Libanon- Liebe auf den zweiten Blick....

von: uwee

Libanon- Liebe auf den zweiten Blick.... - 31.03.11 00:01






Von Larnaca in Zypern aus brachte uns die libanesische Fluglinie Middle East Airlines für weniger als 50 Euro p.P. mit unseren Rädern und mehr als 50kg Gepäck in einer guten halben Stunde nach Beirut. Das war noch genügend Zeit für 2 Wein und ein Abendessen.








Also,............,
der Libanon ist total anders als wir es uns in Europa alle so denken.
Der Bürgerkrieg ist lange, lange vorbei. (2011 geschrieben!!!!)
Du siehst selbst in Beirut kaum noch Spuren.
Die Hotelpreise steigen ins Unermessliche.
Es fahren mehr und größere Mercedes, BMW`s , Audis und Porsche durch den Libanon als durch München!!!
2.000.000 Touristen, (Syrer und Jordanier sind in diesen Zahlen ausgenommen), besuchen den Libanon. Dieses Land bekommt also deutlich mehr ab vom Touristenkuchen als z.B. mein geliebtes Sri Lanka!!!! Besonders gerne Gäste vom Golf, die es mal richtig krachen lassen wollen.

Die Kriminalitätsrate im Libanon ist eine der niedrigsten weltweit.


Aber der Einstieg fiel uns trotzdem nicht leicht....


Wir landen spät, kämpfen uns von 0:00 bis 2:30 auf der Suche nach unserem Hotel durch die dunkelsten Ecken von Beirut.
Mitunter rutscht uns das Herz in die Hose
Die Hilfsbereitschaft ist allerdings überwältigend.
Das Hotel ist neu und steht in einer neuen Straße ohne Namen.
Nicht leicht.
Mehrere Personen rufen unsere Rezeption an um uns den Weg dorthin beschreiben zu können. Nachts um 2:00 !!!!

Am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder schöner aus.
Wir erkunden die Corniche, die 5 Kilometer lange palmengesäumte Flaniermeile Beirut. Direkt am Meer.

































Wenn der Libanonkrieg Spuren hinterlassen hat in der Psyche der Leute so merkt man dies besonders im Straßenverkehr. Hier wird gefahren ohne Rücksicht auf sich oder auf andere. Ein Graus!!!! Es geht nicht gegen explizit gegen uns Radler sondern jeder gegen jeden!!!

Wir: "The people here in Lebanon drive like mad"
Unser libanesische Freund: "Sorry, you are wrong, they are mad!!!"





Die Stadt Beirut zeigt sich anfangs nicht von ihrer schönsten Seite:






Eines der wenigen Gebäude in der Innenstadt, wo die Wunden des Bürgerkrieges noch zu sehen sind.














Wir verlassen die Hauptstadt Beirut über eine 10- spurige Autobahn.
Radfahrer sind dort aber gerne gesehen aber eher selten. Bzw., wir sind die einzigen auf der Autobahn!!!!


















Uns wurde gesagt, es ginge allein über die Autobahn in den Norden. Keine Alternative.
So erreichen wir über die Autobahn Byblos, die am längsten durchgehend bewohnte Stadt der Welt- so wird uns erzählt......
In den Ruinen der alten Stadt hören wir Deutsch. Ein einheimischer Historiker, Politologe und Reiseleiter erklärt einem deutschen Paar die Geschichte von Byblos, dem Libanon und des Nahen Ostens.
Man lädt uns ein uns der Kleingruppe anzuschließen. Unbezahlbare Lehrstunden- und dazu auch noch ganz umsonst
























Wir hätten doch nicht auf der Autobahn nach Byblos fahren müssen.
Es gibt die wunderschöne Rue de Mer- wie der Name erahnen lässt am Meer entlang.



















Mitunter regnet es ein wenig.
Zum Glück gibt es die besten französischen Cafes der Welt im Libanon.







Isabel ist eine begeisterte Skifahrerin. Nach einer Rücken- OP im Oktober fiel die Saison bisher aus.
Sie horcht auf, als sie von den Skiresorts im Libanon hört.
Was kaum jemand weiß: die höchsten Berge des Libanons, nur halb so groß wie Hessen, sind höher als die deutsche Zugspitze. Mehrere Gipfel überragen die 3.000er Höhenlinie.
Schneesicher bis in den Mai.

Wir bekommen eine Einladung zum Ski fahren, können den Großteil unseres Gepäckes mitgeben und genießen jetzt die 40 km lange Anreise von der Küste zum Skiresort Mzaar auf 1850 m Höhe.


























Gleich geschafft.
Der Hoteldirektor ist ein begeisterter Mountainbikefahrer. Mehrmaliger libanesischer Meister. Wir sind die ersten Skifahrer, die mit den Bikes anreisen.
Er spendiert uns zwei Nächte im 5* Resort- und sämtliches Equipment und die Skipässe.






















Es schneit ein wenig. Bei solch einem Wetter kann man nicht fahren, meint man am Lift.
Der Berg gehört somit nur uns.
Tiefschneefahren im Libanon. Und das auf der Piste.






















Isabel glücklich!



Der Plan war genial. Über das Weltkulturerbe Baalbek und die Bekaa- Ebene wollten wir unsere Tour weiter nach Damaskus fortsetzen.
"Ist die Straße nach Baalbek auch im Winter geöffnet?" hatten wir zig mal in Beirut und auf dem Wege hierhin gefragt.
"Klar! Sollte es schneien, so wird die Straße umgehend geräumt."

In Mgarr selbst hört es sich dann allerdings anders an
"The road is closed until end of April- as every year." Erst Ende April wird sie wieder freigegeben.
Nachdem wir dann gerade unseren höhenmeterträchtigen Alternativplan über die Touristenstadt Zahle nach Damaskus ausgearbeitet hatten verkündete uns unser neuer Freund- der dreimalige Mountainbikemeister des Libanons- dass gerade heute in Zahle eine estnisch/ ukrainische Radgruppe von 7 Radlern entführt wurde.
Die erste Entführung von Ausländern im Libanon seit 21 Jahren.
Im Internet sehen wir die Räder und Taschen der Entführten im Straßengraben liegen.
Uns vergeht schlagartig die Lust auf die Weiterfahrt!
So sicher, mit so viel Polizei- und Militärpräsenz wären wir sonst wohl nie nach Syrien gelangt.
Allein es fehlt uns die Lust zwangsweise an der Stelle der Entführung unserer- uns nicht bekannten- Kumpels vorbeizuradeln.
Und auch nicht mit einem der vielen Busse von Beirut nach Damaskus vorbeizufahren.
Wir beschließen nun den gleichen Weg zurück zu nehmen, der uns hierhin gebracht hatte. Also retour: Griechisches Zypern, türkisches Zypern, zurück in die Süd- Türkei. Von dort werden wir versuchen über Antakja (Antiochia) nach Syrien einzureisen.













Nachdem wir uns jetzt entschieden haben ist die Fahrt nur noch schön!
Und wir treffen nur noch nette und interessante Menschen!











Mit Polizeibegleitung darf man auch mal gegen die Einbahnstraße fahren....






Wenn man Beirut erst einmal ein wenig kennt ist es gar nicht mehr so schlimm....















































Geld gibt es mehr als genug in Beirut.
Nur ungerecht verteilt!











Bis auf den Straßenverkehr (und natürlich die Entführung) gefiel uns der Libanon super gut! Man muss allerdings immer erfragen: "Wo kann ich hinfahren? Wohin nicht?"
Und sich daran halten!





















































Wir kommen bestimmt irgendwann wieder!
Mit Fahrrad?????
Das wissen wir noch nicht!
Und wenn, dann fahren wir erst per Bus oder Taxi ein Stück aus Beirut raus.
Die ruhigen Bergstraßen sind einfach grandios!!!!!
..... und vielleicht gibt es ja mal wieder einen schneearmen in den Alpen.
Es gibt ja noch ein Leben ohne Fahrrad...




Gruß