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#1370985 - 20.01.19 17:37 Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien
Tom72
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 499
Dauer:23 Tage
Zeitraum:7.7.2018 bis 29.7.2018
Entfernung:1500 Kilometer
Bereiste Länder:frFrankreich
esSpanien



Prolog

Diesmal (2018) war ich bis kurz vor Beginn meiner alljährlichen Radreise noch recht unentschlossen hinsichtlich der Route, und auch noch beim Start in Grenoble stand der Plan nur für etwa die erste Hälfte der Tour einigermaßen fest. Was die zu bereisenden Länder betrifft, fiel die Wahl wieder, wie schon so oft, auf Frankreich oder Spanien, am besten, wie schon mehrfach praktiziert, in Kombination. Möglichst sowohl mit Hochgebirgspässen als auch Meeresküste. Aber weiter konnte ich mich diesmal lange nicht entscheiden, wohl, weil ich mittlerweile in Frankreich und Nordspanien bereits so viele sehenswerte Regionen kennengelernt hatte.

Ich entschied schließlich, den Schwerpunkt auf Frankreich zu legen, da die Radreise des Vorjahres fast ausschließlich durch Spanien und Portugal führte, und es erstmal offen zu lassen, ob und wie ich gegen Ende noch nach Spanien kommen würde. Der Plan kristallisierte sich dann langsam um die Idee, zunächst ein paar Alpenpässe zu fahren, da meine letzte Tour, auf der ich mir einen Pass der Route des Grandes Alpes gegönnt hatte (den Col de la Cayolle), schon wieder vier Jahre zurück lag. Ich suchte mir schließlich den Col du Lautaret und den Col d’Izoard als vielversprechend heraus, um meine bescheidene Liste von bisher gefahrenen Zweitausendern von drei auf fünf zu erhöhen. Als Startort bot sich dann Grenoble an, das ich noch nicht kannte. Anreise mit dem TGV und verpacktem Rad über Lyon (die praktische TGV-Verbindung Frankfurt–Lyon(–Marseille) hatte ich zuvor schon mehrfach für meine Radreisen genutzt) und dann weiter mit Regionalzug nach Grenoble. Nach dem Col d’Izoard sollte es dann durch die Haute-Provence gehen, wo ich Sisteron und Banon als lohnenswerte Orientierungsmarken herausgesucht hatte. Dann, wie bereits vor sechs Jahren schon einmal, von Sault aus über den Mont Ventoux. Der nächste Gedanke war dann, dass ich das spektakuläre Gebirgsmassiv des Vercors, dem mein Startort Grenoble direkt zu Füßen liegt, obwohl oder gerade weil ich es bereits kannte, unmöglich auslassen konnte. Das bereitete mir einiges Kopfzerbrechen, da es für die Anfahrt zum Lautaret genau in der falschen Richtung liegt. So kam ich schließlich auf die Idee, als Auftakt eine zweitägige Schleife durchs Vercors und wieder nach Grenoble zurück zu fahren und dann Richtung Osten die geplanten Alpenpässe anzusteuern.

Soweit der Plan zu Beginn der Reise für die ersten Tage. Von den drei Wochen, die ich Zeit hatte, würde dann noch etwa die Hälfte übrig sein. Wie es nach dem Mont Ventoux weitergehen soll, war somit der spontanen Planung unterwegs vorbehalten. Möglichkeiten gab es genug, zum Beispiel über die Rhone und ins Zentralmassiv oder nach Süden Richtung Mittelmeer oder wieder in die Alpen oder… Es gab lediglich die Notwendigkeit, die Tour an einem Ort zu beenden, von wo aus die Heimreise mit der Bahn in maximal zwei Tagen möglich ist. Das bereitete mir jedoch keine allzu großen Sorgen, da ich ja mit meiner Praxis „Rad teilweise demontiert und verpackt“ auch TGVs und ICEs nutzen kann.

Meine Unentschlossenheit bezüglich Reiseroute und Ziel (das Ziel ist ja sowieso der Weg) führte so letztlich zu der spannenden Situation, dass ich zu Beginn der Reise überhaupt keine Ahnung hatte, wo ich am Ende ankommen würde. Gerade während der zweiten Hälfte und vor allem in den letzten Tagen der Tour habe ich fast täglich neu- und umgeplant.

Gelandet bin ich dann am letzten zur Verfügung stehenden Fahrtag an der Costa Brava in Katalonien. Rückfahrt mit Regionalzug von Girona, Übernachtung in Avignon und dann weiter mit TGV und ICE.

Die Route hatte auf ihrer gesamten Länge zahlreiche Berührungspunkte mit früheren Radreisen, und mehrfach bin ich auch Abschnitte bereits gefahrener Strecken ein weiteres Mal gefahren. Insgesamt war die Reise daher eine gelungene Kombination aus Vertrautem und Neuem.

Zum Übernachten hatte ich, wie üblich, Campingplätze vorgesehen. Das hat auch sehr gut geklappt. Nur fünfmal habe ich mir ein Hotel genommen.

Nach wie vor verwende ich für die Planung im Vorfeld und die Navigation unterwegs Papierkarten, daher kann ich leider keinen GPS-Track oder eine sonstige elektronische Darstellung der Route anbieten. Wie immer haben sich die Michelin-Karten 1:200 000 und 1:150 000 bewährt. Ich versuche die Reiseroute jeweils so zu beschreiben, dass sie trotzdem nachvollziehbar sein dürfte. Auch bei der Auswahl landschaftlich reizvoller Strecken bietet die entsprechende grüne Markierung in den Michelin-Karten fast immer eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage. Da die Route insbesondere im späteren Verlauf zu Beginn noch nicht feststand, habe ich prophylaktisch aus meinem inzwischen ansehnlichen Fundus eine Auswahl an Karten eingepackt, die die südlichen Regionen Frankreichs sowie Katalonien weitgehend abdeckt.

Was Literatur betrifft, habe ich mich, gerade auch wegen der teilweise noch unklaren Reiseroute, darauf beschränkt, einen Reiseführer für die Haute-Provence einzupacken (Ralf Nestmeyer, Haute-Provence, Michael-Müller-Verlag; die Reiseführer aus diesem Verlag sind nach meiner Erfahrung generell sehr empfehlenswert, so auch in diesem Fall.)

Für die Anfahrt habe ich, wie gesagt, wie inzwischen bereits etliche Male, die TGV-Verbindung Frankfurt-Marseille bis Lyon genutzt (mit verpacktem Rad); weiter nach Grenoble sollte es dann mit dem Regionalzug (TER) gehen. Die zweitägige Rückfahrt von Girona mit Übernachtung in Avignon habe ich dann mit TER, TGV und ICE bewerkstelligt.

Wie immer hat mir die Beherrschung des Französischen und Spanischen unterwegs gute Dienste geleistet und die Möglichkeit für die eine oder andere interessante Unterhaltung eröffnet.

Und: in die Reisezeit fielen die Endspiele der Fußball-WM. Während die deutsche Mannschaft zu Reisebeginn ja bereits in der Vorrunde ausgeschieden war, waren die Franzosen noch im Rennen. Ich dachte mir also: „Allez les Bleus!“ und freute mich darauf, die Stimmung beim Halbfinalspiel der Équipe Tricolore in Frankreich in irgendeiner Dorfkneipe oder auf irgendeinem Dorfplatz beim Public Viewing zu erleben, und vielleicht auch ein Finale mit französischer Beteiligung oder, wer weiß, mit etwas Glück auch den Jubel im Falle eines französischen WM-Titels…

Leider hat nach einer Woche meine Kamera (Lumix LX5) unerklärlicherweise ihren Geist aufgegeben, so dass ich die restlichen zwei Wochen zum Fotografieren nur das Smartphone nutzen konnte. Ich bitte daher um Nachsicht wegen der teilweise etwas bescheidenen Qualität der Bilder ab Tag 9.

1. Tag (07.07.2018), Bahnanreise Erfurt-Grenoble

Wie schon mehrfach in den vergangenen Jahren, nutze ich für die Anreise zunächst bis Lyon die durchgehende TGV-Verbindung Frankfurt-Lyon-Avignon-Marseille (Abfahrt täglich um 14.00 Uhr in Frankfurt und somit auch von Erfurt mit dem ICE für mich gut erreichbar). Das erfordert zwar, mangels regulärer Fahrradmitnahmemöglichkeit, das Rad teildemontiert und in einem Fahrradtransportsack mitzuführen, aber das bin ich seit Jahren gewöhnt. Im ICE T, der auf der Linie Dresden–Frankfurt eingesetzt wird, und im Obergeschoss des TGV Duplex gibt es ausreichend geräumige Gepäckregale (das folgende Foto ist allerdings von einer früheren Reise).

ZU großes Bild in Link gewandelt
Gepäckregal im TGV Duplex

Kurz vor acht Uhr abends komme ich planmäßig am Bahnhof Lyon Part-Dieu an.



Ich habe hier bereits zwei Radreisen begonnen. Diesmal jedoch geht es mit dem Zug gleich weiter. Dachte ich jedenfalls. Ich mache mein Rad fahrbereit, denn der Regionalzug (TER) nach Grenoble hat ja Fahrradmitnahme.



Ärgerlicherweise erfahre ich nun, dass es derzeit in der Region aus irgendeinem Grund im Regionalverkehr vermehrt Zugausfälle gibt, und das betrifft auch ausgerechnet meinen TER. Stattdessen Schienenersatzverkehr, der Bus fährt hinterm Bahnhof. Das hatte die ansonsten (auch für Frankreich) recht zuverlässige Fahrplanauskunft auf bahn.de nicht angezeigt. Mein Rad wird zum Glück problemlos mitgenommen, aber die Fahrt zur mittlerweile recht späten Stunde bei nicht funktionierender Klimaanlage im fast vollen Bus dauert fast doppelt so lange wie die knapp anderthalb Stunden, die der Zug gebraucht hätte. Für jeden der vier oder fünf Unterwegsbahnhöfe muss der Bus von der Autobahn abfahren und zeitaufwändig das Ortszentrum ansteuern. Ich bin froh, dass ich bei dem Hotel, das ich bereits von zu Hause aus gebucht habe, darauf geachtet habe, dass die Rezeption rund um die Uhr besetzt ist. Schließlich erreicht der Bus den Bahnhof von Grenoble, und da ich mir die Anfahrt zu meinem Hotel am Boulevard Gambetta bei Google Maps gut eingeprägt habe, erreiche ich es mit dem Rad problemlos nach etwa 20 Minuten kurz nach Mitternacht. Trotz der späten Ankunft lasse ich es mir nicht nehmen, nach dem Einchecken den Samstagabend bei sommerlichen Temperaturen mit einem Bier auf der Terrasse eines Straßencafés ausklingen und die ersten Eindrücke der Stadt auf mich wirken zu lassen.

2. Tag (08.07.2018), Grenoble – Die
Strecke: ca. 100 km
Höhenmeter: 1613


Heute und morgen werde ich die Tour mit einer Schleife durchs Vercors einleiten und morgen Abend wieder zurück in Grenoble sein, bevor es dann übermorgen Richtung Osten zum Col du Lautaret geht.

Das Vercors ist ein den eigentlichen Alpen vorgelagertes, landschaftlich spektakuläres, sehr schroffes und unwegsames Gebirgsmassiv, bekannt durch seine tiefen Schluchten und teils abenteuerlich in die Felswände gesprengten Straßen. Grenoble liegt an der Mündung des Drac in die Isère; die Stadt ist ringsum von hohen Gebirgsmassiven umgeben – im Osten erheben sich die Alpen, im Westen das Vercors (das wohl streng genommen auch noch zu den Alpen zählt). Ich habe es bereits vor vier Jahren auf einer Radreise von Lyon nach Nizza (und dann weiter nach Korsika) durchquert und war sehr angetan. Damals habe ich das Vercors von Westen, von der Rhone aus, über Romans-sur-Isère und Pont-en-Royans, erreicht, über eine der typischen Schluchten, die Goulets (Petits Goulets und Grands Goulets, wobei freilich bei letzteren der spektakulärste Abschnitt seit einigen Jahren gesperrt und die Straße in einen Tunnel verlegt ist). Heute werde ich auf der Ostseite hinauffahren, schließlich auf meine Route von vor vier Jahren treffen und dann die Überquerung des Col de Rousset (1254 m) und die Abfahrt hinunter nach Die wiederholen.

Zunächst aber sehe ich mich ein wenig in Grenoble um und suche mir in der Innenstadt ein nettes Café zum Frühstücken. Die Stadt gefällt mir; charakteristisch ist zum einen der Blick auf die umgebenden Gebirgszüge und zum anderen die Straßenbahn, bei deren Wiedereinführung in Frankreich ab den 1980er Jahren Grenoble nach Nantes Vorreiter war.





Das Isère-Ufer mit dem Vercors im Hintergrund



Blick auf das östliche Ufer der Isère, über dem sich die Ausläufer der Alpen erheben



Nun mache ich mich auf Richtung Vercors; die Straße, die ich mir für die Auffahrt herausgesucht habe (D 531), beginnt in Sassenage ein paar Kilometer nordwestlich von Grenoble; dorthin gelange ich über einen Radweg entlang des Ufers des Drac.



In Sassenage beginnt der Anstieg; zunächst habe ich noch einen herrlichen Blick hinunter auf Grenoble, dann erreiche ich durch die Gorges d‘Engins auf einer Höhe von etwa 1000 m eine Art Hochebene oder Hochtal und knapp 30 km nach Sassenage schließlich den hübschen, touristisch geprägten Ort Villard-de-Lans.











Direkt unterhalb des Ortes Villard-de-Lans beginnt eine der bekanntesten Schluchten des Vercors, die Gorges de la Bourne. Durch sie fließt das Flüsschen Bourne Richtung Westen nach Le-Pont-en-Royans. Das meiste der spektakulären Straße durch die Gorges werde ich leider verpassen, da ich die Schlucht nach ein paar Kilometern wieder südwärts verlassen werde; eine schmerzhafte Entscheidung, aber anders schaffe ich es heute nicht mehr bis Die.

Aber auch die kurze Fahrt durch den engen oberen Abschnitt der Gorges de la Bourne bis zum Abzweig der D 103 ist landschaftlich ein Genuss.













Aber, wie gesagt, leider führt mich mein Weg bereits bei der ersten Gelegenheit wieder aus der Schlucht heraus. Die D 103 erklimmt den südlichen Hang der Gorges





und führt mich wieder hinauf in ein weites, sanft ansteigendes Hochtal.



Ich komme durch die kleinen Orte Saint-Julien und Saint-Martin und treffe schließlich in Saint-Agnan auf meine Reiseroute von vor vier Jahren, als ich von Le-Pont-en-Royans (über die D 518) hierher gelangt bin.

Die restliche heutige Strecke weiter Richtung Süden über den Col de Rousset kenne ich daher schon. Die verbleibenden Höhenmeter bis zum Pass verlaufen nicht besonders steil und recht unspektakulär über wenige langgezogene Serpentinen. Auf dem Pass befindet sich eine um diese Jahreszeit verlassenen Wintersportstation. Die Passhöhe (1254 m) liegt direkt vor dem Portal eines Tunnels, durch den es nun wieder abwärts geht. Hier der Blick zurück nach Durchquerung des Passtunnels:



Im Gegensatz zur eher wenig aufregenden Auffahrt von Norden her ist die Abfahrt auf der Südseite des Col des Rousset ein landschaftliches Highlight. Wie bereits vor vier Jahren erschwert es die schon recht tief stehende Sonne aufgrund des starken Helligkeitskontrastes, von der sich in zahlreichen Serpentinen hinunter nach Die schlängelnden Straße einigermaßen gelungene Fotos zu schießen.



Nun erwartet mich also die lange Abfahrt mit herrlichen Ausblicken ins Tal und auf die steilen Hänge des Vercors, aus dem ich nun erst einmal wieder herausrolle. Die Abfahrt habe ich mir auch redlich verdient, immerhin habe ich bei dem mehrfachen Auf und Ab im Vercors heute etwa 1600 Höhenmeter gesammelt; das sollte für den Rest der Reise der Spitzenwert bleiben.









Weiter unten führt die Straße durch Lavendelfelder, deren Duft auch die Luft erfüllt. Nicht allzu weit südlich von hier beginnt schließlich bereits die Provence. Bevor ich dorthin gelangen und noch viel mehr Lavendel sehen und riechen werde, geht es morgen aber erstmal wieder zurück nach Norden, nach Grenoble.



In Die, direkt am Fuß des Vercors gelegen, finde ich schnell aus der Erinnerung den mir von „damals“ bereits bekannten, etwas unterhalb des Ortes gelegenen Campingplatz. Auf der Terrasse vor der Rezeption mit kleiner Bar kann ich mir ein wohlverdientes Bier servieren lassen, dann baue ich mein Zelt auf.



Zum Abendessen steuere ich eine einfache Pizzeria in der Altstadt an, die ich noch vom letzten Mal in guter Erinnerung habe.

3. Tag (09.07.2018), Die – Grenoble
Strecke: 108 km
Höhenmeter: 1237


Heute werde ich ein weiteres Mal das Vercors überqueren, diesmal in seinem südlichen Bereich über den Col de Menée (1402 m). Um es dann heute noch bis Grenoble zu schaffen, werde ich anschließend, trotz zu befürchtenden hohen Verkehrsaufkommens und geringer Erwartungen an den landschaftlichen Reiz, für gut 40 km die Hauptverkehrsachse D 1075 nordwärts nehmen.

Vom Campingplatz gelingt mir ein einigermaßen zeitiger Aufbruch.



Die ist ein wirklich hübsches Städtchen. Auf dem Marktplatz frühstücke ich. Ich bedauere, dass im Gegensatz zu meinem letzten Besuch heute kein Markttag ist und der Ort generell weniger belebt wirkt, als ich ihn in Erinnerung habe.



Zunächst entspricht die heutige Route, ein paar Kilometer auf der D 93 südwärts entlang der Drôme und dann über die D 539 wieder ins Vercors hinein, weiterhin meiner bereits vor vier Jahren gefahrenen Tour.



In Châtillon-en-Diois trennen sich die Wege. War ich seinerzeit über den südlicher gelegenen Col de Grimone (1318 m) gefahren, geht es nun über den nördlicheren Col de Menée (1402 m).



Die Straße über den Col de Grimone trifft südlich des Col de la Croix Haute auf die Grenoble mit Sisteron verbindende Hauptverkehrsachse D 1075, während die Route über den Col de Menée selbige nördlich davon erreicht. Das passt zu meinem heutigen Ziel Grenoble, während „damals“ die südlichere Route über den Grimone besser zur Fahrt Richtung Gap, Nizza und Korsika passte.



Kleiner Wermutstropfen: Für das Vercors eigentlich untypisch, verläuft die Strecke über den Col de Menée nicht durch eine Schlucht. Bei der Auffahrt zum Col de Grimone hatte mich die Fahrt durch die spektakulären Gorges des Gats (im verlinkten Bericht Tag 5) begeistert. Und als ich auf dem Wegweiser Richtung Col de Grimone den Ortsnamen Lus la Croix Haute lese, erinnere ich mich gerne an meine dortige Übernachtung im Hotel „Les trois Marmottes“ und die zum Hotel gehörige lebhafte Hundedame, die mir mein Croissant vom Frühstückstisch geschnappt hatte…



Auch ohne Schlucht vermag die Auffahrt zum Col de Menée landschaftlich zu überzeugen. Die Ausblicke auf die schroffen Gipfel des Vercors sind wieder fantastisch.







Wie auch beim gestrigen Col de Rousset, verläuft die Straße auf der Passhöhe durch einen Tunnel.



Ärgerlicherweise kann ich die Abfahrt nicht so recht genießen, da die Fahrbahn im Zuge irgendwelcher nicht nachvollziehbarer Baumaßnahmen über weite Abschnitte großzügig mit Split bestreut ist, so dass ich aus Sicherheitsgründen sehr langsam und konzentriert fahren muss und teilweise sogar schiebe.



Wieder am Fuß des Vercors, auf dessen Ostseite, angekommen, bieten sich aus neuer Perspektive weitere Ausblicke auf dessen spektakuläre Felsformationen und einen der markantesten Berge, den Mont Aiguille.







Die in Süd-Nord-Richtung verlaufende Hauptverkehrsachse D 1075, die, um heute noch Grenoble zu erreichen, leider alternativlos ist, ist tatsächlich recht stark befahren, ich gewöhne mich jedoch schnell an den Verkehr. Zunächst sind noch ein paar Höhenmeter bis zum Col du Fau (898 m) zu bewältigen,



dann geht es stetig abwärts nach Grenoble (aber meist zu flach, um es rollen zu lassen). Im weiteren Verlauf wird die Straße dann verkehrlich durch eine parallel verlaufende, offenbar recht neue Autobahn entlastet.



Linkerhand bieten sich im Gegenlicht der Nachmittagssonne immer wieder Blicke auf das Vercors. Ich fahre nun parallel zur und in nur gut 10 km Entfernung von der gestrigen Route, allerdings anders als gestern am Fuß des Gebirges entlang anstatt über dessen Höhen und in nördlicher statt südlicher Richtung.





Schließlich erblicke ich in der Ferne Grenoble.







Ich habe im Vorfeld keine Unterkunft gebucht; das Hotel von vorletzter Nacht am Boulevard Gambetta hat kein Zimmer mehr frei, ich finde aber recht schnell ein ebenso zentral gelegenes, aber preiswerteres Hotel. Nun kann ich mich zum Ausklang des Tages noch ausgiebig in der abendlichen Stadt umsehen.



4. Tag (10.07.2018), Grenoble – Le Freney-d‘Oisans
Strecke: 64 km
Höhenmeter: 826


Nach dem zweitägigen Auftakt im Vercors geht es heute Richtung Osten in die Alpen. Da mir die Strecke über den gut 2000 m hohen Col du Lautaret bis Briançon mit ca. 120 km und zu erwartenden ca. 2000 Höhenmetern für einen Tag entschieden zu viel ist, habe ich beschlossen, auf etwa halber Strecke und halber Höhe nochmal zu übernachten, und um sicherzustellen, dass ich im mir hierzu am besten geeignet erscheinenden Ort Le Freney-d’Oisans auch eine Unterkunft finde, habe ich entgegen meiner Gewohnheit im Vorfeld dort ein Pensionszimmer gebucht.

Damit ist die heutige Etappe von eher bescheidener Länge, so dass ich mir den Vormittag noch einmal Zeit nehmen kann für ein wenig Sightseeing in Grenoble.

Typisch für die Stadt, fällt mein morgendlicher Blick aus dem Hotelzimmer auf die umgebende Bergwelt.



Ich lasse mein Gepäck zunächst im Hotel und sehe mich bei herrlichem Sommerwetter in der Stadt um, von der ich ja gestern und vorgestern schon viele Eindrücke sammeln konnte.







Das Ufer der Isère mit Blick auf das Vercors



Hauptprogrammpunkt meiner Stadtbesichtigung ist die Fahrt mit der Seilbahn auf die hoch über dem rechten Isère-Ufer gelegene Festung (Bastille), von wo aus sich ein herrlicher Panoramablick bietet.

Blick von der Bastille nach Nordwesten auf die nördlich des Zentrums gelegenen Stadtteile; man erkennt im Vordergrund den Verlauf der Isère und weiter hinten den parallel verlaufenden Drac, der etwa in der Bildmitte in die Isère mündet. Dort, wo oberhalb dieser Stelle eine helle Felswand zu sehen ist, bin ich vorgestern ins Vercors hinaufgefahren.



Blick nach Süden über das Stadtzentrum; auch hier im Hintergrund das Vercors. Der von der Isère-Brücke im Vordergrund schnurgerade vom Betrachter wegführende, begrünte Boulevard ist die Straße, auf der ich gestern nach Grenoble hereingekommen bin und auf der mich mein Weg nachher auch wieder aus der Stadt hinausführen wird.



Die Seilbahn, die vom gegenüberliegenden Ufer der Isère zur Festung hinaufführt





Die diesjährige Ausgabe der Tour de France (2018) wird in 10 Tagen durch Grenoble kommen, weshalb überall in der Stadt Schilder auf die damit einhergehenden Straßensperrungen hinweisen.



Die Route der 13. Etappe der Tour de France wird nämlich von Bourg d’Oisans über Grenoble nach Valence führen. In umgekehrter Richtung werde ich den Abschnitt Grenoble – Bourg d’Oisans, wo die eigentliche Auffahrt zum Lautaret beginnt, heute fahren.

Ich hole mein Gepäck aus dem Hotel, und nach einem Snack zum Mittagessen breche ich auf und verlasse also die Stadt Richtung Süden so, wie ich gestern hineingeradelt bin. In Le Pont-de-Claix zweigt die N 1091 von der D 1075, auf der ich gestern hierher gekommen bin, in östlicher Richtung ab. Im Hintergrund präsentiert sich noch einmal das Vercors,



und ein paar Kilometer weiter fällt ein letzter Blick auf dieses wirklich einzigartige Gebirgsmassiv, in dem es auf alle Fälle auch für künftige Radtouren noch einiges Neue zu entdecken gibt…



Die Nationalstraße 1091 über den Col du Lautaret nach Briançon ist leider eine Hauptverkehrsachse, aber der Verkehr hält sich in erträglichen Grenzen, und sie hat zudem markierte Radstreifen. Sie wird, wie ich feststelle, auch gerade von Rennradlern stark genutzt, wohl vor allem deshalb, weil es die Zufahrt aus dem Großraum Grenoble zu verschiedenen bei Radsportlern beliebten Alpenpässen ist, nicht nur zum Lautaret und generell zur Route des Grandes Alpes, sondern auch z. B. zum Col de la Croix de Fer usw.



Mäßig ansteigend, führt mich die N 1091 durch das Tal der Romanche, eines Nebenflusses des Drac, in die Hochgebirgslandschaft hinein.







In Bourg d’Oisans, wo in wenigen Tagen die Tour de France-Etappe Richtung Grenoble startet, ist man bereits auf das Ereignis vorbereitet.



Auch unabhängig davon ist der Ort bei Radsportlern wegen der zahlreichen von hier aus anfahrbaren Pässe beliebt. Das fällt mir sofort bei einer kurzen Einkehr im Ortszentrum anhand der vielen Rennräder auf, deren Fahrer jetzt, am späten Nachmittag, zahlreich die Cafés bevölkern. So beginnt hier die berühmte Auffahrt nach Alpe-d’Huez. Diese mythische Bergankunft steht auch diesmal, am Vortag der Etappe von Bourg d‘Oisans Richtung Grenoble in neun Tagen, wieder auf dem Programm der Tour de France. Und für mich hat die Auffahrt zum Col du Lautaret hier ihren Anfang. Nachdem es bis hierher seit Grenoble überwiegend relativ mäßig aufwärts ging, habe ich nun bis zu meinem heutigen Etappenziel Le Freney auf etwa 10 km noch ein paar hundert Höhenmeter zu bewältigen.



Im auf gut 900 m Höhe etwas unterhalb des Stausees Lac du Chambon gelegenen Le Freney-d’Oisans quartiere ich mich in der bereits vorab gebuchten Pension ein. Ich bin gerade rechtzeitig angekommen für das um 20 Uhr beginnende WM-Halbfinale Frankreich–Belgien. Wo gibt es einen geeigneten Ort für Public Viewing? Kneipen scheint es in dem bescheidenen Örtchen nicht zu geben, aber der Betreiber der Tankstelle hat vor seinem kleinen Laden Bierbänke und einen Fernseher aufgestellt, und ein mobiler Pizzabäcker hat für das leibliche Wohl der Zuschauer dort seinen Wagen aufgestellt. Ein bis zwei Dutzend Einheimische (Touristen scheint es hier wenige zu geben) warten auf den Anpfiff.

Da mir nicht nach Pizza zumute ist, opfere ich den Beginn der ersten Halbzeit für ein leckeres Menü auf der Terrasse des offenbar (abgesehen von meiner kleinen Pension mit nur zwei Zimmern) einzigen Hotels am Ort. Hier gibt es zwar keinen Fernseher, aber ich speise ausgezeichnet.



Die zweite Halbzeit verfolge ich dann mit den Dorfbewohnern auf dem Tankstellengelände.



Ich fiebere mit den Franzosen mit, und Frankreich gewinnt 1:0 – ich darf also in fünf Tagen ein WM-Finale in Frankreich mit französischer Beteiligung (und vielleicht sogar einen französischen WM-Sieg) erleben! Ich werde also die entsprechende Etappe so planen müssen, dass ich rechtzeitig (wo auch immer das genau sein wird) ankomme, um mir das Spiel ansehen zu können (es fängt bereits um 17 Uhr an)…

5. Tag (11.07.2018), Le Freney-d’Oisans – Briançon
Strecke: 60 km
Höhenmeter: 1145


Ich frühstücke gemütlich auf der Terrasse des Hotels, wo ich gestern bereits zu Abend gegessen habe.



Weiter geht es, wie schon gestern, auf der D 1091 aufwärts (und auch weiter dem Tal der Romanche folgend). Nach wenigen Kilometern erreiche ich die Staumauer des Lac du Chambon, zu dem die Romanche hier aufgestaut ist.





Am Nordufer verläuft die Straße in einem Tunnel im Hang oberhalb des Stausees. Der Tunnel ist erst Ende des Vorjahres (2017) wieder für den Verkehr freigegeben worden, nachdem er durch einen Erdrutsch beschädigt wurde, was zur Folge hatte, dass die D 1091 an dieser Stelle mehr als zwei Jahre lang gesperrt war. Hätte ich die Tour ein Jahr vorher gemacht, hätte ich den Col du Lautaret und Briançon von Grenoble aus auf dieser Route nicht erreichen können. Beim Blick zurück erkennt man, dass der links zu sehende ursprüngliche Tunnel aus den 1930er-Jahren (eigentlich zwei aufeinanderfolgende Tunnel) im Zuge der Wiederherstellung durch einen neuen, tiefer in den Hang verlegten Tunnel ersetzt wurde, um den durch den Erdrutsch destabilisierten Bereich des Hangs zu umgehen.



Kurz darauf verkündet ein Schild, dass ich nun die Region Provence Alpes Côte d’Azur (gerne auch PACA abgekürzt) erreicht habe.



Weiter folgt die N 1091, nur sanft ansteigend, dem Tal der Romanche aufwärts.



In La Grave gönne ich mir vor dem endgültigen Anstieg zum Lautaret noch eine Verschnaufpause und ein kühles Bier mit Blick auf das schneebedeckte Massif des Écrins, dessen höchste Gipfel 4000 m erreichen.





Nun wird die Steigung etwas stärker und die Straße windet sich in zahlreichen Serpentinen Richtung Pass. Nach meiner Erinnerung ist die Neigung aber nie größer als 8%. Wie auf vielen Passstraßen in Frankreich üblich, gibt es eine Beschilderung speziell für Radfahrer. Im Abstand von einem Kilometer wird die aktuelle Höhe, die verbleibende Strecke bis zur Passhöhe und die durchschnittliche Steigung des nächsten Kilometers angegeben.



Ein Rastplatz am Straßenrand lädt zum Picknick ein.



Ich genieße die grandiose Hochgebirgslandschaft.









Zum ersten Mal auf der Tour zeigt der Radcomputer eine Höhe von 2000 m an. Es ist erst das vierte Mal überhaupt, dass ich mit dem Rad die 2000-Meter-Marke überschreite.



Noch ein Kilometer, dann ist der Pass erreicht.



Auf dem Col du Lautaret mit seinen 2058 m gibt es mehrere Restaurants und Hotels, und der kleine Ort auf der Passhöhe ist recht belebt. Die Einkehrmöglichkeiten werden rege von den zahlreichen Reisenden genutzt, die den Pass mit dem PKW, dem Motorrad oder dem (überwiegend Renn-)Rad überqueren. Auch ich lege hier eine wohlverdiente Rast ein.



Auf dem Col du Lautaret stößt die vom noch einmal etwa 600 m höheren Col du Galibier kommende Straße und somit auch die Route des Grandes Alpes auf die D 1091. Ab hier entspricht auch meine Tour für anderthalb Tage (die Abfahrt nach Briançon und die morgige Überquerung des Col d’Izoard) der Route des Grands Alpes, der touristischen Strecke vom Genfer See bis zum Mittelmeer bei Menton, die über ein gutes Dutzend bekannter Alpenpässe führt.



Etwa 30 km geht es nun abwärts entlang des Tals der Guisane, die hier oben entspringt und bei Briançon in die Durance mündet. Viel mehr als etwa 800 m ist der Höhenunterschied hinunter nach Briançon allerdings nicht. Ich sehe mich kurz in der Stadt um, dann steuere ich den sehr schönen, ein paar Kilometer südlich gelegenen Camping des 5 Vallées an. Auf dem Campingplatz gibt es auch eine Pizzabude, so dass ich zum Abendessen gar nicht mehr nach Briançon zurück muss. Perfekt. Die Stadt werde ich mir morgen ausgiebig ansehen, bevor ich von dort den Col d’Izoard in Angriff nehme.





Fortsetzung folgt...
Gruß
Tom

Geändert von Juergen (12.02.19 09:40)
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#1370988 - 20.01.19 17:59 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Keine Ahnung
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 9279
Hallo Tom,

eine Tour ganz nach meinem Geschmack. Ich habe noch nicht alles lesen können, aber die Bilder begeistern mich schon einmal. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Vielen Dank.
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1370995 - 20.01.19 19:55 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
veloträumer
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 14876
Solange man noch ungebremst blättern kann, ein Kommentar... zwinker
Ja, auch ganz nach meinem Geschmack. Bilder kommen gut, hast auch Glück z.B. mit Grenoble ohne Dunstglocke. Genuss auch am Lautaret - gehört zu meinen Alpenpassfavoriten absolut, gerade wegen Panorama in La Grave. So weit mal großen Dank für die schon jetzt bereits vielen Strahlebilder aus den Bergen.

Ich darf hier aber noch kleinen geografischen Hinweis geben, dass deine Überschrfit verschiedene Kategorien verwendet, die nicht konsistent sind, vermutlich weil du dich nicht entscheiden konntest, ob neue Verwaltungsregionen, die Departments oder geografische Begriffe verwenden solltest. Am einfachsten hättest du mit Nennung der historischen Region "Okzitanien" nur noch Katalonien hinzufügen müssen, denn dieser alte Sprachraum wurde etwa mit der Linie Grenoble - Briançon nach Norden begrenzt. Auch wenn du versucht hast, die neue Verwaltunsgregion Okzitanien als Begriff zu nutzen, wird insbesondere Haute-Provence (Department) komplett vom Begriff "Alpen" abgedeckt. Das meiste deiner Alpenroute fällt in die Region PACA, nur abzüglich der Grenoble-Seite mit Vercorsrunde und Romanche-Tal. Alternative wäre auch noch "Westalpen" gewesen statt Haute-Provence + Alpen.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
Pedalgeist - Panorama für Radreisen, Landeskunde, Wegepoesie, offene Ohren & Begegnungen
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#1371000 - 20.01.19 21:47 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
martinbp
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abwesend abwesend
Beiträge: 2041
Hallo, Tom,
ich versuche deine Route anhand des Michelin-Atlasses zu verfolgen und dass klappt, dank deiner ausführlichen und unterhaltsamen Beschreibungen sehr gut. Ich bin schon gespannt auf die nächsten Abschnitte. Und danke auch für die Fotos der super schönen Landschaften,
VG aus Budapest
Martin

PS: Wie weit musstest du für die Zugfahrt dein Rad zerlegen: Gabel raus, Gepäckträger ab? Oder reichte es, die Räder und den Sattel rauszunehmen? Ich plane gerade eine Frankreich-Tour für diesen Sommer, und da stellt sich die Fragen nach Alternativen für ungeplante Situationen oder langweiligere Landschaften.
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#1371009 - 20.01.19 23:39 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: veloträumer]
Tom72
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@ veloträumer: Ja, mit dem Titel bin ich auch nicht so recht zufrieden, aber alle Ideen für einen wirklich aussagefähigen Betreff musste ich ob der beschränkten Zeichenzahl im Eingabefeld verwerfen, und dann kam auf die Schnelle eben dieser "Vierklang" heraus. Gerade mit dem im Grunde praktisch ganz Südfrankreich (als historischen Kultur- bzw. Sprachraum) abdeckenden Begriff "Okzitanien" bin ich auch nicht glücklich; ich hatte dabei eher das Languedoc gemeint (in beiden steckt ja das gleiche "oc" für "ja" drin als Abgrenzung zu den nördlichen langues d’oïl als Vorgänger des Französischen; ich habe im Grunde letztlich Languedoc gemeint und versehentlich Okzitanien geschrieben). Das Languedoc war für die Route tatsächlich verbindendes Element zwischen der Provence und Katalonien (zunächst dessen französischem Teil bzw. dem Roussillon).

@ Martin: Ich habe zu meinem Fahrradtransport im Hochgeschwindigkeitsbahnverkehr hier etwas geschrieben mit weiteren Beiträgen von mir zu dem Thema.
Gruß
Tom
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Off-topic #1371033 - 21.01.19 09:48 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
martinbp
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Danke, Tom, ich habe es mir gerade angeschaut.
Ich werde wohl mein Rad etwas optimieren müssen, damit das Zerlegen mit weniger Aufwad möglich ist. (Schutzbleche, Beleuchtung, Tachokabel u.ä.)
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#1371065 - 21.01.19 13:52 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
kettenraucher
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Hallo Tom, du publizierst hier im Forum in eindrucksvoller Regelmäßigkeit herausragende Touren und Reiseberichte. Mein Dank für diese Freude als lesender Konsument ist riesengroß. Aber was mich darüber hinaus noch ganz besonders begeistert: Du zeigst uns in deinen Reiseberichten immer wieder Fotos, in denen dein außerordentlich elegantes Fahrrad im Mittelpunkt steht. Ich bilde mir ein, bei diesen Bildern deine immense Begeisterung und die Liebe zum Rad und Radfahren zu spüren. Genau so geht es mir auch …. Ich liebe Fahrradfotos … es lebe die schönste Nebensache … ähem … die schönste Maschine der Welt, die uns so locker, genussvoll und elegant durch die Landschaften trägt. Auch dafür herzlichen Dank. Überflüssig zu erwähnen, dass ich die Fortsetzung deiner Reportage kaum erwarten kann. PS: Ich arbeite daran, meine Schönste und Liebste für diese Gegend zu animieren.
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#1371131 - 21.01.19 23:40 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
bluesaturn
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Hallo Tom,
danke fuer den tollen Bericht. Ich lese sehr gerne mit. Ich ziehe meinen Hut.
Die Strecke vom ersten Tag kenne ich nur mit dem Auto. :-)
Wie war es denn auf der D1075? Ging die immer nur bergab? Gab es dort einen Radweg?
Die Autobahnstrecke, die parallel verlaeuft, gibt es schon mind. 7 Jahre, aber da sie mautpflichtig ist, verwundert mich nicht, dass es Betrieb auf der D1075 gibt. Ich habe mich dort bisher nicht langgetraut.
Die lange Strasse, die von Grenoble nach Pont de Claix fuehrt, ist wohl die laengste Strasse in Frankreich. Wenn ich mich recht erinnere, ist sie 8km lang.

Welche Ritzel faehrst du denn an deinem Rad und wieviel wog dein Gepaeck bitte?
Wie war es fuer dich, die Strasse nach Villard de Lans hochzufahren? Bist du dort zügig hoch?
Dort herrscht ja auch immer viel Verkehr, so dass ich mich dorthin ebenfalls bisher nicht wagte.

Vielen Dank und freundliche Gruesse
blue
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#1371133 - 22.01.19 01:00 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Tom72
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6. Tag (12.07.2018), Briançon – Embrun
Strecke: 82 km
Höhenmeter: 1481


Zunächst sehe ich mir Briançon an, von wo aus heute die Überquerung des Col d’Izoard ansteht. Die hoch über dem Tal der Durance gelegene Altstadt wird von einer imposanten Befestigungsanlage des Militärbaumeisters Ludwigs des XIV., Vauban, umgeben, dessen Fortifikationen man an zahlreichen Orten in ganz Frankreich begegnet und von denen ich auf meinen Radreisen auch schon mehrere besucht habe. Um dorthin zu gelangen, muss ich eine extrem steile Straße hinaufstrampeln. Die Mühe lohnt aber.



Es bietet sich ein fantastischer Blick von der Festung hinunter ins Tal der Durance und auf die umgebende Bergwelt. Die Durance durchzieht die gesamte Haute-Provence bis zu ihrer Mündung in die Rhone bei Avignon. Ich werde nach der Überquerung des Izoard heute Nachmittag wieder auf sie treffen und ihr morgen bis Sisteron folgen.



Wieder zurück in der Unterstadt, begebe ich mich zum Ausgangspunkt der Straße über den Col d’Izoard.





Die Strecke über den Col d’Izoard ist Teil der Route des Grandes Alpes, die vom Genfer See bis zum Mittelmeer über ein gutes Dutzend Alpenpässe führt und deren Verlauf meine Reiseroute seit gestern, seit der Passhöhe des Lautaret, entspricht. Das Schild gibt eine Strecke von 19 km bis zum 2360 m hohen Pass an. Immerhin liegt Briançon bereits auf gut 1200 m. Mit dem Col d’Izoard erwartet mich heute der höchste Pass, den ich bisher mit dem Rad befahren habe, knapp vor dem nur etwa 40 m niedrigeren Col de la Cayolle vor vier Jahren, ebenfalls Teil der Route des Grandes Alpes.

Die Steigung ist überwiegend recht moderat, so dass ich ohne große Anstrengung rasch an Höhe gewinne. Die Auffahrt ist auch deswegen sehr angenehm, weil die Straße kaum Kfz-Verkehr aufweist, da sie verkehrstechnisch fast ohne Bedeutung ist. Der Pass hat im Grunde keine verbindende Funktion, da beide Talorte, Briançon und Mont-Dauphin, an der Durance liegen und kürzer durch die Nationalstraße durch das Flusstal verbunden sind. Als kuriose Besonderheit, die es wohl sonst bei keinem Alpenpass gibt, weist die Straße bergauf durchweg einen Radstreifen auf.



Im einzigen Ort zwischen Briançon und dem Pass, Cervières, gönne ich mir noch eine Einkehr und ein erfrischendes Bier.



Von Cervières sind es noch 10 km und gut 700 Höhenmeter.





Schließlich habe ich die letzten Serpentinen im Blick und kann die Passhöhe erahnen. Die Straße türmt sich gleichsam in mehreren „Etagen“ vor mir auf.



Eine weitere sich unerwartet ergebende Einkehrmöglichkeit einen guten Kilometer vor dem Pass, das Refuge Napoléon, nehme ich gerne wahr und stärke mich mit einer Kleinigkeit. Das historische Gebäude ist eine von mehreren unter Napoléon III. während des Zweiten Kaiserreichs Mitte des 19. Jahrhundert in der Nähe von Alpenpässen errichteten Raststationen.



Noch ein Kilometer bis zum Pass



Nur noch ein paar Serpentinen



Blick zurück zum Refuge Napoléon und die soeben durchfahrenen Kurven



Geschafft, mein höchster bisher befahrener Pass…





Der Col d’Izoard war zahlreiche Male im Programm der Tour de France, zuletzt im Vorjahr, 2017, was auch auf dem Asphalt deutlich dokumentiert ist.



Nun darf ich die landschaftlich grandiose Abfahrt genießen. In den Serpentinen finden sich die für prominente Tour-de-France-Passstraßen typischen aufgemalten Anfeuerungs-Parolen für die Favoriten.





Ein paar Serpentinen unterhalb der Passhöhe folgt ein landschaftlicher Leckerbissen, die Casse Déserte mit ihren Geröllhalden und Felsnadeln. Hier zwingt ein kurzer Anstieg nochmal zum Treten.









Noch ein paar weitere enge, steile Serpentinen, dann fällt der Blick in ein flaches Tal, in dem die Straße nun durch die Orte Brunissard und Arvieux mit geringerem Gefälle verläuft.







Schließlich mündet die vom Col d’Izoard hinabführende Strecke auf eine deutlich verkehrsreichere Straße, die linkerhand vom Col Agnel (2744 m), dem Grenzpass zu Italien, kommt und der ich nun nach rechts weiter abwärts bis zur Durance folge. Kurz darauf verläuft die Straße durch eine spektakuläre Schlucht, die Combe du Queyras.







Ich komme schließlich durch die Orte Guillestre (hier verlasse ich die Route des Grandes Alpes, die ab hier Richtung Süden zum Col de Vars verläuft) und Mont-Dauphin und bin wieder im Tal der Durance, das ich heute Mittag in Briançon verlassen habe. Es ist nun schon früher Abend, aber ich will heute noch bis Embrun am Ufer des Stausees Lac de Serre-Ponçon, kommen. Das sind noch etwa 20 eher eintönige und nicht ganz verkehrsarme Kilometer auf der Nationalstraße 94 im breiten und flachen Tal der Durance; ich strample zügig. Plötzlich untersagt völlig unerwartet ein Fahrradverbots-Schild die Weiterfahrt auf der N 94, und ich werde auf eine Nebenstraße gezwungen (D 994 H), die parallel den Hang erklimmt bis zum Ort Châteauroux-les-Alpes und dann wieder abwärts führt und kurz vor Embrun wieder auf die Hauptstraße im Durance-Tal stößt. Landschaftlich auf alle Fälle interessanter als die N 94, aber angesichts der späten Stunde (es ist inzwischen fast 20 Uhr) und der Tatsache, dass ich für heute seelisch nicht mehr auf weitere Höhenmeter eingestellt bin, kann ich diesen unfreiwilligen Abstecher nicht wirklich genießen (und habe daher auch keine Fotos mehr gemacht).

Schließlich erreiche ich Embrun, halte mich aber in der sehenswerten, hoch über dem Lac de Serre-Ponçon gelegenen Altstadt nicht groß auf, sondern rolle weiter hinab zum Ufer des Stausees, wo es einen Campingplatz geben soll, den ich auch recht schnell finde. Er ist reizvoll am Seeufer gelegen, und zum Glück gibt es hier auch eine Pizzeria, so dass ich zum Abendessen nicht mehr zurück nach Embrun hinauffahren muss. Ich werde mir den Ort morgen Vormittag ansehen.



7. Tag (13.07.2018), Embrun – Sisteron
Strecke: 100 km
Höhenmeter: 966


Ab heute ist das Thema Hochgebirge eigentlich schon wieder abgehakt; ich werde heute der Durance flussabwärts folgen, aus den Alpen heraus, bis Sisteron, um mich von dort Richtung Mont Ventoux durchzuschlagen; auf dem Programm steht somit für die kommenden Tagen die Haute-Provence.

Obwohl mein Weg mich heute Richtung Westen entlang der Durance (und zunächst ihres Stausees Lac de Serre-Ponçon) führen wird und ich so gesehen nicht mehr zurück und hinauf nach Embrun müsste, fahre ich zunächst vom Campingplatz am Seeufer die Straße, die ich gestern hinabgerollt bin, wieder hinauf, um in der hübschen Altstadt zu frühstücken.



Von der Tour Brune, einem mittelalterlichen Wehrturm, hat man einen herrlichen Blick auf den Stausee mit der Kathedrale von Embrun im Vordergrund.



Dann rolle ich wieder zurück hinunter zum Lac de Serre-Ponçon und folge zunächst dessen Südufer auf der verkehrsreichen N 94 bis Savines-le-Lac, von wo aus die
Straße über einen Viadukt auf das Nordufer geführt wird.





In Chorges treffe ich wieder auf die bereits weiter oben erwähnte Route meiner vier Jahre zurückliegenden Radtour Lyon–Korsika (dort Tag 6), die mich seinerzeit von Westen, von Gap, kommend hierher geführt hat.



Ab hier wiederhole ich für etwa 20 km die damalige, mir somit bereits bekannte Strecke entlang des Westufers des Stausees. Mit herrlichen Ausblicken über den Lac de Serre-Ponçon führt die D 3 über einen Pass von gut 1100 m, den Col Lebraut,





und dann wieder hinunter zum Ufer. Noch recht hoch über dem See liegt der Camping La Viste; ich habe den Platz noch in guter Erinnerung, weil ich hier seinerzeit übernachtet hatte und beim Abendessen den Blick über den See auf die Alpen genossen hatte. Diesmal belasse ich es aber bei einer Neuinszenierung des damaligen Fotos vor der Einfahrt des Campingplatzes, denn heute ist es zu früh, das Zelt hier aufzuschlagen, es ist erst später Nachmittag, und ich will heute noch die verbleibenden gut 60 km bis Sisteron schaffen.



Die Staumauer des Lac de Serre-Ponçon



und der Blick Richtung Osten über den See, Richtung Alpen



Unterhalb der Staumauer, ein paar Kilometer durance-abwärts, in Espinasse, verlasse ich die vor vier Jahren gefahrene Route, die mich ab hier am Südufer des Lac de Serre-Ponçon entlang ostwärts nach Barcelonnette und weiter zum Col de la Cayolle geführt hatte (auf dem Bild mit der Staumauer kann man die Straße im Hang am gegenüberliegenden Ufer erkennen), und folge der Durance Richtung Westen. Zunächst ziemlich lange auf der Hauptverkehrsstraße D 900 B, um zügig voranzukommen. Ich durchquere die Orte Remollon und Tallard, die Durance macht einen Bogen Richtung Süden, ich folge ihr weiter, bis ich schließlich bei La Saulce den Fluss überquere und auf das linke Ufer wechsle. Das stellt sich als gute Idee heraus, denn auch auf dieser Seite gibt es eine parallel zur Durance verlaufende Straße, oder besser Sträßchen (D 4), die anders als die verkehrsreiche Hauptverkehrsachse kaum befahren ist und auch landschaftlich mehr zu bieten hat.







Kurz vor Sisteron muss ich wieder auf das rechte Ufer und die Hauptstraße zurückkehren. Ich erreiche die Stadt gegen 20 Uhr. Gleich am nördlichen Ortseingang erhebt sich über dem Durance-Ufer eine der Hauptsehenswürdigkeiten, eine bizarre rippenförmige Felsformation, die offenbar aus versteinerten und im Laufe der Jahrmillionen durch die Kräfte der Tektonik in die Senkrechte gekippten Sedimentschichten entstanden ist.



Über die Brücke zu Füßen des Felsens führt mich mein Weg nun am anderen Ufer ein paar Kilometer zurück nach Norden zum Camping Municipal Les Prés Hauts. Nach Zeltaufbau und Duschen geht es zurück in die Stadt,



aber es ist nun schon so spät, dass in den Altstadtgassen die meisten Restaurants in Kürze schließen. Die Rettung ist eine einfache Schnellimbiss-Pizzeria, vor der man gemütlich draußen sitzen kann.



8. Tag (14.07.2018), Sisteron – Banon
Strecke: 55 km
Höhenmeter: 574


Heute steht eine bescheidene Strecke von nur gut 50 km und mit im Vergleich zu den bisherigen Etappen wenigen Höhenmetern auf dem Programm. Ziel ist Banon, das ich aufgrund der vielversprechend erscheinenden Beschreibung in meinem Haute-Provence-Reiseführer zum nächsten Etappen- und Übernachtungsort auserkoren habe. Das passt auch insofern, als dann die morgige Etappe nach Sault am Fuß des Mont Ventoux ebenfalls nicht besonders lang ist, schließlich will ich mir ja um 17 Uhr das WM-Finale ansehen.

Entlang der Durance fahre ich, wie schon gestern Abend, vom Campingplatz zurück nach Sisteron. Hoch über der Stadt erhebt sich die Zitadelle.



In Sisteron ist heute Markt.



Ich riskiere es, das Rad mit Gepäck unten stehen zu lassen, und steige hinauf zur Zitadelle.



Von hier oben hat man einen fantastischen Blick. Man erkennt deutlich, wie die Durance hier einen markanten Felsriegel durchbricht; die östliche Kante dieser Bresche ist die Felsformation, die mir bereits gestern Abend aufgefallen ist.





Blick nach Süden über die Altstadt und die Durance, der ich nachher noch ein paar Kilometer flussabwärts folgen werde



Vorbei an der Kathedrale verlasse ich die Stadt Richtung Süden.



Ich folge zunächst der D 4085 entlang der Durance, verlasse deren Tal aber recht bald in Peipin über die sanft ansteigende D 951 und genieße den Rest des Tages die Fahrt durch die Haute-Provence über malerische, kaum, befahrene Sträßchen und durch winzige Dörfer.



Die wahre Provence-Stimmung kommt spätestens beim Anblick und Geruch der ersten blühenden Lavendelfelder auf (vor Tagen, kurz vor Die, gab es ja bereits einen ersten Vorgeschmack).



Gemütliche Einkehr in Saint-Étienne-les-Orgues in einem typischen Provinz-Dorfbistro



Über die D 951 und D 950 mit Blick auf weitere Lavendelfelder geht es weiter nach Banon.







Banon, die malerisch auf einer Hügelkuppe über Lavendelfeldern gelegene „provenzalische Bilderbuchstadt“, wie es in meinem Reiseführer zutreffend bezeichnet wird, ist schon von Weitem zu sehen.





Der Campingplatz ist ein paar Kilometer südlich. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, radle ich zum Abendessen hinauf in die Altstadt. Im Zentrum gibt es mehrere Restaurants, vor denen man nett draußen sitzen kann. Hier kann ich den Tag gemütlich mit einem Steak und einem Glas Wein ausklingen lassen.

Fortsetzung folgt...

Gruß
Tom

Geändert von Keine Ahnung (11.02.19 23:05)
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#1371178 - 22.01.19 13:21 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
cyclerps
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Beachtliche Bilder hast Du gemacht und Respekt vor der gefahrenen Strecke. bravo
Gruss
Markus
Forza Victoria !

When nothing goes right -> go left!
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#1371181 - 22.01.19 13:29 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Keine Ahnung
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Der Bericht bleibt spannend und beeindruckend. Wie hast Du denn die Höhenmeter gemessen oder berechnet? Du bist ja ziemlich eindeutig nicht im Flachland unterwegs gewesen zwinker .
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1371195 - 22.01.19 16:34 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Keine Ahnung]
Holger
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In Antwort auf: Keine Ahnung
Der Bericht bleibt spannend und beeindruckend. Wie hast Du denn die Höhenmeter gemessen oder berechnet? Du bist ja ziemlich eindeutig nicht im Flachland unterwegs gewesen zwinker .

Als ich noch ausschließlich mit Papierkarten unterwegs war, habe ich einfach die Höhe des Talorts von der Höhe der Passhöhe subtrahiert. Das ist in den Alpen nicht so wahnsinnig kompliziert, weil es selten Gegensteigungen gibt, also, man fährt vom Talort zur Passhöhe fast nur bergauf. Zudem fährt man in der Regel maximal 2 Pässe am Tag. In Mittelgebirgen oder in welligem Gelände habe ich früher nie die Höhenmeter gezählt, da ist das mit dieser Methode selbstverständlich deutlich komplexer.

Viele Grüße,
Holger
.
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#1371202 - 22.01.19 17:49 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Keine Ahnung]
Tom72
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Die Höhenmeter (aktuelle Höhe und auf- sowie abwärts gefahrene Höhenmeter) misst mein Radcomputer bzw. Tacho (VDO M4 WL). Die barometrische Höhenmessung ist sicher nicht nicht immer ganz genau, aber bei regelmäßigem Nachkalibrieren des Geräts unterwegs anhand auf Schildern angezeigter Höhenangaben wohl einigermaßen verlässlich.
Gruß
Tom
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#1371205 - 22.01.19 18:17 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Keine Ahnung
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In den Alpen ist bei langen Anstiegen die Messgenauigkeit größer als bei dem ständigen Auf und Ab z. B. im Mittelgebirge. Dabei habe ich mehr Vertrauen in die Messung durch das Navi oder bei Dir dem Tacho, da die Verwertung von Höhendaten aus Karten immer mehr oder weniger Rundungsfehler beinhalten. Das wird offensichtlich, wenn man die für einen Track berechneten Höhenmeter z. B. in GPSies, Caminaro und Basecamp vergleicht. Die Unterschiede können enorm sein. Somit ist Deine Vorgehensweise sicherlich die genauest. Eigentlich hätte ich bei Deinen Strecken sogar noch mehr Höhenmeter vermutet, aber Du wirst Dich sicher nicht über zu wenig Anstiege beschweren wollen grins .
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1371223 - 22.01.19 20:52 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
veloträumer
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In Antwort auf: Tom72
Gemütliche Einkehr in Saint-Étienne-les-Orgues in einem typischen Provinz-Dorfbistro

Da habe ich ein Jahr zuvor gefrühstückt. schmunzel

In Antwort auf: Tom72
... bin wieder im Tal der Durance, das ich heute Mittag in Briançon verlassen habe. Es ist nun schon früher Abend, aber ich will heute noch bis Embrun am Ufer des Stausees Lac de Serre-Ponçon, kommen. Das sind noch etwa 20 eher eintönige und nicht ganz verkehrsarme Kilometer auf der Nationalstraße 94 im breiten und flachen Tal der Durance; ich strample zügig. Plötzlich untersagt völlig unerwartet ein Fahrradverbots-Schild die Weiterfahrt auf der N 94, und ich werde auf eine Nebenstraße gezwungen (D 994 H), die parallel den Hang erklimmt bis zum Ort Châteauroux-les-Alpes und dann wieder abwärts führt und kurz vor Embrun wieder auf die Hauptstraße im Durance-Tal stößt. Landschaftlich auf alle Fälle interessanter als die N 94, aber angesichts der späten Stunde (es ist inzwischen fast 20 Uhr) und der Tatsache, dass ich für heute seelisch nicht mehr auf weitere Höhenmeter eingestellt bin, kann ich diesen unfreiwilligen Abstecher nicht wirklich genießen (und habe daher auch keine Fotos mehr gemacht).

Solche Gewaltakte machen selten glücklich, wie ich mir auch immer mal wieder eingestehen muss. Wie du vielleicht meinem PACA-Bericht entnommen hast, ist dir auf diese Weise auch ein genüssliches Warmbad in den Becken von Le Plan de Phazy ebenso entgangen wie das kuriose Naturwunder von der Fontaine Pétrifiante de Réotier. Ohnehin hätte ich dir die andere Flussseite mit der D994D empfohlen. Ohne Phazy-Quelle, aber mit dem Schlenker über Réotier ließe sich so die N94 komplett umfahren. Die N94 bin auch mal komplett durchgerauscht, ohne deinen Schlenker (vermutlich damals auch noch kein Verbotsschild). Die Strecke der D944D südlich Saint-Clément-sur-Durance ist natürlich auch nicht flach, aber durchaus ohne größere oder heftige Steigungen. Sieht man gerade abends gut das Silberband der Durance als Flussmäander. Bevor es bei der Brücke rüber nach Embrun geht, gab es noch einen wohl ständigen Straßenstand mit besonderen Gebäck-/Brotspezialitäten aus Eigenproduktion.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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Off-topic #1371224 - 22.01.19 21:22 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Keine Ahnung]
veloträumer
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In Antwort auf: Keine Ahnung
In den Alpen ist bei langen Anstiegen die Messgenauigkeit größer als bei dem ständigen Auf und Ab z. B. im Mittelgebirge.

So scheint man zu glauben, trifft allerings nicht meine Erfahrungen. Auch im Hügelland überraschend genau bei barometrischer Messung. Kann man im Zweifel auch mit guten Karten mal exemplarisch nachmessen. Es helfen oft schon gute Überschlagsrechnungen, die Stimmigkeit zu prüfen. Eine weitere Bestätigung erhält man durch viele Messungen von identisch oder fast identischen Strecken über Jahre hinweg, wie ich es für Touren in der Heimatregion mache. Die Messwerte sind erstaunlich konstant, auch bei unterschiedlichen Wetterlagen und trotz nicht selten schlechter absoluter Höhenwerte.

In Antwort auf: Keine Ahnung
Eigentlich hätte ich bei Deinen Strecken sogar noch mehr Höhenmeter vermutet, aber Du wirst Dich sicher nicht über zu wenig Anstiege beschweren wollen grins

Ich lese da auch einen modernen Konflikt raus, demzufolge Höhenmeterwerte durch die Gewöhnung an zu große Werte wie auch Schwankungen durch GPS und digitale Rasterkarten, etwa schon bei der Planung, nicht mehr vergleichbar sind bzw. falsche Vorstellungen entwickelt werden. Es kommt hinzu, dass heute fast jeder zwar zig Werte bis zur Pulsfreuquenz seines Maskottchens misst, aber die Hintergundkenntnisse über das Was, Wie und Warum tatsächlich fehlen. Früher hat man sich spezielle Geräte gekauft, wenn man spezische Werte dokumentieren wollte und beschäftigte sich mit dem Thema. Heute spucken Geräte bzw. Apps soviel Daten aus, dass niemand die alle verstehen kann, aber zum Show-Room des homo digitaliensis gehören. Ich sag da auch gerne, Schuster, bleib bei deinen Leisten, auch wenn es meist ungehört verhallt.

Wieder ontopic: Die Höhenmeter macht man nur, wenn man auch konsequent Pässe an Pässe hängt. Zwar mögen manche Hügelfahrten anstrengend sein, machen aber nicht genügend Höhenmeter im Vergleich zu einem großen Pass bzw. kleineren, aber steilen Pässen. So hat Tom72 ja angesprochen, dass er z.B. die große Passroute in Guillestre verlassen hat. Konsequenterweise ist die Altnerative am Rande der Durance weniger Hm-fördernd, auch wenn nicht flach. In Sisteron hat er ebenso einen weiten Bogen Richtung Banon genommen, die stärker bergaffine Vaiante wäre durch die Montange de Lure gegangen. Bis Sault ist dann Hochebene, nicht flach, aber ohne große Höhenunterschiede. Schon weit oben im Bericht ist der Col de Lautaret ein extrem langestreckter Pass, der in Summe vergleichsweise wenig Höhenmeter ergibt, wenn man ihn ohne Abstecher von Grenoble aus weitgehend ausfährt.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1371833 - 28.01.19 01:23 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Tom72
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9. Tag (15.07.2018), Banon – Sault
Strecke: 49 km
Höhenmeter: 681


Die heutige Etappe ist mit ca. 50 km noch etwas kürzer als die gestrige und wird mich nach Sault am Fuß des Mont Ventoux führen, von wo aus ich morgen, wie bereits auf meiner Südfrankreich-Radtour vor sechs Jahren (2012), die Auffahrt auf den auch als „Géant de Provence“ bezeichneten 1909 m hohen Gipfel in Angriff nehmen will. Die Kürze der Etappe ist auch insofern bewusst gewählt, als ja heute bereits um 17 Uhr das WM-Endspiel beginnt.

Nach dem Aufbruch vom Campingplatz will ich noch ein paar Fotos vom traumhaften Blick auf das sich über den blühenden Lavendelfeldern erhebende Banon machen, bevor ich nochmal in die Stadt hinauffahre. Aber meine Kamera (Lumix LX5) versagt plötzlich ihren Dienst, meldet „Systemfehler Zoom“, und nichts geht mehr. Keine Ahnung, woran es liegt. Das bleibt auch die gesamte restliche Reise (und bis heute) so, so dass ich ab hier zum Fotografieren nur noch das Smartphone habe. Den restlichen Reisebericht kann ich daher leider nur mit Smartphone-Fotos mit dementsprechend teilweise etwas bescheidener Qualität bebildern.

Blick auf Banon





Ich fahre, wie schon gestern zum Abendessen, hinauf nach Banon und sehe mich in dem malerischen Städtchen um. Viele Fotos mache ich allerdings trotz ausreichender lohnender Motive nicht, da es mich sehr ärgert, meine Kamera nicht mehr zur Verfügung zu haben und „nur“ noch mit dem Smartphone fotografieren zu können. So habe ich auch keine Bilder von der Kirche, die sich im Zentrum auf der Spitze des Hügels erhebt und zu der ich durch enge, steile Gassen hinaufsteige. Ein paar Eindrücke von Banon habe ich trotzdem festgehalten.





Meinem Haute-Provence-Reiseführer entnehme ich den Hinweis auf eine Charcuterie, deren Spezialität fingerdünne, aber fast einen Meter lange Salamis sind, die auf verschiedenste Weise gewürzt angeboten werden und in dem kleinen Laden zu Dutzenden von der Decke hängen. Ich kaufe mir ein Exemplar für unterwegs.

Auf der D 950 verlasse ich Banon westwärts; mein Weg führt mich sehr verkehrsarm durch die kleinen Orte Revest-du-Bion und Ferrassières. Schließlich bietet sich der erste Blick auf den Mont Ventoux. Ein Bilderbuchmotiv; der „Gigant der Provence“ erhebt sich in der Ferne über blühenden Lavendelfeldern, die Kalkstein-Geröllwüste, die die Gipfelregion bedeckt, strahlt weiß in der Sonne, so dass man meinen könnte, dort oben liege Schnee. Es schmerzt mich, dass ich diesen traumhaften Blick nur mit dem Smartphone einfangen kann, weil ja meine Kamera ausgerechnet heute Vormittag ihren Geist aufgegeben hat…



Mit Blick auf den Ventoux mache ich am Straßenrand Rast und genieße die Salamispezialität aus der Charcuterie in Banon.



Auch im weiteren Verlauf der heutigen Etappe durch die Haute-Provence bieten sich immer wieder Ausblicke auf den Mont Ventoux.



Die D 189 führt mich serpentinenreich abwärts mit Blick auf Montbrun-les-Bains.



Ich fahre hinauf in den malerischen Ort.



Eine Fahne in einer der engen Gassen erinnert mich daran, dass heute um 17 Uhr das WM-Finale Frankreich gegen Kroatien beginnt und mein Gastland vielleicht nachher seinen zweiten Fußball-Weltmeistertitel erringt und ich ja schauen muss, dass ich rechtzeitig in Sault bin. Allez les Bleus!







Den sehr schönen Ort Sault zu Füßen des Mont Ventoux kenne ich bereits von einer Radreise vor sechs Jahren quer durch Südfrankreich von Ventimiglia nach Katalonien. Von „damals“ kenne ich auch bereits die Strecke über den Mont Ventoux nach Malaucène, die morgen auf dem Programm steht, sowie den Weg zum einige Kilometer außerhalb von Sault, oberhalb des Ortes gelegenen Campingplatz. Es ist noch früh genug, um in Ruhe mein Zelt aufzubauen und zum Anpfiff des WM-Finales wieder im Ort zu sein. Vor mehreren Restaurants sind Fernseher aufgestellt, die Tische davor werden von erwartungsvollen Einheimischen und Touristen bevölkert.

Es ist ein besonderes Erlebnis, auf einem französischen Dorfplatz gemeinsam mit den Franzosen dem zweiten Weltmeister-Titel der „Bleus“ entgegenzufiebern. Und tatsächlich geht die französische Mannschaft gegenüber der kroatischen schnell in Führung und siegt schließlich 4:2. Den Jubel kurz nach dem Abpfiff habe ich in einem Video (hier klicken) festgehalten.





10. Tag (16.07.2018), Gorges de la Nesque
Strecke: 29 km
Höhenmeter: 297


Nachdem ich bisher mit dem Wetter wirklich Glück hatte, ist es heute bewölkt und regnerisch. Die für heute geplante Überquerung des Mont Ventoux macht daher wenig Sinn und ich verschiebe sie auf morgen und beschließe, eine weitere Nacht auf dem Campingplatz in Sault zu bleiben. Die Entscheidung fällt umso leichter, als der Wetterbericht für morgen wieder wolkenlosen Sonnenschein ankündigt. Also genieße ich einen Ausruh-Tag in Sault.

Am Nachmittag hört es auf zu regnen, und die Wolken verziehen sich. So komme ich auf die Idee, aus der Not eine Tugend zu machen und den restlichen Tag für einen Abstecher ohne Gepäck in die ganz in der Nähe gelegenen Gorges de la Nesque zu nutzen. Die Fahrt durch diese bekannte Schlucht hatte ich eigentlich nicht vorgesehen, da sie aufgrund ihrer Lage schlecht mit meiner Reiseroute zu kombinieren war. Auch als ich das erste Mal den Mont Ventoux befahren hatte, hatte ich sie ausgelassen, weil sie auch in die damalige Route von Süden, vom Luberon und Vaucluse her kommend, schlecht zu integrieren gewesen wäre.

Es ist bereits etwa 17 Uhr, als ich losfahre. Zunächst rolle ich vom erhöht über der umgebenden Landschaft gelegenen Sault hinunter; recht flach verläuft die D 942 bis Monieux und dann weiter durch die Schlucht, deren spektakulärster Abschnitt ein paar Kilometer weiter beginnt. Ich bin wirklich beeindruckt und hatte nicht mit einem so grandiosen Landschaftserlebnis gerechnet. Inzwischen habe ich mich mit der wetterbedingten Verschiebung der Ventoux-Befahrung mehr als versöhnt, hätte ich doch sonst dieses landschaftliche Highlight nicht erlebt.









Ich fahre nur ein paar Kilometer weiter in die Schlucht hinein und kehre ein Stück hinter dem wohl markantesten Aussichtspunkt gegenüber dem Rocher du Cire wieder um. Für mehr ist es heute zu spät. Mit mehr Zeit hätte ich weiter durch die Schlucht bis Villes-sur-Auzon und zurück über den Col Notre Dame des Abeilles fahren können. Stattdessen kehre ich auf derselben Strecke zurück. Hoch über der Straße im steilen Felshang sehe ich einen Steinbock und bin fasziniert, als er mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit die fast senkrechte Felswand hinuntergaloppiert, um dann einige Dutzend Meter unterhalb der Straße meinem Blick zu entschwinden. Deutlich weniger scheu sind einige Wildschweine, die neugierig die am Aussichtspunkt haltenden Wohnmobile inspizieren, wohl in der Hoffnung auf Essbares.







Gegen 19.30 Uhr komme ich wieder zurück nach Sault.



11. Tag (16.07.2018), Mont Ventoux, Sault – Malaucène
Strecke: 55 km
Höhenmeter: 1146


Heute herrscht wieder strahlender Sonnenschein. Das perfekte Wetter für den Mont Ventoux, den ich nun ein zweites Mal befahre. Das erste Mal, 2012, war ich ebenfalls in Sault gestartet. Die beiden in Radsportkreisen bekannteren und prestigeträchtigeren Auffahrten, die auch mehrfach auf dem Programm der Tour de France standen, beginnen in Bédoin und in Malaucène (mein heutiges Ziel). Beide sind durchweg recht steil und gelten als recht anspruchsvoll. Die Auffahrt von Sault hingegen hat für die nicht ganz so Ehrgeizigen und eben auch Radreisende mit Gepäck den Vorteil, dass sie auf einer größeren Höhe startet und deutlich länger ist und damit im Schnitt eine deutlich geringere Steigung aufweist. Von Sault aus erreicht man den 1909 m hohen Gipfel nach etwa 26 km; 6 km vorher vereinigt sich die Strecke mit der von Bédoin kommenden Auffahrt; erst ab dort erwartet einen dann für die letzten Kilometer eine Rampe mit herausfordernden 8 oder 9% Steigung, auf der man dann noch etwas „Tour-de-France-Feeling“ genießen kann.

Ich verlasse nach zwei Nächten den schönen, sehr weitläufig in einem Waldstück gelegenen Campingplatz und fahre hinunter nach Sault.





Blick von Sault hinüber zum Mont Ventoux, der auf dem Bild leider kaum zu erkennen ist. Der kleine weiße Fleck am Horizont rechts der Bildmitte ist der kahle, im Sonnenlicht hell strahlende Gipfel mit seiner Geröllwüste aus Kalkstein, die von Weitem den Eindruck vermittelt, als liege dort oben Schnee.



Unterhalb von Sault beginnt inmitten von Lavendelfeldern die Passstraße (wobei der Begriff eigentlich nicht zutreffend ist, denn handelt sich ja nicht um einen Pass, sondern die Straße führt zum Gipfel).



Mit nur mäßiger Steigung, die, wenn ich mich richtig erinnere, etwa 5% nie überschreitet, gewinnt die Straße am bewaldeten Hang langsam aber stetig an Höhe. An einem Aussichtspunkt kann man einen aus Schrottteilen kunstvoll zusammengeschweißten Hirsch bewundern.



Nach etwa 20 km stößt die Straße auf die von Bédoin kommende Auffahrt. Hier ist die Baumgrenze erreicht, und es beginnt die die Gipfelregion bedeckende Kalkstein-Geröllwüste. Hier bietet sich eine willkommene Einkehrmöglichkeit, das Chalet Reynard. Die verbleibenden Kilometer sind nun, nach der bisher recht entspannten Auffahrt, von der Steigung recht knackig mit 8 % und teilweise mehr, aber der Gipfel ist ja schon in Sicht. Und erstmal gönne ich mir, wie auch schon vor sechs Jahren, eine Rast im Chalet Reynard. Bei dem herrlichen Wetter bin ich natürlich bei Weitem nicht der einzige Radfahrer, der sich hier erfrischt und stärkt, wohl aber der einzige, der nicht mit dem Rennrad unterwegs ist.



Ich habe riesiges Glück mit dem Wetter, die faszinierende, fast wie nicht von dieser Welt erscheinende Mondlandschaft strahlt im herrlichen Sonnenschein weiß vor blauem Himmel. Zum Greifen nah erscheint der Gipfel mit dem Gebäude des Observatoriums. Bis dahin sind es aber noch ein paar steile Kilometer und einige hundert Höhenmeter. Man erkennt, wie sich die Straße steil am fast vegetationslosen Hang entlangzieht.







Kurz vor dem Gipfel ein tragisches Stück Radsporthistorie: Hier erinnert eine Gedenktafel an den britischen Radrennfahrer Tom Simpson, der bei der Tour de France 1967 unter dem Einfluss von Aufputschmitteln und Alkohol an dieser Stelle dehydriert zusammenbrach und noch vor Ort verstarb, kurz nachdem das Thema Doping bei der Tour erstmals überhaupt in der öffentlichen Diskussion thematisiert wurde. Viele Rennradler erweisen ihm die Ehre, indem sie Gegenstände wie etwa Trinkflaschen dort ablegen.



Weiter geht es landschaftlich traumhaft aufwärts; trotz der zunehmenden Steigung auf den letzten Kilometern empfinde ich die Auffahrt nicht als besonders anstrengend, da ich ohnehin alle paar hundert Meter anhalten muss, weil sich neue Fotomotive ergeben.



Ich habe Glück, dass ich heute (genauso wie seinerzeit bei meiner ersten Überquerung des Ventoux) von der hier häufig herrschenden stürmischen Witterung verschont bleibe, für die der Berg berüchtigt ist. Nicht umsonst heißt der Grat, den die Straße knapp vor dem Gipfel überquert, Col des Tempêtes, mir bleiben aber, wie gesagt, die namensgebenden Stürme erspart.





Eine Kurve unterhalb des Gipfels gibt es noch einmal eine Einkehrmöglichkeit, wo ich mir ein wohlverdientes Bier gönne,



dann ist der Gipfel erreicht. Er ist allerdings nach dem Col d’Izoard und dem Col du Lautaret „nur“ der dritthöchste Punkt der Reise…





Der Blick hinab auf die Straße, auf der ich hinaufgefahren bin, ist grandios.



Nun kann ich die lange Abfahrt nach Malaucène genießen. Es ist nun schon fast 19 Uhr, und nur noch vereinzelt kommen Rennradler hier oben an. Ein letzter Blick zurück zum Gipfel,



dann kann ich es gut 20 km lang rollen lassen. Herrlich. Ich bin angesichts des auf den Schildern angekündigten beachtlichen Gefälles aber froh, hier nicht andersherum unterwegs sein zu müssen.





In Malaucène steuere ich den mir bereits bekannten, sehr zentralen Campingplatz an, den ich gegen halb neun erreiche. Die Rezeption ist schon geschlossen, also suche ich mir eigenmächtig einen Platz; spaßeshalber schaue ich nach der Parzelle, die ich vor sechs Jahren hatte, und tatsächlich finde ich sie wieder, sie ist frei, und ich schlage dort mein Zelt auf.



Fortsetzung folgt…
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#1372953 - 03.02.19 18:12 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Tom72
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12. Tag (18.07.2018), Malaucène – Tarascon
Strecke: 92 km
Höhenmeter: 430


Hier in Malaucène endet die bislang festgelegte Routenplanung. Ich muss also nun eine grundsätzliche Entscheidung treffen, in welche Richtung es jetzt weitergeht. Eine Idee, von der ich aus Erfahrung weiß, dass sie einiges Potenzial hat, wäre Richtung Westen, über die Rhone, und dann weiter ins Zentralmassiv, wobei sich zunächst die Ardèche-Schlucht anbieten würde. Dann vielleicht ein weiteres Mal in die schon zweimal bereisten Cevennen. So bin ich vor sechs Jahren nach der Mont-Ventoux-Überquerung weitergefahren. Oder ich bleibe noch weiter in der (Haute-)Provence und orientiere mich Richtung Osten oder Südosten, vielleicht auch wieder in die Alpen hinein. Ich entscheide mich schließlich jedoch dazu, erstmal auf ziemlich direktem Wege das Mittelmeer anzusteuern, da ich auf meinen Radreisen die Abwechslung liebe und nach den Bergen der bisherigen Tour mir der Sinn nach Strand steht. Von der Küste aus gibt es dann vielfache Möglichkeiten, z. B. ins Zentralmassiv (Cevennen) hochzufahren. Ziel ist also zunächst die Camargue, die ich im Gegensatz zu den Mittelmeerküsten-Abschnitten östlich von Marseille und im Westen zwischen Agde und der Costa Brava noch nicht kenne und die man vielleicht auch mal gesehen haben sollte. Der Küstenort Saintes-Maries-de-la-Mer hat mich neugierig gemacht, es gibt hier auch Campingplätze. Anhand meiner Michelin-Karten stelle ich mir also eine Route zusammen, die mich in zwei Tagen mit Übernachtung in Tarascon nach Saintes-Maries führen wird.

Weiterhin kann ich wegen des Kameradefekts leider nur mit dem Smartphone fotografieren.

Zum Auftakt der heutigen Etappe wähle ich für die Fahrt Richtung Carpentras ein kleines Sträßchen (D 90), das sich auf der Michelin-Karte mit grüner Markierung, die bekanntlich sehenswerte Streckenabschnitte kennzeichnet, durch die Landschaft schlängelt. Eine gute Wahl, die Straße ist kaum befahren und führt mich zunächst durch einige Serpentinen auf den Col de la Chaine.





Weiter führt die D 90 verkehrsarm und landschaftlich reizvoll durch die Dörfer Suzette, Lafare und Baumes-de-Venise.







Ab Aubignan führt mich die D 7 nach Carpentras.



In Carpentras sehe ich mich etwas um, esse zu Mittag und begebe mich dann zum Bahnhof an der hier endenden Nebenstrecke. Nicht, um einen Zug zu nehmen, sondern um am Bahnschalter meine Fahrkarte für die Rückfahrt in gut anderthalb Wochen zu besorgen. Zwar steht das Ziel noch in keiner Weise fest, aber wegen der Reservierungspflicht im französischen Fernverkehr will ich auf Nummer sicher gehen. Ich kaufe mir ein Ticket für den TGV Marseille-Frankfurt für den letzten Urlaubstag, somit habe ich die Möglichkeit, in Marseille, Aix-en-Provence, Avignon oder auch noch weiter nördlich einzusteigen, sei es, dass ich die Tour an einem dieser Orte beende, sei es, dass ich mit reservierungsfreien Regionalzügen vom Endpunkt der Reise dorthin gelange. Aber dass ich trotz der nach wie vor noch nicht fest geplanten weiteren Reiseroute am Ende diese TGV-Verbindung für die Rückfahrt von Südfrankreich nach Deutschland nutzen werde, steht im Grunde fest, insoweit kann und sollte ich mich nun auch schonmal festlegen.

Bis Avignon geht es nun nur darum, zügig vorwärtszukommen, ich fahre über Monteux und Saint-Saturnin-les-Avignon über verkehrsreiche Hauptstraßen (D 31 und D 28).

In Avignon bin ich schon vor über 20 Jahren (ohne Fahrrad) gewesen und hatte mir den Papstpalast angesehen, außerdem bin ich vor zehn Jahren auf meiner ersten Frankreich-Radreise (Freiburg–Marseille) hier vorbeigekommen. In der Stadt findet gerade ein Kulturfestival statt, so dass die Menschen- und Touristenmassen das wohl im Sommer sowieso schon übliche Maß noch überschreiten. Danach steht mir gerade nicht der Sinn, so dass ich mich schnell zur Rhone begebe und mir die Stadt in Ruhe vom anderen Ufer aus ansehe. Möglicherweise habe ich am Ende der Reise ja ohnehin noch einen Aufenthalt in der Stadt mit Übernachtung im Rahmen der Bahn-Rückfahrt (so war es dann letztlich auch.)

Den Blick vom gegenüberliegenden Ufer auf Avignon mit dem Papstpalast und der berühmten kaputten Rhonebrücke (Pont St. Bénézet) mit (damals anderem) Rad im Vordergrund fotografiere ich nach nunmehr zehn Jahren ein zweites Mal.





Ich kann von dieser Stelle aus in der Ferne links über dem Ende der Pont St. Bénézet tatsächlich ganz klein den Gipfel des Mont Ventoux sehen; hierfür reicht allerdings die Smartphone-Kamera nicht aus. Zum wiederholten Male trauere ich meiner seit drei Tagen ihren Dienst versagenden „richtigen“ Kamera nach (nein, das kleine Weiße ganz links im Bild mit der Brücke sind Wolken…).

Parallel zur Rhone fahre ich auf der verkehrsreichen D 2 am rechten (westlichen) Ufer Richtung Süden, wechsle kurz vor Aramon auf das Ostufer



und erreiche über die angenehmere und schwächer befahrene D 35 nach weiteren 20 km Tarascon. Der schöne Campingplatz liegt am Rand des Stadtzentrums am Rhoneufer und direkt neben der Burg (hier ein Foto vom nächsten Morgen).



13. Tag (19.07.2018), Tarascon – Saintes-Maries-de-la-Mer
Strecke: 60 km
Höhenmeter: 39


Die heutige Etappe ist im Gegensatz zu den bisherigen praktisch völlig flach und wird mich in die Camargue und bei Saintes-Maries-de-la-Mer ans Mittelmeer führen. Nachdem ich das Zelt abgebaut und gepackt habe, besichtige aber erstmal die Burg, die sich über dem Rhoneufer direkt neben dem Campingplatz erhebt.

Das Château de Tarascon ist eine mittelalterliche Burg wie aus dem Bilderbuch. Ich habe aber leider viel zu wenig Zeit, die Besichtigung der zahlreichen Räume mit verschiedensten historischen Exponaten entsprechend dem Programm des Audioguides gründlich „abzuarbeiten“. Von oben bietet sich ein herrlicher Blick auf die Altstadt von Tarascon





und über die Rhone auf die Stadt Beaucaire am gegenüberliegenden Ufer, über der sich ebenfalls eine mittelalterliche Burg erhebt.





Von Tarascon gelange ich über die D 35, ein Sträßchen, das eher den Charakter eines asphaltierten Feldwegs als einer Landstraße hat, und fast ohne Kfz-Verkehr südwärts mit etwas Abstand zur parallel verlaufenden Rhone nach Arles. Erstmals auf der Reise fahre ich durch eine völlig ebene Landschaft. So sehr ich auch das Fahren in gebirgigen Landschaften liebe, schätze ich auch die Abwechslung und genieße den deutlichen Kontrast zu den bisherigen Etappen.





In Arles treffe ich wieder auf das Rhoneufer.



Daran, dass mir auf einer Urlaubsreise Mitte der 90er-Jahre mit dem Auto selbiges in Arles aufgebrochen wurde, denke ich nur kurz. Es ist nicht ganz leicht, zur Mittagszeit angesichts der Scharen von Touristen, die die Altstadt bevölkern, vor einem der zahlreichen Restaurants einen freien Tisch zu ergattern. Nach einem ordentlichen Mittagessen schaue ich mir, aus Zeitgründen allerdings nur von außen, das um 100 n. Chr. errichtete römische Amphitheater, die Hauptsehenswürdigkeit von Arles, an.







Südlich von Arles beginnt die Camargue, die ich nun auf deren Hauptverkehrsachse, der D 570, durchquere. Bis zu meinem Ziel Saintes-Maries-de-la-Mer fahre ich etwa 40 km durch die flache Landschaft, das ist recht eintönig und auch landschaftlich nicht allzu reizvoll. Das wundert mich, gilt doch die Camargue als sehenswert… Nachdem sich etwa 10 km vor Saintes-Maries die Möglichkleit bietet, von der Hauptstraße auf ein kleines Nebensträßchen zu wechseln (D 85 A), wird die Strecke interessanter in ihrem Verlauf durch die Sumpflandschaft, vorbei an Lagunen. Die typischen Flamingos bekomme ich heute noch nicht zu sehen, und auch nur einmal am nächsten Tag, zu weit entfernt zum Fotografieren.



Ich erreiche Saintes-Maries-de-la-Mer und bin am Mittelmeer angekommen.



Natürlich geht es hier Mitte Juli alles andere als beschaulich zu, das konnte ich aufgrund meiner Erfahrung von mehreren Radreisen an den französischen Küsten auch gar nicht anders erwarten. Mal sehen, wie lange ich am Meer bleiben werde, meine aktuelle Planung sieht vor, jedenfalls noch bis Sète der Küste zu folgen.

Westlich des Ortes, direkt an der Mündung des westlichen und kleineren der beiden Mündungsarmee der Rhone (Petit Rhône), liegt der Campingplatz „le Clos du Rhône“. Natürlich sind die Campingplätze an der Küste, erst recht zur Hauptsaison, erheblich, um nicht zu sagen um Größenordnungen teurer als selbst in touristisch nachgefragten Regionen im Landesinnern. Ich meine mich bei diesem an einen Preis von etwa 25 oder 30 € zu erinnern (nur für mich mit Zelt, mit Kfz werden dann noch ganz andere Preise fällig), aber auch damit war zu rechnen. Nach dem Zeltaufbau kann ich noch am direkt vom Campingplatz aus zugänglichen Strand ein Bad im Meer genießen. Der Campingplatz hat auch ein Restaurant, und dort findet heute ein spanischer Abend statt; es gibt Live-Flamencomusik, und eine riesigen Paella-Pfanne ist aufgebaut. Die Paella ist auch wirklich sehr lecker. Ein sehr schöner Tagesausklang.

14. Tag (20.07.2018), Saintes-Maries-de-la-Mer – Le Grau-du-Roi
Strecke: 48 km
Höhenmeter: 36


Heute ist eine eher bescheidene Etappe vorgesehen; Ziel für heute ist der Küstenort le Grau-du-Roi am westlichen Rand der Camargue, genauer der südlich des Ortes gelegene weitläufige Sandstrand L’Espiguette, wo es auch Campingplätze gibt und der mir recht vielversprechend erscheint.

Zunächst fahre ich in die andere Richtung, zurück ins Zentrum von Saintes-Maries-de-la-Mer. Die hübsche Altstadt ist natürlich ziemlich überlaufen, und ich sehe mich nur kurz um. Es gibt auch eine Stierkampfarena. Allerdings ist der Begriff „Stierkampf“ für die in der Region praktizierte Spielart, die Course camarguaise, wohl nicht ganz zutreffend. Während es anderswo in Südfrankreich tatsächlich Stierkämpfe nach Art der spanischen Corrida gibt, bei denen die Stiere getötet werden (soweit ich weiß auch in der Arena von Arles), geht es bei der Course camarguaise ganz unblutig darum, dass die Stierkämpfer, Raseteure genannt, versuchen, zwischen den Hörnern des Stiers befestigte Kokarden herunterzuholen.



Vor der Arena wurde einem um 1950 beim Publikum besonders beliebten Cocardier, wie die „Kampfstiere“ in der Camargue genannt werden, namens Vovo ein Denkmal errichtet, das ihn dramatisch in Szene setzt, wie er den hölzernen Schutzzaun durchbricht, hinter den sich die Raseteure mit einem Sprung retten, wenn die Tiere sie angreifen. Ich hätte mir eine solche Veranstaltung schon gerne einmal angesehen, aber heute und morgen findet hier keine statt.

In der Wehrkirche Église de Notre-Dame-de-la-Mer wird eine schwarze Madonna, Sara la noire, verehrt. Rückblickend bedaure ich, die Kirche nicht besichtigt zu haben, man hat von oben sicher einen tollen Blick über die Camargue.



Ich verlasse Saintes-Maries Richtung Westen, komme noch einmal an meinem Campingplatz vorbei und fahre auf der D 38, einem kleinen Sträßchen fast ohne Verkehr, durch die Camargue-Landschaft. Die Verkehrsströme von und nach Saintes-Maries verlaufen nämlich woanders, über die D 570. Auf einer kleinen Fähre überquere ich den westlichen Rhone-Mündungsarm (Petit Rhône), die Überfahrt ist gratis. Ich genehmige mir eine kurze Einkehr auf der Terrasse eines kleinen Restaurants am Fähranleger und beobachte eine Gruppe von Reitern, die sich und ihren Pferden hier ebenfalls eine Rast gönnen. Die Camargue ist bekannt für eine hier gezüchtete Pferderasse, eben das Camargue-Pferd, und abseits der Hauptstraßen sieht man häufig Reiter. Wanderungen zu Pferd scheinen hier auch eine beliebte Touristenattraktion zu sein. Die Reiter brechen auf und setzen ans andere Ufer über; sie bekommen Vorrang und dürfen ihre Pferde vor den wartenden Autos auf die Fähre führen. Die Tiere scheinen diese Art des Transports gewöhnt zu sein.





Weiter führt mich ein weiteres winziges Sträßchen (D 85) ruhig und einsam durch die Camargue.



Schließlich stößt sie auf die D 58, Teil der Hauptverkehrsverbindung zwischen Arles und Aigues-Mortes. Mit der Idylle ist es erstmal vorbei. Kurz vor Aigues-Mortes überquere ich den Canal du Rhône à Sète. Am Kanalufer erhebt sich die Tour de Constance, der größte Wehrturm der vollständig erhaltenen Stadtbefestigung, die die mittelalterliche Altstadt von Aigues-Mortes mit einer Länge von gut anderthalb Kilometern umschließt.



Ich nehme mir die Zeit für eine ausführliche Besichtigung. Man kann auf dem Wehrgang der Stadtmauer die gesamte Altstadt umrunden, eine Möglichkeit, die ich gerne wahrnehme; es sind, wie gesagt, gut anderthalb Kilometer. Es bieten sich in alle Richtungen herrliche Ausblicke über die mittelalterliche Stadt, die weite, flache Landschaft und die Lagunen, die die Stadt vom Meer trennen.



Die imposante Stadtbefestigung spiegelt die Bedeutung wieder, die Aigues-Mortes im Mittelalter hatte. Es war im 13. Jahrhundert der erste Mittelmeerhafen auf französischem Gebiet, nachdem die französischen Könige vorher keinen Zugang zum Mittelmeer auf eigenem Gebiet hatten.

In den Lagunen wird in großem Stil Salz gewonnen. Die Salzberge kann man rechts im Bild erkennen. Das Wasser der Salinen ist rötlich gefärbt, was an einer dort lebenden Bakterienart liegt. Hier entsteht das edle Meersalz Fleur de Sel.

In die andere Richtung fällt der Blick von der Stadtbefestigung auf den schnurgeraden Canal du Rhône à Sète. Nach meinen Informationen verlaufen entlang des Kanals Wege, die man wohl auch mit dem Rad befahren kann, wie man das auch sonst von zahlreichen Kanälen in Frankreich kennt. Ich hätte ihn aufgrund seines Verlaufs (er beginnt in Beaucaire an der Rhone gegenüber von Arles und geht in Sète in den Canal du Midi über) vielleicht gut in meine Reiseroute einbauen können, aber ich bin skeptisch ob der Wegbeschaffenheit; mit Asphalt ist wohl eher nicht zu rechnen (Recherchen hier im Forum nach der Reise bestätigen das).



Aber es gibt einen asphaltierten Radweg entlang des Kanals, der in Aigues-Mortes vom Canal du Rhône à Sète abzweigt und in Le Grau-du-Roi ins Meer mündet. Auf diesem Weg erreiche ich Le Grau-du-Roi bequem nach acht Kilometern. Hier sehe ich auch die Flamingos, für die die Camargue auch bekannt ist, aber leider nur in der Ferne, zu weit weg zum Fototgrafieren.



Le Grau-du-Roi ist ein bedeutender Fischereihafen, und an den Kais des hier ins Meer mündenden Kanals reihen sich Fischerboote und Fischrestaurants. Ich bekomme Appetit. Somit ist schonmal klar, wohin ich heute zum Abendessen muss.



Zunächst sind es aber noch einige Kilometer zum südlich der Stadt gelegenen Sandstrand L’Espiguette. Von den mehreren Campingplätzen wähle ich den Camping Espiguette, da er einen direkten Zugang zum Strand hat. Natürlich ist er, wie auch schon der Platz in Saintes-Maries und generell die Campingplätze an der Mittelmeerküste zur Hauptsaison, teuer. Er ist sehr gut ausgelastet, sehr weitläufig und verfügt über mehrere Restaurants, Bars und Geschäfte. Idylle sieht anders aus. Angesichts der langen Wege auf dem riesigen Gelände bin ich froh, ein Fahrrad zu haben. Aber ich kann nach dem Zeltaufbau direkt vom Campingplatz an den endlos erscheinenden Sandstrand gelangen (das Bild ist am nächsten Vormittag entstanden).



Der Sandstrand ist mehrere hundert Meter breit, ich marschiere nur zügig zum Meer und wieder zurück, da es nun schon recht spät ist und ich trotz der auf dem Campingplatz reichlich vorhandenen gastronomischen Infrastruktur ja in einem Fischlokal im Stadtzentrum zu Abend essen will. Das sind nochmal etliche Kilometer hin und zurück. Aber es lohnt sich. Es ist schon fast dunkel, als ich mir vor einem Restaurant direkt am Kanal ein leckeres Fischgericht servieren lasse; es ist nicht einfach, einen freien Tisch zu ergattern. Was es war, weiß ich nicht mehr genau, aber ich glaube, es war eine Dorade. Recht spät am Abend bin ich wieder zurück auf dem Campingplatz, und kurz darauf fängt es überraschend an, heftig zu regnen. Ich gönne mir noch einen Absacker unter der Markise der auch zur späten Stunde und trotz des Regens noch recht belebten Bar des Campingplatzes. Der Regen dauert die ganze Nacht und hört am frühen Morgen auf.

15. Tag (21.07.2018), Le Grau-du-Roi – Frontignan
Strecke: 62 km
Höhenmeter: 120


Heute will ich entlang der Küste bis Sète fahren. Aber zunächst mache ich noch einen Strandspaziergang am weitläufigen Sandstrand, zu dem man vom Campingplatz aus einen direkten Zugang hat und wo ich auch schon gestern Abend kurz war. Le Grau-du-Roi liegt an einer Bucht, über die hinweg man in der Ferne die markanten Hochhäuser der Feriensiedlung La Grande-Motte sehen kann, durch die mich mein Weg heute führen wird.



Nach Zeltabbau und Packen geht es aber zunächst in die andere Richtung, nach Süden zum Ende der von Le Grau-du-Roi in die Dünenlandschaft der Pointe de l’Espiguette führenden Straße. Hier, wenige Kilometer abseits der Touristenströme und der riesigen Campingplätze, kann ich nochmal die typische Camargue-Landschaft genießen, deren westlichen Ausläufer der Strand von Espigette bildet. Es gibt keine Bebauung, und zwischen der hier in einem Parkplatz endenden Stichstraße und Saintes-Maries-de-la-Mer gibt es entlang der Küste keine Orte und keine Straße, nur Sandstrand und Dünen, weshalb ich auch gestern durchgehend mehrere Kilometer von der Küste entfernt unterwegs war.



Am weitläufigen Sandstrand esse ich in einer Strandbar (das einzige Gebäude weit und breit) zu Mittag.



Jetzt ist es schon recht spät. Ich fahre zurück nach Le Grau-du-Roi, wo ich gestern zu Abend gegessen habe.





Bis La Grande-Motte gibt es keine Straße und auch keinen Radweg direkt an der Küste, und die Fahrt über die Hauptstraße durch die unschönen Massentourismus-Siedlungen ist recht nervig. Die Landmarke von La Grande-Motte, einem der typischen, in den 60er-Jahren entstandenen Retorten-Ferienorte, ist der bekannte pyramidenförmige Hochhauskomplex, dem man immerhin eine interessante architektonische Gestaltung nicht absprechen kann.



Ich habe den restlichen Tag leider keine Bilder mehr gemacht, weil es nun schon später Nachmittag ist und ich noch möglichst weit kommen und mich daher möglichst wenig aufhalten möchte. Dass ich heute noch bis Sète komme, wird zunehmend unwahrscheinlich.

Von La Grande-Motte bis Carnon-Plage gibt es nun einen schönen Radweg, der nur durch die Dünen vom Sandstrand getrennt ist. Ich komme durch Palavas-les-Flots, wo ich die Küste verlassen muss, um die zwischen Montpellier und dem Meer gelegenen Étangs zu umfahren, da es hier entlang der Küste bis kurz vor Frontignan keine Straßen und Wege gibt. Auf separatem Radweg neben der Schnellstraße D 986 geht es zunächst Richtung Montpellier. Wäre es deutlich früher am Tag, hatte ich mir die Zeit für den Abstecher in die Stadt genommen, die ich noch nicht kenne und die ja offenbar sehr sehenswert ist. Aber es ist schon nach sechs, und ich müsste sonst die Etappe dort beenden. Ich möchte aber lieber irgendwo an der Küste übernachten. Also lasse ich das noch etwa 10 km entfernte Montpellier schweren Herzens rechts liegen und gelange auf nur mäßig befahrenen Straßen (D 116 und D 114) durch Villeneuve-les-Maguelone und Vic-la-Gardiole nach einem weiten Bogen um die Lagunen (Étang de l‘Arnel und Étang de Vic) landschaftlich durchaus nicht ohne Reiz wieder an die Küste. Als nächstes komme ich nach Frontignan bzw. genauer dessen Küstenort Frontignan-Plage. Nachdem mich hier ein Plattfuß weitere Zeit kostet, gebe ich den Plan, heute noch das nur noch etwa 10 km weiter gelegene Sète zu erreichen, auf und quartiere mich auf dem nächsten Campingplatz ein. Der erste, den ich ansteuere, ist komplett belegt, beim zweiten (Camping La Lagune) habe ich Glück. Er ist angenehm bescheiden dimensioniert, nicht so eine Riesenanlage wie die beiden vergangenen Tage. Zum Abendessen fahre ich noch in das einige Kilometer landeinwärts gelegene Zentrum von Frontignan.

Fortsetzung folgt...
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#1374157 - 10.02.19 23:20 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Tom72
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16. Tag (22.07.2018), Frontignan – Saint-Pierre-la-Mer
Strecke: 94 km
Höhenmeter: 369


Nachdem ich es gestern nicht mehr, wie geplant, nach Sète geschafft habe, erreiche ich die Stadt heute Vormittag zügig über die Hauptstraße (D 912) nach etwa 10 km. Charakteristisch für das Stadtbild von Sète sind die zahlreichen Kanäle, die die Innenstadt durchziehen, die fast völlig von Wasser umgeben zwischen dem Meer und der Lagune Étang de Thau gelegen ist.





Am Fischereihafen gibt es Fischrestaurants, das passt prima fürs Mittagessen. Wie auch schon vorgestern Abend in Le Grau-du-Roi kann ich hervorragend direkt am Kai, an dem die Fischerboote liegen, speisen; diesmal gönne ich mir ein absolut köstliches Schwertfischsteak (Espadon).





Während des Essens mache ich mir Gedanken über den weiteren Reiseverlauf. Ich werde auf alle Fälle noch über die Landzunge zwischen dem Étang de Thau und dem Meer bis Agde oder Béziers fahren. Ab dort gäbe es verschiedene Möglichkeiten, die Küste zu verlassen und ins Zentralmassiv, konkret die Cevennen, zu fahren. Dort war ich bereits zweimal unterwegs, das würde mich nochmal reizen, ich könnte bereits bekannte mit neu zu entdeckenden Strecken kombinieren. Wenn ich mich am Ende Richtung Rhone orientieren würde, könnte ich beispielsweise in Avignon den gebuchten TGV nach Frankfurt nehmen. Nach einigem Hin- und Herüberlegen überwiegen dann aber doch der Wunsch, die Reise in Spanien zu beenden und meine Sehnsucht nach den Pyrenäen, obwohl oder gerade weil ich sie bereits von mehreren Radreisen recht gut kenne und sie erst vor zwei Jahren von Ost nach West durchradelt habe. Angesichts der verbleibenden Zeit muss ich dann allerdings noch ein ganzes Stück in Küstennähe bleiben, um es noch bis Katalonien zu schaffen. Die Zugrückfahrt wird kein Problem darstellen, verkehren doch, wie ich aus Erfahrung weiß, auf der Hauptstrecke von der spanischen Grenze bei Portbou bzw. Cerbère über Perpignan, Béziers, Sète und Montpellier nach Avignon durchgehende Regionalzüge.

Zwischen Sète und Marseillan-Plage verläuft ein Radweg entlang der schmalen Landzunge, die den Étang de Thau vom Meer trennt. Durch die Dünen gelangt man an den herrlichen Sandstrand. Hier müsste man eigentlich ein wenig verweilen, aber ich habe mir das ehrgeizige Ziel gesetzt, heute im mir bereits bekannten Ort Gruissan zu übernachten und mich damit unter eigentlich unnötigen Zeitdruck gesetzt.



Zwischen Marseillan-Plage und Agde muss ich ein paar Kilometer eine Hauptverkehrsstraße nehmen. In Agde treffe ich wieder auf bekanntes Terrain; von hier bis Katalonien kenne ich die Strecke entlang der Küste bereits von mehreren Radreisen.



Ich gelange auf der Hauptverkehrsstraße D 612 bis kurz vor Béziers und stoße auf den Canal du Midi, dessen ehemaligen, wenn auch nicht befestigten Treidelpfaden ich im Grunde auch schon ab Agde hätte folgen können.



Die Kanalbrücke, die den Canal du Midi in Béziers über den Fluss Orb führt, überquere ich nun schon das dritte Mal; das letzte Mal bin ich 2011 auf meiner Radtour Paris-Barcelona (im Bericht Tag 14) aus den Cevennen kommend in Béziers auf den Canal du Midi gestoßen, und ein Jahr davor auf einer Radreise, die in Saint-Nazaire beginnend ebenfalls Barcelona zum Ziel hatte, bin ich zwischen Bordeaux und Agde die gesamte Strecke des „Canal des Deux Mers“, d. h. den Canal latéral à la Garonne und den Canal du Midi, entlanggeradelt.





Da ich Béziers bereits von zwei Radreisen kenne, verzichte ich diesmal darauf, die die hoch über dem Orb-Ufer gelegene Altstadt zu besichtigen und begnüge mich mit dem Blick von der Kanalbrücke aus.



Der Radweg verläuft auf den ehemaligen Treidelpfaden des bereits im 17. Jahrhundert gebauten Kanals, der fast durchgängig gesäumt ist von zwei Reihen schattenspendender Platanen.

Leider ist der Radweg am Canal du Midi hier, in seinem östlichen Abschnitt (außer im Stadtgebiet von Béziers), überwiegend nicht asphaltiert. Eine durchgehende Asphaltdecke hat der Radweg entlang des Kanals nur auf einem kurzen Abschnitt östlich von Toulouse, während der Radweg entlang des westlich anschließenden Garonne-Seitenkanals bis kurz vor Bordeaux fast durchgängig asphaltiert ist, wie ich von einer acht Jahre zurückliegenden Radreise weiß.

Da der Kanal in seinem Verlauf (einschließlich seiner Fortsetzung als Canal latéral à la Garonne) bis Bordeaux die Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Atlantik überwinden muss, gibt es alle paar Kilometer Schleusen, weitgehend noch im historischen Zustand. Teilweise sind mehrere davon zusammengefasst, wie hier in der Schleusentreppe von Fonserannes mit sechs „hintereinandergeschalteten“ einzelnen Schleusen, auf dem Bild leider nicht besonders gut zu erkennen:



Gruissan, mein für heute vorgesehenes Etappenziel, könnte ich, wie auf meiner Tour Paris–Barcelona vor sieben Jahren, erreichen, indem ich weiter dem Canal du Midi folge und dann dem davon abzweigenden Kanal Richtung Meer (Canals de Jonction und de la Robine über Narbonne). Aber angesichts dessen, dass es schon wieder recht spät ist, will ich zügig vorankommen, und da die Strecke am Kanalufer weitgehend unbefestigt ist, entscheide ich mich für eine direktere Route und verlasse den Kanal bei der nächsten Gelegenheit. Ich verzichte dadurch auch auf eine mir bereits bekannte, einige Kilometer kanalaufwärts gelegene Sehenswürdigkeit, den Kanaltunnel von Malpas.

Ich habe im restlichen Tagesverlauf leider keine Fotos mehr gemacht. Über die verkehrsreiche Hauptstraße D 609 erreiche ich Nissan-les-Enserune, und ab da gelange ich auf idyllischen kleinen und einsamen Sträßchen (D 162 und D 1118) landschaftlich wunderschön über die kleinen verschlafenen Orte Salles-d’Aude und Fleury und über das kleine Gebirgsmassiv Montagne de la Clape zurück an die Küste bei Saint-Pierre-la-Mer. Es ist nun allerdings so spät, dass ich beschließe, die verbleibenden etwa 15 km bis Gruissan auf morgen zu verschieben und mich auf dem hiesigen Campingplatz einzuquartieren. Schade, Saint-Pierre hat bei weitem nicht den Charme wie, nach meiner Erinnerung, die Altstadt von Gruissan, in deren unmittelbarer Nähe es auch einen Campingplatz gibt. Aber es ist einfach zu spät, auch auf dem Camping in Saint-Pierre ist die Rezeption schon geschlossen, so dass ich mir eigenmächtig einen Platz für mein Zelt suche und froh bin, dass ich in der Pizzabude des Platzes, die in Kürze auch schließt, noch eine Pizza bekomme.

17. Tag (23.07.2018), Saint-Pierre-la-Mer – Tuchan
Strecke: 89 km
Höhenmeter: 653


Bis Gruissan, das ich ja leider gestern nicht mehr ganz erreicht habe, gibt es von Saint-Pierre-la-Mer überwiegend von der Straße getrennte Radwege. Die von Lagunen umgebene hübsche Altstadt wird von einer Burgruine überragt.



In Gruissan bin ich bereits zweimal gewesen, das letzte Mal auf meiner Radreise Paris-Barcelona (im Bericht Tag 15). Ich fahre an den Strandort von Gruissan, Gruissan-Plage, um vor der Weiterfahrt ein Bad im Meer zu nehmen. Wie schon das letzte Mal, fallen mir die vielen Kite-Surfer in der Lagune (Étang de l’Ayrolle) auf.





Ich verlasse Gruissan auf der D 32 durch die Lagunenlandschaft mit Blick zurück auf den Ort mit der Burgruine und auf das kleine Gebirgsmasiv der Montagne de la Clape, durch das ich gestern von Béziers kommend wieder an die Küste gelangt bin. Die sehr schöne Strecke zwischen hier und Port-la-Nouvelle kenne ich schon von zwei früheren Radreisen, zuletzt, wie gesagt, auf meiner Tour Paris-Barcelona (dort Tag 15).











An einer Schleuse quert die Straße den von Narbonne und letztlich vom Canal du Midi kommenden Canal de la Robine, dem ich nun bis zu seiner Mündung ins Meer folgen werde.



Von hier bis zu seiner Mündung bei Port-la-Nouvelle verläuft der Kanal malerisch durch die Lagunenlandschaft; nur zwei parallele Deiche trennen ihn links vom Étang de l’Ayrolle und rechts vom Étang de Bages et de Sigean. Dies ist nun bereits die dritte Radreise, auf der ich diesen landschaftlich faszinierenden Abschnitt des Canal de la Robine genießen kann, auch wenn der Weg nicht befestigt und recht holprig ist.



Parallel zum Kanal wird auch die Bahnlinie Perpignan-Montpellier auf einem Damm durch die Lagune geführt. Auf ihr bin ich bereits mehrere Male sowohl mit dem TGV als auch mit Regionalzügen in beide Richtungen unterwegs gewesen, und in wenigen Tagen, auf der Rückfahrt, werde ich hier noch einmal mit dem Regionalzug von Cerbère nach Avignon vorbeikommen.







In Port-la Nouvelle verlasse ich die Küste. Es ist Zeit für Abwechslung. Die Tage an der Küste seit Saintes-Maries-de-la-Mer waren interessant, aber nach den saisonbedingt überlaufenen Strandorten und den Touristenmassen steht mir nun wieder der Sinn nach einsamer Bergwelt. Der Plan für die nächsten Tage sieht eine Überquerung der von mir schon mehrfach beradelten östlichen Pyrenäen vor, und zwar über die beiden mir noch nicht bekannten Pässe Col de Palomère und Col d’Ares. Bis dahin habe ich mir eine Route über kleine und in meiner Michelin-Karte als landschaftlich reizvoll gekennzeichnete Sträßchen durch die Corbières zusammengestellt. Ziel für heute ist Tuchan, dort gibt es einen Campingplatz.

Nach ein paar Kilometern auf einer Hauptverkehrsstraße erreiche ich Sigean,



und hinter Sigean gelange ich auf der D 205, einem Sträßchen, das ich völlig für mich allein habe, hinauf in eine wunderschöne einsame Berglandschaft. Nur wenige Kilometer abseits der Küste mit den lebhaften, aber auch recht anstrengenden Touristenorten kommt es mir sofort vor, als sei ich in einer anderen Welt. Keine Menschen, keine Autos, nur Landschaft. Herrlich!



Die Corbières sind ein bedeutendes Weinanbaugebiet. Besonders hoch geht es hier nicht hinauf, ich überquere drei kleine Pässe, den Col du Souil (267 m), den Col de Pereille (237 m) und den Col de Canteloup (243 m).





Die Gegend ist extrem dünn besiedelt, das ist nach den Menschenmassen an der Küste wirklich angenehm. Ich komme durch kleine, verschlafende Orte, in die sich wohl kaum Touristen verirren – Fraisse-des Corbières, Saint-Jean-de Barrou und Embres-et-Castelmaure.





Schließlich gelange ich auf der D 611 nach Tuchan. Ein Schild weist auf die geschichtliche Bedeutung dieser Region als eines der Rückzugsgebiete der verfolgten mittelalterlichen Glaubensgemeinschaft der Katharer hin; eine ihrer Burgen erhebt sich auch bei Tuchan.



Der Campingplatz in Tuchan gefällt mir sehr, er ist natürlich viel kleiner, preiswerter und familiärer und daher angenehmer als die riesigen Anlagen an der Küste. Zum Campingplatz gehört auch ein sehr nettes Restaurant, das auch bei den Einheimischen aus dem Ort sehr beliebt ist. Auf der gut besuchten Terrasse des Restaurants kann ich den Tag bei einem hervorragenden Abendessen gemütlich ausklingen lassen.

Fortsetzung folgt...
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#1374178 - 11.02.19 05:48 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
indomex
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Danke für deinen Bericht, das ist echt eine tolle Tour und ich lese gerne mit. Schöne Bilder und eine super Anregung! Die Gegend interessiert mich schon lange, auch wenn ich am Ende immer woanders gelandet bin. Aber dein Bericht könnte daran wirklich was ändern...
Liebe Grüße, Peter
Leben und leben lassen
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#1374220 - 11.02.19 10:29 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Keine Ahnung
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... man möchte am liebsten gleich selber wieder auf Radreise gehen ...

Toll!
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1375602 - 21.02.19 23:47 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Tom72
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18. Tag (24.07.2018), Tuchan – Vinça
Strecke: 54 km
Höhenmeter: 665


Ich verlasse den schönen Campingplatz von Tuchan nach einem ausgiebigen Frühstück auf der Terrasse des Campingplatz-Restaurants und fahre auf der D 611 weiter südwärts durch die Berglandschaft der Corbières.



An der nächsten Département-Grenze gelange ich in die nächste Mittelgebirgsregion, das Fenouillèdes, das hier auf einem Schild in okzitanischer Sprache angekündigt wird.





Im Fenouillèdes war ich bereits zuvor auf zwei Radreisen, so auch auf der nun ja bereits mehrfach angesprochenen Radtour Paris-Barcelona. Ich treffe auf die stärker befahrene Hauptstraße D 117 und damit wieder auf bereits bekanntes Terrain. Diese Straße bin ich zweimal Richtung Westen nach Axat gefahren, um von dort durch das Tal der Aude aufwärts in die Pyrenäen zu gelangen. Diesmal folge ich ihr nur ein paar Kilometer in die andere Richtung bis Estagel, wo ich in einem Bistro eine Rast einlege.





Von Estagel, durch das ich 2013 bereits auf einer Radtour gekommen war, geht es über einen bescheidenen Pass, den Col de la Bataille (265 m), über den ich Estagel damals in umgekehrter Richtung erreicht hatte.



Aus Zeitgründen lasse ich leider den sicher lohnenden, vom Col de la Bataille nur ein paar Kilometer langen Abstecher auf den 507 m hohen Gipfel der Força Réal aus, von dem sich wohl ein beeindruckender Ausblick geboten hätte. Weiter genieße ich herrlich einsame Straßen (D 38 und D 21) und komme durch Bélesta. Die Wolken lassen Regen befürchten.





Bei Ille-sur-Têt fahre ich hinab ins Tal des Flusses Têt. Durch den Ort komme ich nun schon das dritte Mal, und wieder lässt mein Zeitplan es nicht zu, die offenbar sehenswerten Orgues, orgelpfeifenförmige Felsnadeln, zu besichtigen, so dass ich sie wieder nur aus der Ferne sehe und fotografiere. Der hohe, sich im Hintergrund abzeichnende Berggipfel dürfte der Pic du Canigou sein, in dessen Nähe der als nächstes auf dem Programm stehende Col de Palomère vom Têt-Tal hinüber in das Tal des Flusses Tech führt.



Eigentlich habe ich die Überquerung des gut 1000 m hohen Col de Palomère noch für heute vorgesehen, aber da der Nachmittag schon wieder recht weit fortgeschritten ist, wird das recht knapp. Zudem fängt es, als ich in Ille-sur-Têt ankomme, auch noch an zu regnen, so dass ich erstmal auf der überdachten Terrasse eines Bistros abwarte. Das Wetter wird nicht viel besser, daher fahre ich im Regen auf der Nationalstraße 116 das Têt-Tal aufwärts. Auf dieser relativ verkehrsreichen Straße bin ich zwei Jahre zuvor auf meiner Tour durch die Pyrenäen hinauf in die Cerdanya gefahren. Diesmal werde ich den Pyrenäenhauptkamm über den etwas östlicheren Col d‘Ares überqueren und daher der N 116 nur bis ins 10 km weiter gelegene Vinça folgen, wo die Straße über den Col de Palomère beginnt. Der Ort liegt am Ufer eines Stausees der Têt.

Aufgrund des Regens und der vorgerückten Stunde beende ich die heutige Etappe in Vinça, als ich erfahre, dass es dort einen Campingplatz gibt. Das stellt sich als gute Entscheidung heraus, der Platz ist sehr schön gelegen und hat auch ein kleines Restaurant, das von einem Korsen betrieben wird, was sich schon anhand der Dekoration des einfachen Holzgebäudes unter anderem mit der Korsischen Flagge zeigt und sich später im Gespräch bestätigt. Das weckt angenehme Erinnerungen an meine Korsika-Radreise.



Hier wird gerade das Abendessen zubereitet, und es duftet köstlich. Perfekt. Ich frage, um was es sich dabei handelt, kann mich aber leider nicht mehr an die Antwort erinnern. Jedenfalls hat sie mich dazu veranlasst, nach dem Zeltaufbau (der Regen hat längst aufgehört) gar nicht erst im Ort nach gastronomischen Angeboten zu schauen, sondern mich auf der Terrasse vor der einfachen Holzhütte des Campingplatzrestaurants niederzulassen, wo ich nicht der einzige Gast bin. Was es gab, daran erinnere ich mich, wie gesagt, leider nicht mehr, aber ich weiß noch, dass ich mit dem Essen und der Entscheidung, heute die Etappe hier zu beenden, sehr zufrieden war.

19. Tag (25.07.2018), Vinça – Prats-de-Mollo
Strecke: 82 km
Höhenmeter: 1468


Heute ist nach den nun doch schon etliche Tage zurückliegenden Etappen in den Alpen und der Mont-Ventoux-Überquerung wieder Hochgebirge angesagt. Es steht der gut 1000 m hohen Col de Palomère an, der das Tal der Têt, über das ich zwei Jahre zuvor auf der Nationalstraße 116 hinauf in die Cerdanya zur Überquerung des Pyrenäenhauptkamms gelangt bin, mit dem parallelen Tal des Tech verbindet, an dessen oberem Ende die morgen auf dem Programm stehende Pyrenäenüberquerung über den Col d’Ares beginnt. Beide Pässe, den Col de Palomère und den Col d’Ares, kenne ich, obwohl ich schon mehrfach mit dem Rad in der Region unterwegs gewesen war, noch nicht; ein Grund, warum ich für die heutige und morgige Etappe diese Route ausgewählt habe (ich hatte die Route über die beiden Pässen bereits im Vorfeld der Reise recherchiert für den Fall, dass mich meine anfangs ja noch nicht im Einzelnen festgelegte Reiseroute tatsächlich in diese Gegend führen sollte).

Ich baue mein Zelt ab; der Campingplatz in Vinça hat mir sehr gut gefallen.



Von Vinça hat man einen eindrucksvollen Blick auf den 2784 m hohen Pic du Canigou, der, obgleich nicht der höchste Gipfel Kataloniens, als katalanisches Nationalsymbol und heiliger Berg der Katalanen gilt.



Wenige Kilometer östlich des Gipfels des Canigou schlängelt sich die schmale Passstraße hinauf zum Col de Palomère, nicht allzu steil, landschaftlich traumhaft und herrlich einsam, praktisch ohne Autoverkehr.



Ich komme durch die Dörfer Baillestavy und Valmanya.







Vom 1036 m hohen Col de Palomère bietet sich eine Aussicht auf den nahen Canigou, aber dessen Gipfel hüllt sich, anders als heute Vormittag, in Wolken.



Jetzt genieße ich auf dem weiterhin landschaftlich wunderschönen und völlig einsamen Sträßchen die Abfahrt nach Amélie-les-Bains im Tech-Tal. Die Abfahrt wird nur von einem kurzen Anstieg zum 752 m hohen Col Xatard unterbrochen.

Im weiteren Verlauf der Abfahrt, die mich durch die Dörfer Saint-Marsal und Taulis führt, mache ich Rast in einem Dorfbistro. Die Gestaltung der Terrasse bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass ich mich in Katalonien befinde. Wenn auch nicht so extrem wie gerade zurzeit im spanischen Teil Kataloniens, zeigen doch auch viele Einwohner des französischen Teils des katalanischen Sprach- und Kulturraums einen ausgeprägten Nationalstolz.



Weiter genieße ich die herrliche, einsame Abfahrt.





Schließlich erblicke ich Amélie-les-Bains im Tal des Flusses Tech.



Von Amélie-les-Bains fahre ich gut 20 km auf der Hauptverkehrsstraße D 115 das Tech-Tal aufwärts nach Prats-de-Mollo-la-Preste, wo es einen Campingplatz gibt, auf dem ich mein Zelt aufschlage. Der Platz ist nur schwach ausgelastet. In Prats-de-Mollo beginnt die Passstraße über den Col d’Ares, die ich morgen in Angriff nehmen werde. Zum Abendessen fahre ich noch in die sehr hübsche Altstadt.

Fortsetzung folgt...

Geändert von Tom72 (21.02.19 23:53)
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#1375629 - 22.02.19 14:06 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
kettenraucher
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Herzlichen Dank, Tom, dein Bericht ist großartig.
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#1375747 - 24.02.19 02:08 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
cyclerps
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Gewaltig! bravo
Gruss
Markus
Forza Victoria !

When nothing goes right -> go left!
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#1376259 - 27.02.19 23:16 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Tom72
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20. Tag (26.07.2018), Prats-de-Mollo – Castellfollit de la Roca
Strecke: 73 km
Höhenmeter: 1277 bis zum regenbedingten Ausfall der Höhenmessfunktion am Radcomputer plus geschätzte mindestens weitere ca. 300


Heute werde ich Frankreich verlassen und, was am Anfang der Reise lediglich eine Option unter mehreren denkbaren Szenarien war, tatsächlich noch Spanien erreichen, das ich nun schon auf etlichen meiner Radreisen mit Frankreich kombiniert habe. Wie oft ich an den verschiedensten Punkten zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantik mit dem Rad mittlerweile die Grenze zwischen Frankreich und Spanien und umgekehrt überquert habe, kann ich aus dem Stegreif gar nicht sagen. Diesmal werde ich die Grenze über den 1513 m hohen Col d’Ares überqueren.

Ich frühstücke in Prats-de-Mollo-la-Preste und sehe mich anschließend noch etwas in der von einer Stadtmauer umgebenen Altstadt um.



Von der Straße, die hinauf zum Col d’Ares führt, hat man kurz nach Prats-de-Mollo einen schönen Blick zurück auf den Ort, über dem sich eine Festung erhebt, die, wie so viele barocke Befestigungsanlagen in Frankreich und insbesondere auch in den Pyrenäen, von Vauban, dem Militärarchitekten Ludwigs XIV., konstruiert wurde. Ich denke bei der Gelegenheit zurück an die Besichtigung der ebenfalls Vauban zuzuschreibenden Befestigung von Briançon vor zwei Wochen. Die Blumenrabatte in der Mitte des Kreisverkehrs ist sicher nicht zufällig in den katalanischen Farben gelb und rot gestaltet.



Auf schwach befahrener Straße erwarten mich nun 13 Kilometer und knapp 800 Höhenmeter bis zum Col d’Ares.



Die Auffahrt empfinde ich als anstrengender als die bisherigen Pässe der Reise, zumal die Steigung gerade auf den ersten Kilometern zwar nicht extrem, aber doch recht anspruchsvoll ist. Ich erreiche einen „Zwischenpass“, den Col de la Seille (1185 m), den ich nur anhand des Schildes und der Tatsache, dass es danach erstmal deutlich flacher weitergeht, wahrnehme.



Die Baumgrenze ist nun erreicht, und auf den verbleibenden Serpentinen bieten sich schöne Ausblicke.





Ich erreiche die Passhöhe des Col d’Ares und damit die Grenze zu Spanien. Auf dem Schild ist „España“ von Unabhängigkeitsbefürwortern mit Aufklebern der katalanischen Flagge überdeckt worden.





In der südlich des Col d’Ares gelegenen Landschaft des Vall de Camprodon heißt mich ein Schild auf Katalanisch willkommen.



Von der Passhöhe des Col d‘Ares rolle ich etwa 10 km abwärts bis Mollo. Nach einer Einkehr im Ort geht es noch kurz weiter auf der vom Col d’Ares herabführenden Hauptstraße C-38, die ich jedoch noch vor Camprodon, dem Hauptort des Vall de Camprodon, verlasse, da mich in der Michelin-Karte ein kleines Sträßchen (GIV-5223/GIV-5221) neugierig gemacht hat, das sich als landschaftlich reizvoll gekennzeichnet durch die Pyrenäenausläufer über Beget nach Castellfollit de la Roca, ein paar Kilometer nordöstlich von Olot, schlängelt. Olot wäre vielleicht auch gut geeignet für die nächste Übernachtung.

Die Route stellt sich als hervorragende Wahl heraus. Das Sträßchen ist fast ohne Autoverkehr und führt durch winzige Dörfer, das Landschaftserlebnis ist perfekt. Ob es tendenziell überwiegend abwärts geht, wie ich eigentlich dachte, lässt sich der Karte nicht eindeutig entnehmen, und tatsächlich geht es erstmal ein paar Kilometer ordentlich hinauf. Ab und zu begegnen mir Rennradler und Mountainbiker.





Dann kann ich eine längere Abfahrt genießen,



anschließend geht es wieder leicht bergauf, und ich komme durch das malerische Bergdorf Beget.



Was meiner Michelin-Karte nicht zu entnehmen war, ergibt sich aus einer Informationstafel in Beget, nämlich, dass die Straße jetzt nochmal etwa 250 m aufwärts über einen Pass führt. Kein Problem eigentlich, aber jetzt fängt es an zu regnen, und trotz tauglicher Regenklamotten ist das Fahren bergauf im doch recht heftigen Regen nicht sehr angenehm, Einkehr- bzw. Zufluchtmöglichkeiten gibt es weit und breit keine, also strample ich einfach weiter. Die Landschaft ist aber nach wie vor herrlich. Ein Foto auf dem 773 m hohen Coll de Bucs muss trotz des Regens sein;



anschließend geht es dann (jedenfalls überwiegend) abwärts durch einsame Dörfer wie Montagut i Oix, und der Regen hört auch wieder auf.



Ich erreiche das Städchen Castellfollit de la Roca, das spektakulär auf einem steil über dem Flüsschen Río Fluvià aufragenden Felsplateau gelegen ist. Am gegenüberliegenden Flussufer mit herrlichem Blick auf den Ort, dort, wo mein kleines Sträßchen wieder auf eine übergeordnete Straße stößt, ist ein Hotel, und sie haben auch ein Zimmer frei, nicht ganz billig zwar, aber nach gut 1500 Höhenmetern (die Höhenmessfunktion am Radcomputer hat vorhin im Regen aufgehört zu messen) bin ich froh, in der offenbar touristisch schwach erschlossenen Gegend eine Unterkunft gefunden zu haben. Bis Olot ist es mir doch zu weit. Das Hotel hat auch ein Restaurant. Perfekt. Auch von meinem Zimmer habe ich einen Bilderbuchblick auf die Altstadt von Castellfollit.



21. Tag (27.07.2018), Castellfollit de la Roca – Sant Feliu de Guíxols
Strecke: 121 km
Höhenmeter: 1097


Heute ist der letzte volle Fahrtag der Reise, morgen Abend muss ich bereits mit dem Zug in Avignon sein, wo ich übermorgen früh den bereits gebuchten TGV nach Frankfurt nehmen muss (die Fahrkarten hatte ich mir ja vor etwa einer Woche in Carpentras am Bahnschalter gekauft). Das heißt, ich muss morgen spätestens am frühen Nachmittag einen Regionalzug Richtung Grenze und von dort (vom Grenzbahnhof Portbou bzw. Cerbère) einen weiteren Regionalzug nach Avignon nehmen. Als Endpunkt der Reise und Beginn der Bahnrückreise böte sich daher Girona an. Bis dahin werde ich heute auf alle Fälle fahren, für einen Teil dieser Strecke, zwischen Olot und Banyoles, habe ich mir anhand meiner Karte das kleine Sträßchen GI-524 ausgewählt, das durch den Naturpark Garrotxa, eine von erloschenen Vulkankegeln geprägte Landschaft, führt. Am liebsten würde auch noch versuchen, nochmal ans Meer zu gelangen, ich könnte dann morgen vormittag mit dem Bus zurück nach Girona… Mal sehen.



Nach dem Frühstück im Hotel fahre ich hinauf in die auf einem Felsplateau thronende Altstadt von Castellfollit de La Roca, die ich ja schon vom Hotel aus im Blick hatte.



Nach einigen Kilometern erreiche ich Olot. Das Städtchen ist nach meinem Eindruck ohne besonderen Reiz, und die landschaftliche Besonderheit, dass sich im Stadtgebiet mehrere erloschene Vulkane erheben, ist wohl nur wahrzunehmen, wenn man mehr Zeit für einen Aufenthalt hat, als ich sie mitbringe. Immerhin fallen mir in der Altstadt mehrere sehenswerte Gebäude im Stil des Modernisme, der katalanischen Spielart des Jugendstils, auf.





Jetzt geht es auf der schwach befahrenen GI-524 durch die Garrotxa. Landschaftlich recht hübsch führt sie mich mit einigem Auf und Ab vorbei an den erloschenen Vulkanen, die aber von der Straße aus nicht wirklich als solche wahrzunehmen sind. Auch eine kleine, gut halbstündige Wanderung in Richtung eines der Vulkankegel lässt diese landschaftliche Besonderheit nicht allzu deutlich erkennen. Man müsste wohl dem Wanderweg bis zum Gipfel folgen, wozu mir die Zeit fehlt.



Schön ist die Fahrt durch die Garrotxa trotzdem.



Ich komme durch die Orte Santa Pau, Mieres und Sant Miquel de Campmajor. Bei Mieres fallen am Straßenrand die gelben Schleifen auf, die in Katalonien als Bekenntnis zur katalanischen Unabhängigkeit gelten. Dementsprechend tragen auch viele Katalanen eine gelbe Schleife auf der Brust. Unter dem Wegweiser nach Mieres ein Hinweis, dass die Gemeinde sich für die katalanische Republik einsetzt; das Schild scheint nicht von Aktivisten angebracht worden zu sein, sondern augenscheinlich offiziell von der Gemeinde. Das macht deutlich, wie tief aktuell die Frage der Unabhängigkeit die katalanische Gesellschaft spaltet.



Das Sträßchen durch die Garrotxa endet bei Banyoles. Nach meinem Pyrenäen-Reiseführer, den ich zwar aus Gewichtsgründen zu Hause gelassen habe, von dem ich mir aber vor der Reise die Seiten für diese Region abfotografiert hatte, entnehme ich, dass es hier an einem See einen Campingplatz gibt. Ich hätte dort die Etappe stressfrei beenden können, morgen Vormittag nach Girona fahren und dort die Zugrückfahrt antreten können. Aber der Ehrgeiz, nochmal ans Meer zu kommen, treibt mich weiter… Also fahre ich erstmal weiter nach Girona. Das bedeutet etwa 30 km auf dem Seitenstreifen einer vierspurigen Schnellstraße (C-66). Mit dem Fahrrad zwar erlaubt, aber natürlich nicht allzu angenehm und leider alternativlos. Ich bin froh, als ich schließlich Girona erreiche. Hier war ich vor acht Jahren schon einmal gewesen, damals hatte ich die Stadt von der Küste her, von Sant Feliu de Guíxols, über den Radweg auf einer stillgelegten Bahntrasse erreicht. Die vom Fluss Ter durchzogene Altstadt mit der Kathedrale kenne ich daher bereits.





Auch in Girona stößt man auf deutliche politische Bekenntnisse zugunsten einer katalanischen Republik.



Jetzt ist es bereits etwa vier Uhr nachmittags, aber ich beschließe, doch noch bis Sant Feliu de Guíxols an der Costa Brava zu fahren. Dort gibt es zwar keinen Bahnanschluss (auf der Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Sant-Feliu – Girona verläuft jetzt ein Radweg, den ich zum Teil heute nutzen werde), aber ich bekomme im Tourismusbüro in Girona einen Busfahrplan, dem ich entnehmen kann, dass es regelmäßige Busverbindungen mit problemloser Fahrradmitnahme von Sant Feliu nach Girona gibt. So kann ich morgen Nachmittag von Girona die Bahnrückreise antreten. Und ich habe vormittags noch die Möglichkeit, noch ein Stück der offenbar landschaftlich sehr reizvollen Küstenstraße westlich von Sant Feliu zu erkunden, die ich noch nicht kenne, nachdem ich auf einer früheren Radreise acht Jahre zuvor die Costa Brava bereits östlich des Ortes, von Frankreich bis Sant Feliu, kennengelernt habe.

Bis Sant Feliu sind es noch etwa 40 km. Auf dem Bahntrassenradweg (via verda/via verde) „Ruta del Carrilet II“ bin ich, wie gesagt, vor etlichen Jahren einmal in umgekehrter Richtung von Sant Feliu nach Girona geradelt (zwischen Girona und Olot schließt sich auf dem oberen Teil der ehemaligen Bahnstrecke als Fortsetzung die via verda „Ruta del Carrilet I“ an, die ich vorhin alternativ zur Strecke durch die Garrotxa auch hätte nehmen können). Nach einigem Suchen finde ich am Stadtrand den Einstieg in die via verda, entschließe mich aber, aufgrund deren nicht asphaltierten Zustands um des zügigen Vorankommens willen stattdessen die Straße zu nehmen. Auf der verkehrsreichen C-65 gelange ich bis Llagostera, und als einige Kilometer weiter die Straße in eine Autovía mit Fahrradverbot übergeht, nehme ich für die restliche Strecke dann doch noch den Radweg, auf dem es sich eigentlich auch recht gut fährt und der nun auch überwiegend asphaltiert ist.



Dass es sich ursprünglich um eine Bahntrasse handelt, erkennt man unter anderem an den ehemaligen Bahnhofsgebäuden; in einigen sind heute Gaststätten für die Radler untergebracht,



Gegen acht Uhr erreiche ich schließlich Sant Feliu de Guíxols. In einer Strandbar gönne ich mir ein Bier.



Dass es hier Campingplätze gibt, habe ich bereits meiner Michelin-Karte entnommen, aber um herauszufinden, wo genau sie liegen, muss ich noch einige Geduld aufbringen, bis Google Maps auf meinem Smartphone bei recht langsamer Datenverbindung Antworten liefert. Der erste Platz, den ich nach ein paar Kilometern erreiche, ist komplett belegt, aber in der Rezeption bekomme ich einen Hinweis auf einen weiteren Campingplatz, der, recht weit oberhalb der Küste, bereits zum nächsten Ort, S’Agaró bzw. Platja d‘Aro, gehört. Dort bekomme ich um kurz vor neun auch tatsächlich einen Platz. Der Campingplatz hat auch ein einfaches Restaurant. Das passt hervorragend, da ich nach den heute gefahrenen 120 Kilometern, der längsten Etappe der Tour, und angesichts der späten Stunde froh bin, mich nach dem Zeltaufbau nicht noch auf die Suche nach einer anderweitigen Quelle fürs Abendessen begeben zu müssen.

Zum Tagesausklang ergibt sich schließlich noch ein unerwartetes Highlight. Im Campingplatzrestaurant läuft im Fernsehen eine Nachrichtensendung, die mich auf die gerade stattfindende totale Mondfinsternis aufmerksam macht. Und tatsächlich ist der schwach rötlich scheinende „Blutmond“ am wolkenlosen Himmel sehr gut zu sehen.

Fortsetzung folgt...
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#1380774 - 28.03.19 22:31 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Tom72
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22. Tag (28.07.2018), Costa Brava bei Sant Feliu de Guíxols, Busfahrt nach Girona und Zugfahrt nach Avignon
Strecke: 20 km
Höhenmeter: 273




Ich zwinge mich, bereits um 6 Uhr aufzustehen und zügig das Zelt abzubauen. Ich will nämlich, bevor gegen 12 Uhr der Bus nach Girona fährt, von wo aus dann die Zugrückreise beginnt, noch ein Stück entlang der Küste westlich von Sant Feliu de Guíxols fahren. Es handelt sich dabei um eine der landschaftlich schönsten Küstenstraßen der Costa Brava, und ich kenne sie noch nicht, da ich, wie bereits erwähnt, vor Jahren auf einer Radtour zwar die Costa Brava von Frankreich bis Sant Feliu erkundet habe, dort aber die Küste Richtung Girona verlassen habe. Die Möglichkeit für diesen abschließenden kleinen Ausflug war einer der Gründe, warum ich gestern die doch recht lange Etappe auf mich genommen habe und nochmal an die Küste wollte.

Ich fahre die etlichen Kilometer vom Campingplatz zurück nach Sant Feliu des Guíxols und frühstücke gemütlich in der Strandbar, wo ich gestern Abend bereits bei meiner Ankunft auf ein Bier eingekehrt bin.



Ich verlasse Sant Feliu auf der zunächst stark ansteigenden GI-682. Dann verläuft die Straße malerisch und kurvenreich hoch über der Küste. Mir begegnen zahlreiche Rennradler. Ein würdiger Ausklang der Radreise.









Ich fahre nur knapp 10 km auf der Küstenstraße, da ich ja wieder nach Sant Feliu zurück und den Bus kriegen muss. Ein Parkplatz mit Aussichtspunkt wird also zum offiziellen Endpunkt der Radreise erklärt.



Wenn ich noch ein paar mehr Urlaubstage zur Verfügung gehabt hätte, wäre ich gerne noch weitergefahren; Barcelona, wo ich bereits zwei Radreisen beendet habe, wäre ein schönes Ziel gewesen… So aber kehre ich an dieser Stelle um und fahre zurück nach Sant Feliu, wo ich dann bis zur Abfahrt des Busses nach Girona noch anderthalb Stunden Zeit habe, so dass ich mir noch ein Bad im Meer gönne.







Der Bus mit problemloser Fahrradmitnahme (ohne das Rad demontieren und verpacken zu müssen) bringt mich von Sant Feliu zurück nach Girona, von wo ich ja erst gestern gekommen bin; er fährt ab Llagostera auf den selben Straßen, auf denen ich gestern in umgekehrter Richtung geradelt bin. In Girona endet die Fahrt in einem der für viele spanische Städte typischen unterirdischen Busbahnhöfe. Er ist direkt am Bahnhof gelegen, von wo ich den Regionalzug Richtung Frankreich nehme.





Auf der Bahnstrecke bin ich nicht zum ersten Mal unterwegs. In Cerbère, dem Grenzbahnhof auf französischer Seite, muss ich umsteigen (durchgehende Züge gibt es auf dieser Strecke schon wegen der unterschiedlichen Spurweiten – iberische Breitspur auf der einen Seite und Normalspur auf der anderen Seite – nicht); von dort fährt ein durchgehender Regionalzug (TER) nach Avignon. Die Strecke verläuft ein Stück entlang der Côte Vermeille; hier war ich bereits mehrmals sowohl mit dem Zug als auch mit dem Rad unterwegs. Die Strecke führt über Perpignan und verläuft hinter Port-la-Nouvelle durch die Lagune parallel zu dem Weg, den ich vor fünf Tagen in umgekehrter Richtung gefahren bin (im Hintergrund zu erkennen).





Die Bahnstrecke hat weitere Berührungspunkte mit der Radtour und verläuft weiter über Narbonne, Béziers, Agde, Sète und Montpellier. Gegen 19.30 Uhr erreiche ich Avignon, von wo ich für morgen den TGV nach Frankfurt gebucht habe. Von Girona bis Avignon habe ich mit Regionalzügen mit einmal Umsteigen und problemloser Fahrradmitnahme nur gut fünf Stunden gebraucht.



Nun bin ich also wieder in Avignon, wo ich ja vor etwa 10 Tagen bereits, ohne mich lange aufzuhalten, durchgekommen bin. Da ich, vermutlich zu Recht, annehme, dass preiswerte Unterkünfte um diese Jahreszeit kaum zu bekommen sein werden und auch keine Lust auf eine langwierige Unterkunftssuche habe, quartiere ich mich im nahegelegenen Ibis Budget ein, bin froh, dass ich überhaupt noch ein Zimmer bekomme und nehme den Preis von ca. 100 € in Kauf. Vom Zimmer habe ich einen Blick auf die die gesamte Altstadt umgebende Stadtmauer und die Baustelle für die Straßenbahn, die auch in Avignon wieder eingeführt wird.



In der Stadt findet gerade das jährliche dreiwöchige Festival d’Avignon statt, ein Kulturfestival, im Rahmen dessen, wie ich mich im Nachhinein informiere, sowohl Veranstaltungen in verschiedenen Veranstaltungsräumen als auch Darbietungen auf Straßen und Plätzen auf dem Programm stehen. Es lief bereits, als mich mein Weg vor 10 Tagen durch Avignon geführt hat; während mich neulich die wegen des Festivals die Innenstadt bevölkernden Menschenmassen eher genervt haben, genieße ich jetzt, am letzten Abend der Reise, das rege Treiben auf den Straßen und verschiedene musikalische Darbietungen, zum Beispiel diese zwei Gitarristen, deren Aufführung mir besonders gut gefallen hat (VIDEO, ZUM ABSPIELEN HIER KLICKEN).

23. Tag (29.07.2018), Zugfahrt Avignon – Erfurt

Angekommen bin ich gestern mit dem Regionalzug (TER) am ursprünglichen, tatsächlich in Avignon gelegenen Bahnhof „Avignon Centre“. Der TGV-Bahnhof hingegen liegt etliche Kilometer außerhalb der Stadt, und da der TGV nach Frankfurt um kurz vor neun fährt, stehe ich sehr zeitig auf und radle zur Gare d’Avignon TGV, etwa 6 km vom Stadtzentrum entfernt. Nach etwa der halben Strecke gibt es, wenn ich nicht irgendetwas übersehen haben sollte, keine Alternative mehr zu einer Straße mit ausdrücklichem Fahrradverbot, das ich natürlich ignorieren muss. Wenn ich es also richtig mitbekommen habe, kann man den TGV-Bahnhof von Avignon von der Innenstadt aus nicht legal mit dem Fahrrad erreichen.

Ich erreiche sehr zeitig die Gare d’Avignon TGV, habe genug Zeit, dort gemütlich zu frühstücken und anschließend in Ruhe mein Rad für den TGV-Transport zu verpacken.



Ich hatte mir zwar sicherheitshalber meine TGV-Fahrkarte bis Frankfurt besorgt, steige aber bereits in Mannheim in den ICE nach Erfurt um (der Fahrradkarton im Hintergrund gehört einer Radreisenden, die mit mir in Avignon eingestiegen ist).



Mit verpacktem Rad, zwei Packtaschen und einer Lenkertasche ist das Umsteigen, zumal, wenn die Umsteigezeit nicht allzu großzügig bemessen ist, häufig recht stressig. Daher passt es hervorragend, dass in Mannheim mein Anschluss-ICE auf demselben Gleis fährt, an dem ich mit dem TGV ankomme. Also keinerlei Geschleppe.

Gegen 18.30 Uhr erreiche ich Erfurt. Nach drei Wochen geht eine weitere erlebnisreiche und nach meinem Geschmack rundum gelungene Radreise zu Ende.





Geändert von Tom72 (28.03.19 22:34)
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#1380778 - 28.03.19 23:11 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
veloträumer
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Na endlich, noch vor Sommeranfang die Costa Brava erreicht und befahren. Ich radle nochmal mit in memoriam, schöne Strecke. Auch schön zu wissen, dass der Bus das Rad transportiert - vielleicht brauche ich es mal. Nochmal Dank für die die Reise und das ausgiebige Dokumentieren der Strecke, was dir auch in Bildern sehr gut gelingt. bravo
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
Pedalgeist - Panorama für Radreisen, Landeskunde, Wegepoesie, offene Ohren & Begegnungen
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#1380876 - 29.03.19 14:17 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
Mooney
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Auch ich bin erleichtert, daß du es geschafft hast. Herzlichen Glückwunsch zu der Reise und vielen Dank für den wunderbaren Bericht. Ich habe Anregungen für unsere diesjährige Tour ins mittlere und südliche Frankreich bekommen.

Wolfgang
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#1380883 - 29.03.19 15:03 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
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Du hast es mal wieder geschafft, dass ich am liebsten sofort wieder nach Frankreich aufbrechen möchte. bravo bravo
Jetzt stehen aber erstmal die Cevennen an. Der Vercors folgt später lach

Vielen Dank für diene Gabe, uns Frankreich so nahe zu bringen
Jürgen
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Reisen + Hauptsache, die Zeit geht rum.
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#1381067 - 31.03.19 12:43 Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien [Re: Tom72]
amati111
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Da waren wir in gleiche Zeit in gleiche Gegend lach
Ich habe am 7.07.2018 von Avignon Richtung Norden gestartet.
Super Bericht -Danke!
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