Radreise Paris-Barcelona

von: Tom72

Radreise Paris-Barcelona - 21.08.16 02:11

Prolog





Diese Radtour ist nun schon ein paar Jahre her; ich habe sie bereits 2011 absolviert. Ich hatte „damals“ auch hier im Forum um Tipps hinsichtlich einiger Einzelheiten gebeten und einige interessante und hilfreiche Hinweise erhalten.

Ich habe wahrscheinlich wieder viel zu viele Bilder ausgewählt, ich will aber diesmal versuchen, mich kürzer zu fassen als bei meinen bisherigen Reiseberichten schmunzel.

Ausgangspunkt der Planung war, meine beiden, auch aufgrund der vorhandenen Sprachkenntnisse, Lieblings-Reiseländer Frankreich und Spanien zu kombinieren, wie ich es bereits auf meiner Radtour im Vorjahr (von der Loire-Mündung bei St.-Nazaire nach Barcelona, das nun also zum zweiten Mal Ziel eine Radreise war) praktiziert hatte und auch noch mehrfach seitdem (zum Beispiel im folgenden Jahr). Ich hatte drei Wochen Zeit, also habe ich mich für die Strecke Paris-Barcelona entschieden und die Route teilweise im Vorfeld detailliert geplant, teilweise aber auch die Einzelheiten der spontanen Entscheidung vor Ort vorbehalten.

Für die Planung im Vorfeld und die Navigation unterwegs habe ich wie immer Michelin-Karten im Maßstab 1:200 000 bzw. 1:150 000 verwendet. Eine digitale Version meiner Strecke kann ich dementsprechend nicht anbieten, ich werde aber jeweils die Nummern der gefahrenen Straßen angeben, so dass die Strecke nachvollziehbar sein dürfte.

Die Planung sah vor, von Paris zunächst der Seine südwärts zu folgen, dann durch den Wald von Fontainebleau die Loire zu erreichen, dann dem Loire-Radweg stromaufwärts (südwärts) zu folgen, und dann durch das Zentralmassiv, wobei die Cevennen mit den Gorges du Tarn einer der Höhepunkte der Tour werden sollten. Über Perpignan sollte es über die östlichen (katalanischen) Pyrenäen nach Barcelona gehen, da ich die Küstenstrecke in dem Bereich (Côte Vermeille und Costa Brava, sehr empfehlenswert) bereits aus den Vorjahr kannte. Der Routenverlauf war ziemlich genau in Nord-Süd-Richtung; Barcelona liegt fast exakt südlich von Paris.

Was die Übernachtungen betrifft, wollte ich möglichst oft auf Campinglätzen mein Zelt aufschlagen, die ja gerade in Frankreich und auch in Spanien in ausreichender Zahl vorhanden sind.

Kenntnisse des Französischen und Spanischen waren ausreichend vorhanden, so dass die Kommunikation unterwegs sichergestellt und für interessante Konversationen gesorgt war.

Aufzeichnungen zu den Etappenlängen und den Höhenmetern habe ich wohl gemacht, ich finde sie aber nicht mehr. Selbst die genauen Reisedaten kann ich nach nunmehr fünf Jahren nicht mehr rekonstruieren, zumal auch die Metadaten meiner Bilddateien aus irgendwelchen Gründen keine korrekten Werte liefern. Es war jedenfalls im Spätsommer, nachdem ich in dem Jahr über Ostern zwei Wochen in Andalusien unterwegs war. Der Reisebeginn Sa, 3. September, ist also eine Schätzung, um in der Betreffzeile einen Wert eingeben zu können (der erste Urlaubstag war auf jeden Fall ein Samstag). Jedenfalls hatte ich drei Wochen zur Verfügung, bin ungefähr 1500 km geradelt und habe dreimal, aufgrund des etwas knappen Zeitplans, den Zug genommen (Zugfahrten unterwegs insgesamt etwa 200 km).

Am letzten Arbeitstag, einem Freitag, überlasse ich gegen Mittag mein Büro und meinen Schreibtisch ihrem Schicksal und verpacke am Dresdener Hauptbahnhof, wie bereits mehrfach praktiziert und inzwischen Routine, mein Rad für die Fahrt im ICE und anschließend im TGV in meine Fahrrad-Transport-Hülle. Das erfordert zwar ein wenig Bastelei, ermöglicht aber im Hochgeschwindigkeitsverkehr (ICE in Deutschland, TGV in Frankreich) die problemlose Fahrradmitnahme.



1. Tag, Zug-Anreise nach Paris und Paris – Corbeil-Essonnes

Ich übernachte in Stuttgart bei meinen Eltern, nehme einen frühen TGV nach Paris und komme am späten Vormittag an der Gare de l’Est an. Der TGV Est hatte damals zwar noch Fahrradtransport, die Fahrradplätze waren aber schon ausgebucht, so dass ich mein Rad, wie schon im ICE von Dresden nach Stuttgart, wieder teildemontiere und verpacke.
Am späten Vormittag erreicht der TGV die Gare de l’Est. Ich packe mein Fahrrad aus und mache es fahrbereit.



Ich könnte spontan gar nicht sagen, wie oft ich mein Rad schon vor der Gare de l’Est fotografiert habe; es war bereits damals nicht das erste Mal, und auch danach bin ich mit dem Rad noch mehrmals hier ein- oder ausgestiegen, meist im Zuge der An- oder Rückreise und des dabei ja immer erforderlichen Wechsels des Bahnhofs. Diesmal ist Paris aber der Startpunkt der Reise.



Dem aufmerksamen Betrachter wird auffallen, dass der Sattel fehlt – für den Zugtransport habe ich auch den Sattel abmontiert, und beim Auspacken und Montieren habe ich den für den Sattel passenden Inbus-Schlüssel nicht mehr gefunden. Muss wohl irgendwie unterwegs weggekommen sein… Also brauche ich einen entsprechenden Laden, wo man Werkzeug kaufen kann. Ich erinnere mich an das Kaufhaus Galeries Lafayette im Viertel bei der Oper. Die grobe Richtung ist mir auch ohne Stadtplan bekannt, das heißt aber, ein paar Kilometer durch Paris zu schieben.



Die Galeries Lafayette haben keine Fahrrad- oder Werkzeugabteilung, ein Inbus-Schlüssel-Set bekomme ich dann im nahegelegenen Decathlon. Nun kann ich endlich fahren!

Der Himmel bewölkt sich, und den restlichen Tag wird es wechselhaft bleiben und auch ab und zu etwas nieseln.



Ich erreiche die Seine, der ich heute und teilweise auch morgen stromaufwärts, also Richtung Süden, folgen werde.



Ein markanter Startpunkt für die Tour muss natürlich sein…



Ich folge der Seine stromaufwärts und wechsle mehrfach das Ufer. Auf diese Weise habe ich zum Beginn meine Reise gleich eine schöne Sightseeing-Tour durch Paris.



Die Nationalversammlung



Das Musée d’Orsay



Der Louvre



Die Fußgängerbrücke Pont des Arts



Auf der Pont des Arts ist das Anbringen von Liebesschlössern beliebt, wie hier zu sehen; ein paar Jahre später ist ein Teil des Geländers unter deren Last zusammengebrochen. Blick auf die Westspitze der Île de la Cité mit der Pont Neuf



Typisch Paris…



Auf der Höhe der Gare d’Austerlitz überquert die Métro als Hochbahn die Seine.



Auf dem anderen Ufer die Gare de Lyon



Das recht neue Gebäude der Bibliothèque Nationale aus den Neunzigern, wohl vier aufgeschlagenen Bücher symbolisierend





Man kann nun ziemlich lange einem Radweg wunderschön direkt am Seine-Ufer folgen.













Irgendwann ist mit dem Radweg direkt entlang des Ufers leider Schluss.



Ich habe für diesen Abschnitt der Tour keine Karten dabei, weil ich dachte, es kann ja nicht so schwierig sein, einfach nur der Seine zu folgen. Aber nun gestaltet es sich doch komplizierter als gedacht. Irgendwie, ich kann im Nachhinein nicht mehr im Detail nachvollziehen, wie, schlage ich mich, mit einigen Irrungen, weiter durch.

Ich erreiche schließlich, immer noch an der Seine, das Städtchen Corbeil-Essonnes. Nett, aber unspektakulär.





Ich quartiere mich in einem preiswerten Hotel ein. Beim Auspacken finde ich tief in einer der Packtaschen tatsächlich doch den verloren geglaubten Inbus-Schlüssel für den Sattel. Ich hätte also heute an der Gare de l’Est nur etwas länger im Gepäck suchen müssen, dann hätte ich mir ca. eine Stunde des Schiebens durch Paris erspart…



Fortsetzung folgt…