Re: Fahrbericht München - Marseille

von: Alexander Ausserstorfer

Re: Fahrbericht München - Marseille - 22.11.20 10:42

Der ursprüngliche Plan war es gewesen, den Reisebericht unterwegs zu erstellen und online zu schalten. Das scheiterte jedoch in erster Linie an dem dafür notwendigen Zeitaufwand. Ich hatte unterwegs die Zeit nicht. Ich habe dann einfach unterwegs handschriftliche Notizen gemacht. Das ging viel schneller, war aber auch schon zeitaufwändig genug. Der vorliegende Reisebericht basiert nun auf diesen Aufzeichnungen in mein Tagebuch, ausformuliert und mit Erinnerungen ergänzt. Hat aber selbst zuhause mit einer richtigen Tastatur und ordentlicher Software noch lang genug gedauert. Und selbst da habe ich noch nicht alles erwähnt. Wie machen das nur Leute, die Jahre unterwegs sind? Deren Köpfe müssen ja ganz schön voll werden. Und wie dann auch noch von unterwegs?

Das angeschaffte Smartphone war so ein Thema. Die Tastatur geht soweit in Ordnung. Der Stromverbrauch ist einfach zu hoch. Ich brauchte gute zwei Tage oder 200 km, um es zu laden. Die Software ist grauenhaft. Ich schaffte damit unterwegs kaum mehr, als Bilder auf meinen Webspace zu schaufeln und einige Notizen für de.rec.fahrrad zu verfassen. Das funktioniert alles sehr umständlich und schlecht. Wie man da mit Geräten ohne Tastatur und Maus und ausschließlich mit einem Tippschirm arbeiten können soll, verstehe ich noch weniger.

Eine SIM-Karte hatte ich mir im Vorfeld der Reise anschaffen wollen. Aber der einzige Laden, wo ich nachgefragt hatte, sagte mir, dass es keine gäbe. Ich ging dann unterwegs nur über WLAN online, welche es auf den meisten Zeltplätzen oder in größeren Städten gab. Internetcafes fand ich überhaupt keine mehr. Scheinbar muss man heutzutage sein eigenes Gerät mitnehmen, was mich etwas irritiert hat. Das kannte ich so von früher nicht.

Es lag nicht in meiner Absicht, ein internetfähiges SmartPhone zum Suchen und Navigieren zu verwenden. Zum einen wollte ich mit den Leuten ins Gespräch kommen. Habe aber dabei lernen müssen, dass die meisten ihre Heimat nicht zu kennen scheinen. Sie kennen dann weder die Zeltplätze noch die Radwege. (Wenn man einen Autofahrer fragt, bekommt man eine entsprechende Antwort. Fährt also so, wie es für einen Radfahrer nicht ideal ist.) Zum anderen ist der Stromverbrauch solcher Geräte einfach viel zu hoch, um es den ganzen Tag betreiben können. Und ich hatte mich auf die Umwelt konzentrieren wollen. Da ein Smartphone zu verwenden wiedersprach eigentlich der Philosophie der Reise.

Die Geschichte mit der Rohloff, das war halt Pech. Inzwischen weiß ich selbst, wie man das reparieren kann. Mit der externen Schaltansteuerung tut man sich jedoch viel leichter (zumal dort die Seilzüge viel länger halten werden). Eine Kettenschaltung möchte ich auf keinen Fall mehr haben. Die ist zu teuer, weil viel zu wartungsintensiv.

Und freilich ist es so, dass es immer viel einfacher ist, das Auto, die Eisenbahn oder auch das Flugzeug zu nehmen. Weil unsere Welt nicht oder nur bedingt zum Rad Fahren gemacht ist. Das braucht man nicht zu verschweigen. Es könnte vieles besser organisiert sein. Wer sowas tut, braucht halt ein dickes Fell. Erlebt dafür aber vielleicht auch etwas, was ihm sonst entgangen wäre.