Re: Pinion Rohloff oder Kettenschaltung pro contra

von: Machinist

Re: Pinion Rohloff oder Kettenschaltung pro contra - 14.08.19 22:00

In Antwort auf: RollenderRalf

Zur Anwendung: Meist werde ich in Europa unterwegs sein. Das Rad sollte aber vor allem für die nächste geplante große Tour durch Südostasien, China, Mongolei und Russland taugen.


Die Speedhub und das Pinion-Getriebe sind zweifelsohne hervorragende Produkte mit welchen man (wie mit den meisten Schaltungen) um die Welt fahren könnte.
Für ein Reiserad für die erwähnte Tour ins ferne Asien würde ich dennoch eine einfache Kettenschaltung bevorzugen.

Ein Freund von mir hatte auch mal ein Reiserad mit Speedhub. Eines Tages liess sich das Getriebe (mit externer Ansteuerung) nicht mehr schalten. Nur eine Revision im Werk ermöglichte den erneuten Betrieb der Nabe. Solche Fälle sind soviel ich weiss sehr selten, aber passiert es am anderen Ende der Welt hat man ein echtes Problem.
Ein Schaltwerk ist zwar zugebenermassen ein etwas exponiertes und unter Umständen verletzungsgefährdetes Bauteil am Rad, aber weltweit dürfte es in fast allen Ländern ohne grosse Probleme möglich sein funktionierenden und im besten Fall passenden Ersatz zu finden. Schaltet man mit altmodischen Rasterschalthebeln welche auf Reibungsschalten umgestellt werden können ist dies besonders einfach, man kann im Grunde fast jedes Schaltwerk verwenden.
Hat man am Rad ebenso altmodische horizontale Ausfallenden lässt sich die gekürzte Kette notfalls bei demontiertem Schaltwerk einfach spannen und man fährt mit einem Gang vorübergehend weiter.
Das Schaltauge an einem Stahlrahmen lässt sich in der Regel sehr gut auch mehrmals richten, eine Notwendigkeit zur Auswechselbarkeit besteht nicht.

Weitere womöglich noch nicht erwähnte Gründe warum für mich persönlich die Kettenschaltung auch am Fernreiserad bevorzugt wird:

- Ich fahre viel und gerne bergauf, die ewige "Mahlerei" (und teilweise Vibrationen) im Speedhub-Getriebe in den unteren Gängen würde ich an langen Anstiegen nur sehr schwer ertragen können. Das ist vermutlich (nebst dem üppigen Zusatzgewicht) auch ein Grund warum die Nabe an sportlich orientierten Fahrrädern nur selten verwendet wird.

- Die zumindest theoretische Notwendigkeit des Oelwechsels im Getriebe: Alle 5000 km, das ist für manche Langzeitreisen (welche ja unter Umständen auch mal 10'000, 20'000 km oder noch länger dauern können) ein Wartungs- und Materialaufwand mehr den ich mir gerne ersparen wollen würde.

- Den Rohloff-Drehgriff mag ich nicht besonders, zudem ist er für MTB-Lenker mit 22.2 mm Durchmesser ausgelegt. Um am Renn- oder Zeitfahrlenker schalten zu können muss man auf Bastellösungen oder Fremdprodukte zurückgreifen.
Für die Pinion gibt's meines Wissens gar keine Alternative (ohne Drehgriff) welche an die gewünschten Lenker passt.
Ich schalte am Reiserad mit simplen Daumenschaltern (bzw. umfunktionierten Unterrohrhebeln) und kann so ebenso wie mit dem Drehgriff beliebig viele Gänge auf einmal durchschalten.