Re: Technik: wieviel davon?

von: macbookmatthes

Re: Technik: wieviel davon? - 09.07.19 23:19

Von welcher Technik reden wir?

Das wäre ja zunächst einmal die Frage. Ob man(n) mit Smartphone, Tablet, Digitalkamera und GPS unterwegs ein "muss" kann man mit Wiener Schmäh beantworten: I muss sch**** un störbn - sonst muss i goar nix. grins

Bei der "originären" Velotechnik gilt analog dazu: Erlaubt ist, was passt und gefällt. Das Wort "Fortschritt" wird vielleicht bisweilen ein wenig leichtfertig als scheinbar eindeutiger Begriff in die Diskussion eingebracht, wenn ich selbst aber einmal zurück denke, mit welchen Gerätschaften ich Touren und Reisen vor ca. 30 Jahren unternommen habe, dann kann ich vielen Entwicklungen seitdem nicht unterstellen perse zu schlechteren Gefährten geführt zu haben. Eher im Gegenteil.

Ich fahre zwar derzeit nicht 12fach, nicht elektrisch oder hydraulisch geschaltet - aber so what? Sofern jemand seine Reisen überwiegend in Mitteleuropa absolviert kann man das durchaus machen, ohne gleich an der nächsten Eisdiele mangels Energie oder Kette zu verenden und in ein paar Jahrhunderten als prähistorisches Gerippe eingesammelt zu werden. lach

Der Streit um die Technik wird vielleicht auch deshalb so leidenschaftlich geführt, weil die Optionen trotz Entwicklungen wie Rohloff, Pinion, AXS & Co. trotzdem quantitativ wie qualitativ mannigfaltig sind. Deswegen zu unterstellen, die Technik sei "komplizierter und schneller kaputt" greift als Generalvorwurf so nicht. Es kommt eben auch darauf an, was man mit der Technik anstellt und da gilt wie im Maschinenbau: Alles können, nichts warten und nichts kosten geht nur schwierig zusammen. grins

Wir sollten ja eins nicht vergessen: Praktisch alle Teile die wir am Rad einsetzen, sind Industrieteile, was nix anderes bedeutet als dass Toleranzen unabdingbar sind, auch unschöne. Alles andere wäre tendenziell unbezahlbar.
Der von manchen vorgebrachte Vorwurf "heute ist es schlechter alswie früher" ist wohlfeil. Ich weiß aus eigener Anschauung aus dem Maschinebau welche Sprünge -man kann es nicht anders sagen- die Materialqualität und -Verabeitung in den letzten Jahren gemacht hat. Sowohl das Rohmaterial (Stahl und Alu und Carbon) ist praktisch auf der gesamten Angebotsbreite besser geworden, als auch die Verarbeitung desselben (Stichwort: CNC-Maschinen).

Anders gesagt: Heute morgen habe ich mit Anhänger und Kind darin einen Gravelradler locker im Ampelsprint überholt, daran ist das Trekkingrad mit der Sram X0 nicht unschuldig. Mit dem Rad meiner Jugend und Hänger dran, wäre das eher schwierig geworden.