Re: Volksinitiative "Aufbruch Fahrrad" NRW

von: Uwe Radholz

Re: Volksinitiative "Aufbruch Fahrrad" NRW - 26.02.19 09:39

Weißt du, wir wünschen uns alle irgend was und die wenigstens unserer Wünsche werden erfüllt. Was die gleichberechtigte Nutzung aller Verkehrswege angeht, möchte ich diese Diskussion gar nicht erneut führen. Und es ist unwahrscheinlich, dass sich diese Wünsche schneller erfüllen, als die meinen, der für für eine radikale Verdrängung des MIV aus den Innenstädten bin, auch des ruhenden.
Wie gesagt, wünschen kann man sich viel.

Mich fasziniert nur, dass es Weltgegenden gibt, und zwar gleich nebenan, in denen gemacht werden kann, was bei uns unmöglich genannt wird.
Wir verzichten auf ein bessere Leben mit weniger Lärm, weniger Toten und Verletzten, mit weniger Stress, das zudem noch billiger zu haben ist, als den innerstädtischen MIV am Leben zu halten. Wozu? Was finden wir am Stau, Hektik, Überforderung, Parkplatzsuche, Kosten ohne Ende, so geil, dass wir (mehrheitlich meine ich) geradezu wütend werden, wenn Alternativen bedacht werden. Richtig vernünftige, eigentlich gut zu leidende Menschen jenseits unseres Radfahrerkontextes, werden zu wütenden Berserkern, bereit zur Waffe zu greifen, um ein erkennbar schlechteres Leben zu verteidigen. Und wer mich persönlich kennt, wird ahnen, dass nicht ich es bin, der solche Reaktionen zwingend provoziert. Nicht, dass ich das nicht könnte, aber es ist schon die Sache selbst.

Manchmal bin ich geneigt, pathologische Ursachen zu vermuten, was Unfug ist. Aber in einer Stadt zu lebend, in der man im 3.Jahrtausend nach Christi Geburt, angesichts des Klimawandels, angesichts der unbestrittenen Tatsache, dass man nicht immer mehr Ressourcen für den MIV verschwenden kann, glaubt, einen innerstädtischen Autobahnring schließen zu müssen, bin ich dann nur noch ratlos. Vielleicht ist es doch eine epidemisch auftretende psychische Erkrankung. Bessere Erklärungen habe ich nicht.