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#1294518 - 23.07.17 17:21 Mit dem Fahrrad in Vietnam
wölfi
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Beiträge: 6
Dauer:1 Monat, 25 Tage
Zeitraum:11.2.2016 bis 6.4.2016
Entfernung:1500 Kilometer
Bereiste Länder:vnVietnam
Externe URL:http://www.dadsen.de



7 Wochen Vietnam per Fahrrad
7 tuần tại Việt Nam bằng xe đạp


























September 2015 – die Abenteuerlust nagt immer noch in meinen Gehirnwindungen und lässt mich nicht los. Aber so langsam ist doch alles abgeradelt was ich mir vorstelle und gewünscht habe und leisten kann ???!!!
Bisher spielt Erholung und Fahrrad fahren und Zeit haben für alles Interessante und für alle unerwarteten Begegnungen eine wichtige Rolle. Die Langsamkeit des Vorwärtskommens, aber dabei das Sehen der kleinen Blume am Straßenrand UND das nahe sein an Natur und Bevölkerung sind mir das Wichtigste. Der sportliche Effekt spielt dabei natürlich auch eine Rolle.

So langsam macht sich Thailand als Ziel in meinem Denken breit. Das Erleben von für mich unvorstellbare Kulturen spielt bisher immer eine herausragende Rolle, auch um mein Inneres wach zu halten, dass meine Umgebung, mein Tun und Lassen, meine Erfahrungen nicht der Nabel der Welt sind.

Die Erfahrungen beim Lesen der Thailandforen, das gezielte Nachfragen u. a. lassen meinen Enthusiasmus schwinden, chaotische Verkehrsbedingungen und Linksverkehr sind vor allem die Gründe dafür.
Dass ich mich Vietnam zuwende ist eigentlich nur dem von mir total ungeliebten Linksverkehr in Thailand geschuldet. Erinnerungen aus der DDR-Zeit, dass Vietnam ein Radfahrerland sei, das Zusammenwachsen zweier Gesellschaftssysteme u.a. spielen natürlich auch eine Rolle.

Kurz entschlossen wende ich mich dem Suchen einer geeigneten Flugverbindung zu und lande bald bei Qatar Airways, weil hier mein Fahrrad im 30 kg Freigepäck kostenlos mitgenommen wird. Ein zweimaliges Umsteigen in Doha und Bangkok beim Hinflug und der damit verbundenen Verlängerung der Flugzeit werden zugunsten des geringeren Flugpreises von mir in Kauf genommen.

Die Reisevorbereitungen bestehen jetzt im Lesen eines Reiseführers und dem Studieren einer Vietnam-Karte, wobei schon sicher ist, dass ich es nicht so handhabe wie die meisten Backpacker - Gesamtindochina in 2 Wochen. Vielmehr möchte ich nicht an einem sehenswerten Ort vorbei radeln, mich aber sonst durch Gespräche und durch Erleben der Tagessituation leiten lassen. Bei Fragen nach dem Wo-übernachten, bleibe ich ganz relaxed, Hostels und die Erfahrungen anderer Reisender vor Ort werden mir schon irgendwie weiter helfen.

Somit verbleibt mir nur das Warten bis zum Abflug. Geplant sind 11.2.16 – 6.4.2016.

Endlich naht das Abflugdatum 11.2.2016 16.25 Uhr, ein Transportkarton für das Fahrrad ist vorhanden, die Gepäcktaschen sind gepackt, diesmal ziemlich minimalistisch.

Das Flugzeug ist gut gefüllt und ich sitze zum ersten Mal in einer Maschine von Quatar Airways.
Den Sitzplatz und die Art der Verpflegung konnte ich schon vorher online auswählen, eigentlich ein Service, der bei Economy Kunden sonst nicht so üblich ist.
Diesmal habe ich einen Sitzplatz mit einem funktionierenden Fernseher in der Rücklehne des Vordersitzes und die Zeit bis Doha wird nicht langweilig.
Mein Gepäck wird automatisch umgeladen, sodass ich mich hierum nicht zu kümmern brauche. Das Essen im Flugzeug ist lecker und es ist wirklich das, was ich mir Monate vorher ausgesucht habe.
Die Maschine erreicht Doha um 23 Uhr (loc.), der Weiterflug nach Bangkok ist erst am nächsten Tag 8.35 Uhr. Davon lasse ich mir nicht Bange machen, der Flughafen ist so riesig groß, es gibt bestimmt genug zum Schauen.
Wir Transitpassagiere werden gesondert von Markierungen und Schildern geleitet.
“Na klar“, wieder Kontrolle. Eine 4reihige 30 m lange Warteschlange erwartet mich vor den 2 Kontrollpunkten, es geht aber ziemlich schnell, da sich urplötzlich die Zahl der besetzten Kontrollstellen vergrößert.
Ich bummele nun noch durch die langen Gänge und durch die fast alle noch geöffneten Geschäfte. Aber so langsam meldet sich mein Bauch, es ist schon 2.15 Uhr und ich lande in irgendeinem Restaurant und schlage mir den Bauch mit Hühnchen und Reis voll.

Ein freier Sessel in einer ruhigen Ecke zieht mich magisch an, ich stelle meinen Wecker um gegen 6 Uhr zu Frühstücken aufzuwachen.
Das hat alles geklappt, Abflug nach Bangkok 8.35 Uhr (loc.). Wie schon erwartet, mein Fernseher funktioniert diesmal nicht, also richte ich mich auf Lesen und Film(e) schauen auf meinen eReader ein. Der Service ist hervorragend, ständig bekomme ich etwas zu Trinken angeboten. Die Stewardessen sind alle aus den Philippinen und von einer für einen Europäer ungewohnten Freundlichkeit.
Distanz Doha nach Bangkok 5400 km, Ankunft in Bangkok 18 Uhr (loc.).

So langsam wird es aber Zeit daß dieser Flugabschnitt zu Ende geht, ich habe nun alles durch – essen, lesen, trinken, quatschen, laufen, schlafen….
Endlich ist es so weit, ich darf das Flugzeug verlassen und muss mich wieder im Warten üben. Natürlich vergleiche ich Doha Airport mit Bangkok Airport.
Bangkok A.: alt, schmutzig, laut ….

Diese Wartezeit geht auch vorüber und ich erklimme die Treppe zum A380 nach Hanoi.
Das Flugzeug ist gut gefüllt und es sind nur 3 Stunden Flugzeit.
Die Landung in Hanoi ist unproblematisch und ich atme auf. Ein vergleichbar kleiner Flughafen, ruhig, kaum Fluggäste …..
Beim Ausladen des Gepäcks habe die Angestellten auch nicht gerade schnell gearbeitet, erst nach 1 Stunde Wartezeit kam es aus der Luke.
Fahrrad und Gepäck sind in Ordnung, meine größte Sorge. Schnell ich das Rad zusammen gebaut und ich komme ohne Kontrolle aus dem Gebäude.
Eingedenk des Verkehrs in der Altstadt von Hanoi habe ich das Serviceangebot des Hostels in Anspruch genommen und Fahrrad und mich durch ein Taxi abholen lassen.
Und diese Entscheidung ist gut so. Der Taxifahrer wartet schon auf mich.
Ganz neugierig schaue ich aus dem Taxifenster. Der Flughafen liegt ca. 30 km von der Altstadt entfernt, der Straßenverkehr ist noch ganz normal, fast bedauere ich schon, dass ich mich zu einem Taxi überredet habe. Die Stadt kommt immer näher und wir sind bald eingekeilt in den Feierabendverkehr.

Je näher die Altstadt rückt um so verrückter erscheint mir der Straßenverkehr. Schlussendlich tauchen wir in die Altstadt ein. Hier scheint auf den ersten Blick nur eine Vorschrift zu existieren:“Wer zuerst kommt, fährt zuerst“. Aber nicht Bange machen lassen, ich werde das schon irgendwie schaffen.

Schließlich erreichen wir das Hostel und ich atme auf.

Little Hanoi Diamond – 11 Bat Dan Street, Hoan Kien District, www.littlehanoidiamond.com
email: booking@littlehanoidiamond.com

Staff: freundlich, höflich, englisch sprechend
Hostel: sauber, Dusche, Mehrbettzimmer, Dorm, incl. gutem Frühstück

Ich beziehe mein Bett im Dorm ganz oben unter dem Dach und mache mich mit den anderen 4 Bewohnern bekannt.
Mittlerweile ist es schon gegen 19Uhr und mein Magen verlangt nach Füllung.
Also raus auf die Straße „Bat Dan“ und erst einmal das Gewimmel auf mich wirken lassen.
Mopeds in Hülle und Fülle, dazwischen Autos in beiden Richtungen und zusätzlich mindestens genau so viele Fußgänger und das alle auf einer Straße von 4 m Breite. Der Fußweg ist nicht benutzbar, dort parken die Mopeds.
Gegenüber befindet sich ein Bankautomat, also gleich probieren wie es geht.

„Na dieses Geld wird mir noch Schwierigkeiten machen“, denke ich.
Der Kurs ist 1€ = 25.000 VD (vietnamesische Dong). Nur gut dass sie keine Münzen haben sonst bräuchte ich einen Rucksack dafür.
20 m nebenan ist eine Hausküche. An der Hausecke besteht ein Zugang zu einem kleinen Raum, der eine Feuerstelle mit Töpfen beinhaltet, also die Küche ist, Tische und Stühle stehen auf dem Fußweg.
Ich suche mir einen Plastikstuhl, der ungefähr einem Kinderstuhl entspricht und stelle ihn an einen ebenso kleinen Tisch. Kaum sitze ich, ist der Kellner da, eher der Sohn der Inhaberin, aber …..

Noch kann ich das Wort für Suppe nicht aussprechen, also versuche ich es gar nicht erst, sondern deute nur auf den Nebentisch wo 4 andere Touristen Löffel oder Stäbchen bemühen.

pho bò – Nudelsuppe mit Rindfleisch
pho gà – Nudelsuppe mit Hühnerfleisch

Das erste Wort wird nicht wie „Fooo“ ausgesprochen sondern irgendwie anders.
Aber das werde ich eventuell noch lernen, denn eine falsche Aussprache dieses Wortes könnte vielleicht auch ein Schimpfwort sein.
Dazu kommen eben noch Reisbandnudeln oder andere Nudeln, Fleisch und eine Handvoll frisches, geschnittenes Gemüse. Ich habe mir vorgenommen, soviel wie möglich mit Stäbchen zu essen aber am ersten Tag gelingt das nie.
Ganze 50.000 VD kostet das Gericht, also ca. 2 €.
Jetzt nur noch Wasser in Flaschen kaufen, damit das Zähneputzen gefahrlos stattfinden kann.
Der Schlaf in dieser ersten Nacht ist angenehm, keine Spur vom Jetlag o.ä. Ich wache rechtzeitig zum Frühstück auf und begebe mich gleich in den Raum im Untergeschoss.

Durch die Fenster des Treppenhauses sehe ich in die die Hinterhöfe der Altstadthäuser.
Das Frühstücksangebot ist vielfältig. Baguette, Wurst, Obst, ein warmes Gericht, Ei, Rührei mit Schinken, Kaffee, Tee, Wasser ……, eben auf Traveller aus der ganzen Welt schon eingerichtet.
Das Hostel ist gut belegt, langsam füllt sich der Speiseraum und es sind die ersten
Smalltalks zu hören.
Nach einer kurzen Mailverbindung mit der Heimat organisiere ich mir einen Plan der Altstadt und komme auf die verrückte Idee, mich mit dem Fahrrad gleich in den Straßenverkehr einzuklinken. Wozu denn eigentlich zögern ? Einmal muss es doch sein.
Ich habe mich entschlossen, hier in Hanoi 4 Tage zu bleiben um alles zu sehen, was notwendig ist, für detailliertere Dinge habe ich ja noch genügend Zeit. Also auf, die Altstadt zu erkunden.
Am besten, ich fange am „Hoan Kiem See“ an. Dieser See ist so etwas wie ein nationales Heiligtum. Gerade jetzt, also in den ersten 3 Monaten des Jahres, wird der See fast von jedem Hanoibesucher umrundet. Hochzeitspaare finden sich ein, ganze Großfamilien bummeln … .
Ich bin noch gar nicht richtig vom Fahrrad abgestiegen da zupft mich ein Mann am Ärmel und bittet mich um ein Foto mit seiner Tochter.
„Na das kann ja heiter werden“, denke ich, aber Ausländer gelten oft als Glück versprechende Gäste.
Die Selfiemania ist grade in. Viele haben solch ein Gerät. Das Handy ist auch hier in der Großstadt weit verbreitet, obwohl die Preise dafür ziemlich hoch sind.
Aber, und das habe ich immer wieder feststellen müssen, Vietnam wird in vielen Dingen von der Entwicklung der Technik u.a. überrollt.
Man stelle sich vor - erst zur Jahrtausendwende 1999/2000 begann die Installation der ersten Festnetztelefone, das Handy überrollte dies in rasanter Weise.
Am nördlichen Ufer des Sees führt eine schmale rote Brücke zu einem Tempel, dem Glückstempel. Der Andrang ist so groß, dass ich nur mit Mühe dorthin gelange.
Der Eintritt in diesen Bereich kostet 30000 Dong.
Geld wird verbrannt ? Räucherstäbchen überall … ?
Esswaren, Obst …. zu Buddhas Füßen ?

Der Buddhismus ist mir so fremd und das Gedränge ist so groß, dass ich bald flüchte.
Etwas weiter ab finde ich ein Café direkt am Wasser wo ich raste und die ersten Eindrücke verarbeite und mich neben einem rosarot blühenden Bäumchen, genannt „peach blossom flower“, niederlasse.
Die große Mehrheit der Vietnamesen bekennt sich zu keinem Glauben. Laut einer 2004 veröffentlichten Studie sind 81,5 % der Vietnamesen Atheisten.
Schätzungen gehen von ca. 20 Millionen Buddhisten und 6 Millionen Katholiken aus.
Weitere Konfessionen sind Cao Dai (2Millionen Anhänger), Hoa Hoa(1Million), Protestantismus (500.000) und Islam (50.000)
Die Alltagsreligiosität – bzw. vielmehr die Lebensweise – ist im Allgemeinen am ehesten durch den Buddhismus, den Taoismus, den Konfuzianismus, sowie Naturreligionen und insbesondere auch einem Ahnenkult geprägt, Geisterglaube ist vielfach weit verbreitet.
http://www.wikipedia.org/

Mal sehen, wie ich das erleben werde und auseinander halten kann.

So langsam radele ich zurück, immer durch die Altstadt mit ihrem Menschengewimmel und dem Durcheinander im Straßenverkehr.




Das Wetter ist zu schön, ich versuche mal die Straße zum Flughafen zu finden um diesen zu besuchen. Er ist doch im Vergleich zu allen, die ich bisher kenne, so klein, eben wie ein lokaler, aber keiner in einer Hauptstadt eines Landes.
Bald habe ich die große, neue Brücke „cầu Nhật Tân“ erreicht, sie hat eine Länge von ca. 4 km und eine Höhe von ungefähr 100 m und überspannt den roten Fluss mit ihren imposanten Tragpfeilern. Die rechte Spur ist von den anderen Spuren mit einer durchgezogenen Linie getrennt. Sicherlich für die Mopeds, aber 90 % der Mopedfahrer halten sich nicht daran. Bald wird es viel weniger städtisch, zwar immer wieder Häuser, aber auch Bauern auf ihren Feldern, Gärtnereien usw. sehe ich.
Langsam setzt die Dunkelheit ein und ich mache mich doch auf den Rückweg ohne den Flughafen erreicht zu haben aber diese breite Straße und das Gewimmel in der Altstadt will ich im Dunklen mit dem Fahrrad noch nicht erleben.
Der Straßenverkehr in der Altstadt ist wirklich chaotisch. An Straßenkreuzungen gilt: Wer zuerst kommt, fährt in der Gewissheit, dass die anderen Fahrer schon ausweichen.
Es ist wirklich so, alle hupen aber keiner schimpft, jeder achtet auf die anderen Fahrer, umkurvt sie elegant und irgendwie bleibt alles in Fluss.
Eine ganz anders schmeckende leckere Nudelsuppe beschließt den Tag, aber zuerst probiere ich noch das lokale „bia Ha noi“, das Bier namens Hanoi, es schmeckt etwa wie Pferdepi…
Obwohl ich nur etwa 500m vom Hostel entfernt bin, finde ich es nicht wieder. Das Menschengewimmel in den Straßen macht es unmöglich, außerdem sind oft keine Hausnummern vorhanden und die Straßenfront eines Objektes ist meist so schmal und unauffällig, dass es schon schwer fällt, sich richtig zu orientieren.
Aber wozu gibt es die Rikschafahrer ? Ich halte ihm die Adresse des Hostels unter die Nase und er zeigt mir einen Preis (100.000 VD), den ich natürlich schmunzelnd ablehne und weiter gehe. Es dauert keine 2 Minuten da zupft er mich an Shirt und gestikuliert wild. Ich biete ihm meinen Preis an (60.000 VD) und er weist, irgendetwas brummelnd, auf den Platz in der Rikscha. Siehe da, nach etwa 200 m ist das Hostel erreicht und ich steige glücklich und zufrieden aus. Für dem Preis, den er mir zuerst abknöpfen wollte, hätte ich ihn noch 2 km trampeln lassen können denn das, was ich ihm anbot, war bestimmt auch noch zu viel.
Der erste Tag ohne Unfall oder beinahe-Unfall geht somit dem Ende entgegen.

Langsam, auch auf Grund meines Planes der Altstadt, werde ich immer vertrauter mit der Umgebung und beschließe nach dem Frühstück den Literaturtempel (Sein Name ist Văn Miếu (voc.Van Mieu) )zu besuchen. Der Eintritt beträgt hier auch 30.000 VD. Im Gegensatz zu den Vietnamesen ist für uns Westler der Begriff „Tempel“ hier sehr irreführend. Der Literaturtempel ist in unserem Sinn kein Tempelkomplex und auch nicht religiös geprägt. Er hat aber große Bedeutung, war er doch die erste Universität von Vietnam oder die kaiserlichen Akademie bis ins 18.Jahrhundert, vorbehalten den Adligen und der Elite des Landes.
Einen Reiseatlas des Landes im großen Maßstab habe ich auch in einem der wenigen Buch-Zeitungsshops erstehen können (Preis 400.000 VD). Ganz zufällig habe ich auch das Ho-Chi-Minh-Mausoleum gesehen. Es ist ziemlich groß und pompös.
Sehr interessant ist es, zu sehen, wie irgendwelche Angestellte oder Arbeiter ihr Mittag-essen einnehmen:
– 4 Frauen und 2 Männer als Arbeiter einer Strassen- küche:





–- Frau1 belegt in Windeseile ein Grillgitter mit kleinen Fleischstücken
–- Mann1 schiebt mehrere davon in einen großen Grill
–- Mann1 entnimmt diese Gitter und gibt sie Mann2, der sie in eine Schüssel entleert
–- Frau2 portioniert sie in Schüsselchen
–- Frau3 gibt Nudeln, Sauce und Grünes dazu
–- Frau 4 teilt diese aus, stellt Salat auf den Tisch und kassiert
All das geschieht in Windeseile mindesten 2 Stunden lang.
Der Grill ist ein Monstrum das ich noch nie so gesehen habe.Rechts ein großer Ventilator damit das Grillgut immer schön heiß ist, links ein Ventilator der die Luft bzw. den Rauch absaugt.
Ich gehe zum Abendessen in eine kleine Gaststätte wo nur Einheimische verkehren und lerne somit kennen, wie anders das ganze Ambiente ist.
-- keine Stühle, sie sitzen im Schneidersitz um einen niedrigen Tisch, vorher werden die Schuhe ausgezogen. Das gilt für die Erwachsenen und auch für die Kinder.
-- In die Mitte kommt ein Wok mit Warmhalteplatte in dem Fleischstücke, Gemüse, Sauce lustig vor sich hin brutzeln. Dazu noch irgendwo der allgegenwärtige Reiskocher. Jeder Gast füllt sich nach Belieben etwas aus einem Gefäß in seine Schüssel.

Das Essen mit Stäbchen ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig, aber ich werde gleich korrigiert. Der Abstand zwischen eigener Schüssel und Mund beträgt eben keine 30 oder 40 cm sondern die eigene Schüssel wird unter das Kinn gehalten und ich kann somit mit den Stäbchen den Inhalt auf kurzem Wege quasi „heraus löffeln“.
Mit dem Wirt unterhalte ich mich noch versuchsweise über meine Tour, merke aber schnell dass er mir nicht viel dazu sagen kann.
Um irgendwelchen Geldnöten unterwegs vorzubeugen, besorge ich mir Geld in einer Vietnbank. Hier funktionieren die Geldautomaten nicht, also Auszahlung an der Kasse, aber nicht ohne einen nicht zu geringen Bürokratieaufwand. Geldautomaten und Banken gibt es aber in Hanoi genügend, obwohl viele nur bestimmte Karten akzeptieren.
In einer anderen Bank, die eigentlich die Mastercard akzeptiert, der Automat aber die Auszahlung verweigert, bringt mich ein Bankangestellter mit seinem eigenen Moped zum nächsten Automaten. Welch Service !

Auch gewöhne ich mich an den Fahrstil auf der Straße und versuche genau so wie die Einheimischen zu fahren.
Heute will ich die QN1 Richtung Süden benutzen um die Stadt zu verlassen. Diese Straße ist die einzige gen Süden und diente damals im Krieg gegen die Amerikaner als große Nachschublinie für den Vietcong. Ob sie schon damals so weit nördlich begann?
Es dauert lange, ehe ich den inneren Stadtbereich hinter mich lasse. 2-3 Fahrspuren in jede Richtung, voller PKW, LKW, dazu noch Dutzende von Mopeds, ein nicht abreißender Strom von Fahrzeugen. Mitten drin ich, der einzige Radler auf dem doch breiten Seitenstreifen.
Es ist nicht zu sehen wo die Stadt aufhört. Zwar wird die Straße unmerklich schmaler es ziehen sich aber bestimmt noch 10 km ohne Unterbrechung Haus an Haus, Wellblechbude an Wellblechbude hin. Es wird einfach alles verkauft oder hergestellt, vom Hosenknopf bis zum Moped, von Blumen bis zur Straßenküche.

Irgendwelche als Ortsschilder zu deutende Zeichen habe ich weder ge-noch über-sehen, im Gegenteil, die Schilder sind alle in Blau gehalten und zeigen nur eine anonyme Silhouette ohne jegliche Schriftzeichen.

Es gibt bei Halten, entweder zu Schauen oder zum Essen, Kaffee genießen, meinerseits für beide Seiten Heiterkeit auslösende Missverständnisse die sich aber immer zur Zufriedenheit aller auflösen lassen.

Mein Fotoapparat ist auch ständig in Action, gibt es doch immer wieder die Gelegenheit zum fotografieren.
Parallel zur Straße zieht sich die Bahnlinie Richtung Saigon, es sind aber nur ca. 5 Züge pro Tag, davon 3 Personenzüge. Der Strom von Fahrzeugen über die Bahnlinie mit zumeist handbedienten oder gänzlich ohne Schranken, reißt auch nicht ab.
Streckenläufern, die die Gleise auf Beschädigungen u.a. absuchen, begegne ich auch.

Einer Reparaturkolonne für die Gleise bin ich auch begegnet.
Ein Mann misst mit einer Waage die Neigung zwischen beiden Schienen. Gefällt ihm das nicht, wird mit Spitzhacke und Schaufel der Schotterunterbau unter dem Gleis entfernt, mit der Spitzhacke das Gleis solange hoch gehebelt bis die Waage „in Ordnung“ anzeigt und gleichzeitig wird mit der Schaufel der Schotter wieder eingebracht.
Irgendwie ganz einfach, aber was soll sonst werden wenn es keine Stopfmaschinen gibt.
Die Straße ist doch so langsam auf nur eine Fahrspur je Richtung geschrumpft, „mein“ Seitenstreifen ist aber noch vorhanden. Die größeren LKW hupen unaufdringlich, aber nur um anzuzeigen „passt´ auf, ich komme“.
Unterwegs erreichen die Preise „schwindelerregende Höhen“, ein Nescafé kostet
10.000 VD (=40 Cent), eine Nudelsuppe und 0,33 l Cola kosten 32.000 VD (=1.30€).
Das Eis in der Cola habe ich mühevoll abgelehnt, für die Besitzerin unverständlich wie ich ihrer Mimik entnehme.
Mittlerweile sind 60 km geradelt und ich erreiche ich die Stadt „Phu Ly“ (voc. Fu Li) und mache auf dem dortigen Markt eine ausgiebige Pause. Die Größe und das erstaunliche Angebot an Obst, Gemüse, Fisch etc. erstaunen mich und ich unternehme einen ausgiebigen Rundgang, zumal es für mich der erste große lokale Markt in Vietnam ist.
Die Zeit ist doch ziemlich fortgeschritten, denn eigentlich wollte ich heute „Ninh Binh“ erreichen, beschließe aber, nach Möglichkeit hier in diesem Ort zu bleiben. Also mache ich mich auf die Suche nach einem Hotel. Das größte am Ort sagt mir wegen des Preises nicht zu, es gilt als ein Luxushotel und ich radele durch das Zentrum nach weiteren Offerten.
Suchend blicke ich mich um und schon hält neben mir ein Moped – eine Frau mit ihrem ca. 3-jährigen Sohn und fragt mich in Englisch: „can i help you?, i am the Englishteacher in a school”. Da fällt mir doch ein Stein vom Herzen und ich sage ihr mein Anliegen. Sie deutet nur auf das Luxushotel und sagt, dass sie weitere nicht kenne. Aber zusätzlich sagt sie mir „wir treffen uns… gegen 18 Uhr da komme ich mit meiner Freundin, sie kann vielleicht helfen“...
Gesagt, getan. Sie und ihre Freundin sind gekommen, wir gehen erst einmal essen, sie empfehlen mir Frühlingsrollen. Sehr lecker, nicht zu vergleichen mit den Angeboten hier in Berlin.
Die Freundin heißt Binh und sie fährt mit ihrem Moped und ich mit dem Fahrrad zu einem Hotel, 2 km entfernt. 150.000 VD pro Nacht, das ist doch gut machbar zumal es eine Dusche im Zimmer gibt. Wir verabreden uns noch zum Frühstück am nächsten Morgen. Das Fahrrad steht für die Nacht im Eingangsraum und es wird, mit anderen Mopeds zusammen, mittels einer dicken Kette am Tresen gesichert.
Pünktlich ist Binh am nächsten Morgen hier und wir gehen nur auf die andere Straßenseite in eine Straßenküche, nachdem sie mir versichert hat dass die Qualität der Suppen hervorragend sei. Nun haben wir erst einmal Zeit, uns so richtig bekannt zu machen. Bingh spricht gut Englisch, sie arbeitet in einem französischen Büro für Strukturentwicklung und Schaffung von höheren Bildungseinrichtungen für die benachteiligte ländliche Bevölkerung in DaNang. Phu Ly ist ihre Heimatstadt und sie besucht gerade ihre Mutter.
Wir verspeisen heute Fleischspieße gegrillt mit Sauce und Reisnudeln mit gerösteten Zwiebeln. Dazu Salat: Minze, Schnittlauch, Zwiebeln und geraspelte Bananenstaude.
Zum Nachmittag läd sie mich in das Haus ihrer Schwester ein, dort lebt auch ihre Mutter. Tee, Nüsse, das sind die traditionellen Dinge, die beim Besuch die Gäste angeboten bekommen. Die Mutter lebt noch sehr traditionell, wechselseitig stellten wir dem Gegenüber Fragen und Binh übersetzt.
Zusammen besuchen wir noch einen Klamottenmarkt und da Binh dabei ist, bekomme ich eine Hose für 150.000 VD.
Um die Stadt herum befinden sich immer wieder Reisfelder, sie werden gerade beackert oder es werden die Stecklinge eingebracht. Aber auch hier geht nichts mehr ohne Pflanzenschutzmittel. Ein Bauer hat eine tragbaren Behälter auf dem Rücken und eine lange Lanze in der Hand, geht übers Feld und spritzt.
Langsam bin ich es leid, immer wieder aufschreiben zu müssen, was mein Heimatland ist, denn niemand versteht, wenn ich „Đức“ ausspreche. Ich male mir also die 3 Buchstaben auf den Handrücken und kann damit sofort diese Frage beantworten.
So langsam füllt sich mein privates Wörterbuch.
(den verwendeten Wortschatz findet ihr am Ende des Berichtes)

Am nächsten Morgen mache ich mich zur Weiterfahrt fertig, gehe aber erst einmal zum Frühstücken. Fleisch, in Bananenblätter eingewickelt, dazu Reis und Salat. Lecker !!!!
Das alles für 20.000 VD. Nachdem ich mir gemütlich ein Pfeifchen angebrannt habe, kommt ein Mann auf mich zu, spricht mich in holprigen Deutsch an und ist glücklich dass ich ihn verstanden habe. Er arbeitete vor ca. 40 Jahren in Freital bei Dresden und ist stolz, noch einige Worte meiner Sprache zu kennen, vor allem das Wort „F6“, eine ehemalige Zigarettenmarke, kommt noch ganz deutlich aus seinem Mund. Die vietnam. Raucher sind wirklich zu bedauern, müssen sie doch annähernd Straßendreck rauchen.
Erschnüffeln sie den Vanilleduft meines Pfeifchens bin ich sofort von 4-6 Männern umringt, die sich letztlich eine Prise meines Tabaks erbitten. Gespräche aus diesen Begegnungen sind unvermeidlich und werden von mir gern genutzt um etwas Neues zu erfahren oder um zu versuchen, eine Frage zu stellen.
Diesmal erfrage ich den Weg nach „Ninh Binh“. “Immer gerade aus” ist die Antwort und der Arm zeigt auch in diese Richtung.
Nach 100 m kommt gleich eine große Kreuzung, eingedenk des Hinweises „immer gerade aus“, tue ich dies und bald ist die Stadtgrenze von Phu Ly erreicht und die Straße wird fast sofort ziemlich schmal. Für beide Fahrtrichtungen zusammen gerade mal ca. 6 m.
Es sind viele große LKW unterwegs, meist mit Sand und Schotter beladen.
Kleine, schmutzige Dörfer muss ich durchfahren, die Natur ist grau in grau, Viel Staub ist in der Luft.
Der Grund? Schlussendlich lande ich am Werktor eines Steinbruches mit angeschlossener
Steinmühle.
Also die Strecke wieder zurück bis zum Ortseingang Phu Ly (s.o.) und an der großen Kreuzung rechts abbiegen.
Das ist mir doch eine große Lehre, traue keiner Wegbeschreibung eines Vietnamesen. Ich hätte ja gesagt: 100 m gerade aus und dann an der Kreuzung nach links.
Kurz vor 13 Uhr bin ich schon in in „Ninh Khanh“, einem Vorort von Ninh Binh und finde in einer Seitenstraße ein ruhiges, kleines Hostel für 250.000 VD welches ich gleich entere ehe ich sonst im Zentrum von Ninh Binh herumirre.
Ich verwöhne mich mit einer Dusche und etwas relaxen, mache mich dann aber auf den Weg, die Umgebung zu erkunden. Gar nicht weit ab sehe ich rechts ein großes Tor über die breite Straße, fahre durch dieses und gelange bald zu einem See/Fluss auf dem viele Boote zu sehen sind.
Aber es kündigt sich schon die Dämmerung an und ich radele ins Hotel zurück und nehme mir vor, dies morgen zu entdecken.
Aber nicht ohne mich noch mit gebratenen Fleischscheiben, mit Gemüse, Zwiebeln, Knoblauch, 2 gebratenen Eiern und Reis zu verwöhnen.
Ausgeschlafen und voller Tatendrang mache ich mich am nächsten Morgen auf den Weg
die „Bai Dinh“ Pagode (Chùa Bái Đính) zu besuchen, auch weil die Stadt Ninh Binh selbst nichts zu bieten hat, alles Besuchenswerte befindet sich in der Umgebung.
Ich muss wieder durch das große Tor, dessen zentrale Botschaft besagt: „Das Natur-und Kulturerbe der Welt:Trang An“, in den Bereich des „Trang An“ Resorts (Bootstouren, Grotten uvm.). Der Fluss „Sao Khe“ fließt zwischen den Bergen und ist der einzige Weg, mit dem man den Landschaftskomplex Trang An besuchen kann, deshalb auch die vielen Boote auf dem Fluss.
Die Bootstour habe ich mir erspart, bis zur Pagode sind es knapp 20 km. Nahezu nahtlos gelange ich auf einer guten Straße aus dem Flachland in eine gebirgige Region bestehend aus vielen hohen Hügeln und Bergen, die Straße windet sich aber immer zwischen ihnen durch.
Schon die Begegnungen am Straßenrand faszinieren mich. Links und rechts im doch undurchdringlich erscheinenden Urwald-und Gestrüppdickicht tauchen Ziegenherden auf, rechterhand sind Häuser zu sehen, die sich zwischen einen See und dem Fuß eines Berges drängeln, am Straßenrand wird Ziegenfleisch zum Kauf angeboten, ein Fotograf müht sich, ein Brautpaar mit viel Gerede passend für ein Foto in Szene zu setzen uvm.
Das Gelände ist in seiner Gesamtanlage von ca. 400ha ein religiöser Komplex, es enthält sowohl die alte und eine, auf einer Fläche von 80ha, neu gebauten Pagode, die einige Rekorde bricht:
- größte Tempelanlage in Vietnam
- 3Tore-Eingang
- 36t Glocke, unter der Glocke eine 70t schwere Trommel
- 500 Arhat Statuen aus einer besonderen Steinart
- hunderte von Buddah Figuren
Entlang des rechteckigen Flures von 1700 m !!! Länge sind die 500 Arhat Statuen aufgereiht während die Buddastatuen meist in Nischen stehen.
Der Weg wird nach 500m Metern doch ziemlich anstrengend und uninteressant, aber nirgends finde ich eine wirkliche Abkürzung, werde also die gesamten 1700m ablaufen.
Vom und wieder zum Eingangstor werden die Besucher mit Elektrokleinbussen gefahren, außerhalb des Tempelbereiches zeigt sich das überall Gegenwärtige: Andenkenhändler, Straßenküchen, Naschereien werden gebacken, Zuckerrohr wird gepresst…, es gibt mehrere Parkplätze, vor allem für die vielen Mopeds mit denen die Besucher kommen.
Der Rückweg führt mich durch die Stadt Ninh Binh wieder zur QL1A und weiter in die Stadt „Tam Điệp“. Ein kleiner Ort, der mich animiert, eine Ruhepause einzulegen ihn zu durchstreifen, den Markt zu besuchen und und und.
Gerade auf dem Markt in einer Küche beim Kaffee errege ich als Ausländer großes Aufsehen, wahrscheinlich hat hier noch selten jemals Station gemacht. Hostels sind auf den ersten Blick nicht zu sehen, ich versuche mich mit Zeichensprache zu erkundigen, ernte aber nur unverständliche Blicke denn englisch kann niemand sprechen.
Da hält urplötzlich einejunge Frau auf einem Moped in dem doch schmalen Durchgang an, ihr kleiner Sohn sitzt auf dem Sozius, das Baby hat sie in einem Tragetuch vor der Brust.
Sie hat wahrscheinlich gesehen, wie ich mich abmühte und sich meiner erbarmt denn sie spricht etwas englisch und zeigt mir, mit dem Moped voraus fahrend, das Hotel „Green Hotel“, wo ich gleich mit dem sympathischen Hausmeister / Rezeptionist / Mädchen für alles … Freundschaft schließe.
Die Frau sagt noch zu mir: „jetzt habe ich etwas für dich getan, morgen kannst du etwas für mich/uns tun, nämlich mich in meinem Haus besuchen und mit mir englisch sprechen. “
Der Preis im Hotel liegt in meinem Limit, das Zimmer ist sauber und mit Dusche.
Der Hausmeister hat schon in der Sitzecke Tee gekocht, wir versuchen uns zu verständigen, am besten geht es mit Pfeife, Tabak und Reisschnaps, Hand und Schreibblock, Stift.
So langsam wird es Zeit schlafen gehen, wir trinken noch einen Reisschnaps auf das Wiedersehen morgen Abend.
Nach dem Frühstück auf dem Markt schaue ich mich orientierend um, hält doch wieder ein Moped an: „you can speak english ? Can i help you ? I am the englishteacher in a school“. Die Englischlehrer sind froh, mit jemandem zu sprechen, der mehr versteht als nur „what´s your name ?“ Die Kinder haben bereits ab der zweiten Klasse Englischunterricht und ihr Lernergebnis entspricht diesem.
Aber ich will ja die QL1A entlang bis „Thanh Hoa“, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Für heute ist es leicht, es sind nur 50km. Die Straße QL1A lässt sich gut befahren, manchmal halte ich über 15min. eine Durchschnittsgeschwindigkeit
von 26km/h, natürlich darf der andere Straßenverkehr nicht zu dicht sein.
Jetzt zeigen sich öfters große Lücken links und rechts der Straße, es sind dann dort meist alles Reisfelder. Ich überquere schon den Fluß „Song Mã“, sehe rechterhand einen großen Pagodenbereich der nur mittels einer imposanten Treppe zu erreichen ist.
Noch eine große Kreuzung und schon habe ich den äußeren Stadtbereich erreicht. Das erste Mal sehe ich am Straßenrand ein Werbeschild: „Hotel Dai Phat“. Ich orientiere mich gleich dorthin, liegt es doch gerade „um die Ecke“.
Ich werde freudig vom Hotelchef, der Hotelchefin und 5 gackernden Mädchen als Empfangsangestellte begrüßt. Gehören sie doch doch alle zur Verwandtschaft des Hotelbesitzers wie ich später erfahre.
Der Preis ist ok, 10$ kostet das Zimmer für 1 Person. Ich rüste nur das Fahrrad ab und mache mich gleich auf den Weg, die Stadt etwas zu erkunden. Sie ist ziemlich groß, wie ich in den 2 Stunden, die mir zum groben Überblick bis zur Dämmerung bleiben, feststelle. Ich finde in dem Überangebot eine Hausküche, die mir zusagt und und verwöhne mich diesmal wieder nur mit einem Bier „Ha Noi“. Werde also nachfolgend möglichst wegen des Geschmackes immer Bier „Saigon“ trinken.
Lustiges Quatschen, Reisschnaps trinken, reden mit Block und Stift im Hotel mit dem Chef und seinen Angestellten runden den Tag ab und bald suche ich mein Bett auf.

Unabhängig von der Außentemperatur sind fast alle Hotels innen kühl und etwas unangenehm feucht. Jetzt weiß ich, woran das liegt. Mindestens alle paar Stunden werden die Treppen und Gänge feucht gewischt, aber es gibt ja keine Heizung so dass die Luft nie erwärmt wird und trocknet.
Am nächsten Morgen suche ich mir eine Straßenküche, die mir zusagt. Nicht weit ab vom Hotel, trotzdem eine nette und freundliche Chefin. Nur die fast überall vorhandenen kleinen Plastikstühle gefallen mir nicht, sie gehören aber dazu. Gesucht-gefunden. Als radfahrender Ausländer werde ich doch bestaunt, in den nachfolgenden Tagen gehöre ich aber dort schon fast zur Familie.


Die Pagode „Thiền Viện Trúc Lâm Hàm Rồng “ (Ham Rong Truc Lam Kloster)
Dort sprechen mich 2 Studentinnen an, die doch gut englisch sprechen. Sie besuchen selbst diese und noch eine andere Pagode, und bieten mir an, mit zu kommen. Diese erste hat einen imposanten Aufgang unter derem Torbogen sich gleich Händler für all das, was dem Heiligen genehm ist, eingerichtet haben.
Es dauert gar nicht lange und ich werde wirklich wie ein Familienmitglied von der Hostelcrew behandelt, vor allem nachdem sie sich überzeugt haben, dass ich zuverlässig bin. Schon nach nur 2 Tagen brauche ich mir keine Sorgen um das Abendessen zu machen, ich werde immer schon morgens darauf aufmerksam gemacht, gegen 18 Uhr anwesend zu sein. Somit habe ich richtig traditionell zubereitetes vietnamesisches Essen. Immer Reis aus einem großen elektrischen Reiskocher, dazu Shrimps oder Garnelen oder verschiedene Fleischsorten. Dazu gab es frisch zubereitetes grünes Gemüse, das in heiße Fleischbrühe getaucht und dann gegessen wird.
Auf einen Tipp eines Angestellten im Hotel habe ich den Badeort „Sam Son“ besucht.
Es sind nur knappe 20 km aber das hat sich gelohnt. Auf einer guten Straße, vorbei an kleinen Dörfchen und Städtchen wo ich überall bestaunt werde, erreiche ich bald diesen Ort am südchinesischen Meer. Es ist warm, erst einmal genieße ich das Wasser, einige Vietnamesen stehen am Strand in dickem Anorak und Pudelmütze und wundern sich wie man bei dieser Kälte das tun kann, das Wasser hat bestimmt 20 Grad.
Mondän aussehende Hotels am Boulevard, Bautätigkeit überall, im Hinterland viele preisgünstige Hotels. Der ganze Ort sauber, aufgeräumt, die Gastronomie von Café, Hausküche bis zu noblen Restaurants.
In Thanh Hoa habe ich mich 3 Tage aufgehalten um mit dem Fahrrad die Stadt zu entdecken. Insgesamt sind es ca. 50km durch die Stadt.

Aber weiter geht die Reise Richtung „Vinh“. Ich will mich heute etwas sputen, der Wegweiser zeigt 130km bis dorthin an.
Ein langes Abschiednehmen bricht an und ich schaffe es nicht, mein Fahrrad aufzusatteln. Der Hotelchef lässt es sich nicht nehmen, selbst mit den Spanngummis alle fest zu zurren. Ich lasse ihn gewähren, weiß ich doch dass Protest nichts bringt und ich nach 100m selbst noch einmal alles richtig fest zurre.
Thanh Hoa entlässt mich mit Smog in der Luft, ein Mundschutz muss heute verwendet werden. Erst nach ca.1 Stunde angestrengtem Strampeln habe ich den Dunstkreis der Stadt verlassen, es tauchen erneut Reisfelder links und rechts auf, die freien Bereiche sind aber nie länger als 500m. Es beginnt der schon bekannte Trott. Handwerker mit ihren Werkstätten am Straßenrand, Brot wird gebacken und getrocknet, Motorradfahrer warten auf Fahrgäste, auf Friedhöfen wird gewerkelt, Müll liegt im großen Haufen am Straßenrand, Frauen liefern ihr vollen Mülltonnen ab, Tabakpfeifen stehen aufgereiht, lebende Vögel aller Art und Größe warten auf Käufer…. Ich bemerke einen ziemlich großen,christlichen Friedhof mit vietnamesischen Traditionen. Unterwegs sind mir auch schon Dörfer aufgefallen, in denen christliche Kirchen stehen.


In der Stadt „Vingh“ angekommen, suche ich mir gleich eine Unterkunft am Stadtrand. So langsam macht sich in mir die Sehnsucht nach Ruhe, Abgeschiedenheit, weg von Lärm und Getöse… breit. Also benutze ich am nächsten Tag kurz entschlossen die Straßen
QL46 und QL15 um über die Orte „Thanh Chuong“, „Do Long“ und „Tan Ky“ mit einer Übernachtung bis nach „Thai Hoa“ zu radeln.




Mittlerweile sind es 52 km und ich bin gerade in der Stadt „Thin Gia“ und mich „lacht“ ein großer Markt an. Also stoppen, bummeln und einen Kaffee trinken.



Obst und Gemüse in Hülle und Fülle, Fisch, zubereitete Schafsköpfe als Delikatesse, meist Schweinefleisch, grob geteilt, Magen, Darm, Fett, alles fein getrennt…….




Nach 5min. war es in Markt rum – ein Fremder besucht den Markt – ich werde bestaunt und alle rufen, wenn ich bei ihnen vorbei komme, „hello“, das einzige Wort was sie in englisch können. Alle sind aber nett und freundlich und jeder bietet mir seine Ware an. So sind eben Marktweiber.
Tai Hoa ist erreicht und ich bin etwas geschafft wegen der trockenen Wärme im Landesinneren.
Gleich am Ortseingang ist die Open Air Werkstatt eines Holzkünstlers, das anzuschauen lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Fast alles beginnt mit einem dicken Stamm und einer Kettensäge ehe die Feinheiten mit kleineren Instrumenten herausgearbeitet werden.
Ich frage nach einem Hotel, er bietet mir sofort sein Zelt an, was sich in der Ecke des Geländes befindet. Ich wollte dieses Angebot schon annehmen nur das Fehlen von Dusche und Toilette halten mich davon ab. Es schließt sich eine Einladung zum Tee an und wir versuchen uns bekannt zu machen.
Seine Schwester kommt hierher, sie lebt schon lange in Deutschland, ist hier gerade auf Besuch. Ich unterhalte mich viel mit ihr, kann sie mir doch einiges berichten was ich sonst wegen der fehlenden Sprachkenntnisse nicht wissen würde. Auch erfahre ich von ihr die Adresse eines Hotels, sodass ich heute nicht suchen muss.
Ich werde in dem Hotel sehr freundlich aufgenommen, bin ich doch vermutlich auch der einzige Gast.
Meinem bescheidenen Wissen nach bietet diese Stadt nichts besonderes aber es lohnt sich, u.a. die Außenbezirke zu besuchen. Da finde ich wieder Handwerker an Handwerker vom Mopedfriemler bis zum Dreher mit einer Drehbank, vom Mopedwäscher bis zum Friseur, von der Näherin bis zur Obstverkäuferin. Eine kleine Bankfiliale suche ich auf, vor den Augen der Kunden werden die vietnamesischen Dong bündelweise gezählt…..
Es soll hier auch eine Bahnlinie geben die in Richtung Küste fährt. Sie ist schon viele Jahre eingestellt wie ich erfahre, der Atlas von 2013 zeigt sie aber immer noch. Morgen fahre ich die Straße nach „Cau Giat“ (voc. Kau Sat) entlang um wieder zu meiner „geliebten“ QL1 zu kommen denn bei einem Kaffee habe ich mein weiteres Vorhaben etwas geplant.
Kaum fahre ich einige Kilometer als mich 2 Müllsammler anhalten und mich bitten, sie zu fotografieren! Es dauert etwas ehe ich das begreife, aber ihr Tun lässt keine Zweifel, sie schnallen den vollen Anhänger ab und stellen sich in Position. Das lasse ich mir auch nicht entgehen, zeigt es doch einen klitzekleinen aber wichtigen Teil der Wirklich-keit.
Undurchdringlicher Wald links und rechts, die Straße wird zeitweise gerade saniert bzw. überhaupt mit einer Deckschicht versehen. Fahre ich doch an einer Straßenbaukolonne vorbei, bestehend aus ca. 10 Frauen die Steine schippen, Teer kochen u.a. und einem Mann als Vorarbeiter. Winken, Lachen und irgendwelche Kommentare hallen mir entgegen. Die Straße wird sehr belebt, sie ist schmal wegen einer Baustelle, ich kann nicht absteigen um zu fotografieren. Irgendwann lande ich an einer Kreuzung mit der QL1, ich weiß aber nicht genau wo das ist denn wo eine Stadt aufhört und eine neue beginnt ist nicht klar, links und rechts sind immer irgendwelche Hausansammlungen.
Ich finde ein Hotel welches sicherlich wegen seiner Lage und Größe eine bessere Preiskategorie hat aber jetzt ein Sonderangebot führt. Es gibt einen Aufzug in alle Etagen, ich habe fast eine kleine Suite mit einer separaten Duschkabine und einem Fön.
Der Hotelboy, der eigentlich die Koffer bis zum Zimmer bringen soll, hat mich auf englisch gefragt woher ich komme und fängt dann an, über Bayern München zu schwärmen und vergisst, das zu tun, wozu er eigentlich da ist. Als Tipp bekomme ich noch von ihm den Rat, nicht das hoteleigene Restaurant aufzusuchen, dort soll es überhaupt nicht schmecken.
Ich genieße erst einmal eine Dusche und mache mich auf, etwas zum essen zu suchen.
Danach noch ein Bier mit dem Hotelboy, der aber bald wegen seines Feierabends verschwindet. Das Schlafen ist heute besonders angenehm, bin ich doch in einer Hotel-kategorie, die mir eigentlich nicht so zusteht.
Das Weiterfahren am nächsten Morgen nach dem Frühstück fällt mir nicht schwer, sind meine Beine schon diesen Ablauf gewohnt.









Da ich doch jetzt auf der anderen Seite die QL1 fahre, werde ich wohl nicht mehr so viele Bilder fotografieren denke ich noch. Aber immer wieder ergeben sich neue Ein-drücke, andere Ansichten sodass das ein Trugschluss meinerseits ist. Angenehmer Begegnungen in einem Café, ungewohnt herrlicher Kuchen in einem Bäckerladen.

Immer neue Eindrücke was man und wie man alles mit einem Moped oder Fahrrad transportieren kann uvm.
Die QL1 ist mautpflichtig und an jeder Provinzgrenze gibt es so eine Mautstelle.
Der Preis: ca. 160.000 VD für einen LKW, Fahrräder und Mopeds sind frei.
Jetzt geschieht etwas, was ich wohl nicht mehr vergessen werde. Ich stehe 50m vor einem Haus an das ein buntes Zelt angebaut ist. Sicherlich wird hier bald eine Hochzeit gefeiert, jetzt ist noch viel Geschäftigkeit zu bemerken. Ich habe kaum den Fotoapparat eingesteckt als ein Mann aus dem Haus kommt und mich unmissverständlich herein winkt. Ich bin wirklich nicht schüchtern aber hier zögere ich doch etwas. Er kommt aber weiter zu mir und zupft mich am Ärmel Richtung Haus. Es nützt nichts, ich stelle mich dem und gehe mit. Ein großes Hallo, ich werde den Anwesenden irgendwie vorgestellt. Es scheint so etwas wie ein Polterabend zu werden, jedenfalls begreife ich, dass in einer Stunde es losgehen soll. Der Hausherr führt mich durch den Garten, an 3 Stellen werden Enten geschlachtet, ausgenommen, gerupft, und in kleine Stücke geschnitten, Grünes wird sortiert und gewaschen, Frauen und Männer haben dabei zu tun….
Wirklich, gegen 18 Uhr werde ich zu Tisch gebeten, es sind vielleicht 20 Männer anwe-send, bestimmt alles Familienangehörige, keine Frauen, sie bringen nur die Speisen und verschwinden dann. Der Hausherr legt mir immer wieder etwas aus irgendeiner großen Schüssel in meine kleine. Als dann eine Entenpfote dort liegt, schaudert es mich ein wenig aber ich traue mich nicht, etwas dagegen zu tun denn vielleicht verletze ich ihn ungewollt damit. Schließlich gelingt es mir, mein „ich bin satt“ anzubringen, gleichzeitig versuche ich, ihnen verständlich zu machen dass ich noch im Hellen 20km bis zum Hotel radeln will.
Dabei sind auch Großvater und Großmutter der Familie die von allen Beteiligten hier zuvorkommend und mit großer Ehre behandelt werden.
Umso mehr freut es mich, dass er sich gleich zu mir setzt und versucht, mit mir zu kommunizieren. Das endet mit allgemeiner Heiterkeit und dem Rauchen einer Freund-schaftspfeife zwischen mir und ihm.
Es dauert gar nicht lange und es stehen einige 1,5 l große Plastikflaschen auf dem Tisch. Sie müssen auf Grund ihres Aussehens schon viel erlebt haben. Meine Ahnung, Reisschnaps, stimmt, denn die kleinen Gläschen dazu kommen bald. Die Alkoholzere-monie kann beginnen. Der Erste schenkt ein, Prost, alle trinken aus, stehen auf und geben ihrem Nachbarn die Hand. Der in der Sitzordnung nächste gießt ein, Prost, alle trinken aus, stehen auf und geben ihrem Nachbarn die Hand. Und so geht es fort.
Wie komme ich da raus ? Nach dem vierten Glas entsteht eine kleine Pause und ich kann mich mit Hilfe des Hausherrn aus der Runde ausklinken.
Etwas fröhlich nutze ich die QL1, der Verkehr hat abgenommen, der Randstreifen ist breit und ich vertraue darauf dass kein Schlagloch kommt, bisher habe ich ja auch noch keinem ausweichen müssen.
Es sind so ca. 15 km bis die Stadt „Tanh Hoa“ erreicht und die Straße wesentlich besser erleuchtet ist. Nach weiteren 5 km weiter ist das Hotel „Dai Phat“, was ich ja schon kenne, wo ich wie ein Familienmitglied begrüßt werde. Das ist aber jetzt nur eine Zwischenstation, morgen will ich versuchen, die Parfümpagode (chùa huong) zu errei-chen. Es ist eine der wichtigsten religiösen Stätten der Buddhisten und hat jährlich Tausende von Besucher.
Ich radele über „Phu Ly“, die Straßen QL21, TL74 und TL 978 dann an einem Bergmassiv entlang, sehe einen von vielen Friedhöfen der gefallenen Soldaten des letzten Vietnamkrieges. Sie sind alles ehr gepflegt . Wieder prächtige „Privatgräber“ in den Reisfeldern vor den beein-druckenden Bergmassiven… die Fahrt wird nicht langweilig.

Bald zeigt sich das kleine Städtchen, voller Fahrzeuge wegen des Feierabendverkehres, aber auch wegen der vielen Touristen die per Bus, PKW oder Moped nach Hause fahren denn heute ist der letzte Tag für die Buddisten, wegen des Parfümpagodenfestes diesen Ort zu besuchen in den ersten drei Monaten des Mondkalenders (zwischen Februar und März), der Zeit nach dem vietnamesischen Neujahrsfest (Tet)nund man bekommt bis zu diesem Datum nicht mal für ein Bestechungsgeld ein Hotelbett.
Aber dieses Verkehrschaos stört die an einer Kreuzung sitzenden Polizisten nicht, sie machen ein Nickerchen. Schön wäre es, hier eine Unterkunft zu finden denn der Hafen für die Boote ist dicht anbei.
Nebenan ist ein Hotel, ehe ich mich versehe, werde ich in englisch angesprochen ob ich ein Bett suche. Ja – Price? - 250.000 VD – no only 200.000 VD – okay, das ist unsere erste Schnellkonversation und ich habe ein Bett. Sie ist nicht die Hotelbesitzein sondern ihre Freundin aus der Cafébar hier im Hotel. Die Hotelbesitzerin habe ich dann auch kennen gelernt.
Maps-Adresse des Gesamtgebietes: Hương Sơn, tt. Đại Nghĩa, Hanoi, Vietnam
detaillierter: làng Yến, Hương Sơn, Mỹ Đức, Hanoi, Vietnam bzw.
Perfume Pagoda Tours, Hương Sơn, Hà Nội, HA TAY PROVINCE, Vietnam

Etwas Wichtiges zur Erklärung ihres Berufsstandes: Beide sind ca. 35 Jahre alt, geschieden und haben je 3 Kinder.
Cafébesitzerin Nga: Eigentlich hat sie nur einen Raum gemietet, bietet darin und auf dem Bürgersteig Kaffee und kleine Snacks an. Nur um Gäste anzulocken, wird Karaoke veranstaltet, gesungen wird von Freunden oder Bekannten.
Hotelbesitzerin Mingh: Das Haus hat sie gemietet, 4 Etagen ca. 10 Zimmer. Sie ist aus Kostengründen gleichzeitig Anmeldekraft, Köchin, Kellnerin. Als Angestellte hat sie nur eine Frau zur Reinigung und arbeitet täglich von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts.
–- Jede muss für ihre 3 Kinder zusammen ca. 1000 Dollar Schulgeld/Jahr bezahlen,
–- Die Saison besteht nur aus den ersten 3 Monaten im Jahr.
–- Sie müssen in dieser Zeit so viel verdienen, dass sie das ganze Jahr davon leben können.
–- Die übrige Zeit hat jede von ihnen einen kleinen Bauernhof den sie allein bewirtschaftet (Zahlen und Daten nicht belegt)

Ich beziehe mein Zimmer und bin zufrieden, nur die Toilettenspülung läuft dauernd. Ich mache mich auf die Suche nach der Ursache – Im Spülkasten ist soviel Kalk, dass eigent-lich nichts mehr dicht sein kann. Mein Taschenmesser tut hier Wunder und bald ist auch das Problem gelöst. Noch ein Ankunftsbier, diemal „Bia Saigon“ was sehr angenehm schmeckt. Aber jetzt erst einmal schlafen, der Tag ist schön, anstrengend und erlebnisreich gewesen.
Nach einem geruhsamen Frühstück geht es ans Entdecken der Ortschaft. Der Busbahnhof liegt ca. 1 km ab vom Hafen. Die Touristen werden per Minibussen mit Stromantrieb zum Hafen gefahren.
Die Bootsanlegestelle besteht aus 5000 Ruderbooten für bis zu 10 Personen für einen Ruderer und 2000 Booten für bis zu 50 Personen und zwei Ruderern wobei die Ruderer meist Frauen sind!!! Normalerweise schließt sich, besonders eine Einzelperson, einer Gruppe von Besuchern an damit der Preis für alle etwas sinkt. Das ist mir aber nichts, denn ich will nicht allein bis zur Pagode und zurück denn hier ist doch zum Verständnis mehr Information notwendig.









Mingh und Nga haben sich sowieso angeboten, mich dorthin und zurück zu rudern und mir auf dem Gelände alles zu zeigen, natürlich hat das seinen Preis.
Im Nachhinein bin ich zufrieden mit meiner Entscheidung, dies Angebot anzunehmen.
Es ist eine ganz schöne Strecke zu rudern (ca. 1 Stunde), die beiden müssen sich sichtlich anstrengen.
Es gibt hier viel zu viele Tempel zum Anschauen, deshalb haben wir eine Auswahl getroffen. - Thiên Trù Pagode und Huong Tich Höhle -

Angekommen, geht es ca. 4 km die Hügel und Berge hinauf. Es gibt sehr viel zu Schauen.





Stände zu Essen immer wieder Devotionalienverkäufer







Stellen zum Schlafen Naturheilmittel

Die Treppenstufen bestehen vielfach aus unregelmässigen, holprigen Natursteinen, ab und an begegnen wir großen Gestellen die zum Ausruhen dienen und sogar zum Über-nachten verwendet werden. Man muss sich die Schuhe vor dem Betreten dieser Anlage ausziehen und kann sich dann auf den harten Gestellen hinlegen.
Ganz zwangsläufig bekomme ich mit, wie viele Verwandte und Bekannte dieser beiden hier haben und wie diese ihr Geld verdienen.
Ganz am Ende erreichen wir das wichtigste Ziel, das Grottenheiligtum „Hang Huong Tich“. 120 Treppenstufen führen hinunter zur Göttin der Barmherzigkeit.
Wer an diesem Tag keinen funktionstüchtigen Fotoapparat bei sich hat, wird dies wohl ewig bedauern.
Der große Abstieg ist bequem. Vor einiger Zeit wurde eine Seilbahn gebaut und wir haben diesen Luxus genutzt.Der Tag ist voller Überraschungen gewesen und ich nutze die Zeit nach der Rücktour um meine Beine etwas auszuruhen. Morgen will ich ja den Ritt bis Hanoi absolvieren. Ich sage allen heute Abend schon mal Tschüss, morgen soll es zeitig losgehen.
Ungern fahre ich als Hin-und Rückweg die gleiche Strecke. Diesmal soll es auch so sein. Ich benutze im Ort die Straße TL74, gelange nach ca. 20 km zur QL21 und fahre diese bis Hanoi und komme über die AH13 in die Stadt.

Von Weitem ist schon die Dunstglocke über der Stadt auszumachen, der Straßen- verkehr hat schon längst das gewohnte Ausmaß angenom- men. Hanoi zeigt sich doch hier von seiner hässlichen Seite – breite Straßen, Hochstraßen, Hochhäuser, brüllender Verkehr, Leben findet nur anonym auf den Bürgersteigen statt. Ich brauche viel Zeit, um die Altstadt zu erreichen.
Hanoi ist aber jetzt nur eine Zwischenstation denn ich will nach „Ha Long Bai“.
Aber einige Tage, um Hanoi weiter zu entdecken, bleiben doch. Der Zugverkehr in Vietnam ist und bleibt mir immer wieder ein Rätsel. Der Hauptbahnhof liegt fast mitten in der Stadt, der Zugang ist doch ziemlich restriktiv, viele Züge scheinen nicht zu fahren….mitten durch die Stadt, sozusagen auf Straßenniveau, den Straßenverkehr, vor allem an den Kreuzungen, völlig lahm zu legen….. alle das ist es mir wert, einen Tag diesem Phänomen zu widmen.






Der Abstand zwischen Gleisbett und Haus-Ladeneingang beträgt manchmal nicht mal 2 m, Passanten und Bewohner passieren dicht an den Gleisen, der freie Bereich wird oftmals als Gemüsegarten verwendet…...unfassbar !
Einen Besuch des Hỏa-Lò-Gefängnisses nahe des Hanoi Towers lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Hoffe ich doch, etwas über die Kolonialzeit zu erfahren.
Es ist erschütternd, wie Menschen damals behandelt wurden und welche Methoden es gab, die Gefangenen zu erniedrigen, die Macht der Besatzung zu demonstrieren.
Der Teil der zu besichtigen ist, war zwar eher klein aber dafür umso besser zur Schau gestellt. Durch kurze Filme oder informative Texte kann ich viel über die Besatzung der Franzosen und den Vietnamkrieg lernen. Das Leben im Gefängnis wurde realistisch dargestellt, was den Besuch sehr eindrucksvoll macht. Ein „Sollte man gesehen haben“ für jeden Touristen !

Heute geht es los, Richtung Halong Bay, also auf gen Osten. Gleich nach dem Frühstück benutze ich die markante Brücke „Chương Dương“ um den Roten Fluß zu überqueren.
Ich radele auf der AH14, werde immer wieder überrascht von der Weitläufigkeit der moderneren Stadtbereiche mit ihren vielen Freiflächen zwischen den Bauten und der Kleinteiligkeit oder Kompaktheit älterer Stadtviertel.
Ich sehe viel mir Unbekanntes und erfahre auch hier wie Hast, Eile, Ruhelosigkeit… die Menschen unfähig machen, miteinander zu kommunizieren. Wohltuende Ruhe in einem Café genau dort mach dies mir ganz bewusst.
Natürlich verpasse ich eine Straßenkreuzung wo ich eigentlich rechts ab fahren müsste, hätte dann aber obigen Unterschied nicht festgestellt. Also 3 km zurück und die AH14 wiedergefunden. Immer weiter Richtung „Hải Dương“.Plötzlich bremst 50 m vor mir ein Bus, fährt rechts ran
– 3 Männer springen heraus und reißen die Ladeluken auf
- entladen 3 große, verpackte Ballen und laden sie auf bereitstehende Mopeds
- nehmen 5 große Ballen von den bereitstehenden Mopeds und laden sie ein
- die Mopedfahrer brausen davon
Das alles dauert 2 Minuten und der Bus fährt weiter. Kleiner Zusatzverdienst ?
Die Stadt „Hải Dương“ lasse ich links liegen denn es sind erst 60 km gefahren .Ich fahre an einer großen Straßenküche vorbei.Verschieden lecker aussehende Fleisch-und Gemüsesorten laden mich ein. Dazu gibt es wie üblich Reis.





Ich mache eine Rast in einem Café.
Es liegt ganz dicht an einem unbeschrankten Bahn-
übergang an einer auf die AH14 mündenden Neben-
straße.



- auf einmal blinkt eine roten Ampel im Sekunden- rhythmus
- 2 uniformierte Schrankenwärterinnen mit Mundschutz kommen aus ihrem Häuschen
- weitere Minuten vergehen ohne dass etwas passiert
- eine Klingel ertönt
- beide Damen eilen auf jeweils eine Seite der Gleise und jede zieht ein kräftiges, falt- bares Gitter quer über die Straße.
- nach 30sek. passiert der Zug
- die Schrankenwärterin salutiert mit einer Flagge bis der Zug vorbei ist
- beide ziehen ihr Gitter wieder von der Straße
Schon sehr interessant, dies visuell zu erleben.
So langsam werden es bald 100 km und ich suche mir ein Hotel an denen es entlang des AH14 nicht mangelt. Gesucht-gefunden, es ist in meiner Preislage.
Jetzt nur noch etwas bummeln, Abendessen und dann ab ins Bett. Ich werde aufmerksam gemacht, dass das Hotel nachts geschlossen ist, also will ich nicht zu spät zurück kommen.
Hier traue ich aber meinen Augen nicht, ein Dönerstand in Vietnam ? Stimmt! Aber wie schmeckt es ?
Schon diese Neugier lässt mich einen kaufen. Das ist aber auch der letzte, den ich gegessen habe. Grausam der Geschmack und die Konsistenz!



Am nächsten Morgen kommt die Überraschung, das Hotel ist bis 10 Uhr mit einer dicken Kette verschlossen und niemand ist zu sehen. Hier helfen nur Geduld und mein eReader indem ich anfange, einen Krimi zu lesen.
Gegen 10 Uhr komme ich endlich los, aber es sind kaum noch Hausküchen vorhanden, es ist dafür eben doch zu spät. Ich entdecke einen Bäckerladen, aber die Auslagen haben es in sich, schöne dicke und viel mit Sahne oder Creme gefüllte Tortenrollen sind zu sehen. Nicht mal richtigen Kaffee gibt es sondern nur Nescafépulver. Aber ich überstehe auch das.
Nach einigen Kilometern will ich diese Straße verlassen denn sie führt nach Haiphong und der Verkehr geht mir doch langsam auf die Nerven. Nahezu nordwärts führt die Straße TL388. Sie soll mich zur QL18 und dann nach „Ha Long Bay“ führen.
Das Verkehrsaufkommen verringert sich nahezu um 80%. Dafür liegt ein Staub in der Luft was mich sofort zum Anhalten und Suchen des Mundschutzes bringt. Der Übeltäter ist bald zu sehen. Entweder ein Kalk-Zement-oder ein Sandwerk oder beides.
Die Ortschaften tragen alle ein graue Staubschicht über allem, alles sieht richtig troslos aus.
In einem kleinen Städtchen mache ich Kaffeepause und zwar in einem richtigen Café. Das Gebräu ist wirklich hervorragend, mindestens 60% mehr Pulver als sonst üblich und gefiltert in einem speziellen Tassenfilter .
Hier mache ich wieder eine Entdeckung, die mich zum Erstaunen bringt. In diesem Café wird Whisky verkauft und zwar in einer Preislage, die sich doch der Hauptteil der Bevölkerung nicht leisten kann und dazu noch in so einer kleinen Ortschaft. Verstehe wer will.


Als ich einen zweiten Kaffee haben will, bringe ich die Besitzerin ins Grübeln.
Erstmal der fragende Blick ob sie richtig verstanden hat, dann kommt sie mit einem Block und schreibt den Preis für einen Kaffee 20.000 VD (< 1€), gibt dann auf und bringt mir den nächsten.
Bald erreiche ich die Kreuzung zur QL18, die nicht so breit, aber umso dichter befahren ist. Ortschaft reiht sich nahtlos an Ortschaft, links zieht sich eine Bergkette parallel zur Straße, rechter Hand ist nur flaches Land.
Heute will ich es nicht schaffen, bis „Ha Long Bai“ zu kommen denn es wäre zu spät.
Also noch ein Hotel suchen, es ist kein Mangel und nur für 100.000 VD sehr günstig. Zum Abendessen bin ich in einem Straßenrestaurant und frage verzweifelt einen Trupp junge Leute nach dem Namen der Ortschaft hier, ich habe ja den Atlas dazu bei, finde aber den Ort nicht.
Der Name, denn sie mir nennen klingt aber auch lang, schließlich schreiben sie ihn mir auf bzw. ich zeige ihnen denn Atlas. Ich finde einfach nichts. Aber so langsam dämmert es, sie sagen immer
„Thành Phõ Uông Bí“, wobei „Thành Phõ“ einfach Stadt heißt, der eigentliche Name ist „Uông Bí“.
Es sind für den neuen Tag nur 35km bis nach „Ha Long Bai“, die radele ich bei strahlendem Sonnenschein am nächsten Tag.
Die Stadt empfängt mich modern, sauber, prachtvolle Häuser, große Hotels……
sie ist, im Vergleich zum urbaneren Stadtteil „Hon Gai“, doch ziemlich touristisch.
Ich will das aber sehen. Selbst nach einigen Kilometern ist relativ wenig von dem zu sehen, was Vietnam sonst ausmacht. Das Fahren entlang der Küste zeigt linkerhand ab und an moderne Hotels.

Ohne es zu wissen, gelange ich zur Straße „V&#432;&#7901;n &#272;ào“, wo sich Hotel neben Hotel, ca. 30 Stück, befinden. Sollte in einem kein Bett zu finden sein, gehe ich, im wahrsten Sinn des Wortes, wirklich nur eine Tür weiter und kann dort fragen.
Die Preise sind fast gleich. Diese Handtuchhäuser sind überall im Land zu finden, der Platzmangel hat eben seine Blüten auch hier. Auch der obere Abschluss des Hauses ist manchmal interessant.
Da sich mein Hotel in einer scharfen Kurve befindet, ist das Zimmer auch daran ange-passt. Aber es ist gemütlich, mit Dusche, Blick nach vorn.

Das übliche Abendessen habe ich mir heute erspart, auf der Straße gibt es ab Dunkelheit frisch gegrillte Muscheln verschiedener Arten und die will ich probieren. Lecker, ist das Resultat.

Imposant ist die Brücke die in den anderen Teil der Doppelstadt, nach „Bãi Cháy “ führt. Hinauf geht es per Fahrstuhl. Dort habe ich einen wunderbaren Blick auf beide Stadtteile und das Meer.

Ganz menschliche Bedürfnisse machen sich wieder mal bemerkbar – ich muss mich rasieren, sonst gelte ich wirklich noch als Seeräuber.
Ganz normal vor dem Spiegel kann ja jeder, ich suche mir einen Friseur unterwegs, der sein Handwerk auf dem Bürgersteig ausübt.



Einen ersten Eindruck der Insel „Cát Bà“ will ich mir noch verschaffen. Also die QL18 wieder zurück bis zum Abzweig eines Dammes, der zur vorgelagerten Insel „Tu&#7849;n Châu“ führt. Auf der gegenüberliegenden, d.h. südlichen, Inselseite, die ich natürlich nicht über die flache Straße entlang dem Ufer sondern teilweise quer über die doch felsige Insel erreiche, befindet sich ein ausgebauter Yachthafen, viele moderne Hotels, Häuser, Reisebüros, Restaurants etc.
Alle Busse mit Besuchern kommen dort an und zahlreiche Schiffe der verschiedensten Gesellschaften fahren die Gäste zu den mannigfaltigen Touren in der Ha Long Bai.

Die offizielle Fähre befindet sich etwas abseits dessen am offenen Meer gelegen.
Die Wartezeit bis zur nächsten Fähre verbringe ich mit dem Abradeln der gesamten Gegend.

Die Fähre fährt dann lange Zeit an spitz aus dem Wasser aufragenden kleinen oder großen Felsen vorbei, durch schmale Durchgänge hindurch, an einem schwimmenden Dorf vorbei bis zum nördlichsten Punkt der Insel „Cát Bà“, dem Terminal der Insel.Die sich anschließende Straße soll mich bis an die südliche Spitze, dem Ort „Ben Beo Stadt“ bringen. Vorbei an einem kleinen Dorf mache ich aber für heute Halt denn die Strecke ist doch immer wieder mit Auf und Ab gepflastert.
Ich habe gerade die Eingangsgebäude des „ Cát Bà Nationalpark“ erreicht und frage nach einer Unterkunft. Durch Vermittlung einer Bewohnerin, die englisch spricht, erhalte ich ein ganzes Haus, sonst für Schulklassen o.ä. gedacht, als Unterkunft. Groß, geräumig, Fernseher, Badewanne, Heizung - alles ist vorhanden.
Der Preis ist dem sehr angemessen.

Der nächste Tag beginnt mit einem guten Frühstück in einer Kiosk im Nationalpark bei Nudelsuppe und einem Gespräch mit einem Führer durch diesen.

Der ganze Weg über die Insel wird begleitet von undurchdringlichem Wald und von hohen Felswänden links und rechts.

Ich habe die Rücktour geplant, also los wieder durch die Insel zum Touristenpier zurück.
Nahe des Ausganges des Ortes „Hang Quân Y“ befindet sich ein Hinweis „Hospital Cave“, der mich natürlich neugierig macht. Der Besuch zeigt eine Höhle hoch im Felsen, die
im Krieg als Hospital verwendet wurde.

Schließlich erreiche ich das Pier der Fähre, die nächste fährt aber erst ziemlich spät ab, also nutze ich das Angebot eines Schleppers zumal der geforderte Preis nur wenig über dem offiziellen liegt. Dafür habe ich das Boot sozusagen allein, das ist herrlich zum Schauen, Genießen und Dösen. Da ich mich gut fühle, geht es danach in einem größeren Ritt bis in die Stadt „L&#7895; S&#417;n“ an der TL388, der Stadt wo es neben dem Staub in der Luft auch noch etwas Sauerstoff gibt. Das Hotel „Hoang Pho“ ist mir recht, wird doch hier eine wirkliche Massage angeboten.
Die weitere Rücktour nach Hanoi gestaltet sich problemlos, viele interessante Foto-objekte lassen mich die Fahrt immer wieder unterbrechen.
Schlussendlich erreiche ich wieder Hanoi, aber fast alle Hostels / Hotels der Altstadt sind ausgebucht und ich habe keine Lust, immer wieder vergeblich zu fragen. Die Straßen in der Altstadt sind auch voller Beschäftigte, die Stände u.ä aufbauen. Vielleicht wird wieder irgendein Fest gefeiert und es kommen dafür Tausende Touristen in Hanoi an.
So reift in mir die Idee, mit dem Bus nach „S&#7847;m S&#417;n“ ans Meer zu fahren. Eigentlich aber nur bis „Tanh Hoa“, dort im “Dai Phat“ zu übernachten und dann weiter mit dem Fahrrad durchs Land bis ans Meer. Gesagt, getan. Die Busfahrt ist in ein paar Stunden vorbei und ich kann mich in der Stadt noch etwas bewegen.














* Blumen in Hülle und Fülle, große Arrangements sind in Vietnam gefragt, sie sind hierin kleine Künstler.
* Eine katholisches Kloster entdecke ich auch
* Männer mit ihrem Moped an den Straßenkreuzungen warten auf Kunden
* Ein sehr niveauvolles Café habe ich auch gefunden und genieße das Angebot.


Ich radele durch einen neuen Außenbezirk, verfahre mich 2x, lasse mir die Richtung zeigen, genieße die Menge vom Menschen überall, neue, andere Geschäfte, sehe Armut und Verfallenheit, Müll in großen Haufen, lachende Kinder, Märkte über und über uvm.

Mehrere kleinere Dörfer durchquere ich, ehe sich „S&#7847;m S&#417;n“ als kleines Urlaubsparadies zeigt. Sauber, ein Strandboulevard, moderne Hotels, Restaurants, so zeigt sich die Stadt von der Schokoladenseite.
Selbst das, was ich landestypisch bezeichne, macht einen sauberen und gepflegteren Eindruck, aber Einiges bleibt trotzdem. Dieser Fahrradmechaniker ist ein vietname-sisches Urgestein und in seiner Werkstatt kennt nur er sich aus. Wir rauchen eine Pfeife zusammen, er bewundert mein Fahrrad, wir lachen und amüsieren uns wechselseitig……..



Nach einigen ergebnislosen Fragen nach einem Hotelbett lande ich im „Thanh H&#7897;i“, einem Hotel in dritter Reihe, das sich vorwiegend auf Fisch spezialisiert hat wie schon die großen Schaubecken am Eingang zeigen. Daneben Muscheln, Krebse….
Die Belegschaft, ca. 10 junge Burschen und Mädchen aus der Verwandtschaft des Besitzer und Freunden sitzt gerade beim gemeinsamen Abendessen. Ich gehe das zweite Mal mit meinem Gepäck an ihrem Tisch vorbei, da werde ich durch Handbewegungen eingeladen, mit ihnen zu essen.

Hier habe ich 3 Tage ausgeruht, gebadet, die Umgebung erkundet uvm. Das Baden im Meer ist schon interessant. Ich vergnüge mich im 20 Grad warmen Wasser, an Strand ste-hen einige Einheimische mit dickem Anorak und Pudel-mütze. Das südchinesische Meer ist schon etwas kräftiger und rauer als die Ostsee, dieses kleine Fischerboot ist in den Wellen manchmal gar nicht mehr zu sehen.


Fisch essen lockt mich schon, besonders weil einige etwas anders aussehen. Das ist mir persönlich nicht spektakulär genug denn dieses Teil auf meinem Teller kenne ich auch noch nicht. Sehr schmackhaft, muss ich zugeben.
Die kleineren Exemplare davon werden auch in Bananen-blätter eingewickelt, überall angeboten. Sie leben aber noch irgendwie denn ihre Greiforgane bewegen sich trotz der Verschnürung.

Nach meiner Rückkehr aus diesem kleinen Paradies habe ich noch 2 Tage in „Tanh Hoa“ um noch eine ganz andere Seite kennen zu lernen.


* Hausboote ohne Komfort * die Ufer eines Flüsschens * ist das Leben ?
werden als Gemüsebeete
genutzt

Nur gut, dass ich hier Freunde habe, denn Ich will heute mit dem Bus nach Hanoi fahren und dann gleich weiter nach Sapa. Ist doch nahe des Hotels hier ein Busbahnhof aber es sind alles Kleinbusse und keiner hat eine verständliche Zielanzeige.
Der Hotelchef kommt mit mir mit, spricht mit einem Fahrer, ich steige ein, das Fahrrad wird im Mittelgang abgestellt und los geht es. Es scheint eine Privatbusgesell-schaft zu sein, die keine eigenen Haltestellen hat ,denn unterwegs ruft der Schaffner irgend etwas aus dem Bus und wenn jemand einsteigen will, hält er an.
Nicht lange und der Fahrer stößt mich an und zeigt auf einen anderen Bus auf einer Parallelstraße.“Aha“ denke ich „ich soll aussteigen und dort wieder einsteigen“, jedenfalls deute ich so seine Worte und Gesten.
Nur ein paar Minuten und beide Busse halten hintereinander. Gepäck und Fahrrad wer-den umgeladen, ich steige ein, ein großer Bus mit Schlafsesseln erwartet mich. „Richtig gedacht“, der Bus fährt bis „Lao Cai“, dort muss ich umsteigen um nach Sapa zu gelan-gen. Viele Stunden fahren wir jetzt auf der neu gebaute Autobahn gen Nordwesten. Links und rechts sehe ich manchmal ein paar Häuser, selten gibt es Haltestellen und nur eine Raststätte auf dem ganzen Weg. Diese aber ohne Toiletten. Die ganze Busgesellschaft, Männer Frauen und Kinder, geht 100 m weiter, die Frauen dann etwas nach links und im hohen Gras oder Gebüsch lässt sich Vieles ungesehen verrichten.
Nach knapp 4 Stunden bin ich am Ziel, es ist schon dunkel. Wo genau ich in „Lao Cai“ bin, ist momentan nicht zu ergründen, aber es gibt ein paar Häuser und auch ein Hostel für mich. Froh, hier zu sein, checke ich ein und bald schlummere ich dem nächsten Tag entgegen.

Es regnet, also werde ich erst einmal das Frühstück einnehmen und dabei überlegen, was wie zu tun ist. Die Nudelsuppe schmeckt hier etwas anders, auch das Fleisch darin, es schmeckt aber gut. Bei einem richtigen Kaffee und etwas im Magen lässt es sich doch viel besser planen.
Hier ist nicht der große Busbahnhof am Rand von „Lao Cai“ sondern ich bin irgendwo in der Pampa, aber ganz in der Nähe fahren auch Busse ab, vielleicht komme ich doch richtig weiter.
Gerade fährt ein Bus dort los, schnell das Essen bezahlen, ich winke am Straßenrand und der Bus hält noch einmal. Ich frage „Sapa ?“, der Fahrer nickt, schnell Fahrrad und Gepäck einladen und schon geht es weiter.
„Uff“ sage ich zu mir und bin froh, dies so schnell geschafft zu haben. Der Bus fährt etwas 5 km eben durchs Tal, dann 20 km bergauf auf immer engeren Serpentinen bei 12-15 % Steigung und zu guter Letzt noch 5 km bei 15-18 % Steigung.
Das hätte ich doch nicht mit dem Fahrrad zurücklegen wollen oder können, zumal bei Regen. In Sapa angekommen regnet es immer noch und es ist trüb. Ich lasse mich aber nicht abschrecken, suche mir erst einmal im Centrum der Stadt ein Hostel, das „Thanh Son“ kommt mir gerade recht und ich checke dort ein.

Ein doch etwas altes Handtuchhaus, steile, schmale Treppen, natürlich ist mein Zimmer ganz oben, doch die größte Überraschung entsteht nach dem Öffnen der Tür. Die Betten haben alle einen Baldachin! Altmodisch-romantisch, hier bleibe ich. Ein Balkon ist auch vorhanden, die Sicht auf dem Platz von ganz oben ist phantastisch wenn die Sonne scheinen würde. Die Balkontür ist nur noch Attrappe, sie lässt, obwohl geschlossen, soviel an kalter Luft ins Zimmer wie ein offenen Fenster.
Da führen doch elektrische Leitungen in jedes Bett?! Normalerweise gibt es in Vietnam keine Öfen. Man friert eben, zieht eine Strickjacke oder einen dicken Anorak über, aber Heizen mit einem Ofen ist noch ein Fremdwort.
Jetzt erst ist es üblich, in solchen Höhenlagen wenigstens dem Gast eine Heizdecke im Winter ins Bett zu geben. In den Privatwohnungen existiert, wenn überhaupt, höchstens ein elektrischer Heizventilator.
Einen Tag will ich hier bleiben, wenn es morgen noch nieselt, fahre ich einen Tag später zurück.Viele Straßen bestehen auch aus Schlaglöchern so dass das Laufen auch nicht viel bringt.


Am nächsten Tag bummele ich durch Sapa. Es ist doch ganz anders dieses Nordvietnam.Es fallen sofort die Vertreter der ethnischen Minderheiten auf, sie tragen alle eine andere Kleidung. Das Angebot an Speisen, die alle frisch gegrillt oder frittiert werden, ist manchmal überwältigend, sei es an Fleisch, Pilzen, Gemüse, Entenfüsse, kleine Vögel ???, Käse... und das meiste an einem Holzspieß. Probiert habe ich viel, aber nur in kleinen Portionen und nicht das, was mir fremd oder unwahrscheinlich erschien.

Viele der Händlerinnen der ethn. Minderheiten bieten traditionell hergestellte Souvenirs und vor allem frisches Gemüse an.
Der Tag geht viel zu schnell vorbei, morgen will ich nach „Lao Cai“ zurückkehren, denn es nieselt heute immer noch.

Ich erwache relativ zeitig und mache ich mich nach einem Frühstück auf den Rückweg. Es ist immer noch unangenehm nass und ich fahre doch etwas vorsichtiger, aber mit dem Fahrrad. Nach etwa 5 km und einer dicken Nebeldecke zeigt sich die Sonne.
Viel schöner sieht Welt bei Sonnenschein aus. Die Straße führt ziemlich steil abwärts, die Bremsen haben viel zu tun.
Die ganze Fahrt über tauchen herrliche Landschaften, Reisterrassen, ein Flusstal, Ackerflächen, steile Berghänge, Einheimische am Straßenrand auf.



Manche Einheimische bieten Gemüse in allen Varianten, Fleisch, geschlachtete und ausgenommene Rinder, uvm. am Straßenrand an.
Auf den Straßenverkehr muss ich doch sehr achten, es kommen mir immer wieder schwer beladene LKW entgegen, der Bauboom in Sapa und Umgebung braucht “Nahrung“. Viel zu schnell ist die Talsohle erreicht, ich muss wieder treten.
„Ist das eine Gärtnerei?“ frage ich mich nach dem Passieren einer Reihe von Rosenfeldern. „Bestimmt“, denke ich denn die Rosenköpfe sind alle mit einer netzartigen Folie überzogen. Sicherlich damit sie bis zum Verbraucher nicht schon zu sehr aufblühen.
Jetzt habe ich schon den Bahnhof von „Lao Cai“ erreicht, ich habe mich immer an die Straßen mit dem dicksten Verkehr gehalten. Um den Platz herum gibt es genügend Travellerhotels, Straßenrestaurants, Kioske, Bankautomaten wo ich mich wieder mit allem versorgen kann und eine Unterkunft habe ich auch gefunden.

Die Stadt hat einen Grenzübergang zu China. Für viele Chinesen ist ein Tagesausflug vermute ich wegen der vielen Menschen die die Grenze Richtung Vietnam passieren, die Vietnamesen dürfen ja nur mit einem Visum die Grenze passieren.

Faszinierend ist hier der Warenverkehr aus China. Es wird alles mit für diese Zwecke umgebauten Fahrrädern transportiert. Dieser Verkehr reißt im Lauf des Tages nie ab.






Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, die Rückfahrt nach Hanoi mit dem Zug zu machen. Eigentlich dient er fast nur zum Transport der Touristen von und nach Hanoi, er ist in Geschwindigkeit und Komfort dem Bus deutlich unterlegen.
Neun Stunden rattert der Zug durch die Gegend und das alles für 300 km. Die Wagen sind meist ausrangierte Schlafwagen der staatlichen Eisenbahn, die nur ein wenig aufgehübscht wurden. Die Anlagen sind alle noch aus französischer Kolonialzeit.
– Bett im gebuchten Abteil belegen
- mit dem Fahrrad zum letzten Wagen, dem Gepäckwagen, Fahrrad hineinwuchten
- zurück zum Abteil, vorbei an vielen Bahnangestellten, die jeder an einer Tür stehen
und niemanden ohne Fahrschein in die Waggons einsteigen lassen.
- schlafen bis4:30 Uhr morgens, die Schaffnerin bringt einen Kaffee

Das Aussteigen in Hanoi folgt auch einem Schema:
- Gepäck und ich müssen raus
- zum letzten Wagen mit meinem Gepäck und das Fahrrad holen, aber erst wird das andere grössere Gepäck im Ballastwaggon(ballengroße mit Folie umwickelte Stücke) ausgeladen
- davon wird jeweils 1 Stück auf ein bereitstehendes Mopeds gewuchtet, was dann sofort abfährt.

Die letzten Tage hier in Hanoi gehe ich geruhsam an.




















Die Seele baumeln lassen tut so gut

Geändert von Juergen (23.07.17 19:51)
Änderungsgrund: Länderliste geändert
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