Re: Hinterbau aufweiten - wie geht sowas?

von: Machinist

Re: Hinterbau aufweiten - wie geht sowas? - 20.10.09 23:00

Grundsätzlich werden die Rahmen nach dem Bau meist auch irgendwie gerichtet, und zwar in kaltem Zustand und von Hand.
Je nach Stahlsorte lässt sich ein Hinterbau sehr einfach aufweiten oder aber bei extrem zugfesten Stahlsorten ist es kaum möglich.
Stähle mit einer Streckgrenze bis zu etwa 900 N/mm2 bereiten in der Regel kaum Probleme. Also lassen sich die meisten Hinterbauten aus beispielsweise Reynolds 531, 525 und oft auch 725 oder Columbus Cromor, SP oder Dedacciai COM aufweiten bzw. richten. Bei Stählen wie Reynolds 853 oder Dedacciai SAT 14.5 lässt sich in den meisten Fällen kaum noch was richten.

Um einen Hinterbau um die 5 mm aufzuweiten spannt man den Rahmen am Besten bei ausgebautem Tretlager mit den Planseiten des Tretlagergehäuses kräftig in einen Schraubstock ein. Dann wird jede Seite mit purer Muskelkraft um die gewünschten 2.5 mm gegen Aussen gebogen. Dabei sollte man stets die Lage des jeweiligen Ausfallendes zur Mittelachse des Rahmens im Auge behalten. Mit einer geraden Stange (beispielsweise in Form eines Vierkantrohres) oder einem ähnlichem Hilfmittel, welche in Rahmen-Längsrichtung an Sitz- und Steuerrohr angelegt wird, kontrolliert man dazu die Position der Ausfallenden.
Ein gleichzeitiges Aufbiegen beider Seiten kann zur Folge haben, dass die rechte Seite schneller "kommt" (oft verursacht durch die bei den Kettenblättern eingedellte rechte Kettenstrebe) und der Rahmen danach durch ein versetztes Hinterrad glänzt.
Nach dem Aufweiten des Hinterbaus sollte mit entsprechendem Spezialwerkzeug die Parallelität der Ausfallenden zueinander kontrolliert und gegebenfalls korrigiert werden.