Siehste, und deswegen will ich dann eben doch immer in die Berge, weil, wenn man nur im Flachland bleibt, oder in den Flußtälern, und dann auch noch verkehrsarm unterwegs sein will, dann ist irgendwann die Variation der Strecken wirklich kaum noch möglich.

Ich bin einmal, weil ich zu faul war, nach einer anderen Strecke zu suchen, ein Stück Weser-Radweg noch mal gefahren. Dachte, das kann man sich ja noch mal anschauen. Außer dass inzwischen überall der Wald gestorben war, konnte ich mich aber wirklich an jedes Detail noch erinnern. Seitdem versuche ich daher möglichst jedes Stück neu zu fahren, selbst wenn es dann ein Umweg ist. Es reicht ja schon 30km weiter, und man hat einen anderen Blick auf die Landschaft.
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Ich finde, 160km sind mit Deinem Gravelbike schon ganz schön ordentlich, es sind ja auch noch Höhenmeter im Spiel, und ich vermute, die Strecke ist auch nicht nur asphaltiert. Ich glaube wirklich, dass das Radgewicht sehr sehr viel ausmacht. Und Federung schluckt auch noch mal zusätzlich Energie. Auch der Rollwiderstand der Reifen ist ziemlich entscheidend, sowie Gewicht der Laufräder plus Reifen.
Meine Leistung ist daher vergleichsweise nicht so doll, denn es ist wirklich sooooo viel leichter, mit so einem teuren und leichten Rad zu fahren. Der Effekt ist so drastisch, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, noch mal irgendwann was anderes zu fahren, wenn man sich einmal so ein Geschoss geleistet hat.

Mein Fachkollege aus Bayern macht es genauso wie Du es gemacht hat, der fährt einmal im Jahr von Burghausen nach Bayreuth, auch, weil dort seine Eltern wohnen, und weil er weiß, er kann da sonstwann erst ankommen, kriegt Essen und Bett und muss sich um nichts kümmern. Außerdem würde er im Notfall abgeholt. Das sind wohl 290km und die fährt der mit einem 30er Schnitt. Unfassbar, aber der trainiert auch sehr sehr viel und ist jünger als ich.
Aber er hat vor allem auch ein sündhaft teures Basso-Rennrad. Das macht meiner Meinung nach echt noch mal was aus.

Den Ansteig von Meiningen zum Rennsteig hoch hab ich übrigens erstaunlich easy in Erinnerung. (Es war, glaub ich, eine der beiden Varianten des Werraradweges, ich glaub die westliche). Ich bin da immer langsam vor mich hingestrampelt, so einen autofreien Kies-Forstweg hoch, und plötzlich war ich oben, ich war noch gar nicht richtig abgearbeitet, ich hatte mich wohl geschont, weil ich dachte, es kommt noch schlimmer. (Schwerer war neulich der Radweg Rhön - Oberhof (oder Rhön - Rennsteig, weiß nicht mehr genau, wie der hieß). Da hatte ich schon den ganzen Tag lang Berge, und dann am Ende noch den Thüringer Wald hoch, das war ganz schön hart.)
Runter den Ilmtalradweg erinnere ich mich besser, auch mal wieder so eine Abfahrt, wo man nur hoffen konnte, dass die Bremsen zuverlässig funktionieren. Da wird man verdammt schnell im oberen Teil.

Und die Zeiten, wo man noch Bundesstraßen radeln konnte, ja die gab es mal, das weiß ich auch noch. Das ist nun wirklich ziemlich vorbei, es sei denn, die haben einen strassenbegleitenden Radweg, aber selbst dann macht es wegen des Höllenlärms eigentlich keinen Spaß. Auch wieder ein Grund, in die Berge zu flüchten, da oben kann man echt noch ziemlich ruhige Passagen finden... Osterzgebirge zum Beispiel, da ist es streckenweise soooo ruhig, das ist wirklich noch mal 'ne ganz andere Erholung (mal von der Quälerei da hochzukommen abgesehen).

Und wenn man in Berlin wohnt, hat man Flachland irgendwann echt über. Ich träume immer nur von den Bergen, auch wenn mich da die Einheimischen meist stehen lassen. Es ist einfach irgendwie eine andere Beanspruchung, im Flachland gibt es eigentlich nur gegen den Wind und mit dem Wind, aber sonst ist Radfahren für die Muskeln immer irgendwie ähnlich. Rund um Leipzig gibt es wenigstens mal Hügelland. Ich muss aus Berlin raus schon ganz schön fahren, bis ich ein paar Hügel finde.
Grüße Christoph