Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien

von: Tom72

Re: Alpen, Haute-Provence, Okzitanien, Katalonien - 28.03.19 22:31

22. Tag (28.07.2018), Costa Brava bei Sant Feliu de Guíxols, Busfahrt nach Girona und Zugfahrt nach Avignon
Strecke: 20 km
Höhenmeter: 273




Ich zwinge mich, bereits um 6 Uhr aufzustehen und zügig das Zelt abzubauen. Ich will nämlich, bevor gegen 12 Uhr der Bus nach Girona fährt, von wo aus dann die Zugrückreise beginnt, noch ein Stück entlang der Küste westlich von Sant Feliu de Guíxols fahren. Es handelt sich dabei um eine der landschaftlich schönsten Küstenstraßen der Costa Brava, und ich kenne sie noch nicht, da ich, wie bereits erwähnt, vor Jahren auf einer Radtour zwar die Costa Brava von Frankreich bis Sant Feliu erkundet habe, dort aber die Küste Richtung Girona verlassen habe. Die Möglichkeit für diesen abschließenden kleinen Ausflug war einer der Gründe, warum ich gestern die doch recht lange Etappe auf mich genommen habe und nochmal an die Küste wollte.

Ich fahre die etlichen Kilometer vom Campingplatz zurück nach Sant Feliu des Guíxols und frühstücke gemütlich in der Strandbar, wo ich gestern Abend bereits bei meiner Ankunft auf ein Bier eingekehrt bin.



Ich verlasse Sant Feliu auf der zunächst stark ansteigenden GI-682. Dann verläuft die Straße malerisch und kurvenreich hoch über der Küste. Mir begegnen zahlreiche Rennradler. Ein würdiger Ausklang der Radreise.









Ich fahre nur knapp 10 km auf der Küstenstraße, da ich ja wieder nach Sant Feliu zurück und den Bus kriegen muss. Ein Parkplatz mit Aussichtspunkt wird also zum offiziellen Endpunkt der Radreise erklärt.



Wenn ich noch ein paar mehr Urlaubstage zur Verfügung gehabt hätte, wäre ich gerne noch weitergefahren; Barcelona, wo ich bereits zwei Radreisen beendet habe, wäre ein schönes Ziel gewesen… So aber kehre ich an dieser Stelle um und fahre zurück nach Sant Feliu, wo ich dann bis zur Abfahrt des Busses nach Girona noch anderthalb Stunden Zeit habe, so dass ich mir noch ein Bad im Meer gönne.







Der Bus mit problemloser Fahrradmitnahme (ohne das Rad demontieren und verpacken zu müssen) bringt mich von Sant Feliu zurück nach Girona, von wo ich ja erst gestern gekommen bin; er fährt ab Llagostera auf den selben Straßen, auf denen ich gestern in umgekehrter Richtung geradelt bin. In Girona endet die Fahrt in einem der für viele spanische Städte typischen unterirdischen Busbahnhöfe. Er ist direkt am Bahnhof gelegen, von wo ich den Regionalzug Richtung Frankreich nehme.





Auf der Bahnstrecke bin ich nicht zum ersten Mal unterwegs. In Cerbère, dem Grenzbahnhof auf französischer Seite, muss ich umsteigen (durchgehende Züge gibt es auf dieser Strecke schon wegen der unterschiedlichen Spurweiten – iberische Breitspur auf der einen Seite und Normalspur auf der anderen Seite – nicht); von dort fährt ein durchgehender Regionalzug (TER) nach Avignon. Die Strecke verläuft ein Stück entlang der Côte Vermeille; hier war ich bereits mehrmals sowohl mit dem Zug als auch mit dem Rad unterwegs. Die Strecke führt über Perpignan und verläuft hinter Port-la-Nouvelle durch die Lagune parallel zu dem Weg, den ich vor fünf Tagen in umgekehrter Richtung gefahren bin (im Hintergrund zu erkennen).





Die Bahnstrecke hat weitere Berührungspunkte mit der Radtour und verläuft weiter über Narbonne, Béziers, Agde, Sète und Montpellier. Gegen 19.30 Uhr erreiche ich Avignon, von wo ich für morgen den TGV nach Frankfurt gebucht habe. Von Girona bis Avignon habe ich mit Regionalzügen mit einmal Umsteigen und problemloser Fahrradmitnahme nur gut fünf Stunden gebraucht.



Nun bin ich also wieder in Avignon, wo ich ja vor etwa 10 Tagen bereits, ohne mich lange aufzuhalten, durchgekommen bin. Da ich, vermutlich zu Recht, annehme, dass preiswerte Unterkünfte um diese Jahreszeit kaum zu bekommen sein werden und auch keine Lust auf eine langwierige Unterkunftssuche habe, quartiere ich mich im nahegelegenen Ibis Budget ein, bin froh, dass ich überhaupt noch ein Zimmer bekomme und nehme den Preis von ca. 100 € in Kauf. Vom Zimmer habe ich einen Blick auf die die gesamte Altstadt umgebende Stadtmauer und die Baustelle für die Straßenbahn, die auch in Avignon wieder eingeführt wird.



In der Stadt findet gerade das jährliche dreiwöchige Festival d’Avignon statt, ein Kulturfestival, im Rahmen dessen, wie ich mich im Nachhinein informiere, sowohl Veranstaltungen in verschiedenen Veranstaltungsräumen als auch Darbietungen auf Straßen und Plätzen auf dem Programm stehen. Es lief bereits, als mich mein Weg vor 10 Tagen durch Avignon geführt hat; während mich neulich die wegen des Festivals die Innenstadt bevölkernden Menschenmassen eher genervt haben, genieße ich jetzt, am letzten Abend der Reise, das rege Treiben auf den Straßen und verschiedene musikalische Darbietungen, zum Beispiel diese zwei Gitarristen, deren Aufführung mir besonders gut gefallen hat (VIDEO, ZUM ABSPIELEN HIER KLICKEN).

23. Tag (29.07.2018), Zugfahrt Avignon – Erfurt

Angekommen bin ich gestern mit dem Regionalzug (TER) am ursprünglichen, tatsächlich in Avignon gelegenen Bahnhof „Avignon Centre“. Der TGV-Bahnhof hingegen liegt etliche Kilometer außerhalb der Stadt, und da der TGV nach Frankfurt um kurz vor neun fährt, stehe ich sehr zeitig auf und radle zur Gare d’Avignon TGV, etwa 6 km vom Stadtzentrum entfernt. Nach etwa der halben Strecke gibt es, wenn ich nicht irgendetwas übersehen haben sollte, keine Alternative mehr zu einer Straße mit ausdrücklichem Fahrradverbot, das ich natürlich ignorieren muss. Wenn ich es also richtig mitbekommen habe, kann man den TGV-Bahnhof von Avignon von der Innenstadt aus nicht legal mit dem Fahrrad erreichen.

Ich erreiche sehr zeitig die Gare d’Avignon TGV, habe genug Zeit, dort gemütlich zu frühstücken und anschließend in Ruhe mein Rad für den TGV-Transport zu verpacken.



Ich hatte mir zwar sicherheitshalber meine TGV-Fahrkarte bis Frankfurt besorgt, steige aber bereits in Mannheim in den ICE nach Erfurt um (der Fahrradkarton im Hintergrund gehört einer Radreisenden, die mit mir in Avignon eingestiegen ist).



Mit verpacktem Rad, zwei Packtaschen und einer Lenkertasche ist das Umsteigen, zumal, wenn die Umsteigezeit nicht allzu großzügig bemessen ist, häufig recht stressig. Daher passt es hervorragend, dass in Mannheim mein Anschluss-ICE auf demselben Gleis fährt, an dem ich mit dem TGV ankomme. Also keinerlei Geschleppe.

Gegen 18.30 Uhr erreiche ich Erfurt. Nach drei Wochen geht eine weitere erlebnisreiche und nach meinem Geschmack rundum gelungene Radreise zu Ende.