Re: Italien Griechenland Sommer 2008

von: iassu

Re: Italien Griechenland Sommer 2008 - 23.09.08 23:26

Und zum Schluß: Teil 8, Mestre - Landquart

in groß, Bilder unten.

Meine Freundin entschwindet mittags zum Flughafen und ich bummle noch einmal durch die Stadt und schaue mir die Leute an. Es ist immer spannend zu sehen, welche Gestalten sich dort wie aufhalten. Für mich schon lange viel interessanter, als die Stadt selber, ein bloßes begehbares Open-air-Museum.
Am nächsten Morgen geht es wieder los. Mit Polizeihilfe finde ich in Mestre die richtige Straße nach Westen. Das ist wegen der Bahn- und Autobahntrasse garnicht so einfach, völlig fehlende Beschilderung gibt dem einen sportlichen Touch. Es ist eine unspektakuläre Rückreise auf demselben Weg wie vor 5 Wochen, große Lust zum Verweilen und Trödeln habe ich nicht mehr. In Castelfranco wird stilvoll geheiratet. Bassano erweist sich auch in der Oberstadt als schön und der Zug bringt mich bis Levico Terme. Die Abfahrt nach Trento will ich selber machen.
Levico selber ist eine nette Kurfrische, dann geht es wieder am See vorbei. Eigentlich wollte ich seitlich abbiegen und den Weg von Caldonazzo über Vigolo nehmen. Daß dazwischen eine Paßhöhe zu überwinden ist, geht aus der Karte kaum hervor, hätte ich mir aber denken können. Auf die 500 HM habe ich jetzt definitiv keine Lust und fahre also wieder über Pergine, bewußt, daß da vorne ein Problem auf mich wartet. Es geht schon abwärts, da erscheint das erstemal die Radlersperrung, immerhin führt ein Weg rechts ab. Vor mir fahren zwei Rennradler, die sich offenbar auskennen. Leider verliere ich sie bald aus den Augen. Als die Straße wieder Anstalten macht, die Bergwelt zu erkunden, fahre ich kurzentschlossen auf die Hauptstraße zurück. Gleich beginnt dort der Tunnel. Es geht munter und sehr flott bergab, 1800 m sind ganz schön lang. Der Verkehr eigentlich erträglich, im Tunnel ist es aber höllisch laut, so, als ob die rushhour schlechthin hinter mir tobt. Es gibt keinen Seitenstreifen. Die Situation ist schon ziemlich heikel, immerhin hupt keiner. Die erste Ausfahrt ist die beste und auf normaler Straße geht es vollends runter in die Stadt. Also bergauf ist das echt ein Himmelfahrtskomando in diesem Tunnel, die Sperrung besteht zu Recht.

Von der weiteren Strecke über Meran und das Vinschgau bis Mals gibt es nichts zu berichten. Dort schlägt das Wetter um und auf den Bergspitzen gibt es Neuschnee. Es regnet nachts ordentlich - ein merkwürdiger Zustand für mich nach so langer Zeit. Früh hat es nur 12 Grad und ich mache mich auf zum Reschenpaß. Der Radweg entpuppt sich als so viel angenehmer, als die Hauptstraße, daß ich nicht widerstehen kann. Er verläuft westlich im Grünen und ist wunderschön. Dort will ich unbedingt auch mal abwärts fahren. Bis zum See oben ist es leichtes Spiel, immer wieder mache ich Fotopausen. Die Natur fasziniert mich und die Sonne scheint auch wieder. Der Graunsche Kirchturm steht in spiegelglattem Wasser. Es geht durch´s Dreiländereck. In Nauders ist aber Schluß mit lustig. Es zieht ein schwarzes Unwetter das Inntal abwärts. Das kurze Stück aufwärts in Richtung Martina gerät zum Widerstand gegen den Weltuntergang, listig von mir gewonnen: Regensachen an und schlußendlich kaum befeuchtet dem abziehenden Wetter hinterher gelächelt. Die rauschende Abfahrt nach Martina ist nett und das Engadin hat mich wieder. Einsam ist es, kaum ein Auto unterwegs. Ich kurble hoch bis Scuol und übernachte das letzte mal auswärts.

Wieder ist die Nacht verregnet, früh hängen die Wolken zwischen den Häusern, aber es hellt sich auch wieder auf. Die Strecke bis zum Tunneleingang ist sehr schön. Die rote Bahn foppt mich mindestens dreimal: immer wenn ich das Warten an einer besonders fotogenen Stelle aufgegeben habe, fährt sie unschuldig vorbei. Besonders fieser Trick: es kommen immer zwei Züge im Dreiminutenabstand hintereinander! Werde mich ein anderes mal dort auf die Lauer legen. Bin am Vereinatunnel zusammen mit einer Handvoll PKWs der einzige Passagier und nach den obligatorischen 17 Minuten wieder diesseits der Alpen.
Zwischen Küblis und Saas gibt es das, wovon ich immer geträumt habe: eine lange, lange, lange Abfahrt ohne Kurven. Und ohne Verkehr. Ich bin gut unten angekommen....nichts für Ängstliche. Und garnichts, wie auch schon bei der Ofenpaßabfahrt, für mein Rennsofa im bisherigen Zustand. Jetzt, da ich das schreibe, deutet sich ein Happy End damit an.

Der Rest der Tour besteht aus dem schönen Radweg bis Landquart, wobei die letzten km nach der Felsen-Engstelle bis zum Bahnhof eine glatte Belags-Unverschämtheit darstellen. Das sollten sie besser als MTB Teststrecke ausweisen. In Landquart wird mal wieder der Zug mein Freund, es sind heute genau 6 Wochen und was genug ist, ist genug. Um 22:00 bin ich im eigenen Zimmer.

Es waren 1800 km, es hätten 3200 sein können, wenn ich nie Zug gefahren wäre. Einerseits finde ich das schade, andererseits war es eine wunderschöne Reise, ohne Panne und Unfälle und ich blicke dankbar und erfüllt darauf zurück.-


Bilder Teil 8