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#1280689 - 30.04.17 23:46 Atem- (be-) raubend: Bolivien
uwee
Gewerblicher Teilnehmer Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 1173
Dauer:22 Tage
Zeitraum:31.10.2016 bis 21.11.2016
Entfernung:850 Kilometer
Bereiste Länder:boBolivien
Externe URL:http://velo-traumreise.de








Von September 2016 bis Februar 2017 fuhren wir fünf Monate durch fünf Länder in Südamerika.
Wir starteten in Lima/ Peru.

Den Bericht über die ersten sechs Wochen in Peru kann man hier lesen:
Der zweite Frühling - Peru

Viele Reisende, die wir in Peru trafen warnten uns vor Bolivien und den Bolivianern.
"Verschlossen! Unfreundlich! Unverschämt! Unfähig!" , wurden die Bolivianer betitelt.
"Alles genau wie in Peru. Nur viel schlechter!" meinte ein brasilianischer Radler zu dem Land.
"Das kann ja spannend werden", dachten wir...






Wir sind an und auf der Grenze Peru/ Bolivien, auf der nur selten bereisten Ostseite des Titicacasees. Hier gibt es nur einen sandigen, holprigen Weg mit teils heftigen Steigungen auf 4.000m Meereshöhe- aber keinen Menschen.
Einen Grenzposten gibt es hier auch nicht. Den soll es angeblich im nächsten erreichbaren Ort geben.
Der Reiseführer warnt uns eindringlich vor diesem Grenzübergang. "Nur etwas für Hardcore- Traveller" heißt es.
Schauen wir doch mal.











Die UV- Strahlung ist in dieser Höhe, die Sonne im Zenit, und bei der klaren Luft hier beträchtlich.
Ab einem UV- Faktor von 10 gilt es als extrem. Hier haben wir jeden Tag einen UV- Faktor zwischen 16-20. Trotz Gletscherbrille und 100er Lichtschutzfaktor sind seit Wochen Nase und Lippen aufbeplatzt und verhornt. Die Augen tränen...

Die Landschaft ist grandios.
Irgendwann treffen wir bestimmt auch mal einen Bolivianer...











Nachdem wir aus dem Ort gefahren sind finden wir tatsächlich den Grenzposten.
Der Zöllner hält eine Siesta in seinem Privathaus.
Man ruft ihn und keine 10 Minuten später trifft er ein, will alles über unsere Reise wissen und Fotos und eine Visitenkarte für die Pinwand.
Gerne lässt er sich mit uns fotografieren.
So etwas erlebten wir nicht oft.
Netter Kerl!





Der Rechte ist der Chef.







Wir rechneten mit Holperpiste, werden aber von einer tollen, neuen Asphaltstraße überrascht. Heftiger Rückenwind. Was will der Radler mehr?





Claudia und Severin aus Zürich und Bern fuhren den gazen Tag in unseren Spuren.
Als wir unser Feierabendbier kaufen stehen sie plötzlich im Laden.
Wir beschließen gemeinsam einen Ort für unsere Zelte zu suchen.
Wir bleiben auch später in Kontakt- bis nach Ushuaia und treffen uns dazwischen immer mal wieder.












Laut Garmin stehen wir hier mitten im Titicacasee.
In der Trockenzeit hat der sich allerdings einige Kilometer zurückgezogen.











Wir folgen einer hübschen Straße meist in Sichtweite des Sees.
Wir sammeln zwar reichlich Höhenmeter- meist hilft uns aber auch weiterhin ein kräftiger Rückenwind.
Die Autofahrer sind in Bolivien deutlich rücksichtsvoller als in Peru.
Insgesamt empfinden wir die Bolivianer bisher als sehr freundlich, zurücknehmend und angenehm.











Wie auch die Peruaner lieben die Bolivianer Musik.
Leider sind sie aber- ebenso wie die Peruaner- vollkommen unmusikalisch.
Wir genießen die Volksfeste dennoch und werden gerne mit einbezogen.
Es wird extrem viel Alkohol getrunken und gerne auch geteilt.






















Die Berge der Cordillera Real vor uns erreichen mehr als 6.000 Meter. Vor zwei Monaten flogen wir über sie.


























Unbedingt sollten Radler bei Ecofuturo die vielbefahrene Nationalstraße 16 verlassen und immer der Küstenlinie folgend über Santiago de Huata bis nach Tiquina fahren.
Der knapp 1 km breite Estrecho de Tiquina ist die einzige Verbindung zwischen dem kleinen und dem großen Titicacasee.
Diese Straße ist nicht wenig anstrengend, aber daran sollte man sich in Bolivien eh gewöhnen- dafür ist sie aber auch immer wieder atemberaubend schön. Ein Highlight jagt das nächste.





Für wenig Geld kann man alle paar Minuten mit der Fähre übersetzen.













Gäbe es einen Nobelpreis für Straßenbau würde ich den Planer der Straße vom Estrecho nach Copacabana für diesen vorschlagen. Die Straße folgt immer in einer Höhe von 4.100-4.300m dem Gebirgsgrat mit gigantischen Ausblicken auf den Lago Menor links und dem Lago Mayor rechts.
Bei der Höhe und den doch vielen Höhenmetern nicht nur atemberaubende Ausblicke sondern auch eine atemraubende Tour.












Die Terrassen legten schon die Inkas an- in den letzten Jahren zerfallen leider doch einige von diesen.










Ankunft in Copacabana.

Beim Namen Copacabana denkt jeder unwillkürlich an den Strand in Rio und an die schönen Männer und Frauen, die sich hier gerne zeigen und bestaunen lassen.
Kaum jemand weiß, dass dieser Strand nach einer kleinen Kapelle in einem kleinen Ort am Titicacasee in Bolivien benannt wurde.
Also hier sind wir ander "echten" Copacabana.
In einer Basilika wird die dunkle Jungfrau (Virgen Morena) angebetet, die schon so viele Wunder vollbrachte und sogar die Armada der bolivianischen Autos schützt.
Copacabana ist heute wohl der wichtigste Wallfahrtsort in Bolivien und zudem einer der meistbesuchten Touristenorte.
Auch uns gefiel hier. Nach so viel Einsamkeit und Natur genießen wir es endlich einmal wieder abends die diversen Bars und Restaurants testen zu können.
Und unser Hotel stand nur wenige Schritte entfernt zum Wasser. Eine tolle Gelegenheit mal in diesen größten Hochgebirgssee der Welt auf 3810m Höhe hüpfen zu können. So etwas lassen wir uns nicht entgehen- besonders wenn man die Möglichkeit hat sich gleich danach in der heißen Dusche aufzuwärmen.


Copacabana bei spiegel.de



















Von Copacabana aus werden wir weiterfahren nach La Paz, zum Salar de Uyuni und uns an der berüht/ berüchtigten Lagunenroute an der Grenze Bolivien/ Chile versuchen.
Eine wirklich harte Prüfung.

Davon später...


Uwe



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Geändert von Uli (02.05.17 11:43)
Änderungsgrund: Kalendereintrag entfernt
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#1280690 - 30.04.17 23:59 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
iassu
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 17702
Einfach nur klasse bravo
Gruß Andreas
Die Ungeduld hilft selten weiter: wer warten kann, wird früher heiter.
Nordgriechenland im November
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#1280697 - 01.05.17 00:42 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
uwee
Gewerblicher Teilnehmer Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 1173

Ein paar Bilder von Copacabana und der Anreise blieben irgendwo stecken...





































Copacabana von oben









... und von unten. Die Hauptstraße.























Die Madonna hatte leider Ausgang.
Restaurierung!













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#1280903 - 01.05.17 22:19 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
uwee
Gewerblicher Teilnehmer Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
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Beiträge: 1173



Bis zur Fähre am Estrecho de Tiquina fuhren wir diese wundervolle Straße von Copacabana einfach gleich noch einmal. Für die restlichen etwa 80 Kilometer nach La Paz nahmen wir uns dann ein Taxi.
Die letzten Kilometer nach La Paz geht es durch öde Landschaft und das bei unangenehmen Verkehr.
Wir bereuten es nicht
Eine gute Entscheidung.




















La Paz ist schon eine heftige und hektische Stadt. Für Isabel mitunter zu heftig und hektisch. Mir gefiel sie.
Übrigens ist La Paz mit 800.000 Einwohnern weder die größte Stadt Perus noch die Hauptstadt, aber sicher das unangefochtene Herz des Landes.

Und ob man es glaubt oder nicht.... wir besuchten dort sogar eine deutsche Gaststätte mit selbst gebrautem Bier und Schweinebraten.

























Die wichigsten Strecken innerhalb der Stadt und nach El Alto werden von Seilbahnen bedient. Klinisch sauber und gebaut von der österreichischen Firma Doppelmayr.
Das größte innerstädtische Seilbahnnetz und es folgen noch viele weitere Strecken.
Man darf sogar Fahrräder mitnehmen.
Hier ist es so, dass die meisten ärmeren Leute im kalten und windigen El Alto (auf 4.100m) wohnen,
die wohlhabenderen eher in den angenehmeren Klimazonen in La Paz in einer Höhe von 3.400 - 3.600m Höhe.










Auch die ersten hundert Kilometer von La Paz aus ließen wir uns fahren. Diesmal mit einem Bus. Fahrradmitnahme gar kein Problem.






Die Nationalstraße 1 Richtung Patacamaya war zumindest durch die Busfenster eher langweilig, 4- spurig mit breitem Seitenstreifen und moderatem Verkehr.







Natürlich freuten wir uns, als es wieder per Rad weiterging, ab Oruro dann auch nur noch 2- spurig bei wenig Verkehr.
Wir folgen dem Ufer des Lago Poopo in den sich der Río Desaguadero ergießen sollte, den einzigen Abfluss des Titicacasees. Leider wurde er im Februar 2016 als ausgetrocknet erklärt, was natürlich zu Wortspielen anregt wenn ein See, der fast drei mal so groß ist wie der Bodensee gar kein Wasser mehr enthält. Dann ist der ganze Lago Poopo eigentlich für den A....

(Die heftigen Regenfälle im Februar 2017 füllten den See zu 70% wieder auf.)









Selbst auf der flachen und schnurgeraden Straße verunglücken viele Menschen tödlich. Für jeden Toten ein Marterl. Wir zählen fast 100 auf 10 Kilometer.. Ein wohl normaler Wert in Peru und Bolivien












Langsam ändert sich die Vegetation als wir den "See" verlassen.
































Hier auf dem Alto Plano, der riesigen Hochebene, die sich über mehrere Länder verteilt, leben sehr viele Lamas.
Wir mögen sie.













Viel Wind und viele Windhosen...











In Salinas de Garcí Mendoza endet die hervorragend ausgebaute Straße 603.
Der kleine Ort liegt am Fuße des Bilderbuchvlkans Tunupa (5.321m).












Und so geht es weiter.
Schon mal ein Vorgeschmack auf die kommenden Abenteuer.
































Vor uns liegt er. Der größte Salzsee der Welt. Der Salar de Uyuni.







Jetzt ist aber erst einmal Feierabend.
Morgen ist auch noch ein Tag.

















Es gibt schon noch die Fortsetzung.
Dauert diesmal allerdings ein wenig.



Uwe
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Geändert von Uli (02.05.17 11:42)
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#1280963 - 02.05.17 09:56 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
Keine Ahnung
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 7086
Toller Bericht. Ein Bild konnte ich "korrigieren". Ein weiteres Bild scheint nicht mehr zu existieren!?
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1281184 - 03.05.17 07:32 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
grenzenlos
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 873
Hallo Uwe,
danke für die prima Bilder und Geschichten. Freue mich schon auf die Fortsetzung schmunzel
Da kommen viele Erinnerungen hoch.

Die Kreuze (Marterl) sind nicht ohne Grund überall zu sehen - Busfahrerkabine zwinker



Gruß Wi grenzenlos
(hier nur privat, gewerblich wg. 2 Büchern)
www.grenzenlosabenteuer.de

Geändert von grenzenlos (03.05.17 07:34)
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#1281199 - 03.05.17 08:51 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
cyclerps
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 2085
Traumhaft schön. Vielen Dank.
Gruss
Markus
Forza Victoria !
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#1281711 - 04.05.17 23:41 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
helmut50
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 316
Da wir die Reise dorthin erst im August anfangen, folgen wir Euch mit großer Spannung. Toller Bericht!
Gruß Helmut
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#1283802 - 15.05.17 22:01 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
uwee
Gewerblicher Teilnehmer Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 1173






Der Salar de Uyuni.
Der größte Salzsee der Welt.
Halb so groß wie Hessen. Oder wie Oberbayern. Oder so groß wie Niederbayern.
Die Fotos dieses Salzsees machten mich im Vorfeld der Reise atemlos. (Danke Wilfred)
Das soll eines der Highlights der Reise sein.
Und dann auch werden...






Der Weg vom Zeltplatz zur richtigen Einstiegsstelle.

Es ist nicht so, dass man überall auf die dicke Salzschicht auffahren kann.
Viele, die das versucht haben bereuten es bitter und mussten sich und ihr Bike stundenlang vom dicken Schlamm säubern.
Uns führt das GPS zur richtigen Auffahrt.











Dort ist sie. Die richtige Auffahrt.












Es ist nicht so, daß man einfach drauf los fährt.
Es gibt so etwas wie breite Straßen über das Salz.
Der See ist schließlich mehr als 10.000qkm groß.
Und auch eine richtige Karte und Wegweiser.
Dennoch fühlen wir uns wie auf dem Mond. Oder Mars. Oder einer anderen Galaxie.
Nicht nur wegen der Höhe fühlen wir uns wirklich "HIGH":



























Man fühlt sich dort natürlich schon etwas verloren und wird das Gefühl nicht los über den vereisten Baikalsee zu fahren. Mütze und Handschuhe bleiben aber eingepackt.
Gletscherbrille und 100er Sonnenschutz sind dagegen wirklich essentiell.






Das Salz bildet Pentagone oder Hexagone, also Fünf- und Sechsecke.

Die Salzschicht kann bis zu 60 Meter dick sein.

Die Tiefe des Sees, der erst vor etwa 10.000 Jahren entstand, wird mal mit bis zu 80, dann 120, aber auch 212 m maximaler Tiefe angegeben.
Wir haben es nicht überprüft.

Der Salar ist das größte Reservoir für Lithium, was für die Produktion von Akkus benötigt wird. Bolivien hofft durch ihn reich zu werden und versucht- auch mit deutscher Hilfe- Produktionsstätten zu bauen.
Bisher stört es die wenigen Touristen kaum bis gar nicht.











Man kann durchaus auch abseits der Pisten fahren. Es knistert dann halt ein wenig und bremst ein wenig.
Das ist allerdings im Vergleich zum heftigen Wind, der hier rund um die Uhr bläst eher nebensächlich.










Nach mehr als einer Stunde schwebt unser Ziel, die Insel Incahuasi, vor uns in der Luft. Es dauert noch Stunden bis wir sie schließlich erreichen werden.










Aufpassen muss man schon. Es gibt immer wieder solche Schlaglöcher. Mitunter fährt man sogar einen Slalom um diese.





















Wir haben die Isla Incahuasi erreicht.
Nein, wir sind nicht alleine.
Noch nicht.
Viele Jeeps spucken ihre Ladung von Tagestouristen an die Gestade.
Radler sind außer uns nur ein Däne und ein Australier da.
Mit billigen vor Ort gekauften Rädern- ohne richtige Ausrüstung.
Nach zwei Tagen müssen sie aufgeben.






Die kleine Insel Incahuasi ist über und über mit Kakteen bewachsen.






















Nachmittags müssen alle Fahrzeuge die Insel verlassen.
Alle?
Nein!
Zweiradfahrer dürfen hier nächtigen.Wir sind fast allein.
Eine Handvoll Einheimische wohnt auf Incahuasi- und versorgt uns mit Speis und Trank.

Etwas abseits stellen wir das Zelt windgeschützt direkt aufs "Eis":
Belohnt von einem spektakulären Sonnenuntergang.
Es ist Neumond.
Dennoch werfen wir Schatten aufs Eis.
Dafür reicht nachts auf fast 4.000m Höhe das gleißende Licht der Milchstraße.






In der Nacht zählen wir unser verbliebenes Geld.
Ein kleiner Schock.
Wir haben schlicht vergessen in Lima noch einmal einen Geldautomaten zu besuchen.
Das Geld kann zwar wahrscheinlich bis Chile reichen.
Aber es wird schon eng.
Der nächste Automat in Chile kommt erst in zwei Wochen.
Was wenn wir doch Lust auf eines der zwei Hotels an der Strecke bekommen.
Oder ein Bier???
Oder für einen Notfall?








Es ist mein Fehler.
Ich habe etwas Falsches in den Garmin eingegeben.
Zwei Stunden radeln wir bei Gegensturm und schaffen in der Zeit gerade 12 Kilometer.
Isabel erkennt an ihrem einfachen Kompass, dass die Richtung nicht stimmen kann.
Sie und er Kompass haben Recht.
Wir müssen Alles wieder zurück. Allerdings in 20 Minuten.
Weiter in Windrichtung liegt Uyuni, die Stadt, die dem Salar ihren Namen gab.
Noch knapp 100 Kilometer bis dahin.
Dort gibt es Hotels, Restaurants, Kneipen..... und Geldautomaten.
Vier Stunden später sind wir dort.










Frühstück auf dem "Eis".











Salz gibt es reichlich...











Selbst hier gibt es tödliche Unfälle.
Für die Jeeptouristen ist die gesamte Fahrt eine große Party.
Und entsprechend fahren die Fahrzeuglenker.












Das Festland kommt näher.






Plötzlich erreichen wir eine Straße vom Feinsten.
In Bolivien ändert sich einiges.
Es ist längst nicht mehr das rückständige, ärmste Land Südamerikas.
Die Straßen sind besser als die in den umliegenden Ländern- so es welche gibt.


























Ein Hotel aus Salzblöcken gebaut. Inclusive Bett, Nachtschränkchen und Tisch.
Gerade eröffnet und mit großem Rabatt.

Leider funktioniert in ganz Uyuni keiner der (3) Geldautomaten.
Es wird nun doch schon eng.
Wir hoffen auf morgen.




Und so geht es dann weiter.
Auf der berühmt- berüchtigten Lagunenroute.
In einer Höhe von 4.000- 5.000m entlang der Grenze zu Chile.
Das wird noch mal ein ganzes Stück härter...

Hallo Uwe,
auch wenn die Karte eher einen privaten Eindruck macht, musste ich sie in einen Link umwandeln. Wir können das nicht im Einzelnen prüfen, wenn wir auch noch Reiseberichte in Ruhe lesen wollen. Zur Erläuterung siehe Hier


https://lh3.googleusercontent.com/9vZKzg...18-h957-no?.jpg


Davon demnächst mehr...



Uwe



.
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Geändert von Juergen (16.05.17 14:54)
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#1283936 - 16.05.17 15:09 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
grenzenlos
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 873
Danke Uwe,
ich kann nur schreiben: Super Salzfotos, super Bericht bravo bravo
LG, Wi grenzenlos
Gruß Wi grenzenlos
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#1284263 - 17.05.17 21:43 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
Karl der Bergische
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Beiträge: 530
Spanender Bericht, super Fotos.
Danke !!!
Karl
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#1284365 - 18.05.17 11:55 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
weisszeh
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 136
Ganz großartig. Irgendwie eine abstruse Landschaft - wie aus einem ScienceFiction Film. Und sehr schöne Fotos !
Bin echt gespannt, wie es weitergeht.
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#1284476 - 18.05.17 17:01 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
Juergen
Moderator
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Beiträge: 6807
weinend .............. da will ich jetzt auch mal hin!

Dankeschön bravo bravo bravo
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1284550 - 18.05.17 23:39 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: Juergen]
uwee
Gewerblicher Teilnehmer Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 1173
Dank für Eure Rückmeldungen.
Das ist das eigentliche Salz beim Berichte schreiben.
Ohne diese wäre es für die Schreiber einfach öde.
Lob ist natürlich nett.
Kreative Kritik und Fragen zur Reise aber zumindest ebenso.
Muss auch nicht immer nur als PN ankommen...
Liebe Grüße
Uwe
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#1284559 - 19.05.17 00:47 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
iassu
Mitglied
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Beiträge: 17702
In Antwort auf: uwee
Dank für Eure Rückmeldungen. Das ist das eigentliche Salz beim Berichte schreiben. Ohne diese wäre es für die Schreiber einfach öde.
Das ist so, kann ich bestätigen. Deswegen von mir auch nochmal ein großes Kompliment für Reise, Bericht und Bilder!
Gruß Andreas
Die Ungeduld hilft selten weiter: wer warten kann, wird früher heiter.
Nordgriechenland im November

Geändert von iassu (19.05.17 00:47)
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#1284570 - 19.05.17 07:49 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: iassu]
kaspress
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 120
Wirklich traumhafte Bilder
Mtb- und Wanderblog mit kulinarische Tipps:

www.kaspressknoedel.com
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#1284579 - 19.05.17 08:31 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
Mütze
Moderator Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 1800
Einfach nur toll. Vielen Dank !
- - - - - - - - - - - - - - - -
Schotter gehört in meinen Geldbeutel, nicht auf den Radweg. Grüßchen, Ruth http://missesvelominiservice.jimdo.com
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#1285141 - 22.05.17 13:14 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
uwee
Gewerblicher Teilnehmer Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 1173






Die Ruta De Las Joyas Altoandinas, wie die Lagunenroute offiziell in Bolivien heißt gilt als eine der anspruchsvollsten Touren der Reiseradler weltweit. Sie führt vom Salar de Uyuni bis nach San Pedro de Atacama in Chile. Asphaltiert sind von den mehr als 500 Kilometern nur die 50 Kilometer ab der chilenischen Grenze. Sie verläuft in einer Höhe zwischen 4.000 und 5.000 m entlang der chilenischen Grenze. Sie könnte ebenso Vulkanroute heißen. Eine ganze Kette der 5.000er und 6.000er, oft noch aktiven und mit Schneeresten bedeckten Vulkane begleiten uns. Immer wieder passiert man Lagunen, daher der Name. Lagunen nennt man hier die abflusslosen Salzseen. Durch Plankton und unterschiedliche Sedimente leuchtet jede in einer anderen Farbe und wechselt diese auch noch im Tagesverlauf. In dem Salzwasser halten sich verschiedene Vogelarten auf. Am auffallendsten sicher die prächtigen Flamingos.
Uns wird eine Zahl von etwa 150 Bikern und kaum mehr als ein Dutzend Motorradlern genannt, die sich pro Jahr auf diese Piste wagen. Die übrigen Touristen sind auf die Allradfahrzeuge der bolivianischen Veranstalter angewiesen.
Deren Anzahl steigt von Jahr zu Jahr. In älteren Reiseberichten wird von etwa 10 Jeeps pro Tag berichtet. Heute sind es wohl 50- 100 am Tag, die uns begegnen.


Von Uyuni aus fahren wir nach San Juan de Rosario, wo es eigentlich erst richtig losgeht.
Es gäbe auch eine kürzere Straße. Diese ist aber dermaßen schlecht, dass ein jeder den Umweg über den Salar fährt.







Hier in San Juan gibt es die letzten gut sortierten Läden.
Die letzte Möglichkeit für ca. 10 Tage Lebensmittel und Benzin für den Kocher einzukaufen.
Wie in ganz Bolivien sind die Einheimischen sehr nett und hilfsbereit.
Hier wird uns auch außerhalb der Geschäftszeiten die Tür geöffnet und weitergeholfen.





Es fängt ziemlich harmlos an.
Trotz der Höhe von etwa 4.000m ist es anfangs flach.
Sturm und Sand ließen uns aber schon am ersten Tag immer wieder schieben.







Auch der Winschutz war suboptimal, aber der beste, den wir vor Sonnenuntergang erreichen konnten.






Die Berge hier sind meist Bilderbuchvulkane mit einer Höhe von etwa 5.500- 6.500 m Höhe. Oft stehen sie genau auf der Grenze von Bolivien nach Chile.




Der Zug von Uyuni an den Pazifik in Chile.
Leider nimmt er seit Jahren keine Fahrgäste mehr mit.
Im Hintergrund der Ollagüe.




Parallel zur Bahnlinie verläuft eine Straße.
Die letzte Möglichkeit abzubiegen, für den der sich die Strecke doch nicht zutraut.
Auch die Route auf der chilenischen Seite ist kein Zuckerschlecken, aber doch einfacher als die Lagunenroute.
Auch wir überlegen kurz noch einmal...










Es gibt noch den einen oder anderen Salar.










Bereits am zweiten Tag der Tiefpunkt.
Für 10 Kilometer brauchen wir fünf Stunden.
Ich weigere mich noch einen weiteren Kilometer bis zu einem besseren Windschutz zu fahren- also eigentlich zu schieben.



Praktisch jeder, der die Lagunenroute unter die Räder nimmt hat sich ein kleines Brevet ausgedruckt, dass von ein paar Radlern erstellt wurde, die vor einigen Jahren die Strecke befuhren, vermaßen und skizzierten. Hier ist nicht nur der Weg beschrieben, sondern auch praktisch jeder Windschutz eingetragen. In der Skizze mit dem Zeltsymbol gekennzeichnet. Ein Franzose, den wir treffen, meinte es handle sich um offizielle Campingplätze. Ob es dort auch Duschen und Shops habe?
Nein, die gibt es dort nicht.


Pflichtlektüre:
Cycling Southwest Bolivia







Die Lagunenroute ist meist keine Straße. Jeder Fahrer sucht sich seine eigene Route.
Riesige Staubfahnen künden die Annäherung eines Fahrzeuges schon lange vorher an.
Als Fahrradfahrer kämpft man gleich an mehreren Fronten. Es gibt nur wenige Stellen, wo man Trinkwasser erhalten kann. In der Höhe, der Hitze am Tage und bei der Anstrengung brauchen wir etwa 10 Liter pro Person und Tag. Ein Problem. Je schwerer das Rad desto schwerer das Vorankommen. Und wir sind eh schon sehr schwer.
Der Wind beginnt morgens heftig und wächst sich nachmittags zum Orkan aus. Er kommt meist von Süden, die Richtung in die wir fahren.
Die Fahrbahnbeschaffenheit ändert sich mit jedem Kilometer, leider nie zum Guten. Auf felsige Abschnitte folgt tiefer Sand, gleich darauf heftiges Wellblech. Man fährt von rechts nach links und wieder retour um den am wenigsten schlechten Belag zu suchen, ihn aber leider nie zu finden.
Es gibt zudem durchaus noch heftige Steigungen. Wir schieben, ziehen und tragen unsere Räder immer wieder- mitunter selbst bergab. Gold wert war Isabels Idee breite zusammengeknotete Kunststoffbänder (Theraband) mitzunehmen. Diese schlingen wir um unseren Körper, haken sie hinter dem Sattel ein und können so mitunter auch ein ganze Stunde lang mit der Kraft des gesamten Körpers ziehen. Natürlich leidet darunter die Tagesleistung. An schlechten Tagen kommen kaum 30 Kilometer zusammen.
Im Durchschnitt brauchen die Radfahrer 8-10 Tage für die Strecke von San Juan bis San Pedro de Atacama. Da liegen wir mit 9 Tagen im Mittel.


















































Dies ist eine der vielen Lagunen, die der Strecke ihren Namen gaben.



















In der Nacht hatten wir -15°C.







Die Flamingos im Hintergrund sind am Morgen noch im Eis eingefroren und müssen noch warten bis die Sonne das Salzwasser ausreichend erwärmt.














Eines der beiden Hotels an der Strecke.
Wir sind froh, dass wir den Umweg über Uyunui gemacht haben.
Ein Tag relaxen und gute Verpflegung.









Draußen vor der Tür:
























Flugverbotszone?












Nicht alle halten sich daran.














Am Morgen endlich einmal mehrere Kilometer ununterbrochen radeln.
Mit Vicunas und Flamingos.











Man lernt auch dazu. Wir tragen keine 10 l Wasser mehr mit uns. Wir können uns auf die Fahrzeuge verlassen. Halten wir eine leere Flasche in den Wind hält ganz sicher gleich das erste Auto und versorgt uns mit Wasser. Und mitunter auch noch mit Speisen oder gar einem Bier. Während die Insassen fleißig Fotos von diesen seltsamen Ufos schießen, die sie soeben gerettet haben.
















Der perfekte Unterstand.






















Der berühmte steinerne Baum: Arbol de Piedra






Die Laguna Colorada leuchtet erst nachmittags rot.







Das höchstgelegene Geysirfeld der Welt auf mehr als 4.800 m Höhe.










Abends und morgens sind wir ganz alleine.


































Der höchste Punkt der Lagunenroute: 4.925 m







Der Weg lässt sich jetzt (relativ) gut fahren.





Vor uns die Laguna Chalviri




Dort kann man sich im heißen Bad entstauben.










Der Licancabur weist den Weg zur Grenze










Der bolivianische Grenzposten.





An der Grenze beginnt der Asphalt. Noch knapp 50 Kilometer nach San Pedro de Atacama und zu sämtlichen Verlockungen der Zivilisation. Erst allerdings noch fünf Kilometer Steigung bei heftigstem Gegenwind. Dann 2.200m runterrollen in wärmere Gefilde.
Wir schaffen das heute nicht mehr.
Total durchgefroren retten wir uns in die neu erbaute aber noch nicht in Betrieb genommene chilenische Grenzstation und werden vom Baustellenaufpasser mit heißem Tee versorgt und dürfen im Büro unser Zelt aufstellen.







Uns hat Bolivien sehr, sehr gut gefallen.
Abwechsungsreiche, wilde und majestätische Landschaften.
Eine zurückhaltende, aber überhaupt nicht unfreundliche Bevölkerung.
Man hat noch nicht so viel Erfahrung mit den eigenartigen Bedürfnissen der Fremden.
Mit ein paar Brocken Spanisch, einem Händedruck und einem Lächeln kommt man sich schnell näher. Fotografieren lassen sich die Bolivianer meist nicht so gerne. Das gilt es zu akzeptieren.
Die Lagunenroute war wohl unsere bisher anstrengendste Tour. Aber wie fast überall gilt: "Je schlechter die Wege desto schöner die Landschaft".
Und bereits nach wenigen Tagen heißt es: "War doch gar nicht so schlimm!"


Und hier noch der ungefähre Track unserer Strecke:
Bolivien per Bike 2016


Uwe

.
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#1285153 - 22.05.17 14:21 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
iassu
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Unglaublich!

cool bravo schockiert
Gruß Andreas
Die Ungeduld hilft selten weiter: wer warten kann, wird früher heiter.
Nordgriechenland im November
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#1285154 - 22.05.17 14:27 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
grenzenlos
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Hallo Uwe,
absolut beeindruckend, Hut ab schmunzel bravo . Was war für euch die größte Herausforderung, der Wind, die Kälte, die Anstiege oder vielleicht die Höhe? Ich vermute: der Wind verwirrt
LG, Wi
Gruß Wi grenzenlos
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Geändert von grenzenlos (22.05.17 14:28)
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#1285165 - 22.05.17 15:27 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
Keine Ahnung
Moderator
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Ich habe beschlossen, in Zukunft jede europäische Sand- und Wellblechpiste als Erholungspause zu betrachten, um an Eure Tour zu denken. Da werden so einige schlechte Erinnerungen an schlechte Pisten wieder relativiert grins

Tolle Tour!
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1285486 - 23.05.17 23:05 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: grenzenlos]
uwee
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Lieber Wilfred,
ich glaube, die Höhe hat uns nicht mehr so viel ausgemacht.
Zumindest fällt es einem selber nicht mehr auf, wenn Du schon seit vielen Wochen in Höhen von 4.000m unterwegs bist.
Überhaupt kann man die Radler, die solche Höhen das erste Mal angehen, beruhigen.
Kein Radler klagte bisher groß über die Höhenakklimatisierung. Wir Radler fahren einfach langsam genug hoch.
OK, früher hatte ich mitunter bei den ersten Nächten über 4.000m Kopfschmerzen oder wachte nachts auf und japste nach Luft.
Im Alter wird das bei den meisten weniger- endlich mal ein Vorteil!!!
Der Gegenwind, der eigentlich immer Sturm ist, war wirklich ein Problem.
Er zermürbt. Eine Steigung die nie aufhört.
Und stets die Angst es bis zum Sonnenuntergang nicht zum nächsten Windschutz zu schaffen.
Es gibt davon einfach nur so wenige in dieser wüstenartigen Landschaft.
Und ohne machst Du nachts kein Auge zu.
Und stets die Frage ob man es schafft das Zelt aufzustellen und ob es solch eine Nacht wohl überlebt???
Die Kälte war bei uns nicht so schlimm wie erwartet. Einmal nachts -15°C. Meist nur -5 - -10°C.
Das hielt man mit einem dicken und einem dünneren Schlafsack voll angezogen gut aus.
Tags war es meist warm. Die Sonne steht schließlich im Zenit.
Kalt war es beim Kochen nach Sonnenuntergang und vor dem Sonnenaufgang.
Gerne wären wir ja gestartet bevor der Wind auffrischte. Aber da war uns die Temperatur dann doch zu frisch. Das Trinkwasser zu Eis gefroren. Selbst die Akkus der Kamera brauchten Stunden bis sie sich wieder zur Arbeit bequemten.
Die UV- Strahlung ist wirklich extrem. Trotz bester Gletscherbrillen und Sonnenschutz platzten die Lippen, die Nasen verschorften und die Augen waren rot und brannten.
Auf der Strecke lernten wir sogar die üblen Wellblechpisten lieben. Darunter ist zumindest irgendetwas Hartes. Und auch das Schieben geht dort leichter.
Der tiefe Sand zermürbt. Bei der "Abfahrt" zur Laguna Colorada z.B. wollte ich Isabel aufmuntern: "Nur noch 1 1/2 Kilometer." Die Reaktion: Tränen.
Die Anstiege wären eigentlich läppisch. Wenn nur nicht Gegensturm, Wellblech und tiefer Sand wären.
Übrigens klagen wir nicht wirklich.
Auf der gesamten Strecke von Lima bis nach Ushuaia hatten wir meist Rückenwind. Ich wollte diese Strecke niiiieeee in umgekehrter Richtung fahren.
Nur zwischen La Paz und Chile hatten wir fast ununterbrochen Gegensturm.
Trotzdem die vielleicht schönste Strecke, die wir je gefahren sind...
Am liebsten morgen wieder...
Vielleicht sollten wir aber vorher wieder etwas trainieren.
Oder wie Waltraud (Wal), die hier im Radforum über diese Strecken wunderbare Berichte geschrieben hat, uns Fatbikes zulegen.
Liebe Grüße
Uwe
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#1285557 - 24.05.17 13:38 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
tirb68
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Unterwegs in Spanien

Die Randbedingungen sind dort in der Trockenzeit wettertechnisch immer ähnlich.
Ich bin von Oruro über Sajama und den Tambo Quemado nach Arica gefahren.
Gegenwind bzw. Gegensturm, Nachts und in der Dämmerung arschkalt, aber landschaftlich super schön.
Spannend, dass die 4 jetzt endgültig asphaltiert ist.
Auch die Bolivianer würde ich als zurüchaltend und überwiegend freundlich bezeichnen, solange sie nüchtern sind. Hilfsbereit sind sie, wenn man direkt um Hilfe bittet.

Ein schöner Bericht.
Bolivien ist mehr als eine Reise wert.

Grüße
Brit
Der normale Tropfen macht das schon und fließt mit den anderen in den Wasserkopf der Nation.
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#1285613 - 25.05.17 09:44 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
grenzenlos
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Lieb Uwe,
danke für die ausführliche Antwort.
Du beschreibst sehr gut den Kampf gegen die Elemente Kälte, Höhe; Steigungen und Nachtplatzsuche. Da kommen viele Erinnerungen hoch.
Ich selbst war in Südamerika auf 6000 Meter Höhe. Gi war dies zu hoch. Sie blieb da lieber weiter unten. Sie hat immer Probleme mit der Höhe. Jeder ist halt anders schmunzel
Unser größtes Problem auf größeren Höhen, ist aber meist die Kälte, denn wir als Sandwüstenfüchse lieben ganz einfach die absolute Wärme.
Gegenwind, ob nun da oder da, zermürbt fast unendlich, zumindest wenn er arg über Tage weht. Egal, letztendlich siegen aber immer, zumindest bisher, die Glückshormone. Und alle vorher gefühlten Schwierigkeiten lösen sich plötzlich in Luft auf. Und genau diese Erfahrung zwingt uns regelrecht es wieder zu tun zwinker
LG, Wi
Gruß Wi grenzenlos
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#1285829 - 28.05.17 10:59 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: grenzenlos]
weisszeh
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Heftige Sache. Wind, Kälte, Wüste, Höhe - echtes Radgebiet eben.
Fast wie bei Bozen im Frühling ... zwinker

Danke für den Bericht und die "Erweiterung des Horizonts".


Vielleicht hättet ihr ja Lust mit der Geschichte mal nach Jena zu fahren und das als Diavortrag im Rahmen der Lichtbildarena im Wettbewerb der Kurzvorträge vorzustellen. Sehr nette Veranstaltung und ich würde vermuten, daß ihr mit den beiden Veranstaltern auch gut könnt. (PS. Ich kenne das nur als Zuschauer und das ist auch ein rein privater Hinweis.)
Einfach mal gucken auf der Webseite, wie da die Anmeldekriterien sind. Das ist auf jeden Fall sowas, was man als Lichtbildschauender gerne sehen will - und ein großer Saal mit 500 Leuten ist einfach deutlich fetziger, auch für den Vortragenden, als 30 Einzelpersonen im (halb)privaten Rahmen; OK - ich sag mal: anders.
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#1285881 - 28.05.17 23:51 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
sebael
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Hallo Uwe!
Ein sehr schöner Bolivien-Bericht. bravo
Den habe ich eben als Abendlektüre verschlungen. Die Sandpisten sind ja echt heftig! Da leidet man richtig mit, wenn man die Bilder sieht.

Habt ihr auch auf dem Salar de Uyuni, also direkt auf dem Salz, gezeltet?
Mir hatte mal ein Radler gesagt, dass das Salz so hart wäre, dass man keinen Zeltnagel hineinbekommt. Ich habe zwar ein freistehendes Zelt, aber wenn starker Wind weht, muss ich die Zeltnägel trotzdem reinschlagen. Dieser Radler sagte mir, dass er ein paar größere Steine mitgenommen hatte. Ich habe aber keine Lust, noch mehrere Kilo an Steinen herumzuschleppen.
Ich werde die Lagunenroute von Süden her fahren. Ich denke mal, keine so schlechte Entscheidung, wenn ich von dem Wind oder besser gesagt Sturm aus südlicher Richtung lese, den ihr hattet.
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#1286108 - 30.05.17 19:02 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: sebael]
uwee
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Hallo Sebastian,
nein wir zelteten nicht direkt auf dem "Eis".
Es ist dort wirklich extrem schwer Heringe einzuschlagen.
Wir zelteten auf dem Salar nur an der Isla Inkahuasi.
Das war auch gut so.
Bis zum Abend mutierte der Sturm stets zu einem Orkan.
Da war es ratsam irgendwo im Windschatten zu zelten.
Das ist bei einer so kleinen Insel auch nicht sonderlich schwer.
Wir blieben am Übergang von Salz zu Fels und konnten das Zelt und die restliche Ausrüstung mit Heringen und Steinen sichern.
Wir hatten keinerlei Lust bei diesen Verhältnissen ungeschützt auf dem Salz zu nächtigen.
Ich meine bei der Lagunenroute ist es wohl fast immer einfacher von Süd nach Nord zu fahren.
Der erste Teil der Strecke ist auch noch relativ gut ausgebaut.
Schwer wird es dann erst ab der Laguna Colorada.
Lästig ist allerdings die Auffahrt von San Pedro de Atacama bis zum Abzweig nach Bolivien.
2.200 Höhenmeter geht es durch öde Landschaft und weitgehend ohne Kurven aufwärts bis auf 4.600m.
Gut wer dann bereits höhenakklimatisiert ist.
Es wird auf alle Fälle ein unvergessliches Erlebnis.
Alles Gute
Uwe
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#1286248 - 31.05.17 16:17 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
sebael
Mitglied
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Unterwegs in Argentinien

Vielen Dank für die Infos, Uwe!
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#1286982 - 06.06.17 21:21 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: uwee]
tropine
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Beiträge: 16
hallo uwee,
so tolle bilder und auch die kommentare dazu. war selbst 2016 in peru und bolivien (la paz).
kürzlich war ich auf einem lichtbildervortrag über südamerika - ein radler war unterwegs in kolumbien, argentinien und peru und klagte sehr über die wilden hunde. Sie wurden permanent davon verfolgt. das schreckte mich sehr ab, denn eigentlich wollte ich nicht als normaltourist nochmal südamerika bereisen, sondern auch lieber mit dem rad. wie waren zum thema "hunde" eure erfahrungen?
lg ursula
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#1286991 - 06.06.17 22:10 Re: Atem- (be-) raubend: Bolivien [Re: tropine]
hansano
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Beiträge: 986
Super Bilder, ein toller Bericht.

Kommt man mit English durch oder muss ich Spanisch lernen?
Gruß Michael
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