Hallo zusammen,
zum Thema Radreise in der Schwangerschaft gibt es nicht allzu viele Infos, dafür - vor allem von nicht-Radlern - viel Skepsis. Deshalb möchte ich meine durchweg positiven Erfahrungen dazu teilen:
Wir haben bislang schon einige mehrwöchige Radreisen unternommen (Albanien, Spanien, Marokko, Montenegro etc.) und wollten auch während meines zweiten Schwangerschaftsdrittels radeln. Trainiert war ich nicht besonders.
Der Schwangerschaftsverlauf war bislang unkompliziert, Ärztin und Hebammen hatten nichts einzuwenden. Eine super Adresse ist auch die Sportuni Köln, an der sich eine interdisziplinäre Gruppe mit Sport in der Schwangerschaft beschäftigt. Dort kann man sich auch beraten lassen (
http://www.sportundschwangerschaft.de/)
Ratschläge waren:
- große Hitze meiden
- viel trinken
- Unterzuckerung vermeiden
- nicht überanstrengen
- wenn was wehtut oder unwohl ist: aufhören, ausruhen
- Magnesium zuführen (sollte 240mg täglich nehmen, hatte ich vorher aber auch schon)
- mit Pulsuhr fahren (empfohlener Puls hängt von Alter etc. ab, dazu Infos bei der Uni Köln)
Gefahren sind wir in der 19./20. SSW, fand ich optimal, da der Bauch noch nicht so dick war.
Entschieden haben wir uns für Andalusien. Aussschlaggebend waren u.a.
a) angenehme Temperaturen zu der Jahreszeit
b) es gibt einige vias verdes (umgebaute Bahntrassen) für Etappen mit wenig Steigung
c) gute medizinische Versorgung im Notfall.
Die oben genannten Hinweise haben wir befolgt und die Etappen erstmal kürzer gewählt (um 45 km). Steigungen haben wir versucht in Maßen zu halten. Haben viele Pausen und auch ein paar Ruhetage eingelegt, insgesamt waren wir deutlich langsamer als sonst unterwegs. Die Pulsuhr fand ich sehr hilfreich. Sie zeigt, wenn man ruhiger machen sollte oder auch mal absteigen angesagt ist. Anfangs war ich noch etwas unsicher, das hat sich aber schnell gelegt. Dann wurden auch unsere Etappen länger. Insgesamt haben wir die Tour sehr genossen und mir und dem Bäuchlein hat das Radfahren sehr gut getan. Auch die Vorsorge-Untersuchungen danach haben gezeigt, dass es dem Kleinen offensichtlich gut bekommen ist.
Was gibt es sonst noch zu sagen?:
- Immer einen Müsliriegel parat haben
- Bloß nix Einengendes tragen - bei mir haben sich Aldi-Radhosen in großen Größen bewährt
- Mehr Wäsche als sonst zum Wechseln mitnehmen
- Eine Sattelfederung ist bei holprigen Strecken sicher angenehm (ich bin oft aus dem Sattel gegangen, um Stöße zu vermeiden)
- Gepäck haben wir bei mir klein gehalten (ca 10kg); Zeltausrüstung, Wasservorrat, Werkzeug etc. hat mein Mann geschleppt
- Ich fand das Radfahren wesentlich angenehmer, als die Besichtigungstouren, die wir an Ruhetagen zu Fuß eingelegt haben
- Pulsuhr! Der Puls geht schon schneller als sonst nach oben
- Nach zwei kurzen Einstiegstagen hatten wir schon den ersten Ruhetag eingeplant. Das fand ich sehr angenehm, da ich am Anfang erstmal ein Gefühl dafür entwickeln musste, was geht
- Insgesamt waren wir 14 Tage unterwegs, davon 9 Radtage; gut 550 km
Das sind meine persönlichen Erfahrungen. Muss natürlich jede selber wissen, jede Schwangerschaft ist schließlich anders. Ich würde immer die betreuende Ärztin/Arzt und Hebamme um Rat fragen. Interessant fand ich bei mir, dass nur Menschen skeptisch waren, die keinen medizinischen Bezug haben.
Allen eine gute und schöne Schwangerschaft und mit oder ohne Bauch tolle Touren.
Kurbelino