Ich wohne im Südosten Berlins. Johannisthal. Ich kenne natürlich Schleichwege, bzw, ich würde sie kennen, wenn es sie denn gäbe. Wenn man ein Stück weit draußen ist, dann könnte man durchweg autofrei und sehr schön über Feld und Waldwege rauskommen. Aber ich fahr eben auch gern mal Rennrad und für diese Wege bräuchte man mindestens das Gravelbike mit dicker Bereifung, besser sogar das Mountainbike.

MartinBP hatte die witzige Idee (in Bezug auf E-Bike) mit dem Zug rauszufahren (und ich nehme an zum Zug mit EBike) und dann Akku und Motor im Bahnhofsschließfach lassen, damit er sich draußen anstrengt. Oder vielleicht auch nur das erste Stück zügig bis zu einem Bahnhofsschließfach, und dann unmotorisiert weiter, vielleicht hat er es auch so gemeint. In Anlehnung daran müßte man die ersten Kilometer aus der Stadt raus mit Gravelbike (z.B. über die Rieselfelder) und dann ein Stück weiter draußen das Gravelbike gegen das Rennrad tauschen. Aber das sind natürlich Luftschlösser... (und man darf auch nicht vergessen, dass einem fernab der Autos der Spaß oft durch unangeleinte Hunde verdorben wird)

Asphaltgebunden gibt es im Südosten nicht wirklich gute Schleichwege. Es ist hier die Doppelbarriere der Seen und des Flughafens, was die verbleibenden Durchfahrten verengt. Es gibt hier eher so ein paar Hauptrouten, auf denen fast alle Rennradler rausfahren. Es gibt diese breite Asphaltpiste am Kanal lang und dann entlang der Stadtautobahn weiter. Da ist eigentlich viel Platz, aber Spaziergänger und viele andere schaffen es da stellenweise, den Platz auch mal zu verengen. Gefährlich sind auch die Seiteneinmündungen. Diese Berliner Rennradgruppen fahren da manchmal ziemlich zügig lang, den Mut muss man bewundern, es muss nur mal unverhofft ein Hund auf den Weg laufen (das ist ja leider kein reiner Radweg), und schon würde das ganze Feld am Boden liegen. Aber ich bin allen Radfahrern dankbar, die da Präsenz zeigen, das meinte ich mit "freifegen", was ja einige hier sehr erzürnt hat.

Zügig geht es ansonsten eigentlich nur Richtung Schöckwitz, aber dann ist der Abschnitt zwischen Karolinenhof und Wernsdorf ein Nadelöhr, vor allem, wenn Badewetter ist.
Auch über Köpenick Müggelheim kommt man gut raus. Aber dann ist es blöd, dort rüber zu kommen, da ist die SBahn und ein paar Stücken nicht wirklich angenehm zu fahrende Stadtstraßen eine Barriere. Die neue Regierung bemüht sich sehr, aber grün markierte Radstreifen sind oft nur Stückwerk, es bleiben dann immer noch unangenehme Passagen.
Es gibt noch eine gute Passage östlich vom Flughafen, aber dann geht es nicht so richtig weiter, man muss dann auf Autostraßen weiterfahren, die auch ein bißchen befahren sind.

Und Schleichwege mit Asphaltbelag, die richtig gut sind, gibt es eigentlich kaum durchgängig. Auch kleine Rechts vor Links Straßen durch Wohngebiete sind oft recht stark befahren.
* * *
Also, ich will nicht zu sehr jammern, es geht schon noch ganz gut. Aber man muss schon ganz schön weite Ausfahren mit dem Rennrad machen, damit der erste Anteil durch Berlin, der nicht so schön ist, keinen zu großen Anteil ausmacht. Im Winter ist das dann eigentlich nicht mehr zu schaffen (im Winter geht es aber, muss man sagen, das Problem ist eher der Sommer, weil da Hinz und Kunz auf den Radwegen unterwegs ist).

Mir macht vor allem die Tendenz Angst (und zu Corona-Zeiten hat man schon mal gesehen, wie schlimm das werden kann, wenn wirklich alle in der Stadt sind). Dort, wo diese breiten Ausfallrouten für Rennradler sind, werden immer mehr Wohngebiete hingesetzt. Entsprechend wird dieses Terrain dann eben auch Spaziergänger-Zone.

Ich bin lange Jahre als Rennradfahrer nur Straße gefahren, dann hatte ich aber einen sehr schweren Unfall und deshalb überdenke ich das jetzt ein bißchen...
Es ist natürlich richtig, wenn einige hier ausführen, dass die Radwege für Rennradfahrer enorme Unfallgefahr bergen. Aber man muss auch dran denken, diese Unfälle werden nicht so schwer ausfallen. Eine Begegnung mit einem Auto dagegen schon oft, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Grüße
Christoph