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#1452511 - 13.12.20 19:03 BevoBike, mein erstes Liegerad...
HeinzH.
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 10486
Moin moin!
Es war an einem Sonntag im Sommer des Jahres 1998 als ich bei einer Fahrradtour am Ikea-Parkplatz in Hamburg-Schnelsen vorbeiradelte. Es standen dort viele Menschen und ich sah von weitem auch Fahrräder. Dies machte mich neugierig. Ich radelte auf den Parkplatz und schaute mir das Ganze einmal an. Nun erst bemerkte ich viele Liegeräder.

Schon länger hatten mich Liegeräder fasziniert, da es mir als langjährig im Flugzeugbau und in der Verkehrsluftfahrt Beschäftigten, sowie auch als Modellflieger einleuchtete, daß die Stirnfläche eines Liegeradlers naturgemäß deutlich kleiner ist als die eines Radfahrers auf einem traditionellen Aufrechtfahrrad...

Wie auch immer, ich entdeckte ein Parcour auf dem man verschiedene Liegeräder selbst ausprobieren konnte. Plötzlich sah ich einen großgewachsenen Mann, der mir bekannt vorkam. Bei näherem Hinschauen sah ich, daß es Klaus Beck war, der Klassenlehrer meiner Tochter in der Gesamtschule Hamburg-Langenhorn. Ich kam mit ihm ins Gespräch über Liegeräder und er ermunterte mich, eines der Liegeräder auszuprobieren. Dies wirkte im Gegensatz zu den anderen ausgesprochen hochbeinig, auch der Vorderradantrieb war für mich ungewöhnlich.
Es war das BevoBike. Ich setzte mich auf den breiten Sattel, lehnte mich nach hinten und konnte damit sofort taumelfrei losradeln. Auch die ersten Kurven meisterte ich völlig problemlos und... dieses Fahrrad war komfortabel wie eine Sänfte.

Der Liegeradvirus setzte sich nun in meinem Hirn fest und ich begann mich näher mit diesem Fahrrad an zu beschäftigen.
Es stellte sich heraus, daß Klaus Beck, übrigens ein Multitalent, er schafft z.B. auch große Skulpturen (siehe Foto 20) und spielt in einer Jazzband ein Blasinstrument, der Konstrukteur des BevoBikes war und Heinrich Voss in Itzehoe in seiner Firma Voss, Hersteller von Installateurartikeln (Fittinge etc.) den Prototypenbau und später den Serienbau übernommen hatte. Der Name Bevo beinhaltet Be(ck) + Vo(ss)...

Inzwischen hatte sich auch einer meiner Betriebsratskollegen (der Lufthansa Technik Hamburg) mit dem Bevo-Virus infiziert und Klaus Beck vermittelte uns je einen nackten Rahmen, welcher kleine Fehler, z.B. in der Lackierung aufwies. Als erfahrene Flugzeugtechniker mit Fahrradtechnik-Vorerfahrungen war es für uns natürlich kein Problem, uns je ein BevoBike komplett selbst aufzubauen. Als Schaltung wählte ich die kombinierte Naben-/Kettenschaltung Sachs 3x7, wobei das kleinste Ritzel nicht schaltbar war und entzahnt wurde.



Aufgrund des Vorderradantriebs ist ein Lastentransport unterhalb des Rahmenrohres möglich. Den dazu erforderlichen
Die Unterflur-Gepäckträger baute ich aus Aluminium selbst, die Konstruktion bewährte sich bis zum Verkauf meines ersten Bevos 2007.

Ich setzte mein Bevo für die werktägliche Fahrt zur Arbeit in jeder Jahreszeit, als Einkaufsfahrrad sowie als Touren- und Reiserad ein.
Probleme mit dem Schlupf des angetriebenen Vorderrads hatte ich kaum: Mit zunehmender Erfahrung steuert das Hirn mittels Rückkoppelung zu den Beinmuskeln die in die Pedale eingebrachte Kraft z.B. an steilen Bergen so, daß das Vorderrad immer kurz vor der Schlupfgrenze gehalten wird. Und ja, wäre ich Grobmotoriker, hätte ich diesbezüglich vielleicht etwas Probleme.



Nachdem sich ein drittes BR-Mitglied mit dem Bevo-Virus infiziert hatte, unternahmen wir zu dritt eine Tour von HH-Wilhemsburg die Elbe hoch bis zu zu Grubes Fischerhütte, einem beliebten Treffpunkt von Tourenradlern... Es dürfte eine Seltenheit sein, daß gleichzeitig drei BevoBike-Radler/in auf Tour sind.-

Nach meines Wissens ungefähr 150 ausgelieferten BevoBikes endete dessen Produktion und mein BR-Kollege und ich konnten zwei weitere BevoBike-Rahmen erwerben. Ich besaß neben meinem BevoBike inzwischen auch ein Flevobike und ein Optima Dolphin, trotzdem hatte ich Lust, ein neues BevoBike aufzubauen und dabei alle gemachten Erfahrungen zu berücksichtigen.





Für den Antrieb verwendete ich eine vorhandene gebrauchte 3-fach-Kurbelgarnitur, anstelle des äußeren und inneren Kettenblattes baute ich je eine Kettenblattschutzscheibe, welche bei Vollausschlag der Lenkung auch die Kette führt. Die weiße Führungsrolle ließ ich aus Teflon drehen. Schaltung: SRAM DualDrive 3x8, die Zähne des äußeren Ritzels wurden entfernt.



Die Magura Bremsen erhielten je zwei Versteifungsbügel, den hinteren Bügel der vorderen Bremse fertigte ich selbst an.



Nachdem die LHT-HAM erneut "Fahrradfreundlicher Betrieb" wurde, schenkte man mir ein entsprechendes Schutzblechwappen. In der kleinen Box hinter den beiden Scheinwerfern befindet sich die bekannte Kondensatorschaltung zur doppelten Erhellung.





Hinter den Sitz montierte ich einen Lowriderbügel, so das insgesamt drei Ortliebtaschen sowie unterflur eine Ortlieb Reisetasche mitgeführt werden können.



Nach Fertigstellung meines neuen BevoBikes verkaufte ich mein erstes BevoBike (2.Foto links) in Hamburg.

BevoBike-Weiterentwicklungen



Klaus Beck, der Konstrukteur des BevoBike plant unermüdlich an Verbesserungen (nicht nur) des BevoBike-Konzeptes. Ein Nebengebäude ist voll von technischen Raritäten.



Unter anderem widmete sich Klaus Beck dem gefederten Vorderradantrieb, den er bis zur Serienreife entwickelte...

Ein mir bekannter Flugzeugtechnik-Ingenieur konstruierte und baute für sich selbst vor etwa zehn Jahren eine Weiterentwicklung des BevoBike-Konzeptes, das Silk Road. Zur Veröffentlichung sandte er mir einen Text und Fotos. Aus den bekannten Gründen kann ich hier beides nur verlinkt anbieten: Vom BevoBike zum Silk Road



In der Hamburger U-Bahn, ich hatte mein Bevo dabei, sprach mich vor ungefähr fünfzehn Jahren ein Brite an, der dieses Liegerad kannte weil, wie er sagte, sein Bruder in GB ein BevoBike besitzt... schmunzel
Hier in Münster gibt es neben mir einen weiteren BevoBike-Fahrer und eine mir unbekannte BevoBike-Fahrerin.
So weit die Vorstellung meiner BevoBikes,
Gruß aus Münster,
HeinzH.






Demokratie lebt davon, daß sich die Bürgerinnen und Bürger aktiv einbringen...

Geändert von HeinzH. (13.12.20 19:14)
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#1452594 - 14.12.20 12:39 Re: BevoBike, mein erstes Liegerad... [Re: HeinzH.]
joese
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 109
Ein angetriebenes Vorderrad, wie muss Ich mir das denn in Kurven vorstellen?
Die Kurbel ist ja am Rahmen befestigt, bleibt also auch in Kurven "auf Linie"....
Das heißt, die Kette verdreht sich.
Springt die dann in Kurven manchmal ab?
Wird das Einlenken schwerer, je schärfer die Kurve ist, weil man ja schliesslich auch noch die Kraft zum Verdrehen der Kette aufbringen muss?
Macht es bzgl. der Lenkkräfte einen Unterschied, ob man linksherum oder rechtsherum lenkt?

Und was ist, wenn ich einen feuchten Berg hinauffahre? Hat man dann Traktionsprobleme?
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#1452781 - 15.12.20 19:26 Re: BevoBike, mein erstes Liegerad... [Re: HeinzH.]
irg
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 5128
Hallo Heinz!

Du hast deine Lieger-Geschichte, oder den Beginn davon, sehr schön beschrieben. Vielleicht infizierst du auch jemand anderen damit!

lg!
georg
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#1454739 - 02.01.21 18:50 Re: BevoBike, mein erstes Liegerad... [Re: joese]
HeinzH.
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 10486
Moin Jochen!
-Ja, die Kette wird beim Kurvenfahren je nach Lenkausschlag etwas verdrillt. Beim normalen radfahren, das wissen wir ja alle, sind die Lenkausschläge sehr gering. Bei Vollausschlag habe ich nier "voll rein"-getreten.
-in der Originalversion hat das Kettenblatt nur außen einen Schutzring. Ein bis zweimal pro Jahr sprang mit tatsächlich die Kette ab. Um auch diesen seltenen Vorgang auszuschließen, habe ich bei meinem zweiten Bevo auf beiden Seiten des Kettenblatts einen Schutzring befestigt. Da ich eine alte MTB-Dreifachkurbel benutzte war das ganz einfach...
Man (ich jedenfalls) spürt keine Antriebseinflüsse, weder beim Rechts- noch beim Linksausschlag.
Traktionsprobleme: Natürlich neigt ein Vorderradantrieb zum Schlupf. Ich selbst kam damit gut klar. Auf meinem Hin-Arbeitsweg mußte ich täglich eine Rampe (für Insider: Von der Straße Kniep zur Flughafenstraße) "erklimmen", dies gelang mit viel Gefühl auch bei Schnee*. Dazu schrieb ich oben:
In Antwort auf: HeinzH.
(.....) Probleme mit dem Schlupf des angetriebenen Vorderrads hatte ich kaum: Mit zunehmender Erfahrung steuert das Hirn mittels Rückkoppelung zu den Beinmuskeln die in die Pedale eingebrachte Kraft z.B. an steilen Bergen so, daß das Vorderrad immer kurz vor der Schlupfgrenze gehalten wird. Und ja, wäre ich Grobmotoriker, hätte ich diesbezüglich vielleicht etwas Probleme. (.....)
Aus meiner Sicht die einzige wirkliche Schwäche vom BevoBike ist die verschiebbare Sitzhalterung. Diese ist beim (etliche Jahre später erschienenen) Flux V200**, dessen Rahmenform übrigens dem Bevo nachempfunden zwinker wurde, deutlich besser und komfortabler konstruiert. Die Sitzlehne des BevoBike dagegen ist ergonomischer als bei V200.
Abschließend möchte ich erwähnen, daß frontgetriebene Liegeradtypen nichts Besonderes sind. Aus dem Stand fallen mir das Zox 20" bis Zox 28" sowie das Toxy ZR...
Ich hoffe Deine Fragen beantwortet zu haben,
bis denne,
HeinzH.

*Auch mit meinem anderen vorderrad-angetriebenen Fahrrad, meinem Flevobike gelang mir das immer.
**Flux V200?: Das weiße Fahrrad in diesem Reisebericht
Demokratie lebt davon, daß sich die Bürgerinnen und Bürger aktiv einbringen...

Geändert von HeinzH. (02.01.21 18:56)
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