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#1382904 - 15.04.19 11:01 Pyrenäen; welche Richtung?
Nilz
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 15
Hallo, ich bin neu hier und mir nicht sicher, ob mein Anliegen hier richtig aufgehoben ist.

Eine Freundin und ich (beide aus Köln) planen eine Radtour (Trekkingräder, Camping), nachdem wir die letzten beiden Jahre die Alpen überquert haben, suchen wir nun neue Herausforderungen.

Eine Iddee ist dabei die Durchquerung der Pyrenäen von Meer zu Meer, wobei die Richtung noch zu entscheiden wäre. Nach Recherche im Netz und vor allem hier in diesem tollen Forum sind wir aber immer noch recht ratlos, da es ja keine "typischen/vorgegebenen" Strecken zu geben scheint. Vielleicht hat ja jemkand Tipps für entsprechende Infos im Netz (Tracks?) oder in Buchform.

Oder womöglich habt ihr sogar persönlich Ratschläge oder Tipps. Unsere Wünsche wären: Beläge die man mit Trekkingrädern fahren kann, nicht all zu brutale Anstiege aber auch gerne so wenig Verkehr wie möglich. zwinker

Alternativ denken wir über eine Teildurchquerung der Alpen von Ost nach West oder umgekehrt nach. Auch da sind wir aber nicht wirklich weit mit der Planung bislang.

Über Anregungen und Tipps würde wir uns sehr freuen!

Viele Grüße
Nils

Geändert von Juergen (15.04.19 11:47)
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#1382909 - 15.04.19 11:55 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
Juergen
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 8956
Hallo Nils,
willkommen im weltbesten Forum aller Zeitern party

Ich habe deine Anfrage verschoben und einen neuen Faden eröffnet.
Schau mal in das Profil von veloträumer
und von Tom72 Dort findest Du zunächst genügend Lesestoff, bevor sich die Spezialisten hier melden. Weiteres noch im Profil von natash
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1382912 - 15.04.19 12:30 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
natash
Moderator Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 5973
Grüß Dich,
wie herum Du die Pyrenäen fährst ist eigentlich nicht weent. Tendentiel sind grenzüberschreitende Pässe auf der Straße auf der französischen Seite steiler als auf der spanischen. Kleine, verkehrsarme Strassen hat es genig. Vor allem die spanische Seite ist recht leer.
Wir sind vor 2Jahren DIESE Tour gefahren (track ist im Bericht enthalten). Ich würde aber jedem raten seine Strecke selbst zusammen zu stellen und dabei variabel zu bleiben. Das Wetter kann nämlich sehr garstig werden, da sind spontane Streckenänderungen kein Fehler.
Weitere Inspirationen findet Ihr in den zahlreichen Reiseberichten hier zum Thema Pyrenäen zb hier oder da .
Gruß
Nat
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#1382914 - 15.04.19 12:48 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
Nilz
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 15
Vielen Dank für das schnelle Feedback. Schon mal gut zu wissen, dass es nicht erheblich ist aus welcher Richtung man die Tour angeht.
Wobei es uns wie gesagt eher darum geht, Ideen für die Strecke zu bekommen, da wir beide keine großse Erfahrung mit dem Erstellen von eigenen Strecken haben. Die Resiebereichte sind zT schon sehr informativ, dennoch hab ich noch keine richtige Idee wie man das Ding angehen könnte.
Der Bericht von Euch, Nat, ist schon sehr ansprechend und sowas könnte ich mir gut vorstellen, allerdings ist es wohl etwas lang für den Anfang.

Über weiteres Feedaback wären wir sehr dankbar! schmunzel

Geändert von Nilz (15.04.19 12:51)
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#1382915 - 15.04.19 12:53 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
veloträumer
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 14665
Willkommen im Forum, Nils!
Da ich ich schon einen Schreibassistenten habe, bauche ich ja nicht mer die Feder so zu schwingen. schmunzel

Eine vollständige Pyrenäen-Meer-zu-Meer-Querung habe ich bereits dreimal gemacht, andere Touren in den Pyrenäen erweitern Teilbereiche. Im Profil (aber auch im Radwiki) findest du die Pirineosaurus-Legende mit einer Reihe von Nischen, in Ost und Mitte mehr die spanische Seite, danach mehr Frankreich. Eher ein Mainstream-Route mit den meisten der bekanntesten Pässe ist die Tour de France 2004, beinhaltet mehrere Kammwechsel. Nicht im Profil, aber auch im Forum ist zu finden die Vuelta Verde, die hier verlinkt mit der West-Ost-Querung etwa bei Bilbao beginnt. Auch das war eher eine schnelle Route, teils "entschärft", weil ich krank wurde. Für weniger geübte Bergfahrer aber immer noch hart genug. Hier habe ich fast ausschließlich die frz. Seite beradelt, ausgenommen der Schlussakkord zum Mittelmeer. Mein aktueller Bericht "Euskal Herria" behandelt die Pyrenäen auch noch einmal in einem sehr westlichen Teil Bayonne - Irati - Pamplona - San Sebastian. Dort fahre ich viele Nischenpässe, einige davon auch harte Rampen, ich gebe aber dazu Kommentare. Fast ein Ost-West-Querung war auch meine Tour Pyrénées Cathares Catalán - immerhin vom Mittelmeer bis Lourdes mit ebenfalls interessanten Nischen zu beiderlei Grenze.

Bevor konkreter, erstmal stöbern, welche Landschaften, Passrouten und Kultur eher in Betracht kommen. Es gibt nicht nur Unterschiede Frankreich/Spanien, sondern auch Ost-West, landschaftlich wie kulturell. Generell läuft man bei enem kurzen Zeitkorsett Gefahr, zu schnell die Achse zu bewältigen, weil es schienbar leichter zu machen ist als in den Alpen. Auch einige Stichtäler sind eine Reise wert, etwa in die spanischen Nationalparks Ordesa und Aigüestortes oder die Sierra y Cañones de Guara oder Pont d'Espagne, Gavarnie und Troumouse zur frz. Seite. Viele Pyrenäen-Regionen sind in der Infrastruktur recht spartanisch, verglichen mit den Alpen, was aber gute Küche nicht ausschließt - nur die Lücken sind größer.

Brutal ist relativ, wenn im tatsächlichen Gesamtportfolio von Berganstiegen gemeint, sind wenige Hauptpässe in der Mitte zu finden, mehr bei Nischenpässen im Westen und Osten. Im Osten verbietet sich dann meine Schotterquerung über den Roques Blanches, schon die Asphaltanfahrt zum Mantet ist brutal. Auch sowas wie der Pradell-Pass im Cadí-Massiv ist natürlich tabu - aber da kommt man nicht so schnell drauf drüberzufahren. Die Vulkanlandschaft Garrotxa bietet zwar eine Reihe eher einfacher Passübergänge, nahebei sind aber auch brutale Anstiege wie Vidra oder Bracons, die südlich des Hauptkamms liegen.

Abseits von "brutal" sollte man aber auch die schweren Anstiege nicht unterschätzen, etwa Tourmalet oder Pailhères. Ob der offiziellen Steigungsangaben werden die Pyrenäen gerne mal unterschätzt. Je nach Wetterlage können auch leichtere Pässe zu ganz großen Herausforderungen werden - und das sollte man ernst nehmen. Im Westen lohnt nicht die brutalen Nischenpässe aufzuzählen, weil meist noch unbekanntere Nische. Vielleicht noch auf einer Hauptroute, sei evtl. vor Marie-Blanque gewarnt.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1382916 - 15.04.19 12:53 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
Thomas S
Mitglied
anwesend und zufrieden anwesend
Beiträge: 2926
Hallo Nils,

wie wäre es damit, erst einmal die Hin- und Rückfahrt zu planen und davon die Route anschließend aus zu planen. Gerade wenn Ihr keine Rundtour vorhabt, dürften die An- und Abreise die Fixpunkte darstellen. Habt Ihr dazu schon Vorstellungen?
Thomas
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#1382917 - 15.04.19 13:02 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: veloträumer]
Nilz
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 15
Wow, das ist schon sehr detailiert. Vielen vielne Dank. So langsam bekommt man ein wenig Eindruck, aber immer noch viele Fragezeichen. Aber so haben wir schon mal ein paar Ideen, die wir uns anschauen können.

Was den Schwierigkeitsgrad angeht: Doe Länge der Anstiege ist nicht so relevant wie die Steilheit, da das mit Gepäck usw halt irgendwann brutal wird und ewiges Schieben eher zermürbend ist. Bisschen Schotter ist mit unseren Rädern kein Problem. Aber harte steile Rampen schon eher. Landschaftkich und kultuurell wäre es genau die Mischung die uns interessiert, die Abwechslung.
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#1382918 - 15.04.19 13:04 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Thomas S]
Nilz
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 15
Was Start und Ziel angeht sind wir auch noch total offen und haben da verschiedene sehr unkonkrete Ideen. Es mussjetzt auch nicht unbedingt die komplett Durchquerung von Strand zu Strand sein, aber so als Grundidee wäre es unsere Vorstellung. Also man könnte auch woanders ein bzw aussteigen zB.
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#1382919 - 15.04.19 13:15 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
veloträumer
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 14665
Bahn, Bus oder Flug? - Bei Flug bietet sich vor allem Girona und Bilbao an. Bei Bahn sind es die Grenzbahnhöfe Cerbère und Hendaye bzw. Stationen in der Nähe, Narbonne/Perpignan oder Bayonne gehen entsprechend auch gut. Mit verpackten Rädern gibt es auch noch einen TGV nach Barcelona, dann geht auch Girona im Osten. Busse weiß ich nicht, aber wohl ähnlich wie Bahn.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1382928 - 15.04.19 13:53 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
Uli
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 12947
Zitat:
Was Start und Ziel angeht sind wir auch noch total offen

Ich würde empfehlen sich darüber als erstes Gedanken zu machen, vor allem, wenn ihr die Räder nicht demontieren und verpacken möchtet. Frankreich mit dem Rad im Zug ist leider nicht mehr so einfach ...
Gruß
Uli
Plural-Verben ist out!
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#1382936 - 15.04.19 14:24 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Uli]
Nilz
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 15
Wie gesagt, da sind wir vollkommen flexibel und offen. Auch was mögliche Demontage angeht.
Die entsprechenden Flughäfen/Bhf sind schon mal sehr heilfreich, vielen Dank.

Eventuell hab ich mich missverständlich ausgedrückt. Uns geht es erstaml darum eine ungefähre Idee einer Strecke zu haben, um dann zu gucken, ob das machbar ist für uns und uns gefällt. Oder ob wir doch auf eine andere Alternative setzen müssen.
Wobei ich von den von euch vorgeschlagenen Berichten schon sehr angetan bin.

So etwas wie "typische" Wege, die man im Netz irgendwo nachvollziehn kann gibt es aber scheinbar nicht, oder? Ich meine sowas wie die Via Claudia Augusta zB
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#1382943 - 15.04.19 14:51 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
Bafomed
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 1549
Ich bin seinerzeit im Juli von Bilbao nach Barcelona gefahren, mit mehrfacher Querung des Pyrenäenkamms zwischen Spanien und Frankreich. Einige Tour-Pässe waren auch dabei, z.B. Portillón, Aspin, Peyresourde, Tourmalet, etc. Auch der Besuch des Nationalparks von Ordesa mit Halbtageswanderung war klasse und ist eine Empfehlung wert. Die spanische Seite war auf dieser Sommerreise deutlich wärmer und durchgehend trocken, während es auf der französischen Seite speziell in den Höhenlagen oft neblig war oder Nieselregen fiel - eine Beobachtung, die wohl auch den grundsätzlichen klimatischen Unterschieden beider Pyrenäenseiten entspricht. Auf der französischen Seite war signifikant mehr Autoverkehr zu beobachten, möglicherweise waren dort kurz nach Ende der Tour noch viele Radsportanhänger unterwegs - speziell am Tourmalet kam mir von der Nordseite her eine Großé Zahl Hobbyrennradfahrer entgegen.

Ich hatte damals im Forum schon während der Tour ausführlich über diese Reise berichtet. Insgesamt waren es knapp 1200 km in 14 Etappen, siehe auch dieser Track Bilbao - Barcelona

Die verlinkte Strecke ist komplett asphaltiert und stellt keine besonderen Ansprüche an Bereifung bzw. sonstige Ausrüstung.

Gruß,
Martin


Geändert von Bafomed (15.04.19 14:54)
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#1382947 - 15.04.19 15:19 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Bafomed]
Nilz
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 15
Danke, das sieht auch nach einer interessanten Variante aus. Ich denke bei uns wird es auch so Ende Juni/Anfang Juli werden und dann 2-3 Wochen. Es wäre schon schön von beiden Ländern einen Eindruck zu bekommen, wobei tendenziell die spanische Seite ein wenig bevorzugt wäre.
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#1383004 - 15.04.19 23:58 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
veloträumer
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 14665
In Antwort auf: Nilz
So etwas wie "typische" Wege, die man im Netz irgendwo nachvollziehn kann gibt es aber scheinbar nicht, oder? Ich meine sowas wie die Via Claudia Augusta zB

Da sind jetzt ein paar Denkfehler drin. Die VCA und die anderen bekannten Alpenradwege Alpe-Adria und München-Venezia sind Nord-Süd-Kammquerungen der Alpen mit 1-2 Pässen, nicht wie dein Prokjekt eine Route entlang des Kamms. Als Radweg gibt es sowas bisher in den Pyrenäen nicht, aber ähnliche Ideen:

Der camino frances (Jakobsweg) von St-Jean-Pied-de-Port über den Isaba-Pass nach Roncesvalles bzw. weiter nach Pamplona, mit dem Pilger-Hype durchaus vergleichbar mit VCA. Es gibt allerdings landschaftlich und verkehrsmäßig bessere Alternativen umher, die weit seltener gefahren werden (habe ich alles herausgearbeitet).

Die Via Domitia ist eine alte Verbindung der Römer zwischen Spanien und Italien und führt in einer Vairante über den Col de Perthus im Osten bei Perpignan/Narbonne ins spanische Katalonien, u.a. zur Salvador-Dalí-Stadt Figueres. Es gibt alte Ruinen an der Strecke (Bereich Passhöhe) und zumindest zur frz. Seite kenne ich Infotafeln zur Geschichte. Von der Historie her also sehr ähnlich zur VCA, nur kein Radweg und wegen der niedrigen Höhe auch ein stark von Autos befahrener Pass.

Es gibt einen Kathererweg, der Frankreich und Spanien verbindet, weil die Katharer gegen Ende ihrer Existenz auch nach Spanien geflohen waren. Der Kaharerweg ist allerdings in guten Teilen Wanderweg und nicht radreisetauglich. Insofern kann man meine Reise P. Cathares Catalán auch als eine fahrradgemäße Interpretation sehen - zumindest in Teilen davon. Andere historische Routen sind Flüchtlingsrouten der Republikaner, die vor Franco nach Frankreich geflohen sind. Solche Weg gibt es auch in der Mitte der Pyrenäen, z.B. im Val d'Aran, aber auch am Mittelmeerrand. Eine weitere Fluchtbewegung, genau umgekehrt die Flucht von Juden und anderen Nazi-Verfolgten vor den deutschen Faschisten im besetzten Frankreich des 2. Weltkireges, erfolgte von Frankreich nach Spanien, wo trotz bzw. mit Billigung von Franco diese meist über Portugal ausreisen konnten. Der berühmteste dieser Fluchtwege ist der Walter-Benjamin-Weg, der von Banyuls nach Port Bou führt (und diverse Gedenkstationen enthält), aber auch nur ein Wanderweg ist. An der Küstenstraße der Côte Vermeille finden sich gleichwohl Hinweistafeln zu dieser Geschichte, die meisten Monumente dazu sind auch mit Rad errreichbar. Es gibt also historisch begründete Nord-Süd-Wege über den Pyrenäenkamm, auch teils ausgewiesen oder beschrieben, aber nicht als exklusive Radoption.

Der zweite Denkfehler ist der, dass VCA & Co. ein Netz von typischen (Rad)Wegen im Alpenraum bilden. Es sind nur kleine Ausschnitte der Alpen, die bevorzugt niedrige Übergänge beschreiben und eher an Praktikabilität orientiert sind als an Repräsentativität. Alpe-Adria greift zudem kaum den Alpe-Adria-Gedanken auf, was wiederum die historische Bedeutung des Alpe-Adria-Raumes mehr oder weniger unbeachtet lässt, was auch die Routenführung verrät. Die umfassende Typik der Alpen lässt sich also auch nur auf einer Vielzahl weiterer Straßen erkunden, die thematisch nicht etikettiert sind bzw. nur regional oder lokal Hinweise geben.

Um auf den ersten Irrtum zurückzukommen: Routen entlang des Kamms gibt es übergreifend auf verschiedene Länder in den Alpen auch nicht. Es gibt aber innerhalb Frankreichs die Routes des Grandes Alpes vom Genfer See ans Mittelmeer über die höchsten Pässe - allerdings ist das eher ein sportliches Etikett. Ähnliches gibt es - gleichwohl nur in Frankreich - auch in den Pyrenäen mit der Route des cols des Pyrénées. Die wird allerdings auch imemr weiter ausgeweitet, sodass es manchmal parallele Pässe gibt, sodass man sich für einen entscheiden muss. Mit dabei sind die Mythenpässe der Tour de France, der Toumalet gilt dabei sogar als Urmythos - mehr als jeder Alpenpass (oder Alpe d'Huez etc.). Kompakter gibt es auch noch die Cols de légende, welche aber nur einen Ausschnitt bilden, nicht den ganzen Kamm, und zudem auch einige Stichstraßen (legendäre Bergankünfte einschließen), die nicht nicht alle radtouristisch interessant sind. Auch hier geht es weniger um "Typik" oder "Landschaft" sondern um sportlichen Mythos - entsprechend spielt da Spanien auch keine Rolle, obwohl dort Radpsport auch einen hohen Stellenwert hat und Pässe teils radsportlich ausgewiesen werden (z.B. Steigungen auf Kilometersteinen usw.).

Aufgrund der beiden Seiten und der Pässebäuche im Norden und der stark ausgeprägten Nord-Süd-Schluchten im Süden, die den Pyrenäenkamm als Gesamtnetz kennzeichnen, wirst du um eine eigene Auswahl nicht herumkommen. Vorgaben für eine Typik gibt es sogesehen weder in den Alpen noch in den Pyrenäen. Es ist wie so häufig im Leben: Es wartet weit mehr entdeckt zu werden als es die Zeit des Reisenden erlaubt.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1383006 - 16.04.19 02:46 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
Falk
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Beiträge: 32323
Zusätzlich, guck Dir mal die Struktur der Pyrenäen an. Es gibt einen Hauptkamm etwa entlang der derzeitigen Grenze und von diesem gehen nach Norden und Süden Seitenkämme ab. Zwischen diesen liegen tiefe Täler. Schon deshalb gibt es in Kammnähe auf beiden Seiten keine durchgehenden, kammparallelen Straßen. Das Hochgebirgserlebnis hast Du nur, wenn Du in die Täler reinfährst und dort, wo die Straßen enden, zu Fuß weitergehst. Dann allerdings sind die Pyrenäen grandios.



(An diese Stelle kommt man sogar mit dem Fahrrad, aber es lohnt sich nicht, das beladen wie ein Goldgräber auf dem Weg zum Klondike zu machen. Auf der anderen Talseite, keine Chance)


Auf dem von hinten recht leicht erreichbaren Tozal del Mallo befindet sich im übrigen eine regelrecht unglaubliche Edelweißwiese. Die Wanderfreunde lassen sie stehen, weil es dort weder einen Pyenäenverein gibt, der diese Pflanze zum Symbol gemacht hat, noch einen Luis Trenker gibt, der sowas noch propagiert. Wenn Du aber nur radfährst, dann wirst Du sowas nie selber sehen. Es wäre echt schade.

Nochwas, mit dem Fahrrad befahrbare Verbindungen zwiswschen Nord- und Südseite sind gerade im Mittelteil rar. Dass die Fernbahn in Spanien, abgesehen von den recht neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken, breitspurig ist, weshalb man an der Grenze in der Regel umsteigen muss, weißt Du? Die Fahrradmitnahme in Fernverkehrszügen nach deutscher Art klappt in Frankreich nur noch selten, in Spanien praktisch nie. Nach französischer Art verkleinert auf 120 × 90 × 30cm und in einer Hülle eingepackt, funktioniert dagegen auf beiden Seiten immer.


Nichts geht über einen Traktor, der dafür vorbereitet ist.
Falk, SchwLAbt
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#1383025 - 16.04.19 10:12 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Falk]
LudgerP
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Hallo Falk,

dein erstes Bild, ist das von dem Wirtschaftsweg, der von Torla aus hoch führt, photographiert?
Bist du dann weiter an der Kante lang und dann nach Nerin wieder runter gefahren?

Grüße, Ludger
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#1383081 - 16.04.19 18:37 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: veloträumer]
veloträumer
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Beiträge: 14665
In Antwort auf: veloträumer
,
die gelegentlich auch als historische Tour-de-France-Route etikettiert bzw. vermarktet wird:

Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1383083 - 16.04.19 18:51 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: veloträumer]
veloträumer
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In Antwort auf: veloträumer
Die Via Domitia ist eine alte Verbindung der Römer zwischen Spanien und Italien und führt in einer Vairante über den Col de Perthus im Osten bei Perpignan/Narbonne ins spanische Katalonien, u.a. zur Salvador-Dalí-Stadt Figueres. Es gibt alte Ruinen an der Strecke (Bereich Passhöhe) und zumindest zur frz. Seite kenne ich Infotafeln zur Geschichte. Von der Historie her also sehr ähnlich zur VCA, ...

Damit vielleicht klar wird, dass die Römer nicht nur auf der Via Claudia Augusta unterwegs waren, sondern eigentlich ein ganzes europäisches Straßennetz den Namen tragen könnte:

Bild 1

Der Verlauf im Bereich der Pyrenäenkluse (in jüngerer Zeit auch bedeutende Ausgrabungen in Nähe zum Perthus-Pass etwas westlich am Col de Panissars), wobei Via Augusta auch gelegentlich auftaucht, ebenso wie die Franzosen es auch Vallée de la Rome nennen:

Bild 2

Und so könnte es dann ausgesehen haben - Fahrräder waren offensichtlich noch nicht dabei...

Bild 3


Weitere Anmerkung: DIe Via Domitia ist im weiteren Verlauf in Frankreich durchaus auch ein Radwegkonzept: Per Rad auf Römerstraße - im verlinkten Artikel offenbar noch nicht alle Elemente aufgegegriffen, da bespielsweise ein recht neuer Radweg sich bei Cavaillon/Apt in der Provence befindet (vgl. auch meinen Bericht "PACA" im entsprechenden Luberon-Kapitel).


Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias

Geändert von Juergen (17.04.19 20:58)
Änderungsgrund: Links zu Bildern geändert
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#1383106 - 16.04.19 21:10 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: LudgerP]
Falk
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Zitat:
dein erstes Bild, ist das von dem Wirtschaftsweg, der von Torla aus hoch führt, photographiert?

Ja, etwa von den »Miradores del Molar«. Den Weg Richtung Nerín konnte ich dann doch nicht weiter befahren. Er war noch vor der Punta de Diazas von einer Rinderherde mit einem schlecht gelaunten Stier okkupiert. Mit Argumenten war bei letzterem nichts zu machen.
Falk, SchwLAbt

Geändert von Falk (16.04.19 21:12)
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#1383170 - 17.04.19 10:22 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Falk]
LudgerP
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Danke, hab ich doch richtig vermutet, wir waren da mal zu Fuß unterwegs.

Ludger
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#1383175 - 17.04.19 10:43 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: veloträumer]
Nilz
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Wow, Matthias, 1000 Dank. Das sind wahnsinnig detailierte Infos, du scheinst dich da wirklich sehr auszukennen.
So wie es ausschaut, werden wir wohl oder übel eine eigene Strecke erstellen müssen.

Insogfern war meine Frage wohl wieder etwas missverständlich. Uns interessiert nicht so sehr der geschichtliche Hintergrund der Via Claudia Augusta. Es war nur sehr angenehm dazu im Vorhinein was den Weg anging recherchieren zu können und einen Weg/Track zu ahben den man folgen konnte.

Wie gesagt, was das Ausarbeiten einer Route angeht haben wir keine Erfahrung, daher wäre ein Weg/Track, der eine nicht all zu harte Route beschreibt als Orientierung das was wir suchen. Ein paar sind hier ja auch schon dabei. Falls ihr da noch weitere Tipps habt, wenn nicht virtuell dann auch als Literatur wäre das natürlich wunderbar.

Ansonsten vielen Dank für all die Infos schon mal!
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#1383553 - 21.04.19 08:21 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
m.indurain
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abwesend abwesend
Beiträge: 1114
Hallo,

eine Anregung einer Tour (inklusive Tracks) findest Du hier:

http://pyrenaeen.canal.du.midi.suedwestfrankreich.europaradtouren.de/

Die Tour ist ein Mix aus Bergen und flachen/hügeligen Strecken und die bekanntesten Pyrenäen-Pässe sind mit drin (Tourmalet, Aspin, Aubisque).

Tagesestappen könnt Ihr euerem Leistungsvermögen anpassen.

Die Tour sind auch schon andere Leute nachgefahren (siehe zum Beispiel Gästebuch-Eintrag Nr. 79).

Grüße
Peter


Geändert von m.indurain (21.04.19 08:27)
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#1383555 - 21.04.19 09:08 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: Nilz]
m.indurain
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In Antwort auf: Nilz
Was den Schwierigkeitsgrad angeht: Doe Länge der Anstiege ist nicht so relevant wie die Steilheit, da das mit Gepäck usw halt irgendwann brutal wird und ewiges Schieben eher zermürbend ist.


Hier findest du (fast) alle Pässe mit Höhenprofil und Steigungsangaben:

https://www.zanibike.net/motore.aspx?lingua=d&da=az

In den Pyrenäen halten sichh die Steigungen meist in Grenzen.

Grüße
Peter
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#1383558 - 21.04.19 09:24 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: m.indurain]
Axurit
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 1684
In Antwort auf: m.indurain
eine Anregung einer Tour (inklusive Tracks) findest Du hier:

http://pyrenaeen.canal.du.midi.suedwestfrankreich.europaradtouren.de/
Damit es eine reine Pyrenäentour wird, könnte man im Osten ab Perpignan nach Foix fahren, z.B. durch die Gorges de Galamus und über Puivert, und im Westen von Lourdes über Oloron-Sainte-Marie und St.Jean-Pied-de-Port nach St.Jead-de-Luz.oder Bayonne.
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#1384050 - 25.04.19 17:13 Re: Pyrenäen; welche Richtung? [Re: m.indurain]
Nilz
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 15
Super, danke. Eigentlich haben wir uns nun leider aufgrund des Terminplans gegen die PYrenäen und eher für die Alpen entschieden. Die Tour sieht allerdings toll aus.
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www.bikefreaks.de