Re: Nachts im Zelt bei Gewitter?

von: irg

Re: Nachts im Zelt bei Gewitter? - 30.05.12 08:33

Hallo!

Nachdem die Suche offenbar nicht viel gebracht hat, einige Anregungen fürs "richtige" Verhalten bei Bltzgefahr:
1.) Wo möglich in ein sicheres Haus, also eines mit Blitzableiter abhauen . (nona)
2.)Ein direkter Blitztreffer ist ein Volltreffer, da ists egal, ob du in Zelt, auf der Isomatte oder in einem besonderen Jogastand bist: Das wars dann, für dich aber kein Problem mehr. Direkte Treffer sind v.a. durch geschickte Platzwahl relativ gut zu minimieren, Restrisiko bleibt. Also Zelt nicht auf Spitzen, Kuppen oder sonstigen hervorragenden Stellen aufstellen, die den Blitzeinschlag fördern. Interessanterweise aber auch Mulden und Rinnen, in denen sich Wasser sammeln kann, meiden. Dreckiges Wasser leitet Wasser recht gut, was gut leitet, fördert Blitzeinschläge. Dazu ist das Risiko auf feuchten Untergrund, der besser leitet als trockener, auch in Rinnen und Mulden höher. Direkte Blitztreffer sind ziemlich selten.
3.)Das weit höhere Risiko als der direkte Blitzeinschlag ist der indirekte, d.h., der Blitz schägt irgendwo ein und die extrem hohe Spannung wird beim Verteilen auf eine große Fläche abgebaut. Das ergibt sehr große Spannungsunterschiede auf relativ kurze Abstände (die Erde leitet ja relativ schlecht), und durch die so genannte "Schrittspannung", also den Spannungsabfall zwischen 2 Punkten in Schrittabstand ist schon viel passiert. Die gar nicht so wenige grasenden Kühe in den Alpen, die jedes Jahr durch Blitzeinwirkung sterben, fallen meistens der Schrittspannung zum Opfer. Die ist bei Kühen, je nachdem, in welcher Richtung sie zum Einschlagsort des Blitzes stehen, auch deutlich höher als bei Menschen.
Gegen die Schrittspannung kann etwas gemacht werden, da die in Frage kommenden Spannungen sozusagen überschaubarer sind. (Was immer noch eigentlich zu viel ist. Es ist eben alles etwas relativ!) Also: Möglichst noch vor dem dicken Regen Zelt (natürlich an einer möglichst vernünftigen Stelle) aufbauen, damit es drinnen möglichst trocken bleibt. Trockenes leitet schlecht. Reinkrabbeln und Liegematte, Luftmatratze, etc. aufblasen und sich drausetzen, idealerweise zusammengerollt darauf legen (was aber bei manchen zu Krämpfen führen dürfte), der Schlafsack als Unterlage isoliert noch einmal ein bisschen. Zusammenrollen deshalb, um eine mögliche Schrittspannung zu verringern. Wer ausgestreckt 2m erreicht, kann theoretisch die Schrittspannung, so sie längs verlaufen sollte, auf die Hälfte verringern, wenn er zusammengerollt nur einen Meter misst.
Größere Metalltrümmer wie zB. das Fahrrad muss ordentlich Abstand halten.

4.) Der Rest, also Beten, gute Vorsätze zu fassen ("Nie wieder bohre ich in der Nase!", etc.) kann beim Bewältigen der Stresssituation helfen, dürfte den Blitz aber nicht besonders beeindrucken.

Diese Ratschläge werden bzw. wurden Bergsteigern von den zuständigen Fachleuten gegeben, ich gebe sie nur aus dem Gedächtnis weiter.

Allgemein sind Bltzeinschläge aber doch nicht so unmöglich. In meinem Elternhaus, bei dem es immer geheißen hatte, es sei "so flach dort, da schlägt nie ein Blitz ein", habe ich selbst als Kind einen Einschlag im Kamin erlebt. Der Krach ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben, und die herausgesprengten Teile des Kamins, die wir am nächsten Morgen im Garten fanden, auch.

lg! georg