Moin

schon wegen meines Berufs habe ich die Entwicklung der Pedelecs von Anfang an sehr intensiv verfolgt. Ich finde, dass die Dinger ein Fluch oder ein Segen sein können.

Sicher ist Radfahren pur und ohne Strom, auf einem perfekt an mein Fahrkönnen und an meine Körperlichkeit angepasstem Fahrrad, auf den zu mir passenden Wegen, ein hoher Genuss. Das bedeutet aber damit auch, das ich als großer, älterer, schwerer Mann und mit allerlei Gebrechen, nie an einem Nürburgring-Training für Radfahrer teilnehmen kann, ohne mich über alle Maßen zu quälen. Mit einem sehr guten Freund, der schwer Rheuma hat, sind wir aber da gewesen und es war ein sehr großer Spaß und die Rennradfahrer haben sich nicht gelangweilt, versprochen!
Dazu haben wir uns, mit sehr großem Aufwand, Pedelecs auf Maß bauen lassen. (Das war ein Teil meines Berufs) Die Idee dahinter, ich kann an einem ganz normalen Fahrrad eine Leistungssteigerung erzielen, wenn ich den Fahrer auf ein für Ihn zugeschnittenes Rad setze. (ein 55kg Mensch ist vermutlich klein und leicht, erzeugt wenig Drehmoment und braucht daher ein leichtes, wendiges Rad, bei dem der Rahmen eher wendig und agil sein wird. Aber ein 120kg Muskelmensch ist eher groß und erzeugt Drehmoment wie ein Traktor. Der wird eher einen SUPERFESTEN Rahmen brauchen und eine Sitzposition brauchen, die seine Leistungsentfaltung unterstützt, denn 120kg sind am Berg eher doof!)
Unsere Idee, wir nehmen ein theoretisch optimales Fahrrad und lassen dieses mit einem Motor bauen. Diesen Motor lassen wir so programmieren, (geht heute nicht mehr) dass die Unterstützung zu den Tretgewohnheiten des Fahrers passt und Ihn dort unterstützt, wo der Mensch hebeltechnisch und motorisch seine Schwächen hat. So müssten sich ein optimal ausgenutzter „Mensch“ und ein E-Antrieb optimal ergänzen. „:-) Und diese Dinger hat es gegeben!! :-)“ Mit so einem Pedelec lassen sich jetzt auch Strecken bewältigen, die sonst einen gewissen Schrecken beinhalten und eigentlich gemieden werden.

Zum Fluch: Was ich auf der Straße sehe, sind (Achtung leicht übertrieben) Einheitsrahmen, mit einer Einheitssitzposition, Leuten drauf, die vom Radfahren mitunter keine Ahnung haben und die Rücktrittbremse für das einzig optimale Verzögerungsinstrument ansehen. Diese Leute fahren jetzt Wege, die Sie ohne E-Antrieb nie fahren würden, mit einer Geschwindigkeit die Sie vorher nie gefahren sind und in einer Sitzposition, mit der Sie ohne Akku noch nicht mal zum Bierholen fahren würden. Beim Kauf wird die Unterstützung auf eine hohe Stufe gestellt und locker mit den Füßen an der Erde und dem Lenker direkt vor der Nase eine „flotte“ Runde gedreht. Die Benutzung der Gangschaltung ist eher überflüssig und eine Körperspannung eher hinderlich. Doch sind 25km/h für manche Menschen, an matschigen oder unübersichtlichen Stellen recht schnell……..(Bitte weiterdenken)

Nun habe ich 2 Fahrräder, eines mit und eine ohne Strom und ich liebe beide. Doch wenn ich 3 Wochen mit Strom gefahren bin, bemerke ich, dass mir das Fahren auf dem „normalen“ Rad recht schwer fällt. In diesen 3 Wochen hat sich meine motorische Art mit Körperspannung umzugehen und diese in eigenen Vortrieb zu verwandeln, einfach verändert. Auch ich habe demnach den Motor für mich schaffen lassen und eigene Körperspannung mehr oder weniger unterlassen….? Ich habe mir daher angewöhnt, so oft ich kann, den Strom auszumachen oder die Fahrräder regelmäßig zu tauschen.
Und….. läuft ein Pedelc ohne Strom schwerer? Na klar, deutlich und wenn es dazu noch „dumm“ gebaut oder gekauft wurde, um so mehr. Trotzdem liebe ich mein Pedelec und werde es bei bestimmten Strecken, (siehe Nürburgring-Nordschleife) mit größtem Vergnügen aus dem Keller wuchten!

Grüße Thomas