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#1324197 - 25.02.18 16:10 Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 + 2
Holger
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 14431
Dauer:19 Tage
Zeitraum:17.8.2017 bis 4.9.2017
Entfernung:1168 Kilometer
Bereiste Länder:frFrankreich

So nun, mal nicht die Alpen, aber es bleibt bei Frankreich. Bretagne. Munitioniert mit vielen Tipps aus dem Forum, dem Michael-Müller-Reiseführer und einigen Michelin- und IGN-Karten war das mal ein neues Ziel. Hier der schon länger versprochene Reisebericht dazu.

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Erster Teil: Rennes – Brest
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Route erster Teil bei GPSies

Donnerstag, 17. August: Frankfurt am Main – Strasbourg (hauptsächlich mit dem Zug)
  • Kilometer: 7,0
  • Sattelstunden: 0:29
  • Ausgaben für Getränke: 4,99 EUR
  • Unterkunft: Hotel ibis styles Strasbourg gare

Die ersten Kilometer auf dem Rad sind Stadtverkehr in Frankfurt. Zur Arbeit. Mittags zum Bahnhof. Und dann mit dem Zug in Richtung Strasbourg. Besser: mit einigen Zügen. Über Mannheim, Neustadt und Wissembourg ging es nach Strasbourg.


La France

Ein wenig gespannt war ich, ob mein Ticket auch im französischen Nahverkehr gilt. Geplant war die Anreise wie üblich über Karlsruhe und Appenweiher, da jedoch beim Tunnelbau das Eis taute, war die Strecke zwischen Baden-Baden und Rastatt gesperrt. Dann halt über Frankreich. Die Dame hinter dem Schalter im Bahnhof Wissembourg meinte, es sei kein Problem, das Ticket auch in Frankreich zu nutzen. Aber es kam auch kein Schaffner, der die nette, fast leserliche Notiz auf dem Ticket lesen musste: „Streckensperrung. Ticket gültig über Wissembourg!“

Abends blieb mir Zeit für einen kurzen Stadtrundgang durch Strasbourg. Stellvertretend ein Foto:


Das Strasbourger Münster und ein Fachwerkhaus

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Freitag, 18. August: Strasbourg – Rennes (TGV)
  • Kilometer: 0,0
  • Sattelstunden: 0:00
  • Ausgaben für Getränke: 2,86 EUR
  • Unterkunft: Hotel ibis styles Rennes gare



Fahrrad gut bewacht

In Strasbourg geht’s dann los. Strasbourg–Rennes, knapp dreimal so weit wie Frankfurt a. M.–Strasbourg. Und die Zugfahrt dauert genauso lange. Dank der Fahrradplätze im TGV. Leider gibt es nur vier – und leider nicht in jedem TGV. In Rennes geht’s wieder in ein ibis styles, wieder am Bahnhof. Und in das kleinste Hotelzimmer, in dem ich jemals untergebracht war. Da entschädigte auch der Hinterhofblick nicht. Tja, Einzelreisender…

Ein bisschen fernsehen, Mittagsschlaf (zugfahren macht müde) und dann ein Stadtrundgang, das war das Nachmittagsprogramm. Schöne Altstadt, viel Fachwerk – und auf der anderen Seite 70er Jahre. Vielfältige Architektur. Und eine schöne kleine Reisebücherbuchhandlung, in der ich die fast die gesamte Bretagne auf IGN 1:100.000 kaufte. Abends gab es Crêpes, bzw. Galettes, so heißen die salzigen Crêpes. Zum Nachtisch im Hotel Minzmousse mit Schokoflözen.


Fachwerk, …


… 70er Jahre, …


… und griesgrämige Graffiti


Leckerleckersuperlecker, Minzmousse mit Schokoflözen

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Samstag, 19. August: Rennes – Vitré – Rennes
  • Kilometer: 90,1
  • Sattelstunden: 4:38
  • Ausgaben für Getränke: 6,84 EUR
  • Unterkunft: Hotel ibis styles Rennes gare

Nu ging’s aufs Rad. Zum Eingewöhnen ohne Gepäck. Fahrradflaschen füllen, hm, igitt, wie sehen die denn von innen aus?! Am Ortsausgang von Rennes gibt’s einen Decathlon, da habe ich mal neue Flaschen gekauft und die alten gleich entsorgt. Also, Fahrradflaschen füllen. Und dann über kleine Straßen westwärts, häufig mit Rückenwind – ich freute mich schon auf die Rückfahrt. Für die Tour heute hätte sich eine Vorabplanung für das GPS gelohnt, ich musste doch recht häufig stehenbleiben und auf die Karte schauen.

Vitré erreichte ich trotzdem, es war recht hügelig bis dorthin, also trotz des Rückenwinds etwas anstrengender als erwartet. Verwinkelte Fachwerkaltstadt mit vielen Touristen, ein Schloss, das fast wie eine Burg aussieht. Und nach einer guten Stunde wieder in den Sattel und zurück nach Rennes.


Handwerk im Fachwerk


Das Schloss von Vitré

Es war nun wie erwartet gegenwindig, aber nicht so schlimm, wie befüchtet. Ich kam gut voran, durch Felder und Wälder, leicht hügelig – also ganz nett, oder auch: ein bisschen langweilig, so sieht es bei uns auch aus. Am Abend dann das erste der drei geplanten Fußballspiele, Stade Rennais gegen AS Nancy, oder #SRFCASNL, wie das heute so heißt. Es liefen noch einige Démbélé-Trikots herum, obwohl er sich hier so ähnlich verabschiedete wie ein Jahr danach von Dortmund. 2:2 ging das Spiel aus, nach eine 2:0-Führung für Rennes und einem Elfmeter in der Nachspielzeit, für die berüchtigten Emotionen war also gesorgt. Wer es sehen will: Highlights auf Youtube.


Pyro, offiziell

Etappe 1 bei GPSies


Sonntag, 20. August: Rennes – Mont Saint Michel – Saint-Benoît-des-Ondes
  • Kilometer: 108,2
  • Sattelstunden: 5:51
  • Ausgaben für Getränke: 7,60EUR
  • Unterkunft: Camping Municipal des Ondes

Départ réel, mit Gepäck. Schon ein Unterschied … Zumal es doch sehr, sehr hügelig war. Die Strecke heute hatte ich vorgeplant, konnte also einem GPS-Track folgen. Zum Glück, denn hier im Landesinnern gibt es schon ziemlich viele Straßen zum verzetteln. Wetter schön, Landschaft so la la, Orte nett – ich wartete auf das Meer. Eine kleine Mittagspause legte ich in Bazouges-la-Pérouse ein. Eine gute Wahl, das ist ein ausgesprochen nettes Örtchen – daher saßen auch an allen Ecken Hobbykünstler, offensichtlich gibt’s hier auch sowas wie VHS-Malkurse.

Dann war es nicht mehr weit und es ging bergab. Etwa 20 km vor der Küste macht die Landschaft eine Stufe ins Flache – und da sah ich ihn zum ersten Mal, den Mont-Saint-Michel. Da war dann schon einiges los, das ist wirklich ein touristischer Hotspot. Aber angenehm zurückgebaut. Früher war ein Riesenparkplatz direkt am Berg, jetzt führt dort eine Brücke hin, über die nur Zubringebusse, Kutschen, Fußgänger und Radfahrer dürfen. Die Parkplatzhölle ist ein paar km aufs Land verlegt worden, der Mont-Saint-Michel ist nun wieder eine richtige Insel. Und er droht nicht mehr zu verlanden. Ich bin aber nur hingefahren, habe Fotos gemacht, und bin weiter. Es war mir einfach zu voll.


Da isser. der erste richtige Touri-Hotspot der Reise

Saint Malo war zu weit, aber in paar Kilometer in die Richtung wollte ich schon noch schaffen. Jetzt war es auch flach, der Wind kam mehr oder weniger von hinten, das passte. Manchmal fuhr ich auf dem Küstenradweg, der jedoch häufiger auf irgendwelchen Schotterwegen verlief. Ich wollte aber vorwärts kommen – und viel Verkehr war nirgends. Im Rückblick war immer wieder der Berg zu sehen, in der Tag, schon ziemlich beeindruckend. Mein Ziel war Saint-Benoît-des-Ondes. Ein schöner Campingplatz, direkt am Meer, klein, günstig, mit Mont-Saint-Michel-Blick, ein Spar, der am Sonntagabend noch offen war, kein Meer – in den letzten Jahren war ich ja fast nur am Mittelmeer, da ist Ebbe und Flut doch etwas überraschend. Und es gab frische Austern … hm, und es würgte mich leicht, zum Glück gibt’s hier überall Crêperien. Und bretonischen Pommeau. Lecker. Gute Nacht.

Etappe 2 bei GPSies

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Montag, 21. August: Saint-Benoît-des-Ondes – Saint-Malo – Cap Fréhel – Le Pont de l‘Etang
  • Kilometer: 69,7
  • Sattelstunden: 4:04
  • Ausgaben für Getränke: 10,90 EUR
  • Unterkunft: Camping Municipal Le Pont de l‘Etang

Und am nächsten Morgen geht’s lecker weiter: Baguette mit Nutella am Strand, zum Abschied vom Mont-Saint-Michel. Das verzögert den Aufbruch, Start erst 9.10 Uhr – und schon eine Stunde später ist das erste Zwischenziel erreicht: Saint-Malo. Der näxte Touri-Hotspot, eine der meistbesuchten Städte Frankreichs. Im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und nach dem Krieg originalgetreu wiederaufgebaut. Voll war es, aber irgendwie wirkt es etwas düster intra-muros, wie der Stadtkern heißt. Bedeckter Himmel und wuchtige Granithäuser – heimelig geht anders. Und die Gurkerei durch die – tatsächlich ziemlich gut besuchte – Stadt zerstörte meinen Schnitt…


Gelb in grauer Stadt

Ebbe ist, das Meer ist kaum zu sehen. Nirgendwo sonst ist der Gezeitenunterschied so hoch, behauptet Wikipedia. Aber egal wo – wie gestern bin ich immer noch beeindruckt von Ebbe und Flut. Ich fahre noch ein wenig durch die Stadt, auf die massive Stadtmauer und sehe ein Meeresschwimmbad ohne Meer, kleine, vorgelagerte Inselchen, die man zu Fuß erreichen kann und auf der anderen Seite der Buch Dinard. Dorthin fuhr ich mit der Fähre und kürzte ein bisschen Strecke ab. Nicht ganz günstig, kostete 9,10 EUR für mich und mein Rad…


Saint-Malo, von der friedlichen Fähre aus gesehen

Auf der anderen Seite liegt Dinard. Starnberg ist die deutsche Partnerstadt, lerne ich – und das scheint mir vom Einkommensniveau zu passen, wenn man die Villen sieht, die hier stehen. Alles etwas rauer als am Mittelmeer, aber doch sehr gediegen. Und gerne schaue ich immer mal, was Wikipedia so weiß zu den Orten. Dinard war das erste Seebad Frankreichs, und vor allem Engländer besuchten es gerne. Keine aus der Arbeiterklasse, nehme ich an. Google Maps lotst mich zu einem Supermarkt, und am Strand gibt’s die Mittagspause.


Fachgespräch am Strand von Dinard


Keine ganz arme Gegend

Um ein bisschen vorwärts zu kommen, fuhr ich auf einer größeren Straße, die D768. An einigen Stellen gab es kleinere Straßen parallel, die nutzte ich gerne – aber ich nahm nicht jedes Kap mit, das hätte Jahre gedauert. Mein Ziel war das Cap Fréhel. Zwar ist das wieder einer dieser Hotspots, aber die liegen ja auch häufig dort, wo es schön ist. Sonst würde ja keiner hinwollen.

Schön ist schon die Straße hin zum Cap. Durch wilde Wiesen, die dicht bebaute Küste rund um Saint-Malo war Vergangenheit. Die große Einsamkeit findet man am Cap Fréhel jedoch auch nicht, zumindest nicht in Ferienzeiten. Schon auf der Straße hin war ziemlich viel Verkehr, der Parkplatz war voll. Und der Leuchtturm und der Weg zum Kap auch. Viele Italiener. Bin dennoch hoch und hin – auch wenn die Sicht nicht überragend war, wie schon den ganzen Tag war es wolkig und diesig.


Viel los am Cap Fréhel


Völkerwanderung

Zum Campingplatz waren es noch ein paar Kilometer. Anfangs nutzte ich den Radweg – irgendwann dann nicht mehr. So schön die Landschaft auch war, Sandstrände wechselten mit felsigeren Küstenabschnitten, wollte ich doch vorwärts kommen. Und das ging nicht auf versandetem Radweg mit vielen Fußgängern. Den Campingplatz erreichte ich um 17 Uhr, er war riesig. Und schön, keine Parzellen, viel Schatten unter den Pinien. Sogar direkt am Strand gab es Plätze, die entdeckte ich jedoch erst, als mein Zelt schon stand. Die Wolken waren übrigens weg, und so brannte mir die Sonne auf den Kopf, als ich im CP-Imbiss meinen Hamburger aß. Zum Strand bin ich dann nochmal, Sonnenuntergang. Hat sich gelohnt – und es hat etwas gedauert, weil ich ja nicht nur durch den Sucher schauen wollte.


Am Campingplatz kam die Sonne – Blick zurück zum Cap Fréhel


Sonnenuntergangsfoto – eins von, hm, recht vielen

Etappe 3 bei GPSies


Dienstag, 22. August: Le Pont de l‘Etang – Yffiniac – Saint-Brieuc – Pontrieux
  • Kilometer: 93,2
  • Sattelstunden: 5:20
  • Ausgaben für Getränke: 10,70 EUR
  • Unterkunft: Camping Traou-Mélédern

Schon wieder später Start. Irgendwie geht das im richtigen Sommer früher… Nach 13 km der Super U von Erquy, Einkauf Nr. 1, dann hinunter an die Küste, Boulangerie, Einkauf Nr. 2 und dann an den Strand, Frühstück. Ferienort, es ist August, aber irgendwie wirkt das schon wie Nebensaison hier. Und dann das: Regen! WTF …? Frühstück in einer Bushaltestelle… Und weiter geht’s, die Regenjacke tut zum ersten Mal ihren Job. Dummerweise habe ich mir für heute eine „rote“ Straße ausgesucht, also eine mit viel Verkehr. Den gibt’s auch, aber der Regen war nur von kurzer Dauer, bald kommt die Sonne raus. Und es gibt eine schöne Alternative zur roten Straße, die mich bis ins Zentrum von Yffiniac führt. Yffiniac? Nicht wahnsinnig spannend, aber die Heimat eines ganz Großen des Radsports. Bernard Hinault wurde hier geboren.


Die Heimat eines ganz Großen

Inzwischen war es ziemlich heiß geworden, auf dem Weg hoch nach Saint-Brieuc brachte mich das ziemlich zum Schwitzen. Oben angekommen suchte ich mir einen schönen Platz im Stadtzentrum für die Mittagspause. Schöne Altstadt, aber ich hatte nicht so richtig Lust, noch eine Stadtrundfahrt zu machen – und fuhr weiter. Erstmal runter fast auf Meereshöhe, dann wieder rauf, wieder auf eine rote Straße. Eine ganz frisch asphaltierte, zwar mit viel Verkehr, aber auch mit Rückenwind, so kam ich wenigstens schnell voran. Und die Straße umfuhr die Dörfer. Ich nicht, mitten durch ging mit weniger Verkehr viel schneller. Pausen machte ich hin und wieder und suchte Schattenplätze.

Um 15.30 war es immer noch heiß und ich in Lanvollon. Einem kleinen Städtchen mit Kirche, kleiner Epicerie und einem schattigen Dorfplatz, oder, Städtchenplatz. Nr. 2 und 4 nutzte ich für eine kleine Pause und suchte mir einen Campingplatz. Archies App behauptete, es gebe einen in Pontrieux, in ca. 20 km Entfernung. Das sollte zu schaffen sein.


Fachwerk in Pontrieux

War es. Pontrieux ist ein nettes kleines Städtchen am Trieux. Den örtlichen Intermarché suchte ich auf und deckte mich mit Trinkbarem ein – nein, nicht was Ihr denkt, natürlich 7up Mojito light. Und mehrere Crèperien warteten auf mich. Zunächst aber der nette, kleine Campingplatz am Ufer des Trieux. Die Crèperie mit Terrasse über dem Flüsschen nahm ich – und ich hatte Hunger. Salat, Pommes, Galette und natürlich Cidre. Und hier verstand ich endlich, wozu diese Tassen sind, die man da immer auf den Tisch gestellt bekommt. Daraus wird der Cidre getrunken! Muss einem ja auch mal jemand sagen.

Fun Fact: In Pontrieux wurden die ersten Tickets für die Pariser Metro gedruckt. Lernte ich von Wikipedia. Was auch immer mir dieses Wissen bringt. Sehr industriell ist der Ort heute jedoch nicht mehr.

Etappe 4 bei GPSies

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Mittwoch, 23. August: Pontrieux – Ploumanac’h – Lannion
  • Kilometer: 64,9
  • Sattelstunden: 4:20
  • Ausgaben für Getränke: 6,32 EUR
  • Unterkunft: Camping Municipal des Deux Rives

Wieder nix geworden mit dem frühen Start. Erst um 9 saß ich auf dem Sattel, nach dem traditionellen Baguette-Nutella-Frühstück. Nutella war inzwischen keine Nutella mehr, sondern irgendwas französisches namens Gavotte, dank Crêpebrösel sehr „crunchy“. Pontrieux verließ ich auf einer erschreckend steilen Straße mit erschreckend schwacher Tagesfrühform. Die Richtung: Nordwest. Ziel: Côte de Granit Rose. Ein weiteres Highlight. Auf dem Weg dorthin lag La Roche-Derrien, ein schönes kleines Städtchen, ich fuhr etwas langsamer durch. Danach der nächste Berg … Moment, die Relationen verschieben sich etwas, wenn ich an meine Alpentour ging. Sagen wir: Danach der nächste 80-m-Anstieg, noch ein kurzer Abstecher in ein kleines Dörfchen, Coatréven, dann war ich endlich wieder am Meer, in Perros-Guirec. An der Plage de Testrignel machte ich eine Art Mittagspause, vertilgte den Rest Baguette und schaute einem Pärchen zu, das von einem Fitness-Coach lautstark über den Strand gescheucht wurde.


Sport am Strand

Die rosa Felsen drängten sich immer mehr ins Blickfeld. Eine richtig schöne Ecke ist das hier, und ich überlege kurzzeitig, einfach schon hierzubleiben und ein bisschen ohne Gepäck mit dem Rad herumzufahren. Aber – ein Fußballspiel in Brest wartete. Dazu später mehr. Ich fuhr also weiter. Hinter der Plage de Testraou abartig steil bergauf, fast (hüstel) musste ich schieben. Aber weiter oben = schöner Blick. Hier der zurück auf den Strand:

Plage de Testraou

Nur wenige Kilometer waren es bis Ploumanac’h. Und zum nächsten touristischen Hotspot. Am Parkplatz parkte ich das Rad und machte mich zu Fuß auf den Weg durch das rosa Geröll. Obelix hat vergessen, aufzuräumen. Wieder war ziemlich viel los, wieder zu recht. Mittendrin in diesem Rummel steht ein Privathaus, das Maison Eiffel. Hm, sicher eine exquisite Wohnlage, aber es schauen doch ziemlich viele Leute ins Wohnzimmer… Im letzten Jahrtausend wären es sicher drei Filme gewesen, die ich hier verknipst habe. Und Ihr bekommt zur zwei Fotos zu sehen:


Fels frisst Meer


Obelix muss aufräumen

Ich fuhr weiter an der großartigen Küste – besuchte kurz einen Supermarkt und suchte mir eine Bank an einem Strand von Trégastel für Mittagspause Nr. 2. Danach nicht immer, aber häufig entlang der Küste bis Penvern, dort entschied ich mich für den direkten Weg nach Lannion. Auf einer Nebenstraße, vorbei am christlichen Menhir von Saint-Uzec, wieder ein schöner Anstieg (und wieder keine 100 Höhenmeter). Aber auf jeden Anstieg folgt eine Abfahrt, diese direkt hinunter nach Lannion. Später Start der Tagesetappe fordert zum Ausgleich ein frühes Ende – noch vor 17 Uhr stand mein Zelt am Campingplatz von Lannion. Zeit genug für einen kurzen Stadtrundgang und einen leckeren Hamburger in der Altstadt. Nein, Fischkram oder gar Austern gibt’s bei mir nicht, Algen schon mal gar nicht – Crêpes müssen reichen als bretonisches Essen. Na gut, auch Galettes. Und diverser Kram, den es in Bäckereien und Konditoreien gibt.


Schiefes Haus in Lannion

Etappe 5 bei GPSies

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Donnerstag, 24. August: Lannion – Morlaix – Saint-Pol-de-Léon – Roscoff
  • Kilometer: 86,7
  • Sattelstunden: 5:22
  • Ausgaben für Getränke: 6,85 EUR
  • Unterkunft: Camping Aux 4 Saisons

Nebel. Mal was Neues. Ich ließ mir etwas Zeit, packte trotzdem ein nasses Zelt ein. Und zog nasse Hose und nasses Trikot an. Schon auf den wenigen Kilometern nach Lannion kam die Sonne raus und beim Frühstück am Ufer des Léguer trockneten die Klamotten schnell. Auf schnurgerader Straße verließ ich Lannion, leider schnurgerade bergauf. Und etwas verkehrsreicher. Einen kleinen Schlenker auf kleiner Straße, dann war ich in Saint-Michel-en-Grève. Am Meer, also wieder unten. Es gab tatsächlich Leute, die badeten. Okay, August, aber so richtig warm war es nicht. Am Ende der Bucht ging es mal wieder hoch, dann, in Plestin-les-Grèves verließ ich die verkehrsreiche D 786 und fuhr auf kleinen Sträßchen nach Morlaix.


Wieder Ebbe


Man muss sie ja nicht essen

Morlaix = Mittagspause. Vor dem Rathaus. Auf der Place des Otages. Platz der Geiseln – die deutsche Geschichte ist auch hier präsent: Auf dem Platz trieben 1943 die deutschen Besatzer als Rache für eine Attacke der Résistance 300 Einwohner zusammen, behielten 60 als Geiseln zurück, die später ins KZ Buchenwald deportiert wurden. Heute ist Würselen die deutsche Partnerstadt von Morlaix. Man kann in schlechteren Zeiten leben…

Dominiert wird die Stadt von einem riesigen Eisenbahnviadukt, dass die Altstadt überspannt. Für mich das eindrucksvolle Zeichen: So hoch muss ich gleich fahren. Aus Morlaix hinaus, auf gekennzeichneter Radstrecke, das letzte – oder erste – Stüc einer Radroute von Roscoff bis nach Hendaye an der spanischen Grenze, der Vélodyssée (Link zum Radreise-Wiki). Ein bisschen ärgerte ich mich über die Streckenführung, die offensichtlich um jeden Preis Straßen vermeiden wollte. Trotz paralleler nicht allzusehr befahrener Straße quälte ich mich über einen, hm, Trampelpfad nach oben. Ein bisschen ärgerte ich mich aber auch über mich, dass ich die parallele Straße zu spät entdeckt habe. Das nächste völlig unsinnige Stück Feldweg vermied ich dann.


Bretonische Kuhhintern

Die Bretagne ist landwirtschaftlich geprägt – auch hier am Meer. Und durch diese Landwirtschaft fuhr ich in Richtung Roscoff, meinem heutigen Ziel. Und ich muss die Velodyssee etwas rehabilitieren: gut ausgeschildert und auf kleinen Nebenstraßen radelte ich nun nordwärts. Saint-Pol-de-Léon sah ich schon recht früh, zwei riesige Kirchen dominieren die Umgebung. Die größere, Notre-Dame-du-Kreisker hat den höchsten Kirchturm der Bretagne und ist die einzige französischen Kathedrale aus der Spitzbogenepoche – damit Ihr hier was lernt. Ich machte eine kurze Pause und beobachtete einen Hund, der sich überhaupt nicht um Spitzbogen scherte, sondern abwechselnd von Herrchen und Frauchen bewacht wurde. Als die drei ins Auto stiegen, stieg ich auf den Sattel und machte mich auf die letzten Kilometer nach Roscoff. Dort verließ ich die Velodyssee wieder, die krampfhaft versuchte, so nahe wie möglich an der Küste zu bleiben. Mir ging das Zickzack irgendwann auf die Nerven und ich fuhr geradeaus in die Stadt (für alle, die, warum auch immer, dem Track nachfahren wollen: Schon vor Saint-Pol habe ich die Route verlassen, allerdings habe ich da schlicht ein Schild übersehen und wollte dann nicht mehr umkehren).


Schiffe an Land

Roscoff. Hört sich irgendwie englisch an und ist es irgendwie auch. Als ich ankam, spuckte gerade eine „Britanny Ferry“ unzählige Autos mit dem Lenkrad auf der falschen Seite aus. Auch die Kneipen und Läden versprühten einen leichten Duft von Magaluf… Genug gelästert. Letztlich ist es doch mehr bretonisch als britisch, granitene Häuser, eine Kathedrale mit einem der schönsten Türme der Bretagne, sagt man, und mit einem der lustigsten Namen: Notre-Dame-de-Kroaz-Batz.


Irgendwie gibt’s das viel zu selten, überraschenderweise


Schönster Zeltplatz bisher

Standbesichtigung auf dem Rad, dann langsam entlang der Küste in Richtung Campingplatz. Kurzer Abstecher zum Supermarkt vorher. Einchecken, es ist der bisher teuerste Campingplatz. Aber auch ein sehr schöner. Zelt fast direkt am Meer, auf einer großen Wiese hinter den – kleinen – Dünen. Abendessen am Strand. Kann man lassen. Und dann noch ein Spaziergang um die Halbinsel Perharidy. Schöner Blick auf Roscoff und die Île-de-Batz im Abendlicht und auf die untergehende Sonne. Es wird früher dunkel als im Sommer – aber deutlich später als an der Côte d’Azur, stellte ich dank Whatsapp-Bildchen fest.


Segelboot und Kroaz-Batz


Felsbrocken und Sonne im Meer

Etappe 6 bei GPSies

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Freitag, 25. August: Roscoff – Brignogan-Plage – Lesneven – Brest
  • Kilometer: 95,0
  • Sattelstunden: 5:11
  • Ausgaben für Getränke: 11,19 EUR
  • Unterkunft: Hotel Citotel Brest Centre Gare

Wieder Nebel am Morgen. Wieder nasses Zelt einpacken. Ende August ist halt Fast-Herbst. Ich folge der Radroute entlang der Küste. Es ist eine sehr schöne Stimmung, der Nebel verzieht sich, die Sonne kommt raus und es wird wärmer. Es ist eine raue Küste, okay, nicht felsig, aber eben auch nicht lieblich. Schön. Das Radfahren macht Spaß, es geht leicht bergauf und bergab. Plougoulm, Kerrien, Kerfissien, Penn Ar Porz – auch wieder ein schöner Apostroph-Name, Coat Ar Groac’h – unverkennbar bretonische Namen der Käffer hier. Um kurz vor eins bin ich in Brignogan, suche und finde eine Boulangerie und einen kleinen Supermarkt und setze mich an den Hafen zum Essen. Ein Abstecher noch zu einem Menhier, Men Marz heißt er und trägt ein Kreuz oben auf. Ich hoffe, auch von meinem Rad werden die heidnischen Geister vertrieben.


Bekreuzter Menhir, um die Geister der Heiden zu vertreiben

Dann heißt es weg vom Meer, auf nach Brest. Mehr oder weniger Direttissima, denn am Abend spielt Stade Brest gegen AS Nancy-Lorraine, mein zweites Fußballziel dieser Reise. Mehr oder weniger befahrene Straßen, und irgendwann war ich da, am Stadtrand von Brest. Ein großer Leclerc forderte mich auf, reinzugehen, das tat ich, versorgte mich mit dem großartigen 7up Mojito light und folgte der Radroutenbeschilderung Richtung Stadtmitte. Manchmal ging es arg zickzackig und ich zweifelte schon leicht an der Sinnhaftigkeit dieser Route – aber sie führte mich zum Bahnhof und zu meinem Hotel. Mit großartigem Blick auf den Bahnhof. Balkon im fünften Stock, da konnte ich mein Zelt zum Trocknen ausbreiten.

Duschen, Essen (oh Gott, bei McDonald’s) und dann raus zum Stadion, tja, laufen. So weit war es nicht und ich hatte kein Kleingeld für den Straßenbahnautomaten. Ticket kaufen, ein Platzanweiser führte mich bis fast zu meinem Sitzplatz – obwohl doch ziemlich viele Plätze frei blieben. Ich wunderte mich darüber, was es hier so in der Pause zu kaufen gibt, Baguette mit Pommes (!?) und Brest gewann 2:1. Nach dem Spiel plötzlich große Aufregung bei den Brest-Fans. Warum eigentlich? Sie haben doch gewonnen? Im Fernsehen am Abend sah ich es: Der Torwart von Nancy hat nach Abpfiff den Ball einfach in die Fans gedroschen. Auch nicht nett.


Buuuuut!

Etappe 7 bei GPSies

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Samstag, 26. August: Brest – Lampaul-Plouescat – Saint-Mathieu – Brest
  • Kilometer: 83,2
  • Sattelstunden: 4:52
  • Ausgaben für Getränke: 5,99 EUR
  • Unterkunft: Hotel Citotel Brest Centre Gare

Auf in den äußersten Westen Frankreichs! Okay, mal mal abgesehen von so ein paar Inseln und Guadeloupe. Ohne Gepäck. Raus aus Brest fuhr ich auf beschilderter Radroute, schöne Sache. Am Wasser, fernab jeglichen Autoverkehrs. Bis dann irgendwann die Straßen wieder kamen, doch es gab genügend „weiße“, recht verkehrsarme. Ein kurzer Stopp bei einem Superlativ, dem höchsten Menhir der Bretagne, dem von Kerlouas. Und dann ans Meer, hier im äußersten Westen der Bretagne, man ahnt, warum das Département „Finistère“ heißt. Mittagspause mache ich am Hafen von Lampaul-Plouarzel, von da geht’s nach Süden.


Fast am Ende der Welt – Lampaul-Plouarzel

Und kaum noch nach Westen. Den westlichsten Punkt Festlandfrankreichs verpasse ich, eindeutig schlechte Planung. Nur wenige Kilometer fahre ich daran vorbei – irgendwie war ich mir, warum auch immer, sicher, dass ich diesen Superlativ an der Pointe-Mathieu erreiche. Es ist aber die Pointe-Corsen. Auch egal. Vorbei an einem riesigen Strand, der Plage des Blancs Sablons, erreiche ich Le Conquet. Hier am Strand ist im Sommer wohl auch viel los, so nahe an der Großstadt Brest. Ende August laufen da nur ein paar Spaziergänger im Sand.


Recht einsam am Strand


Schon wieder fast am Ende der Welt – die Pointe de Kermorvan

Weiter entlang des Atlantiks. Immer noch mit Armlingen, Sommer ist es nicht mehr. Noch wenige Kilometer zum vermeintlich westlichsten Punkt, Saint-Mathieu. Davor haben die Straßenbauer eine fiese Steigung gesetzt, dank derer ich nun weiß, dass ich auch ohne Gepäck 4,5 km/h fahren kann. Dann erreichte ich das überraschend ungewöhnliche Ensemble direkt an der Steilküste: Zwei Leuchttürme und eine verfallene Abtei. Unten nur ein Foto von vielen …


Und noch ein Ende der Welt – Saint-Mathieu

Zurück nach Brest waren es nun recht unspektakuläre gute 30 km. Zunächst wieder eine Berg- und Talfahrt runter an Buchten und wieder hoch – bis ich davon die Nase voll hatte und auf die große Straße auswich. In Brest musste ich ja nun kein Zelt aufbauen und hatte Zeit für einen ersten kleinen Stadtrundgang auf der Suche nach einem Restaurant. Ein bisschen wirkt die Stadt architektonisch wie eine sozialistische Musterstadt – im Krieg zerstört und in den 50ern mit viel Beton wieder aufgebaut. Einen leckeren Burger gab es dennoch.


Die Pont de Recouvrance (oben) und unten was für’s Militär


Bleib hier!

Etappe 8 bei GPSies

Soweit Teil I der Bretagne-Tour, Teil zwei folgt in Kürze auf diesem Kanal. Und zwar hier.
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Geändert von Holger (11.03.18 10:15)
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#1324344 - 26.02.18 12:17 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: Holger]
veloträumer
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 13750
Tolle Stimmungsbilder! bravo Ein bisschen war ich im letzten Jahr nahe dran für Cidre und Bretagne, allerdings im späten November. Am Ende war mir das Risiko doch zu groß ohne Zeltoption, Anfahrten per Bahn auch nicht gerade ideal (dieses Jahr ja noch schlimmer). Sicherlich ist dieses "Ende der Welt" bei mir aber mal vorgemerkt.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1324370 - 26.02.18 13:22 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: veloträumer]
Holger
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 14431
Dankeschön! Okay, Ende November wäre nix für mich in der Bretagne. Zumindest nicht mit dem Rad...

Das mit der Anreise ist echt ärgerlich. Mit der Bahnverbindung Strasbourg-Rennes direkt oder über Paris war es wirklich gut - es ist ja schon ein Stück. Das mit Regionalzügen - vielen Dank.
.
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#1324394 - 26.02.18 14:45 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: Holger]
dhomas
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 1644
Schön, gefällt mir sehr gut!

Und auch die gefahrene Kilometerleistung hat allen Respekt verdient zwinker
Zitat:
11679 Kilometer
"For if truth is in wine, then 'tis all but a whim
To think a man's true when the wine's not in him."
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#1324401 - 26.02.18 15:08 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: dhomas]
Holger
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 14431
In Antwort auf: dhomas
Schön, gefällt mir sehr gut!

Und auch die gefahrene Kilometerleistung hat allen Respekt verdient zwinker
Zitat:
11679 Kilometer


Danke!

Und: Deja-vu...
Vogesen. Auf Umwegen in die Berge. (Reiseberichte)

Man kann zwar ein Komma eingeben, aber es wird nicht ausgegeben. Einfach verschluckt...
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Geändert von Holger (26.02.18 15:16)
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#1324632 - 27.02.18 21:17 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: Holger]
max saikels
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 631
Beeindruckende Foddos, besonders die Motivwahl und Komposition.
Aber ans Meer fahren und dann kein Fisch essen, sondern Baguette mit Schokopampe zum Frühstück, so eine Verschwendung! Gut zum Frühstück würd ich auch keinen Fisch essen, aber jeden Abend. Ok, Austern und son Schwabbelzeug auch nicht.
Und zum Fußball sag ich als Handballer lieber nix. schmunzel
Ach ja, auch beeindruckend, dein Präzisionstacho und -chronometer. Ich werd aber irgendwie den Eindruck nicht los, dass du dich über irgendwas lustig machst damit.
Grüße, Stephan
Mosel-Hunsrück

Geändert von max saikels (27.02.18 21:19)
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#1324819 - 28.02.18 21:21 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: max saikels]
Holger
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Wenn, dann mache ich mich über mich lustig. Ich führe tatsächlich unterwegs eine Exceltabelle mit diversen Daten - das hier ist nur ein kleiner Auszug grins
Fisch geht halt nicht, ich mache leider Ganzjahresfischfasten - zum Glück gibt's für mich da Alternativen schmunzel
.
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#1324845 - 28.02.18 23:31 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: Holger]
iassu
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Mir hat dein Reisebericht gefallen. Einschließlich der Bilder.
Übereinstimmungen (von einem anderen, bekannten Aspekt mal abgesehen) sehe ich hier:
+ Fischmoratorium
+ mag kein Fisch
+ esse gerne fischfrei

Unterschiede:
- Nutella geht garnicht
- mag kein Nutella
- Frühstück gerne ganztägig, aber ohne Ferreroprodukte

zwinker schmunzel
Gruß Andreas
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#1324898 - 01.03.18 09:54 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: iassu]
Holger
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Dankeschön!

Zu meiner Entlastung: Nutella gibt's nur im Urlaub - und wenn die initiale Packung verbraucht ist, ist das ohnehin nur als Gattungsbegriff für Nuss-Nougat-sonstiger-Kram-braune-Paste zu verstehen und real dann irgendein lokales Produkt dieser Art schmunzel
.
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#1324900 - 01.03.18 10:01 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: Holger]
Juergen
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Ob die Fortsetzung deines liebenswerten Berichtes vielleicht heißt: "Austern sind keine Fische!" schmunzel
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1324972 - 01.03.18 13:42 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: Juergen]
Holger
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In Antwort auf: Juergen
Ob die Fortsetzung deines liebenswerten Berichtes vielleicht heißt: "Austern sind keine Fische!" schmunzel

Ist doch egal, schmeckt beides nicht grins

Zitat, irgendwo aufgeschnappt: "Austern - kalter Rotz, der nach Fisch schmeckt"
.

Geändert von Holger (01.03.18 13:42)
Änderungsgrund: Vertauscht... man sollte schon richtig zitieren...
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#1324973 - 01.03.18 13:43 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 1 [Re: Holger]
Mütze
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Igitt.
- - - - - - - - - - - - - - - -
Schotter gehört in meinen Geldbeutel, nicht auf den Radweg. Grüßchen, Ruth http://missesvelominiservice.jimdo.com
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#1326376 - 11.03.18 10:11 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 2 [Re: Holger]
Holger
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Zweiter Teil: Brest – Rennes
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Route zweiter Teil bei GPSies


Sonntag, 27. August: Brest – Guingamp – Brest (mit SNCF)
  • Kilometer: 0
  • Sattelstunden: 0
  • Ausgaben für Getränke: 3,10 EUR
  • Unterkunft: Hotel Citotel Brest Centre Gare


Ruhetag. Heißt erstmal Stadtrundgang. Immernoch derselbe Eindruck: Das Rathaus könnte auch irgendwo in Weißrussland stehen. Moment, da gibt’s doch auch ein Brest? Na, aber hier zahlt man mit dem Euro… Mit der Gondel über den Militärhafen ins Atelier des Capucines, eine zum Museum/Ausstellungshalle umgebaute Fabrik. Und dahinter die Rue St. Malo, eine „alternative“ Straße, nicht zerstört. Irgendwie schlief hier noch alles, ich fuhr zurück mit der Gondel in Richtung Innenstadt. Und machte noch ein paar Fotos. Zum Beispiel vom Place Wilson, vor dem Krieg ein schöner städtischer Platz mit einem hübschen Pavillon in der Mitte. Wiederaufgebaut nach dem Krieg, auch der Pavillon. Allerdings in Beton. Nichts gegen Beton, manches ist auch hier gut gelungen. Aber bei dem Pavillon blieb es beim Versuch.


Joggen im Park


Eine Art Zoo


Rekonstruierter Pavillon auf der Place Wilson


Markttag


Gare de Brest

Zum Bahnhof und ab nach Guingamp. Dort spielte En Avant de Guingamp gegen Racing Strasbourg. Aber erstmal mit der Bahn über die Altstadt von Morlaix, über das Viadukt, unter dem ich vor ein paar Tagen durchgefahren bin. Guingamp, eine kleine Kleinstadt, keine 7.000 Einwohner. Ein bisschen ausgestorben am Sonntagmittag, aber einige rotschwarze Menschen auf dem Weg in Richtung Stadion. Was ja schon mal grundsätzlich sympathisch ist.


Downtown Guingamp

Am Stadion angekommen dachte ich erstmal „Ui“. 18.378 Plätze. In einer Stadt mit 7.000 Einwohnern. Respekt. Ansonsten mitten im Wohngebiet gelegen, auch schön, wenn man dort wohnt und Fußballfan ist. 13.000 Zuschauer waren da. Also fast doppelt so viele wie die Stadt Einwohner hat. Zum Spiel: Strasbourg traf dreimal Pfosten oder Latte, Guingamp zweimal das Tor. Wer es sehen will: Klick auf Youtube.


Stadionnahes Wohnen

Im TGV zurück nach Brest, nochmal ins Hotel, den Fensterblick genießen und schon ein bisschen zusammenpacken, dann noch was essen. Das war nicht so einfach wie gedacht, Sonntagsabends ist offensichtlich hier halber Ruhetag. Eine vom Reiseführer dringlich empfohlene Crèperie war ebenso geschlossen wie viele andere Restaurants. Ich fand trotzdem eins.


Hotelfensterblick

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Montag, 28. August: Brest – Landerneau – Daoulas – Le Faou – Telgruc-sur-Mer
  • Kilometer: 77,4an
  • Sattelstunden: 4.33
  • Ausgaben für Getränke: 13,00 EUR
  • Unterkunft: Camping le Panoramic


Kein Zelt abzubauen, am Vorabend das meiste schon in die Taschen gepackt – beste Voraussetzungen für einen frühen Start. Vor 9 Uhr schaffte ich es trotzdem nicht. Zunächst ging es durch den Hafen, der nicht so wahnsinnig beeindruckend war. Landeinwärts auf einer Radroute in Richtung Landerneau, nicht immer direkt am Élorn, daher etwas hügelig. Nach knapp 90 Minuten war ich in Landerneau. Die Partnerstadt von Hünfeld, dort ging ich zur Schule. Also, in Hünfeld. Ein paar Mal war ich im Rahmen eines Schüleraustauschs – nettes Wort – in Landerneau. Aber das war tief im letzten Jahrtausend und als ich in die Stadt hineinfuhr und durch die Innenstadt kurvte, erkannte ich gar nichts wieder. Einzig die Brücke über den Élorn, die Ponte Vecchio des Nordens, erschien mir nicht komplett unbekannt. Im Rathaus kaufte ich Briefmarken und vor dem Rathaus schaute ich mir die Open-Air-Fotoausstellung an.


Doppelturm Landerneau


Alte Frau und die Brücke über den Élorn


Kunst vor dem Rathaus


Restaurantwächter

Es war nun fast Mittag, als ich weiterfuhr. Und es war ordentlich warm. Das vor einem Anstieg! Bis auf schwindelerregende 150 Meter ging es, sicher einer der höchsten Punkte der Reise. Wenn es hoch ging, muss es auch wieder runtergehen, damit tröstete ich mich. Und es ging runter, nach Daoulas, einer kleinen Stadt am Ende einer tief eingeschnittenen Bucht. Schöne romanische Abteikirche, grau-marmorn, so dass man sich denkt, typisch bretonisch. Stimmt ja auch irgendwie. Ich merkte, dass ich in Richtung Süden fuhr: für die Mittagspause suchte ich mir einen Platz im Schatten.


Calvaire in Daoulas

Zweimal hoch, zweimal runter und ich war in Le Faou. Fehlt nur noch das I, und alle Konsonanten wären im Ortsnamen vertreten. Mein Reiseführer schreibt: „ … einst wichtige Hafenstadt […] ist ein uraltes Städtchen mit heimeligem Ortsbild.“ Stimmt. Findet sich in der Liste der schönsten Dörfer Frankreichs, mein Eindruck: zu recht. „Alte Häuser mit Schieferfassaden säumen die Hauptstraße, an der sich Einzelhandelsgeschäfte und Restaurants eingerichtet haben.“ Stimmt auch. Mein Problem mit den Einzehandelsgeschäften: Es war heiß, ich hatte Durst und es war Montag. Offen hatte nur eine Boulangerie, in der ich Wasser und Cola light für astronomische Summen kaufte.

Das nächste Highlight war die Pont de Térénez, eine moderne Schrägseilbrücke über die tief eingeschnittene Mündung der Aulne – tief eingeschnitten ist viel in der Bretagne, daher wäre es sehr, sehr mühsam, immer direkt an der Küste entlang zu fahren. Irgendwo hier sollen Kriegsschiffe ruhen, in einer der tief eingeschnittenen Buchten der tief eingeschnittenen Bucht finden aussortierte Schießkähne ihre letzte Ruhe. Ich fand sie nicht, suchte aber auch nicht allzu intensiv. Über die Brücke kommt man auf die Halbinsel Crozon, auf der ich mir einen Campingplatz suchen wollte.


Die Aufhängung der Pont de Térénez

Genaugenommen wollte ich den CP nicht suchen, sondern finden. Ausgesucht hatte ich mir einen CP bei Telgruc-sur-Mer, vor allem wegen seines Namens: Le Panoramic. Und weil er ein Restaurant hatte. Panoramablick aufs Meer hatte er, allerdings nicht ganz unverbaut, Stromleitungen und Bäume störten ein wenig. Ein Restaurant hatte er auch, entgegen anders lautender Schilder – „tlj“, was soviel heißt wie „tous-les-jours“, was soviel heißt wie „jeden Tag“ – war es jedoch Montags geschlossen. Also tappte ich zurück in den Ort, kaufte Reblochon und Baguette (aha, es gibt also nicht nur Nutella). Abendessen dann vor dem Zelt, auf meinem Stellplatz gab es eine Bank-Tisch-Garnitur, seltenes großes Glück. Eigentlich wäre es Verschwendung gewesen, ins Restaurant zu gehen.

Etappe 9 bei GPSies

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Dienstag, 29. August: Telgruc-sur-Mer – Douarnenez – Pointe du Raz – Audierne
  • Kilometer: 80,8
  • Sattelstunden: 5.10
  • Ausgaben für Getränke: 4,67 EUR
  • Unterkunft: Camping Kerivouas


Packen, Zelt zum Trocknen aufhängen, ins Dorf fahren, Boulangerie aufsuchen, Nutella mit Baguette verspeisen – und dann los. Spätstart, 9.40. Aber gut, ich habe mich daran gewöhnt. Auch an das Auf und Ab entlang der Küste. Genaugenommen nicht direkt an der Küste, aber auf kleinen Straßen erreichte ich Douarnenez, mein erstes Ziel heute. Einer der größten Fischereihäfen Frankreichs. I couldn’t care less. Wobei, stimmt nicht ganz, der Hafen verursachte schon eine Menge Verkehr. Ich machte eine kleine Stadtrundfahrt auf dem Rad und suchte dann ein Platz für eine Mittagspause. Und ich fand ihn, eine Bank mit Blick auf den Museumshafen und den Altstadthügel. Da ließ ich mir mein Red Bull á la bretonne schmecken.


Zaubertrank 2.0

Mit Zauberkräften ging es weiter – okay, wirkt nicht. Die Anstiege sind ansteigend wie immer… Nicht weit hinter Douarnenez und noch näher an der Straße liegt die Allée Couverte von Lesconil, eine dieser berühmten neolithischen Grabstätten. Diese ist noch sehr gut erhalten, die Steine stehen fast alle noch und bilden die Allee. Durchgekrabbelt bin ich nicht, auch die Kinder der Schulklasse nicht, die die Allée Couverte besucht haben. Die haben es jedoch versucht – und nun weiß ich, wieso da nicht nur ein Lehrer dabei war…


Schulklasse besucht Allée Couverte

Die letzten Kilometer westwärts in Richtung Pointe du Raz. Landwirtschaftliche Gegend, bretonische Ortsnamen. Fast jedes Dorf, oder besser fast jede Häuserversammlung, fängt mit Ker an. Kériolet, Kerninon, Kerléo, Kerludo, Kerguloch … nicht sonderlich einfallsreich. Je weiter westlich man kommt, desto karger wird die Landschaft, selbst auf diesen paar Kilometern ist das festzustellen. Okay, es geht noch kärger auf dieser Welt, Kühe gibt’s schon auch noch. Die müssen ja was futtern.


Landwirtschaft

Der Wind wird stärker, zum Glück kommt er aus Westen – bald ist’s Rückenwind. Bis zur Pointe du Raz muss ich mich noch durchkämpfen. Es ist inzwischen auch deutlich kälter geworden, die Wettervorhersage kündigte schlechtes Wetter an. Man sah es schon kommen. Die Pointe du Raz ist wieder einer der touristischen Hotspots, es war viel los, der Parkplatz war voll. Ich kettete das Rad an und machte mich zu Fuß ans nächste Ende der Welt. Nicht alleine. Ganz dekadent zurück: Es gibt kostenlos zu nutzende Kleinbusse, die Zwischen Besucherzentrum und Leuchtturm pendeln.


Schon wieder ein Ende der Welt – Pointe du Raz

Der Regen blieb aber noch aus – ich wagte es, noch einmal auf einem Campingplatz zu übernachten. In Audierne, direkt an der Straße, direkt gegenüber eines großen Leclerc-Supermarkts. Nicht wahnsinnig hübsch gelegen, aber günstig. Und die Verpflegung war gesichert. Und trocken – der Regen zog vorüber und ließ Audierne links liegen.


Campingplatz. Weniger idyllisch, aber immerhin nahe am großflächigen Einzelhandel

Etappe 10 bei GPSies

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Mittwoch, 30. August: Audierne – Penmarc’h – Loctudy – Benodet
  • Kilometer: 83,7
  • Sattelstunden: 4.50
  • Ausgaben für Getränke: 8,53 EUR
  • Unterkunft: Camping de la Pointe de Saint-Gi


Ja gibt’s denn das! Start am CP vor 8 Uhr! Und Start nach Frühstück in Audierne am Hafen deutlich vor 9 Uhr! Verrückt. Die Küste ist nicht mehr so schroff wie im Norden, es geht nicht mehr so stark auf und ab und die Küstenlinie ist keine Zickzacklinie mehr – also wagte ich mich, weiter auf der „Littorale“ zu fahren, der Küstenradroute rund um die Bretagne.


Tracht in Granit

Die Hitze hatte sich wieder verzogen, es war etwas windig und bewölkt. Ein Regenband drohte, meinten diverse Wetter-Apps. Ich fuhr weiter entlang der Küste, die hier viel sanfter ist als im Norden. Auch schön, aber nicht so spektakulär. Einige granitene Baudenkmäler standen an der Strecke, ich machte die obligatorischen Fotos. Ruine von Plovan, Notre-Dame de Tronoën – eine gotische Kapelle mit dem ältesten Calvaire der Bretagne –, die Stopps lohnten sich.


Der älteste Calvaire – Tronoën

Kurz vor Penmarc’h begann der Regen. Diesmal nicht nur ein paar Tropfen, sondern richtiger Regen. Ich versorgte mich in einem Supermarkt und fuhr noch bis zum Phare d’Eckmühl, die tolle Regenjacke will ja auch mal benutzt werden. Am Leuchtturm standen jede MengeWohnmobile – jetzt im strömenden Regen war ich mal neidisch. Ich fand eine Bushaltestelle und setzte mich rein. Ausgedehnte Mittagspause, der E-Book-Reader wurde benutzt und ich ärgerte mich mit ein paar lokalen Gören rum, die rauchten, alberten und mit blöde Fragen stellten. Irgendwann kam der Bus und sie waren weg. Nach zwei Stunden ließ dann auch der Regen nach und ich fuhr weiter.


Wohnmobilparade am Phare d‘Eckmühl

Teils schön an der Küste entlang, teils auf einem Bahnradweg, teils auf einem Dünenradweg – allerdings hinter den Dünen, wenig Meerblick – es war eine schöne Route, die die „Littorale“ hier vorgab. Auf einmal stand ein Kamel auf einer Wiese, okay, ein Zirkus. Aber der erste Moment war schon etwas überraschend. In Loctudy nahm ich die erste Fähre – es sollten weitere folgen in den nächsten Tagen.


„Fähre“

Das Wetter war wieder besser, wie unschwer auf dem Foto zu erkennen ist. Campingplätze gab es hier viele, es ist eine beliebte Urlaubsregion. Noch eine Fähre bei Bénodet und ich hatte genug für den Tag. Ich suchte einen Campingplatz und ahnte schon, dass die hier etwas besser ausgestattet waren. Der, den ich nahm, hatte Pool, Bar, Restaurant, Supermarkt, Animation und alles, was man so nicht braucht als Reiseradler. Es war der teuerste der Reise, 22,50 EUR für ein Zelt, ein Fahrrad, eine Person zahlte ich für die eine Nacht. Nein, eigentlich nicht so schön, solche Fabriken. Dass dann Kinder im Barcelona-Trikot herumliefen, setzte den Deckel drauf. Brauch‘ ich nicht.

Etappe 11 bei GPSies

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Donnerstag, 31. August: Benodet – Concarneau – Lorient
  • Kilometer: 85,0
  • Sattelstunden: 4.49
  • Ausgaben für Getränke: 2,10 EUR
  • Unterkunft: Hotel Astoria


Vorteil des sauteuren Campingplatzes: Man bekommt morgens frisches Baguette. Nachteil: Der Laden macht erst um 8.30 auf. Vorteil: Da habe ich genügend Zeit, vorher alles abzubauen und zu verstauen. Und kann dann schön am Strand frühstücken. Auf das Zwischenziel Concarneau freute ich mich schon, schließlich ist es der Ort des Kommissar Dupin. Davor hat der bretonische Landschaftsgestalter zwei Berge gesetzt, auf dem ersten bog ich wieder ab auf die Küstenradroute. Die zwar schön verkehrsarm war, aber bremsend zickzackig verlief.

Dann erreichte ich Concarneau, und das ist wirklich schön. Daher auch ziemlich voll mit Touristen. Ich parkte das Rad am Eingang zur Ville Close und machte mich zu Fuß auf den Weg, die kleine Insel zu erkunden. Viel Touristenschnickschnack in den Läden, ein Krokodilbrunnen und eine beeindruckende Stadtmauer, das blieb mir vom kurzen Rundgang in Erinnerung. Und einige Fotos, eine Auswahl folgt hier unten.


La fontaina au crocodile


Die neue Stadt, von der alten aus gesehen


Mein Radl mittags um zehn nach zwölf. Ach.

Bis Pont-Aven verließ ich wieder den Küstenradweg und nahm die dicke Straße, zum Glück nicht so wahnsinnig befahren, dafür geradeaus. Lorient war mein Ziel heute abend – und das erlaubte nicht mehr so viele Schlenker entlang der Küste. Zumal meine rechte Pedale bedrohlich knackte und sich manchmal ohne Ankündigung nur ungern drehen ließ. Doch die Pause in Pont-Aven ließ ich mir nicht nehmen. Hunger. Wieder ein ziemlich touristischer Ort, der auf Künstlerdorf macht. Paul Gauguin lebte mal hier. Dennoch fuhr ich irgendwann weiter, nachdem ich auf Google-Maps den nächsten Fahrradladen gesucht hatte. In Riec gab es einen, das war nur fünf Kilometer entfernt. Dort bekam ich neue Pedalen, leider ohne Klick, also ab jetzt nur noch treten, nicht ziehen. Dafür hatte ich nun Rückenwind. Wenn das die Konsequenz ist, dann okay.


Kreiselkunst bretonisch

In Le Pouldu erreiche ich gerade so die Fähre nach Guidel, Glück gehabt. Es sind noch ein paar Kilometer bis Lorient, dort wollte ich nicht zu spät am Abend ankommen. Von Guidel ging es erstmal kilometerlang mit Rückenwind am Strand entlang. So kann das bleiben.


Flacher Strand, hohe Wolken


Strandspaziergang

Schöne Atlantikblicke im Gegenlicht – und trotzdem verließ ich irgendwann die Küste, um Lorient auf möglichst geradem Weg zu erreichen, und vor allem von Norden. Denn dort gab es einen Decathlon, da wollte ich mir eine neue Isomatte kaufen, meine Thermarest warf Blasen, bzw. eine Blase, die war sehr unangenehm beim Liegen… Vom Decathlon aus buchte ich ein Hotel in der Innenstadt und navigierte mich mehr schlecht als recht dorthin.

Lorient ist nicht wirklich hübsch. Eine zweimal am Reißbrett geplante Stadt sozusagen. Einmal von Ludwig XIV, der eine Handelskompanie für den Handel mit den Kolonien im pazifischen und indischen Ozean gründete, die Compagnie des Indes Orientales. Der Hauptsitz war in Port Louis und hieß L’Orient. Eine Stadt, benannt nach einem Unternehmen. Das gab es schon im 17. Jahrhundert. Aus Handel wurde Militär, eine riesige U-Boot-Basis, die im 2. Weltkrieg von den Alliierten weitgehend zerstört wurde. Man baute sie „funktional“ wieder auf, so nennt man gesichtslosen Beton gerne mal. Schön ist es nicht, aber einen leckeren Burger habe ich trotzdem bekommen und mich dann ins Bet gelegt und französisches Fernsehen geschaut. Hin und wieder Hotel ist ganz nett.

Etappe 12 bei GPSies

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Freitag, 1. September: Lorient – Carnac – Le Palais
  • Kilometer: 71,8
  • Sattelstunden: 4.00
  • Ausgaben für Getränke: 5,86 EUR
  • Unterkunft: Camping de l‘Océan


Hotelfrühstück. Platzsparend – in die Lobby ist eine zweite Ebene eingezogen worden, auf der es das Frühstück gibt. Kopf einziehen war angesagt. Start natürlich wieder recht spät – aber doch passend, um die Fähre nach Port Louis ohne lange Wartezeit zu bekommen. Stundentakt, also wirklich glücklich. Die Fähre ist übrigens Teil des kommunalen ÖPNV – mit dem Ticket hätte ich auch Busfahren können. Und irgendwie wartet man auch in so etwas wie einer Bushaltestelle…


ÖPNV-Haltestelle

Kurzer Zwischenstopp in Port Louis, bis zur nächsten Fähre hatte ich eine halbe Stunde und gondelte etwas durch die Stadt und vor die Festungsmauern, beobachtete ein paar Möwen und fragte mich, was die wohl beobachten, kaufte mir eine Cola light, wich einem Müllauto aus, befragte alle meine Wetterapps und freute mich, dass sie alle dasselbe zeigten. Sonne.

Auf dem Laufsteg

Die nächste Fähre brachte mich nach Gavres und nun war ich am Atlantik. Also richtig. Die ersten Kilometer ging es direkt am Strand entlang, dann etwas ins Landesinnere. Das Ziel war Carnac mit den riesigen Megalithfeldern. Doch davor hatte mein innerer Routenplaner noch eine Fähre gesetzt, von Le Magouër nach Etel. Die fuhr ab dem 1. September jedoch nur dienstags und am Wochenende. Also außen rum und über die Brücke. Und dann auf fast ganz geradem Weg nach Carnac. Wolken waren übrigens gerade zu sehen, was wollen die da? Und was sagen die Wetterapps dazu? Es schauerte sogar mal kurz – was mich aber bei den Temperaturen nicht weiter störte. Nun also Megalithfelder. Im Gegensatz zur Fähre von vorhin war hier noch Hauptsaison, das bedeutete, man durfte nur mit Führung durch die Hinkelsteinparade laufen. Ich verzichtete, das war ja alles von der Straße aus gut zu sehen und außerdem gab es noch einen Aussichtsturm.


Obelix-Museum


Sind die alten Steine wirklich interessanter als das Rad???

Und nun auf die Insel! Davor lag jedoch eine Halbinsel, die von Quiberon. Da ich eine Chance sah, die 16.00-Uhr-Fähre zu erwischen, hielt ich mich nicht lange auf irgendwelchen Radrouten auf, sondern fuhr auf der dicksten Straße geradeaus zum Hafen. Blöderweise schauerte es schon wieder, und blöderweise fuhren recht viele LKW auf der dicksten Straße. Habe ja keine Angst vor denen, aber schön ist es nicht, und im Regen sauen sie einen komplett ein. Zum Glück regnete es nicht so lange, dann kam die Sonne wieder und die trocknete die Straßen überraschend schnell. Die 16.00-Uhr-Fähre erwischte ich tatsächlich, und es war mal eine richtige Fähre, nicht so ein Bootchen wie die Fähren bisher. Und für eine richtige Fähre zahlt man einen richtigen Preis: Fast 50 EUR für ein Rad und eine Person hin und zurück. Okay, auch hier noch Hauptsaison. Fahrrad wurde im Laderaum angekettet und ich ging auf das „Sonnendeck“.


Auf die Insel!


Schaut schon ein bisschen aus wie Urlaub, oder?


Fast da in Le Palais


Andocken

Eine gute Dreiviertelstunde dauerte die Fahrt, das Festland entfernte sich, die Insel kam näher. Ich blieb lange oben an Deck und beobachtete das Andocken. An Land suchte ich zunächst mal die Tourist-Info und deckte mich mit etwas Infomaterial ein. Es gab einige Campingplätze, ich entschied mich für den hier in Le Palais, dem Hafen- und Hauptort der Insel. Dann war der Weg zur Fähre übermorgen nicht so weit – und da sollte es ziemlich andauernd regnen.

Vor den Campingplatz hat meine Route einen Super U gesetzt, den ich dann glatt aufsuchte und mich mit 7up Mojito light eindeckte. Der Campingplatz war parzelliert, allerdings mit riesigen Parzellen. Ziemlich schön, sogar Bank und Tisch gab es auf vielen Parzellen. Morgen würde der letzte Tag der Reise sein, ich musste also nichtmal die Klamotten waschen, konnte für die Inselrundfahrt das Reserveoutfit tragen. Also duschen und auf einem Schleichweg an den Hafen. Dort gab’s Galette Chorizo und Crêpe Caramel Beurre Salé, top. Und einen hübschen Sonnenuntergang gab es, mit Blick über das Hafenbecken. In dem übrigens schon wieder eine Fähre andockte.


Die letzten Sonnenstrahlen

Etappe 13 bei GPSies

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Samstag, 2. September: Le Palais – Sauzon – Bangor – Locmaria – Le Palais
  • Kilometer: 65,6
  • Sattelstunden: 3.37
  • Ausgaben für Getränke: 3,60 EUR
  • Unterkunft: Camping de l‘Océan


Der letzte Sonnentag, behaupten übereinstimmend meine Wetterapps. Wie bestellt für den Tag auf der Insel. Und mal was Neues: Ich musste das Zelt nicht abbauen. Frühstück im Hafen von Le Palais, dann startete ich meine Tour im Uhrzeigersinn um die Insel.


Frühstücksgast

Es gibt mehrere Radrouten auf der Belle-Île, ich hätte mir für viel Geld einen Radführer kaufen können – aber das war nicht nötig. Die Routen sind gut ausgeschildert, und an manchen Stellen verließ ich sie ohnehin, um mir ein wenig Berg- und Talfahrt zu ersparen. Auch auf den Hauptverkehrsstraßen war nicht wahnsinnig viel Verkehr. Sauzon war das erste Ziel, ein kleiner Hafen im Westen der Insel. Kurze Pause in der Sonne, ein paar Fotos, dann fuhr ich weiter ans westliche Ende.


Lustiger Hafen


Gegenlichtküste

Pointe des Poulains, so heißt das Westend der Insel. Ein Leuchtturm, Strand, zerklüftete Küste – wirklich malerisch. Die Sicht war nicht so gut, die Küste des Festlands war nicht so wirklich weit weg und dennoch im Dunst eher zu erahnen. Kein Problem, das, was man in der Nähe sah, war schön genug. Dann fuhr ich auf der Hauptstraße zurück, nächstes Ziel war der große Leuchtturm. Auf dem Weg begegnete ich noch Jean und Jeanne, den beiden Menhiren der Belle-Île, und passierte den Flugplatz sowie diverse Kühe. Landwirtschaft ist angesagt im Inselinnern.


Jean


Beruhigend. Auch auf der Insel gibt’s nicht nur Fisch.

Der Phare de Goulphar ist 50 Meter hoch, und man darf auf die Aussichtsplattform. Klar, ich kletterte die 200 Stufen hoch. Belohnt wurde ich mit einem Rundblick über die Insel und auf die bretonische Küste. Knapp 60 km weit soll das Leuchtfeuer reichen, eines der lichtstärksten Europas, meinte mein Reiseführer. 60 km weit blicken konnte man jedoch nicht, zu diesig war es. So angestrengt ich auch nach Westen blickte, das versprochene schlechte Wetter der nächsten Tage war noch nicht in Sicht. Das Museum im Erdgeschoss schenkte ich mir und fuhr an die Küste, zur nächsten Attraktion.


Achtung! Perspektive verzerrt! Der Leuchtturm passt nicht unter dem Tor durch.


Insellandschaft aus 50 m Höhe

Diese nächste Attraktion waren die Aiguilles de Port Coton, auf deutsch: die Felsnadeln von Port Coton. Côte Sauvage heißt der Küstenabschnitt hier – zu recht. Steile, zerklüftete Küste, natürlich die namengebenden Felsnadeln, das ist schon wild. Es war auch einiges los, obwohl der Besucherparkplatz nur sparsam belegt war. Es gab viele Wege und einige Warnschilder. Die Wege waren teilweise nahe am Abgrund, immerhin 50 Meter geht es da senkrecht nach unten. Was machen die bei Wind? Soll es ja ab und an mal geben hier. Vertrauen die tatsächlich auf die Vernunft der Menschen? Ich lief ein bisschen hin und her, mit Vorsicht und etwas mulmigem Gefühl. Ein paar Möwen taten das auch, aber die können ja einfach wegfliegen, wenn ihnen etwas nicht passt. Abstürzen können sie auch nicht. Man merkt den Exemplaren hier an, dass sie sich an Menschen gewöhnt haben. Sie scheinen sich nicht sonderlich gestört zu fühlen von den zweibeinigen Flugunfähigen.


Felsen, nadelnd


Möwe, aufdringlich

Dann fuhr ich weiter in den äußersten Westen der Insel. Schöne kleine Dörfer, blühende Wiesen, immer mit Meerblick – wenn auch nicht immer direkt an der Küste. Schön. Ganz im Osten liegt Locmaria, ein kleiner Ort oberhalb eines genauso kleinen Hafens. Farbenfroh dank Blumen und Häuserputz. Ich machte eine kleine Pause. Nach der ging es weiter zum Phare de Kerdonis, ganz am Ostende der Insel. Kurz vorher lag der Campingplatz Port Andro, den ich als Alternative im Auge hatte. Eine Wiese, getrennt vom Strand durch die Straße, die auch noch auf einem kleinen Damm verlief. Ich hatte es mir schöner vorgestellt und war im Nachhinein froh, mich für den Campingplatz in Le Palais entschieden zu haben.


Blumen, bunt

An der Nordküste fuhr ich zurück nach Le Palais. Die Nordküste ist nicht so rau wie die Südküste und die Straße ist öfter direkt am Meer. Das bedeutete für mich aber wieder eine Berg-und-Talfahrt, runter an die Bucht, wieder hoch auf eine Anhöhe und wieder runter an die Bucht. Abwechslungsreich, aber etwas anstrengender. Und ärgerlich die Einfahrt nach Le Palais. Die Straße durchquert die Befestigungsmauern in zwei kleinen Tunnels, für Radfahrer ist die Durchfahrt verboten. Autoritätsgläubig wie ich bin, befolgte ich das Verbot und kämpfte mich über „Radweg“ genannte Trampelpfade. Völlig unnötig.

Nochmal kurz zum Super U, Reiseproviant für die Zugfahrt morgen kaufen, duschen, anfangen mit dem Packen und dann ein letztes Mal an den Hafen, Abendessen. Nein, ein vorletztes Mal – morgen musste ich auch nochmal hin, dort fährt ja die Fähre los. Das Wetter war wunderschön, die Sonne ging unter, der Mond ging auf und ich genoss einen leckeren Hamburger in einem der Restaurants am Hafen. Es waren die letzten Sonnenstrahlen auf dieser Reise in der Bretagne. Denn nachts begann der versprochene Regen.


Le Palais unter dem Mond

Etappe 14 bei GPSies

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Sonntag, 3. September: Le Palais – Quiberon – Rennes (vorwiegend SNCF, ein bisschen Fähre und ein bisschen Rad
  • Kilometer: 5,0
  • Sattelstunden: 0.32
  • Ausgaben für Getränke: 2,10 EUR
  • Unterkunft: Hotel Ibis Rennes Gare Sud


Regen. Zelt abbauen, den Rest verpacken, zum Hafen fahren. Im Regen. Baguette kaufen, aufs Schiff fahren, nach Quiberon übersetzen. Im Regen. Dort fand ein Triathlon statt, im strömenden Regen und bei ordentlich Wind. Zum Glück musste ich nicht radfahren, ich musste nur Zeit totschlagen, der Zug fuhr erst in knapp zwei Stunden. In der Tourist-Office gab es WLan, und die waren dort so nett und öffneten einen Meetingraum für die Regenflüchtlinge. Irgendwann fuhr der Zug dann doch, erstmal bis Auray, dort stieg ich um in einen anderen Zug nach Rennes. Wieder Wartezeit. Wieder Regen. Gegenüber vom Bahnhof eine Boulangerie – aber wegen des Regens widerstand ich der Versuchung. Kalt war es auch. Die Reise näherte sich dem Ende, die Bretagne wollte mich loswerden.


Wetter

In Rennes angekommen musste ich nicht in den Regen, um zu meinem Hotel zu kommen. Das Ibis Rennes Gare Sud ist sozusagen direkt an den Bahnhof gebaut, wie der Name schon vermuten lässt. Ich bekam ein Zimmer schön weit oben, leider auf der falschen Seite. Fragte, ob auch eins mit Bahnhofblick frei war – und es war eins frei. Ein versöhnliches Ende eines verregneten Tags!


Do-it-yourself-Reparatursäule am Bahnhof Rennes

Der Regen hörte sogar noch auf, sodass ich noch einen kurzen Stadtrundgang machen konnte, ehe ich ein letztes Mal Galette, Crêpe und Cidre zu mir nahm. Dann ging ich ins Hotel, nochmal französisches Fernsehen sehen und aus dem Fenster gucken. Einen so schönen Hotelfensterblick hat man nicht alle Tage.


Top-Blick aus dem Hotelfenster


Epilog bei GPSies

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Montag, 4. September: Rennes – Paris – Strasbourg – Lauterbourg – Frankfurt (vorwiegend SNCF, in Paris ein bisschen Rad
  • Kilometer: 12,0
  • Sattelstunden: ?
  • Ausgaben für Getränke: ? EUR
  • Unterkunft: Daheim!


Der letzte Tag der Reise, Tag der Heimfahrt. Der TGV nach Paris fuhr um 12.52, das erlaubte mir einen letzten Spaziergang durch Rennes, noch ein paar Fotos machen, ein paar Mitbringsel kaufen und dann zum Bahnhof und im Gedränge warten, bis endlich das Gleis angezeigt wurde, von dem der Zug nach Paris-Montparnasse abfuhr.


Durchblicke


Bronzener Bürgermeister vor hölzernen Häusern


Kontraste

Das ist immer ein riesiges Gedränge, weil die Gleisnummer erst kurz vor Abfahrt des Zuges angezeigt wird. Warum auch immer. Da der Bahnhof von Rennes gerade umgebaut wurde, war das Gedränge noch riesiger. Irgendwann stand die Nummer da und alles drängte sich zu der einen Rolltreppe und der anderen Treppe. Ich erkannte Verbesserungspotenzial.


Auf welchem Gleis geht’s los?

Der TGV nach Strasbourg fuhr 20 Minuten früher, dort waren leider keine Radplätze mehr frei, als ich buchte. Die vierköpfige Familie, die ich gestern im Zug nach Rennes traf, hatte sie gebucht. Aber nicht schlimm, ich hatte mir eine längere Pause in Paris eingeplant, um dort eine kleine Stadtrundfahrt einzuschieben. Den anderen Radplatz in dem TGV hatte ein Engländer reserviert, der von Paris weiter nach Biarritz fahren wollte und von dort mit dem Rad heim in die Nähe von London. Auch eine schöne Tour.

In Paris angekommen schob ich das Rad erstmal ewig durch den Bahnhof. Als ich mich dann drauf setzte, konnte der Kontrast nicht größer sein. Vorgestern noch auf der kleinen Insel im Atlantik, kleine Städtchen, die eigentlich fast noch Dörfer sind, kaum Verkehr, obwohl noch Ferien waren. Und nun der Platz des 18. Juni 1940, die Kreuzung von Boulevard Montparnasse und Rue de Rennes, in wenigen Minuten sah ich so viele Autos wie vorgestern am ganzen Tag. Trotz allem: Mir macht’s Spaß, mich da mit dem Rad reinzustürzen. Ich fuhr zunächst zum Jardin du Luxembourg, meinem Lieblingspark in Paris. Kaum angekommen, wurde ich von der patrouillierenden Polizei nicht sonderlich höflich aus dem Sattel komplimentiert, Diskussion zwecklos. Ich schob eine Runde und fuhr dann weiter, Saint-Germain, Pont des Arts, Louvre, Pont Neuf, Île de la Cité, Notre Dame, dann wollte ich unbedingt die neu eröffneten Hallen sehen und erkannte sie kaum wieder, ehe ich etwas stärker in die Pedale treten musste, da ich an der Gare de l’Est mit StefanS aus dem Forum verabredet war. Wir setzten uns in ein Café fast am Canal Saint Martin, unterhielten uns und wurden überraschend häufig um Kleingeld gebeten.


Jardin du Luxembourg – Pariser Lieblingspark

Dann zurück zum Bahnhof, der TGV nach Strasbourg startete bald. Leider nicht ganz so bald wie der Fahrplan versprach, es gab eine ordentliche Verspätung, die meine Anschlussplanung ab Strasbourg ordentlich ins Wanken brachte. Eine letzte Fallbacklösung hatte ich, um ohne Übernachtung noch in Frankfurt anzukommen. Das klappte dann glücklicherweise, obwohl ich am Bahnhof Lauterbourg kurzzeitig dachte, wieder am Ende der Welt angekommen zu sein.


Hier steppt der Bär

Also, das war dann der Bretagne-Urlaub. Mal was anderes als Alpen oder Mittelmeer. Auf jeden Fall sehr schön, sicher auch, weil ich Glück mit dem Wetter hatte. Ein paar Schauer gab es, den ersten richtigen Regentag hatte ich auf der Rückfahrt nach Rennes. Mir gefiel die Nordküste der Bretagne besser, sie ist etwas wilder und rauer als die Südküste. Zum Glück war ich gegen Ende der französischen Sommerferien dort, an einigen touristischen Hotspots war dennoch sehr, sehr viel los. Zur Hauptsaison dürfte es wohl noch voller sein. Noch ein Fazit: Man muss keine Austern, Fisch oder ähnliches essen. Crêpes sind lecker, die salzigen Crêpes heißen Galettes und Cidre trinkt man aus Tassen.

Stadtrundfahrt Paris bei GPSies


Den gesamten Track der Reise gibt’s hier: Komplette Route bei GPSies

Und ein paar mehr Fotos hier: Noch mehr Fotos bei Google+
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#1326380 - 11.03.18 11:06 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 2 [Re: Holger]
Keine Ahnung
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 7773
Danke Holger für den schönen Bericht. Jetzt wird das Wetter ja so langsam besser und die Sehnsucht nach größeren Radtouren wächst - gefördert durch derartige Berichte zwinker .
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1326393 - 11.03.18 13:20 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 2 [Re: Holger]
Gerhard O
Mitglied
anwesend und zufrieden anwesend
Beiträge: 200
Ein schöner Bericht einer phantastischen Gegend mit tollen Bildern!

Zum Trost möchte ich dir sagen: Die Bretagne ist auch ohne Austern schön - aber mit Austern noch schöner! Dazu trinken wir jedoch keinen Cidre, sondern am liebsten bretonischen Mouscadet.

Gruß und Dank von Gerhard, der schon 5 mal in der Bretagne war, aber immer noch nicht alles gesehen hat.
___
lieber ein gemeiner Berg als ein hinterhältiger Wind
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#1326403 - 11.03.18 13:45 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 2 [Re: Holger]
Juergen
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 7453
Hi Holger,
Du machst richtig schöne Photos und schreibst so überzeugend, dass ich da auch mal hin möchte. schmunzel
Mit dem durchgehenden TGV ab Straßbourg oder einem Aufenthalt in Paris ist das eine Reise, die den äußersten Westen zügig erreichbar macht, und, die Zeit braucht.
Zeit für die bretonischen Inseln. :lecker: wein

Lieben Gruß
Jürgen
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Reisen +
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#1326408 - 11.03.18 14:18 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 2 [Re: Juergen]
Holger
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 14431
Vielen Dank,

In Antwort auf: Juergen
[…]
Mit dem durchgehenden TGV ab Straßbourg oder einem Aufenthalt in Paris ist das eine Reise, die den äußersten Westen zügig erreichbar macht, […]

Nur leider nicht mehr mit dem (nicht auseinandergebautem und verpacktem] Rad im Zug. Da hat die SNCF wohl mit dem Fahrplanwechsel viele Radmitnahme-TGVs gestrichen traurig

Viele Grüße,
Holger
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#1326442 - 11.03.18 19:20 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 2 [Re: Gerhard O]
Holger
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 14431
In Antwort auf: Gerhard O
[…] Die Bretagne ist auch ohne Austern schön - aber mit Austern noch schöner! […]

Ich habe mit Austern doch gar kein Problem - solange sie mir vom Leibe bleiben grins Zum Glück kann ich das weitgehend selbst beeinflussen...
.
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#1327470 - 17.03.18 20:30 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 2 [Re: Holger]
max saikels
Mitglied
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Beiträge: 631
In Antwort auf: Holger
Man muss keine Austern, Fisch oder ähnliches essen.

Jaja, ist ja gut, habs verstanden schmunzel
Schöner Bericht und schöne Bilder. Wie bist du denn nachts von Lauterbourg noch bis Frankfurt gekommen? Gibts da noch Verbindungen nach Karlsruhe?
Grüße, Stephan
Mosel-Hunsrück

Geändert von max saikels (17.03.18 20:32)
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#1327475 - 17.03.18 21:10 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 2 [Re: max saikels]
Holger
Mitglied
Themenersteller
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Beiträge: 14431
Ging nicht über KA. Und ich war sehr spät in Frankfurt, das war fie letzte Chance. Habe die genaue Riute aber nicht mehr im Kopf
.
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#1327631 - 18.03.18 23:20 Re: Cidre trinkt man aus Tassen – Bretagne, Teil 2 [Re: Holger]
19matthias75
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 2594
Vielen Dank für den schönen Bretagne-Bericht. Ich würde am liebsten sofort los. Mit dem Rad kenne ich bisher nur ein klein wenig vom Osten der Bretagne (im Rahmen meiner 2014er Reise). Vitre ist schon eine sehr schöne Stadt, bin damals dort zum Schluss gewesen und dann mit TER nach Rennes und einen Tag später per TGV nach Paris zurück. Von St. Malo bin ich damals über das Gezeitenkraftwerk nach Westen und auf der ehemaligen Bahn Dinard-Dinan südwärts um auch kurz in einer Schüleraustauschpartnerstadt vorbeizukommen.
Achja, Austern. Haben eigentlich keinen Eigengeschmack - entweder schmecken sie nach Meerwasser oder nach Zitrone, wenn man Zitrone dazu hat. Ich durfte meine erste Auster Anfang der 90er Jahre in der Berufsschule probieren.
Freundliche Grüße, Matthias
Kontakt bitte per E-Mail (Forumsmitteilung wird sehr verspätet gelesen)

Geändert von 19matthias75 (18.03.18 23:24)
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