Re: Technik: wieviel davon?

von: Fricka

Re: Technik: wieviel davon? - 08.08.19 10:08

Vielleicht könnten wir uns drauf einigen, dass es in dem Bereich unterschiedliche Ansichten gibt? Das ist doch irgendwie erwartbar. Und in dem Rahmen könnte eine spannende Diskussion entstehen.

Bei mir war das so: Als ich anfing, Radreisen zu unternehmen, habe ich dafür natürlich mein vorhandenes Rad aus der Garage geholt. Ich habe damit in Anfang der 70er meinen damals sehr langen Schulweg grummelnd zurückgelegt. Dann erfreut nach dem Führerschein eine längere Pause vom Rad eingelegt, später meine Kinder drauf transportiert, immer wieder den berühmten Weg zum Bäcker zurückgelegt und dafür war es tauglich gewesen.

Das war natürlich völlig veraltet und in jeder Weise "fertig". Es hatte ursprünglich eine Dreigangschalter, die nie wirklich und nun schon lange nicht mehr funktionierte. Das störte mich nicht. Wir wohnen flach. Ich befestigte also als einzige Veränderung vorne einen Korb mittels Klickfix und ging es an. Es dauerte nicht lange, bis ich 90 - 100 km an so einem Ausflugstag zurücklegte. Ich erzählte meiner Familie wenig bis nichts davon.

Irgendwann fiel das auf, weil ich ab und zu mal jemanden suchte, der mich irgendwo hinfahren sollte. Da gab es dann doch Nachfragen. Mein Mann meinte, das Fahrrad sei für längere Touren nicht mehr geeignet und schenkte mir ein Gebrauchtes für sage und schreibe 150 €. Das war ein Quantensprung. Eine funktionierende 27-Gang-Schaltung, Bremsen, eine festsitzende Federgabel - ein stabiles Rad, mit dem man jedenfalls sehr viel besser fahren konnte. Meinem Mann gefiel das. Wir begannen zusammen zu fahren.

Da wir sowieso schon immer Camper waren, beschlossen wir, alles was wir brauchten, auf die Räder zu laden und auf Reisen zu gehen. Erster Versuch: über den Hoherodskopf nach Fulda, Fulda und Weser entlang bis nach Bremen. Ich kaufte unser Luxuszelt. Wir hatten bis dahin nur Familienmodelle. Discounter-Vollausstattung an Taschen. Der Korb blieb erst einmal noch. Normale zentnerschwere Luftmatratzen. Genau so schwere Schlafsäcke. Sehr wasserdurchlässiges Regenzeug. Wir hatten täglich Platte. Etwa die Hälfte der Zeit Dauerregen. Gewitter allein auf weiter Flur. Und waren restlos begeistert.

Die nächste Reise ging dann von zu Hause aus über Österreich und Prag nach Cuxhaven. Nun zeigte man Rad Nerven. Wir hatten nicht wirklich Ahnung vom Wartungsbedarf von Langstreckenrädern. Im Flicken waren wir nun Weltmeister. Aber ab Wertheim funktionierte bei meinem Rad die Schaltung nicht mehr. An der Altmühl riss die Kette. Am Samstag abend. In strömendem Regen kriegten wir die wieder genietet. Und an das Fahren ohne Schaltung hatte ich mich gewöhnt. Obwohl ich zugeben muss, dass die Strecke von der Donau bis nach Prag grenzwertig war. Von den Steigungen her.

Irgendwo an der Elbe riss die Kette wieder. Wir schoben bis zum nächsten Campingplatz, brachten das Rad am nächsten Tag in die Werkstatt, um die Kette tauschen zu lassen. Und die Ritzel gleich mit. Nun fuhr das Rad wieder wie Butter. Ohne Schaltung würde ich also nicht mehr fahren wollen. Aber ohne Rohloff.

Nun kam der Jakobsweg von zu Hause aus. Wir kauften uns neue, gebrauchte Räder. Teurer. Geeigneter. Und rüsteten sie auf. Da war sie die Frage. Was braucht man? Ich meldete mich hier im Forum an. Um es zusammenzufassen: Es kam nicht viel dabei raus. Ich war nicht Expertin genug, um die richtigen Fragen zu stellen.

Also learning by doing. Eine vernünftige Beleuchtung. Vaude-Taschen. Eine Lenkertasche. Ein Fahrradcomputer. Belastbare Hinterräder. Ein Nabendynamo. Marathon-Plus-Reifen. Eine sinnvolle Fahrradpumpe. Ein passender Sattel.

Das Rad habe ich heute noch. Fahre damit jetzt zum Bäcker. Weiter schaffe ich es nicht mehr. Ein e-werk kam noch dazu.