und dann in den Bus in Richtung Trinidad einzusteigen. Von dort durch das Landesinnere Viñales anzusteuern, um anschließend entlang der Küste nach Havanna zu fahren. Da Gabelflüge zeitlich ungünstig oder überdurchschnittlich teuer waren, kaufte ich mir ein Hin- und Rückflugticket nach Varadero. Aufgrund der späten Landung (um 21.00 Uhr) buchte ich die erste Nacht in einem All-inklusive-Hotel mit Transfer vom Flughafen in dieses. Dadurch erhielt ich die Touristenkarte zur Einreise über das Reisebüro, anstatt diese über die kubanische Botschaft zu beschaffen.
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#323523 - 02.04.07 21:09 1. Tag: Anreise [Re: JohnyW]
JohnyW
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 7341
1. Tag: Anreise
Eppertshausen – Varadero (3 km)
Samstag, 04. November (bewölkt)

Obwohl mein Flug erst am Nachmittag ging, stellte ich mir den Wecker auf 7.00 Uhr. Neben dem Zusammenpacken der Ausrüstung stand das Aufräumen meiner Wohnung auf dem Programm. Wieder einmal hatte ich 35 Kilogramm Gepäck dabei. Ob das zuviel ist, wird die Reise zeigen. Um 10.30 Uhr war das Rad beladen und ich eierte, aufgrund der ungleichen Gewichtsverteilung die drei Kilometer zum S-Bahnhof in den nächsten Ort.
Um 12.00 Uhr erreichte ich das Terminal 2 des Frankfurter Flughafens. Es war umständlich mit dem voll beladenen Fahrrad vom Bahnhof mittels Skytrain das Terminal zu wechseln. Hierfür werden fast 20 Minuten. Vor dem Check-in wollte ich den Transport für das Rad bezahlen. Der freundliche Servicemitarbeiter empfahl mir die LTU Card zu kaufen. Diese ist recht praktisch. Mit der Karte spart man 20,- EUR für den Fahrradtransport und darf außerdem 30 Kilogramm Gepäck aufgeben. Das waren zwei hervorragende Gründe, mir diese Karte zu kaufen. Der Check-in verlief problemlos. Jetzt hatte ich gute drei Stunden Zeit, bis das Flugzeug abhob. Ich aß zu Mittag und begann das erste meiner beiden Bücher („Das verlorene Labyrinth“ von Kate Moss) zu lesen. Das Essen im Flieger war mäßig und ich hatte tatsächlich vergessen, dass bei einem Charterflug Alkohol und Kopfhörer extra kosten. Aber das war mir egal, denn ich schlafe oder lese beim Fliegen. Nach einem für mich kurzen Flug, tatsächlich waren es fast 10 Stunden, landete ich in Varadero.
Ich war gespannt auf die Einreiseprozedur mit der Touristenkarte, da ich die benötigten drei Hotelübernachtungen nicht vorweisen konnte. Es dauerte sehr lange, bis ich zum Schalter kam. Ohne Rückfrage wurde der Papierkram inklusive biometrischem Foto erledigt. Zuerst tauschte ich Geld. Die Sfr-Travellerschecks, ausgestellt von einem American Express Tochterunternehmen, wurden problemlos akzeptiert. Der Großteil des Gepäcks war bereits vom Gepäckband geladen, so dass ich sehr lange darauf wartete und es erst entdeckte, nachdem die anderen Touristen verschwunden waren. Mein privater Transfer vom Flughafen zum Hotel war nicht auffindbar. Ich konnte aber mit meinem Voucher in einem Bus mitfahren.
Im 4-Sterne-Hotel „Playa Varadero 1920“ wusste man nichts von meiner Reservierung. Zuerst wollte man mich in ein anderes Hotel schicken, aber nach Rücksprache mit dem Manager konnte ich eine Nacht bleiben, bis sich das am nächsten Tag klären würde. Zur Sicherheit wurde meine Kreditkarte belastet, mit dem dreifachen Betrag, den ich das Hotel bezahlt hatte! Nachdem das Fahrrad im Hotelzimmer verstaut und fahrtüchtig war, wollte ich um 0.30 Uhr das All-inklusive ausnutzen. Ich ging zur Poolbar, die um diese Zeit noch geöffnet hatte, und bestellte mir ein Schinkensandwich und ein Bier. Dieses wurde stillos im Plastikbecher ausgeschenkt.Nach dem ersten Schluck durfte ich mir gleich ein neues holen, weil der starke Wind den halbvollen Becher vom Tisch geweht hatte. Da ich jetzt wenigstens etwas im Magen hatte und der erste Durst gestillt war, ging ich ins Bett.
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#323650 - 03.04.07 06:17 Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: JohnyW]
ex-4158
Nicht registriert
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#323690 - 03.04.07 08:56 Re: Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: ]
JohnyW
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
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Beiträge: 7341
Hi ex-4158,

das siehst Du aber sehr pessimistisch. Manche Dinge die Du aufzählt, habe ich nicht im Vortrag erzählt (z.B. spiegelglatte Straßen). Das will ich hier im einzelnen nicht aufführen, kommt ja in den nächsten Tagen im Bericht.

Gruß
Thomas
Homepage: http://thomasontour.de
Neu 21.10.2009: 2. Bericht Projekt Hessen aus dem Jahr 2007

Geändert von Zak (21.02.08 13:16)
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#323698 - 03.04.07 09:17 Re: Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: ]
roll_b
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 773
Hallo ex-4158,
Zitat:


Ist das anderswo anders?

Zitat:


Durch Welche und wo sollte da stattfinden?

Zitat:


Kommt doch immer darauf an, wann und zu welcher Jahreszeit man/frau dieses Land bereist.

In welchen Tropischen Land ist das anders?
Oder anders rum. Ist eine Radreise bei Kälte, Regen, Sturm, Sandsturm in Island angenehmer?

In Kuba waren es, vom Klima her, immer nur angenehme Bedingungen. Selbst wenn es mal etwas mehr "geregnet" hat ...

Zitat:


Tja, wo ist das nicht so? Und wer radelt, wenn Straßen viele Zentimeter hoch überflutet sind, der ist wohl selbst schuld.

Zitat:


Ich bin dort nicht verhungert.

Zitat:


peinlich peinlich peinlich verwirrt Hat der auch erzählt wie gut oder wie schlecht die sich auf Ihr Reiseland und ihre Reise vorbereitet haben?

Zitat:


Ist das in der Dominikan. Rep. oder in anderen trop. Ländern anders?

Kommt drauf an, was man/frau "mitführen" möchte.

Zitat:


Ah ha ... verwirrt
Nun, auf meinen Reisen ist mir das noch nie passiert.

Zitat:


Gebe es zu, Du wolltest nur etwas pos. herausfordern ... um evtl. mal selbst eine Reise dorthin zu planen.
Meine Meinung ... tue es nicht, es ist viiiiiiel zu gefährlich dort! Im Landesinneren, dort wo die noch unter sich sind, hast Du noch viel mehr Probleme als die von Dir genannten. Da geht es erst richtig los mit Problemen. Radfahren wir da schier zu einem Abenteuer teuflisch Tu es Dir NICHT an! Du weißt garnicht, was da im Landesinneren so auf Dich zukommen kann! Außerdem , wie willst Du dort radeln, ohne Quellen für Ersatzteileteuflisch


hasta pronto und Liegende Grüße
Roland

Geändert von Zak (21.02.08 13:18)
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#323701 - 03.04.07 09:22 Re: Warum Kuba [Re: JohnyW]
roll_b
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 773

Hallo JohnyW.

Zitat:
Der Gedanke durch Kuba zu radeln, spukte schon lange in meinem Kopf herum. Die Insel hat fast die optimale Größe, um in vier Wochen von Ost nach West zu fahren.


peinlich Vier Wochen!
Allein "Der Westen" ist es wert, dort 4 Wochen und länger zu verbringen.

Bin mal gespannt auf den Bericht Deiner Hatz durch ein gesamtes Land.

Liegende Grüße
Roland
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#323705 - 03.04.07 09:42 Re: Warum Kuba [Re: roll_b]
JohnyW
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 7341
Hi Roland,

Zitat:
Bin mal gespannt auf den Bericht Deiner Hatz durch ein gesamtes Land


Gut das wollte ich erreichen grins Allerdings hetzte ich nicht (mache aber keine Ruhetage)

Gruß
Thomas
Homepage: http://thomasontour.de
Neu 21.10.2009: 2. Bericht Projekt Hessen aus dem Jahr 2007
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#323922 - 03.04.07 21:17 2. Tag: Touristenparadies Varadero [Re: JohnyW]
JohnyW
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 7341
2. Tag: Touristenparadies Varadero
Varadero – Holguín (25 km)
Sonntag, 05. November (diesig)

Der Wind hatte über Nacht nicht an Stärke verloren. Bevor ich mich um meine fehlgeschlagene Buchung kümmerte, ging ich erst mal frühstücken. An dem reichhaltigen Frühstücksbuffet schlug ich mir so richtig den Bauch voll. Man weiß ja nie, wann es wieder etwas zu essen gibt. An der Rezeption hatte sich alles geklärt und die Kreditkartensicherung wurde vernichtet. Am Vormittag wollte ich baden gehen und suchte den Hotelstrand auf. Dort wehte mir eine steife Brise ins Gesicht und ich sah die rote Flagge im Wind tanzen. Mein Alternativprogramm war das Kennenlernen der Hotelanlage. Diese bestand aus zahlreichen Fressbuden und Sportanlagen. Nach 20 Minuten hatte ich die komplette Anlage abgelaufen. Da ich unbedingt schwimmen wollte, begab ich mich zum schönen großen Pool des Hotels. Ich schwamm meine Runden und wollte die restliche Zeit in Ruhe lesen. Kaum schlug ich die Seiten des Buches auf ,begann das lautstarke Animations- und Entertainmentprogramm. Mit der Ruhe war es vorbei und anstatt zu lesen, beobachtete ich ein paar Gäste, die Wasserball spielten. Der Poolbereich füllte sich mehr und mehr mit Menschen, die einfach auf einer anderen Wellenlänge ticken. Ich fühlte mich irgendwie deplaziert. Ich gönnte mir noch zwei Schinkensandwichs an der Poolbar und packte anschließend meine Sachen.
Um Punkt 12.00 Uhr checkte ich aus. Ich nahm das Gepäck gleich mit, anstatt dies noch für ein paar Stunden im Hotel aufzubewahren. Auf der Autobahn „Autopista Sur“ fragte ich mich, ob dies eine gute Idee war, denn es ging voll gegen den Wind. Mein erstes Ziel die Höhle „Cueva de Ambrosio“ war nur fünf Kilometer entfernt, aber ich musste auf das kleine Kettenblatt schalten, um überhaupt vorwärts zu kommen. An der Höhle angekommen war die Ticketbude nicht besetzt. Ich kramte meine Taschenlampe heraus und gönnte mir noch eine kleine Pause, bevor ich die Höhle besichtigte. In der Höhle war es drückend warm, man merkte den fehlenden Wind. Nach wenigen Metern entdeckte ich den Führer und schloss mich der Gruppe an. Zuvor bin ich achtlos an zahlreichen Taíno-Zeichnungen vorbeigelaufen. Beeindruckender als diese Zeichnungen sind die Fledermäuse, die zu Hunderten die Höhle bewohnten. Aufgescheucht vom Licht der Taschenlampe flogen diese um einen herum. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich so viele Fledermäuse. Nach der Führung unterhielt ich mit dem Führer, um mein Spanisch ein wenig zu verbessern.
Danach kämpfte ich mich weiter gegen den Wind zum Naturreservat „Reserva Ecológica Varahicacos“. Am Eingang bot mir der Wärter ein kühles Blondes an. Weil der Wind mich bisher genervt hatte, griff ich zu. Dort gibt es einen kurzen Wanderweg durch die ursprüngliche Vegetation der Halbinsel. Der dichten Pflanzenbewuchs erinnerte mich ein wenig an das australische Buschland. Am Anfang war der Weg gut ausgeschildert. Je weiter ich vorwärts kam desto seltener stieß ich auf Hinweisschilder. Es wachsen in diesem Busch neben den Büschen sehr viele Kakteen. Der Weg wurde zum Trampelpfad und ich folgte diesem zurück zum Ausgangspunkt. Hier gibt es die Hauptattraktion zu sehen, einen riesigen Kaktusbaum. Ich hoffte, dass der Himmel aufreißen möge, um ein vernünftiges Foto machen zu können, aber das glückte mir leider nicht. Ich schaute mir noch den Strand „Playa Calaveras“ an, von dem ich allerdings enttäuscht war. Es gab dort nur ein paar lieblose Sonnenschirme als Palmenersatz. Anstatt einer Badepause fuhr ich weiter.
Jetzt ging es zurück und mit Rückenwind kam ich sehr gut voran, bis mir eine hintere Satteltasche vom Rad fiel. Ein bisschen erstaunt war ich schon, wie die mir vom Rad fallen konnte. Nachdem ich sie wieder ordnungsgemäß am Rad befestigt hatte, fuhr ich mit mehr als 30 km/h über die „Autopista Sur“ zum Busbahnhof. Es lief so gut, dass ich neun Blöcke über das Ziel hinaus schoss. Die musste ich mich wieder gegen den Wind zurückkämpfen. Am Busbahnhof kaufte ich mir die Fahrkarte für heute Abend nach Holguín. Diese kostete mich 41 Pesos Convertibles (CUC).
Kuba ist ein Land mit einer Doppelwährung. Aufgrund mangelnder Devisen wurde der US Dollar als zusätzliche Währung eingeführt. 25 Pesos Cubanos entsprachen einem US-Dollar. Durch das Embargo der Vereinigten Staaten von Amerika wurde der US Dollar knapp. Kurzerhand verbot die Regierung den US Dollar und druckte als Ersatz eine eigene Devisenwährung, den Peso Convertible (CUC). Das Umtauschverhältnis von 1:25 zum Peso Cubano ist fix. Bei der Einführung des Peso Convertible war der Wechselkurs 1:1 zum US Dollar. Im Jahr 2006 hatte 1 CUC fast genau den Wert eines EUR. Es gibt Bestrebungen den EUR auch zur offiziellen Währung zu erklären.
Im Zentrum von Varadero, das es eigentlich gar nicht gibt, kaufte ich Vorräte für die nächsten Tage. Nachdem ich meine Notration aus Cola, Brot und Gebäck beschafft hatte, traf ich einen deutschen Langzeittouristen, der mir ein paar Tipps zur Lebensmittelbeschaffung gab. Die übrige Wartezeit, immerhin noch gut fünf Stunden, nutzte ich, um mich an den Strand zu legen. In einem Restaurant stärkte ich mich für die anstehende Busfahrt von immerhin zwölf Stunden. In der Busstation las ich und wartete auf den Bus. Beim Beladen musste ich noch zusätzlich 3 CUC (ca. 3 EUR) Fahrradgebühr, die es offiziell nicht gibt, bezahlen. Das ist meine Form der Entwicklungshilfe. Als alles verladen war und der Bus losfuhr, machte ich es mir bequem und ich schlief ein wenig.
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#323980 - 03.04.07 23:33 Re: Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: ]
Kuno
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Beiträge: 392
Deine Anspielungen habe ich einem Kollegen zum Lesen gegeben. Der hat sich bald nicht mehr eingekriegt, wie auch, er verbringt jedes Jahr mindestens 4 Wochen in Kuba im Hinterland. Und dass er verhungert wiederkommt kann man beileibe (wie passend ...) nicht behaupten.
Kuno

PS: Seine mildesten Kommentare waren dazu: "Der sollte vielleicht mal selbst hinfahren und nicht nur vom Hörensagen berichten."
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#324017 - 04.04.07 08:54 Re: Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: Kuno]
borstolone
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Beiträge: 2994
Unterwegs in Deutschland

Mis bicicletteros,

mal abgesehen von den Kontroversen politischen Einstellungen zwischen Havanna und Washington D.C. ist Kuba sehr zu emfpehlen. Ich glaube ich hatte dort den schönsten Urlaub mit´m Radl überhaupt.

Und an den Heidelberger Genossen ex-4158, den ich sonst sehr schätze muss ich sagen, dass da von Sextourismus, sowohl in Havanna wie auch den Touristenhochburgen, die ich nur gestreift habe, keine Spur.

Grüsse, Jakob
Ich glaube, dass Gott uns in diese Welt gesetzt hat, um glücklich zu sein und uns des Lebens zu freuen. (Lord Robert Baden-Powell)

Geändert von Zak (21.02.08 13:21)
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#324121 - 04.04.07 16:01 Re: Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: borstolone]
Velomade
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Beiträge: 2361
In Antwort auf: borstolone

Und an den Heidelberger Genossen ex-4158, den ich sonst sehr schätze muss ich sagen, dass da von Sextourismus, sowohl in Havanna wie auch den Touristenhochburgen, die ich nur gestreift habe, keine Spur.


Wie überall im Sozialismus werden solche Dienste in dieser Art von Hotels oder auch hier angeboten. Du mußt nur nach einem 5 Sterne Haus Ausschau halten. Es ist zwar alles illegal, aber eine Hand wäscht die andere. Da drücken die Ordnungshüter schon mal ein Auge zu, wenn die Kasse stimmt. Unsereins wird allerdings selten die Gelegenheit haben, in diesen Herbergen zu nächtigen.

Bernd

Edit: Links zu den Hotels entfernt.
Bitte vorsichtig sein mit solchen Behauptungen. Ich könnte mir vorstellen, dass die verlinkten Hotels davon wenig begeistert sind und das als üble Nachrede ansehen.
atk

Geändert von Zak (21.02.08 13:22)
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#324123 - 04.04.07 16:22 Re: Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: Velomade]
borstolone
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 2994
Unterwegs in Deutschland

Als ich da war, war zumindestens in Havanna, wie auch in Varadero "kommunikationsverbot" zwischen Einheimischen und Touristen unter Gefängnisstrafe, weil die Behörden jegliche Form von Sextourismus unterbinden wollten.

Grüsse, Jakob
Ich glaube, dass Gott uns in diese Welt gesetzt hat, um glücklich zu sein und uns des Lebens zu freuen. (Lord Robert Baden-Powell)
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#324190 - 04.04.07 22:16 3. Tag: Ankunft in Kubas Osten [Re: JohnyW]
JohnyW
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 7341
3. Tag: Ankunft in Kubas Osten
Holguín – Gibara (42 km)
Montag, 06. November (bewölkt)

Kurz vor 10.00 Uhr kam der Bus endlich in Holguín an. Im Gegensatz zum Flug schlief ich recht unruhig, so dass ich etwas gerädert aus dem Bus stieg. Während ich das Fahrrad belud, umringte mich eine Menschentraube. Ehe ich mich versah hielt ich eine Visitenkarte für eine Pension in Gibara in den Händen. Das Fahrrad wurde genau inspiziert. Den Nabendynamo fanden die Kubaner das interessanteste Teil am Fahrrad, nachdem sie den Scheinwerfer, aber keinen Dynamo entdeckten. Ich verabschiedete mich von den Leuten und fuhr ins Zentrum von Holguín.
Dieses fand ich nicht auf Anhieb, aber nach einer kleinen Stadtrundfahrt kam ich dann doch zum „Parque Calixto Garcia“. Ich schob mein Rad auf den Platz, um es im Blick zu haben, während ich ein paar Fotos machte. Ein Passant wies mich darauf hin, dass Fahrräder auf dem Platz verboten sind. „Ach was“ dachte ich und zog mit der Kamera los. Wieder am Fahrrad, kam eine Straßenkehrerin auf mich zu und erzählte mir dieselbe Geschichte. Dann kam die Polizei. Okay, ich rauchte noch fertig, packte meine Trekkinghose ein und verschwand.
Genervt machte ich mich auf den Weg nach Gibara. Straßenschilder waren Mangelware. An einer Tankstelle nutzte ich die Gelegenheit, Luft in die Reifen zu pumpen. Kuba ist das erste Land, in dem man für dieses Service bezahlen muss. Sicherheitshalber fragte ich nach dem Weg. Die Aussage war so widersprüchlich, dass ich erstmals meine Position feststellte. Ich war instinktiv zweimal falsch abgebogen. Gut, dass es im Lonely Planet Stadtpläne gibt. Man sollte häufiger in den Reiseführer hineinschauen, das hilft. Nach zehn Kilometer war ich auf der richtigen Straßen und verließ Holguín.
Der Wind hatte heute nicht nachgelassen. Wieder kämpfte ich gegen den Wind. Obwohl es leicht bergab ging, kam ich überhaupt nicht vom Fleck. Ich hatte keine Ahnung, ob dies am Wind, am Wetter, an der Müdigkeit oder an mangelnder Fitness lag. Ich erreichte den Ort Floro Perez und es begann zu regnen. Ich machte spontan eine Pause und sondierte das Warenangebot der Geschäfte. Außer Rum und Zigaretten gab es dort nicht viel. Ich kaufte mir ein Packet filterlose Zigaretten für 7 Pesos (28 Cent). Was für ein Kraut! Da muss ich noch andere Zigaretten finden, die hauen einem ja dermaßen die Lunge weg. Entkräftet trat ich die letzten Kilometer nach Gibara.
Kaum war ich im Ort sprach mich Jugendliche auf deutsch an, ob ich nicht ein Zimmer bräuchte. Ich versuchte diese zu ignorieren und steuerte den Malecón an. An der befestigen Uferpromenade unterhielten wir uns ca. eine Viertelstunde. Ich machte mir dabei Gedanken, wie ich den Nachmittag verbringen könnte. Ursprünglich wollte ich noch 20 Kilometer zum Strand „Playa Caletones“ fahren, aber bei dem bewölkten regnerischen Wetter machte das keinen Sinn. Im Laufe der Unterhaltung boten die Jungs mir ein Zimmer in einer Casa Particular für 15 CUC an.
In Kuba ist es Touristen nur gestattet in lizenzierten Unterkünften zu übernachten. Zur Auswahl stehen Hotels oder Privatpensionen (Casa Particular = besonderes Haus). Die Lizenz für eine Casa Particular ist recht teuer. Auch wenn keine Touristen in einer Pension übernachten, muss ein monatlicher Betrag von bis zu 200 CUC an den Staat abgeführt werden. Der Betrag variiert von Region zu Region. In den Casa Particulares werden auch Mahlzeiten zubereitet. Die Preise für die Mahlzeiten sind teuer, aber aufgrund der fehlenden Restaurants und Lebensmitteln, vor allem in den kleineren Städten, ist hier wenigstens die Versorgung gesichert. Durch die Lizenz gibt es einen Mindeststandard, der meist aus einem privaten Bad besteht.
Ich nahm das Angebot an und bezog das Zimmer. Am Nachmittag wollte ich mir die Sehenswürdigkeiten von Gibara ansehen. Zuerst steuerte ich die Festung „El Cuartón“ an. Außer den Ziegelbögen war nicht viel zu sehen. Wenige hundert Meter weiter findet man die Festung „Fuerte Fernando VII“. Von dieser ist sogar noch weniger zu sehen, aber man hat von hier oben einen schönen Ausblick auf Gibara, den Hafen der Provinzhauptstadt Holguín. Ein Souvenirverkäufer schenkte mir eine Halskette, obwohl ich ihm klar machte, dass es von mir nichts gibt und er doch lieber die Kette behalten sollte. Anschließend ging ich ins Zentrum von Gibara. Ich lies mich durch die Straßen treiben und war überrascht, dass nahezu jedes Gebäude baufällig war. Das ist mir in Holguín nicht so extrem aufgefallen. Läuft man durch eine menschenleere Straße, sieht die verfallenen Häuser, dazu noch der Wind und der bewölkte Himmel, da kommt eine richtig morbide Stimmung auf. Ich lief weiter zum zentralen „Parque Calixto Garcia“ mit der Kirche „Iglesia de San Fulgenio“. In einem Geschäft komplettierte ich meine Vorräte.
Es gibt in Kuba zwei Arten von Geschäften. In den Bodegas erhält man Grundlebensmittel. Dort kann man mit Pesos Cubanos bezahlen. Hier werden auch die Lebensmittelrationskarten eingetauscht. In den restlichen Geschäften kann nur mit Pesos Convertibles eingekauft werden. In diesen winzigen Miniwarenhäusern werden Luxusprodukte, wie Seife, Nudeln, Kleidung und sonstige Güter des täglichen Lebens verkauft. Die Auswahl ist dort eingeschränkt und die Produkte sind sehr teuer. Ein T-Shirt gibt es für 15 CUC, ein Packung Nudeln für 1,8 CUC und Fischkonserven für 2-3 CUC.
Nach ca. zwei Stunden war ich zurück im Zimmer. Ich nutzte die Zeit, um meine Schaltung zu justieren, die doch etwas unruhig lief. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich mit lesen. Das Abendessen, Fisch mit kreolischer Soße, war recht gut. Am späten Nachmittag traf noch ein holländisches Pärchen ein. Wir unterhielten uns den ganzen Abend und tauschten Reiseerfahrungen aus.
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#324198 - 04.04.07 22:42 Re: Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: borstolone]
Falk
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Zitat:
"kommunikationsverbot"

Wie hat sich denn das ausgewirkt? Ich war zwar nur in der Gegend von Santiago, aber Kontaktverbote sind mir nicht aufgefallen. Schwierigkeiten machten nur gewisse sprachliche Eigenheiten. Das ging soweit, dass ich mich in Palma Soriano überhaupt nicht verständigen konnte. Die Polizei jedenfalls hat sich für mich überhaupt nicht interessiert, bzw. nur einmal, das lag aber an meinem seinerzeit neuen Rahmen mit einem auffallenden und freundlichen Feuerwehrfarbton. Den wollte man mir aber mehrere Male abkaufen (ich wollte ihn behalten, das habe ich bis heute nicht bereut).

Falk, SchwLAbt
Falk, SchwLAbt
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#324237 - 05.04.07 08:09 Re: Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: Falk]
borstolone
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 2994
Unterwegs in Deutschland

Hi Falk,

Falk, Du zweifest an der Richtigkeit meines Statements, ok. Aber das Kommunikationsverbot lag nicht bei Touristen sondern bei Kubanern, die Kommunikation mit Touristen aufbauten.

Grüsse, Jakob
Ich glaube, dass Gott uns in diese Welt gesetzt hat, um glücklich zu sein und uns des Lebens zu freuen. (Lord Robert Baden-Powell)
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#324242 - 05.04.07 08:45 Re: Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: borstolone]
JohnyW
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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abwesend abwesend
Beiträge: 7341
Hi,

eigentlich wollte ich auf die "Diskussion" erst am Ende antworten. Aber bevor ihr Euch streitet.

Kubaner ist es nicht erlaubt Ausländer anzusprechen. Werden sie aber vom Touristen angesprochen ist die Kommunikation kein Problem. Das wird aber nicht bestraft, denn ansonsten gäbe es bedeutend weniger Schlepper. In nicht touristischen Gegenden sind die Leute zurückhaltend (vorsichtig?). Ist der erste Kontakt hergestellt ändert sich das abrupt.

Gruß
Thomas
Homepage: http://thomasontour.de
Neu 21.10.2009: 2. Bericht Projekt Hessen aus dem Jahr 2007
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#324348 - 05.04.07 16:47 Re: Kuba, wirklich eine Perle zum Radfahren? [Re: borstolone]
Falk
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 33160
Zitat:
Du zweifest an der Richtigkeit meines Statements,

Um Himmels willen, natürlich nicht, ich war ja nicht dabei. Ich habe es nur eben anders erlebt und was ist nicht alles verboten. In Deutschland z.B. Steuerhinterziehung und AnyDVD, vielleicht auch demnächst singen in der Badewanne...

Falk, SchwLAbt
Falk, SchwLAbt
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#325212 - 10.04.07 22:37 4. Tag: Die Radreise beginnt [Re: JohnyW]
JohnyW
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
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4. Tag: Die Radreise beginnt
Gibara – Banes (83 km)
Dienstag, 07. November (sonnig/regnerisch)

Um 7.00 Uhr bestellte ich das Frühstück, da die Fähre über die Bucht von Gibara um 8.00 Uhr ablegen sollte. Das Frühstück war gut, konnte allerdings mit der Vielfalt des Hotels in Varadero nicht mithalten. Ich unterhielt mich mit den anderen wartenden Personen. Das Spanisch, das in Kuba gesprochen wird, unterscheidet sich ein wenig von dem Spanisch, das im Mutterland gesprochen wird. Ich musste mich erst an die verkürzten Wörter und die zum Teil sehr schnelle Sprechweise gewöhnen. Um 8.30 Uhr kam das Boot endlich an. Ein Bauer zeigte mir einen Skorpion im Glas, und dabei heißt es, dass es in Kuba keine gefährlichen Tiere gibt. Die schaukelnde Überfahrt dauerte fast eine halbe Stunde. Um 9.30 Uhr stand das Rad abfahrbereit auf der anderen Seite der Bucht.
Jetzt begann eigentlich erst die Tour. Die ersten Kilometer ging es auf einer verkehrsarmen Schotterstraße entlang, rechts und links nette Hütten. Die Straße war mit Hühnern und Hausschweinen gesäumt. So fuhr ich fast neun Kilometer und erreichte den Ort Frey Benito. Während ich an einer Kreuzung ich eine kleine Pause machte, wurde ich von einem älteren Kubaner auf deutsch angesprochen. Nach einer kurzen Unterhaltung über seinen Aufenthalt in der ehemaligen DDR fuhr ich weiter. Ich hatte immer noch leichten Gegenwind. Endlich kam die Sonne heraus und stach vom Himmel. Heute war es mit 42°C auf dem Rad ein paar Grad kühler als in Sri Lanka. Aber im Gegensatz zur meiner letzten Reise machte mir heute die Hitze zu schaffen. In ein bis zwei Tagen sollte ich akklimatisiert sein. Am Ortseingang von Rafael Freyre stand zur Begrüßung eine alte Dampflok. Bisher war ich recht fotofaul, aber diese musste abgelichtet werden. Endlich fand ich Wasser, mit dem ich mich abkühlen konnte. Danach ging es mir gleich besser. Eigentlich wollte ich zum Strand „Playa Esmeralda“ fahren, aber an der Kreuzung gab es nur ein Schild zu einem All-inklusive-Hotel. Nach vier Kiulometer kam plötzlich die Abzweigung zum Strand „Playa Guardalavaca“. Jetzt holte ich den Reiseführer raus. Ich hätte dem Wegweiser zum Hotel folgen sollen, um zum Strand „Playa Esmeralda“ zu gelangen. Damit war dieser Strand gestorben.
In Guardalavaca wollte ich eine längere Badepause einlegen. In einem Restaurant fragte ich einen Kellner, ob er auf mein Rad aufpassen könne, solange ich schwimmen gehe. Aber dieser musste erst seinen Manager fragen, der gerade nicht im Restaurant weilte. Also trug ich mein Rad die Treppen zum Strand hinunter und entdeckte dort ein nettes Strandrestaurant. Ich bestellte mir etwas zum Essen und fragte, ob die Besitzer das Rad im Auge behalten könnten. Als Antwort erhielt ich nur, dass Fahrräder am Strand verboten wären. Ja super, fängt das schon wieder an? Während des Essens begann es kurz zu regnen, was mich beim Schwimmen gar nicht störte. Ich wartete bis ich abgetrocknet war und die Sonne für ein paar Bilder, des wirklich sehr schönen Strandes, herauskam.
Nachdem die Fotos im Kasten waren, trug ich mein Gepäck und das Rad die Treppe hinauf. Vorbei an den Hotels fuhr ich durch den total touristischen Ort und musste anschließend eine kleine Hügelkette in Richtung Banes überwinden. Auf der Strecke gibt es kurz hinter Guardalavaca eine Abzweigung zum Museum „Museo Chorro de Maita“. Ein nachgebautes Dorf der Taíno-Indianer, die zur Zeiten von Kolumbus in der Karibik lebten. Dieser zweieinhalb Kilometer lange Abstecher machte mich fertig. Die Straße war verdammt löchrig und die letzten 400 Meter waren extrem steil. Durch den Regen war es sehr schwül, da hieß es mal wieder 50 Meter fahren, verschnaufen, 50 Meter fahren. Das Museum ist ein Nachbau von Hütten der Taíno Indianer. Mit lebensgroßen Terrakottafiguren werden Szenen des alltäglichen Lebens gut dargestellt. Nach diesem lohnenswerten Abstecher machte ich mich auf den Weg nach Banes. Bis zum Sonnenuntergang hatte ich nicht mehr viel Zeit. Ich versuchte möglichst viele Kilometer mit Tageslicht zu schaffen. Die Strecke war ziemlich wellig und mich erwischte erneut ein kurzer Regenschauer. Über diesen war ich sogar froh, da mir die Abkühlung gut tat. Vier Kilometer vor Banes war es dann Nacht.
Ich verlangsamte mein Tempo und begann mit der Suche einer Casa Particular. Mit einem Schlepper fuhr ich fünf Pensionen an, alle waren ausgebucht. Die Besitzer der Casas konnten telefonisch auch keine freie Unterkunft ausmachen. Ein Freund von dem Schlepper kannte eine illegale Unterkunft. Sie befand sich in einem Plattenbau, der von außen ziemlich marode aussah. Die kleine Wohnung war sehr schön mit antiken Möbeln eingerichtet. Das Badezimmer hatte keine Tür und eine Dusche gab es auch nicht. Zum Duschen erhitzte der Besitzer einen großen Wassereimer mit einem Tauchsieder, was ausreichend war. Das Abendessen war gut und bis 22.00 Uhr unterhielt ich mich mit dem Besitzer der Unterkunft. Er und seine Frau sind arbeitslos und versuchen mehr recht als schlecht über die Runden zu kommen. Ein Hauptkritikpunkt am Sozialismus ist für sie der fehlende Wohlstand. Mit einem monatlichen Einkommen von ca. 500 Pesos Cubanos (20 EUR), die ein Arzt verdient, kann man sich fast nichts leisten. Obwohl das kostenlose Gesundheitssystem recht gut ist, reist er mit seiner Frau einmal im Jahr nach La Habana. Denn nur dort gibt es Fachärzte, die seiner erkrankten Frau helfen können. Ein schöner, interessanter, aber anstrengender Tag ging zu Ende.
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#325518 - 11.04.07 21:23 5. Tag: Die Hitze schlägt zurück [Re: JohnyW]
JohnyW
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5. Tag: Die Hitze schlägt zurück
Banes – Rio Cabonico (86 km)
Mittwoch, 08. November (sonnig)

Der Kubaner, welcher mir die Unterkunft vermittelt hatte, erschien zum Frühstück. Weil ich mich gestern Abend für die Ureinwohner von Kuba interessierte und schenkte mir ein Buch über die Taínos. Anschließend begleitete er mich zum Museum „Museo Indocubano Bani“. Dieses öffnet um 8.00 Uhr morgens. Allerdings gibt es Führungen erst ab 9.00 Uhr. Ohne Führer schlenderte ich durch die Ausstellung und betrachtete die zum Teil recht schönen Exponate. Unter anderem gab es eine kleine Goldfigur zu sehen, eines von 20 Goldfundstücken in Kuba. So eine Figur musste damals die Goldgier der spanischen Entdecker geweckt haben.
Um 8.45 Uhr war ich back on the road und hatte auf den ersten 20 Kilometer Gegenwind. Dieser, die schlechte Straße und die Hitze machten mich fertig. An der Kreuzung nach Moa entdeckte ich eine Zuckerrohrsaftbude. Hier erfrischte ich mich mit Zuckerrohrsaft. Aus der Fünf-Minuten-Pause wurde schnell eine halbe Stunde. Aber richtig fit fühlte ich mich auch danach nicht. Auf dem Weg nach Moa, das nächste Etappenziel, war eine alte Diesellok ausgestellt. Ich quälte mich dort hin. Anstatt der Umgehungsstraße zu folgen, fuhr ich ins Zentrum, um dort essen zu gehen. Ich fand keinen Pizzastand, geschweige denn ein Restaurant. Aber ich entdeckte einen Geschäft, in dem man mit CUC bezahlen konnte. Dort kaufte ich mir kühle Getränke. Nudeln und Tomatensoße gelangten auch in die Packtaschen. Dadurch war ich ab sofort von der seltenen Gastronomie unabhängig. Der Einkauf dauerte eine halbe Stunde. Der Laden war gut gefüllt, an der Kasse wartete man ewig, weil im Vier-Augen-Prinzip die Barcode-Nummern auf der handschriftlichen Rechnung vermerkt wurden. Ja, so ist Sozialismus. Das Essen ließ ich ausfallen und im Schatten eines Baumes machte ich eine längere Pause, bis es mir etwas besser ging. So erreiche ich mein Tagesziel nicht, aber im „Lonely Planet Cycling Guide“ war ein Campingplatz vor Moa erwähnt. Dieser Campismo wurde mein neues Tagesziel. Nach zwei Stunden brach ich auf. Die 30 Kilometer sollte ich in drei Stunden schaffen. Die vielen Steigungen in der prallen Sonne taten meiner angeschlagenen Physis nicht gut. Ich war richtig fertig, sozusagen stehend k.o. Ich versuchte, die Steigungen nach Möglichkeit in einem Rutsch hochzufahren, aber meist brauchte ich ein, zwei Verschnaufpausen.
Schließlich erreichte ich um 16.30 Uhr den Campismo Rio Cabonico. An der Rezeption hieß es: Ausgebucht! Ich solle nach Moa fahren, dort gäbe es ein Hotel. Dazu hatte ich weder Kraft noch Lust. Ich fragte, ob es nicht möglich sei auf dem Parkplatz zu campieren. Um mir dies zu erlauben, musste erst der Manager gefragt werden. Eine halbe Stunde wartete ich auf diesen, aber der ließ nichts von sich hören. Ein sehr freundlicher Wachmann sprang in die Bresche. Er erlaubte es mir, vor der Rezeption zu campen, aber erst nach 20.00 Uhr. Nachdem dies geklärt war, zog ich mir meine Badehose an und nahm ein erfrischendes Bad im Fluss. Das war wirklich notwendig, um meinen überhitzten Körper abzukühlen. Kaum stieg ich aus dem Wasser, da war es auch schon dunkel. Ich gesellte mich zu den anderen Gästen des Campingplatzes. Schnell kam ich mit diesen ins Gespräch und wurde am Kreisen der Rumflasche beteiligt. Kurz nach 19.00 Uhr kam der Wachmann und führte mich ins Restaurant. Dort wurde mir ein nicht schmackhaftes Abendessen serviert. Als ich nach der Rechnung fragte, hieß es, das Essen wäre umsonst. Da es noch nicht 20.00 Uhr war, ging ich zu meinen neuen Freunden und um 21.00 Uhr war ich so todmüde, dass ich das Zelt aufbaute. Von dem Wachmann war nichts mehr zu sehen. Ich hätte ihm noch gerne etwas Geld für sein Engagement zugesteckt.
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#325821 - 12.04.07 21:45 6. Tag: Gereizt [Re: JohnyW]
JohnyW
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6. Tag: Gereizt
Rio Cabonico – Nationalpark Alexander von Humboldt (110 km)
Donnerstag, 09. November (sonnig/bewölkt)

Bei Sonnenaufgang wachte ich auf und packte meine Sachen zusammen. So kam es, dass ich schon um 6.30 Uhr auf dem Rad saß. Die ersten fünf Kilometer waren recht heftig. In dem hügeligen Gelände ging es gleich mal 100 Höhenmeter bergauf. Wenn das so weitergeht, hätte ich nach 100 Kilometer ca. 2000 Höhenmeter auf dem Buckel. Aber nach den ersten fünf Kilometer legte sich dies und die nächsten 20 Kilometer lief es richtig gut. Dann brach ich ein. Was ist denn in diesem Land los? Meine vermeintliche Rettung hieß Sagua de Tánamo. In diesem Ort sollte es laut dem „Lonely Planet Cycling Cuba“ Geschäfte geben. Ich hoffte, hier etwas zum Frühstücken zu finden. Ich fand einen Obststand und deckte mich mit Bananen ein. Allerdings gab es auch nichts anderes als Bananen oder Yuca. Auf Rückfrage sagte man mir, dass es in diesem Ort nichts zum Essen gäbe. Am Ortsausgang entdeckte ich doch noch einen Laden und stärkte mich mit belegten Brötchen, die überhaupt nicht schmeckten. Also nahm ich die 35 Kilometer nach Moa mit fast leerem Magen in Angriff.
Es ging immer noch hoch und runter, aber lange nicht mehr so extrem, wie am Anfang. Direkt am Ortseingang von Moa gab es eine Tankstelle. Jetzt war ich gespannt, was der Tipp wert war, den ich in Varadero erhielt, dass man am Besten in Tankstellen einkauft. Hier entdeckte ich das bisher umfangreichste Warenangebot. Es gab sogar Bocadillos, die in der Mikrowelle erwärmt wurden. Davon gönnte ich mir gleich mal eins. Außerdem deckte ich mich mit Rum und Cola ein. Cola ist für mich der Zaubertrank aus Asterix und Obelix. Durch die vielen Kalorien ist das der beste Energiedrink, der zusätzlich gegen Magenverstimmungen hilft. Am Liebsten trinke ich sie brühwarm ohne Kohlensäure. Für viele ist das höchstwahrscheinlich ziemlich ekelig. Aber so decke ich den Großteil meines Flüssigkeitsbedarfes. Wasser dagegen schmeckt mir nur kühl. Wenn ich nur warmes Wasser dabei habe dehydriere ich. In Zimbabwe habe ich nach drei Tagen ohne Cola festgestellt, dass ich abhängig von dieser Limonade bin. Für mich ist es schlimm keine dabei zu haben. Coca Cola bekommt man aufgrund des Embargos recht selten. Die lokale Tukola schmeckt aber sehr ähnlich. Um im Notfall kochen zu können, brauchte ich noch Benzin. An der Zapfsäule schenkte mir ein Kubaner den Sprit, nachdem ich ihm erklärte, wozu ein Radfahrer Benzin benötigt. Sprit kriegt man umsonst, Luft muss man bezahlen, ein komisches Land. Für mich war dies die beste Tankstelle in Kuba.
Die Wolken gewannen nun die Oberhand über die Sonne, was mir ausnahmsweise sehr recht war. Auf der Umgehungsstraße umfuhr ich das Zentrum von Moa und kam am Hafen vorbei. Hier sieht und spürt man den Fortschritt des Sozialismus. Die Abgase eines Chemiewerks brannten in der Lunge, so dass man nicht frei atmen konnte. Als ich dieses hinter mir ließ, kam die riesige Nickelfabrik in Sicht. Diese wäre ein schönes Fotomotiv gewesen, aber an die Schilder „Fotografieren verboten“ sollte man sich halten. Am Straßenrand häuften sich die „tollen“ sozialistischen Parolen, dem Pendant zur der westlichen Werbung. Nach 15 Kilometer ließ ich das letzte Kraftwerk hinter mir und die Landschaft wurde idyllisch. Aber idyllische Landschaften erkauft man sich meist mit den entsprechenden Höhenmetern. Jetzt gab es schöne, unbewohnte Flusstäler zu queren. Der Lonely Planet Cycling Guide weist jede bedeutende Steigung aus, aber auf diesem Teilstück wurden die zwei steilsten Steigungen einfach unterschlagen. Das kostete natürlich Zeit und nachdem ich zwei dieser schönen Flusstäler passierte, reifte der Gedanke, am nächsten zu campieren. Frischwasser ist ausreichend vorhanden und an der nahen Flussmündung kann man im Meer schwimmen. Allerdings war das nächste Flusstal besiedelt und zum Nationalpark waren es nur noch drei Kilometer.
Da man dort eventuell campen könnte, steuerte ich das Besucherzentrum an. Es wurde gerade dunkel und einige Kubaner zeigten mir, wo genau das Besucherzentrum war, denn die Schilder konnte man schon nicht mehr lesen. Ich fragte den Wärter, ob dies das Besucherzentrum sei. Erst verneinte er und sagte, dies sei kein Fahrradzentrum. Also, so schlecht ist mein Spanisch wirklich nicht. Als die Kubaner näher kamen, fragte ich diese nochmals nach dem Besucherzentrum. Sie schauten mich komisch an, da ich mich ja schon mit dem Wärter unterhielt. Ich fragte, ob ich im Besucherzentrum campen könnte. Das wäre nicht möglich, ich solle nach Baracoa fahren und mir entsprechende Papiere besorgen. Das war der Zeitpunkt an dem meine Nerven endgültig blank lagen. Halbwegs höflich erkundigte ich mich nach dem Direktor. Der wäre nicht da und wohne irgendwo drei Kilometer entfernt. Und ohne Papiere oder Zustimmung des Direktors käme ich hier nicht rein. Ich hatte noch nie so etwas Unflexibles erlebt. Gegenüber dem Eingang gab es ein kleines Stück Wiese. Dort baute ich das Zelt auf. Im Dunkeln hatte ich Probleme die neue Isomatte hart aufzupumpen. Unzählige Male rutschte mir der Pumpsack vom Ventil und die Luft entwich. Obwohl der Wärter daran nun wirklich keine Schuld hatte, warf ich ihm deutschen Flüche an den Kopf. Irgendwie war ich so richtig angefressen, was vielleicht auch daran lag, dass mir seit Moa die Zigaretten ausgegangen sind. Nach 45 Minuten war dann genug Luft in der Isomatte. Im Dunkeln hatte ich keine große Lust, mir etwas zum Essen zu machen. Nach den 110 Kilometer, von denen ich 80 auf dem Zahnfleisch fuhr, war körperlich total am Ende.
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#326601 - 16.04.07 21:47 7. Tag: Unverhoffter Badetag [Re: JohnyW]
JohnyW
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7. Tag: Unverhoffter Badetag
Nationalpark Alexander von Humboldt – Baracoa (36 km)
Freitag, 10. November (sonnig/bewölkt)

Um kurz vor 6.00 Uhr stand ich auf und packte moskitogeplagt die Ausrüstung zusammen. Eine halbe Stunde später betrat ich das Besucherzentrum. Der trottelige Wächter von gestern Abend war nicht mehr anwesend und sein Ersatz sehr hilfsbereit. Als erstes stellte ich das Rad ab und ging hinunter ans Meer. Ich schwamm morgens in der schönen, mangrovengesäumten Bucht. Ganz allein, das Meer war spiegelglatt und angenehm warm. Es war wirklich herrlich und och fühlte mich wieder sauber. Körperlich war ich noch ziemlich angeschlagen, vielleicht würde mich ein kräftiges Frühstück aufbauen. Ich hatte noch zwei von den guten Kuchen aus Varadero und etwas Brot. Ich biss herzhaft in den ersten Kuchen und der kam postwendend wieder heraus. Dieser war mittlerweile verdorben. Der zweite war genießbar, aber das Brot war hinüber. So verzehrte ich einen kleinen Kuchen mit einer Dose Sardinen.
Um 9.00 Uhr begann, nach langer Wartzeit auf den Führer, meine Wanderung. Ich entschied mich für die drei Kilometer lange Runde durch den Nationalpark. Viele Gebiete sind nur Wissenschaftlern zugänglich. Touristen steht der Park für Tagesausflüge zur Verfügung. Die Hütten im Besucherzentrum stehen Forschern zum Übernachten zur Verfügung. Ich trottete „scheintot“ hinter dem Führer her. An vielen Pflanzen hielt dieser an und er erklärte mir deren Besonderheiten, wie Kiefern mit drei anstatt zwei Nadeln oder Pflanzen in denen sich Wasser sammelt. Der Nationalpark zeichnet sich dadurch aus, dass er die Heimat für sehr viele endemische Pflanzen bildet, die teilweise nur hier oder in Kuba vorkommen. Man sieht viele Eidechsen und ab und zu entdeckt man einen Vogel. An einem Fluss machten wir 15 Minuten Pause, die ich schon herbeisehnt hatte. Das kühle Flusswasser weckte ein paar Lebensgeister in mir. Entlang des Flusses, den wir vier Mal durchqueren mussten, ging es zurück zum Ausgangspunkt. Da ich kein Barfussläufer bin, behielt ich einfach meine Schuhe an. Die werden schon wieder trocknen. Nach der letzten Furt gab es im Fluss einen tiefen natürlichen Pool und ich schwamm ein wenig. Diese Abkühlung tat mir richtig gut. Auf dem Rückweg kamen wir an einem Obststand vorbei. Ich kaufte mir ein paar grüne, kernreiche Orangen, die trotz des ungewohnten Äußeren süß schmecken. Sie halten aber dem Vergleich mit denen in Marokko nicht stand. Nach drei Stunden waren wir wieder im Besucherzentrum des Nationalparks. Da waren wir extrem schnell vorwärts gekommen. Mit zehn CUC ist der Eintritt kein Schnäppchen. Das Geld kommt nicht dem Nationalpark zu gute, sondern dient ausschließlich der Devisenbeschaffung der kubanischen Regierung.
Das nächstes Ziel war das Hotel an dem Strand „Playa Maguana“. Ich hoffte, dort endlich etwas zu essen zu bekommen. Diese Hoffnung trieb mich an. Hügel gab es mittlerweile keine mehr und die Straße führte entlang Kalkfelsen, schöner Flussläufe und wilder Strände nach Baracoa. Auf halber Strecke erreichte ich den Strand „Playa Maguana“. Dort wurde meine Hoffnung jäh zerstört, denn das Hotel war geschlossen. Eine Frau kam auf mich zu und fragte, ob ich am Strand ein Mittagessen wünsche. Ich bestellte einen Fisch. Sie versprach mir außerdem Cola, Bier und Zigaretten beschaffen zu können. Das hob meine Stimmung. Als erstes sprang ich ins Wasser und schwamm ein paar Runden. Das Wasser hatte Badewannentemperatur, also genau richtig für mich. Natürlich musste ich diesen schönen, wilden Strand fotografisch festhalten. Ich machte die Bekanntschaft mit einem deutschen Pärchen, dass mit einem Mietwagen die Insel erkundete. Nach einer Stunde wurde mir mein Mahl serviert. Der Fisch war sehr schmackhaft und lockte einen Hund an, der mich mit seinen mitleidigen Augen anstarrte, in der Hoffnung, auch etwas von dem Mahl abzukriegen. Mir schmeckte das Essen aber so gut, dass fast nichts davon übrig blieb. Die Reste, vornehmlich die Gräten, aß mir der Hund direkt aus der Hand. Ich wollte diese nicht auf den feinsandigen Strand legen und ging das Risiko ein. Dann stieg ein Harpunenfischer aus dem Meer und breitete seinen Fang am Strand aus. Ein Kubaner kaufte ihm die Languste für zehn Pesos Cubanos ab. Zuvor hat er dem deutschen Pärchen eine Languste für zehn CUC angeboten, immerhin 25 Mal so teuer.
Kurz vor 16.00 Uhr brach ich auf. Die Strecke verlief weiterhin flach zwischen den skurrilen Kalksteinfelsen und der Küste. Auf diesem Teilstück überquerte ich den Fluss Río Toa, dem drittlängsten und wasserreichsten Fluss auf Kuba. Fünf Kilometer vor Baracoa gab mir ein Mann in Uniform einen handschriftlichen Zettel mit einer Adresse einer Casa Particular. Ich traf diesen Mann wieder am Ortseingang von Baracoa. Er führte mich im Stechschritt zu der Pension und er war tatsächlich der Sohn des älteren Besitzerehepaares. Das Zimmer war nicht das schönste, hatte aber eine Klimaanlage. Meine Vermieter waren sehr freundlich, so dass ich mich entschied dort zu bleiben. Das Essen war recht gut und wir unterhielten uns den ganzen Abend. So erfuhr ich unter anderem, dass Kubaner jährlich einen zweimonatigen Militärdienst absolvieren müssen. In Baracoa wird die gute kubanische Schokolade produziert, die hier probieren konnte.
Aufgrund meiner schlechten körperlichen Verfassung brauchte ich heute einfach viel zu viele Erholungspausen. Daher musste ich heute die vierstündige Besteigung des Tafelfelsen El Yunque streichen. Das war der erste Höhepunkt der Reise, den ich verpasste. Wirklich schade.
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#326701 - 17.04.07 10:24 Re: 7. Tag: Unverhoffter Badetag [Re: JohnyW]
Dietmar
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In Antwort auf: JohnyW
... nach langer Wartzeit auf den Führer ...
grins
Heute abend 20:45 Uhr auf arte: "Fidel Castro - eine Ära geht zu Ende"
Gruß Dietmar, mit Spannung auf die Fortsetzungen wartend
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#326858 - 17.04.07 20:43 8. Tag: La Farola [Re: JohnyW]
JohnyW
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8. Tag: La Farola
Baracoa – Cajobabo (55 km)
Samstag, 11. November (sonnig/Regen/sonnig)

Direkt nach dem Frühstück begann ich mit der Besichtung der kleinen netten Stadt Baracoa. Ich dachte, dass die Unterkunft weit weg vom Zentrum liegt, aber ich stellte schnell fest, dass sich diese mitten im Zentrum befindet. Mein erstes Ziel war eher zufällig das „Centro de Veteranos“. Der Eintritt war kostenlos und es gab ein paar interessante Fotografien von der Revolution zu sehen. Als nächstes steuerte ich die Kathedrale „Catedral de Nuestra Señora de la Asunción“ an. Mich interessierte das Holzkreuz, dass angeblich Christoph Kolumbus aus Europa mitgebrachte. Die Kirche war verschlossen. Ich schlenderte durch die Gassen und zog ein wenig vom Flair der Stadt in mich auf. Im Gegensatz zu Gibara fand ich es angenehm, dass doch einige Gebäude restauriert wurden und prachtvoll aussahen. Dennoch sind viele Gebäude in einem sehr erbärmlichen Zustand. Am Malecón wurde sehr viel Wohnraum in Form von Plattenbauten für die Kubaner geschaffen. Die salzhaltige Luft greift die Gebäude sichtlich an, so dass sie für Ihr Alter von maximal 40 Jahren nicht sehr einladend wirkten. Entlang des Malecón gelangte ich zur Festung „Fuerte de la Punta“. Von dieser hatte ich insgesamt mehr erwartet, aber es sind nur ein paar Mauern zu sehen. Interessanter war da schon das Wrack, das in der Bucht von Baracoa, so langsam vor sich hin rottet. Über die Bucht, in der sich kleine Fischerboote tummelten, hat man einen sehr schönen Blick auf den 569 Meter hohen Felsen „El Yunque“. Dessen Besteigung wäre bestimmt gut gewesen. Als letzte touristische Attraktion stand die Festung „Fuerte Matachín“ am anderen Ende der Stadt auf dem Programm. Eine kleine Festung, die wenigstens wie eine Festung aussah. Weil ich schon mal da war, besuchte ich das städtische Museum, das halbwegs interessant war. Auf dem Rückweg zu der Unterkunft kam der erste Regenschauer. Wegen der zentrale Lage erreichte ich diese ohne besonders nass zu werden.
Als ich das Rad beladen wollte, stellte der Sohn des Besitzers fest, dass mein Vorderreifen platt war. Okay, dann wechseln wir kurz den Schlauch. Ich hatte ja drei Ersatzschläuche mit. Er baute das Vorderrad aus, und ich begann meine Luftpumpe zu suchen. Eigentlich kein Problem, da ich seit Jahren das gleiche Packsystem verwende. Aber ich fand sie nicht. Hatte ich die doch woanders hingepackt? Nervös begann ich alle Taschen auszupacken. Meine Vermieter beäugten neugierig, was der Radreisende so alles in seinen Taschen transportiert. Aber die Luftpumpe war nicht zu finden. Jetzt rauchte ich eine Zigarette und begann nachzudenken. In Varadero hatte ich die Pumpe im Hotelzimmer zum letzten Mal benutzt, dieses Zimmer hatte ich genau durchsucht, ob ich etwas liegengelassen hatte. Also nochmals die Tüten mit dem Werkzeug untersucht und da kam die verdammte Pumpe zum Vorschein. In einer Tüte hatte die noch nie was zu suchen! Aber mir fiel ein Stein vom Herzen. Mir reichte die Erfahrung von Griechenland, als mir meine Pumpe gestohlen wurde. Der Sohn wechselte den Schlauch und pumpte meinen Vorderreifen auf. Er kam richtig ins Schwitzen, als ich im erklärte, dass da mindestens dreieinhalb bar rein müssten. Ich packte derweil mein Gepäck zusammen. Beim Beladen stellte ich fest, dass der Helfer das Dynamokabel herausgerissen hat und die Vorderradbremse total verstellt war. Trotz meiner begrenzten technischen Fähigkeiten gelang mir die Reparatur . Die Lösung war nicht optimal, aber funktionierte.
Eine Stunde später als geplant nahm ich die Gebirgsstrecke „La Farola“ in Angriff, deren Passhöhe sich immerhin auf 525 Meter befindet. Nach einer längeren ebenen Strecke ging es endlich nach oben. Um 11.30 Uhr begann es zu regnen. Ich rechnete mit einem halbstündigen, tropischen Regenschauer und war sogar froh über den Regen. Nach einer halben Stunde regnete es aber immer noch. Jetzt störte mich der Regen. Da fährt man durch herrliche Gebirgslandschaften und sieht nichts. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ ist ein wirklich blöder Spruch. Unterwegs entdeckte ich ein paar Holzgefährte, mit denen die Jugendlichen auf Kugellagern, die Hänge hinuntersausen. Heute hatte anscheinend niemand Lust dazu. Um 12.30 Uhr schüttete es mehr denn je. Ich gab die Hoffnung auf eine vernünftige Aussicht auf. Körperlich hatte ich heute keinerlei Probleme, sicherlich trugen die kühlen Temperaturen durch den Regen dazu bei. Ich empfinde es mental viel angenehmer einen Berg zu erklimmen, anstatt das häufige Auf und Ab der letzten Tage. Um 12.45 Uhr hörte es endlich auf zu regnen. Dann erreichte ich die Passhöhe und steuerte direkt das kleine Café an. Außer lauwarmen Kaffee, der fast nichts kostete, gab es nichts zu kaufen. Ich wartete dort oben über eine halbe Stunde, aber die Wolken gaben die Aussicht nicht frei. Etwas frustriert setze ich den Helm auf, denn die Abfahrt auf den nassen, rutschigen Betonplatten könnte gefährlich werden. Ich hatte keine Hektik und bremste mich langsam den Berg hinunter.
Immer wieder waren Straßenverkäufer zu sehen, die regionale Spezialitäten verkauften. Zum einen Schokolade, die aber bei Hitze irgendwann zu unförmigen Klumpen wird. Zum anderen Dulce de Coco. In einem Palmenblatt, dass wie eine Eiswaffel gefaltet wird, befindet eine wohlschmeckende sehr süße Kokosnusspaste. Ich kaufte ein Dulce de Coco. Während der Abfahrt kam mehr und mehr die Sonne heraus und ich konnte die Aussicht doch noch genießen.
In Cajobabo musste ich mich entscheiden, ob ich weiterfahre oder versuche hier zu übernachten. Obwohl mir es heute zum ersten Mal richtig gut ging, brach ich hier ab. In einem Geschäft versuchte ich Getränke zu kaufen. Das scheiterte daran, dass ich keine Pesos Cubanos hatte. Ein Passant tauschte mir einen CUC zu 20 Pesos und behielt sich fünf Pesos Cubanos Kommission. Aber ich war froh, mir wieder eine Cola kaufen zu können. Der Campismo direkt am Strand, akzeptierte keine Ausländer. Aber der Wärter erlaubte es mir am nahegelegenen Strand zu zelten. Ich hatte nur noch eine Stunde Sonnenlicht, und in dieser muss alles Hand in Hand gehen. Eine schöne Stelle zum Campen gefunden, das Zelt aufgebaut, den Kocher vorgeheizt, die Isomatte aufgepumpt und Nudeln aufsetzt. Während die Nudeln vor sich hinkochten, badete ich kurz im Meer. Mein Abendessen, den Klassiker Nudeln mit Tomatensoße, konnte ich noch bei Tageslicht verzehren. Anschließend genoss ich den malerischen Sonnenuntergang. Jetzt war ich wirklich im Urlaub angekommen.
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#327207 - 18.04.07 22:51 9. Tag: Bier zum Frühstück [Re: JohnyW]
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9. Tag: Bier zum Frühstück
Cajobabo – Guantánamo (101 km)
Sonntag, 12. November (sonnig)

Kurz nach Sonnenaufgang packte ich zusammen. So nett der Strand auch war, in meinem Gepäck hat sich bestimmt ein halbes Kilogramm Sand angesammelt. Die nächste Ortschaft war das 20 Kilometer entfernte Imías. Dort wollte ich mir etwas zum Frühstücken besorgen. An der Südküste war die Landschaft deutlich trockener, als an der Ostküste. Gesäumt von Kakteen verlief die Strecke flach entlang der Küste. Rechter Hand erhoben sich Berge und das alles bei strahlendem Sonnenschein. Drei Kilometer vor Imías gab es ein kleines Strandrestaurant. Der Hunger entschied, da zumindest mal vorbei zu schauen. Ich fragte, ob es hier etwas zu essen gäbe. Man könnte mir frittiertes Hähnchen mit frittierten Bananen in 20 Minuten zubereiten. Ich überlegte kurz und gab die Bestellung auf. Ich wollte auch noch etwas Kühles dazu trinken. Hier war von Auswahl keine Rede, es gab nur Bier. Im Nachhinein war mir das sogar lieber als ein normales Frühstück. Die Innenstadt von Imías war für den Verkehr gesperrt, da das Zentrum als Festplatz mit zahlreichen Buden und Kinderkarussells hergerichtet war. Ich konnte ja nicht wissen, dass ich hier an den Buden morgens um 9.00 Uhr etwas zum Essen bekommen konnte. So füllte ich nur meinen Getränkevorrat auf.
Nach Imías war die Strecke entlang der Küste recht interessant. Teilweise ging es schnurgeradeaus, links eine Felsküste mit glasklarem Wasser, rechts der Kakteenbewuchs. Die Luftfeuchtigkeit war hier deutlich geringer als in Baracoa, aber dafür zeigte das Thermometer 44°C während des Fahrens in der Sonne an. Es gab zwei weitere Strandrestaurants entlang der Küste, die ich kurz aufsuchte, um mal zehn Minuten im Schatten auszuruhen. Dann verließ die Straße die Küste und führte durch das Inland zur Provinzhauptstadt Guantánamo.
Aufgrund der US-amerikanischen Militärbasis ist eine Weiterfahrt entlang der Küste nicht möglich. Die Militärbasis ist ein Überbleibsel aus dem Unabhängigkeitskampf von Kuba. 1898 explodierte das Kriegsschiff Maine in der Bucht von Havanna und die Vereinigten Staaten erklärten den Spaniern den Krieg. In der Bucht von Guantánamo errichteten die Amerikaner einen Flottenstützpunkt. Nach erfolgreichen Kriegsende erlangte Kuba die formale Unabhängigkeit, im Gegensatz zu Guam, Puerto Rico und den Philippinen. Kuba blieb zunächst unter US Besatzung und pachte 120 km² Land für jährlich 4085 USD. Kuba löste bis heute aus Protest den Scheck nie ein.
Einen bleibenden Eindruck hat das letzte Stück bis Guantánamo nicht hinterlassen. Um 16.30 Uhr erreichte ich die Stadt und begab mich auf Zimmersuche. Die Zeit bis zum Sonnenuntergang sollte noch für die Stadtbesichtigung reichen. Dann sprach mich Josu, ein spanischer Radreisender, an. Wir unterhielten uns ein wenig und ich zog in dieselbe Casa Particular wie Josu. Gemeinsam gingen wir in ein Paladar, ein Privatrestaurant mit maximal drei Tischen, essen. Während des sehr guten Essens unterhielten wir uns über unsere bisherige Reiseroute. Seit Holguín war diese identisch. Da es in dem Paladar keine Getränke zu kaufen gab, besorgte sich Josu einen Sojajogurt und ich mir ein Bier. Danach saßen wir am „Parque Martí“, dem zentralen Platz, und setzten unsere Unterhaltung fort. Auf dem Platz gaben verschiedene Musikgruppen, die immer dieselben Lieder zum Besten gaben. Wir genossen die Stimmung und nachdem die letzte Gruppe ihre Musikdarbietung eingestellt hatte, gingen wir ebenfalls nach Hause. Ich wechselte zum selbstgemixten Cuba Libre und wir quatschten noch bis spät in die Nacht. Mindestens bis Santiago wollten wir gemeinsam fahren.
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#327483 - 19.04.07 22:01 10. Tag: Nicht mehr alleine [Re: JohnyW]
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10. Tag: Nicht mehr alleine
Guantánamo – Santiago de Cuba (92 km)
Montag, 13. November (sonnig)

Um 6.00 Uhr, das war Josus Vorschlag, der auch mir recht war, gab das bisher beste Frühstück in ganz Kuba. Der höhere Preis von dreieinhalb CUC war gerechtfertigt. Ich wollte die Sehenswürdigkeiten von Guantanamo fotografieren, bevor wir uns auf den Weg machten. Die Stadt ist recht überschaubar. Fast alle interessanten Gebäude befinden sich in der Nähe des „Parque Martí“. Beim Verlassen der Stadt besichtigten wir das Denkmal „Monumento de Heroes“.
Nachdem ich meine Bilder im Kasten hatte, gelangten wir ruckzuck auf eine sehr verkehrsarme Autobahn. Anstatt Werbeplakate gab es sozialistische Parolen zu lesen. Wir konnten ohne Probleme nebeneinander fahren, denn die Autobahn war sehr breit und es gab weniger Verkehr als auf einer normalen Landstraße. Uns kam eine größere Rennradgruppe entgegen. Ich hätte nicht vermutet, dass es kubanische Rennradfahrer gibt. Ein kubanischer Rennradfahrer, der nicht zu der Rennradgruppe gehörte, schloss auf uns auf. Francisco gewährte uns einen Einblick in die kubanische Rennradszene. Er ist ein Amateurrennradfahrer, der früher bei der Kubarundfahrt mitgefahren ist und heute bei deren Organisation mithilft. Den Großteil der Kommunikation übernahm Josu. Ich war eher der stille Zuhörer, aber ich verstand alles. Wir gewannen einen Einblick in das kubanische Leben und erfuhren eine Menge über den Radsport in Kuba, dessen größtes Problem, die Beschaffung von Rädern und deren Ersatzteilen ist. Nach gut 25 Kilometer war die Autobahn leider zuende. Die Straße war weiterhin von guter Qualität. Ich musste meine Mitradler ab und zu mal bremsen, um das eine oder andere Foto zu schießen. Bei einer Pause luden wir Francisco zu einer kühlen Limonade ein. Er revanchierte sich später, in dem er uns unbekannte Früchte an einem Obststand probieren ließ. Nach 30 Kilometer trennte sich Francisco von uns und wir fuhren alleine weiter.
Im Dorf Yerba wollten wir uns etwas zum Essen kaufen. Josu fragte nach einer Möglichkeit, aber es gab mal wieder nichts. Ich versuchte derweil Getränke zu kaufen. Der Verkäufer wollte einfach nichts verkaufen. Ich wartete zehn Minuten bis ich an der Reihe war. In diesem Moment kam frische Ware und die Kasse musste abgestimmt werden. Nach weiteren zehn Minuten gab ich auf. Wir machten noch eine kurze Pause. Josu ist ein ganz anderer Typ Mensch als ich. Er spricht einfach jeden an. In der Pause, unterhielt er sich mit einem ehemaligen Boxer und zwei jungen Sozialarbeiterinnen. Als wir aufbrachen, sah ich wie Ladenverkäufer seine Bude verschloss, obwohl noch fünf Kunden etwas kaufen wollten. Das ist also der real existierende Sozialismus, den ich erleben wollte.
In der Sonne zeigte mein Thermometer 49°C an. Im nächsten Ort La Maya versuchten wir etwas zum Essen zu bekommen. Ich hatte heute wahnsinnigen Appetit auf Pizza. In La Maya gab es eine Filiale der Restaurantkette „El Rapido“. Hier schlugen wir uns den Bauch mit Pizzen voll. Nach einer längeren Pause nahmen wir die letzten Kilometer nach Santiago in Angriff. Es ging zum größten Teil bergab und wir passierten den wahrscheinlich einzigen Tunnel auf Kuba. Die letzten 15 Kilometer waren die angenehmsten. Auf einer Autobahn, diesmal mit moderatem Verkehr, konnten wir fast ohne zu treten bis ins Zentrum von Santiago de Cuba rollen.
Ich überließ Josu die Zimmersuche, da er ein geringeres Budget als ich hatte. Die erste Casa Particular war ausgebucht und die zweite fand Juso in Ordnung und mit 25 CUC inkl. Frühstück und Abendessen auch im finanziellen Rahmen. Also nahmen wir diese. Die Casa Particular hatte nur einen entscheidenden Nachteil, sie befand sich im dritten Stock. Das Treppenhaus war so eng, dass man mit dem Rad fast nicht hochkam. Nachdem ich mein komplettes Gepäck oben hatte, beschloss ich, in Kuba kein Zimmer mehr zu nehmen, welches sich im dritten Stock befindet.
Abends unterhielten wir uns mit Tanja, der Besitzerin der Pension über das schwere Leben in Kuba. Josu machte nebenbei das Entertainmentprogramm für die Kinder des Hauses. An diesem Abend kristallisierte sich heraus, dass sich unsere Wege wieder trennen werden. Josu blieb zwei Nächte, ich dagegen drei, obwohl wir fast identische Routen hatten. Ich wollte am nächsten Tag unbedingt den Gran Piedra bezwingen, aber Josu war dafür nicht zu begeistern. Er entschied sich für die Stadt zu besichtigen und wollte am darauffolgenden Tag entlang der Südküste nach Niquero fahren. Sehr zum Unwillen von Tanja bestellte ich das Frühstück auf 6.00 Uhr. Auf dem Balkon ließen Juso und ich den Abend ausklingen.
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#327484 - 19.04.07 22:02 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: JohnyW]
JohnyW
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11. Tag: Ein perfekter Tag
Santiago de Cuba – Gran Piedra – Santiago de Cuba (102 km)
Dienstag, 14. November (sonnig)

Um kurz vor 7.00 Uhr saß ich schon im Sattel. Ohne Gepäck ging ich die ersten zehn Kilometer recht sportlich an. Als die Strecke hügeliger wurde, reduzierte ich ein wenig das Tempo, denn ich werde meine Kräfte heute noch brauchen. Ab Kilometer 16 begann die Steigung zum ersten Ziel am heutigen Tage. Gran Piedra, der 1234 Meter hohe Aussichtsberg von Santiago de Cuba. Jetzt ging es zehn Kilometer nur noch steil bzw. sehr steil nach oben. Die durchschnittliche Steigung müsste elf Prozent betragen. Der Asphalt war winterfest, das heißt er war extrem rau. Eigentlich fahre ich auf Asphalt alles. Ich war doch etwas überrascht, dass ich einmal 50 Meter weit schieben musste. Auf diesem Teilstück zeigte mein Radcomputer 30 Prozent Steigung an. An einem Bach füllte ich meine Wasserflaschen auf. Es war fahrlässig mit leeren Wasserflaschen loszufahren, aber das Problem war jetzt gelöst. Die letzten fünf Kilometer waren sehr schwer, aber ich musste weiter, denn ab 10.00 Uhr ziehen gewöhnlich Wolken auf. Ich wollte die Aussicht von dort oben genießen und die ersten Wolken waren schon im Anmarsch. Ab und zu gab es flache Passagen, an denen ich meine Kräfte sammeln konnte und dann erreichte den Parkplatz. Die letzten 100 Höhenmeter zum Gipfel muss man zu Fuß erklimmen. Für den Wanderweg mit 454 Stufen darf man einen CUC Gebühr bezahlen. Mit 45 Minuten Verspätung, ich wollte ja um 10.00 Uhr oben sein, erreichte ich den Gipfel. Dort vesperte ich und genoss die Aussicht. Mit den Wolken hatte ich am heutigen Tage Glück. Beim Abstieg nahm ich den Wanderweg und dessen Vegetation wahr. Im Restaurant bestellte ich einen Teller Spaghetti, total touristisch, denn Nudeln können sich Kubaner nicht leisten.
Wer denkt, dass ich jetzt eine tolle Abfahrt vor mir hatte, ist auf dem Holzweg. Man benötigt 100%iges Vertrauen in seine Bremsen. Außerdem spürt man den rauen Asphalt und die Strecke ist auch nicht schlaglochfrei. Als ich die zehn Kilometer geschafft hatte, konnten sich meine Arme wieder erholen und die Beine auf der flachen Strecke so richtig Gas geben.
Ich wollte mir als nächstes das Revolutionsmuseum des Bauernhofes „Granjita Siboney“ ansehen, war aber nicht enttäuscht, dass dieses wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. Durch das Tal der Vorgeschichte „Valle de la Prehistória“ führt eine Parallelstraße. In diesem Tal haben Gefangene lebensgroße Dinosaurier aus Beton modelliert. Ich fand das sehr interessant, vor allem wie winzig klein ein Mensch gegen diese Urzeitriesen ist. Ein afrikanischer Elefant ist dagegen ein wirklich unbedeutendes Tier. Im Café wurde ich zum Dominospielen eingeladen. Die Regeln habe ich nicht ganz verstanden, es hat aber trotzdem Spaß gemacht. Insgesamt war dieser kleine Ausflug gelungen und hat mich positiv überrascht.
Wenige Kilometer später erreichte ich das Museum „Museo Nacional de Transportes“. Hier sind einige alte Fahrzeuge ausgestellt, die nett anzusehen sind. Am meisten beeindruckten mich die Kuriositäten, wie das Miniauto oder der Strandbuggy, das erste Touristenfahrzeug auf Kuba. Es ist eine Schande, dass die Autos hier zwar ausgestellt sind, aber sich niemand gegen deren Verfall kümmert. Das Dach, unter dem die Autos stehen, lieben Vögel, die wiederum die Autos vollkacken. Es fühlt sich anscheinend niemand dafür verantwortlich, den Kot von den Autos zu entfernen. Außerdem gab es einen Schauraum, in dem Spielzeugautos chronologisch nach Jahreszahl ausgestellt wurden. Eine einfache Idee, die durch die Anordnung und Vielzahl der Autos, einen guten Überblick über die Entwicklung des Automobils vermittelt.
Auf dem Rückweg nach Santiago, den Gran Piedra immer zur Rechten, machte ich einen kleinen Abstecher zum Strand „Playa Siboney“. Dieser und die Stimmung am Strand hatten mir nicht gefallen und nach einer Zigarette fuhr ich weiter. Schließlich erreichte ich den letzten Höhepunkt des heutigen Tages, die Festung „Castillo de San Pedro del Morro“, ein Unesco Weltkulturerbe. Ich stiefelte durch jeden Raum, sah mir die Ausstellungsstücke an, aber das Beste war der Ausblick mit dem Kontrast zwischen Festungsmauern und Landschaft. Dazu hatte ich gutes Licht zum Fotografieren. So blieb ich dort fast eine Stunde und jagte einen Film durch. Die Aussicht auf die Bucht von Santiago, die Küste sowie den Gran Piedra war wirklich toll. Unterhalb der Festung genoss ich noch den Sonnenuntergang.
Jetzt musste ich mich sputen, die 15 Kilometer zurück nach Santiago noch in der Dämmerung zu schaffen. Am Anfang war die Tourismusstraße „Carretera Turística“ sehr interessant. Entlang der Bucht ging es hoch und runter. Nach sieben Kilometer holte mich die Nacht ein, aber ich verpasste nichts, da die „Carretera Turística“ mitten durch ein Industriegebiet führte. Ein paar mal fragte ich nach dem Weg und an einer Tankstelle kaufte ich für den Abend ein. Aber es gab keine Cola. Ich nahm an, dass ich diese problemlos in der Altstadt kaufen könnte. Dort fand ich aber keinen Laden, wurde aber laufend angesprochen, ob ich ein Zimmer oder Restaurant suche. Ein älterer Herr kriegte das mit und fragte mich, was ich denn suche. Er gab Wegbeschreibungen zu Geschäften in denen ich Cola kaufen konnte. Das zweite hatte tatsächlich geöffnet. Ich blieb immer in der Tür stehen, um auf mein nicht abgeschlossenes Rad aufzupassen und wartete bis ich bedient wurde. Die Schlange war aber recht lang. Ein Kunde fragte mich, ob er auf mein Rad aufpassen solle, solange ich einkaufe. Das fand ich sehr zuvorkommend. Er wollte nicht einmal etwas dafür haben, obwohl ich ihm Geld angeboten hatte.
Jetzt stand nur noch die größte Herausforderung des Tages auf dem Programm. Das Rad in den verdammten 3. Stock zu tragen. Nach dieser Schwerstarbeit gönnte ich mir erst mal ein Bier, dann kam auch schon Josu. Wir tauschten unsere Tageserlebnisse aus und unterhielten uns über die vergangene Fußball-WM. Josu bestellte das Frühstück für morgen um 6.00 Uhr, wieder zum Unwillen von Tanja. Das war ein perfekter Tag.
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#332256 - 08.05.07 12:29 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: JohnyW]
Silberkarausche
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Und wie geht's weiter?
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#332904 - 09.05.07 22:48 12. Tag: Kultur pur [Re: JohnyW]
JohnyW
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12. Tag: Kultur pur
Santiago de Cuba – El Cobre – Santiago de Cuba
Mittwoch, 15. November (sonnig)

Nach dem Frühstück verließ ich mit Josu die Casa. An der Moncada-Kaserne verabschiedeten wir uns. Er fuhr nach Niquero. Ich wollte am Vormittag die Kathedrale von El Cobre ansehen und am Nachmittag Santiago erkunden. Ich dachte, dass ich Josu eventuell nochmals wiedersehen würde, denn obwohl er weniger Gepäck dabei hatte, fuhr ich etwas schneller als er. Aber das würde sich noch zeigen. Die Strecke nach El Cobre war leicht. Es galt ein paar kleine Hügel zu überwinden und schon war ich dort.
Die Kathedrale „Basílica de Nuestra Señora del Cobre“ thront über dem kleinen Ort. Man folgt den zahlreichen Verkaufsständen mit christlichen Devotionalien, um direkt zur Kirche zu gelangen. Das Anziehen einer langen Hose und eines Sweatshirts hätte ich mir sparen können, denn kaum war ich in der Kathedrale, betrat ein anderer Radler im grellbuntem Radlerdress die Kirche. Auch die männlichen Kubaner hatten keine Scheu, die Kirche in kurzen Hosen zu betreten. Wirklich interessant waren eigentlich nur die zwei Schreine mit den Votivgaben, zum Dank für Wunder, für die die Jungfrau Maria verantwortlich sei. Die Kathedrale sieht recht hübsch aus, aber man muss sie nicht unbedingt gesehen haben. Ich gönnte mir zum Abschluss der Besichtigung eine Kokosnuss. Es ist ein Fehler nicht vorher nach dem Preis zu fragen. 1 CUC durfte ich für die magere Kokosnuss bezahlen. Total überteuert, aber ich hatte keine Lust lange rumzudiskutieren. So zahlte ich recht mürrisch.
Zurück in Santiago entschied ich spontan den Friedhof „Santa Ifigenia“ zu besichtigen. Um an keinem der interessanten und sehr schönen Gräber achtlos vorbeizulaufen, nahm ich mir einen Führer. Nachdem mir die prachtvollen Gräber gezeigt wurden, ging es zur Hauptattraktion, dem Grab von José Martí. Der Journalist und Schriftsteller war die herausragende Figur der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung. Jedes Detail des Mausoleums hat eine Bedeutung. Die halbstündliche Wachablösung an seinem Grab zählt ebenfalls zu den Attraktionen des Friedhofes. Ich fotografierte noch ein wenig und fuhr zurück zur Pension.
Um 13.00 Uhr begann ich mit der Besichtung von Santiago. Mein erstes Ziel war die Cadeca Filiale, um Geld zu wechseln. Cadeca Filialen sind staatliche Wechselstuben. Hier kann problemlos Geld bzw. Travellerschecks getauscht werden. In größeren Städten haben diese Filiale auch sonntags geöffnet. Kubaner können hier auch Pesos Cubanos in Pesos Convertibles tauschen, um sich die Waren zu kaufen, die nur in der Devisenwährung erhältlich sind. Ausländer haben eine eigene Warteschlange, so dass die Abwicklung recht zügig erfolgt. Danach klapperte ich die Sehenswürdigkeiten der Stadt ab. Ich passierte, den in der Mittagshitze menschenleeren Platz „Plaza de Martí“, um zur Moncada-Kaserne zu gelangen. Hier begann am 26. Juli 1953 die Revolution. Der Putsch einiger Rebellen, unter ihnen Fidel und Raul Castro, gegen den Diktator Batista endete mit einer Niederlage. Die Gebrüder Castro wurden gefangen genommen und inhaftiert. Der Bergriff „Bewegung des 26. Juli“ ist heute ein Synonym für die Revolution. Die Kaserne besichtigte ich nur von außen und ließ das angeschlossene Revolutionsmuseum aus.
Ich suchte mir einen Weg über kleine Nebenstraßen in das historische Zentrum von Santiago. In der Altstadt fand ich zum ersten Mal eine richtige Einkaufsstraße. Aber Einkaufen stand nicht auf dem Programm. Ich schlenderte statt dessen lieber über den schattigen Platz „Plaza Dolores“. Dieser Platz ist gesäumt von vielen Bars und Restaurants und sicherlich die erste Adresse, wenn man abends ein Lokal sucht.
Ich gelangte zum sehr schönen „Palacio Provincial“, dem Sitz der Provinzregierung. Im Museum „Municipal Ernesto Barcadí“ dreht sich nichts um Rum, sondern hier werden Kunstgegenstände und viele Gemälde ausgestellt. Für den doppelten Eintrittspreis, durfte man durfte drei Ausstellungsstücke ablichten. Was für ein Nepp! Das Museum war nicht ganz mein Fall, obwohl interessante Gegenstände und schöne Gemälde ausgestellt wurden. Vor dem Museum spielte eine Musikcombo Son (kubanische Musik). Kuba, wie man es sich vorstellt.
Das Karnevalmuseum, dem ich anschließend einen Besuch abstattete, fand ich sehr interessant. Man gewinnt einen Einblick in die karibische Karnevalskultur und spürt förmlich die Freude der Menschen, bei solch einer Veranstaltung. Da ich mir jeden Abend einen selbstgemixten Cuba Libre gönne, durfte ein Besuch im Rummuseum natürlich nicht fehlen. Endlich mal keine Fotografiergebühr! Eine individuelle deutsche Führung. sowie eine Kostprobe eines vernünftigen Rums rundeten den Besuch ab. Ich notierte mir die Marke des Rums „Ron Anejo de Santiago“, denn ich musste mir ja ein Souvenir aus Kuba mitbringen. Mit den Kenntnissen der Rumherstellung im Kopf machte eine Pause. In einem netten Café trank ich ein Malzbier, für mich der kubanische Energiedrink.
Durch kleine Nebenstraßen, in denen man den einen oder anderen Oldtimer sieht, schlenderte ich zum Platz „Parque Céspedes“, mit der dominierenden Kathedrale „Catedral de Nuestra Señora de la Asunción“. Ich betrachtete die schön restaurierten Gebäude am Platz. Unter anderem das Rathaus „Ayuntamiento“, von dem am 1. Januar 1959 Fidel Castro den Erfolg der kubanischen Revolution verkündete. Hier sieht man die ganze Pracht der Kolonialbauten. Geht man allerdings zwei Blöcke weiter, entdeckt man extrem baufällige Gebäude. Ein ziemlich starker Kontrast. Ich wendete mich aber weiterhin den schönen Gebäuden zu und besichtigte das sehenswerte „Casa de Velázquez“. Das älteste Gebäude auf Kuba, vermittelt einen guten Eindruck, wie die spanischen Herren in der Neuen Welt lebten. Diese alten Kolonialbauten hatten mir schon in Santo Domingo (Dominikanische Republik) recht gut gefallen. Am Parque Céspedes, dem touristischen Zentrums von Santiago, kann man sich ein Oldtimer-Taxis oder ein Coco-Taxi nehmen, um auf diese Art die Stadt zu erkunden. Aber ich lief lieber und fotografierte die hübschen Fahrzeuge.
So langsam bekam ich Hunger und mit dem Stadtplan des Lonely Planets steuerte ich die nächste Pizzeria an. Für ein paar Pesos Cubanos stillte ich meinen Hunger und suchte den Balkon „Velázquez“ auf. Von dort hat man eine gute Sicht auf die Bucht von Santiago. Allerdings kämpfte ich am späten Nachmittag mit dem Gegenlicht. Jetzt stand nur noch eine Sehenswürdigkeit auf dem Programm, das Museum „Museo de la Lucha Clandestina“. Über die Stufen der „Padre Pico“ gelangte ich dorthin, aber dieses Museum wurde zur Zeit renoviert. Als Alternativprogramm stellten sich die Schulkinder zur Verfügung, die unbedingt fotografiert werden wollten. Von der „Padre Pico“ hat man einen schönen Überblick über Santiago. Damit endete mein Besichtigungs-Programm.
In der letzten Stunde mit Tageslicht schlenderte ich durch die Gassen, auf der Suche nach ein paar netten Fotomotiven, wie z.B. alten Autos. Ich wollte nebenbei meinen Nudelvorrat auffüllen, denn auf den nächsten Tagesetappen sind die Ortschaften recht rar gesät. Aber es gelang mir nicht. Nach Einbruch der Dunkelheit suchte ich die Telefongesellschaft auf, um ein erstes Lebenszeichen per Internet aus Kuba zu senden. 6 CUC pro Stunde für eine lahme Modemverbindung war verdammt viel Geld.
In der Casa gab es zum Abendessen Reis mit Bolognesesoße. Tanja wies mich daraufhin, dass die Soße Rindfleisch enthält. Rindfleisch gibt es für die kubanische Bevölkerung fast gar nicht. Kuba hat keine Devisen, um Milch zu importieren. Um Kinder und alte Menschen mit Molkereiprodukten versorgen zu können, versucht Kuba die Milchwirtschaft autark zu betreiben. Daher wird das Schlachten einer Kuh höher bestraft, als z.B. ein Mord. Rindfleisch bekommt man normalerweise nur in Touristenhotels und dient Kuba somit zur Devisenbeschaffung. Nach dem Abendessen las ich mein Buch zu Ende.
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#332905 - 09.05.07 22:49 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: Silberkarausche]
JohnyW
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Sorry,

war hatte die letzten 2 Wochen viel um die Ohren. Wenn das Wetter so bleibt komme ich in den nächsten Tagen sicherlich gut voran.

Gruß
Thomas
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#332911 - 09.05.07 23:01 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: JohnyW]
dogfish
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Und bevor es 13 schlägt, zwischendurch mal ein Bild vom "Kubaner".





Auch an einem perfekten Tag, auf der Ostertour! schmunzel


Gruß Mario
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#332913 - 09.05.07 23:03 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: dogfish]
JohnyW
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Hi Mario,

13. schlägts erst morgen...

Gruß
Thomas
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#333213 - 10.05.07 22:46 13. Tag: Traumstraße Teil 1 [Re: JohnyW]
JohnyW
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13. Tag: Traumstraße Teil 1
Santiago de Cuba – La Mula
Donnerstag, 16. November (sonnig)

Dreimal hintereinander Frühstück um 6.00 Uhr morgens. Ich glaube, Tanja war froh als auch ich abreiste und wieder normale Touristen bei ihr übernachteten. Ich trug mein Gepäck das Treppenhaus hinunter und ich erleichtert, als das Rad beladen vor der Eingangstüre stand. Das Rad wackelte unerhört. Hatte ich nach zwei Tagen plötzlich das Fahren mit Gepäck verlernt? Nach acht Kilometern hielt ich an und packte die Lowrider-Taschen neu, damit sie nahezu gleich schwer waren. Die linke Seite des Lowriders hatte etwas Spiel. Ich zurrte diese mit einem Kabelbinder fest. Das funktionierte wider Erwarten. Als ich um halb neun die Küste erreichte, begann die Sonne zu stechen.
An einem kleinen Fluss fragte ich nach dem Weg zu einem kleinen Wasserfall. Zwei Jungs boten sich sofort als Guides an. Ich nahm das Angebot an und in einem blumengeschmückten Haus konnte das Rad sicher abstellt werden. Durch ein wildes, idyllisches Flusstal gelangten wir nach einem kurzen Fußmarsch zu dem 3-4 Meter hohen Wasserfall. Darunter hat sich ein tiefer Pool mit kristallklarem Wasser gebildet. Selbstverständlich musste ich dort ein Bad nehmen. Es war herrlich. Bei der Rückkehr zum Haus war das vorbestellte Essen schon für mich hergerichtet. Es gab Avocadosalat mit frittierten Bananen. Dazu trank ich zwei Hatuey-Bier, dass eigentlich scheußlich schmeckt. Das erste verdampfte förmlich in der Kehle und ich benötigte das zweite zum Essen. Der Schock folgte, als ich nach der Rechnung fragte: 10 CUC für alles. Ich zeigte mich ziemlich unzufrieden, bezahlte aber. Wie schon gestern gesagt, erst nach dem Preis fragen! Lerneffekte stellen sich nicht ein.
Etwa 500 Meter nach dem Fluss sah ich die Kanonen eines versunkenen Schiffes aus dem Wasser ragen. Vielleicht sollte ich zukünftig Schnorchel und Taucherbrille einpacken, denn dort zu schnorcheln wäre sicherlich interessant gewesen. Aber so blieb es beim Fotostopp. Obwohl ich zeitig losfuhr, zeigte um 12.00 Uhr mein Tacho gerade mal 28 Kilometer an. Daher entschied ich mich, keinen weiteren Stopp am winzigen, aber schönen Strand von „Caletón Blanco“ einzulegen. Es jetzt ging überwiegend flach entlang der Küste, links das Meer und rechts die Sierra Maestra. Bisher war es eine sehr schöne Strecke. Zehn Kilometer vor Chivorico wurde die Strecke spektakulär. Dort konnte ich meine Vorräte ergänzen. Hier bekam ich Nudeln und die handtellergroßen Kekse werden hoffentlich länger halten als Brot. Jetzt muss ich mindestens 16 Kilometer pro Stunde fahren, um den Campingplatz in La Mula bei Tageslicht zu erreichen. Das würde nicht einfach werden, da ich nahezu jeden Kilometer ein Foto machen musste. Kurz vor La Mula tauchten Hügel auf, die es zu überwinden galt. Dieser Teil der Strecke entlang der majestätischen Sierra Maestra ist fantastisch. Man fährt kleine Hügel hoch und runter, um anschließend an felsige Strände zu gelangen. Ein paar Kilometer führt die Straße direkt entlang der Küste an senkrechten Felswänden vorbei. Dazu kam das fast perfekte Licht zum Fotografieren. Obwohl ich mich sputen musste, nahm ich mir die Zeit für das eine oder andere Foto. Ich weiß zwar nicht wie, aber ich erreichte zum Dämmerungsende den Campingplatz.
Im Dunkeln war es schwierig die Rezeption zu finden, denn neben dem fehlenden Tageslicht herrschte gerade Stromausfall. Nach den heutigen knapp 120 Kilometern nutzte ich Zeit zu einer Pause. Dabei stellte ich fest, dass die Taschelampe in einer Lowridertasche brannte. Um die Batterien zu schonen packte ich diese aus. Mit dem Licht der Taschenlampe konnte ich schließlich auch die Registrierung ausfüllen. Als ich gerade den Bungalow bezog, ging überall unter lautem Beifall das Licht wieder an. Nachdem ich mich geduscht hatte, klopfte es an der Tür. Roger nahm die Bestellung für das Abendessen auf. Ich hatte überhaupt keinen Hunger und nach langem Zögern bestellte ich dann doch das Huhn. Entgegen meiner Hoffnung, besteht von hier keine Möglichkeit, den mit 2000 Metern höchsten Berg von Kuba, den „Pico Turquino“ zu besteigen. Als Ausländer muss man selbst die ca. zehn Kilometer bis Las Curvas auf eigene Faust bewältigen. Das hieß für mich, entweder um 3.30 Uhr losfahren oder die Besteigung ausfallen zu lassen. Auf eine Nachtfahrt hatte ich keine Lust. Wieder strich ich einen Höhepunkt der Reise aus dem Programm.
Um 20.30 Uhr sollte das Abendessen serviert werden, aber ich musste bis 22.00 Uhr warten. Mittlerweile hatte ich sogar Hunger bekommen. Die Wartezeit verkürzte ich mit einem Bier und begann das zweite Buch zu lesen, „Im Feuer der Smaragde“ von Patricia Shaw. Nach dem Essen ging ich direkt ins Bett, denn nach der bisher längsten Etappe auf dieser Tour war ich müde. Da ich keinen Wecker stellte, hatte ich instinktiv die Entscheidung getroffen, die Besteigung des „Pico Turquinos“ abzublasen. Damit war ich nur noch einen Tag hinter der Planung zurück.
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#333219 - 10.05.07 22:56 14. Tag: Traumstraße Teil 2 [Re: JohnyW]
JohnyW
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14. Tag: Traumstraße Teil 2
La Mula – Pilón
Freitag, 17. November (sonnig)

Ich stand auf und packte ganz in Ruhe das Gepäck zusammen. Gestern hieß es, dass es Frühstück ab 7.30 Uhr geben sollte und ich hatte genug Zeit, mir den Kiesstrand anzusehen. Dieser liegt direkt neben einem Fluss und es vermischen sich hier Salz- und Süßwasser. Am Verkaufsstand wartete ich mit ein paar Kubanern auf den Koch, der ein paar Minuten später kam. Er schaffte es in 15 Minuten seine Kochschürze anzuziehen und drei Tüten Soja-Jogurt aufzureisen. Mir wurde die Warterei zu blöd und fuhr ohne Frühstück los.
Die 12 Kilometer bis Las Curvas waren landschaftlich großartig. Rechts erhob sich der fast 2000 Meter hohe, wolkenfreie „Pico Turquino“, links die wilde Küste. An dieser befinden sich zahlreiche kleine, felsige Buchten mit einem klitzekleinen Sandstrand. Für mich sind das Traumstrände. Dagegen finde ich lange Sandstrände langweilig. Einfach herrlich. Diese Teilstrecke sollte man nicht im Dunkeln fahren. Sie entschädigte ein wenig für die verpasste Bergbesteigung. Um 8.30 Uhr traf ich im Besucherzentrum des Nationalparks der Sierra Maestra ein und informierte mich über die Besteigung des Pico Turquinos. Die Reiseführer treffen keine klare Aussage für Radfahrer. In Las Curvas gibt es keine Übernachtungsmöglichkeiten, aber man kann beim Besucherzentrum problemlos campen. Um 4.00 Uhr morgens beginnt der 6-stündige Aufstieg, um gegen 10.00 Uhr die Aussicht vom Gipfel genießen zu können. Der Abstieg dauert nochmals vier Stunden. Für einen Aufstieg war es heute definitiv zu spät. Ein paar Kilometer weiter frühstückte ich im Schatten eines Baumes. Heute galt es wieder ein paar Steigungen zu bewältigen. Diese kosteten mich Kraft und die brennende Sonne dörrte mich förmlich aus. Aber die immer noch spektakuläre Landschaft entschädigte für die Qualen.
Nach 50 Kilometer fragte mich ein Kubaner, ob ich ein „refrecso natural“, eine selbstgemachte Limonade, zur Erfrischung wünschte. Ich nahm das Angebot dankend an. Die kalte Limonade schmeckte mir so gut, dass ich zwei Liter in 15 Minuten förmlich in mich hineinschüttete. Kaum saß ich wieder auf dem Rad, revoltierte mein Körper. Er konnte die Limonade oder die große Menge an Flüssigkeit überhaupt nicht verarbeiten. Mir war speiübel. Ich ging davon aus, dass sich das schnell wieder legen würde, wenn ich einfach eine halbe Stunde weiterradelte. Ich zwang mich dazu diese halbe Stunde durchzuradeln, aber es half nichts. Ich Schatten von paar Büschen legte ich mich eine halbe Stunde ins Gras. Das half zumindest soweit, dass zumindest das Gefühl mich permanent, übergeben zu können weg war, aber ich war jedoch total kraftlos. Aber die großartige Landschaft ließ ich mir nicht entgehen! Die Strecke war weiterhin sehr schön. Rechts und links der Straße blühte es und die Küstenstraße mit ihren Felsformation war sehr reizvoll. Jetzt schleppte ich mich weiter vorwärts und entschied mich, die Tagesetappe zu beenden.
Im Cycling Cuba Reiseführer ist die Unterkunft „Villa Punta de Piedra“ beschrieben, und diese sollte jetzt mein heutiges Ziel werden. Die Bungalows direkt am Strand sahen recht nett aus, allerdings wurde dieses Hotel zur Zeit renoviert und war geschlossen. Ein Arbeiter gab mir eine Adresse von einer illegalen Unterkunft im nächsten Ort Pilón. Nach weiteren zehn schweren Kilometern erreichte ich den Ort. Um 15.30 Uhr beendete ich die Tagesetappe. Die restlichen 40 Kilometer mit der Überquerung der ca. 250 Meter hohen Ausläufern der Sierra Maestra hätte ich wahrscheinlich heute nicht mehr geschafft.
Die illegale Unterkunft war genauso teuer, wie die legalen Casas Particulares, aber man bekommt etwas weniger für das Geld geboten. Allerdings konnte man sich offener über die aktuelle Situation in Kuba unterhalten. Den restlichen Nachmittag las ich und unterhielt mich mit meinen Gastgebern. Die Gespräche drehten sich um die schwierige Lebenssituation in Kuba und im Besonderen in Pilón, nachdem dort der letzte große Arbeitgeber geschlossen wurde. Mit einem Gast der Familie unterhielt ich mich in Englisch. Er lernt diese Sprache, um sich für die Zeit nach der Revolution zu rüsten. Fußball war unser dominierendes Gesprächsthema.
Nach dem Abendessen ging ich mit der Tochter des Hauses zum Karneval. Ich war gespannt, was mich dort erwartet. Na ja, ich würde sagen, dass war ein ganz gewöhnliches Straßenfest, denn von Karneval war nichts zu sehen. Ich probierte Ostiones, kleine Austern in Tomaten- und Limettensauce. Diese schmeckten mir nicht besonders. Außerdem trank ich ein paar Bier aus Blechhumpen und probierte diverse kleine Speisen. Mit riesigen Lautsprechern wurde der Platz beschallt und neben dem Trinken war tanzen die Hauptbeschäftigung der Festbesucher. Nach einer Stunde hatte ich alles gesehen und da tanzen nicht meine Welt ist, fuhr ich mit einer Kutsche zurück. Da es in Pilón keine offizielle Touristenunterkunft gibt, war dies eine absolut untouristische Abendveranstaltung.
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Off-topic #333288 - 11.05.07 10:07 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: dogfish]
ex-4158
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Off-topic #333292 - 11.05.07 10:25 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: ]
JohnyW
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Hallo ex-4158,
Zitat:

Wenn Du meinst... es gibt nur ein Portrait von mir in Kuba und fühlte ich mich noch glücklicher grins (grinse aber nicht so)

Die 2 Burgentour Tour habe ich schon hinter mir.

Die Ruine Rodenstein wird dann mal mit Frankenstein Melibokus und Rhein als Tagestour im Projekt Hessen folgen.

Zitat:

Warst Du eigentlich in Lüderritz (an 9 von 10 Tagen herrscht eine Windgeschwindigkeit von 80-100 km/h - am 10. Tag ist die Windgeschwindigkeit höher!)? Dagegen herrscht hier doch ein laues Lüftchen grins

Gruß
Thomas

Geändert von Zak (21.02.08 13:23)
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Off-topic #333311 - 11.05.07 11:13 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: JohnyW]
ex-4158
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Off-topic #333316 - 11.05.07 11:33 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: ]
JohnyW
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Beiträge: 7341
Hi,

der Mannie Heymans hat wohl Angst vor Wind grins

Rodensteintour wird wohl August/September werden...

Gruß
Thomas
Homepage: http://thomasontour.de
Neu 21.10.2009: 2. Bericht Projekt Hessen aus dem Jahr 2007
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Off-topic #333317 - 11.05.07 11:45 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: JohnyW]
ex-4158
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#333403 - 11.05.07 18:09 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: ]
dogfish
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Apropos Karibik...

Thomas hat mich gebeten, etwas "in authentischer Umgebung von Nov. 2006" anzuhängen...





Zur Person müßte er selbst etwas schreiben, sieht aus wie...
könnte aber auch ein ganz Anderer sein.


Gruß Mario
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#333444 - 11.05.07 20:44 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: dogfish]
thomas56
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danke mario,
dieses bild ist mir eingefallen nachdem ich thomas´s (JohnyW)radlerbild in dieser so uncubanischen umgebung gesehen habe.
genau in der selben zeit (nov.06) war ich mit thomas (aus hamburg) auf cuba unterwegs. deshalb lese ich diesen bericht auch mit besonderem interesse und ein wenig wehmut.
thomas/os-land
(dieser vorname ist ein fluch)
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#333458 - 11.05.07 21:22 15. Tag: Dschungelwanderung [Re: JohnyW]
JohnyW
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15. Tag: Dschungelwanderung
Pilón – Niquero
Samstag, 18. November (diesig)

Um 6.30 Uhr saß ich nach einem mageren Frühstück auf dem Rad. Da ein Polizist auf der Hauptstraße stand, musste ich über ein nicht genutztes Industriegelände zur Hauptstraße gelangen. Ich wollte heute beizeiten losfahren, um den Anstieg vor der großen Hitze zu überwinden. Auf der Passhöhe wurde das Wetter schlechter. Bei strahlendem Sonnenschein war ich losgefahren, aber jetzt war es ziemlich diesig. Bis Niquero gab es überhaupt keine Steigung zu überwinden. Vielleicht hätte ich es gestern doch geschafft? In Niquero führte die Straße direkt am Hotel vorbei. Dies wäre meine Notfallunterkunft, falls der Campismo wieder keine Ausländer aufnehmen oder renoviert werden würde. Der Campingplatz in Playa Las Colorades wurde tatsächlich renoviert. Nichts desto trotz wollte ich im Meer baden. Das Meer war spiegelglatt und so flach, dass man 100 Meter weit hinauslaufen konnte, bis der Bauch nass wurde. So richtig zum Schwimmen kam ich da natürlich nicht, aber ich hatte mich wenigstens erfrischt.
Danach fuhr ich zum Nationalpark „Desembarco del Granma“. Am Eingang des Nationalparks stößt man auf eine Replik des Bootes Granma, das Original steht im Revolutionsmuseum in Havanna.. Am 25. November 1956 landeten 82 Revolutionäre hier in Kuba, um die Revolution fortzusetzen. Bei einem Gefecht verloren 70 von ihnen ihr Leben. Die Gebrüder Castro, sowie Che Guevara, überlebten und konnten in die Sierra Maestra fliehen. Von dort aus führten sie die Revolution erfolgreich fort. Ohne das angeschlossene Museum zu besuchen fuhr ich über die palmengesäumte Straße weiter in den Nationalpark hinein. Die Straße wurde nun sehr wellig. Auch der Asphalt wurde mit jedem Kilometer rauer und die Schlaglöcher und Schläge heftiger. Allerdings war die Beschilderung sehr gut, so dass ich den Eingang zum Wanderweg „Sendero Arquelológico Natural El Guafe“ auf Anhieb fand.
Die Ticketbude war nicht besetzt. Ich stellte das Rad in die Büsche, damit es von der Straße aus nicht zu sehen war, und prägte mir die Schautafel mit dem Wanderweg ein. Dann zog ich los. Als erstes erreichte ich die Ausgrabungen der Taíno-Indianer. Ein winziges Haus und ein paar runde Vertiefungen im Erdreich gab es dort zu sehen. Im Gegensatz zur Natur, mit ihren Pflanzen und Blüten, wirklich unspektakulär. Auf dem Pfad raschelte und zwitscherte es permanent. Zahlreiche Vögel und äußerst scheue Eidechsen verursachten die Geräusche. Ich versuchte sie zu fotografieren, aber ich schaffte es kein einziges Mal richtig nah ranzukommen. Beim Filmwechsel kam der GAU. Meine Kamera maß die Empfindlichkeit des Filmes falsch. Aber seit der Niagara Tour kannte ich die Ursache, warum manche Filme in den letzten Jahren durchweg überbelichtet waren. Ich hoffte, dass es mir gelingt, diesen Fehler mittels Belichtungskorrektur auszugleichen und ging weiter. Wieder traf ich auf einen riesigen, beeindruckenden Kaktusbaum. Obwohl ich heute nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt war, lief mir auf der Wanderung der Schweiß in Strömen herunter. Der Weg führte mich zu einer kleinen Karsthöhle. Ich stieg hinab und wunderte mich über komische Kratzgeräusche. Das musste ich näher erforschen und fand dann auch den Grund dafür. Hunderte von Einsiedlerkrebsen bevölkerten die kleine Höhle. Wenn diese ihr Haus über den Boden zogen, gab es die Kratzgeräusche. Faszinierend. Den Wanderweg musste ich mir mit ein paar Blattschneiderameisen teilen, die eifrig Blätter in ihren Bau trugen. An der nächsten Höhle thronte ein Geier wunderbar auf einem abgestorbenen Baum. Ein perfektes Fotomotiv. Ich wechselte in Ruhe mein Objektiv, stellte es manuell ein, reduzierte meinen Puls und in dem Moment, als ich auslösen wollte, flog der blöde Geier davon. Schade. In dieser Höhle gab es ziemlich brackiges Wasser und die Taínos hatten aus einem Stalagmiten eine Figur herausgeschnitzt. Außer der Vegetation gab es auf dem weiteren Wanderweg keine Attraktionen mehr.
Wieder am Rad angelangt nahm ich die letzten drei Kilometer zum Cabo Cruz in Angriff. Dort fotografierte ich den Leuchtturm und ein paar heruntergekommene Fischerboote. Ansonsten gab es hier nichts von Interesse. Zu meiner Überraschung fand ich ein Restaurant und entschied mich für ein spätes Mittagessen. Es war ein klimatisiertes Restaurant, in dem man mit Pesos bezahlen konnte. Mein Fisch mit Pommes kostete dort gerade mal sieben Pesos Cubanos (28 Euro Cent). Das Bier dazu für 18 Pesos Cubanos schraubte den Preis gewaltig nach oben. In einer Casa Particular zahlt man für die gleiche Qualität ungefähr 5 CUC (125 Pesos Cubanos). Ich musste mehr solcher Peso-Restaurants finden! Und tatsächlich gab es noch zwei Stück zwischen Playa Las Colorades und Niquero. In einem machte ich eine kurze Pause. Nach dieser stand ich auch schon an der Rezeption des Hotels in Niquero. 16 CUC kostete das schöne, große, klimatisierte Zimmer. Billiger und besser als viele Casa Particulares. Bisher war das mein bestes Zimmer, die Übernachtung in Varadero eingeschlossen. Ich gönnte mir eine heiße Dusche und legte mich anschließend etwas hin und schlief ein. Um kurz vor 20.00 Uhr öffnete ich die Augen. Da ich nicht hungrig war drehte ich mich um und schlief weiter.
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#333460 - 11.05.07 21:27 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: thomas56]
JohnyW
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Hallo Thomas,

ich wußte gerne mal wann und wo wir uns nahe waren. Das mit der Kontaktaufnahme vor Ort hat ja leider nicht funktioniert.

Zitat:
dieser vorname ist ein fluch

also ich finde den Namen genial - kann sich jeder merken, wird überall gleich ausgesprochen, verwirrt die Leute (vorallem wenn mehrere Thomas unterwegs), etc.

Gruß
Thomas
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Neu 21.10.2009: 2. Bericht Projekt Hessen aus dem Jahr 2007
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#333465 - 11.05.07 21:38 16. Tag: Kubanisches Leben [Re: JohnyW]
JohnyW
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16. Tag: Kubanisches Leben
Niquero - Manzanillo
Sonntag, 19. November (bewölkt)

So gut wie das Zimmer, so mager war das Frühstück. Bisher hatte ich jeden Morgen Eier bekommen, aber heute waren die plötzlich aus. Es gab nur Schinkenbrötchen, Toast in Zwiebackqualität und Milchkaffee. Wenigstens hatte ich etwas im Magen, als ich losfuhr. Obwohl die Strecke keinerlei Herausforderung zu bieten hatte, kam ich nur sehr schleppend voran. In Media Luna gönnte ich mir ein Malzbier und unterhielt mich kurz mit einem alten Seemann. Außer Zuckerrohr- und Bananenplantagen gab es nichts zu sehen. Ab und zu überholte ich mal eine Pferdekutsche oder wurde von einem LKW überholt, der Menschen von A nach B transportiert.
Unerwartet früh sah ich ein Schild nach Demajagua. Um nicht wieder eine Sehenswürdigkeit zu verpassen, bog ich ab und gelangte nach zwei Kilometern in den gleichnamigen Ort. Allerdings liegt die Farm Demajagua, die ich besichtigen wollte, drei Kilometer nördlich von diesem Ort. Obwohl mich jeder zurück zur Hauptstraße schickte, wollte ich die Farm auf direktem Wege über Trampelpfaden erreichen. Ich stellte mir das einfacher vor, aber der Weg gabelte sich sehr häufig. An einer Hütte fragte ich nach einem Kilometer bereits zum vierten Mal nach dem Weg. Der Kubaner ließ seine Arbeit stehen und liegen und begleitete mich zu einer Fahrspur, über die wieder zur Hauptstraße gelangte. Dort war die Farm Demajagua ausgeschildert.
Der sehr freundliche Führer des Museums „Museo Histórico La Demajagua“ empfing mich direkt am Eingang und bot mir einen Platz für das Fahrrad an. Anschließend führte er mich über das Anwesen von Carlos Manuel de Céspedes. Am 10. Oktober 1868 hob hier Céspedes die Sklaverei auf und begann am selben Tag den letztendlich erfolglosen ersten Unabhängigkeitskampf. Zu sehen gibt es von der ehemaligen Zuckermühle relativ wenig, da die Spanier das Anwesen vollständig zerstörten. Nur die Freiheitsglocke und ein paar Maschinenreste sind sehenswert. Zum Abschied lud mich der Führer zum Kuchenessen ein.
Einen Hügel später erreichte ich das Zentrum von Manzanillo. Ich fuhr zuerst zum Busbahnhof, um mich zu erkundigen, ob es eine direkte Busverbindung nach Sancti Spiritus gibt. Das funktioniert nur mit umsteigen in Bayamo. Hätte ich heute mehr Tempo gemacht, hätte ich die knapp 70 Kilometer bis Bayamo geschafft. Mittlerweile war es aber schon 15.30 Uhr. So checkte ich in die einzige Casa Particular von Manzanillo ein.
Frisch geduscht sah ich mir die wenigen Sehenswürdigkeiten von Manzanillo an. Auf dem Parque Céspedes wirkt der schöne, orientalische Musikpavillon etwas deplaziert. Die restaurierten Gebäude am Platz sind ebenfalls recht nett anzusehen. Anschließend schlenderte ich durch die Straßen zum Cecilia-Sánchez-Denkmal. Cecilia Sanchez war das soziale Gewissen der Revolution und hatte immer ein offenes Ohr für die Probleme der Bevölkerung. Auch heute wird sie noch hoch verehrt. Das Denkmal ist eine verzierte Treppe. Die Wohnhäuser, welche dazu gehören, sind mit Gemälden geschmückt. Das ist eine komplett andere Art von Denkmal. Das Gesamtkunstwerk hat mich positiv überrascht. Vom oberen Ende der Treppe hat man einen guten Überblick über die Stadt. In den Gassen, mit zum Teil erbärmlichen Häusern, betrieben junge Kubaner Sport. Ich entdeckte durch Zufall die Feuerwehr und ging weiter zum uninteressanten Malecón. In dessen Nähe feierten die Einwohner ein Straßenfest. Ich schlenderte gemütlich über das Fest. Dabei entdeckte einen sehenswerten Oldtimer. Auf dem Fest probierte ich das cerdo asado (gegrilltes Schwein). Der Aufenthalt in Manzanillo hat mir recht gut gefallen. Diese Stadt liegt abseits der klassischen Tourismusrouten. Hier gelang es mir Kubaner bei ihren alltäglichen Beschäftigungen zu fotografieren. Das ist normalerweise eine meiner fotografischen Schwachstellen.
In der Pension gab es köstlichen Fisch zum Abendessen und ich beendete das zweite Buch. Ich hätte heute wieder einen Tag zum Zeitplan aufholen können. Jetzt hänge ich drei Tage hinterher. Irgendwie war in Kuba etwas der Wurm drin und so langsam musste ich mir Gedanken machen, was ich gegen Ende der Tour streichen würde.
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#333467 - 11.05.07 21:44 17. Tag: Lustlos in Bayamo [Re: JohnyW]
JohnyW
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17. Tag: Lustlos in Bayamo
Manzanillo - Bayamo
Montag, 20. November (bewölkt/Regen)

Um 8.00 Uhr brach ich mit einem reichhaltigen Frühstück im Magen in Richtung Bayamo auf. Die Strecke nach Bayamo ist flach und außer Zuckerrohrplantagen gab es nichts zu sehen. Der Himmel zog mehr und mehr zu und kurz vor 12.00 Uhr begann es auch noch zu regnen. Gegen 12.30 Uhr erreichte ich Bayamo.
Auf der Suche nach dem Busbahnhof ignorierte ich konsequent die Verbotschilder für Radfahrer. Dort suchte ich das Viazul Büro auf und kaufte das Ticket. In Kuba gibt es zwei Busgesellschaften, die Ausländer transportieren dürfen. Astro und Viazul, wobei beide Gesellschaften moderne Reisebusse chinesischer Bauart einsetzen. Astro bietet nur wenige Plätze für Ausländer. Die Preise sind günstiger als bei Viazul und fast jede Stadt kann mit Astro Bussen erreicht werden. Viazul verbindet nur die Provinzhauptstätte. Sozusagen der Expressbus für Touristen. Der Fahrradtransport ist eigentlich kostenlos, trotzdem hält meistens irgendjemand die Hand auf. Das Ticket nach Sancti Spiritus kostete mich 18 CUC und heute war der Radtransport tatsächlich kostenlos. In Kuba wird mit keinem oder nur wenig Gepäck gereist, so dass das unverpackte Rad immer genug Platz im Gepäckraum der Busse findet. Der Bus fuhr erst um 17.20 Uhr.
Also hatte ich genug Zeit für eine Stadtbesichtigung. Zum Mittagsessen ließ im ein paniertes Hähnchen mit Pommes schmecken. Anschließend fuhr ich in die Innenstadt. Ich sah mir als erstes den Platz „Parque Céspedes“ an und schob danach das Rad durch die attraktive Fußgängerzone. Dabei hatte ich die Lust an der Stadtbesichtigung im Dauerregen verloren. Ich entdeckte eine trockene Parkbank und zog mir lange Kleidung über. Heute war es nicht sehr warm und im Bus läuft die Klimaanlage bestimmt wieder auf Hochtouren. Ich brach die Besichtigung ab und begab mich zurück zum Busbahnhof.
An einer Bude griff ich die letzte Pizza ab und der nette Verkäufer gab mir eine Flasche Prú dazu. Zuvor hatte ich noch nie dieses alkoholfreie Erfrischungsgetränk aus Yuca und Gewürzen gesehen. Es schmeckt aber recht gut. Im Terminal durfte ich das Rad nicht in den Warteraum schieben, sondern musste direkt zu den Bussen gehen. Bis zur Abfahrt hatte ich noch drei Stunden Zeit, und mangels Lektüre, begann ich Reisetagebuch zu schreiben. Während ich auf den Bus wartete sprach mich eine Wachfrau an. Nachdem wir über die Nationalität, der Familienstand, die bisherige und zukünftige Route ausgiebig gesprochen hatten verglichen wir Deutschland mit Kuba. In Kuba war alles besser: die Busse, das Essen, die Sprache, die medizinische Versorgung, die Musik, die Frauen, etc. Sie war bisher die erste Person, mit der ich sprach, die überzeugte Sozialistin war.
Der Bus hatte 30 Minuten Verspätung. Sehr gut, denn jede Verspätung verkürzt die Wartezeit in Sancti Spiritus. Im Bus aß ich Schokolade, denn durch die kühleren Temperaturen der Klimaanlage erlangte diese wieder einen festen Aggregatzustand. Danach schlief ich ein, aber ich schlief sehr unruhig.
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#333483 - 11.05.07 22:39 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: JohnyW]
thomas56
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hi thomas,
start und ziel war havana (4.11-2.12.)
wir sind zuerst nach westen: havana-vinales-cajo jutias-pinar del rio-havana............dauer ca. 1 woche.
dann nach osten/süden:
havana-matanzas-playa giron (parque zapata)-trinidat
....mit dem bus von trinidat nach satiago de cuba.............
s. de cuba-holguin-las tunas-camagüey-florida-moron-caibarien-santa clara- cardenas-varadero-matanzas-havana.
ca. 2100 km mit dem rad, überwiegen nebenstrassen, ein bisschen autobahn und auch schotter/sandwege.
.......soweit ich in deinen bisherigen berichten sehen kann waren wir gemeinsam in holguin und satiago, nur die zeit war ´ne andere wirr , mal sehen, wie deine geschichte weitergeht......
thomas
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#333487 - 11.05.07 22:53 Re: 11. Tag: Ein perfekter Tag [Re: thomas56]
JohnyW
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Hi Thomas,

dann haben wir uns in Trinidad um ein paar Tage verpaßt... in den folgenden Tagen, wirst Du mehr Orte wiedererkennen...

Gruß
Thomas
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Neu 21.10.2009: 2. Bericht Projekt Hessen aus dem Jahr 2007
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#333518 - 12.05.07 10:07 18. Tag: Freibier [Re: JohnyW]
JohnyW
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18. Tag: Freibier
Sancti Spiritus – Trinidad (84 km)
Dienstag, 21. November (sonnig/bewölkt)

Um 2.30 Uhr erreichte der Bus Sancti Spiritus. In drei Stunden sollte die Sonne aufgehen. Ich setzte mich in eine Ecke und schrieb weiter am Reisetagebuch. Im Laufe der Zeit begann ich mehr und mehr zu frieren. Jede halbe Stunde wurde es ein Grad kälter. Um 5.30 Uhr kamen die ersten Verkäufer ins Busterminal und ich kaufte mir ein Schinkenbrötchen und einen heißen starken Kaffee. Selbst um 6.00 Uhr war es noch stockdunkel und die Temperatur fiel bis auf 14° C.
Um 6.15 Uhr begann endlich die Dämmerung. Mit dem ersten Tageslicht fuhr ich los, weil mir kalt und die Warterei zu blöd war. Minütlich wurde es heller und dabei fiel mir auf, dass mein Radcomputer keinen Impuls erhielt. Die blöde Busfahrerei, immer wird etwas verbogen. Aber der Sensor stand in der richtigen Position. Ich suchte meine Ersatzbatterien und tauschte diese, aber immer noch erhielt der Radcomputer keinen Impuls. Jetzt war ich mit meinem Latein am Ende. Aus Verzweiflung kratzte ich die Kontakte ein wenig mit dem Messer frei, und wie durch ein Wunder funktionierte der Computer wieder. Diese Aktion kostete mich ein paar Nerven und 45 Minuten. Wenige Minuten zuvor wartete ich fast vier Stunden im Busbahnhof und langweilte mich.
Ich verfuhr mich auf den Weg ins Zentrum von Sancti Spiritus ein wenig, gelangte dann aber doch zum Platz „Parque Maceo“. Das Fahrrad durfte mal wieder nicht auf den Platz. Ich fotografierte die herausgeputzten Gebäude und wollte anschließend das Rad durch die Fußgängerzone zum „Parque Serafin Sánchez“ schieben. Ein Wachmann hielt mich auf. Keine Fahrräder in der Fußgängerzone! So langsam verlor ich die Geduld. Ich stellte das Rad einfach vor dem Wachmann ab. Eine Antwort wartete ich gar nicht ab und zog los, um ein paar Fotos von der Fußgängerzone mit den Kunstfiguren zu machen. Wieder zurück am Rad bedankte ich mich artig fürs Aufpassen und fuhr zum Platz „Parque Serafin Sánchez“ und weiter zum Platz „Honorato“ mit der Kirche „Parroquial Mayor del Espiritu Santo“. Ich fotografierte sie und fuhr zur sehr schönen Yayabo Brücke, die durch das erste Sonnenlicht erstrahlte. Dort gab es einen einladenden Frühstücksstand. Gestärkt durch zwei perros calientes (Hot Dogs) und einen starken Kaffee verließ ich Sancti Spiritus. Die Stadt hat mir recht gut gefallen.
So langsam begann die Sonne zu wärmen und an einer passenden Stelle entledigte ich mich der warmen Kleidung. Vor der Weiterfahrt entdeckte ich, dass meine Kette total verdreckt war. Erst kratzte nur grob den Dreck weg, entschied mich dann aber doch für eine gründliche Reinigung. Wieder verschwendete ich 45 Minuten. Auch das hätte ich heute morgen im Busbahnhof erledigen können. Die Strecke nach Trinidad war sehr schön. Es ging zuerst einen Hügel hinauf. Die Straße ging immer leicht hoch und runter, eingerahmt von dem Gebirge von Sancti Spiritus. Die Felder rechts und links der Straße wurden immer weniger und konnte ich am Horizont bereits die Sierra del Escambray erkennen. Nach einem letzten Hügel wurde die Landschaft deutlich trockener und das Gebirge kam immer näher.
Mittlerweile war es bewölkt. In Manaca Iznaga gönnte ich mir in einer alten Hazienda ein Mittagessen. Ich wartete darauf, dass die Sonne wieder rauskommt, aber ich hatte Pech. Ich sah mir die Ausstellungsstücke der Hazienda an und wurde von den spielenden Kindern aufgefordert ein Foto zu machen. Das Wetter wurde nicht besser. Ich konnte nicht ewig warten und bestieg den 44 Meter hohen Sklaventurm. Über zum Teil wackelige Stufen kam ich nach oben. Von der Aussicht hatte ich mir mehr versprochen. Anschließend fuhr ich fünf Kilometer zur Casa Guachinago. Aber diesen, im Reiseführer empfohlenen Abstecher, fand ich uninteressant. Ich wendete und fuhr weiter nach Trinidad. Eine 300 Meter lange, knackig steile Stichstraße führt hinauf zum Aussichtssichtspunkt „Mirador de la Loma del Puerto“. Von dort hat man einen sehr schönen Überblick über das „Valle de los Ingenios“ (Zuckermühlental) mit dem majestätischen Escambray-Gebirge im Hintergrund. Ich genoss eine Weile die schöne Aussicht und kaufte mir in dem Café ein kühles Malzbier. Die letzten sechs Kilometer nach Trinidad waren ein Klacks.
In der Stadt angekommen, begab ich mich auf die Suche nach einer zentralen Casa Particular. Ich fuhr durch die ekelhaften Kopfsteinpflastergassen und entdeckte eine verschlossene Casa Particular. Ein cleverer Jinetero (Schlepper) schloss diese auf. Aber wir liefen nur durch das Haus und eine Querstraße weiter ging es in die Casa Particular seines Onkels. Die Leute waren nett, der Preis stimmte, das Zimmer war okay, was soll ich noch lange zögern? Ich nahm das Zimmer. Mein Privateingang lag zwei Querstraßen weiter. Ich holte das Rad und traf ich Nick, einen Deutsch sprechenden Engländer. Ich bezog kurz das Zimmer, wechselte die Kleidung und ging zu Nick, der vor der Pension wartete. Zentral gelegen war die Casa auf jeden Fall, zumindest ließen die Souvenirbuden vor meinem Zimmer keinen anderen Schluss zu. Nick lud mich auf ein Bier ein und wir unterhielten uns auf Deutsch. Es ist richtig schwierig konsequent langsam zu sprechen. Einen Satz brachte ich langsam heraus, aber unterbewusst fiel ich in mein normales Sprechtempo zurück. Eine Stunde lang tauschten wir auf dem Plaza Mayor unsere Reiseerlebnisse aus. Es herrschte fast optimales Fotowetter, dunkle Wolken in der Abendsonne. Ich musste unsere Unterhaltung das ein oder andere Mal unterbrechen, um ein Foto zu schießen. Nick verabschiedete sich von mir und ich wollte ein wenig planlos durch die Gassen schlendern. Aber ich kam nicht weit. Noch an der Plaza Mayor sah ich einen weiteren Reiseradler. Ich sprach Rob aus Holland an. Er wartete auf seine Frau, die schon mit dem Bus vorausgefahren war, aber er kam einen Tag zu früh in Trinidad an. Er lud mich ebenfalls auf ein Bier ein und wir suchten ein Lokal, um uns dort zu unterhalten. Das ist in Trinidad nicht so einfach, denn es gibt zwar jede Menge Lokale, aber alle haben Live-Musik. Nach dem Bier wechselten wir zu Mojitos und unterhielten uns recht lange. Rob ist schon von Tansania nach Kapstadt geradelt und arbeitet zurzeit als Projektleiter auf einer Großbaustelle im Oman. Wir zwei Weltreisende hatten viele Themen zu besprechen. Als es spät wurde lud ich Rob zu mir in die Casa ein. Jetzt mussten wir nur noch meine Unterkunft finden, denn ich hatte überhaupt nicht auf den Weg geachtet. Die Souvenirbuden waren alle abgebaut, aber nach kurzem Suchen fanden wir die Pension. Dort feierte meine Vermieterin gerade Geburtstag, und wir tranken noch das ein oder andere Bier auf Kosten des Hauses. Nach Mitternacht legten wir uns schlafen. Heute hatte ich echt einen im Kahn.
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#333521 - 12.05.07 10:23 19. Tag: Erholung in Trinidad [Re: JohnyW]
JohnyW
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19. Tag: Erholung in Trinidad
Trinidad – Playa Ancón – Trinidad (28 km)
Mittwoch, 22. November (sonnig/bewölkt)

Nach dem Frühstück begab sich Rob auf die Suche nach seiner Frau und ich begann mit dem Besichtigungsprogramm. Ich schlenderte erstmals wieder zum Plaza Mayor, mit der dominierenden Kirche „Parraquial de la Santísima Trinidad“. Anschließend suchte ich ein paar interessante Fotomotive in den Nebengassen, in denen die Souvenirverkäufer gerade ihre Stände aufbauten. So verbrachte ich die Zeit bis um 9.00 Uhr die Museen öffneten. Auf dem Weg zum Museum „Museo Histórico Municipal“ entdeckte ich zwei tasmanische Radlerinnen. Über eine Stunde lang tauschten wir Erfahrungsberichte aus. Verständlicherweise wollten sie dann auch mal losfahren. Das Museum war mittlerweile mit vielen Pauschaltouristen gefüllt. Neben dem ansprechenden Innenhof können koloniale Ausstellungsstücke betrachtet werden. Am interessantesten ist aber der Turm, von dem man die beste Aussicht auf die Dächer von Trinidad hat. Danach verließ ich die Altstadt, welche zum Unesco-Weltkulturerbe gehört und ging zum „Parque Céspedes“. Auf einer schattigen Bank im Park plante ich die weitere Besichtigungstour. Es macht richtig Spaß, durch die Kopfsteinpflastergassen mit den buntgestrichenen, renovierten Wohnhäusern zu wandeln. Was für ein Unterschied zum restlichen Kuba. Alle Häuser in der Altstadt sind gut in Schuss und farbenfroh gestrichen. In der ehemaligen Schmugglerhochburg darf der Piratenpapagei natürlich nicht fehlen. Selbstverständlich gibt es hier auch den einen oder anderen Oldtimer zu sehen. Ich gelangte zu den verschlossenen Kirchen „Iglesia de Santa Ana“ und „Ermita de Nuestra Señora de Candelaria de la Popa“. Wieder in der Nähe der „Plaza Mayor“ besichtigte ich die weiteren Museen. Zuerst gelangte ich zum Museum „Museo Romántico“. Ich wollte mir ein Ticket mit Fotoerlaubnis kaufen, sollte aber die Fototasche abgeben. Und wie soll ich dann Objektive und Filter wechseln? Es wartete ein Pulk von Touristen darauf, dass die Führung losging. Auf beides hatte ich keine Lust und ging stattdessen weiter zum Nationalmuseum „Museo de la Lucha contra Banditos“, mit dem bekannten Glockenturm von Trinidad. Interessant fand ich an dem Museum, das es überhaupt existierte, da es sich dem bewaffneten Kampf gegen Revolutionsgegner im Escambray Gebirge widmete. Das zeigt, dass nicht alle Kubaner die Revolution unterstützten. Die Aussicht vom Glockenturm war sehr bescheiden. Auch das archäologische Museum hätte mich noch interessiert, war aber zurzeit geschlossen. Den Abschluss der Museumstour bildete das Architekturmuseum. Hier wurden verschiedene Baustile anschaulich erklärt. Das Beste war aber das Bad mit der kolonialen Dusche, die ich gerne einmal genutzt hätte. Ich bummelte noch ein wenig durch die Altstattgassen, weil mir diese mit den bunten Häusern wirklich gefielen.
Zurück in der Pension fand ich eine Nachricht von Rob. Er hatte seine Frau gefunden und sie erwarteten mich heute Nachmittag am Strand „Playa Ancón“. Ich hatte sowieso vor baden zu gehen. Ich packte meine Badesachen und fuhr zum Strand. Man passiert auf der Strecke Marschland mit interessanten Tümpeln und Mangroven. Am „Playa Ancón“ entdeckte ich sofort Robs Rad. Ich fand ihn ohne Probleme, schnappte mir eine freie Liege und wir unterhielten uns. Dabei vergaß ich ein paar Fotos von dem schönen Strand zu machen. Gegen Nachmittag zog der Himmel langsam zu. Ich musste aber die Gelegenheit nutzen, im Meer schwimmen zu gehen, denn diesmal wurde mein Gepäck ja bestens bewacht. Bevor wir gemeinsam aufbrachen, fotografierte ich den inzwischen bewölkten Strand. Mit hohem Tempo fuhren wir über La Boca nach Trinidad zurück. Wir verabredeten uns für 21.00 Uhr in einer Musikkneipe, um den Abend gemeinsam zu verbringen. Auf den Weg zurück zur Casa entdeckte ich zwei britische Radler und lud sie ein, zu dem Treffen zu kommen, wenn sie Lust hätten. Nach Sonnenuntergang kaufte ich ein und suchte das Internetcafé auf. Eine halbe Stunde musste ich auf einen freien Platz warten, bevor das „world wide waiting“ begann. Zum Glück war die Minimumeinheit eine Stunde. Nachdem ich mein Lebenszeichen abgesetzt hatte, ging ich zur Pension, um zu Abend zu essen. Heute gab es einen riesigen schmackhaften Red Snapper, der wahrscheinlich locker für vier Personen gereicht hätte.
Kurz nachdem ich die Kneipe betrat, trafen Rob und Anegrit ein. Es wurde ein lustiger Abend. Die Musikcombos, von denen alle halbe Stunde eine andere auftrat, zogen einem das Geld aus der Tasche und spielten zum Teil so laut, dass das Unterhalten schwierig war. Heute Abend hatte ich alle Rumcocktails durchprobiert.
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#333524 - 12.05.07 10:33 20. Tag: Wandertag [Re: JohnyW]
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20. Tag: Wandertag
Trinidad – Topes de Collantes (25 km)
Donnerstag, 23. November (sonnig/bewölkt)

Um 6.30 Uhr machte ich mich durch lautes Verhalten bei meinen Vermietern bemerkbar, um das Frühstück zu erhalten. Das funktionierte und kurz danach war unterwegs. Zuerst ging es eine kleine Abfahrt hinunter und ich fror mit meinen kurzen Radklamotten. Aber ich werde heute noch ordentlich ins Schwitzen kommen. Es ging ein paar Hügel hoch und runter, bevor die schwierigste Steigung mit Gepäck auf dieser Reise begann. Von 0 auf 775 Meter zum Luftkurort Topes de Collantes. Im unteren Teil war die Steigung extrem steil. Permanent zeigte mein Radcomputer mehr als 10% Steigung an. Langsam kämpfte ich mich Meter für Meter nach oben. Nach einer Menge verflossenem Schweiß und etlichen Verschnaufpausen erreichte ich eine Stunde später den Aussichtspunkt „El Mirador“. Ich erklomm die letzten Stufen und genoss die wunderbare Aussicht. Die Hälfte hatte ich bereits geschafft. Wenn man einen schweißtreibenden Anstieg halb hinter sich gebracht hat, freut man sich kaum, wenn es mitten im Anstieg einen Kilometer steil bergab geht. Diese Höhenmeter darf man als Belohnung doppelt fahren. Ich konnte nicht einmal den Schwung der Abfahrt nutzen, da mir genau in der Senke erneut die hintere Packtasche vom Rad fiel. Die folgende Steigung war lange nicht so steil, wie das erste Stück bis zum Mirador. Es gab wenig Aussicht, aber durch die inzwischen gewonnene Höhe änderte sich bereits die Vegetation, so dass ich durch ein Meer von gelben Blüten fuhr. Ich erreichte schließlich den höchsten Punkt, das gleichnamige Kurhotel.
Ich fuhr ein Stück weiter, bis der Wanderweg zum Wasserfall Salto del Cabruní losging. Nur Touristen wandern, deshalb muss man stolze 6 CUC für die Wanderung bezahlen, wobei das Gebiet nicht einmal als Nationalpark ausgewiesen ist. Heute werden noch einige Höhenmeter zu Fuß dazukommen, denn um zu dem Wasserfall zu gelangen, darf man 400 Höhenmeter hinabsteigen. Der Wanderweg windet sich entlang von Kaffeebüschen und Karstfelsen durch die dichte Vegetation immer weiter nach unten. Schließlich erreicht man den 62 Meter hohen Wasserfall. Auch bietet ein größerer Pool die Möglichkeit ein Bad zu nehmen. Aber da dieser im Schatten lag, verkniff ich mir das Baden, stattdessen genoss die Ruhe und Stille entlang des Flusslaufes. Entlang des Aufstieges sah ich interessante Blüten und eine große Raupe. Gelegentlich gab die Vegetation die Sicht auf die Landschaft frei. Einmal war der Weg durch ein stures Maultier versperrt.
Anstatt weiterzufahren entschied ich mich spontan, eine weitere Wanderung zu unternehmen. Die Wanderung zu „La Batata“ kostete nur 3 CUC. Die Flora auf diesem Wanderweg, obwohl er nur einen Kilometer weit entfernt startet, ist völlig anders. Zuerst galt es, einen Bach mittels einer Baumstammbrücke zu überqueren. Anschließend führte der Weg durch dichte Vegetation immer leicht bergauf. Über einem Bergrücken ging es bergab durch Farne in ein weiteres Seitental. Ziel ist hier eine Höhle, durch die ein kleiner Bach fließt.
Nach den zwei schönen Wanderungen suchte ich das Hotel „Los Helechos“ auf. Ausgebucht, so etwas gibt es auch in Kuba. Das Hotel vermietet auch Cabañas (Hütten). Die hatten eine recht gute Ausstattung und waren sehr geräumig. Nebenan im Restaurant konnte ich zu Abend essen. Sie machten gute Pommes und es gab sogar verschiedene Steaksoßen dazu. Das Wandern hat mich richtig hungrig gemacht und ich orderte nach dem Hauptgang nochmals eine Portion Pommes. In der Cabaña mixte ich mir paar Cuba Libre. Ich schrieb eine Weile an dem Tagebuch, das langsam Gestalt annahm.
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#337788 - 25.05.07 22:57 21. Tag: Durch das Escambray-Gebirge [Re: JohnyW]
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21. Tag: Durch das Escambray-Gebirge
Topes de Collantes – Cienfuegos (75 km)
Freitag, 24. November (bewölkt)

Ohne Frühstück kam ich recht früh los. Das Wetter heute war schlecht. Dicke Wolken, keine Sicht und es war auch recht frisch, aber zum Glück regnete es nicht. Gleich zu Beginn der Etappe galt es kleine giftige Anstiege zu überwinden. Anschließend hatte ich eine zwei Kilometer lange, extrem steile Abfahrt vor mir. Obwohl die Strecke asphaltiert war, ließ ich den Tacho nicht mehr als 15 km/h anzeigen. Nach der Abfahrt erreichte ich die Abzweigung nach Cienfuegos. Auf einer Schotter-Lehm-Piste Bild644 ging es jetzt immer steil bergauf und steil bergab. Auf dem Schotter musste ich schieben und selbst dabei rutschten mir oft die Füße durch. Die einzigen Fahrzeuge, die hier noch fuhren, waren geländegängige LKWs, die Touristen von Topes de Collantes zu abgelegen Wanderwegen transportierten. Teilweise kämpfte ich mich Meter für Meter vorwärts. Bei Kilometer acht hatte ich 300 Höhenmeter gemacht und ich befand mich immer noch auf Ausgangshöhe. Der Straßenbelag ging jetzt in schlaglochübersäten Asphalt über. Wenn es auf 50 Meter kein Schlagloch gab, war der Belag trotzdem so wellig, dass das Fahren unangenehm war. Die Lowridertaschen mochten das auch nicht und alle fünf Kilometer fiel mir eine vom Rad. Rechts tauchte der höchste Gipfel des Escambray-Gebirges auf, der 1140 Meter hohe Pico de San Juan. Aber das Wetter war wirklich nichts für gute Landschaftsfotos Bild645. Um 11.30 Uhr erreichte ich eine asphaltierte Abzweigung nach Norden. Das müsste der direkte Weg zum Wasserfall El Nicho sein. Ich überlegte, ob ich wie geplant zu dem 25 Kilometer entfernten Wasserfall fahren soll oder nicht? Mittlerweile war ich vier Tage hinter dem Zeitplan. Das Wetter war schlecht, das hieß kein Baden, keine guten Fotos. Es gab auch keine Passanten, die ich nach dem Weg fragen konnte. Außerdem war ich spät dran. Diese Gründe gaben den Ausschlag, direkt nach Cienfuegos zu fahren, anstatt einen der wahrscheinlich schönsten Wasserfälle auf Kuba aufzusuchen. Endlich kam die Abfahrt Bild647. Der Straßenbelag war immer noch schlecht und so zog ich meinen Helm auf und bremste mich mit 15-20 km/h nach unten.
Als ich das Gebirge hinter mir gelassen hatte Bild652, wurde die Straße besser und ich konnte es richtig laufen lassen. An einer Tankstelle, an der ich mir nur ein Erfrischungsgetränk kaufen wollte, entdeckte ich einen Halter für mein Batterielicht, den ich in Deutschland nicht mehr bekomme. Für 1 CUC kaufte ich mir das chinesische Plagiat. Kaum ließ ich das grüne Gebirge hinter mir, wurde die Landschaft steppenähnlicher. Auf den letzten 35 Kilometer nach Cienfuegos passierte ich den botanischen Garten „Jardín Botánico Soledad“. Aufgrund des bewölkten Wetters strich ich auch diesen aus dem Programm. Über eine abgesperrte Strecke fuhr ich die letzten Kilometer nach Cienfuegos.
Dort suchte ich zuerst den Busbahnhof und kaufte mir ein Ticket für morgen nach La Habana (Havanna). Unterwegs entschied ich mich mit dem Bus nach Pinar del Río zu fahren, um die vier Tage aufzuholen. Anschließend suchte ich mir eine Casa Particular und verließ mich auf die Adressangabe im Lonely Planet. Das Zimmer war schon ausgebucht, aber ich wurde in eine andere Casa Particular vermittelt. Nach einer Dusche begab ich mich auf Besichtigungstour. Zuerst ging ich über den Prado, die mehrere Kilometer lange Prachtstraße, und über die Avenida 56 zum zentralen Platz „Parque Jose Martí“. In Cienfuegos haben die Straßen keine Namen sondern nur Nummern. Das macht die Orientierung recht einfach, vor allem deshalb, weil die Straßennummer an jeder Ecke zu sehen sind. Das junge Cienfuegos soll nach La Habana die zweitschönste Stadt auf Kuba sein und es gibt dort tatsächlich ein paar nette Gebäude Bild653+657. Am „Parque Jose Martí“ Bild667 fotografierte ich das „Teatro Tomás Terry“ Bild663, die Kathedrale „Catedral de la Purísima Concepción“ Bild662 und den Regierungspalast Bild660. Zurück am Prado Bild671 kaufte ich mir in einem kleinen Geschäft Zigaretten, Bier und Cola. Man hört und liest viel, dass Kubaner bei der Rechnung betrügen. Hier passierte mir das zum ersten und einzigen Mal auf der ganzen Reise. Ich lief den Prado hinunter bis ich die Bucht von Cienfuegos erreichte. Entlang des Prado findet das Leben von Cienfuegos statt Bild672 und attraktive Gebäude Bild674+676 sind keine Seltenheit. Am Ziel angekommen Bild675, suchte ich einen Platz, von dem man den Sonnenuntergang über der Bucht von Cienfuegos betrachten konnte. Mit einem Bier in der Hand saß ich auf einer Mauer und genoss den stimmungsvollen Sonnenuntergang Bild677. Gemeinsam mit zwei Kellnern, die mangels Kundschaft auch nichts Besseres zu tun hatten.
Der Sohn der Unterkunft war fernsehsüchtig. Viele Kubaner verbringen viel Zeit vor den vier staatlichen Fernsehkanälen. Ich nutzte die Gelegenheit, mir das Programm eine Stunde lang anzusehen. Die Nachrichten waren noch einigermaßen in Ordnung, aber der Rest war Propaganda in Reinform, egal ob Kindersendung, Dokumentation oder Musikübertragung.
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#340167 - 04.06.07 21:55 22. Tag: Nervender Jinetero [Re: JohnyW]
JohnyW
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22. Tag: Nervender Jinetero
Cienfuegos – Pinar del Río (8 km)
Samstag, 25. November (sonnig)

Nach dem Frühstück fuhr ich den Prado entlang zur „Punta Gorda“. Dort sah ich mir dort den schönen maurischen Palast „Palacio de Valle“ an und genoss am Kap die morgendliche Ruhe sowie die Aussicht über die Bucht von Cienfuegos. Danach ging es zum Busbahnhof. Der Bus kam wider Erwarten pünktlich. Das sollte er schließlich auch, weil ich in La Habana den Bus nach Pinar del Río kriegen wollte. Mit der Busfahrt holte ich die vier Tage komplett auf und war in Pinar del Río wieder im Plan. Natürlich geht so etwas nicht ohne Verluste. Die Festung „Castillo de Jagua“, den Strand „Playa Girón“ sowie den Nationalpark „Ciénaga de Zapata“ hätte ich gerne gesehen. Auf der Busfahrt entschied ich mich der vorgeschlagenen Strecke des Cycling Cuba Reiseführers von Viñales nach Havanna zu folgen. Ursprünglich hatte ich die Sehenswürdigkeiten auf Hin- und Rückfahrt aufgeteilt.
Pünktlich kam der Bus in La Habana an. Dort kaufte ich mir das Ticket nach Pinar del Río. In der überschaubaren Viazul Busstation ließ ich das Gepäck kurz unbeaufsichtigt, um mir eine Pizza zu kaufen. Um 13.45 Uhr lud ich das Rad in denselben Bus, mit dem ich von Cienfuegos kam. Diesmal wurde sogar auf der Fahrt ein Film gezeigt, aber ich interessierte mich mehr für die Landschaft, die ich den nächsten Tagen durchradeln würde.
In Pinar del Río wurde ich sofort von Jineteros angesprochen und per Fahrrad verfolgt. Ich suchte eine Unterkunft. Die unter den angegeben Adressen Casas Particulares, existierten allerdings nicht mehr. Ein besonders nervender Jinetero hing an mir wie eine Klette. Ich versuchte diesen mit allen möglichen Mitteln abzuschütteln. Ich fuhr durch Einbahnstraßen als Geisterfahrer. Fuhr der Schlepper geradeaus, bog ich links oder rechts ab. Das half aber nur kurzfristig. Mit vollem Gepäck und gleichzeitiger Zimmersuche ist das nicht so einfach. Schließlich entdeckte ich eine Unterkunft. Dem Besitzer erklärte ich, dass ich das Zimmer selbst entdeckt hatte. 15 Minuten lang diskutierten wir, bis der Schlepper ohne Provision abzog. Diese Typen können echt lästig sein. Mein Gastgeber mixte mir gegen den Ärger einen kräftigen Mojito. Nach dem guten Abendessen, legte er Rock-Musik auf, die er lieber möchte als die kubanische Musik. Wir quatschten recht lange, bevor ich müde zu Bett ging. Wovon eigentlich? Heute war der 50. Jahrestag der Beginn der Revolution, von irgendwelchen Festivitäten habe ich überhaupt nichts mitbekommen.
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#340514 - 05.06.07 22:50 23. Tag: Der beste Tabak der Welt [Re: JohnyW]
JohnyW
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23. Tag: Der beste Tabak der Welt
Pinar del Río – Viñales (68 km)
Sonntag, 26. November (sonnig)

Morgens frühstückte ich gemütlich und verließ die Pension, um sonntags Travellerschecks zu tauschen. Die erste Cadeca-Filiale verwies mich zur Hauptstelle, ein paar Straßen weiter. Diese monierte die fehlende Kaufquittung. Also wieder zurück, die Kaufquittung geholt. Wieder in der Cadeca-Hauptstelle fand der Angestellte die Schecknummern nicht auf der Kaufquittung. Zum Haare raufen! Ich erklärte ihm, wie so ein Beleg zu lesen ist und bekam das Geld. Die Zeit bis 9.00 Uhr war mit dieser Aktion gut totgeschlagen. Ich wollte heute ein wenig durch die Stadt schlendern und mir eine Tabakfabrik ansehen. Das teure Ticket von 5 CUC durfte ich in einem Reisebüro kaufen, wieder eine sinnfreie Lauferei. Fotografieren durfte man in der Tabakfabrik nicht. Die kurze individuelle Führung war aber recht interessant. Ich ging kreuz und quer durch die Stadt, bis ich zum baulich interessanten Palast „Palacio Guasch“ kam. Das Museum im Gebäude besichtigte ich nicht. Stattdessen ging ich zurück und packte meine sieben Sachen.
Mein Vermieter wollte mich ein Stück mit dem Rad begleiten. Obwohl ich langsam fuhr, verlor ich ihn nach wenigen hundert Metern. Bis Viñales waren es gute 20 Kilometer und es ging leicht bergauf. Aber wirklich harmlos. Hatte ich noch die knüppelharten Steigungen im Kopf, oder puschten mich die Parolen am Straßenrand vorwärts? Am Hotel „Las Jazmines“ gibt es eine Aussichtsterrasse. Von dort werden die Katalogbilder vom Viñalestal geschossen. Von hier hat man eine sehr schöne Aussicht über die imposanten Karstfelsen. Im Besucherzentrum wollte ich mich über die Öffnungszeiten der Höhle „Gran Caverna de Santo Tomás“ informieren. Mir wurde gesagt, dass diese heute geschlossen wäre, aber man könne mir ein Zimmer für die Nacht anbieten. Aha, daher wehte der Wind.
In Viñales selbst hielt ich nicht einmal an und fuhr stattdessen direkt zur Höhle. Selbst wenn diese geschlossen wäre, würde ich hoffentlich 25 Kilometer durch eine schöne Landschaft fahren. Entlang der fruchtbaren roten Erde, auf der der beste Tabak der Welt wächst, mit den grünen Karstfelsen ging es in Richtung Höhle. Die Landschaft war schön, aber den spektakulären Blick hat man nur von der zuvor besichtigten Aussichtsterrasse. Kurz vor 14.00 Uhr erreichte ich die Höhle. Ein holländisches Pärchen traf auch noch ein. Nachdem jeder seinen Helm mit Grubenlampe aufgesetzt hatte, begann die Führung. Das Höhlensystem ist eines der größten auf diesem Planeten, wobei nur ein winziger Teil Touristen offen steht. Die Höhle zeichnet sich dadurch aus, dass es viele Tageslichtdurchbrüche gibt. Es gibt keine ausgebauten Wege, sondern man ist gezwungen ab und zu ein wenig zu klettern. Dabei kommt ein gewisses Höhlenforschergefühl auf. Neben Stalagmiten und Stalaktiten gibt es in der Nähe zu den Eingängen Tropfsteine, welche bei Regen waagrecht wachsen. Leider habe ich deren Namen wieder vergessen. Der Höhepunkt war die funkelnde La Perla-Höhle, mit der anschließenden Kletterpartie. Die Höhle ist sehr sehenswert. Allerdings ist der Eintrittspreis von 10 CUC recht happig.
Auf der Rückfahrt nahm ich mir die Zeit zum Fotografieren. Ich nutzte die Gunst der Stunde einen Cowboy abzulichten. Seit Sancti Spiritus waren diese recht zahlreich entlang der Straße zu sehen. Die kleinen netten Tabakfarmen und deren Felder sehen richtig gut aus und passen irgendwie in die Landschaft. Ich hatte Glück, dass die Tabakpflanzen zu dieser Zeit schon eine wahrnehmbare Größe hatten. Ein Tabakbauer zeigte mir Tabaksamen und schenkte mir eine selbstgedrehte Zigarre. Kurz vor Viñales besichtige ich von außen die gewöhnungsbedürftige „Mural de la Prehistoria“ Malerei an einer Felswand. Aber bedeutend schöner waren die von der Abendsonne beleuchteten Mogotes, wie die Kegelkarstfelsen genannt werden. Von diesem Anblick konnte ich mich gar nicht losreißen. Als der letzte Sonnenstrahl verschwunden war, begab ich mich auf Zimmersuche.
In Viñales gibt es ein Überangebot, so dass ich für den bisher günstigsten Preis die bisher schönste Unterkunft fand. Meine sehr freundlichen Vermieter luden mich nach dem Essen zu einer Musikveranstaltung ein. Da mich die kubanische Musik nicht sonderlich begeistert, wollte ich lieber am Tagebauch schreiben. Die Musikveranstaltung war gerade zu Ende, als die Vermieter dort ankamen. Ich hatte also nichts verpasst. In dieser Pension konnte man sogar Bücher tauschen. Jetzt ging „Die Täuschung von Charlotte Link“ in meinen Besitz über. Wie ich mich kenne, wird jetzt wieder mehr gelesen als am Tagebuch geschrieben.
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#343045 - 13.06.07 22:59 24. Tag: Höhlentag [Re: JohnyW]
JohnyW
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24. Tag: Höhlentag
Viñales – San Diego de los Baños (81 km)
Montag, 27. November (sonnig)

Morgens stand ich um 5.30 Uhr auf und fuhr in der Dunkelheit den kleinen Hügel zur Aussichtsterrasse hoch, um den Sonnenaufgang über dem Viñalestal zu erleben. Ein LKW überholte mich bei diesem Anstieg. Dieser rußte so stark, dass mein Licht absolut wirkungslos wurde. Nach 30 Meter Blindfahrt konnte ich die Straße wieder erkennen und bekam weniger verschmutzte Luft in die Lungen. An der Aussichtsterrasse baute ich das Stativ auf und wartete. Für den Sonnenaufgang war es noch viel zu früh. Daher fotografierte ich in der Zwischenzeit die Silhouetten von Bäumen vor dem schon im Morgenrot erleuchteten Himmel. Erst gegen 6.45 Uhr reichte das Licht einigermaßen aus, um ein paar stimmungsvolle Fotos zu machen. Wenig später störte ein lautes Moped die schöne morgendliche Stimmung. Ein Tabakbauer traf mit seinem Schwiegersohn am Aussichtspunkt ein, um sich ebenfalls den Sonnenaufgang anzusehen. Zwischen 7.15 und 7.30 Uhr gab es das beste Licht zum Fotografieren. Genau in dieser Zeit stieg das Kommunikationsbedürfnis der Kubaner. Jetzt musste ich Multitasking betreiben: Suche nach einer guten Kameraeinstellung, Fotografieren und nebenbei eine Unterhaltung führen. Die Unterhaltung wurde auf später verschoben. Gemeinsam genossen wir den restlichen Sonnenaufgang und als die ersten Souvenirhändler eintrafen, war der Zeitpunkt gekommen den Ort zu verlassen.
Das Frühstück war schon vorbereitet. Danach fuhr ich zur Höhle „Cueva de San Miguel“. Auf dem kurzen Weg dorthin passiert man ein paar interessante Kalksteinfelsen. Diese immerhin kostenfreie Höhle dient nur als Verbindungsgang zwischen zwei Restaurants. Interessant war höchstens, dass man am Ende der Höhle in ein weiteres Seitental gelangt. Die Höhlentour ging weiter. An der Höhle „Cueva del Indio“ musste ich das Rad auf dem Parkplatz abstellen, ausnahmsweise sogar mal kostenlos. Das Ticket war wieder recht teuer und das Vergnügen dafür kurz. Ich hatte die Höhle fast für mich alleine, da die Touristenbusse diesen Stopp erst später auf dem Programm hatten. Ein paar hundert Meter läuft man auf einem gut ausgebauten Weg durch die Höhle und gelangt so zu einem unterirdischen Steg. Anschließend folgt eine kleine Bootsfahrt auf dem aufgestauten unterirdischen Fluss. Kein Vergleich zu der „Gran Caverna de Santo Tomás“.
Die Strecke zwischen Viñales und dem Ort La Palma ist größtenteils flach, aber in einem schlechten Zustand. Eingerahmt von den imposanten Felsen führt die Straße durch kleine Dörfer mit blumengeschmückten Vorgärten der Häuser. Hier wird intensiv Landwirtschaft betrieben. Der Tabakanbau ist selbst im Viñalestal nicht dominierend, denn Tabak wird im Wechsel mit Bohnen angebaut. Ich fuhr an einer Ananasplantage vorbei, deren Früchte leider nur selten zum Kauf angeboten wurden. Um Punkt 12.00 Uhr erreichte ich La Palma und fand eine kleine Pizzeria. Für wenige Pesos Cubanos schlug ich mir den Bauch voll. Vielleicht war das doch keine so gute Idee, denn direkt am Ortsausgang begannen wieder Steigungen. Aber man muss die Gelegenheiten nutzen, wenn sie sich bieten. Jetzt galt es die Cordillera de Guaniguanico zu überqueren.
Nachdem ich ein paar Hügel überwunden hatte, kam der Abstecher zur Höhle „Cueva de los Portales“. Der Campismo war mal wieder geschlossen, aber ich war ja nicht zum Übernachten hier, sondern um die Höhle zu besichtigen. Die Hauptattraktion ist das Bett von Che Guevara, in dem er übernachtete, als er sich auf dem Höhepunkt der Kubakrise diese Höhle als Zufluchtsort ausgesucht hatte. Na ja, vor einem drohenden Atomkrieg hätte ich mir eine andere Höhle als Zufluchtsrevier ausgesucht. Die Höhle selbst ist uninteressant. Man kann an dem netten Flusstal ganz gut einen 15 Minuten langen spazieren gehen.
Nach 20 Minuten schweißtreibender Bergauffahrt mit etlichen Höhenmetern stellte ich fest, dass ich in die falsche Richtung fuhr. Ein Blick auf die Karte bestätigte meine Vermutung. Also rollte ich wieder zurück zu dem Punkt, an dem ich falsch abbog, und war wieder auf der richtigen Straße. Normalerweise konnte man sich auf den Lonely Planet Cycling Guide verlassen. Aber die als extrem schlecht bezeichnete Straße entpuppte sich als gut zu fahren, denn den vereinzelten Schlaglöchern konnte man ausweichen. Man passiert den vegetationsreichen Nationalpark „La Güira“, kriegt das aber erst so richtig mit, wenn man den Nationalpark durch das mittelalterliche Tor mit der kleinen Parkanlage verlässt. Bis San Diego de los Baños war es nur noch ein Katzensprung. Durch meine Irrfahrt kam ich in San Diego zu spät an, um noch ein Bad im öffentlichen Thermalbad zu nehmen. Dafür musste der 1,15m tiefe Pool des Hotels herhalten. Schwimmen konnte ich da drin nicht, aber das Bad war wenigstens erfrischend. Die Zeit bis zum Abendessen nutzte ich, wie häufig meine Radklamotten durchzuwaschen. Abends las ich, anstatt Reisetagebuch zu schreiben.
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#343048 - 13.06.07 23:05 25. Tag: Keine Unterkunft [Re: JohnyW]
JohnyW
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25. Tag: Keine Unterkunft
San Diego de los Baños – Las Terrazas (85 km)
Dienstag, 28. November (sonnig)

Im Hotel war ausnahmsweise das Frühstück im Zimmerpreis enthalten. Allerdings wurde es erst ab 8.00 Uhr serviert. Heute war mir das recht, denn die Radbekleidung war noch feucht. Eine halbe Stunde in der Sonne trocknete sie ein wenig. Auf direktem Weg ging es entlang ausgedehnter Zuckerrohrplantagen zur Autobahn. Hier gab es wenig Verkehr und die 28 Kilometer sollten recht schnell abgespult sein. Aber ich hatte wieder Gegenwind. Ich hoffte auf eine Tankstelle, um etwas zu essen zu bekommen. Es gab aber erst eine Tankstelle an der Ausfahrt. So kurz vor Soroa entschied ich mich weiter zu fahren. Es ging wieder in die Cordillera de Guaniguanico. Am Anfang ein kurzes steiles Stück, danach ging es moderat bergauf nach Soroa.
Ich hatte einen Ort erwartet, aber es gab nur ein Restaurant und ein Hotel, aber dafür viele Attraktionen. Am Parkplatz durfte ich wieder 1 CUC für das Bewachen des Rades bezahlen. Als erstes schaute ich mir den Wasserfall „Salto del Arco Iris“ an. Dieser Wasserfall mit dem urigen Bachlauf gefiel mir recht gut. Als nächste Attraktion besuchte ich den Orchideengarten. Dieser Garten ist wirklich sehr schön. Auf einer Führung werden die Pflanzen benannt und der Verwendungszweck erklärt. Dabei erfährt auch die Namen der Pflanzen, an denen man täglich vorbei radelt. Beeindrucken ist das kleine Orchideenhaus, in dem angeblich 700 verschiedene Pflanzen wachsen. Hier sah ich viele Orchideen, die ich noch nie zuvor im Leben gesehen hatte. In der Gartenanlage gab es weitere exotische Blüten zu entdecken. Dieser Besuch hat mir wirklich gefallen. Die Wanderung zum Mirador und die Fahrt zum „Castillo de las Nubes“ schenkte ich mir.
Stattdessen fuhr ich nach Las Terrazas, um dort eventuell zu wandern. Die Strecke führte weiterhin moderat bergauf. Als ich den Bergkamm erreichte, verschwand die Sonne hinter dunklen Wolken. Las Terrazas liegt mitten in einem Biosphärenreservat für das eine Eintrittsgebühr von 3 CUC erhoben wird. Übernachtet man dort, wird diese Gebühr erlassen. Auf den Weg zum Ort bog ich rechts ab, um mir das Flusstal des Río Bayate anzusehen. Ich fuhr eineinhalb Kilometer in dieses Tal hinein, bis ich zu einer Badestelle am Fluss gelangte. Dort machte ich eine Pause bevor ich mit der Kamera bewaffnet die Umgebung erkundete.
Anschließend wollte ich zum Campismo El Taburete fahren, um dort die Nacht zu verbringen. Die Tankstelle auf dem Weg dorthin verkaufte nur Benzin, so dass ich auf meine geliebte Cola verzichten musste. Kurz vor dem Campingplatz traf ich einen holländischen Radler. Wir entschieden uns gemeinsam im Ort zu übernachten. Leider gibt es dort keine Casa Particular. Das Luxushotel Moka mit 100 CUC für das Zimmer war uns zu teuer. Wir bekamen einen Tipp, dass es bei der Badestelle am Río San Juan eine Übernachtungsmöglichkeit gäbe. Als wir dort ankamen, waren alle Hütten belegt. Ich durfte dort das Zelt aufbauen. Der Holländer hatte keinen Schlafsack dabei und so trennten wir uns wieder. Über eine enge Brücke führte ein 200 Meter langer stufiger Weg zur Rezeption der Cabañas. Ich sah mir das an, kaufte am Restaurant Getränke, und entschied mich auf dem Parkplatz zu campen. Dann kamen die Wachmänner, die mir zuvor das Campen erlaubt vorbei. Ich durfte zwar campen, aber nicht auf dem Parkplatz. Nach kurzer Diskussion trugen sie einen Großteil des Gepäcks zu einer Wiese und versprachen mir, dass sie mir morgen nochmals beim Transport helfen würden. Unter neugierigen Blicken baute ich das Zelt auf und begann zu kochen. Ich hatte noch Nudeln und Tomatensoße und wollte diese Vorräte verbrauchen. Morgen werde ich nach La Habana kommen und dort bräuchte ich die Vorräte nicht mehr. Im Dunkeln kochte mir einen riesigen Berg Nudeln. Eine scheue junge Katze bettelte nach Essen. Da ich viel zu viel gekocht hatte, richtete ich ihr eine Pfanne und stellte diese vier Meter von mir entfernt ins Gras. Soweit wie sich die Katze an mich herangetraut hat. Das Tier traute sich nun gar nicht mehr in meine Nähe. Als ich mehrmals das Essen für sie mit der Taschenlampe angeleuchtet hatte, kapierte sie es. Nachdem ich satt war und immer noch ein paar Nudeln übrig hatte, gab ich der Katze den Rest zu essen. Einer der Wachmänner erhielt die letzten Reste der nicht verbrauchten Lebensmittel. Nach dem Essen war die Batterie meiner Taschenlampe leer. Ein guter Zeitpunkt sich schlafen zu legen.
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#343051 - 13.06.07 23:17 26. Tag: Ankunft in La Habana [Re: JohnyW]
JohnyW
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26. Tag: Ankunft in La Habana
Las Terrazas – La Habana (92 km)
Mittwoch, 29. November (sonnig)

Ich stand mit dem Sonnenaufgang auf und spülte erst einmal das Geschirr vom Vorabend und packte ich die Sachen zusammen. Mittlerweile wachten die anderen Gäste so langsam auf, darunter die Engländer, die ich in Trinidad traf. Als ich zusammengepackt hatte, bestellte ich ein überteuertes Frühstück. Solange dieses hergerichtet wurde, fotografierte ich den sehenswerten Río San Juan. Für mich der schönste Ort in diesem Nationalpark. Das Frühstück nahm ich gemeinsam mit den anderen Gästen ein. Anschließend brach ich auf. Die beiden Wachmänner halfen mir, wie versprochen, mit dem Gepäck.
Jetzt fuhr ich die dreieinhalb Kilometer zurück nach Las Terrazas und ich hatte den Blick frei für die Flora und die Landschaft. In Las Terrazas pausierte ich am Stausee „Lago San Juan“, aber zum Boot fahren oder schwimmen hatte ich keine Zeit. Ich folgte der Beschreibung, der im Lonely Planet Cycling Guide aufgeführten Route. Diese vermied die Autobahn und lief entlang kleiner schlechter Nebenstraßen parallel zu dieser. Zu sehen gab es wenig. Es ging leicht hoch und runter und natürlich hatte ich wieder Gegenwind. Um vorwärts zu kommen, ist die Autobahn sicherlich die bessere Alternative. Ich hoffte, dass es langsam immer flacher wird, aber ich verlor kaum Höhe. Nach zwei Kilometer auf der Autobahn kam die Abzweigung zur Küste nach Mariel. Mit einer einzigen rasanten Abfahrt ging es hinunter zum Meer. Jetzt verlief Straße nach La Habana entlang der Küste. An dem Strand „Playa Baracoa“ machte ich eine längere Pause. Ein kleiner Teil des Strandes ist sehenswert. In einem Strandcafé trank ich ein paar kühle Getränke und sprang zur Abkühlung ins Meer.
Danach nahm ich letzten 30 Kilometer nach La Habana in Angriff. Als die Bebauung dichter wurde, fragte ich ein paar Autofahrer, ob sie mein restliches Benzin mochten. Aber alle lehnten dankend ab. Wo bin ich denn hier? Bisher ging das immer sofort weg. Nachdem der fünfte ablehnte gab ich es auf. Als Nächstes kam ich nach Miramar. Dieser Stadtteil von La Habana, passt irgendwie gar nicht zu Kuba. Hochmoderne Ampelanlagen, welche die Restzeit vor dem Umschalten in Sekunden anzeigten, herrschaftliche Villen rechts und links der Straße. Kein Wunder, dass hier sich die Botschaften angesiedelt haben. Fahrzeuge deutscher Produktion sind hier zahlreich anzutreffen. Es gibt hier zwar keine touristischen Sehenswürdigkeiten, aber ein Nachmittagsspaziergang könnte interessant sein, wozu ich aber keine Zeit haben werde.
Durch einen Tunnel gelangte ich zum Malecón. Von der Straße wechselte ich auf die Uferpromenade. Der Wind blies jetzt ungeschützt von vorne und drückte meine Geschwindigkeit auf 11-12 km/h. Aber ich hatte genug Zeit, um die letzten fünf Kilometer gemütlich in Angriff zu nehmen. Ich genoss die Fahrt und begann mit der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten entlang des Malecón. Ich fotografierte die Denkmäler „Monumento a Calixto García”, „Monumento a las Victimas del Maine” und das „Monumento a Antonio Maceo”. Auch die Skyline von La Habana ist vom Malecón aus sehenswert. Im Stadtteil Centro suchte ich mir ein Zimmer, denn im Gegensatz zu La Habana Vieja befinden sich hier die Zimmer im Parterre und nicht im 3. Stock. Auf Anhieb fand ich ein sauberes Zimmer, aber die Vermieterin war etwas komisch. Letztlich entschied der Preis. Hier übernachtete ich noch günstiger als in Viñales.
Nach einer Dusche hatte ich noch eine Stunde, bis die Sonne unterging. Ich nutzte die Zeit, um mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen und ging über den Prado zum Kapitol. Der Parque Central ist vielleicht einer der schönsten Plätze in ganz Kuba. Da jetzt die Dämmerung einsetzte ging ich zum Park „Parque de la Fraternidad“. Ich setzte mich auf eine Bank und wartete, bis das Kapitol beleuchtet wurde und beobachtete das Treiben auf der Straße. Ein Desinfektionslaster fuhr durch die Straßen und versprühte einen dichten weißen Nebel. Das sah aus, als ob irgendein Gebäude brennen würde oder sogar zusammengestürzt ist. Als Tourist sitzt man nicht lange alleine auf einer Parkband. Ich unterhielt mich mit einem Dreiradtaxifahrer. Zum Abschluss wollte er unbedingt mit mir morgen die Stadt besichtigen. Ich war froh, am nächsten Tag das Mammutbesichtigungsprogramm alleine zu absolvieren, denn das gibt morgen sehr viel Lauferei. Die Beleuchtung des Kapitols war enttäuschend und ich ging zurück zur Pension. Während des Abendessens plante ich die morgige Stadtbesichtung. Dabei fiel mir auf, dass ich mir Sehenswürdigkeiten entlang des Malecóns aufgeschrieben hatte, die ich nicht bemerkt hatte. Diese waren offensichtlich nicht so herausragend, dass sie einem auffallen mussten. Als der Plan stand ging ich zu Bett.
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#348105 - 28.06.07 23:30 27. Tag: Die Perle der Karibik [Re: JohnyW]
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27. Tag: Die Perle der Karibik
La Habana (Havanna) (0 km)
Donnerstag, 30. November (sonnig)

Ich ging zuerst über den Prado in Richtung Küste zur Festung „Castillo de San Salvador de la Punta“. Die Festung sah dauerhaft geschlossen aus, nicht nur um 7.30 Uhr. Ich genoss den Blick über die Bucht von La Habana zur imposanten Festung „Castillo de los Tres Santos Reyes Magnos del Morro“. Über einen Kreisverkehr, an dem es fast kein Durchkommen gab, ging ich zum Denkmal von General Máximo Gómez. Es gelang mir unbeschadet, den Platz „Plaza 13 de Marzo“ mit dem Palast „Palacio Velasco“ zu erreichen. Am südlichen Ende des Platzes befindet sich das Revolutionsmuseum. Ich überprüfte zur Sicherheit die Öffnungszeiten, denn dieses Museum war eine Sehenswürdigkeit, welche ich mir unbedingt ansehen wollte. Die Avenida de las Misiones führte mich zum baulich interessanten Barcadí-Gebäude. Dann fuhr mir ein Camello, ein LKW-Bus, vor die Linse und musste natürlich abgelichtet werden. Ich gelangte wieder auf den Prado. Von dort ging ich, wie gestern Abend weiter zum Park „Parque Central“ mit dem Denkmal von Jose Martí. Ich fotografierte das vom Sonnenschein angestrahlte Theater „Gran Teatro de la Habana“ und das Kapitol. Dieses öffnete seine Pforten erst um 10.00 Uhr.
Ich überbrückte die Zeit, indem ich durch die Fußgängerzone zum chinesischen Viertel schlenderte. Der Wechsel war schon enorm. Aus einem herausgeputzten Viertel einer Metropole taucht man ein paar hundert Meter weiter in andere Welt mit verfallenen Gebäuden und geschäftigem Treiben ein. An wenigen Gebäuden erkennt man chinesische Schriftzeichen, ansonsten merkt man überhaupt nicht, dass man sich in einer Chinatown befindet. Die Geschäfte verkaufen ihre Produkte für Pesos und bei der erst besten Gelegenheit kaufte ich einheimische kubanische Zigarren als Souvenir für 4 Eurocent pro Stück. Beim Fotografieren des Palastes „Palacio de Aldama“ entdeckte ich dann das Eingangstor zur Chinatown. Ich durchquerte den Park „Parque de la Fraternidad“ und gelangte zum sehenswerten Brunnen „Fuente de Indio“.
10.00 Uhr war jetzt vorbei und ich besichtigte das Kapitol. Wenn man diesen Prachtbau betritt, beeindruckt die 17 Meter hohe Statue der Republik. Zu ihren Füßen ist der Punkt, von dem alle Entfernungen auf Kuba zu La Habana gemessen werden. Dieser ist mit einer Replik eines 24 Karat großen Diamanten markiert. Die 62 Meter hohe Kuppel beeindruckt nicht nur durch die Architektur, sondern auch durch ihre kunstvolle Verzierung. Ein Rundgang führt zu sehr schönen Konferenzräumen und schließlich zum Büro des Präsidenten. Ich lies mich als Staatschef fotografieren und setzte anschließend die Besichtigung fort.
Als nächstes ging es in Richtung Bahnhof. Unterwegs gab es Gelegenheiten, mir ein Erinnerungsfoto machen zu lassen, in einem Geschäft, das rund um die Uhr geöffnet hatte, Erfrischungen zu kaufen, oder das Rad gegen einen sehr schönen Oldtimer einzutauschen. Am Bahnhof wurden alte Dampflokomotiven ausgestellt, die früher auf den Zuckerrohrplantagen fuhren. Das Bahnhofsgebäude ist von außen sehr schön anzusehen. Für mich ist er der zweitschönste Bahnhof nach Swakopmund. Anschließend ging es in die Altstadt nach Habana Vieja. Zuerst steuerte ich den sehenswerten Platz „Plaza Vieja“ an. Ich hatte schon einiges über Kunst an Häuserwänden in La Habana gelesen und jetzt entdeckte ich das erstes Wandgemälde. Sehr zahlreich sind diese Malereien allerdings nicht, vor allem wenn man sich auf den touristischen Pfaden bewegt.
Der „Plaza Vieja“ ist ein schöner sonniger Platz, an dessen Seiten restaurierte Gebäude für das koloniale Flair sorgten. Straßencafés hatte ich bisher nur in Santiago gesehen. Hier in der Altstadt gibt es einige, die zum Verweilen einladen. Ich ging weiter zum Rummuseum. Für stolze 5 CUC nahm ich mit einer riesigen Touristengruppe an der Führung teil. Im Hauruckverfahren wurde die Rumherstellung erklärt. Höhepunkt war die Modellbahn, die eine Rumfabrik zu Thema hatte. Allerdings fand ich die individuelle Führung in Santiago bei weitem besser. Bei solchen Massenabfertigungen fühle ich mich unwohl. Die Rumprobe nahm ich noch mit und verabschiedete mich schnell von diesem Ort und suchte den Platz „Plaza de San Francisco de Asis“ auf. Die Börse „Lonja de Comercia“ ist das dominierende Gebäude am Platz. Durch ein geöffnetes Portal konnte ich einen Blick in die Kirche „Iglesia de San Francisco de Asis“ werfen.
Jetzt gönnte ich mir eine Pause in einem netten Straßencafé und las, dass man vom Dach des Gebäudes „Cámara Oscuro“ am „Plaza Vieja“ die Aussicht über La Habana genießen kann. Also wieder zurück. Von dort oben, hat man tatsächlich einen guten Blick über die Dächer von La Habana. Leider kommt man auf die Kuppel des herausragenden Kapitols nicht hinauf. Nachdem ich nach allen vier Himmelsrichtungen geblickt hatte, schlenderte ich durch die sehenswerten Altstadtgassen. Nun suchte ich das typische Kolonialhaus „Casa de la Obra Pía“ auf. Die prachtvollen kolonialen Möbel sind sehr hübsch anzusehen. Auf dem Platz „Plaza de Armas“ traten Artisten auf, um den fotografierenden Touristen ein Trinkgeld aus der Tasche zu ziehen. Ich betrachtete kurz die Statue von Carlos Manuel de Céspedes, das Hotel „Santa Isabel“ und die Nachbildung eines dorischen Tempels mit dem Namen „El Templete“, bevor ich mich umdrehte und das Stadtmuseum im Palast „Palacio de los Condes de Casa Bayona“ aufsuchte. Die Stadtgeschichte wurde fast gar nicht erklärt. Ich entdeckte nur das Stadtwappen von La Habana. Stattdessen gab es herrliche Salons mit kolonialen Möbeln zu sehen. Das Gebäude selbst besitzt einen sehr schönen Innenhof, in dem sogar ein Pfau herumspaziert. Das alleine war schon sehenswert.
Ich ging weiter zur Festung „Castillo de la Real Fuerza“, aber auch diese war verschlossen. Ein Wächter ließ mich wenigstens auf den Vorplatz, damit ich ein Foto machen konnte. Das nächste Museum, das ich aufsuchte war das Automobilmuseum. Wieder eine Enttäuschung. Autos und Motorräder standen abgesperrt hinter einer Kette im Dunkeln, wobei die Laufstrecke maximal 20 Meter betrug. Durch beschauliche Gassen ging zum Platz „Plaza de la Catedral“. Ein kolonialer Platz, wie man ihn sich vorstellt. Ich warf einen kurzen Blick in die Kathedrale „Catedral San Cristóbal de La Habana“ und entdeckte Werbung, dass man den Glockenturm besichtigen sollte. Da ich auf jedes hohe Gebäude rauf muss, investierte ich 1 CUC. Die Glocken behinderten die Aussicht erheblich. Nur das Dach der Kathedrale ist einigermaßen sehenswert. Jetzt ging es über die Parkanlagen am Malecón zum Souvenirmarkt. Ich schaute mir verschiedene Gemälde an. Da mir aber kein einziges richtig gut gefiel, investierte ich mein Geld in einen 1957er Holz-Pontiac. Auf dem Weg zum Revolutionsmuseum kam ich an den Überresten der alten Stadtmauer vorbei. In einer Nebengasse fotografierte ich ein paar Kubaner, die ihr Auto reparierten. Das ist Kuba ein alltägliches Bild, dass jemand am Straßenrand seinen Wagen wieder flott macht.
Das Revolutionsmuseum ist sehr sehenswert. Viele Fotos und Erklärungen veranschaulichen die Geschichte Kubas. Man wird über die Missstände der Batistadiktatur informiert und sieht, wie durch die Revolution vieles zum Positiven geändert wurde. Zum Beispiel sah ich in keinem anderen Land bisher eine so große Anzahl von Schulen. Die häufigen Interventionen der Amerikaner direkt nach der Revolution 1959 erklärten für mich das Bekenntnis zum Sozialismus von Fidel Castro im Jahre 1962. Die Außenanlagen des Museums waren gesperrt, so dass die Yacht „Granma“ nicht besichtigt werden konnte.
Im Palast „Palacio de la Artesanía“ schaute ich mich nochmals nach einem Gemälde um, aber dort gab nahezu keine. Ich ging zurück zum „Plaza Vieja“. Auch in den dortigen Galerien würde ich nicht fündig. Ich gab es auf nach einem Bild zu schauen. Kunst darf aus Kuba nicht so einfach exportiert werden. Für gekaufte Gemälde ist Exportautorisierung notwendig. In ausgesuchten Geschäften gibt es diese direkt. Ansonsten muss man die Gemälde in einer Behörde autorisieren lassen.
Jetzt war die Besichtung zu Ende und ich hatte noch eine Stunde Zeit bis die Sonne unterging. Für den Stadtteil Vedado, den Platz „Plaza de la Revolución“ oder den Friedhof „Necrópolis Cristóbal Colón“ reicht die Zeit leider nicht mehr. Eigentlich war mir das schon gestern klar war. Ich ging durch mir unbekannte Gassen zum Malecón, setzte mich auf die Mauer und rauchte genüsslich eine meiner Fakezigarren, die ich mir in Pinar del Río gekauft hatte. Ein paar Musiker kamen vorbei und fragten, ob ich gerne kubanische Musik höre. Da ich erstens nicht so sehr auf kubanische Musik stehe, der Tag heute ziemlich teuer war und das Geld ausging, verneinte ich diese Frage. Sie sahen die Kamera und fragten, ob ich gerne fotografiere. Klar das mache gerne und sie posierten für ein Foto. Zum Abschluss der kurzen Unterhaltung spielten Sie mir doch noch ein kleines Ständchen. Anschließend genoss ich den Sonnenuntergang am Malecón.
In der Nähe der Unterkunft gab es ein Peso-Restaurant. Dort aß ich zwar sehr preisgünstig, aber nicht besonders gut. Abends ging ich nochmal in die Altstadt, um die ein oder andere Sehenswürdigkeit bei Nacht zu fotografieren. Die Beleuchtung in La Habana ist nicht besonders hell, so dass es dies im Nachhinein betrachtet, nicht sinnvoll war. In der Fußgängerzone in der Calle San Rafael suchte ich nach einem Friseur. Für umgerechnet 10 EUR kann ich mir auch in Deutschland die Haare schneiden lassen. Da ich sehr müde war ging ich zur Pension zurück.
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#348106 - 28.06.07 23:35 28. Tag: Die letzte Etappe [Re: JohnyW]
JohnyW
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28. Tag: Die letzte Etappe
La Habana – Matanzas (105 km)
Freitag, 1. Dezember (bewölkt)

Um 7.30 Uhr stand ich auf und hatte durch das Zusammenpacken die Vermieterin geweckt. Sie hat sich entschuldigt, dass es heute keine Eier fürs Frühstück gab. Diese hätte sie gestern einkaufen können, denn sie wusste ja, dass ich zwei Nächte blieb. Wenigstens wurde ich bei ihr das restliche Benzin los. Um 8.00 Uhr fuhr ich entlang des Malecón bis zur Personenfähre über die Bucht von La Habana. Es gibt drei Möglichkeiten die Bucht zu überqueren. Erstens per speziellen Radlerbus durch einen Tunnel, zweitens per Fähre und drittens weiträumig umfahren. Ich entschied mich für die Fähre. Die Sicherheitskontrolle wurde sehr genau genommen. Jede Tasche musste komplett ausgepackt werden und dann fingen die Diskussionen an. Keine Klingen und kein Glas auf der Fähre. Den Rum, den ich mir gestern als Souvenir gekauft hatte, wollte ich hier nicht trinken und das Taschenmesser brauchte ich noch. Wir einigten uns darauf, dass ich die Sachen ganz tief in eine Satteltasche packte. Nach einer geschlagenen halben Stunde passierte ich die Sicherheitskontrolle. Die Fähre fuhr mir vor der Nase weg und es dauerte eine weitere halbe Stunde, bis ich auf die andere Seite gelangte.
Danach fuhr ich zur Christus-Statue. Von dort oben hat man einen schönen Blick auf La Habana. Das Wetter spielte heute allerdings nicht so richtig mit, denn es war bewölkt. Nach wenigen Metern gelangte ich zur Festung „Fortaleza de San Carlos de la Cabaña“. Diese große Festungsanlage konnte nicht besichtigt werden. Die Festung „Castillo de los Reyes Magnos del Morro“ war ebenfalls geschlossen. Mittlerweile war es schon nach 10.00 Uhr. An der Zeit konnte es nicht gelegen haben. Vielleicht waren die Sehenswürdigkeiten, wegen des morgigen Feiertages geschlossen. Denn morgen wurde Fidel Castros Geburtstag und das Jubiläum der Revolution nachträglich gefeiert. Die Zeit, die ich durch die Überfahrt verloren hatte, holte ich so natürlich wieder herein.
Nach einer Frustzigarette fuhr ich nach Playas del Este. Auf der Autobahn überholte mich eine jugendliche Rennradgruppe. Mit einem von ihnen unterhielt ich mich während der Fahrt. Er gehört zur Triathlon-Jugendnationalmannschaft und lebt in einem Sportinternat. Morgens und abends wird trainiert, nachmittags geht es in die Schule. Ein schönes Leben. Er wunderte sich, warum ich den Helm auf dem Gepäckträger transportierte, anstatt ihn auf dem Kopf zu tragen, denn auf der Autobahn wäre doch viel Verkehr. Ansichtssache, viel Verkehr kenne ich anders. Nach acht Kilometern gemeinsamen Fahrens verabschiedete er sich. Plötzlich hörte ich ein ziemlich lautes Knacken am Hinterrad. Ich hielt sofort an, denn ich dachte eine Speiche war gebrochen, aber ich konnte keinen Speichenbruch feststellen. Aber das Rad fuhr sich jetzt irgendwie schwammig. In Playas del Este radelte ich entlang der Strände. Diese gefielen mir hier auch nicht besonders. Interessant fand ich die Begegnung mit einem US-Amerikaner. Er reiste über Cancun nach Kuba und scherte sich einen Teufel um das US-Embargo. Immerhin kann er für die Einreise nach Kuba zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt werden.
Nachdem ich eine Pizza verzehrt hatte, ging es weiter. Immerhin waren es noch 75 Kilometer bis Matanzas. Die folgende Strecke war recht flach, aber ich hatte wieder Gegenwind. Trotzdem trat ich heute richtig rein. Ein Mal kann man auf einer Tour auch sportlich fahren. Entlang der felsigen Küste ging es durch das einzige Erdölvorkommen von Kuba. Rechts und links der Straße standen viele kleine Ölpumpen. Irgendwann musste das Gelände hügeliger werden, denn schließlich sollte ich heute noch über die längste Brücke in Kuba fahren. Aufgrund des Wetters machte ich keinen Zwischenstopp am Strand „Playa Jibacoa“, sondern blieb auf der Hauptstraße. Jetzt ging es eine moderate Steigung hinauf. Nicht mehr das ewige steile Auf und Ab, wie ich es oft zuvor erlebt hatte. Das Land wird hier wieder landwirtschaftlich genutzt, so dass noch eine Bananenplantage fotografieren konnte. Während einer Pause hielt ein Auto an und die freundlichen Kubaner boten mir etwas zum Essen an. Mittlerweile hatte ich mich auf das Land eingestellt und zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Hunger. In der ersten Woche wäre ich Ihnen wahrscheinlich um den Hals gefallen.
Wieder back on the road fragte mich eine Frau aus einem entgegenkommenden Auto, ob ich ein Zimmer benötigte. Ich bestätigte. Wenig später stoppte das Auto neben mir und wir handelten den Preis für die Casa Particular in Matanzas aus. Von einem Aussichtspunkt hat man einen guten Überblick über Kubas längste Brücke. Nach einem Bier trat ich richtig in die Pedale und kurz vor Matanzas ließ ich es auf der langen Abfahrt laufen. Kaum war ich im Zentrum, hatte ich wieder einen Jinetero an der Backe. Ich machte ihm klar, dass er heute keine Provision erhält, aber er wollte nicht hören. Also ließ ich ihn das Rad bewachen, während ich in einem Geschäft Getränke kaufte. Drei Kunden waren vor mir. Ein Kunde wusste was er wollte und war schnell bedient. Zwei junge Mädels wollten Parfum kaufen. Sie probierten verschiedene Dufte, die Verkäuferin stand gelangweilt neben ihnen und wartete bis sie sich für ein Parfüm entscheiden konnten. Der nächste Kunde wusste ebenfalls was er wollte. Sein Einkauf kostete 3,15 CUC. Jetzt fragte er die Verkäuferin, welche Produkte er noch für 1,85 CUC erstehen konnte. Nach 20 Minuten hielt ich endlich die Getränke in den Händen. Das übt zumindest in Geduld. Anschließend steuerte ich die Unterkunft an. Wie vorhergesagt ging der Jinetero leer aus. Abends gab es einen sehr schmackhaften Fisch zum Abendessen. In La Habana aß ich preisbewusst. Dafür entschädigte dieses Mahl, das eines der besten Gerichte während der gesamten Reise war. Beim abendlichen Kassensturz stellte ich fest, dass mir das Geld ausgeht. Gut, dass ich die 30 CUC für das Zimmer in Euro bezahlen konnte, damit blieben mir noch 35 CUC für den letzten Tag.
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#348109 - 28.06.07 23:41 29. Tag: Stunden bis zum Rückflug [Re: JohnyW]
JohnyW
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29. Tag: Stunden bis zum Rückflug
Matanzas - Flughafen Varadero (37 km)
Samstag, 2. Dezember (bewölkt)

Das Frühstück war genauso gut wie das Abendessen. Beim Beladen des Rades entdeckte ich die Ursache für das schwammige Fahrverhalten. Eine der Verlängerungsstreben des Gepäckträgers war gebrochen. Mit Klebeband reparierte ich das notdürftig. Okay, heute fahre ich mit Helm. Gestern fuhr ich knapp 80 Kilometer mit dem Defekt. Der Gepäckträger musste nur noch 35 Kilometer lang halten.
Als erstes fuhr ich zum Platz „Parque Libertad“ und betrachtete die Kathedrale „Catedral de San Carlos Borromeo“. Ein Kubaner sprach mich auf Englisch an und äußerte heftige Kritik am Regime. Es war ihm sehr wichtig, mich über die Missstände seines Landes zu informieren. Ich entdeckte einen Friseur und leistete mir für 3 CUC eine Rasur und einen neuen Haarschnitt. Bevor ich Richtung Flughafen aufbrach wollte ich einen Abstecher in das Tal „Valle de Yumurí“ machen. Von Matanzas führt die Straße leicht bergauf und von einer Kuppe hat man einen guten Blick auf das Tal des Yumurí Flusses. Ein schönes Tal eingerahmt von Hügeln mit Feldern, auf denen vereinzelte Königspalmen stehen. Wieder in Matanzas schaute ich mir den schönen Park „Parque René Fraga“ an. Der Aufenthalt war kurz, weil ich keinen guten Platz zum Abstellen des Fahrrads fand. Daher konnte ich die Kinder nicht beim Nationalsport Baseball beobachten. Matanzas verließ ich über die sehenswerte Stahlbrücke „Calixto García“.
Als nächstes steuerte ich die Bellamar-Höhle an. Dort stellte ich Rad auf dem Parkplatz ab und informierte mich, wann die nächste Führung stattfand. In 10 Minuten begann die nächste Führung. Ich freute mich auf eine gemütliche Höhlentour, als ein Bus eine Horde Jugendlicher entlud. Das war es dann mit der gemütlichen Führung. Man merkt die Nähe zu Varadero am Eintrittspreis, 15 CUC mit Fotografiererlaubnis. Die Höhle selbst war sehenswert. Der Führer erzählte den einen oder anderen Witz. Als die Jugendlichen mitbekamen, dass der Gringo Spanisch spricht, war es um mich geschehen. Die Gruppe musste unterhalten und vor allem fotografiert werden. Nach der Höhlenbesichtigung nahm ich eine Abkürzung über Feldwege zum Río Canímar. Das tief eingeschnittene Tal ist sehr schön. Hier blieb ich nicht lange, obwohl eine Bootstour ins Landesinnere sicherlich interessant gewesen wäre. An einem Geschäft kaufte ich mir für 6 CUC eine Stange Zigaretten, denn man weiß nie, wie der Duty Free Shop am Flughafen bestückt ist. Jetzt hatte ich nur noch 15 CUC und ein paar Pesos Cubanos übrig. Die 20 CUC Ausreisesteuer hatte ich selbstverständlich auch noch, die waren aber unantastbar.
Anstatt der Hauptstraße zu folgen, nahm ich eine Nebenstraße entlang der Küste. Zuerst führt diese durch dichtes Buschland, bevor sie direkt zwischen der felsigen Küste und dem Marschland mit Tümpeln und Mangroven verläuft. Nach wenigen Kilometern erreichte ich den Strand „Playa Coral“. Ich hoffte an einem schönen Strand den Nachmittag zu verbringen. 30 Meter Sand und ein paar Palmensonnenschirme, nicht besonders einladend. Ein Kubaner fragte mich, ob ich schnorcheln möchte. Ein letztes Bad im Meer wollte ich mir hier auf jeden Fall gönnen, warum dann nicht schnorcheln? Also wieder 5 CUC für die Ausrüstung ausgegeben und ab ins Wasser. In Strandnähe waren die Korallen schon alle totgetreten. Etwas weiter draußen sah ich bunte Fische und wenige, sehenswerte Korallen. In Kuba gibt es kaum Stellen, an denen man vom Strand aus schnorcheln kann. Meist muss man per Boot zu einem vorgelagerten Riff fahren. Ich hatte schon bedeutend schönere Schnorchelerlebnisse, aber schön war es trotzdem. Als ich die Ausrüstung zurückgeben wollte, wurde ich gefragt, ob ich nicht Appetit auf Hummer hätte. Appetit schon, aber kein Geld. Das glaubte man mir nicht, bis ich den Inhalt des Geldbeutels auf den Tisch legte. 5 CUC für die Schnorchelausrüstung. Die übrigen 10 CUC waren für den Eintritt in die Höhle „Cueva Saturno“. Nach einer kurzen Diskussion wurde mir folgender Vorschlag unterbreitet. Der Eintritt in die Höhle kostete nur 5 CUC, die weiteren 5 CUC werden für das Leihen der Schnorchelausrüstung benötigt und eine Schnorchelausrüstung hatte ich ja bereits. Das klang vernünftig und unsozialistisch. So konnte ich mir in den Hummer leisten. Der Hummer war großartig. Ich unterhielt mich recht lange mit den Kubanern und schenkte ihnen, die Wäsche, welche ich nicht mehr benötige.
Um 16.00 Uhr fuhr ich zur Saturno-Höhle. In dieser Höhle gibt es einen ca. 20 Meter langen und sehr tiefen natürlichen Süßwasser-Pool. Um diese Zeit war ich auch der einzige Gast. Es war einfach nur herrlich in der Höhle zu schwimmen. Auf Flossen und Brille kann getrost verzichtet werden. Ein Kubaner fragte mich nach einer Pumpe, da sein Fahrrad Luft verlor. Zum Glück war ich von Pannen in Kuba einigermaßen verschont geblieben. Und die letzten Meter könnte ich das Rad notfalls schieben. Nachdem der Reifen aufgepumpt war, zog ich mir die letzten halbwegs sauberen Sachen an und radelte die letzten drei Kilometer zum Flughafen.
Fünf Stunden hatte ich bis zum Abflug. In aller Ruhe machte ich das Rad flugtauglich und packte die Gepäckstücke so zusammen, dass diese als zwei Gepäckstücke durchgehen. Im Duty Free kaufte ich nochmals ein und suchte zum letzten Mal nach einem schönen Gemälde. Auch hier fand ich keines. Die restliche Wartezeit verbrachte ich mit Lesen und Tagebuchschreiben. Auf dem Rückflug saß eine Frau neben mir, die eine geführte Rundreise mit Meyers Weltreisen unternommen hatte. Es war interessant zu hören, wie wenig sie vom Leben der Kubaner mitbekommen hatte. Sie sprach kein Spanisch und konnte sich nur auf den kubanischen Reiseführer berufen.
In Frankfurt war es trocken und mit 8° C auch einigermaßen warm. Am Sperrgepäckschalter baute ich das Rad zusammen und fuhr mit der S-Bahn nach Hause. Eine interessante Reise war zu Ende.
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#348111 - 28.06.07 23:45 Re: 29. Tag: Stunden bis zum Rückflug [Re: JohnyW]
JohnyW
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Fazit:

Kuba war eine sehr schöne und interessante Reise. Herrliche Gebirgslandschaften und freundliche Menschen, mit denen man leicht in Kontakt kam. Vor allem die Strecke von Santiago nach Niquero hat mir besonders gut gefallen. Auch die Städte mit ihren kompakten, sehenswerten Zentren gefielen mir gut. La Habana und Trinidad waren ebenfalls Höhepunkte der Tour.
Obwohl man von vereinzelten Überfällen hört, empfand ich Kuba als ein sehr sicheres Reiseland. Die Straßen sind zum Radfahren gut geeignet und die geringe Verkehrsdichte trägt zum angenehmen Radreisen bei. Ich wollte den Sozialismus erleben. Im Umfang einer Urlaubsreise gelang dies mir sicherlich. Der Zusammenhalt der Bevölkerung ist groß und verschiedenen Bereichen, wie die medizinische Versorgung und die Bildung für die Massen funktionieren besser, als in der westlichen Welt.
Allerdings ist die Versorgungslage mit Lebensmitteln und Luxusgütern teilweise sehr schlecht. In keinem anderen Land, war es so schwierig an Lebensmittel heranzukommen. In den Bodegas, in denen die Kubaner ihre Lebensmittel per Lebensmittelkarte besorgen, war ich nicht drin. Es gibt es dort nur Grundnahrungsmittel zu kaufen. Im Gegensatz zu Kuba war Haiti, das ärmste Land, das ich bisher mit dem Rad bereiste, ein Schlaraffenland. Dort bekam man an jeder Ecke etwas zu essen. Im Lonely Planet steht zu recht drin, dass jeder Reisende in Kuba irgendwann mal Hunger hat und diesen nicht stillen kann. Wenn das schon für Bustouristen gilt, trifft es auf für Radler auf jeden Fall zu. Kundenorientierung fehlt sehr häufig und eigenständige Entscheidungen werden ebenfalls selten getroffen. Dafür sind die Menschen in Kuba recht freundlich, wobei aufgrund der wirtschaftlich schweren Lage, oft für eine Gefälligkeit bezahlt werden muss. Das sehe ich als direkte Entwicklungshilfe. Wenigstens sehe ich der Person in die Augen, die mich gerade um einen Euro erleichtert.
Die Strände auf Kuba fand ich insgesamt enttäuschend, wobei es den einen oder anderen schönen Strand gibt. Am Besten hat es mir in den gebirgigen Gegenden gefallen, obwohl das Radeln dort mit viel Schweiß verbunden ist, da die Anstiege oft sehr steil sind. Die Architektur ist der größte Schatz, den Kuba zu bieten hat, vor allem wenn die Renovierungsarbeiten so weitergehen wie bisher.
Aufgrund meiner Schwächephasen am Anfang und anspruchsvoller Planung fuhr ich anstatt der geplanten 2600 nur ca. 1900 Kilometer. Dadurch verpasste ich ein paar vermeintliche Höhepunkte. Das Land ist abwechslungsreich: Schwimmen, Wandern und Kultur. Durch die Privatunterkünfte bekommt man sehr leicht Kontakt zu den Menschen. Außerdem habe ich gelernt, dass ich mit Sozialismus und all inklusive nichts anfangen kann. Kuba hat mir gut gefallen und ist auf jeden Fall eine Reise wert.
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#348116 - 29.06.07 00:03 Schluß [Re: JohnyW]
JohnyW
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So,

kurz vor dem nächsten Urlaub das noch zu Ende gebracht schmunzel

Ich verwendete folgende Literatur (Reihenfolge nach Benutzungshäufigkeit)

1. Lonely Planet Cycling Cuba (ISBN 1-86450-249-5) - nochmals Dank an ex-4158
Gut: Gute Streckenvorschläge für die interessanten mit Versorgungspunkt

2. Lonely Planet Cuba (ISBN 1-74059-120-8)
Gut (wie immer): Innenstadtpläne und Umgebungsstadtpläne (sind im Cycling Cuba schlecht), Auflistung der Sehenswürdigkeiten

3. Karte
Ist detailierter als die folgenden (hat man 1. braucht man die aber nur selten)

4. Reise-Know-How Kuba (ISBN 3-8317-1441-X)
Gut: in deutsch kommt nicht an den Lonely Planet ran. Primär für die Vorbereitung genutzt

5. Baedeker Kuba (ISBN 3-8297-1118-0)
Gut: Reiseführer+guter Karte in einem. Gute Hintergrundinfos

6. Nelles Map Cuba (ISBN 3-86574-022-7)
Ist brauchbar, aber 3 und 5 sind besser.


Ich hoffe dass, der ein oder andere den Bericht interessant fand.

Gruß
Thomas
Homepage: http://thomasontour.de
Neu 21.10.2009: 2. Bericht Projekt Hessen aus dem Jahr 2007

Geändert von Zak (21.02.08 13:20)
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#348242 - 29.06.07 11:29 Re: Schluß [Re: JohnyW]
Silberkarausche
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Sehr interessant und schön geschrieben. Hat mir Spaß gemacht das zu lesen.

mercy
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#348813 - 01.07.07 00:13 Re: Schluß [Re: JohnyW]
thomas56
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Beiträge: 406
hallo thomas,
ein schöner, sehr persönlicher bericht.
ich war zeitgleich auf cuba. von mir noch ein paar anmerkungen:
- zuerst mochte ich gar nicht glauben, dass man ohne probleme in national-pesowährung tauschen kann. damit ist das leben dann geradezu irrwitzig billig: getränke ab 1€cent, belegte brötchen ab 3 €cent. kulinarische highlights darf man da natürlich nicht erwarten, aber wenn man sich erst an den strengen geschmack von käse (pizza) und sojajoghurt gewöhnt hat, gehts.
- wir haben ca.50% der übernachtungen im zelt auf farmen gemacht. eine tolle erfahrung so zwischen hühner, pferden und schweinen zu campen. die leute waren interessiert aber nicht nervig.
ich habe am meisten bedauert, dass unser spanisch-wortschatz (meiner nahe 0) zu schwach war, um uns vernünftig unterhalten zu können.
- ein echtes problem fanden wir die blutsauger. autan hilft (fast) gar nicht. in feuchte gegenden und erst recht am strand hilft ab dämmerung nur noch ein moskitonetz/zelt. gemütliches cocktailtrinken (ananassaft-rum) vorm zelt is nich.
- ausserhalb der wenigen touristenorte fühlt man sich in eine andere zeit versetzt: pflügen mit ochsen, nahverkehr mit pferdegespannen und kleinstädte, die ohne veränderung als wild-west kulisse dienen können.

die 4 wochen dort habe mir einen riesen spass gemacht.
gruss
thomas
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#351941 - 10.07.07 21:26 Re: Schluß [Re: JohnyW]
papalf
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 3
Vielen Dank für die Mühe! Zahlreiche Orte habe ich bei einer Rundreise ´99 ebenfalls gesehen und habe mich daher sehr über diesen detailreichen Reisebericht gefreut.

Gruß
Alf
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#359131 - 07.08.07 00:00 Re: Kuba - eine Perle der Karibik [Re: JohnyW]
SnowCrashHiro
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 16
Salü,
wollte nur mal erwähnen, das ich meine 4 Wochen von Ost nach West mit Rad GENIAL fand !!!! Zwar war da Fidel noch nicht so krank, und es durfte gefeiert werden.
Karibisches Sozialismus. EInfach ein Unikat. Und die Mebschen sind dermassen Freundlich und froh...das war für mich der Hammer.....
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