Re: Volksinitiative "Aufbruch Fahrrad" NRW

von: derSammy

Re: Volksinitiative "Aufbruch Fahrrad" NRW - 28.02.19 01:51

In Antwort auf: Querlenkerin

Interessant finde ich die (mit 60%) größte Gruppe der "interessierten und besorgten", zu der auch Kinder und ältere Menschen gehören. Wenn man dieser großen Gruppe keine sichere, separate Radinfrastruktur anbietet, glaube ich nicht, dass man die meisten Menschen zum Umstieg aufs Fahrrad im Alltag bewegen kann.


Dieses Mantra höre ich aus ADFC-Kreisen oft, bin mir aber nicht so ganz sicher, ob man da in die richtige Richtung prescht.
Ja, ich teile die Auffassung, dass vielen eher fahrradfernen Menschen das Fahren auf Fahrbahnniveau oder gar im Mischverkehr nicht behagt. Und ja, es ist auch eines der Ziele des ADFC, gerade diese Menschen aufs Rad zu holen.
Ich vertrete aber die These, dass sobald diese Leute wirklich häufiger Rad fahren, sie ihre Einschätzung von Sicherheit und Komfort nicht-separierter Anlagen ändern. Das heißt, die 4 Typen Radfahrer sind nicht starr, sondern die gleiche Person kann ihre Rolle im Laufe der Zeit ändern. Oder anders ausgedrückt: Die Radfahrhäufigkeit prägt auch, welcher Radfahrtyp man ist/wird. In meinen Augen ist es viel zielführender das Fahren auf Radfahrstreifen oder im Mischverkehr als sichere Verkehrsvariante zu bewerben (das Haupthemmnis dürfte sein, dass man dies schlicht nicht gewöhnt ist, es nicht den "Regelfall" darstellt), als nach "neuen" Lösungen wie "protection" zu rufen, welche dann wieder neue Probleme schaffen (z.B. Führung an Kreuzungen).
Ich will dabei die Sache mit dem subjektiven Sicherheitsempfinden nicht herunterspielen. Wenn Leute durch Angst wirklich dauerhaft vom Radfahren abgehalten werden, dann muss man die Ursachen der Angst ernst nehmen und ggf. ändern. Den verängstigten objektiv zu predigen, dass es sicher sei, reicht nicht.
Aber es kann doch auch nicht sein, dass die "empfundene Sicherheit" den Maßstab vorgibt und man in der Konsequenz womöglich Anlagen baut, die real die objektive Sicherheit nicht nur nicht erhöhen, sondern womöglich gar senken. In erster Linie ist die Radverkehrsplanung für die Radfahrer da, und kein Instrument bisher weniger Radbegeisterte zu passionierten Radfahrern zu "erziehen".