Re: Haben Pinion-Getriebe auch Kaffeemühlengänge?

von: Stiegsfeld

Re: Haben Pinion-Getriebe auch Kaffeemühlengänge? - 18.08.20 11:40

Moin Andre,

dann nochmal etwas weitere Informationen zu den noch offenen Punkten:

Zuerst einmal Riemen und Riemenscheiben wie sie nach gut 10000 km aussehen:
https://www.dropbox.com/s/qavsyncb7w6chmf/32T_a.jpg?dl=0
https://www.dropbox.com/s/ml4ych3385ajuqe/32T_b.jpg?dl=0
https://www.dropbox.com/s/3r97bfys64n08aw/34T.jpg?dl=0
https://www.dropbox.com/s/tjyxuvhe6hrgfma/Riemen.jpg?dl=0

In Antwort auf: Stiegsfeld
Pinion 1.18 mit Gates 32:34

In Antwort auf: AndreMQ

Also mit vo32/hi34 (?) und geschätzten 40-622-Reifen ist das Rad extrem bergfähig und kurz übersetzt (Entfaltung im 1. Gang nur 1,15m!, im 18. Gang 7,29m).


Richtig: die Auslegung ist auch nicht ganz nach meinem Geschmack. Ich habe damals das Rad online gesehen, bin die 80km bis zum damaligen alten Fertigungsstandort von Nicolai in Lübbrechtsen gefahren (kuschelig eng unterm Dach in einem alten Bauernhof-Fachwerkgebäude). Bekam vom Vertriebsleiter eine einstündige Fertigungsführung (sehr spannend!). Machte dann meine kurze Probefahrt (Hauptabmessungen des Rades kamen bis auf Zentimeter an die meines seit ewig benutzen Vorgängers heran) und kaufte sofort ohne noch überhaupt den Preis nachzuverhandeln.
Das Rad war quasi neu und bei den Presseterminen definitiv nicht hart rangenommen worden. Kein Dreck, keine Reibespuren und Kratzer.

Schon bei der ersten Probefahrt merkte ich aber, dass man problemlos am Hang abwärts bis in den 18. Gang durchschalten kann. Viel mehr als 35 km/h sind hier praktisch nicht drin.
Für Monat 1 bat ich mir daher das Recht aus, den Gates-Antrieb gegen eine andere Abstufung tauschen zu dürfen. Dafür wurden pauschal 100 Eur Aufpreis ausgemacht.

Praktisch stellte sich heraus, dass ich in der Ebene doch nicht über einen Schnitt von 25 km/h hinauskomme. Ich habe also auf den Aufwand an Geld und Zeit vorerst verzichtet und habe das bis zum Tag X verschoben, an dem die Teile mal verschlissen wären.
Aber ich denke da habe ich wohl nochmals 10000 km vor mir. Wie oben zu sehen: es gibt bereits leichten Verschleiß, aber das sieht noch wenig besorgniserregend aus.

Nun habe ich also einen ersten Gang mit dem ich jeden Berg nehme, den ich auch schiebend hochkomme. Bisher extremste Fahrt war mal eine "Abkürzung" fast senkrecht durch einen frisch gepflügten Acker im Sturzregen. Im 1. Gang schaffte ich es, meine Trittfolge genau mit den Ackerfurchen zu synchronisieren. Das Rad sackte so tief in den Schlamm ein, dass ich die Tretkurbel nur darum noch durchtreten konnte, weil die 6:00 Lage immer mit der Furche zusammenfiel. Die Räder liefen irgendwo tief auf dem festeren Untergrund. Mit leichter Schrägfahrt zur Bearbeitungsrichtung ließ sich das exakt abstimmen und ich kam 100 Meter ohne in den Schlamm zu treten durch. :-)

Im täglichen Leben sind die ersten 4 Gänge ansonsten tatsächlich sinnlos. Bei einer Neubestückung würde ich sehen, dass ich die vordere Riemenscheibe größer kriegte. Die Hintere vielleicht minimal kleiner. Alle Gänge um 2 Stufen (also ~ 23% gesamt) nach oben zu schieben, wäre sicherlich die bessere Wahl für den Alltagsgebrauch.

Andererseits schont die derzeitige Auslegung sowohl das Getriebe als auch die Nabe.
Ich weiß nicht, ob das damals aus diesem Grunde so ausgelegt wurde, oder weil man den Zeitschriften-Testern ein leichtlaufendes Rad vorgaukeln wollte?

Wenn man bei Nicolai nach Bildern zum "Argon"-Rahmen mit Pinion sucht, findet man jedenfalls immer noch exakt die 7 Jahre alten Bilder mit genau meinem Rahmen und mit der größeren Riemenscheibe an der hinteren Nabe.

In Antwort auf: AndreMQ
Also wenn wir das gleiche meinen, ist es das Abrollgeräusch und auch -vibrationen der geradverzahnten Stirnräder, was eben ganz normal und kein Fehler ist und auch keine Kaffeemühlengänge.


Da ich die Rohloff nie selbst gefahren bin, kann ich da nicht konkret mitreden. Bin aber bis heute positiv angetan vom zuverlässigen Pinion-Getriebe. Kettenschaltungen habe ich aus Faulheit immer bis an die äußerste Verschleißgrenze gefahren mit entsprechend rostiger Kette, mit viel Reibung im Schräglauf; verbogenen Kettenspannern etc.
Daher ist die Pinion für mich sogar in Sachen Effizienz der (zumeist rostig-verdreckten, fehljustierten) Kettenschaltung überlegen.

In Antwort auf: AndreMQ
Ja, kann man nur jedem Pinion-Käufer raten, dieses Lockring-Tool gleich mit zu kaufen, wenn sonst kein Zugang zu diesem Werkzeug. So wie bei der Rohloff-Speedhub den Ritzelabzieher. Und dann regelmäßige Kontrolle, dass beide Scheiben fest sitzen.


Die 34 Eur für das Tool wollte ich nicht einfach so "auf Vorrat" ausgeben. Würde auch nicht - wie manchmal vorgeschlagen - das Tool mit auf Touren nehmen. Da muss dann ein Notbehelf an der nächsten Tankstelle hinreichen.

In Antwort auf: Stiegsfeld
Ansonsten noch ein Detail zur Pinion: der sehr spezielle Schaltzug und sein Wechsel wären vielleicht auch nochmal einen Beitrag wert. Das Vergnügen hatte ich nach ca. 7500 gefahren Kilometern. Ich habe mich entschieden, die Urversion des Schaltzuges mit "Doppelknick-Sollbruchstelle" wieder einzubauen.
Die neue breitere Seilrolle für Standard-Seilzüge ist technisch eigentlich die bessere Wahl. Aber die wird dann mit dem Kunststoff-Deckel geschlossen. Ich wollte den feinen Alu-Deckel behalten.


In Antwort auf: AndreMQ

Die Montage dieser alten Version war jetzt nicht zu finden. Also wenn Du eine Quelle hast, wäre das hilfreich.


Klar: bei www.Pinion.EU gab es ein Pdf-Dokument zu "Trobleshooting".
Darin steht unter dem Punkt "Getriebe schaltet schwergängig":
*********Zitat Pinion **********
Pinion bietet 2 Varianten von Getriebezugrollen
an. Seit 2015 werden ausschließlich
„Universal-Getriebezugrollen“ verbaut. Diese
haben den Vorteil, dass standard Schaltzüge
von Drittanbietern verwendet werden können.
Für die Getriebezugrolle der ersten Generation
ist ein spezieller Schaltzugnotwenig, der als
Ersatzteil erhältlich ist.
Alle Montageanleitungen finden Sie im
Benutzerhandbuch oder in ausführlichen
Service Videos auf: www.pinion.eu
*********Zitat Pinion **********

Hier nochmal gut bebildert dargestellt:
https://www.rad-lager.de/shop2/product_i...--zubehoer.html
Und darin dies Bild als Direktlink:
https://www.rad-lager.de/pinionzugrollenvergleich.jpg

Eine weitere Beschreibung der Montage fand ich hier (inkl. pdf-Download):
https://docplayer.org/53627595-Pinion-getriebeschaltung.html

Dazu fand ich jedoch folgende widersprüchliche Angaben:
https://pinion-bikes.de/PINION-Schaltseilzug-Montageset-universal-P8957-P8954
Bei diesem Set heißt es, die aktuelle Seilzugrolle benötigt zwingend einen _NEUEN_ Deckel.

Aber es gibt auch diesen Alu-Deckel, der universell für alte und neue Seilzugrolle passsen soll. Ob man hier eine gegenüber dem ursprünglichen und oben genannten Deckel geänderte Formgebung auf der Innenseite hat? Ich verstehe das gerade nicht ganz.
https://pinion-bikes.de/PINION-Schaltdec...5-P118-P112-P19

Genug Abschweifung zur Technik der Pinion für heute.

Beste Grüße,

Ben