Hallo Martin, auch hier wieder vollstes Verständnis! Ich bin ja von einem Autofahrer über den Haufen gefahren worden. Auch schon vorher, aber erst recht seitdem, fahre ich wirklich Auto so, dass ich von mir behaupten kann, mir selbst würde es nicht passieren, dass ich einen Radfahrer schuldhaft über den Haufen fahre. Das Ganze erzeugt oft Wutausbrüche hinter mir. Ich fahre auch überhaupt nicht gern Auto. Es ist natürlich eine Sache, wenn das Geld dafür reicht, ist die Versuchung da, es sich zu kaufen, und ich paddle auch, dafür brauche ich es schon.

Aber der Vorschlag, mit dem Auto erst mal rauszufahren, war auch nur so ein Gedanke, ich mache es bisher auch nicht, erstens fahren schon genug mit dem Auto aus der Stadt raus, und irgendwie, es kostet ja auch Zeit und in der Zeit könnte man schon Radfahren. Wenn man dann vielleicht noch in einen Stau kommt, dann ist der Gewinn nicht mehr da.
Dieses Aus-der-Stadt-rauskommen, das ist schon immer wieder ein Ärgernis, und ich kann mir gut vorstellen, dass das in Budapest nicht anders ist, vermutlich noch schlimmer als in Berlin.

Aber mit dem Zug rausfahren ist seit dem 9-Euro-Ticket leider auch keine Option mehr.

Dass Du eher der Flußradweg-Radler bist, finde ich auch voll verständlich, ich habe auch erst mal fast sämtliche Flußradwege in der Nähe weggeschnurpselt, ist ja auch erst mal am einfachsten. Nur, irgendwann sind die alle abgefahren, erst recht mit wenig Gepäck und einem schnellen Gravelbike, und der Blick über die Gipfel von Rhön, Franken, Thüringer Wald, wenn man einmal oben ist, ist auch wunderschön. Auch die Ruhe des Erzgebirgskammwegs, da kann man echt süchtig danach werden.
Deine Angst bergab: Ich weiss absolut wovon Du redest!! Bergauf macht mir totalen Spaß, aber am liebsten wäre mir, wenn oben ein Hubschrauber steht, der mich sicher wieder runterbringt. Ich halte oft an, halte die Hand an die Bremsscheibe und denke, mein Gott, das kann doch gar nicht gut gehen, so heiß wie die ist. Aus Angst bremst man dann grade zu viel, und dann wird die Scheibe erst recht heiß, und das sagt einem natürlich jeder sportliche Fahrer, der erst bremst, wenn er über 60 auf Kies und über 100 auf Asphalt ist, und ja, ich weiss das auch, aber ich traue es mir halt nicht und bremse viel zu viel. Mit (viel) Gepäck würde ich mir das überhaupt nicht mehr trauen, also auch da vollstes Verständnis.

Der Gedanke, Akku und Motor im Bahnhofsschließfach abzugehen ist lustig.
Er bringt mich aber auf etwas, was für mich möglicherweise anders ist als für manche hier in diesem Forum, weshalb ich hier oft so auf Unverständnis zu stoßen scheine. Das E-Bike bliebe ja auch ohne Akku und Motor immer noch ein relativ robustes Rad mit wenig Fahrspaß. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt, warum mir so unverständlich ist, wie man Lust auf E-Bike bekommen kann. Ich kaufe mir teure Fahrräder, also Rennrad, Gravelbike, Mountainbike, immer der Sportbereich, immer das Beste und Leichteste (naja, im Rahmen dessen, was mir noch vernünftig scheint, nach oben ist da ja die Preisgrenze ziemlich offen). Meine Motivation radzufahren ist vor allem, diese tollen teuren Geräte zu fahren, den Spaß beim Fahren, das Leichtgewicht, die schnelle Beschleunigung, die hohe Geschwindigkeit, das Leichte-den-Berghochkommen, das alles in mich reinzusaugen.
Ich weiss daher gar nicht, ob es mich auf ein E-Bike ziehen würde, wenn das eines Tages nicht mehr geht, oder ob ich dann nicht einfach Bücher im Liegestuhl lesen würde. Ich kann mir für mich irgendwie nicht vorstellen, dass E-Bike-Fahren Fun ist.

Wenn Du sagst, Du hättest Respekt vor Leuten, die auch berghoch fahren, dann muss ich zurückgeben, was habe ich erst für Respekt vor Leuten, die ohne Auto auskommen!!!

Aber was Berg hoch betrifft. Es macht wirklich Spaß, versuch's doch mal, aber ohne Gepäck und mit einem wirklich leichten Rad! Dann hat man auch bergab nicht ganz so viel Angst. Und zur Not muss man mal anhalten, bis sich die Scheibe wieder abgekühlt hat, mach ich auch manchmal aus purer Angst, auch wenn mein Radhändler das Quatsch findet.
Berlin hat viel zu bieten, aber was hier wirklich fehlt, sind Berge.

Du schriebst es an anderer Stelle ja auch schon selbst. Flussradwege im Osten, da kann man reinfallen, Saale- und Elsterradweg sind Beispiele. Da wird schon mal schnell eine Flußbiegung über die Berge abgekürzt. An der Saale bin ich auch mal abgestiegen, weil es mir zu steil war. Insofern, die Berge ganz meiden, das ist eh nicht so einfach, oder? Selbst Mecklenburg ist manchmal ganz schön hügelig.

Last but not least: In den Bergen wird Navigation ja erst richtig zur Herausforderung. Dann muss man sich ja vorher jeden Meter anschauen, ob die Steigung noch machbar ist oder ob man da "über seine Verhältnisse plant". Wenn Du mal Berge fährt, dann kann ich vielleicht wieder von Deinen großen Fähigkeiten in Navigation profitieren... (was ja offen gesagt der Grund für mich war, in dieses Forum zu gehen, und die Vermutung, dass es hier Leute gibt, die davon viel Ahnung haben, hat ja auch zugetroffen).
Grüße
Christoph