Armenien und Georgien

von: EbsEls

Armenien und Georgien - 03.02.17 19:42

„Es kommt nicht auf die Leistung, sondern auf das Erlebnis an.“ – Anderl Heckmair


Es war der dritte Anlauf zu einer Reise in den Kaukasus. Zweimal bin ich an meiner mangelnden Courage gescheitert. Es ging mit dem Flugzeug nach Tiblissi, wo direkt vor dem Flugplatz die Tour begann. Anne und Detlef aus Rudolstadt sowie ich haben in Armenien den Sevan-See umrundet und sind dann wieder zurück über den Kleinen Kaukasus nach Georgien. Höhepunkt war der Aufstieg nach Swanetien.

18.6.2016 Georgische Straßenhölle
Alle unsere Fahrräder wurden noch einmal von Bodo Wenzel aus Cumbach in Schuss gebracht, “sie schnurren wie die Kätzchen.” Aber die Räder mussten von uns für den Flugzeugtransport wieder "kaputt" gemacht werden, demontiert werden. Aber alles lief gut, wir brauchten bei der Aufgabe in München noch nicht einmal Luft aus den Reifen rauslassen. Anne und Detlef wurden für ihre Kartonverpackung gelobt, mein bisschen Knallfolie gewickelt um die kritischen Stellen am Rad wurde mit einer speziellen Sperrgepäckwanne gewürdigt. Alles ist gut in Tiblissi angekommen. Es war gegen 5 Uhr in der Früh, die LH 2556 hatte ein bisschen Verspätung, in Düsseldorf war Gewitter. Ein Cabincrew-Mitglied kam deshalb am Startort MUX verspätet an, so hängt eben Alles mit Allen zusammen. Eine sehr kurze Nacht, der Flug dauerte 3 1/2 Stunden.
Endlich rollten wir los. Ich hatte mir in Google-Earth einen schnellen Weg raus aus der Stadt Tiblissi in Richtung Grenzübergang nach Armenien in Sadakhlo erkundet. Der erste Spezialabschnitt eine Eisenbahnbrücke über den Mtkvari-Fluss in Tiblissi fanden wir leicht, der Feldweg parallel zu einer Eisenbahnlinie zu einem Stausee wurde verpasst.


Georgische Straßenhölle bei Kumisi

Wir landeten auf einer Hauptstraße nach Marneuli in der georgischen Straßenhölle. Die Höllenqualen bestanden aus großer Hitze und viel Verkehr mit Abgasen, die jedem VW zur Ehre gereicht hätten. Mir fällt der stetige Aufstieg extrem schwer, ich brauche bestimmt noch einige Tage, um mich einzurollern. Das Hupen war in der Regel ein freundlicher Gruß an den Radler.
Gegen Nachmittag sind wir immer noch in Georgien nur 10 km von der Grenze zu Armenien entfernt, aber in Dörfern mit aserbaidschanischer Bevölkerung. In der letzten Kneipe spielten Alle zum schwarzen Tee engagiert Domino. Unser Platz zum Zelten zeichnet sich durch perfekte Logistik aus. Die Aseris bedienen uns mit einem Bier zum köstlichen Schaschlik. Wir dürfen die Zelte direkt im Garten aufbauen und die Dusche benutzen. Der Höhepunkt des Abends ist der Auftritt eines Gopuz-Spielers in einer Männerrunde an unserem Nachbartisch.



Armenien
19.6.2016 Armenische Klosterstraße

Die erste Frage an der armenischen Grenzkontrolle durch einen jungen Grenzschützer mit russischer Generalsmütze war: “You come from Aschenbecher?” Er wurde schon leicht stinkig, als ich ihn für mein Verständnis zum zehnten Mal aufforderte, die Frage zu wiederholen. Ach so, ob wir aus Aserbaidschan kämen?
Wir radeln jetzt in der Schlucht des Debed, der sich mit reißender trüb brauner Strömung präsentiert.



Zwischendurch ein kleiner Regenschauer. Wir finden Unterstand bei einem Gewerbegelände, der Wächter Agronom Haik holt uns in seine kleine Pförtnerloge und kocht uns einen Espresso. Er war sehr politisch bewandert und interessiert. Deutschland hätte eine wichtige und gute Industrie, nur die Politik der Angela Merkel sei fragwürdig in der Flüchtlingsfrage.
Hier befinden sich einige berühmte armenische Klöster, leider immer 400 Höhenmeter über dem Fluss auf einer Felsterasse aus erkalteter Lava. In Akhtala wollte keiner von uns Männern hoch zur Burg und dem Kloster, das UNESCO-Weltkulturerbe Haghpat habe nur ich abgewählt. Ich komm’ nicht hoch! Noch nicht. Während Anne und Detlef sich im Kloster geistig erbauen, erforsche ich die Welt der armenischen Käsesorten.



Zum Bier bestelle ich eine Käseplatte mit Lavash, dem dünnen Fladenbrot. Es war aber noch ein Bisschen Stör, das Madlotschka sagte “Sterlett”, vom Vorabend übrig … ich darf kosten. Sehr gut!
Das Städtchen Alaverdi ist geprägt durch die Kupferhütte. Hier wird schon seit über hundert Jahren Kupfer verhüttet. Interessant ist die Verlegung des Fabrikschlots hoch auf den Berg.



In Alaverdi spricht uns ein pisatelj, ein Schriftsteller an. Der kriegt dann einen Anschiss von einem anderen Passanten, da er sich mit uns russisch unterhielt. Sonst haben wir aber überhaupt kein Problem, die russische Sprache zur Verständigung zu nutzen. An dem armenischen Wort für “Danke” zerbreche ich mir die Zunge - „schnorrhakalutsjun“.

20.6.2016 Die Gegend um Wanadsor

Die heutige Etappe war zünftig, sie führte nach Wanadsor und einige weitere Kilometer darüber hinaus zu einem Gartenrestaurant, wo wir zelten dürfen. Es sind nur 49 km zusammen gekommen.





Der Besuch einer armenischen Kirche in Wanadsor mit der Spende von ein paar Kerzen für unsere gute Reise ist ein weiterer kultureller Höhepunkt. Es ist die „Schwarze Kirche“, gewidmet der Mutter Gottes. Bis 1828 bestand in Wanadsor eine Schwarze Kirche, an deren Stelle 1831 dieser Neubau errichtet wurde.



Detlef legt großen Wert auf seinen morgendlichen Kaffee. Hier entdeckten wir einen Händler, der frische Bohnen uns auf die hiesige Art ganz fein als Pulver mahlte und verkaufte. Die Armenier sind als Kaffeehändler berühmt. Johannes Theodat (auch Johannes Diodato, eigentlich Owanes Astouatzatur) (* um 1640 in Istanbul; † 1725 in Wien) war ein armenischer Handelsmann und Kurier. Er war der Besitzer des ersten Wiener Kaffeehauses. Carl Tchilling-Hiryan (eigentlich Tchilinghiryan, * 1910; † 1987 in Hamburg) war ein Kaufmann und Unternehmer armenischer Abstammung. Gemeinsam mit Max Herz gründete er 1949 die Firma „Frisch-Röst-Kaffee Carl Tchilling GmbH“, den heutigen Tchibo-Konzern.
Am Ortsausgang hat uns ein ein mächtiges Gewitter mit Hagel erwischt, durch die pomana in der Schwarzen Kirche in Form von einigen Kerzen aber mit guter Logistik in Form eines Minimarkts. Dorthin flüchteten auch die Bauarbeiter, die die Reste von Schlamm und Geröll der letzten Überschwemmung von der Straße weg schaufelten. Alles für die Katz, nach nur einer Minute tat sich wieder eine Sintflut auf und spülte neuen Schlamm und Steine auf die A330, eine wichtige Fernverkehrsstraße für Armenien. Nach einer Stunde konnten wir weiter strampeln bis zu unserem jetzigen hervorragendem Platz zum Zelten, der uns mit diversen Köstlichtkeiten wie hausgemachte Sahne überrascht.


Die Anlage, wo unsere Zelte standen

Wir durften schon mehrfach die Schaschlikküche Armeniens gut ausprobieren. Kurz vor Vanadzor bei einer jungen Familie gab es einen Lammschaschlyk mit diversen Gemüsen. Hier bekamen wir was vom Schwein, für jeden ein kleines Kotelett und Rippchen. Dazu hat der russische Wodka mit dem Namen “Unser Wodka, eure Lieder” sehr gut geschmeckt.

... wird fortgesetzt ...