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#1377322 - 07.03.19 15:58 Eurovelo 1: Lagos - Cavaleiro - Lagos
norminho
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 4
Dauer:10 Tage
Zeitraum:4.6.2018 bis 13.6.2018
Entfernung:270 Kilometer
Bereiste Länder:ptPortugal

Hallo an alle,

schon ein paar Jahre nutze ich die gesammelte Erfahrung hier aus dem Forum und möchte nun auch etwas beitragen. zwinker

Als passionierter Alltagsradler und schon ein wenig Radreiserfahrener wollte ich seit längerer Zeit mal wieder eine richtige Radreise unternehmen. Nach einiger Überzeugungsarbeit konnte ich auch meine Freundin überzeugen, dass ein Radurlaub genau das richtige für uns ist. Dank unserer beiden Begeisterungen für Portugal war das Ziel schnell klar. Da die Algarve ja bereits ab dem zeitigen Frühjahr eine beliebte Destination für Radler ist und wir von anderen Reiseberichten (danke @haegar & @juergen hier aus dem Forum) begeistert waren, entschieden wir uns für eine Tour entlang der Costa Vicentina. Dass es für den portugiesischen Teil des Eurovelo eine eigene Internetseite mit gpx-Tracks gibt, war ein weiteres Argument, welches die Tourenplanung sehr erleichterte.
Also Flüge gebucht und uns nach Mieträdern erkundigt. Die größte Auswahl haben wir in Faro gefunden und uns für einen Verleih im Zentrum entschieden (darf man hier Empfehlungen namentlich nennen?).
Doch dann ein paar Monate vor dem Urlaub eine Nachricht, welche die Urlaubsplanung durcheinander würfelt: Nachwuchs kündigt sich an! Es stellt sich die Frage ob ein Radurlaub da noch drin ist. Nach Rücksprache mit der medizinischen Zunft und der Aussage die Schwangerschaft ein Zustand und keine Krankheit ist entscheiden wir uns für die Tour. Etappen werden verkürzt und Ruhetage eingeplant.

Ein holpriger Start: Lissabon - Faro

Anfang Juni geht es von Frankfurt nach Lissabon, wo wir 2 Tage verbringen. Das Wetter ist kühl und stürmisch, anders als wir es erwartet hatten. Aber etwas dickere Sachen sind eingepackt. Von Lissabon soll es dann mit dem Zug nach Faro gehen. Die Tickets sind unschlagbar günstig, vor allem mit dem portugiesischem Sparticket, welches man schon von Deutschland aus über die englischsprachige Website der portugiesischen Bahn buchen kann.
Doch am Bahnhof dann der Schock: Unser Zug fällt aus! An der Reiseinformation erfahren wir, dass am Nächten Tag in ganz Portugal das Zugpersonal streikt. Deshalb fahren auch heute schon keine Fernzüge mehr, da das Zugpersonal ja nicht mehr nach Hause kommt.
Portugiesische Gelassenheit schlägt in Lethargie um: Nein, man könne uns nicht weiterhelfen, nein man wisse keinen anderen Weg um nach Faro zu kommen. Aber wir können dieses Beschwerde- und Reklamationsformular ausfüllen um evtl. unser Geld wiederzubekommen (Spoiler: Wir haben es tatsächlich zurückbekommen, zwar nach fast einem halben Jahr, aber immerhin :D). Jetzt ist guter Rat teuer. Flüge von Lissabon nach Faro sind preislich an der Schmerzgrenze und starten auch erst so, dass man nach Mitternacht ankommt. Jemand gibt uns den Tipp mit dem Fernbus zu fahren. Schnell per Smartphone gecheckt wie da die Lage ist: der einzige Bus, der in Frage kommt fährt in 20 Minuten. Ein Taxi vor dem Bahnhof steht da wie gerufen und wir erklären dem Fahrer wohin wir wollen und dass es schnell gehen muss. Die eh schon rasante Fahrweise der Lissaboner Taxifahrer wird noch einmal getoppt und wir kommen rechtzeitig am Busbahnhof an, um noch ein Paar Tickets zu ergattern und Snacks zu kaufen.
Dann geht es los Richtung Süden. 4 h im Bus sitzen machen leider nirgendwo Spaß, auch nicht in Portugal. Erschöpft aber glücklich, dass wir es geschafft haben, verbringen wir den Abend in Faro. Es ist recht kühl und die Straßen sind leer, man merkt, dass die Hauptsaison noch nicht begonnen hat. Ein leckeres Abendessen gibt’s dann im 2 Irmaos (haegar hat das auch in seinem Bericht erwähnt, witzigerweise muss ich das überlesen haben, denn wir sind rein zufällig dort gelandet :))

Am nächsten Morgen geht´s zum Fahrradverleih. Uns erwarten nettes Personal und zwei nagelneue Trekkingräder. Während diese für uns eingestellt werden kümmern wir uns um unser Hauptproblem: den nicht existenten Zugverkehr aufgrund des Streiks. Eigentlich wollten wir mit den Rädern vormittags im Zug nach Lagos fahren und von dort starten, aber daraus wird nichts. Der Regionalbus ist auch keine Option, da keine Fahrräder mitgenommen werden. Die Mitarbeiter der Fahrradverleihs helfen uns, indem sie einen Shuttleservice auftreiben, der uns und die Räder nach Lagos fährt. Und so geht es kurz nach 13 Uhr mit einem schicken Mercedes-Shuttle die knapp 100 km gen Westen. Natürlich beträgt der Preis ein Vielfaches des Zugtickets ist aber dennoch akzeptabel und am Ende ist es die einzige Möglichkeit unseren Zeitplan mit den bereits gebuchten Unterkünften einzuhalten.
In Lagos lassen wir uns in den Randbezirken nahe der Eurovelo 1 Route (EV1) absetzen. Die Räder werden hergerichtet und beladen. Nach einem kurzen Mittagsimbiss mit Galao und Pasteis de Nata (eines unserer Grundnahrungsmittel für die nächsten Tage 😉) starten wir endlich unsere Tour.

1. Etappe Lagos – Sagres: 40,5 km
Durch die etwas edleren Vororte von Lagos geht es vorbei an Golfplätzen und Wohngebieten, welche fast an Gated-Communities erinnern. Den Kennzeichen nach verbringen hier mehrheitlich ältere Briten ihren Lebensabend und lassen sich dabei mit Golfkarts umherfahren. Die noch sehr urbane Landschaft bietet wenig Reize fürs Auge. Die Straßen sind dafür in gutem Zustand (von einem kurzen Stück Schotterpiste abgesehen).
In Luz nehmen wir eine Abkürzung von der EV1 und bleiben auf der M537. Dadurch verpassen wir wohl einen etwas freieren Blick auf die Küste, aber aufgrund der späten Stunde müssen Kilometer schaffen um pünktlich unser Ziel zu erreichen. Hinter Luz endlich weitet sich die Landschaft und man kann endlich auch mal das Meer und die Steilküsten sehen. Im Geschwindigkeitsrausch einer kleinen Abfahrt kurz vor Barrancao verpassen wir die Abzweigung der EV1 und bleiben auf der Straße. Etwas, das ich aber allen, die kein explizites Mountainbike haben, auch empfehlen würde (Erklärung folgt bei der Beschreibung des Rückweges).
Es folgt ein kleiner Anstieg, der einen ersten Vorgeschmack auf das Fahren an der Algarve gibt, ohne gleich völlig zu demotivieren. An der Spitze machen wir einen kurzen Abstecher und folgen Tafeln zu einer Festung (Forte do Almádena). Schilder zeigen an, dass der Weg aufgrund von Bauarbeiten gesperrt ist, aber die Bauarbeiter, welche rauchend am Wegesrand sitzen, lassen uns passieren, ist ja eh gerade Pause. Die Festung selbst ist unspektakulär, da sehr verfallen und gesperrt. Diesmal halten wir uns an die Absperrung, da vor Felsabstürzen gewarnt wird und das wollen wir nun doch nicht riskieren.
Aber es ergibt sich ein toller Blick auf die Praia Boca do Rio, welche am Ende eines malerischen Flusstales liegt. In dieses Tal führt auch die Straße, allerdings mit 16 % Gefälle, was mit einem voll bepacktem Reiserad weniger Spaß macht als ich mir gedacht habe. Wir durchqueren das Tal auf einer kleinteilig gepflasterten Straße, die sich trotzdem angenehm fahren lässt und stehen am anderen Ende vor einer Wahl: eine Asphaltstraße mit 20 % Steigung erklimmen oder erst mal zum Strand fahren.
Wir entscheiden uns natürlich für den Strand auch wenn das Wetter überhaupt nicht zum Baden einlädt (20°C, bewölkt und immer mal wieder Nieselregen). Nach einer kurzen Pause am fast leeren Strand sind die Akkus wieder einigermaßen aufgeladen und wir machen uns Gedanken über die Weiterfahrt. Ein Blick auf die offizielle Route zeigt, dass diese über eine Schotterpiste führt und die 20%-Rampe umfährt. Die Piste liegt oberhalb des Strandes und wir entschließen uns, querfeldein über kleine Wege zu ihr zu gelangen um nicht zu ihrem Anfang zurückradeln zu müssen. Die Wege entpuppen sich allerdings als zu sandig und die Räder als zu schwer, so dass wir am Ende alles abladen und die Fahrräder und das Gepäck 50 m tragen müssen. Ob die anderen Varianten eine bessere Lösung gewesen wären bleibt unklar, da es einfach eine eklige Stelle ist.

Nach Salema geht es dann wieder steil bergab. Die Abfahrten kann man allerdings nur selten genießen, häufig sind die Straße sehr kurvig und schlecht einsehbar und die Abfahrten enden in einer sehr engen Kurve oder Kreuzung. So auch in Salema. Und weil es so viel Spaß macht geht’s natürlich auch gleich wieder hoch.
Die EV1 führt falschherum in eine steile Einbahnstraße, die legale Route über eine Serpentine mit geringerer Steigung, so dass wir diese Ausweichmöglichkeit sehr gerne nutzen. Der Anstieg aus Salema heraus hat es aber in sich und so entscheidet meine Freundin, dass sie sich das nicht antut. Ich fahre erst mein Fahrrad die Straße hoch und dann ihres, während sie läuft, aufgrund ihrer besonderen Umstände natürlich ohne murren schmunzel.

Von der Küste weg geht’s nun durchs Hinterland, mit seiner geschwungenen Landschaft, kleinen Dörfern, halb verfallenen Höfen, Weiden und Wiesen. Endlich stellt sich auch das meditative Gefühl einer Fahrradtour ein. Auf den kleinen Landstraßen herrscht kaum Verkehr und so ist ein bedächtiges nebeneinander fahren ohne Probleme möglich. Der Wind weht angenehmer Weise abwechselnd aus dem Rücken oder von der Seite also eher aus Osten, eine ungewöhnliche Windrichtung für die Algarve. Aber auch sonst ist das Wetter wenig Algarve-like für Juni und wir sind froh, doch auch ein paar Schlechtwetterklamotten eingepackt zu haben.
Wir folgen der Route und queren die große N125 in Raposeira, danach geht es auf Staubpisten mit erheblichen Schlaglöchern durch die Felder. Wenn es mal richtig geregnet hat, ist das sicherlich kein Spaß. So langsam wird es auch dunkel und wir müssen uns beeilen, rechtzeitig zu unserem Quartier zu kommen. Dank eines Anrufes weiß man dort aber schon bescheid und hat uns versprochen bis 21 Uhr auf uns zu warten (ein Hoch auf die neue Möglichkeit in der EU zu surfen und zu telefonieren ohne Extrakosten zu bezahlen).

In Vila do Bispo führt die EV1 direkt an einem auch in Deutschland ansässigem Discounter vorbei und so ist auch die Verpflegung für den Abend gesichert. Der restliche Weg nach Sagres ist großartig. Anscheinend hat man vor einiger Zeit die Nationalstraße neugebaut und die alte Landstraße aber belassen. Auf dieser radelt man entspannt entlang und wird dabei nur selten von Autos oder Traktoren gestört zwinker .
Erschöpft kommen wir noch pünktlich in Sagres auf dem Zeltplatz an und beziehen unseren Bungalow, welcher komfortabler ist, als wir uns gedacht haben. Nach heißer Dusche und Nudeln zum Abendessen geht´s dann glücklich über den doch irgendwie geglückten Start unserer Tour ins Bett.

Geändert von Juergen (07.03.19 16:19)
Änderungsgrund: Ein paar Absätze eingefügt
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#1377323 - 07.03.19 16:11 Re: Eurovelo 1: Lagos - Cavaleiro - Lagos [Re: norminho]
Juergen
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 8555
Wenn ich schon erwähnt werde, dann hab ich eine Bitte.
Könntest Du gelegentlich einen Absatz einfügen. Das macht es einfacher zu lesen.

Dankeschön! schmunzel
Jürgen, der gespannt ist, wie es weiter geht

ps: Hab dir ein paar Absätze eingefügt. zwinker
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +

Geändert von Juergen (07.03.19 16:20)
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#1377604 - 08.03.19 18:23 Re: Eurovelo 1: Lagos - Cavaleiro - Lagos [Re: norminho]
norminho
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 4
1. Ruhetag: Sagres

Ich bin es gewohnt, größere Distanzen mit dem Rad zurückzulegen, meine Freundin nicht. Aufgrund ihrer Schwangerschaft haben wir den ersten Ruhetag gleich an den Anfang gelegt, was sich als sehr günstig herausstellt, da sie den gestrigen Tag ganz schön in den Beinen merkt. Nach einem ausgiebigen Frühstück auf unserer Bungalowterasse bleibt sie „zuhause“ und ich schaue mir die Festung von Sagres an. Allzu viel gibt es dort nicht zu sehen aber die Landschaft mit den Steilklippen und dem wunderbar klaren, blauen Wasser lohnt den Besuch.

Ansonsten habe ich in Sagres nichts besonderes gefunden. Für Radreisende könnten die Einkaufsmöglichkeiten und der Fahrradladen an der Nationalstraße von Interesse sein.

Am Abend wollen wir das gute Wetter nutzen und uns anschauen wie die Sonne am Horizont im Meer versinkt. Eine Möglichkeit dafür ist Cabo de Sao Vicente, aber da es „die“ Sehenswürdigkeit im Umkreis ist, werden dort sicherlich einige Menschen sein, um das gleiche zu tun. Wir entscheiden uns deshalb für einen Strand nördlich des Kaps, welcher von Steilklippen umgeben ist. Dabei handelt es sich um ein wahres Juwel, dass sich lohnt, selbst entdeckt zu werden, weshalb ich nicht alles verraten will. Aber wer mit Google Maps oder anderen Onlinekarten mit Satellitenbildern umgehen kann, wird ihn finden. Über einen schmalen Pfad klettern wir zum Strand hinunter, an dem nur die Fußspuren im Sand davon zeugen, dass andere Menschen dort waren. Einfach wunderbar, wegen solcher Orte sind wir an die Westalgarve gefahren und nun haben wir einen schon am zweiten Tag entdeckt.

Den Sonnenuntergang schauen wir uns von einer Klippe aus an, welche wie ein Balkon über den Strand ragt. Auf dem Rückweg müssen wir wieder an einem Bauernhof vorbei, auf dem die Kuhherden anscheinend noch mit Hütehunden getrieben werden. Die beängstigend großen Hunde sind anscheinend auch darauf ausgebildet alle Eindringlinge schon von Ferne anzukündigen und sie zu vertreiben. Das können sie auch wirklich gut und wir fahren zügig am Hof vorbei und hoffen inständig, dass Tor und Zaun ihrer Funktion gerecht werden und uns draußen und die Hunde drinnen halten.

Ein kurzer Beitrag noch zu unserer Ausrüstung. Wie bereits erwähnt, haben wir unsere Fahrräder in Faro ausgeliehen, namentlich bei MTB Algarve, welche im Vorfeld schnell auf Emails geantwortet haben und uns mit Bildern und detaillierten Infos zu den Rädern versorgt haben. Der Preis war in Ordnung und der Service sehr freundlich. Inbegriffen waren Extras wie Helme, Schlösser und Spanngurte und ein kostenloser Pannenservice, welcher zu einem hinfährt. Es gibt sicherlich auch andere Vermieter, die ein ganz ähnliches Angebot haben, wir waren aber sehr zufrieden und empfehlen sie deshalb, auch wegen der sehr zentralen Lage in der Nähe des Bahnhofs und Busterminals. Bei den Fahrrädern handelt sich um brandneue Kalhoff Endeavour 2018, eines mit normaler Kettenschaltung und eines mit Riemenantrieb und 8-Gang-Nabenschaltung. Für die Westalgarve mit ihren vielen Anstiegen war letzteres nicht das idealste, da einfach die Unterschiede zwischen den Gängen zu gering war. Mit ein bisschen Kraft in den Beinen ging es aber. Auch die Bereifung der Fahrräder war eher nicht auf unsere Ansprüche ausgelegt. Bei den Schotterpisten und Steigungen hätten es ruhig etwas mehr als knapp 38mm Reifenbreite und Cityprofil sein dürfen. Beide Fahrräder waren aber mit Scheibenbremsen ausgestattet, was wiederum sehr gut war. Alle Kritikpunkte haben wir auch beim Vermieter angebracht und sind dort auf Verständnis gestoßen. Hoffen wir, dass sich da ein bisschen was ändert. Für das Gepäck haben wir unsere eigenen Fahrradtaschen aus Deutschland mitgebracht, welche wir, um Gepäckgebühren zu sparen in einen großen Wassersack gepackt haben und als ein Gepäckstück aufgegeben haben.

Zur Navigation habe ich die gpx-Tracks der portugiesischen Eurovelo-Internetseite genutzt. Als Navigationsgerät diente mein Handy in Verbindung mit der BikeComputer pro-App, welche die eingelesenen Tracks in der App mit Abbiegehinweisen versieht und gleichzeitig auch zum Tracking diente.

2. Etappe Sagres – Carrapateira: 34,5 km

Vom Campingplatz starten wir zur Nationalstraße N268 welche an der Küste entlang in Richtung Cabo do Sao Vicente führt. Jetzt kommt der Wind auch aus der für die Algarve typischen Richtung, Westen, und uns damit erst einmal komplett entgegen. Da das Kap die Hauptattraktion der Gegend ist lassen wir es uns natürlich nicht entgehen. Wie so oft an der Algarve ist die Natur die Hauptattraktion, der Leuchtturm ist nettes Beiwerk, aber nichts Besonderes. Zu wissen, dass das nächste Stück Land hinter dem Horizont der amerikanische Kontinent ist, ist aber schon besonders und so genießen wir den Augenblick und Ausblick. Die obligatorische letzte Bratwurst vor Amerika gibt es natürlich auch. Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Welt ein Dorf ist: der Bedienung richte ich freundliche Grüße von einer Arbeitskollegin von mir aus, welche mit ihr wiederum befreundet ist. Und so entspannt sich in Portugal, am Ende des Kontinents ein kurzes Gespräch über die Heimat.

Dann geht´s aber weiter, zuerst die N268 wieder knapp 3 km zurück, um dann auf eine kleine Landstraße abzubiegen, welche eine alternative Route nach Vila do Bispo darstellt. Es geht wieder vorbei an dem Bauernhof mit den großen Hunden. Deren Kernarbeitszeit scheint aber eher am Abend und in der Nacht zu liegen, jetzt dösen sie im Schatten der Ställe und würdigen uns keines müden Bellens. Der Belag wechselt von Asphalt zum typischen rotbraunen Schotter. Nach einigen Kilometern hören wir hinter uns laute Musik und einen aufheulenden Motor. Eine Gruppe junger Männer versucht sich an waghalsigen Fahrmanövern mit ihrem Miet-SUV, hängen sich aus dem Fenster und als sie direkt hinter uns fahren, lassen sie Eye Of The Tiger zur „Motivation“ spielen. Obwohl die Straße breit genug zum Überholen ist, begeben wir uns an den Rand und lassen die Jungs vorbeiziehen, warten bis der Staub sich verzogen hat und genießen dann die wieder eingekehrte Ruhe. Durch sanfte Hügel geht es nach Norden. Die Straße verläuft meist in Senken und man ist vor dem Wind geschützt. Sehr schnell kommen wir aber nicht voran, da die Piste uneben ist und ein entpanntes gleichmäßiges Treten nicht wirklich möglich ist. Spaß macht es trotzdem und ich empfehle die Wahl dieser Route, da man die andere Strecke sonst zweimal fährt.

In Vila do Bispo nehmen wir dann unseren Mittagssnack ein (genau, Galao mit Pasteis de Nata). Danach geht’s weiter in Richtung Norden auf der N268 den Hügel hinter dem Ortausgang hoch. Die Nationalstraße zieht sich schnurgerade durch die Landschaft und wir versuchen, ein paar Wege neben der Straße zu benutzen, um dem Verkehr und der Langeweile zu entgehen. Diese sind allerdings so schlecht, dass wir schnell wieder auf die Straße wechseln. Da die Hauptsaison noch nicht begonnen hat ist der Verkehr zugegebenermaßen nicht so schlimm. Die meisten Autofahrer überholen mit angemessenem Abstand, Ausnahmen (portugiesisches Handwerkerauto) betätigen die Regel. Zum ersten (!) Mal sehen wir andere Radreisende, welche uns aber alle entgegenkommen.

Auf circa der Hälfte der Strecke biegt ein einigermaßen passabler Weg in Richtung Küste ab, welche hier etwa 3 km Luftlinie von der Route entfernt liegt. Das Kartenmaterial wird konsultiert und verspricht einen Weg in Richtung Carrapateira, welcher näher an der Küste verläuft. Allen bisherigen Erfahrungen zum Trotz probieren wir diesen aus. An einer Art Aussichtsturm kurz nach der Abzweigung wird eine Rast eingelegt. Ich versuche den Turm zu besteigen aber die Konstruktion biegt sich im Wind, welcher die gespannten Stahlseile singen lässt und jeder Schritt lässt das den Turm erzittern. Auf der Hälfte breche ich ab. Wieder festen Boden unter den Füßen begeben wir uns auf die neue Route. Aber diese wird nach einigen hundert Metern so abenteuerlich, dass wir wieder umkehren müssen. Mit einem Mountainbike, weniger Gepäck und etwas mehr Erfahrung im Gelände wäre es sicherlich weitergegangen. Wir ergeben uns unserem Schicksal und wie zur Belohnung wird die Fahrt jetzt spannender. Von der Straße aus beobachten wir Schafherden mit im Schatten der Bäume liegenden Hirten und sind beeindruckt von der Größe der Windräder und der Geräuschkulisse, wenn einer der Arme über uns vorbeisaust. Die dunstige Bewölkung löst sich langsam auf und am östlichen Horizont zeigen sich die Gipfel der Serra de Monchique. Die Temperatur steigt auf über 20 °C und hin und wieder blitzt die Sonne durch die Wolken hindurch, perfektes Fahrradwetter also und wir sind froh, dass es nicht so heiß ist.

Dann beginnt eine der schönsten Abfahrten auf der ganzen Tour. Über circa 6 km geht es in leicht geschwungen Kurven hinunter nach Carrapateira und man kann es ganz entspannt rollen lassen. Trotzdem sollte man nicht unaufmerksam werden, am Rand ist der Straßenbelag hin und wieder durch eine Baumwurzel aufgesprungen und bildet fiese Wellen. Kurz vor Carrapateira weisen Schilder nach links zur Praia do Amado. Die EV1 führt hier zwischen der Praia do Amado und der Praia da Bordeira direkt an der Küste entlang. Wir allerdings fahren geradeaus auf der Straße direkt nach Carrapateira, da sich dort unser Quartier befindet und wir den Küstenweg nach unserer Ankunft erkunden wollen. Wer den Küstenweg auslässt, spart fast 10 km Strecke Schotterpiste, verpasst aber einen der landschaftlich schönsten Abschnitte.

In Carrapateira nutzen wir den Schwung der Abfahrt, rollen durch den Ortskern und den kleinen Hügel im Ort hinauf und gleich wieder hinab. Kurz vor dem Ortsausgang soll unser nächstes Quartier sein. Wir halten an und vergleichen die Häuser mit den Fotos aus dem Buchungsportal. Eines davon passt. In der Einfahrt steht ein älterer Herr und betrachtet uns interessiert. Wir packen unser bestes Portugiesisch aus und stellen uns vor und fragen ob er ein Zimmer an uns vermietet hat. Er nuschelt eine Antwort, winkt uns aufs Grundstück und verschwindet im Haus. Wir bleiben kurz verwirrt zurück, bis seine Frau aus dem Haus kommt. Sie führt uns ins Haus und zeigt uns unser Zimmer und erzählt uns etwas. Wir nicken freundlich, obwohl wir fast nichts verstehen, was ihr auszureichen scheint. Die Fahrräder können hinter dem Haus abgestellt werden.

Nach einer kurzen Erfrischung erkunden wir die Umgebung zu Fuß. Innerhalb weniger Minuten sind wir an der Praia da Bordeira, ein riesiger Strand mit richtigen Dünen. Wir durchqueren den kleinen Fluss, der den Strand nach Süden hin begrenzt und laufen durch die Sanddünen ans Ufer, vorbei an der Strandbar, die aber aufgrund von Besuchermangel noch geschlossen hat. Inzwischen ist es auch wieder bewölkt und recht stürmig, gut dass wir uns vor dem Urlaub noch neue Wind- und Regenjacken besorgt haben. Zurück durch den Fluss geht´s zu den südlichen Klippen, auf welchen auch einige Holzwege verlaufen. Diese sind aber in schlechtem Zustand und teilweise eingestürzt. Trotzdem lohnt es sich, der Blick nach Norden geht über die Bucht der Praia da Ribeira bis zu den Stränden auf der Höhe von Aljezur,welche unser nächstes Etappenziel sind.
Am Abend essen wir im Dorfkern von Carrapateira auf dem Hauptplatz in der Microbar ( Bewertung und Infos auf Tripadvisor ) , wo es, unter anderem, Burger in riesigen Portionen gibt. Eine allzu große Auswahl gibt es auch gar nicht, da einige Restaurants noch gar nicht geöffnet haben. Das für die Algarve ungewöhnlich kalte und feuchte Wetter verschiebt den Saisonbeginn, was uns nur recht sein kann. Satt und zufrieden beenden wir den Tag mit einem kurzen Spaziergang durch das sehr hübsche und beschauliche Örtchen.
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