Re: Alpentour

von: veloträumer

Re: Alpentour - 09.01.21 01:17

Ich bestätige diesen dramatischen Unterschied zwischen Bielerhöhe und Zeinisjoch der Vorschreiber nicht. Auch die Silvrettastraße ist recht anspruchsvoll. Bei Wahl des leichtesten Anstiegs müsste man in der Tat den Arlbergpass fahren (jeweils für Westseite gesprochen). Landschaftlich hat die Silvrettastraße die größten Vorzüge, aber ich würde es auch nicht zu hoch hängen. Das Zeinisjoch hat zu Westseite weniger Aussicht, aber die Szenerie am Kopssee kann durchaus mit der am Silvrettasee aufnehmen. Silvretta ist gleichmäßiger, Zeinisjoch hat nebst der Rampe auch Erholungspassagen. Die Rampen sind etwas steiler, aber nicht unbezwingbar (bin anschließend u.a. Silzer Sattel, Kühtai und Seefelder Sattel gefahren - das ist alles hefitger).

Hier meine Beschreibung Bielerhöhe aus dem Jahre 2005 (Frühsommer), abends gefahren (oben im Gasthof übernachtet, gestartet in Lindau):

"... Der bisher sanfte Anstieg wird nunmehr durch ein paar steilere Stellen Richtung Gaschurn alpiner. Bei Gaschurn fahre ich über offene Wiesenhügel, der Boden wölbt sich Richtung Berge. Noch kann ich ein ordentliches Tempo halten, schwitze aber auch erheblich. ... Gaschurn – vor nicht allzu langer Zeit Tatort eines Fernsehkrimis um den Kreuztod bei einem Mysterienspiel (was wohl auch das dortige Sporthotel „Nova“ bekannter gemacht haben dürfte wie auch das Badezentrum „Mountain Beach“) – erstreckt sich über mehrere Teilorte und der Ortskern ist vom Radweg aus nicht auszumachen...

Kurz nach dem Ortsteil Partenen beginnt mit der Mautstelle die Silvretta-Hochalpenstraße. Es geht gleich steil bergan. Die 8-10% lassen mich nun mit der Steigung kämpfen, es ist mir eher zu kalt. Es geht durch dicht bewaldete Stücke ebenso wie an von Schmelzwasser überflossenem Steingeröll vorbei, entlang halboffener Blumenhänge und durch helleren Mischwald in Kurven nach oben. Zunehmend setzt lichter Lärchenwald den Blick auf alpine Felswände frei. Die Bäume werden knorrig und kurzstämmig. Im schweren Tritt stoße ich in die Einsamkeit des Hochmontafon vor, nur wenige Autos und Motorräder brechen die Stille, die Mautstraße wird ohnehin nachts geschlossen. Lediglich zwei Rennradler passieren mich noch auf der gesamten Strecke.

Die einzige Erholungsphase folgt nach einer steilen Rampe (ca. 13%) am Vermunt-Stausee. Ich vernehme Murmeltiere ohne sie zu sehen. Erste eigentümliche Bergpflanzen prägen eine offene Gebirgslandschaft, die auf der gegenüberliegenden Seite in steilen Geröllhängen emporwächst. Schneereste verraten den späten Sommerbeginn dieses Jahres. Nach dem Stausee steigt die Straße wieder bekannt steil weiter an. An einem Aussichtspunkt Richtung Montafontal bleibt der Blick bereits in schlechter Sicht stecken. Hoch am Berg entlang verläuft eine voluminöse, grüne Wasserleitung, die wie ein endloses ET-Wesen den Berg erwandert..."


Die Beschreibung Zeinisjoch (in St. Gallenkirch gestartet) aus dem Jahre 2011 (Frühherbst) liest sich bei mir so:

"... Nach Partenen muss man erst die Mautstelle der Silvrettastraße passieren, bevor etwa eine Kurve weiter der Abzweig zum Zeinisjoch folgt. Die Straße ist nicht allgemein freigegeben – nur Lieferanten, Service, Anwohner und Radfahrer dürfen die sehr schmale Westroute befahren. Die Ostroute hingegen ist für den Verkehr vollkommen freigegeben – so darf man sich nicht wundern, oben auch Busse vorzufinden – etwa zwecks Besichtigung des imposanten Staudamms. Die Route ist zunächst bewaldet und mehrere Panoramapunkte geben den Blick frei auf Gaschurn/Partenen im Tal, die Silvrettagruppe oder auch die Serpentinen der Silvrettastraße. Durch die rötliche Herbstfärbung der Gräser und Sträucher haben die Berge wieder einen ganz anderen Reiz als in den grünen Sommermonaten.

Es folgt eine flachere Bergweidelandschaft auf gleicher Höhe zum Bergbach. Am Ende der Wiesen hebt sich der Staudamm fast unscheinbar als Teil der Bergwelt empor. Die Staumauerhöhe bewältigt man wiederum steil und kehrenreich nördlich der Staumauer, zunächst im Wald, dann in freier Berglandschaft."