Turkmenistan- mal anders

von: uwee

Turkmenistan- mal anders - 02.08.11 16:57





Turkmenistan ist nicht eines der Lieblingsländer der Bikerzunft.
In ihrer Xenophobie betreibt die Regierung eine abartige Visumpolitik.
Eigentlich darf man nur begleitet von zugelassenen Reiseveranstaltern nach Einladung und abgesegnetem Reiseprogramm ins und durchs Land reisen.
Dies ist nervig und teuer!
Als Ausweg bleibt das Tansitvisum, welches in der Regel 5 Tage gültig ist.
Dies ist die einzige Möglichkeit frei und unbeobachtet durchs Land zu reisen.
Hat aber für uns Radler den Nachteil, dass wir wahnsinnig durchs Land hetzen müssen, da mindestens 500km zu bewältigen sind, oft auf schlechten Straßen.....
und eigentlich sind es auch keine 5 Tage, sondern 4 1/2.
Der Grenzübertritt braucht halt auch seine Zeit.
Um die Strecke überhaupt in der vorgegebenen Zeit zu bewältigen fahren fast alle Radler östlich von Mashhad/ Iran über den Grenzübergang Sarakhs/ Serahs und vorbei an Mary und Turkmenabat Richtung Buchara in Usbekistan.
Es gibt aber durchaus Alternativen.
Wir fuhren im Iran von westen her kommend durch Golestan bis Quchan und von dort bis zur Grenze bei Bajgiran. Eine der landschftlichen schönsten Strecken, die wir im Iran gefahren sind.
















Allerdings kommt man auf dieser Strecke nur durch 2 sehr kleine Dörfer. Im ersten konnten wir nichts einkaufen. Auf das 2. wollten wir uns nicht verlassen. So besuchten wir eine bei iranischen Ausflüglern beliebte Picknickstelle und bekamen- wie erwartet- Brot, Benzin für unseren Kocher, Lebensmittel für eine Woche, Tee, Essen, Shisha und viele neue Freunde.
(Im 2. Dorf hätte es erstaunlicherweise dann doch einen relativ gut sortierten Laden gegeben)












In Bajgiran wurde uns eröffnet, dass momentan die Grenze geschlossen sei, diese aber entweder in 2 Stunden oder 3 oder morgen oder übermorgen evtl. wieder geöffnet werden würde.





Nach 2 Stunden ging es glücklicherweise weiter. Von den Iranern bei Sonnenschein herzlichst verabschiedet gab es bei den turkmenischen Grenzern kein Lächeln mehr, keine Herzlichkeit. Alte Sovietuniformen und -kappen und dann stieg auch noch dichter Nebel auf.
Man fühlte sich wie ein Hauptdarsteller in einem James- Bond- Film unter lauter schurkischen Kommunisten.
Insgesamt dauerte der Grenzübertritt schließlich aber gerade eine Stunde. Und es musste auch wieder einmal keine einzige Tasche geöffnet werden.






Bei der ewig langen Abfahrt gerieten wir in ein Gewitter, mit einem Wolkenbruch dass man kaum Luftholen konnte. Es ist schon sonderlich in einem Wüstenstaat gegen das Ertrinken kämpfen zu müssen.













Nach wenigen km erreichten wir Ashgabat, die Hauptstadt- ein Mix aus Pjöngyang und Disneyworld. Polizisten, Armee und Geheimdienst allenthalben. Ich hatte unbeabsichtigt den Präsidentenpalat aufgenommen, woraufhin mich ein übereifriger Offizier am liebsten sofort ins Gefängnis stecken wollte.
Wir einigten uns schließlich darauf die entsprechenden Fotos zu löschen.























Wir hatten geplant durch die Karakum Wüste nach Konya Urgensch und Dashoguz und weiter nach Chiwa in Usbekistan zu fahren. Etwa 650km. Hundert km vor Konya Urgench gibt es neuerdings eine Abzweigung direkt nach Dashoguz. Auf autobahnähnlicher Straße kürzt man fast 100km ab. Diese Straße ist bisher auf keiner uns bekannten Karten verzeichnet.
Aber wir entschieden uns für die ab hier schlechte, alte Straße nach Konya Urgench- eine der alten, wichtigen Seidenstraßenstädte.
Wir beschlossen 650km seien zu viel für uns in 4 1/2 Tagen per Rad. So suchten wir einen Transport für unsere Räder und uns.
Die Reiseveranstalter verlangten Phantasiepreise.
Am Taxistand Richtung Dashoguz fanden wir dann einen netten Taxifahrer der uns für 100 USD durch die Wüste brachte.
Wir fuhren so viel wie möglich selber, konnten aber das Gepäck im Fahrzeug lassen. Ein ungewohntes Gefühl mit solch leichten Rädern und Rückenwind durch die Wüste zu rasen.
Eine Nacht zelteten wir dort draussen.
Dicht neben unserem Zelt heulten Wölfe.





































































Das Weltkulturerbe Konya Urgench gehörte nur uns.
Keine anderen Touristen verirrten sich hierher.

























































Insgesamt hält sich der Sicherheitsapparat bei uns Touristen sehr zurück.
Ausser am Präsidentenpalast gab es nur zweimal Checkpoints zur Registrierung- und dort wurden wir mit Tee und eiskaltem Wasser bedacht.
Und die Leute sind sowieso- wie überall in Zentralasien- sehr nett und kommunikativ.

































und der wohl einzige Wegweise von ganz Turkmenistan.....
Kurz vor Usbekistan.
An diesem Grenzübergang waren nun Turkmenen und Usbeken ausgesprochen freundlich.
Sie sehen aber auch kaum jemals einen Radler.







Liebe Grüße
Uwe
von: Stocki

Re: Turkmenistan- mal anders - 02.08.11 22:38

Vielen Dank für die Eindrücke aus diesem doch eher unbekannten Land.
von: estate

Re: Turkmenistan- mal anders - 14.10.11 09:40

Toller Bericht, danke!

Pjöngjang und Disneyworld, da musste ich laut lachen.
Die Beschreibung passt genau auf diese Sovietstädte, von denen ich mittlererweise auch schon genug gesehen habe.
von: Anonym

Re: Turkmenistan- mal anders - 14.10.11 11:48

Vielen Dank Euch beiden für diesen wundervollen Bericht. Mensch, seid ihr dunkelbraune Südländer dünn und durchtrainiert geworden. Gerade die Portraits und Gesichter Eurer Begegnungen machen Lust auf eine eigene Reise in dieses Länder.
von: Anonym

Re: Turkmenistan- mal anders - 15.11.11 18:04

Bin gespannt, wie es weiter geht.
Ich hoffe, Euch geht es gut und Ihr seid um viele schöne Begegnungen und Erlebnisse reicher.
Liebe Grüsse nach Asien,
Anna
von: uwee

Re: Turkmenistan- mal anders - 18.11.11 10:40

Ja ,ja wir sind mittlerweile in Laos angekommen und wundern uns über die hundsgemeinen Steigungen hier im Norden.
Die Straßenbauer hier müssen Radelhasser sein.
Ihre Definition einer Steigung ist: versuche einen möglichst tiefen mit einem möglichst hohen Punkt auf kürzestem Wege zu verbinden.
Kurven oder gar Serpentinen sind dadurch natürlich streng verboten.
Hatten jetzt auf unbefestigten und oft schlammigen Wegen in Höhenlage von 400- 700münN auf 110km mehr als 4000HM gesammelt mit Steigungen bis über 20%.
Klagen tun wir nicht.
Es ist wunderschön!!!!!!!!!!
Berichte von allen Stationen folgen dann nach unserer Rückkehr ab ca. Ende Februar.
Aber Du darfst natürlich vorher egerne schon mal auf unseren Blog gehen.
Eine schöne Vorweihnachtszeit wünscht
Uwe
von: Bikerrudy

Re: Turkmenistan- mal anders - 19.11.11 15:42

An Turkmenistan kann ich mich auch noch gut erinnern die Freundlichkeit der Menschen und Hilfsbereitschaft sind bei mir im Gedächtnis geblieben. Es ist zwar schon zwei Jahrzehnte her das ich das Land bereist habe kann mich aber auch noch gut dran erinnern. Dein schöner Bericht und die Bilder haben mich bewogen meine alten Aufnahmen heraus zu kramen.
Alle noch auf Papier und zum Teil noch schwarz weiß. Ich wünsche weiter eine schöne Reise. Rudy
von: Anonym

Re: Turkmenistan- mal anders - 28.12.11 17:50

Sardinen und Gutes Bier - nach dieser frohen Weihnacht und ein schönes Silvesterfest! party
von: Lollka

Re: Turkmenistan- mal anders - 02.01.12 07:30

Danke für den interessanten und ausführlichen Reisebericht schmunzel
von: Tasting Travels

Re: Turkmenistan- mal anders - 11.01.12 14:32

Ein toller Bericht! Wir peilen Turkmenistan für den späten Frühling / frühen Sommer an und ich bin schon sehr sehr gespannt, nur die Sache mit dem Visum macht mir etwas Angst. Schaffen wir wirklich sooo viele Kilometer in so kurzer Zeit?
Die Fotos sind im Übrigen auch grandios!!
Gute Reise weiterhin, Rückenwind, Luft im Reifen und Steigungen unter 20% wünscht euch
Annika
von: Anonym

Re: Turkmenistan- mal anders - 02.02.12 20:23

Hab eben nochmal Eure Fotos angeschaut. In den Gesichtern spricht die Begegnung, die diese Menschen mit Euch beiden hatten. Weiterhin gute Reise, bleibt behütet!
von: uwee

Re: Turkmenistan- mal anders - 18.02.12 22:11

Liuebe Anna,
wir sind wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen.
Hatten ein Jahr lang nur gute und nette Begegnungen- und eine tolle Zeit!!
Würden ALLES wieder machen!!!!
Versuchen jetzt wieder ins normale Leben zu kommen.
Liebe Grüße
Uwe
von: lutz_

Re: Turkmenistan- mal anders - 19.02.12 08:22

Hallo Isabel und Uwe!


Ich habe eure Nachrichten hier im Forum und euren Blog immer sehr gerne verfolgt. Herzlich willkommen zurück in Deutschland. Tragt eure Reise weiter in eurem Herzen!

In Antwort auf: uwee

wir sind wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen. [...]
Würden ALLES wieder machen!!!!


Tja, wenn ich aber lese "Schöne Bescherung!!! Oman Air schenkt uns Business- Class- Tickets!!!", dann wird es nix mit dem Amt des Bundespräsidenten. ;-)


Gruß LUTZ
von: uwee

Re: Turkmenistan- mal anders - 19.02.12 12:29

Lieber Lutz,
danke für die Willkommensgrüße!
Allerdings verstehe ich die Sache mit den gesponorten Flügen und dem Präsidentenamt nicht so recht.
Möchte noch einmal feststellen:
Habe sofort und umfassend Alles offengelegt! Sogar mit Fotos!
Habe mir weder juristisch noch persönlich irgendetwas zu Schulden kommen lassen.
Muss jetzt leider Schluss machen.
Warte noch auf einen Anruf von Angela.
Bis dann
Uwe
von: Anonym

Re: Turkmenistan- mal anders - 19.02.12 21:19

ach, hört auf Euch zu wehren, Ihr kennt das doch ja längst (und habt es so gewollt grins): Auch diese Zeit nun ist Bestandteil Eurer Reise.
Viel Spaß beim Erinnern und Erzählen, schön, daß Ihr wohlbehalten und reicher zuhause seid!