Re: Radreise Paris-Barcelona

von: Tom72

Re: Radreise Paris-Barcelona - 22.08.16 23:30

Nachtrag zum Prolog

Ich habe es erst jetzt gemerkt, aber anhand der Tatsache, dass ich bereits am 18.09. in der oben verlinkten Diskussion hier im Forum, in der ich im Vorfeld der Reise um Tipps zu meinen Reiseplanungen gebeten hatte, den erfolgreichen Vollzug der Tour vermeldet habe, verbunden mit der Erinnerung, dass des 10. Jahrestages des 11. Septembers gedacht wurde, als ich meine letzte Übernachtung vor den Pyrenäen hatte, kann ich nun feststellen, dass die Reise genau eine Woche früher stattgefunden hat, als ich es in der Titelzeile angegeben habe. Außerdem habe ich in besagtem Thread angegeben, dass es insgesamt ca. 12.000 Höhenmeter waren. Kommt wohl hin, meine damaligen Aufzeichnungen finde ich leider nicht mehr…

2. Tag, Corbeil-Essonnes – Lorris

Heute folge ich zunächst der Seine ein Stück weiter stromaufwärts. Ich habe mich jetzt auch mit den für diese Region noch fehlenden Karten versorgt, so dass ich mich heute besser zurechtfinde als gestern.



Auf verkehrsarmen Straßen fahre ich bis Melun.









In Melun verlasse ich die Seine und gelange über die leider recht starke befahrene D 606 und D 142 mitten in den nahegelegenen, berühmten Wald von Fontainebleau, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Westeuropas.



An einem Parkplatz mit Kreuzdenkmal (Belle Croix) verlasse ich die Straße und gelange auf wunderschönen, gut fahrbaren Waldwegen (wie ich die gefunden habe, weiß ich nicht mehr, in meiner Michelin-Karte sind sie nicht verzeichnet) nach Fontainebleau.

Hauptsehenswürdigkeit von Fontainebleau ist das beeindruckende Renaissance-Schloss mit den prächtigen Gartenanlagen.





Vom Schlosspark aus geht es weiter Richtung Süden auf einem kaum befahrenen Sträßchen (D 58) durch den Wald von Fontainebleau. Er wirkt recht wild und naturbelassen, muss aber, wenn man mehr Zeit hat, ihn zu erkunden, noch landschaftlich wesentlich reizvollere Eindrücke zu bieten haben, insbesondere bizarre Sandsteinformationen.



Ich verlasse den Wald von Fontainebleau bei Montigny-sur-Loing, wo mir zahlreiche prächtige historische Villen auffallen.





Ich folge nun dem Fluss Loing, einem Nebenfluss der Seine, auf der D 40 und erreiche das hübsche Städtchen Nemours.





Weiter geht es entlang des Loing stromaufwärts, Richtung Süden, bzw. entlang des parallel verlaufenden Kanals.





Nach einem kleinen Umweg durch den etwas abseits gelegenen hübschen Ort Château-Landon folge ich weiter dem Loing bzw. dem Canal du Loing. Die Wegbeschaffenheit des Uferwegs ist nun von unterschiedlicher Qualität, teilweise unbefestigt, so dass das Vorankommen teilweise etwas mühselig ist. Wie überall an den Kanälen in Frankreich, gibt es pittoreske historische Schleusen und gemütlichen Boots-Tourismus.



Bei Montargis verlasse ich schließlich den Loing über die D 961 Richtung Loire. Als ich schließlich kurz vor 20 Uhr den kleinen, unbedeutenden und völlig uninteressanten Ort Lorris erreiche, bin ich heute bereits etwa 120 bis 130 km gefahren und komme zu dem Schluss, dass es zu spät ist, um, wie ursprünglich geplant, heute noch bei Tageslicht bis Sully an der Loire zu kommen (weitere ca. 30 bis 40 km). Die heutige Etappe ist ohnehin die längste der gesamten Reise gewesen. Zu meinem Unverständnis haben beide im Ort vorhandenen Hotels Sonntags geschlossen, und einen Campingplatz gibt es auch nicht. Also muss ich das bisher auf meinen Reisen erste und einzige Mal wild zelten. Ich suche mir außerhalb des Ortes ein nettes Plätzchen an einer kleinen, kaum befahrenen Straße (eigentlich eher ein asphaltierter Feldweg) und schlage mein Zelt auf, während es bereits dämmert. Geöffnete Gastronomie gibt es im Ort heute auch nicht, und ich habe wie üblich keinen Proviant dabei, so dass ich froh bin, wenigstens heute Mittag in Fontainebleau üppig zu Mittag gegessen zu haben. Ich habe immerhin noch eine halbvolle Flasche Wein im Gepäck und kann, hier in der Provinz und abseits des Ortes bei klarem Himmel und ohne störende künstliche Lichtquellen, vor dem Einschlafen einen herrlichen Blick auf den Nachthimmel und die Milchstraße genießen.

3. Tag, Lorris – Belleville-sur-Loire

Früh morgens baue ich mein Zelt ab



und fahre zügig und ohne Frühstück (das hole ich unterwegs an einer Tankstelle nach) die gut 30 km über die D 961 bis Sully-sur-Loire. Von hier werde ich ein ganzes Stück dem Loire-Radweg stromaufwärts, also weiter Richtung Süden, folgen. Von Orléans, wenige Kilometer flussabwärts von hier, bis zur Mündung bei St.-Nazaire kenne ich die Loire und den Loire-Radweg bereits von einer Radreise zwei Jahre zuvor. Nun geht es, wie gesagt, in die andere Richtung. Zur Komplettierung meines Kartenmaterials kann ich in der Tourismusinformation entsprechende Karten aus dem deutschen Huber-Verlag zum Loire-Radweg erstehen (La Loire à vélo/Eurovelo 6, Karten 3 und 4).

Das Château de Sully ist, in Flussrichtung gesehen, das erste der berühmten Loire-Schlösser, von denen ich vor zwei Jahren, zwischen Orléans und dem Atlantik, zahlreiche besichtigt habe; das heißt in meiner jetzigen Fahrtrichtung das letzte. Es wird sich aber zeigen, dass die Loire auch oberhalb von Sully einiges zu bieten hat.



Ich folge also der gut ausgeschilderten Route „La Loire à vélo“.



Wie ich es bereits vom Unterlauf kenne, ist die Loire auch hier weitgehend naturbelassen. Der Radweg verläuft über weite Strecken auf den Hochwasserschutz-Deichen.





Nach ca. 30 Kilometern erreiche ich Gien, malerisch am Loire-Ufer gelegen.







Schließlich erreiche ich bei Briare die historische Kanalbrücke aus dem Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren prächtig gestalteten Portalen, über die der Loire-Seitenkanal (Canal Latéral à la Loire) über die Loire geführt wird.





Die Brücke hat auch Gehwege, so dass auch ich hier die Loire überquere und auf dem östlichen Ufer weiterfahre, teilweise entlang eines parallel zum Fluss verlaufenden, offenbar nicht mehr in Betrieb befindlichen, Kanals.





Ich entscheide mich für die Übernachtung für den unspektakulären Ort Belleville-sur-Loire, weil es dort einen Campingplatz gibt. Das Bedeutendste, was der Ort zu bieten hat, ist das nahegelegene Atomkraftwerk.

4. Tag, Belleville-sur-Loire – La Charité-sur-Loire

Heute geht es weiter südwärts entlang der Loire, zunächst entlang des in Fahrtrichtung rechts parallel zum Fluss verlaufenden Loire-Seitenkanals (Canal Latéral à la Loire). Im Hintergrund das Kernkraftwerk von Belleville.





Landschaftlich reizvoll verläuft der Radweg entlang des Kanals.



Ich unternehme einen lohnenswerten Abstecher auf einem Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse zum sehenswerten, auf einer Hügelkuppe gelegenen Ort Sancerre, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die Loire hat.



Weiter geht es auf dem Loire-Radweg, mit Blick auf den weitgehend naturbelassen wirkenden Fluss.







Als ich das malerische Städtchen La Charité-sur-Loire erreiche, ist es zwar erst gegen 16 Uhr. Ich hätte also heute noch einiges an Strecke schaffen können, aber es gefällt mir hier aber so gut, und es gibt einen wunderschön auf einer Flussinsel zwischen zwei Loire-Armen gelegenen Campingplatz, so dass ich entscheide, heute hier zu übernachten.



Blick auf La Charité von der Flussinsel, auf der auch der Campingplatz liegt



In der Altstadt von La Charité gönne ich mir in einem der zahlreichen Restaurants ein leckeres Abendessen.





5. Tag, La Charité-sur-Loire – Moulins

Zum Frühstück zieht es mich erneut in die malerische Altstadt von La Charité. Hier zur Abwechslung einmal ein anderes Zweirad, das sicher nicht weniger fotogen ist als das Fahrzeug, mit dem ich unterwegs bin schmunzel



Auch heute fahre ich zunächst den Loire-Radweg weiter Richtung Süden, teils entlang des Flusses, teils entlang des Loire-Seitenkanals.





Auf der Höhe von Nevers mündet der Allier in die Loire. Ich verlasse hier die Loire und den Loire-Radweg. Ab hier werde ich dem Allier Richtung Süden ins Zentralmassiv folgen.





Über kleine Sträßchen fast ohne Autoverkehr geht es nun landschaftlich reizvoll weiter. Den genauen Streckenverlauf kann ich im Einzelnen nicht mehr nachvollziehen; soweit ich es rekonstruieren kann, bin ich folgendermaßen gefahren: Von Cuffy an der Mündung des Allier in die Loire über Gimouille, Meauce, Apremont-sur-Allier, Neuvy-les-Barrois, Mornay-sur-Allier, le Veurdre, Bagneux, Montilly nach Moulins.







Ich erreiche die am Allier gelegene, an historischen Bauwerken reiche Stadt Moulins und quartiere mich in einem komfortablen, wenn auch nicht ganz preiswerten, Hotel ein, mit dem ich sehr zufrieden bin.





Fortsetzung folgt…