In Antwort auf: Gravelbiker_Berlin

Der Gedanke, Akku und Motor im Bahnhofsschließfach abzugehen ist lustig.
Er bringt mich aber auf etwas, was für mich möglicherweise anders ist als für manche hier in diesem Forum, weshalb ich hier oft so auf Unverständnis zu stoßen scheine. Das E-Bike bliebe ja auch ohne Akku und Motor immer noch ein relativ robustes Rad mit wenig Fahrspaß.
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt, warum mir so unverständlich ist, wie man Lust auf E-Bike bekommen kann. Ich kaufe mir teure Fahrräder, also Rennrad, Gravelbike, Mountainbike, immer der Sportbereich, immer das Beste und Leichteste (naja, im Rahmen dessen, was mir noch vernünftig scheint, nach oben ist da ja die Preisgrenze ziemlich offen). Meine Motivation radzufahren ist vor allem, diese tollen teuren Geräte zu fahren, den Spaß beim Fahren, das Leichtgewicht, die schnelle Beschleunigung, die hohe Geschwindigkeit, das Leichte-den-Berghochkommen, das alles in mich reinzusaugen.
Ich weiss daher gar nicht, ob es mich auf ein E-Bike ziehen würde, wenn das eines Tages nicht mehr geht, oder ob ich dann nicht einfach Bücher im Liegestuhl lesen würde. Ich kann mir für mich irgendwie nicht vorstellen, dass E-Bike-Fahren Fun ist.

Wenn Du sagst, Du hättest Respekt vor Leuten, die auch berghoch fahren, dann muss ich zurückgeben, was habe ich erst für Respekt vor Leuten, die ohne Auto auskommen!!!

Aber was Berg hoch betrifft. Es macht wirklich Spaß, versuch's doch mal, aber ohne Gepäck und mit einem wirklich leichten Rad! Dann hat man auch bergab nicht ganz so viel Angst. Und zur Not muss man mal anhalten, bis sich die Scheibe wieder abgekühlt hat, mach ich auch manchmal aus purer Angst, auch wenn mein Radhändler das Quatsch findet.
Berlin hat viel zu bieten, aber was hier wirklich fehlt, sind Berge.




Im Laufe der Zeit hat sich für mich eine Art des Radreisens herausgebildet, an der ich (vor allem auch aus finaziellen Gründen ) nichts ändern werde. D.h. mit vollem Campinggepäck -inzwischen gehört sogar ein kleiner Hocker dazu, Versorgung im Supermarkt, Festquartierübernachtung nur bei ausgesprochenem Mistwetter.

Und ja, mein selbstaufgbautes Reiserad, wiegt ohne Werkzeugtasche und Schloss ca.16 kg, dazu kommen noch ca 20 kg Gepäck. Aber auch mein Gravelrad für Tagestouren wiegt so etwa viel. Da ist kein Lowrider dran, dafür eine Federgabel und gefederte Sattelstütze (und eben auch alles Mögliche, was andere als überflüssig betrachten, wie z.B. Ständer, Gepäcktrager, Spiegel, Nady-Beleuchtung).

Und beide Räder sind auf Berggängigkeit optimiert, vorn 22, hinten 42 Zähne. Damit komme ich schon auch eine 12%-ige Steigung mit Gepäck hoch, aber eben nur mit 5-6 km/h.
Den Ehrgeiz, mich mehr anzustrengen ,um schneller hochzufahren, habe ich nicht, aber eben oft auch keine Lust.
Außerdem fahre ich ohne Pulsmesser, Brustgurt und ä., ich vertraue darauf, dass mir mein Körper sagt, was ich ihm zumuten kann. Hat bisher ganz gut geklappt, aber ist eben auch keine Garantie.

Und letztlich werden mit zunehmendem Alter nicht nur die Höhenmeter weniger, auch die Medikamententasche wird immer dicker (zum Glück brauche ich keine Herz -oder Blutdruckmedikamente, aber andere schon, nicht ständig, aber zur Sicherheit bei den manchmal auftretenden Beschwerden) -und natürlich wird auch die Streckenlänge kürzer.
So etwa ab 60 habe ich gespürt, dass meine Leistungs- und Leidensfähigkeit langsam abnehmen. Ich versuche zwar gegenzusteuern, aber die Biologie lässt sich eben nicht überlisten.
Nur die Strecke Ilmenau(Großbreitenbach)-Leipzig möchte ich gern noch einmal an einem Tag fahren- das war oft der Abschluss meiner Radreise von Ungarn nach Leipzig

Und ich bin mir sicher, dass ich mich nicht eines Tagesnur noch zum Lesen in den Liegestuhl setzen möchte. Solange es geht möchte ich schon noch radfahren, dann eben elektrisch, vielleicht nur noch Tages-und Einkaufstouren.