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#1231718 - 26.08.16 12:57 Mailand - Genua - Pisa
Anja Joest
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 32
Dauer:
Zeitraum:
Entfernung:0 Kilometer
Bereiste Länder:itItalien
Externe URL:http://dasfliegendeklassenzimmer.org

R(o)adtrip Italien- Daten und Fakten (Von Mailand nach Pisa)

Auch dieses Jahr hat es uns mit unseren Rädern wieder nach Italien verschlagen. Diesmal standen Teile des Apenninen und der Riviera auf dem Programm.
Die harten Fakten zu den einzelnen Etappen habe ich hier zusammengestellt.

Start in Mailand
Der Mailänder Campingplatz ist etwa 10 Kilometer vom Bahnhof entfern. Wer nicht mit dem Rad zum Sightseeing möchte kann den Bus Linie 80 nehmen, der direkt am Campingplatz abfährt. Der Platz ist nicht ganz so nobel, wie er im Internet aussieht aber sauber. Ob es in der Nähe einen Supermarkt gibt weiß ich nicht, ist aber anzunehmen, da der Platz in einem Wohngebiet liegt. Ansonsten gibt es einen kleinen Minimarket auf dem Platz für das Nötigste. Bezahlt haben wir für zwei Personen und zwei Nächte 53,00 €

Mailand – Pavia 50 Kilometer
Für die ersten 10 Kilometer kannst du gut eine Stunde einkalkulieren, denn hier fährst du im mailänder Stadtverkehr, was übrigens nicht so schlimm ist, wie man sich das immer vorstellt, es dauert halt nur seine Zeit. Irgendwann geht die Straße in eine für Radfahrer gesperrte Unterführung – halt dich links, auch wenn es nicht danach aussieht, hier kannst du die Unterführung umgehen. Die restlichen 40 Kilometer verlaufen auf einer recht viel befahrenen Straße. Der Campingplatz in Pavia ist echt urig und im Ort ausgeschildert. Es gibt einen Pool und in der Nähe Bademöglichkeiten im Fluss, ein Supermarkt ist ca. 1,5 Kilometer entfern. Für eine Nacht haben wir inclusive WLAN und warmen Duschen 25,00 € bezahlt.

Pavia – Rivergaro 70 Kilometer
Die Strecke verläuft eben auf einer gut befahrenen Straße, ruhiger wird es erst wenn man an die Trebbia kommt. Der Campingplatz liegt hinter dem Ort und ist nichts Besonderes – eben ein typisch italienischer Campingplatz und mit 56,00 € für zwei Nächte recht teuer. Ein Besuch in Rivergaro lohnt sich aber, hier gibt es auch einen Supermarkt.

Rivergaro – Bobbio 30 Kilometer
Nun wird die Straße immer leerer und auch immer schöner. Es geht stetig bergan lässt sich aber gut fahren. Bobbio ist ein netter Ort mit Supermarkt. Der Campingplatz liegt etwa 1,5 Kilometer hinter dem Ort mit schönen Stellen zum Baden in der Trebbia. Er kostet 18 € für zwei Personen.

Bobbio – Rovegno 35 Kilometer
Es kommen nur noch ab und zu Autos vorbei und die Strecke ist herrlich. Es geht die ganzen 30 Kilometer den Berg rauf aber man hat immer wieder sagenhafte Ausblicke auf die Trebbia. Der Campingplatz in Rovegno ist klein und einfach, er kostet 20,00 € für zwei Personen. Im Dorf gibt es einen kleinen Minimarket, allerdings geht es gut 1,5 Kilometer steil bergauf. Alternativ kann man auch in der Pizzeria am Campingplatz essen.

Rovegno – Pieve 65 Kilometer
Tolle Strecke mit einigen Steigungen und einer gut 10 Kilometer langen Abfahrt. Die Tunnel sind kein Problem. Der letzte auf der Strecke ist jedoch für Fahrradfahrer gesperrt und die Umfahrung über Traso gibt es nicht mehr. Wer also nicht über Genua fahren möchte muss frühzeitig Richtung Boasi abbiegen und den Tunnel großräumig umfahren. Da wir nicht wieder den Berg hoch wollten sind wir über Genua gefahren. Da wir keinen Stadtplan hatten war es etwas chaotisch aber machbar. In Pieve geht es zum Campingplatz gute 200 Höhenmeter steil den Berg rauf. Oben angekommen kommt man auf einen netten Terrassencampingplatz mit einem Shuttlebus ins Dorf., er kostet 21,00 € pro Nacht für zwei Personen, inclusive WLAN und warmen Duschen. Einkaufen kann man auf dem Platz nur Getränke und allenfalls etwas für das Frühstück aber es gibt ein nettes Restaurant.

Pieve – Chiavari 35 Kilometer (Levanto)
Es müssen etliche Höhenmeter bewältigt werden aber man wird durch tolle Ausblicke auf die Küste entschädigt. Achtung, den Campingplatz in Chiavari gibt es nicht mehr. Da es schon recht spät war haben wir den Zug nach Levanto genommen (15,00 € zwei Personen, zwei Räder) In Levanto haben wir uns für den sehr schönen Campingplatz Aqua dulce entschieden. Levanto ist ein netter Ort und idealer Ausgangspunkt für Wanderungen und Mountainbiketouren. Bezahlt haben wir 25 Euro.

Levanto – Manarola 45 Kilometer
Die ersten 10 Kilometer geht es recht steil den Berg rauf. Anschließend wechseln sich Steigungen und Gefällstrecken ab. Die Abfahrt nach Manarola ist super. Hier, wie in der gesamten Cinque Terre gibt es keinen Campingplatz, dafür aber etliche Hostels und Hotel.
Manarola – Lerici 45 Kilometer
Höhenmeter ohne Ende aber tolle Strecke. Wer sich das nicht antun möchte nimmt den Zug nach La Spezia. Der Campingplatz liegt ca. 2 Kilometer hinter Lerice an einer ganz tollen kleinen Bucht. Auf dem Campingplatz gibt es das nötigste zu kaufen. Wer jedoch richtig kochen möchte muss sich den Berg hoch nach Lerici quälen. Der Campingplatz ist toll, hat jedoch nur Stehklos. Bezahlt haben wir 25,00 Euro inklusive WLAN und warmen Duschen.

Lerici – Viareggio 65 Kilometer
Auf einer Tollen Straße geht es etliche Kilometer steil den Berg hoch bis man in die Ebene um Carrara kommt. Hier geht es nur noch eben geradeaus bis nach Viareggio. Der Campingplatz liegt am Ende des Ortes. Er kostet 24,00 € und bietet alles, was man braucht. Wer nicht den teuren Markt auf dem Platz nutzen will findet ca 500 Meter entfernt einen Großen Supermarkt.

Viareggio – Pisa 25 Kilometer
Bis zum Bahnhof geht es auf einer recht viel befahrenen Straße. Wer noch Zeit hat: Der Weg führt am schiefen Turm von Pisa vorbei.

Wie es uns auf dieser Tour ergangen ist erfährst du demnächst.
Den Text mit Bildern und Links gibt es auf http://dasfliegendeklassenzimmer.org
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#1258814 - 08.01.17 13:40 Von Mailand nach Pisa 1. Teil: Mailand-Genua
Anja Joest
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 32
Von Mailand nach Pisa
Vorgeschichte
(Den Bericht mit Bildern gibt es übrigens unter http://dasfliegendeklassenzimmer.org/von-mailand-nach-pisa-mit-dem-rad-1-teil/)

Noch wenige Tage und dann geht es endlich ab nach Italien, ich freue mich schon riesig, ich checke noch einmal unsere Tickets stehe vom Schreibtisch auf und dann plötzlich das Gefühl als sei in meinem Knie etwas gerissen. Es tut höllisch weh und ich kann nicht mehr laufen. Okay ich hatte schon seit einiger Zeit Schmerzen im Knie aber die waren nichts im Vergleich zu denen jetzt. Ich heule und schreie allerdings nicht vor Schmerz, sondern vor Wut, denn mir wird schlagartig klar, dass ich so wohl kaum gute 500 Kilometer durch Italien radeln kann. Es hilft alles nichts ich rufe ein Taxi und wir fahren ins Krankenhaus. Das Warten in der Ambulanz macht mich fast wahnsinnig, denn ich bin mir sicher, dass die Diagnose mir auch den letzten Hoffnungsschimmer auf unsere Reise nimmt. Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich endlich dran. Der Arzt guckt mich zwar etwas doof an, als ich im meine Lage schildere aber er sagt wenigstens nicht, dass ich auf keinen Fall fahren könnte. Ich sol das Bein ruhigstellen und kühlen und darf mit der Auflage zum Hausarzt, zum Orthopäden und zum CT zu gehen das Krankenhaus verlassen.

Am nächsten Morgen quäle ich mich zum Hausarzt, lasse mich krankschreiben und bekomme ein Rezept für Schmerztabletten und eine Überweisung. Doch alle anderen Arztbesuche streiche ich von meiner Liste, denn da kann ich immer noch hin, wenn wir tatsächlich nicht fahren können, jetzt möchte ich mich lieber schonen. Obwohl es mir schwerfällt, verbringe ich die nächsten beiden Tage auf dem Sofa. Im Liegen geht es mir gut, doch schon der Weg zur Toilette scheint unüberwindbar zu sein und jedes Mal wird mir wieder bewusst, dass wir so in keinem Fall eine Radreise machen können.

Am dritten Tag drohe ich in einer echten Depression zu versinken, denn es wird und wird nicht besser. Trotzdem riskiere ich am Abend eine kurze Runde um unser Haus. Es tut schrecklich weh, wird aber wenigstens durch das gehen nicht schlimmer. Wir beschließen in jedem Fall zu fahren und sollte im Laufe der Zeit keine Besserung eintreten eben Badeurlaub zu machen.
Und dann steht plötzlich der Tag der Abreise bevor. Das Laufen fällt mir immer noch schwer und ich muss der Wahrheit ins Auge sehen und gucken, ob ich Rad fahren kann. Und dann fällt mir ein Stein vom Herzen, ich kann mein Rad zwar nicht selber aus dem Keller holen und das Fahren ist auch nicht schmerzfrei aber es geht deutlich besser als Laufen. Jana und ich fallen uns um den Hals, endlich steht es fest: Heute Nacht geht es los.

Auf nach Mailand
Bewaffnet mit 60 Schmerztabletten machen wir uns auf zum Bahnhof. Jana muss zwar mein Rad verladen und ich habe Schwierigkeiten beim ein und aussteigen, dennoch kommen wir mit drei Mal umsteigen am späten Nachmittag fröhlich in Mailand an. Pünktlich zur Rushhour. Ich hatte solche Angst vor der Fahrt durch den Feierabendverkehr aber es ist völlig unproblematisch und die Autofahrer nehmen sehr viel Rücksicht, denn och ist die Fahrt zum Campingplatz etwas chaotisch, denn wir haben irgendwie immer das Gefühl völlig falsch zu sein. Nach einigem Fragen finden wir ihn dann aber doch. Wir gehen noch eine Pizza essen und freuen uns auf die Nacht im Zelt.
Als ich am nächsten Morgen aus dem Zelt krabbeln will gestaltet sich diese Aktion etwas schwierig und ich bin heil froh, dass niemand sieht, wie ich auf allen Vieren aus dem Zelt krabbel und mich dann schwerfällig aufrichte. Ich lasse mich nicht entmutigen und humpel zum Klo, wie ich meine sogar schon relativ fix. Nach einem Frühstück mit Ciabatta und Proscutto radeln nach Mailand rein. Da das Laufen immer noch nicht so gut geht, beschränken wir unsere Sightseeingtour auf die Gegend um den Dom und verbringen den Rest des Tages lesend auf der Isomatte.

Von Mailand nach Pavia
Die Hitze und die Mücken treiben uns schon früh aus dem Zelt und so machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Pavia. Dafür müssen wir uns zunächst gute 11 Kilometer durch den Mailänder Berufsverkehr quälen. Es dauert ewig und es ist auch nicht wirklich schön, aber wir sind erstaunt über die Rücksicht, die uns Radlern entgegengebracht wird. Ich radel jetzt übrigens schon fast schmerzfrei. Doch irgendwann verliere ich die Nerven, ich habe einfach keine Lust mehr nach der ursprünglich geplanten Straße zu suchen, ich will nur noch raus aus dem Verkehr und der schlechten Luft und ich will zumindest das Gefühl haben mich meinem Ziel zu nähern und nicht in den Umgehungsstraßen von Mailand Verlohren zu gehen. Kurz entschlossen folge ich irgendwann dem nächsten Schild Richtung Pavia. Das Ergebnis: Wir fahren bei 40 Grad auf einer viel befahrenen Straße, aber wir kommen unserem Ziel wenigstens näher. Fotos gibt es allerdings nicht, denn wir sind auf einer typischen Ausfallstraße. Sexshops, Reparaturwerkstätten und Fernfahrerkneipen säumen den Weg. Aber auch hier ist das Rad fahren kein Problem. Es geht alles gut, doch kurz vor dem Ziel stehen wir wieder vor dem Autobahnproblem. Denn wie wir es in Italien schon öfter erlebt haben, mündet die Straße geradewegs in einer Autobahnauffahrt. Wir können noch rechtzeitig umkehren und erreichen über kleine Nebenstraßen den Ort. Endlich auf dem wirklich netten Campingplatz angekommen springen wir erst einmal in den Pool und wundern uns, dass es nicht zischt, als wir reinspringen. Beruhigt sind wir, dass sich das Wasser nicht gleich braun färbt, denn wir fühlen uns schrecklich dreckig.
Da wir morgen eine lange Tour vor uns haben, wollen wir das Zelt erst gar nicht aufbauen, doch nach dem Essen zieht es sich so zu, dass wir umdisponieren.

Von Pavia nach Rivergaro

Als heute Morgen um 6:00 Uhr der Wecker klingelt (wir haben schließlich 70 Kilometer vor uns) sind wir noch total müde. Das Grummeln eines nahenden Gewitters und einsetzender regen kommen uns gerade recht und wir legen uns nach dem Frühstück noch einmal hin. Als wir zwei Stunden später aufwachen, sieht nicht nur die Welt sondern auch das Wetter schon ganz anders aus und wir packen zusammen. Wie in den vergangenen Tagen fahren wir wieder auf einer recht großen Straße, doch kurz vor Rivergaro können wir endlich auf Nebenstraßen ausweichen und entlang der Trebbia bis zum Campingplatz radeln. Obwohl wir ziemlich K. o. sind, raffen wir uns am Abend noch einmal auf und machen einen Spaziergang in den Ort, um einen Absacker auf der Piazza zu trinken. Wie immer, wenn wir in Italien sind, genießen wir die Stimmung, die hier auf den Straßen herrscht.
Den nächsten Tag verbringen wir, abgesehen vom Wäsche waschen und Einkaufen in der Bar vom Campingplatz oder auf der Isomatte vor dem Zelt


Von Rivergaro nach Bobbio

Aus welchem Grund auch immer bin ich fest davon überzeugt, dass heute etliche Höhenmeter auf uns warten und so machen wir uns schon zeitig auf den Weg. Die Straße ist klein, wenig befahren und führt durch eine schöne Landschaft, was will man mehr. Es geht zwar hoch aber lang nicht so steil wie erwartet, dennoch kommen wir bei 40 Grad ordentlich ins Schwitzen. Gegen Mittag sind wir schon in Bobbio und versuchen in einer Bar unsere Körpertemperatur mittels kalter Cola auf Normal zu bringen. Dort sitzen wir genau so lange, bis alle Geschäfte Mittagspause machen. Mit leeren Taschen radeln wir weiter zum Campingplatz, stellen die Räder ab und kramen die Badesachen aus den Taschen. Endlich können wir in der Trebbia, die uns schon den ganzen Tag so herrlich kühl angegrinst hat, baden. Es braucht allerdings so seine Zeit, bis man sich an das kalte Wasser gewöhnt hat und die ersten Schwimmzüge macht – doch dann ist es einfach herrlich. Am späten Nachmittag – das Liegen auf den groben Steinen am Ufer ist nicht wirklich bequem – machen wir uns auf nach Bobbio, schließlich muss das Abendessen noch eingekauft werden. Doch o schreck uns hängt der Magen sonst wo und aus irgendeinem unerfindlichen Grund haben an diesem Nachmittag alle Läden geschlossen. Nicht mal einer der kleinen Gemüsehändler, die wir am Mittag gesehen haben, bietet seine Ware an. Etwas verzweifelt machen wir einen Bummel durch die Gassen von Bobbio und dann dem Tourismus sei dank finden wir tatsächlich einen Touriladen mit italienischen Spezialitäten. Ziemlich überteuert erstehen wir etwas Proscutto, Nudeln und sahne und retten uns mit Schinken-Sahne-Nudeln.


Von Bobbio –nach Rovegno
Aufgrund der dürftigen Einkaufsituation am Vortag fällt auch unser Frühstück etwas trocken aus, genauer gesagt besteht es aus Brotresten, die wir noch haben.
Wir packen zusammen und bereuen schon auf dem Weg zur Rezeption, dass wir gestern ganz unten am Fluss gezeltet haben, denn der WEG ist irre steil und wir bekommen die bepackten räder kaum hochgeschoben. Oben angekommen wartet auf uns die letzte kurze Abfahrt für die nächsten Tage. Wir fahren auf der SS45 entlang der Trebbia, Autos gibt es hier kaum noch, dafür aber eine sagenhafte Landschaft. Wir halten immer wieder an und das nicht nur, weil wir nicht mehr können, sondern weil an jeder Ecke sagenhafte Motive warten. Nach den vielen Kilometern auf vollen Straßen können wir unser Glück kaum fassen und nehmen die Strapazen gerne in Kauf und immer wieder ermutigen wir uns mit einem Blick zurück, der uns zeigt, wie viele Höhenmeter wir schon geschafft haben. Am späten Nachmittag kommen wir nach nur 35 Kilometern in Rovegno auf dem Campingplatz an.
Der Platz ist klein und einfach, die Besitzer aber supernett. Da wir kein Klopapier haben und auch nichts zu essen mache ich mich noch einmal gefühlte 300 Höhenmeter auf ins Dorf. Ich finde einen kleinen Alimentari, der außer Klopapier auch nicht viel hat. Es gibt also mal wieder Schinkennudeln, denn Proscutto bekommt man eigentlich überall. Zurück auf dem Campingplatz kochen wir noch und dann wird es hier oben auch schon empfindlich kalt und wir ziehen uns in unser Zelt zurück.

Von Rovegno nach Pieve de Ligure via Genua
Nach einer durchgefrorenen Nacht, wir haben nämlich, um Gepäck zu sparen, nur unsere Fleeceschlafsäcke mitgenommen geht es heute auf unsere letzte Etappe durch den Apennin.
Da bei der Routenplanung nicht so ganz klar war, ob wir mit dem Rad durch die vielen Tunnel fahren dürfen, hatten wir uns für jeden Einzelnen eine Umfahrung herausgesucht. Als wir den ersten Tunnel erreichen, sind wir von den vielen Höhenmetern schon so K. o., dass wir uns entschließen ihn einfach zu durchfahren. Wir packen unsere Fahrradlampen aus und was soll schon groß passieren, schließlich ist uns schon seit ewigen Zeiten kein Auto mehr begegnet.
Also Augen zu und durch!!! Nachdem im ersten Tunnel alles so reibungslos geklappt hat, stellt sich die Frage der Umfahrung für uns bei den anderen nicht mehr. Und dann geht es tatsächlich bergab, wir können unser Glück kaum fassen und lassen es laufen. Angehalten wird nur noch um die Bremsen abkühlen zu lassen. Alles hat super geklappt und vor uns liegt nur noch ein Tunnel, den wir meistern müssen, um auf die Straße nach Pieve de Ligure, an die Küste und an unser heutiges Etappenziel zu kommen. Doch dann kommt alles anders als geplant und die Ankunft auf dem Campingplatz rückt erst einmal in weite Ferne. Der Tunnel ist für Radfahrer gesperrt. Noch sind wir optimistisch, schließlich hatten wir auf gpsies auch hier eine Umfahrung herausgesucht und so machen wir uns auf in den nächsten Ort, von wo aus die Umfahrung starten sollte. Wir können den Abzweig jedoch nicht finden und alle, die wir Fragen sagen wir müssten umkehren und gut 5 Kilometer den Berg wieder hoch. Ich kann es nicht glauben und frage immer weiter, sicher liegt es an meinen spärlichen italienisch Kenntnissen. Doch es hilft alles nichts, die Umgehung, die wir uns ausgesucht haben existiert seit einem Unwetter nicht mehr. Den Berg wieder hoch kommt für uns nicht infrage und wir beschließen einstimmig, über Genua zu fahren. Genua mit dem Fahrrad, ohne Stadtplan – Moment mal, ach kann ja nicht so schwer sein. Immer gerade aus, und wenn wir am Meer sind, finden wir auch die Küstenstraße. Hört sich nach einer Schnapsidee an aber egal, alles besser als wieder 5 Kilometer berg rauf. Also haben wir es noch weitere 20 Kilometer rollen lassen. Es dauert nicht lange, bis wir die ersten Vororte von Genua passieren, doch dann ist es mit dem geradeaus ans Meer gar nicht mehr so einfach: Die Straße gabelt sich, krümmt sich und schon bald wissen wir nicht mehr, in welcher Richtung eigentlich das Meer liegt. Um es Kurz zu machen: Das Meer haben wir in Genua nicht gefunden, dafür aber irgendwann ein Hinweisschild zur Via Aurelia. Wieder geht es den Berg hoch und wir versuchen uns zwischen Rollern jedweder Bauart, Bussen und Autos zu behaupten. Am Ende unserer Kräfte aber immer noch optimistisch schließlich der Hinweis, dass wir richtig sind. Die letzen Kilometer bis nach Pieve de Ligure geht es entlang der Küstenstraße und die Landschaft ist einmalig und all die Strapazen sind vergessen. Zumindest fast, denn als endlich das Schild zu unserem Campingplatz auftaucht auf dem steht, dass es noch 700 Meter sind, verspüren wir noch einmal Erleichterung. Leider müssen wir jedoch feststellen, dass die 700 Meter vielleicht der Wahrheit entsprechen, dann damit aber in jedem Fall die Luftlinie gemeint ist. Aber es hilft ja alles nichts also bewältigen wir eben noch einmal gute 250 steile Höhenmeter, bei denen schon das Schieben schwer ist, an Fahren aber nur streckenweise zu denken ist. Endlich angekommen beziehen wir einen netten Terrassenplatz, duschen und gehen lecker Essen. Bevor uns die Augen zufallen, sind wir uns einig: Das schönste ist das Ankommen.
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