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#1230673 - 21.08.16 02:11 Radreise Paris-Barcelona
Tom72
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 410
Dauer:21 Tage
Zeitraum:3.9.2011 bis 23.9.2011
Entfernung:1500 Kilometer
Bereiste Länder:frFrankreich
esSpanien

Prolog





Diese Radtour ist nun schon ein paar Jahre her; ich habe sie bereits 2011 absolviert. Ich hatte „damals“ auch hier im Forum um Tipps hinsichtlich einiger Einzelheiten gebeten und einige interessante und hilfreiche Hinweise erhalten.

Ich habe wahrscheinlich wieder viel zu viele Bilder ausgewählt, ich will aber diesmal versuchen, mich kürzer zu fassen als bei meinen bisherigen Reiseberichten schmunzel.

Ausgangspunkt der Planung war, meine beiden, auch aufgrund der vorhandenen Sprachkenntnisse, Lieblings-Reiseländer Frankreich und Spanien zu kombinieren, wie ich es bereits auf meiner Radtour im Vorjahr (von der Loire-Mündung bei St.-Nazaire nach Barcelona, das nun also zum zweiten Mal Ziel eine Radreise war) praktiziert hatte und auch noch mehrfach seitdem (zum Beispiel im folgenden Jahr). Ich hatte drei Wochen Zeit, also habe ich mich für die Strecke Paris-Barcelona entschieden und die Route teilweise im Vorfeld detailliert geplant, teilweise aber auch die Einzelheiten der spontanen Entscheidung vor Ort vorbehalten.

Für die Planung im Vorfeld und die Navigation unterwegs habe ich wie immer Michelin-Karten im Maßstab 1:200 000 bzw. 1:150 000 verwendet. Eine digitale Version meiner Strecke kann ich dementsprechend nicht anbieten, ich werde aber jeweils die Nummern der gefahrenen Straßen angeben, so dass die Strecke nachvollziehbar sein dürfte.

Die Planung sah vor, von Paris zunächst der Seine südwärts zu folgen, dann durch den Wald von Fontainebleau die Loire zu erreichen, dann dem Loire-Radweg stromaufwärts (südwärts) zu folgen, und dann durch das Zentralmassiv, wobei die Cevennen mit den Gorges du Tarn einer der Höhepunkte der Tour werden sollten. Über Perpignan sollte es über die östlichen (katalanischen) Pyrenäen nach Barcelona gehen, da ich die Küstenstrecke in dem Bereich (Côte Vermeille und Costa Brava, sehr empfehlenswert) bereits aus den Vorjahr kannte. Der Routenverlauf war ziemlich genau in Nord-Süd-Richtung; Barcelona liegt fast exakt südlich von Paris.

Was die Übernachtungen betrifft, wollte ich möglichst oft auf Campinglätzen mein Zelt aufschlagen, die ja gerade in Frankreich und auch in Spanien in ausreichender Zahl vorhanden sind.

Kenntnisse des Französischen und Spanischen waren ausreichend vorhanden, so dass die Kommunikation unterwegs sichergestellt und für interessante Konversationen gesorgt war.

Aufzeichnungen zu den Etappenlängen und den Höhenmetern habe ich wohl gemacht, ich finde sie aber nicht mehr. Selbst die genauen Reisedaten kann ich nach nunmehr fünf Jahren nicht mehr rekonstruieren, zumal auch die Metadaten meiner Bilddateien aus irgendwelchen Gründen keine korrekten Werte liefern. Es war jedenfalls im Spätsommer, nachdem ich in dem Jahr über Ostern zwei Wochen in Andalusien unterwegs war. Der Reisebeginn Sa, 3. September, ist also eine Schätzung, um in der Betreffzeile einen Wert eingeben zu können (der erste Urlaubstag war auf jeden Fall ein Samstag). Jedenfalls hatte ich drei Wochen zur Verfügung, bin ungefähr 1500 km geradelt und habe dreimal, aufgrund des etwas knappen Zeitplans, den Zug genommen (Zugfahrten unterwegs insgesamt etwa 200 km).

Am letzten Arbeitstag, einem Freitag, überlasse ich gegen Mittag mein Büro und meinen Schreibtisch ihrem Schicksal und verpacke am Dresdener Hauptbahnhof, wie bereits mehrfach praktiziert und inzwischen Routine, mein Rad für die Fahrt im ICE und anschließend im TGV in meine Fahrrad-Transport-Hülle. Das erfordert zwar ein wenig Bastelei, ermöglicht aber im Hochgeschwindigkeitsverkehr (ICE in Deutschland, TGV in Frankreich) die problemlose Fahrradmitnahme.



1. Tag, Zug-Anreise nach Paris und Paris – Corbeil-Essonnes

Ich übernachte in Stuttgart bei meinen Eltern, nehme einen frühen TGV nach Paris und komme am späten Vormittag an der Gare de l’Est an. Der TGV Est hatte damals zwar noch Fahrradtransport, die Fahrradplätze waren aber schon ausgebucht, so dass ich mein Rad, wie schon im ICE von Dresden nach Stuttgart, wieder teildemontiere und verpacke.
Am späten Vormittag erreicht der TGV die Gare de l’Est. Ich packe mein Fahrrad aus und mache es fahrbereit.



Ich könnte spontan gar nicht sagen, wie oft ich mein Rad schon vor der Gare de l’Est fotografiert habe; es war bereits damals nicht das erste Mal, und auch danach bin ich mit dem Rad noch mehrmals hier ein- oder ausgestiegen, meist im Zuge der An- oder Rückreise und des dabei ja immer erforderlichen Wechsels des Bahnhofs. Diesmal ist Paris aber der Startpunkt der Reise.



Dem aufmerksamen Betrachter wird auffallen, dass der Sattel fehlt – für den Zugtransport habe ich auch den Sattel abmontiert, und beim Auspacken und Montieren habe ich den für den Sattel passenden Inbus-Schlüssel nicht mehr gefunden. Muss wohl irgendwie unterwegs weggekommen sein… Also brauche ich einen entsprechenden Laden, wo man Werkzeug kaufen kann. Ich erinnere mich an das Kaufhaus Galeries Lafayette im Viertel bei der Oper. Die grobe Richtung ist mir auch ohne Stadtplan bekannt, das heißt aber, ein paar Kilometer durch Paris zu schieben.



Die Galeries Lafayette haben keine Fahrrad- oder Werkzeugabteilung, ein Inbus-Schlüssel-Set bekomme ich dann im nahegelegenen Decathlon. Nun kann ich endlich fahren!

Der Himmel bewölkt sich, und den restlichen Tag wird es wechselhaft bleiben und auch ab und zu etwas nieseln.



Ich erreiche die Seine, der ich heute und teilweise auch morgen stromaufwärts, also Richtung Süden, folgen werde.



Ein markanter Startpunkt für die Tour muss natürlich sein…



Ich folge der Seine stromaufwärts und wechsle mehrfach das Ufer. Auf diese Weise habe ich zum Beginn meine Reise gleich eine schöne Sightseeing-Tour durch Paris.



Die Nationalversammlung



Das Musée d’Orsay



Der Louvre



Die Fußgängerbrücke Pont des Arts



Auf der Pont des Arts ist das Anbringen von Liebesschlössern beliebt, wie hier zu sehen; ein paar Jahre später ist ein Teil des Geländers unter deren Last zusammengebrochen. Blick auf die Westspitze der Île de la Cité mit der Pont Neuf



Typisch Paris…



Auf der Höhe der Gare d’Austerlitz überquert die Métro als Hochbahn die Seine.



Auf dem anderen Ufer die Gare de Lyon



Das recht neue Gebäude der Bibliothèque Nationale aus den Neunzigern, wohl vier aufgeschlagenen Bücher symbolisierend





Man kann nun ziemlich lange einem Radweg wunderschön direkt am Seine-Ufer folgen.













Irgendwann ist mit dem Radweg direkt entlang des Ufers leider Schluss.



Ich habe für diesen Abschnitt der Tour keine Karten dabei, weil ich dachte, es kann ja nicht so schwierig sein, einfach nur der Seine zu folgen. Aber nun gestaltet es sich doch komplizierter als gedacht. Irgendwie, ich kann im Nachhinein nicht mehr im Detail nachvollziehen, wie, schlage ich mich, mit einigen Irrungen, weiter durch.

Ich erreiche schließlich, immer noch an der Seine, das Städtchen Corbeil-Essonnes. Nett, aber unspektakulär.





Ich quartiere mich in einem preiswerten Hotel ein. Beim Auspacken finde ich tief in einer der Packtaschen tatsächlich doch den verloren geglaubten Inbus-Schlüssel für den Sattel. Ich hätte also heute an der Gare de l’Est nur etwas länger im Gepäck suchen müssen, dann hätte ich mir ca. eine Stunde des Schiebens durch Paris erspart…



Fortsetzung folgt…

Geändert von Tom72 (21.08.16 02:18)
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#1231114 - 22.08.16 23:30 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
Mitglied
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Beiträge: 410
Nachtrag zum Prolog

Ich habe es erst jetzt gemerkt, aber anhand der Tatsache, dass ich bereits am 18.09. in der oben verlinkten Diskussion hier im Forum, in der ich im Vorfeld der Reise um Tipps zu meinen Reiseplanungen gebeten hatte, den erfolgreichen Vollzug der Tour vermeldet habe, verbunden mit der Erinnerung, dass des 10. Jahrestages des 11. Septembers gedacht wurde, als ich meine letzte Übernachtung vor den Pyrenäen hatte, kann ich nun feststellen, dass die Reise genau eine Woche früher stattgefunden hat, als ich es in der Titelzeile angegeben habe. Außerdem habe ich in besagtem Thread angegeben, dass es insgesamt ca. 12.000 Höhenmeter waren. Kommt wohl hin, meine damaligen Aufzeichnungen finde ich leider nicht mehr…

2. Tag, Corbeil-Essonnes – Lorris

Heute folge ich zunächst der Seine ein Stück weiter stromaufwärts. Ich habe mich jetzt auch mit den für diese Region noch fehlenden Karten versorgt, so dass ich mich heute besser zurechtfinde als gestern.



Auf verkehrsarmen Straßen fahre ich bis Melun.









In Melun verlasse ich die Seine und gelange über die leider recht starke befahrene D 606 und D 142 mitten in den nahegelegenen, berühmten Wald von Fontainebleau, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Westeuropas.



An einem Parkplatz mit Kreuzdenkmal (Belle Croix) verlasse ich die Straße und gelange auf wunderschönen, gut fahrbaren Waldwegen (wie ich die gefunden habe, weiß ich nicht mehr, in meiner Michelin-Karte sind sie nicht verzeichnet) nach Fontainebleau.

Hauptsehenswürdigkeit von Fontainebleau ist das beeindruckende Renaissance-Schloss mit den prächtigen Gartenanlagen.





Vom Schlosspark aus geht es weiter Richtung Süden auf einem kaum befahrenen Sträßchen (D 58) durch den Wald von Fontainebleau. Er wirkt recht wild und naturbelassen, muss aber, wenn man mehr Zeit hat, ihn zu erkunden, noch landschaftlich wesentlich reizvollere Eindrücke zu bieten haben, insbesondere bizarre Sandsteinformationen.



Ich verlasse den Wald von Fontainebleau bei Montigny-sur-Loing, wo mir zahlreiche prächtige historische Villen auffallen.





Ich folge nun dem Fluss Loing, einem Nebenfluss der Seine, auf der D 40 und erreiche das hübsche Städtchen Nemours.





Weiter geht es entlang des Loing stromaufwärts, Richtung Süden, bzw. entlang des parallel verlaufenden Kanals.





Nach einem kleinen Umweg durch den etwas abseits gelegenen hübschen Ort Château-Landon folge ich weiter dem Loing bzw. dem Canal du Loing. Die Wegbeschaffenheit des Uferwegs ist nun von unterschiedlicher Qualität, teilweise unbefestigt, so dass das Vorankommen teilweise etwas mühselig ist. Wie überall an den Kanälen in Frankreich, gibt es pittoreske historische Schleusen und gemütlichen Boots-Tourismus.



Bei Montargis verlasse ich schließlich den Loing über die D 961 Richtung Loire. Als ich schließlich kurz vor 20 Uhr den kleinen, unbedeutenden und völlig uninteressanten Ort Lorris erreiche, bin ich heute bereits etwa 120 bis 130 km gefahren und komme zu dem Schluss, dass es zu spät ist, um, wie ursprünglich geplant, heute noch bei Tageslicht bis Sully an der Loire zu kommen (weitere ca. 30 bis 40 km). Die heutige Etappe ist ohnehin die längste der gesamten Reise gewesen. Zu meinem Unverständnis haben beide im Ort vorhandenen Hotels Sonntags geschlossen, und einen Campingplatz gibt es auch nicht. Also muss ich das bisher auf meinen Reisen erste und einzige Mal wild zelten. Ich suche mir außerhalb des Ortes ein nettes Plätzchen an einer kleinen, kaum befahrenen Straße (eigentlich eher ein asphaltierter Feldweg) und schlage mein Zelt auf, während es bereits dämmert. Geöffnete Gastronomie gibt es im Ort heute auch nicht, und ich habe wie üblich keinen Proviant dabei, so dass ich froh bin, wenigstens heute Mittag in Fontainebleau üppig zu Mittag gegessen zu haben. Ich habe immerhin noch eine halbvolle Flasche Wein im Gepäck und kann, hier in der Provinz und abseits des Ortes bei klarem Himmel und ohne störende künstliche Lichtquellen, vor dem Einschlafen einen herrlichen Blick auf den Nachthimmel und die Milchstraße genießen.

3. Tag, Lorris – Belleville-sur-Loire

Früh morgens baue ich mein Zelt ab



und fahre zügig und ohne Frühstück (das hole ich unterwegs an einer Tankstelle nach) die gut 30 km über die D 961 bis Sully-sur-Loire. Von hier werde ich ein ganzes Stück dem Loire-Radweg stromaufwärts, also weiter Richtung Süden, folgen. Von Orléans, wenige Kilometer flussabwärts von hier, bis zur Mündung bei St.-Nazaire kenne ich die Loire und den Loire-Radweg bereits von einer Radreise zwei Jahre zuvor. Nun geht es, wie gesagt, in die andere Richtung. Zur Komplettierung meines Kartenmaterials kann ich in der Tourismusinformation entsprechende Karten aus dem deutschen Huber-Verlag zum Loire-Radweg erstehen (La Loire à vélo/Eurovelo 6, Karten 3 und 4).

Das Château de Sully ist, in Flussrichtung gesehen, das erste der berühmten Loire-Schlösser, von denen ich vor zwei Jahren, zwischen Orléans und dem Atlantik, zahlreiche besichtigt habe; das heißt in meiner jetzigen Fahrtrichtung das letzte. Es wird sich aber zeigen, dass die Loire auch oberhalb von Sully einiges zu bieten hat.



Ich folge also der gut ausgeschilderten Route „La Loire à vélo“.



Wie ich es bereits vom Unterlauf kenne, ist die Loire auch hier weitgehend naturbelassen. Der Radweg verläuft über weite Strecken auf den Hochwasserschutz-Deichen.





Nach ca. 30 Kilometern erreiche ich Gien, malerisch am Loire-Ufer gelegen.







Schließlich erreiche ich bei Briare die historische Kanalbrücke aus dem Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren prächtig gestalteten Portalen, über die der Loire-Seitenkanal (Canal Latéral à la Loire) über die Loire geführt wird.





Die Brücke hat auch Gehwege, so dass auch ich hier die Loire überquere und auf dem östlichen Ufer weiterfahre, teilweise entlang eines parallel zum Fluss verlaufenden, offenbar nicht mehr in Betrieb befindlichen, Kanals.





Ich entscheide mich für die Übernachtung für den unspektakulären Ort Belleville-sur-Loire, weil es dort einen Campingplatz gibt. Das Bedeutendste, was der Ort zu bieten hat, ist das nahegelegene Atomkraftwerk.

4. Tag, Belleville-sur-Loire – La Charité-sur-Loire

Heute geht es weiter südwärts entlang der Loire, zunächst entlang des in Fahrtrichtung rechts parallel zum Fluss verlaufenden Loire-Seitenkanals (Canal Latéral à la Loire). Im Hintergrund das Kernkraftwerk von Belleville.





Landschaftlich reizvoll verläuft der Radweg entlang des Kanals.



Ich unternehme einen lohnenswerten Abstecher auf einem Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse zum sehenswerten, auf einer Hügelkuppe gelegenen Ort Sancerre, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die Loire hat.



Weiter geht es auf dem Loire-Radweg, mit Blick auf den weitgehend naturbelassen wirkenden Fluss.







Als ich das malerische Städtchen La Charité-sur-Loire erreiche, ist es zwar erst gegen 16 Uhr. Ich hätte also heute noch einiges an Strecke schaffen können, aber es gefällt mir hier aber so gut, und es gibt einen wunderschön auf einer Flussinsel zwischen zwei Loire-Armen gelegenen Campingplatz, so dass ich entscheide, heute hier zu übernachten.



Blick auf La Charité von der Flussinsel, auf der auch der Campingplatz liegt



In der Altstadt von La Charité gönne ich mir in einem der zahlreichen Restaurants ein leckeres Abendessen.





5. Tag, La Charité-sur-Loire – Moulins

Zum Frühstück zieht es mich erneut in die malerische Altstadt von La Charité. Hier zur Abwechslung einmal ein anderes Zweirad, das sicher nicht weniger fotogen ist als das Fahrzeug, mit dem ich unterwegs bin schmunzel



Auch heute fahre ich zunächst den Loire-Radweg weiter Richtung Süden, teils entlang des Flusses, teils entlang des Loire-Seitenkanals.





Auf der Höhe von Nevers mündet der Allier in die Loire. Ich verlasse hier die Loire und den Loire-Radweg. Ab hier werde ich dem Allier Richtung Süden ins Zentralmassiv folgen.





Über kleine Sträßchen fast ohne Autoverkehr geht es nun landschaftlich reizvoll weiter. Den genauen Streckenverlauf kann ich im Einzelnen nicht mehr nachvollziehen; soweit ich es rekonstruieren kann, bin ich folgendermaßen gefahren: Von Cuffy an der Mündung des Allier in die Loire über Gimouille, Meauce, Apremont-sur-Allier, Neuvy-les-Barrois, Mornay-sur-Allier, le Veurdre, Bagneux, Montilly nach Moulins.







Ich erreiche die am Allier gelegene, an historischen Bauwerken reiche Stadt Moulins und quartiere mich in einem komfortablen, wenn auch nicht ganz preiswerten, Hotel ein, mit dem ich sehr zufrieden bin.





Fortsetzung folgt…
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#1231141 - 23.08.16 08:41 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
mstuedel
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Schöne Tour durch Frankreichs Mitte. Bin vor ca. 25 Jahren in umgekehrter Richtung und auf ähnlicher Route nach Paris reingefahren und hatte eine weit schlechtere Routenwahl in die Stadt rein. Vielleicht hat sich in der Zeit die Verfügbarkeit von Radwegen verbessert, vielleicht war ich damals auch einfach zu faul, nach einer besseren Route zu suchen. Ich sollte es villeicht mal wieder versuchen.
Es zeigt sich hier mal auch wieder schön, warum Frankreich mit dem Rad so viel Spass macht: wenig befahrene kleine Strassen durch die Provinz, wo immer wieder überraschend schöne Ort- und Landschaften die Strecke säumen. Ich freue mich auf den weiteren Verlauf.
volvo, ergo sum!

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#1231835 - 27.08.16 13:21 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
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6. Tag, Zugfahrt nach Vichy und Vichy – Olliergues

Ich beschließe, von Moulins nach Vichy den Zug zu nehmen, das sind etwa 50 bis 60 km, da ich mit meinem Zeitplan etwas im Verzug bin und um noch genug Zeit für die interessanteren Teile der Tour zu haben. Ich erinnere mich nicht mehr, ob es sich bei dem Zug um ein Produkt des Regional- oder des Fernverkehrs handelte, jedenfalls bot er die Möglichkeit der problemlosen Fahrradmitnahme.





Im berühmten Kurort Vichy, wie Moulins ebenfalls am Allier gelegen, sehe ich mich vor der Weiterfahrt noch etwas um. Hier die architektonisch eindrucksvolle Trinkhalle (Centre Thermal des Dômes)





Ich stelle fest, dass am Gepäckträger eine Strebe gebrochen ist, zum Glück eine für die Statik nicht zwingend erforderliche. Also muss ich zunächst in einem großen Einkaufszentrum am Stadtrand eine Rolle Fil de fer (Draht; die Vokabel war neu für mich) besorgen und den Schaden provisorisch flicken, bevor ich weiterfahren kann. Das Provisorium sollte sich dann aber noch ungefähr zwei Jahre bewähren, bevor ich schließlich den Gepäckträger ausgewechselt habe…



Vichy liegt schon recht nah am Zentralmassiv, in das mich mein Weg nun führt. Die Gegend zählt zwar zur Auvergne, der bekanntere Teil der Auvergne mit den markanten Vulkankegeln liegt aber westlich meiner weiterhin ziemlich genau südwärts verlaufenden Route, die mich durch den Naturpark Livradois-Forez führen wird. Um möglichst zügig voranzukommen, habe ich mich entschieden, bis kurz vor Le Puy-en-Velay den direktesten Weg zu nehmen, das heißt die D 906, eine bedeutende und recht stark befahrene Hauptstraße, aber für die landschaftlich sicher noch reizvolleren Alternativen über Nebenstraßen mit entsprechend mehr Kilometern und Höhenmetern fehlt mir die Zeit.

Zunächst noch recht flach nähere ich mich auf der D 906, die überwiegend breite Seitenstreifen hat, auf denen es sich gut und weitgehend ungestört vom Kfz-Verkehr fahren lässt, dem Zentralmassiv.



Langsam wird es hügeliger, und es sind die ersten Höhenzüge am Horizont zu sehen.



Hinter Thiers fängt es an, landschaftlich interessant zu werden.





Die D 906 verläuft nun im hier recht engen Tal der Dore, einem Nebenfluss des Allier, der ich nun noch ein ganzes Stück flussaufwärts folgen werde, so dass ich mich immer noch im Einzugsgebiet der Loire befinde. Im unscheinbaren Ort Olliergues soll es einen Campingplatz geben, so dass ich beschließe, hier zu übernachten.



Einen Campingplatz gibt es tatsächlich, ich muss aber das Tal der Dore auf einer steilen Straße verlassen; der Platz ist recht nett gelegen auf einer hügeligen Hochebene abseits jeglicher Ortschaften. Ich finde ihn nur aufgrund der Konsultation Einheimischer, die aber auch meinen, ich solle mich beeilen, da es gleich heftig regnen werde. Kann ich mir nicht so recht vorstellen… Der Zeltplatz wird von einer sehr netten und sehr engagierten niederländischen Familie geführt, die auf dem Platz auch ein einfaches Restaurant betreibt. Allerdings teilt mir Madame mit, dass sie das Restaurant gleich schließen werden – es sei eigentlich jeden Abend geöffnet, aber ausgerechnet heute Abend seien sie bei einer befreundeten Familie eingeladen. Sie bietet mir aber sofort von sich aus an, da ich ja mit dem Rad unterwegs sei und es weit und breit keine sonstige Gastronomie gebe, mir noch schnell, bevor sie losfahren, etwas zuzubereiten. Was ich denn möchte? Sie schlägt mir ein Steak mit üppiger Beilage vor. Super, ich bin gerettet und zufrieden. Da es nun tatsächlich anfängt zu tröpfeln, baue ich mein Zelt auf, während mein Steak zubereitet wird. Ich möchte das Zelt stehen haben, bevor der Regen richtig losgeht.



Während ich auf der überdachten Terrasse des Campingplatzrestaurants mein leckeres Steak genieße, wird der Regen immer stärker und entwickelt sich zu einem heftigen Unwetter mit Gewitter; der Himmel öffnet seine Schleusen, wie ich es auf meinen Radreisen bisher noch nicht erlebt habe, und das Ganze dauert auch noch mehr als eine Stunde. Ich beginne, zu bereuen, mein Zelt schon aufgebaut zu haben – es hat zwar schon einiges an Regen problemlos überstanden, aber ob sich die Herstellerangaben hinsichtlich der Dichtigkeit auch bei solch einem extremen und langanhaltenden Wolkenbruch in der Praxis bewahrheiten, dazu habe ich bisher keine praktischen Erfahrungen. Als die Elemente sich endlich beruhigen, begebe ich mich besorgt zu meinem Zelt – alles gut, kein Tropfen Wasser ist eingedrungen, Innenzelt und Gepäck sind absolut trocken. Ich verbringe dann trotzdem noch einige Zeit auf der Terrasse des Campingplatzrestaurants, um gemütlich im Schein der Stirnlampe und bei einer halbvollen Flasche Wein, die ich noch im Gepäck habe, meine Karten und Reiseführer für die Detailplanung der kommenden Tage zu studieren.

7. Tag, Olliergues – Le Puy-en-Velay

Vor der Weiterfahrt kann ich im nun wieder geöffneten Restaurant meines Campingplatzes und bei wieder besserem Wetter ein üppiges Frühstück genießen.



Ich folge der D 906 und dem Tal der Dore weiter südwärts durch die Auvergne und den Naturpark Livradois-Forez.



Die Dore führt nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Nacht schlammige Wassermassen.



Nachdem meine Route die ersten Tage überwiegend flach verlaufen ist, geht es, seit ich gestern die Auvergne erreicht habe, ständig bergauf und bergab, so dass ich nun erstmals in nennenswertem Umfang Höhenmeter sammle.



Ich komme durch das nette Städtchen Ambert.



Hier weitet sich das Tal der Dore, und die D 906 verläuft über Arlanc und Dore-l’Église ein ganzes Stück recht flach und ziemlich geradlinig. In Dore-l’Église wird im folgenden Jahr die Strecke meiner Radreise in Ost-West-Richtung (von Lyon nach Nordspanien) meine jetzige nord-südwärts verlaufende Route kreuzen (siehe dazu den oben im Prolog verlinkten Reisebericht unter Tag 4).

Nach dem eher mäßigen Auf und Ab seit Vichy beginnt nun der erste längere Anstieg der Tour hinauf in den auf ca. 1100 Metern gelegenen Ort La Chaise-Dieu.





Somit erreiche ich das erste, aber nicht das letzte Mal auf der Reise die 1000-Höhenmeter-Marke.



In La Chaise-Dieu überquere ich den ersten nennenswerten Pass der Reise (gut 1100 m); dass es hier auch eine sehenswerte Abtei zu besichtigen gibt, lese ich leider erst später.



Von La Chaise-Dieu geht es wieder abwärts durch die reizvolle Landschaft der Auvergne.



Ich verlasse schließlich die D 906 und fahre, weiter überwiegend abwärts, Richtung Le Puy-en Velay. Wo genau sich mir dieser herrliche Ausblick geboten hat, kann ich leider nicht mehr genau nachvollziehen:



Schließlich führt eine recht steile Straße hinunter zu meinem heutigen Etappenziel Le Puy-en-Velay. Von der Höhe habe ich einen traumhaften Blick; das Stadtbild ist geprägt von der Kathedrale und zwei Felskegeln aus Basaltgestein. Auf der Spitze der einen Felsnadel sitzt recht spektakulär die Kirche Saint-Michel d’Aiguilhe, auf der anderen Basaltkuppe steht eine 1860 errichtete 16 m hohe Marienstatue (im Bild, aber leider schlecht zu erkennen).



Saint-Michel d’Aiguilhe; der zentral gelegene Campingplatz, auf dem ich mein Zelt aufschlage, befindet sich am Fuß des Felsens, auf dem die Kirche thront.







Fortsetzung folgt…
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#1231854 - 27.08.16 17:42 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Keine Ahnung
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Danke für den Bericht. Das Flicken so eines Bruchs (ist mir vor etlichen Jahren auch einmal passiert) geht häufig recht gut mit einer Schlauchschelle. Mit so einem Provisorium bin ich dann noch am Stadtrad ein paar Jahre gefahren zwinker
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)

Geändert von Keine Ahnung (27.08.16 17:42)
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#1231881 - 27.08.16 23:41 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
StefanS
Mitglied
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Hallo Tom,

Danke für den schönen Reisebericht, bin auf die Fortsetzung gespannt.

In Antwort auf: Tom72
Ich erinnere mich nicht mehr, ob es sich bei dem Zug um ein Produkt des Regional- oder des Fernverkehrs handelte, jedenfalls bot er die Möglichkeit der problemlosen Fahrradmitnahme.

Dem Foto nach handelt es sich um einen Intercités der Linie Paris-Clermont (damals hießen sie wohl noch Téoz). Für Fahrradmitnahme braucht es in den Dingern eigentlich eine kostenpflichige Reservierung, aber ich hatte auch den Eindruck, dass es zwischen Moulins und Clermont lockerer gesehen wird.

In Antwort auf: Tom72
Wo genau sich mir dieser herrliche Ausblick geboten hat, kann ich leider nicht mehr genau nachvollziehen:

Polignac. Der markante Burgfelsen ist auch von den Aussichtspunkten in Le Puy zu sehen.

Viele Grüße,
Stefan
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#1232782 - 01.09.16 18:26 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Juergen
Moderator
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........ auf der D906 fiel mir im Mai kurz vor Thiers diese Pyramide auf: lach



Ich freu mich auf die Fortsetzung deiner Reise und grüße dich mit einem sensationellen Cantal, den ich in Puy-Guillaume an einer Bushaltestelle verzehrte wein
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1234664 - 11.09.16 14:19 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Juergen]
Tom72
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Hallo Juergen,

die Pyramide muss neu sein, an die kann ich mich nicht erinnern, die scheint 2011 noch nicht dagewesen zu sein. Es sieht aus, als werbe sie für Wein (da scheinen oben jedenfalls Flaschen drinzustehen). Ich kann micht aber nicht erinnern, dass in dieser Gegend Weinbau betrieben wird... Der Cantal auf Deinem verlinkten Bild stammt ausweislich der Verpackung aus Neussargues, wohin mich 2012 auf meiner Radtour ein unfreiwilliger Abstecher geführt hat. Aber das hast Du ja in meinem entsprechenden Bericht zu der Tour schon gelesen und kommentiert schmunzel

Nun geht es weiter mit meinem Reisebericht.
Gruß
Tom

Geändert von Tom72 (11.09.16 14:20)
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#1234670 - 11.09.16 15:06 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
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8. Tag, Le Puy-en-Velay – Pradelles

Vormittags sehe ich mich in der sehr sehenswerten Altstadt von Le Puy-en-Velay um. Auf einem der zentralen Plätze findet ein Markt statt, so dass ich die Gelegenheit nutze, um mir an einem Stand mit regionalen Fleischprodukten ein ziemlich großen Stück Schinken zu besorgen, das mir noch einige Tage lang als Proviant für das Picknick unterwegs dienen wird.



Wie ich erst jetzt erfahre, ist Le Puy-en-Velay eine bedeutende Station auf einer der mehreren durch Frankreich führenden Roten des Jakobswegs Richtung Spanien und Santiago de Compostela, was mich deswegen besonders interessiert, weil ich einige Jahre zuvor den spanischen Teil des Jakobswegs (Camino francés) von Pamplona nach Santiago mit dem Fahrrad bereist habe. Die durch Le Puy verlaufende Variante des Pilgerwegs wird sogar nach der Stadt als „Via Podiensis“ bezeichnet. Mir fallen deswegen in der Stadt und besonders im Bereich um die Kathedrale zahlreiche Jakobs-Pilger auf.



Gegen Mittag verlasse ich schließlich Le Puy



und gelange nach wenigen Kilometern wieder ans Ufer der Loire, die ich drei Tage zuvor verlassen habe.



Die hier noch junge Loire fließt in einem recht tiefen Tal; ich werde ihr heute noch ein Stück weiter stromaufwärts, d. h. südwärts, folgen. Ab dem Ort Brives-Charensac verläuft eine Voie verte, ein Radweg auf einer stillgelegten Bahntrasse, hoch oberhalb des Tals parallel zum Fluss.



Mit schönen Ausblicken ins Tal der Loire und einmal auch zurück nach Le Puy-en-Velay folge ich der landschaftlich reizvollen ehemaligen Bahnlinie, die durch mehrere recht lange, aber gut beleuchtete Tunnel führt.







Nach etwa 13 km endet die Voie verte im Ort Solignac-sur-Loire. Ich fahre weiter oberhalb des Loire-Tals über ein winziges Sträßchen (D 54) und durch winzige Dörfer (Le Brignon, Ussel) über eine hügelige, kaum besiedelte Hochebene. Hier weht mir ein derart starker Wind entgegen, dass ich teilweise auch in niedrigen Gängen kaum vorwärtskomme.



Schließlich rolle ich wieder hinunter ins Loire-Tal



und erreiche ein letztes Mal die Loire bei Arlempdes, malerisch im Tal des Flusses und nur ca. 30 km von seiner Quelle entfernt gelegen, überragt von einer Burgruine auf steilem Felsen.





Dann geht es wieder aufwärts aus dem Tal heraus auf die nach wie vor windige Hochebene. Autos sind hier so gut wie nicht unterwegs, außer mir wird die Straße nur von einer nicht ganz leicht zu überholenden Kuhherde genutzt.





Schließlich kann ich in der Ferne Richtung Süden den Stausee von Naussac sehen, an dem ich morgen vorbeikommen werde.



Für heute beende ich die Etappe im netten Ort Pradelles. In einem Bistro frage ich nach Unterkünften und habe Glück, denn es gibt im Ort eine Gîte d’étape (einfache Unterkunft für Wanderer), und die Madame vom Bistro ist für diese auch zuständig. Ich kann gleich bei ihr bezahlen, bekomme einen Schlüssel und eine Erklärung, wo ich hin muss. Ich finde die Unterkunft, sie liegt direkt im historischen Ortszentrum in einem malerischen alten Gebäude. Außer mir sind noch einige Gruppen von Fernwanderern dort einquartiert.



Als ich mich schließlich auf die Suche nach einem Restaurant fürs Abendessen mache, stelle ich fest, dass im ganzen Ort nur eines noch geöffnet hat, und dort sind dementsprechend alle Tische belegt. Auf Nachfrage erfahre ich, dass es auch nicht mehr allzu lange geöffnet hat, so dass ich schon befürchte, heute mit leerem Magen in den Schlafsack zu müssen. Ich komme mit einer Gruppe von drei deutschen Motorradfahrern aus dem Rheinland ins Gespräch, die auch schon länger auf einen freien Tisch warten, also noch vor mir dran sind. Sie meinen, ich solle mich doch, wenn sie dran sind, mit an den Tisch setzten. Gesagt, getan. Für Gesprächsstoff ist gesorgt. Ich erzähle von meiner Tour, sie von der Ihren. Die drei haben von ihren Frauen „Urlaub“ bekommen und sind mit ihren Motorrädern nach Barcelona unterwegs, haben also das gleiche Ziel wie ich, sind aber bereits in Deutschland gestartet und wollen von Barcelona eine Fähre nach Genua nehmen und von dort über die Alpen zurück nach Deutschland.

9. Tag, Pradelles – Le Pont-de-Montvert

Nach dem Frühstück im hübschen Ortszentrum von Pradelles



rolle zunächst einige Kilometer bergab über die N 88 und erreiche Langogne am Ufer des Stausees von Naussac.





Kurz hinter Langogne biege ich von der Nationalstraße auf ein winziges Sträßchen fast völlig ohne Autoverkehr (D 71), das sich traumhaft über einen kleinen Höhenzug (Forêt de Mercoire) schlängelt. Die Gegend ist extrem dünn besiedelt, nur ab und zu gibt es kleine, ausgestorben wirkende Dörfer. Die Landschaft gehört zum Gévaudan, das bekannt ist für die mysteriösen Vorfälle im 18. Jahrhundert um eine menschenfressende Bestie, die nie aufgeklärt wurden. Fast kommt es mir tatsächlich vor, als hörte ich in der Ferne Wolfsgeheul…











Nachdem der höchste Punkt des Forêt de Mercoire mit knapp 1400 m erreicht ist, geht es wieder ein paar hundert Höhenmeter bergab, und ab dem kleinen Örtchen Belvezet geht es, wieder über ein kaum befahrenes Sträßchen (D 20), über das nächste kleine Gebirgsmassiv, die Montagne du Goulet, auf dessen Passhöhe, dem Sommet du Goulet, ich den bisher höchsten Punkt der Reise mit ca. 1480 m erreiche, was ich aber bereits heute auf dem Col de Finiels noch übertreffen werde.



Ich rolle hinunter nach Le Bleymard. Von hier geht es über den Mont Lozère, ein Bergmassiv, das bereits zu den Cevennen zählt und das ich über den 1541 m hohen Col de Finiels überqueren werde; auf der anderen Seite werde ich das Tal des Flusses Tarn erreichen, dessen Schlucht (Gorges du Tarn) einer der Höhepunkte der Tour sein wird. Aber in Le Bleymard fängt es erst einmal überraschend an zu regnen, so dass ich in einem Café warte, bis ich weiterfahren kann. Als der Regen aufhört, fahre ich auf einer schmalen Straße (D 20) weitgehend ohne Kfz-Verkehr hinauf zum Col de Finiels. Nicht besonders steil, nicht besonders anstrengend, aber je höher ich komme, desto mehr wird mir die Sicht auf die Landschaft durch die bei dem nun herrschenden regnerischen Wetter tief hängenden Wolken verwehrt.







Kurz vor der Passhöhe fängt es wieder an zu regnen, so dass ich Unterschlupf in einer halb eingestürzten, verlassenen Almhütte suche.



Als der Regen nachlässt, fahre ich weiter und erreiche die Passhöhe des Col de Finiels.





Jetzt beginnt es erneut zu regnen, und ich bin recht enttäuscht, dass ich diese Passquerung nicht bei schönerem Wetter erleben darf. Die eigentlich geplante kurze Wanderung vom Col de Finiels zum Gipfel des Mont Lozère, dem Sommet de Finiels (1699 m), fällt natürlich auch aus. Ich rolle zügig hinunter ins Tal, der Regen wird heftiger, ich bin zu faul, meine Regenklamotten aus dem Gepäck zu kramen, da ich ohnehin im Tal, in Le Pont-de-Montvert, meine heutige Etappe beenden werde, und habe wetterbedingt wenig Sinn für die landschaftliche Schönheit der Strecke, die man trotz des Regens erahnen kann (im oberen Abschnitt bizarre Felsgebilde). Durchnässt komme ich im wirklich hübschen Örtchen Le Pont-de-Montvert am Oberlauf des Tarn an (die berühmte Schlucht beginnt erst ein ganzes Stück weiter flussabwärts, trotzdem ist der Ort sehr malerisch im engen Tal des Tarn gelegen) und ziehe mir in der Toilette in einem Bistro, in dem ich mir auch ein Bierchen gönne, trockne Klamotten an und wärme mich etwas auf.



Der Regen hört nun endgültig auf. Es gibt im Ort ein Hotel und einen kommunalen Campingplatz. Ich entscheide mich für die Übernachtung für den Campingplatz, kehre aber zum Abendessen im Restaurant des sehr sympathischen, als Familienbetrieb geführten kleinen Hotels ein. Wie ich es in Frankreich in kleinen Hotels schon mehrfach erlebt habe, gibt es jeden Abend nur ein (natürlich täglich wechselndes) Menü, das wird dann aber auch wirklich liebevoll und lecker zubereitet. Heute gibt es als Vorspeise eine sehr leckere, deftige Kohlsuppe, als Hauptgericht irgendwas mit ordentlich Fleisch, dann eine Crème brûlée, und zum Abschluss konnte man sich nach Belieben von einer opulenten Käseplatte bedienen.

Beim Abendessen mache ich Bekanntschaft mit einer deutschen Radreisenden, die ebenfalls allein unterwegs ist. Sie ist heute, anders als ich, nicht vom Norden, sondern vom Osten, über den Col de la Croix de Berthel, hier angekommen, und hat ihre Tour in Deutschland begonnen. Leider deckt sich ihre weitere Routenplanung nicht mit meiner, sonst hätte man morgen ein Stück gemeinsam fahren können…

Ich bin später nochmal durch Le Pont-de-Montvert gekommen, im Rahmen einer Radreise durch Südfrankreich von Ost nach West, und habe im selben Hotel nicht nur zu Abend gegessen, sondern auch genächtigt, und wieder gab es als Vorspeise die leckere Kohlsuppe.

Fortsetzung folgt…
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#1240033 - 10.10.16 21:45 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
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10. Tag, nochmal Col de Finiels und Le Pont-de-Montvert – Florac



Das Wetter ist heute deutlich besser als gestern, und da ich mich immer noch ärgere, dass ich die Überquerung des Col de Finiels gestern wegen des Regens nicht richtig genießen konnte und die geplante kleine Wanderung zum Gipfel des Mont Lozère (Sommet de Finiels) ausfallen musste, beschließe ich, dies heute nachzuholen, bevor ich die eigentliche Tour fortsetze. Das heißt also, es geht heute zunächst zurück auf den Col de Finiels, die ca. 700 Höhenmeter, die es dadurch zusätzlich zu absolvieren gilt, nehme ich gerne in Kauf. Ich fahre also die landschaftlich sehenswerte Strecke, die ich gestern im strömenden Regen hinabgerollt bin, wieder hinauf.





Kurz vor der Passhöhe gibt es zahlreiche eigentümliche Felsformationen zu bewundern; große Gesteinsbrocken sind, durch welche Laune der Natur auch immer, bizarr aufeinandergetürmt.





An der Passhöhe des Col de Finiels beginnt der Wanderweg zum Gipfel des Sommet de Finiels. Ich lasse Rad und Gepäck stehen und erreiche nach ca. 20 min den 1599 m hohen Gipfel. Es ist keine ausgeprägte Bergspitze, sondern wirkt eher wie ein flacher Hügel in einer kargen, heideartigen, windgepeitschten Landschaft. Der Blick reicht aufgrund der Höhe rundum über weite Teile des Zentralmassivs.





Zurück am Straßenpass und bei meinem Rad, mache ich noch ein Selbstporträt vor dem Passschild



und genieße zum zweiten Mal und diesmal bei herrlichem Wetter die Abfahrt zurück nach Le Pont-de-Montvert.











Nach einem späten Mittagessen geht es weiter in meine eigentliche Reiserichtung. Da es durch den Abstecher, der sich auf alle Fälle gelohnt hat, schon recht spät ist, werde ich heute nur noch bis Florac fahren, das sind nicht viel mehr als 20 km. Hier der Blick zurück auf Le Pont-de-Montvert.



Obwohl die berühmte Schlucht, die Gorges du Tarn, erst ein ganzes Stück unterhalb von Florac beginnt, ist das enge Tal des Tarn auch zwischen Le Pont-de-Montvert und Florac bereits recht spektakulär.





Kurz vor Florac, das ein wenig abseits in einem Seitental des Tarn liegt, gibt es direkt am Fluss einen schönen Campingplatz, auf dem ich mich einquartiere. Hoch über dem Ort ragt eine imposante Felswand empor.



Man kann hier sehr schön erkennen, was die Besonderheit der Cevennen ausmacht: Karge, windige, dünn besiedelte Hochebenen (Causses) werden durch tief eingeschnittene Canyons voneinander getrennt, die von Flüssen wie dem Tarn oder der Jonte im Laufe der Jahrmillionen in das Gestein gegraben wurden. Die Felswand oberhalb von Florac ist die Kante der Causse Méjean.

Beim Zeltaufbau mache ich Bekanntschaft mit einem deutschen Radreisenden, der ebenfalls allein reist, Martin. Wir beschließen, gemeinsam nach Florac hineinzufahren und dort zu Abend zu essen. Er ist bereits seit einigen Monaten mit dem Rad in England und Frankreich unterwegs.

11. Tag, Florac – Gorges du Tarn – Meyrueis

Heute steht die Tarn-Schlucht als einer der Höhepunkte der Reise auf dem Programm. Da Martin zunächst ein Stück über die Causse Méjean fahren will, breche ich allein auf.

Noch einmal der Campingplatz direkt am Tarn-Ufer





Nun geht es auf der D 907 B durch die Gorges du Tarn. Ab Ispagnac wird die Landschaft dann wirklich spektakulär.





Ste-Énimie



Die Straße durch die Schlucht ist in gutem Zustand und recht verkehrsarm.



Der Cirque de Pougnadoires



In La Malène treffe ich Martin wieder, der auf dem im Hintergrund zu erkennenden abenteuertlich steilen Sträßchen von der Hochebene der Causse Méjean herabgerollt kommt.



Wir fahren jetzt ein Stück gemeinsam weiter durch die Schlucht.











Gegen ein bescheidenes Eintrittsgeld hat man von einem Aussichtspunkt oberhalb der Straße einen herrlichen Blick schluchtaufwärts



und schluchtabwärts.



Da sowohl Martin als auch ich als heutiges Tagesziel Meyrueis geplant haben, verlassen wir in Le Rozier die Gorges du Tarn, um einem Nebenfluss, der Jonte, aufwärts zu folgen, der eine fast ebenso beeindruckende Schlucht aufweisen kann. Da ich noch eine Kleinigkeit zu mir nehmen will, trennen wir uns und Martin fährt voraus.

Die D 996 durch die Gorges de la Jonte





In Meyrueis gibt es mehrere Campingplätze, ich lande auf einem anderen als Martin; auch dieser Platz ist sehr reizvoll am Flussufer gelegen.

Beim Abendessen in einer Pizzeria treffen wir uns durch Zufall wieder und verabreden, am nächsten Tag noch ein Stück gemeinsam zu fahren, da wir zunächst, bis zum Gipfel des Mont Aigoual, dieselbe Strecke geplant haben.

Fortsetzung folgt…
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#1240064 - 11.10.16 07:42 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Mütze
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Toller Bericht und Photos. Frankreich ist doch echt ein klasse Reiseland. Das merke ich immer wieder.
- - - - - - - - - - - - - - - -
Schotter gehört in meinen Geldbeutel, nicht auf den Radweg. Grüßchen, Ruth http://missesvelominiservice.jimdo.com
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#1242808 - 22.10.16 16:56 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
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12. Tag, Meyrueis – Ganges

Martin kommt sehr früh an meinem Campingplatz vorbei; er will zeitig aufbrechen, weil heute sein letzter Tag ist und er noch bis Millau kommen muss, von wo er morgen die Zugfahrt zurück nach Deutschland antreten wird. Ich bin noch nicht fertig, so dass er vorfährt; auch aus der Idee, dass wir uns später auf dem Mont Aigual nochmal treffen, wird nichts – als ich gegen Mittag schließlich auf dem Gipfel bin, ist er im Wortsinne schon über alle Berge. Ich habe halt meinen eigenen Rhythmus und brauche morgens meine Zeit zum Zeltabbau und zum Packen.

Von Meyrueis geht es zunächst aufwärs durch nach wie vor beeindruckende Landschaft über die D 996 zum Col de Perjuret (1031 m).





Die Auffahrt zum Mont Aigoual über die D 18 verläuft mit mäßiger Steigung zunächst lange durch bewaldete Hänge aufwärts. Oberhalb der Baumgrenze bietet sich dann wieder ein weiter Blick in die Gebirgslandschaft der Cevennen. Die Strecke ist augenscheinlich bei Rennradlern sehr beliebt.



Schließlich erreiche ich auf 1567 m Höhe den Gipfel des Mont Aigoual mit der Wetterstation und den markanten Antennen. Der bisher höchste Punkt der Reise, aber es stehen ja auch noch die Pyrenäen auf dem Programm…





Von hier oben hat man natürlich einen traumhaften Rundumblick über das Zentralmassiv.











In meinem Reiseführer steht, man könne vom Mont Aigoual aus die Pyrenäen, die Alpen und das Mittelmeer sehen. Die Sicht ist einigermaßen klar, aber ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass ich wirklich so weit schauen konnte und ob der schmale blaue Streifen am südlichen Horizont wirklich das Mittelmeer war oder nur ein Stück Himmel…

Was ich aber mit einer gewissen Vorfreude sehe, ist am gegenüberliegenden Hang die Serpentinenstraße (D 986) hinunter ins Tal des hier entspringenden Flusses Hérault, die ich gleich hinunterrollen darf.



Ich genieße also die sehr lange, kurvige Abfahrt. Herrlich!





Blick zurück zum Mont Aigoual, bei genauem Hinsehen kann man die beiden Antennen erkennen.







Im Ort Valleraugue am Hérault wird das Gefälle dann wieder etwas flacher, so dass ich wieder etwas treten muss. Ich werde entlang des Hérault heute und morgen südwärts die Cevennen und das Zentralmassiv verlassen.



In Ganges beende ich die heutige Etappe und gönne mir statt des vorhandenen Campingplatzes ein preiswertes Hotel.

13. Tag, Ganges – Clermont-l’Hérault

Heute verlasse ich dem Lauf des Flusses Hérault folgend südwärts die Cevennen.

Auch der Hérault hat, wie fast alle Flüsse in der Region, eine beeindruckende Schlucht ausgebildet.





Ich folge zunächst der stark befahrenen Hauptstraße (D 986) und nehme dann eine kleine, fast verkehrsfreie Straße (D 4), die mich erst ein Stück aus dem Tal des Hérault hinausführt, um sich dann in malerischem Verlauf wieder hinunter in die Gorges de l’Hérault zu schlängeln.





Die Pont du Diable aus dem 11. Jahrhundert bei St-Guilhem-le-Désert markiert das Ende der Gorges de l’Hérault.



Hier endet das Gebirge, und die Landschaft ist wieder deutlich flacher. Ich gelange über kleine Départementalstraßen nach Clermont-l’Hérault. Ein hübsches kleines Städtchen. Für die Übernachtung wähle ich aber den einige Kilometer weiter, etwas oberhalb des Ortes am Ufer des Stausees Lac du Salagou, gelegenen Campingplatz. Ich erreiche ihn kurz vor Sonnenuntergang.



Zum Abendessen fahre ich nochmal zurück nach Clermont-l’Hérault und lasse den Abend mit einer Pizza ausklingen.

Fortsetzung folgt…
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#1242931 - 23.10.16 14:58 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
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14. Tag, Clermont-l’Hérault – Capestang

Erstes Ziel des heutigen Tages ist Béziers. Die erste größere Stadt seit Le-Puy-en-Velay. Nach dem Zeltabbau im wunderschön am Ufer des Lac du Salagou gelegenen Campingplatzes frühstücke ich in Clermont, dann geht es über die relativ verkehrsarme D 15 südwärts. Die Landschaft ist von Weinbau geprägt.





Noch einmal geht es mit einigen Serpentinen über einen kleinen Höhenzug, einen letzten Ausläufer der Cevennen,



dann geht es in der Ebene in Richtung Béziers. Ich komme durch winzige Orte wie Cabrières, Neffiès, Roujan und Pouzolles.



In Béziers sehe ich mir die hoch über dem Ufer des Flusses Orb gelegene Altstadt an.



Ich kenne die Stadt bereits, weil ich auf meiner Radreise im Vorjahr hier vorbeigekommen bin, von der Atlantikküste bei Bordeaux kommend, entlang des Canal latéral à la Garonne und des Canal du Midi, an dem Béziers liegt. Ich halte mich daher nicht allzu lange auf, weil ich heute noch einiges an Strecke machen will.

Am Ufer des Orb



Ab hier folge ich dem Canal du Midi Richtung Westen, also andersherum als im Jahr davor. Die Fahrt entlang des Kanals ist reizvoll, gemütlich und ein willkommener Kontrast zu den Schluchten und Passstraßen der vergangenen Tage, so dass ich die Strecke heute und morgen trotz der Wiederholung genieße.

Der Canal du Midi wird über eine Kanalbrücke über den Orb geführt.



Der Radweg verläuft auf den ehemaligen Treidelpfaden des bereits im 17. Jahrhunderts gebauten Kanals, der fast durchgängig gesäumt ist von zwei Reihen schattenspendender Platanen.



Leider ist der Radweg am Canal du Midi hier, in seinem östlichen Abschnitt, überwiegend nicht asphaltiert. Eine durchgehende Asphaltdecke hat der Radweg entlang des Kanals nur im Abschnitt östlich von Toulouse, während der Radweg entlang des westlich anschließenden Garonne-Seitenkanals bis kurz vor Bordeaux fast durchgängig asphaltiert ist, wie ich aus dem Vorjahr weiß. Aber diesmal werde ich den Canal du Midi bereits morgen wieder Richtung Narbonne verlassen.

Blick zurück auf Béziers



Da der Kanal in seinem Verlauf (und in seiner Fortsetzung als Canal latéral à la Garonne) bis Bordeaux die Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Atlantik überwinden muss, gibt es alle paar Kilometer Schleusen, weitgehend noch im historischen Zustand. Teilweise sind mehrere davon zusammengefasst, wie hier in der Schleusentreppe von Fonserannes mit sechs „hintereinandergeschalteten“ einzelnen Schleusen.





Der Radweg entlang des Kanals ist im weiteren Verlauf dann von immer schlechterer Beschaffenheit und entwickelt sich schließlich zum Trampelpfad.





Den 160 m langen Kanaltunnel von Malpas kann man nur zu Fuß durchqueren.





Mich wundert, dass er nur in der östlichen Hälfte ausgemauert ist, obwohl das Gestein der Tunnelwand extrem weich und bröselig ist – man kann mit der Hand hineinbohren.

Vom Hügel Ensérune, durch den der Kanaltunnel führt, hat man einen weiten Blick in die Landschaft. Man erkennt die Bahnlinie, die in einem Tunnel den Kanaltunnel unterquert und auf der ich in einigen Tagen auf der Rückfahrt unterwegs sein werde.



Auf dem Kanal sind zahlreiche Hausboote unterwegs. Dieses ist offenbar ursprünglich ein historischer Frachtkahn.



Wegen der schlechten Wegbeschaffenheit am Kanal fahre ich die letzten Kilometer bis zu meinem heutigen Etappenziel Capestang auf einer Landstraße (D 37) parallel und in Sichtweite zum Kanal. Der im Hang verlaufende Kanal wirkt aus der Ferne aufgrund der Baumreihen fast wie eine Allee.





Im hübschen Städtchen Capestang kann ich für die Übernachtung wieder auf einem Campingplatz mein Zelt aufschlagen und in einem nett direkt am Kanalufer gelegenen Restaurant lecker zu Abend essen.

15. Tag, Capestang – Gruissan

Bevor ich losfahre, sehe ich mich in Capestang noch ein wenig um. Hauptsehenswürdigkeit ist die Kirche Saint-Étienne. Architektonisch interessant, weil der heutige Bauzustand die im Spätmittelalter begonnene, aber nicht zu Ende geführte Ersetzung des ursprünglichen romanischen Gotteshauses durch eine gotische Kirche dokumentiert. Es wäre einer der größten Sakralbauten der Region geworden.



Weil ich mich noch vom Vorjahr an die schlechte Wegbeschaffenheit des Radwegs am Canal du Midi in diesem Bereich einnere, fahre ich parallel weiter über die D 37, um bei Argeliers wieder auf den Kanal zu treffen. Wenige Kilometer weiter zweigt der Canal de la Robine Richtung Narbonne ab, dem ich nun südwärts folge.





Der Weg entlang des Kanals ist nicht immer leicht zu finden, so dass ich teilweise auf parallele Straßen ausweiche. Schließlich erreiche ich Narbonne.



Eine ausführliche Stadtbesichtigung wäre sicher lohnenswert gewesen, aber ich nehme mir nur die Zeit für ein Mittagessen, da ich heute noch das Meer erreichen will. Weiter geht es also entlang des Canal de la Robine.



Da ich den hübschen, etwas abseits meiner Route gelegenen Ort Gruissan mit seinem Strandort Gruissan-Plage vom Vorjahr noch in guter Erinnerung habe, verlasse ich kurz vor der Küste den Kanal und gönne mir den Abstecher. Die D 32 nach Gruissan verläuft durch eine sehr reizvolle Lagunenlandschaft mit Blick auf das kleine Gebirgsmassiv der Montagne de la Clape.



Der Ort Gruissan wird von der hoch über die Küstenebene aufragenden Burg dominiert.



Es gibt einen Zeltplatz, auf dem ich mich einquartiere. Nach dem Zeltaufbau fahre ich die kurze Strecke nach Gruissan-Plage. Ich habe das Mittelmeer erreicht und verbringe den restlichen Spätnachmittag am breiten Sandstrand.



Fortsetzung folgt…
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#1246879 - 05.11.16 20:49 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
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16. Tag, Gruissan – Port-la-Nouvelle, Zugfahrt bis Perpignan und Perpignan – St.Paul-de-Fenouillet

Bevor ich losfahre, sehe ich mir die Burgruine oberhalb der engen Altstadtgassen von Gruissan-Village an.



Von oben bietet sich ein schöner Blick über die den Ort umgebenden Lagunen.



Im Étang de l’Ayrolle gehen Kite-Surfer ihrem Sport nach.



Ich fahre dieselbe Straße zurück, auf der ich gestern nach Gruissan gekommen bin, und treffe wieder auf den Canal de la Robine, dort, wo ich ihn gestern verlassen habe.





Von hier bis zu seiner Mündung bei Port-la-Nouvelle verläuft der Kanal malerisch durch die Lagunenlandschaft; nur zwei parallele Deiche trennen ihn links vom Étang de l’Ayrolle und rechts vom Étang de Bages et de Sigean. Schon auf meiner Radtour im Vorjahr, aus dem ein Teil der folgenden Bilder stammt, bin ich hier entlanggefahren, so dass ich diesen landschaftlich faszinierenden Abschnitt des Canal de la Robine nun ein zweites Mal genießen darf.







Parallel zum Kanal wird auch die Bahnlinie Perpignan-Montpellier auf einem Damm durch die Lagune geführt. Auf ihr werde ich in einigen Tagen auf der Rückfahrt unterwegs sein.





Ab dem Hafenstädtchen Port-La-Nouvelle überbrücke ich zum zweiten Mal auf der Reise eine Strecke von ca. 50 km mit dem Zug. Ich nehme einen Regionalzug bis Perpignan (Fahrradmitnahme, wie in Frankreich im Regionalverkehr üblich, problem- und kostenlos), zum einen, weil mir sonst am Ende die Zeit knapp werden wird, zum anderen, weil ich die Strecke entlang der Küste zwischen Port-la-Nouvelle und Perpignan im Vorjahr bereits gefahren bin. Dadurch wird allerdings der Strandaufenthalt in Gruissan gestern der einzige auf der Reise bleiben. Das Meer werde ich dann erst wieder in Barcelona sehen.



Auf dem Bahnsteig in Perpignan ist der Ortsname neben Französisch auch auf Katalanisch angegeben. Perpignan zählt zum französischen Teil des katalanischen Sprach- und Kulturraums, was sich auch in zahlreichen zweisprachigen Schildern wiederspiegelt, jedoch bei weitem nicht so drastisch wie im spanischen Teil Kataloniens, wo das Katalanische das Spanische (Castellano) fast völlig aus dem öffentlichen Raum verdrängt hat.



Dementsprechend weht die katalanische Flagge auch über einem der Wahrzeichen der Stadt, dem Castillet, einem Tor der ehemaligen Stadtbefestigung.



Ich sehe mich mit dem Rad ein wenig in der Stadt um, ohne mich jedoch allzu lange aufzuhalten, obwohl es eine der größten Städte ist, durch die ich auf meiner Reise komme. Ich kenne sie jedoch bereits vom Vorjahr und möchte heute noch ein gutes Stück Richtung Pyrenäen vorstoßen. Ein paar Eindrücke von Perpignan erhalte ich trotzdem.





Es ist nicht ganz einfach, den richtigen Weg aus der Großstadt heraus zu finden. Schließlich bin ich auf der gesuchten Straße Richtung Westen, der D 916, eine ruhige Départementalstraße, die parallel zum durch Perpignan fließenden Fluss Têt und der autobahnartig ausgebauten Nationalstraße (N 116) direkt in die Pyrenäen hineinführt.

So erreiche ich schließlich, am Übergang von der Küstenebene zu den ersten Steigungen, Ille-sur-Têt. Ich bin nun im Grunde direkt am Fuß der Pyrenäen. Ab hier hätte ich der N 116, deren vierspuriger Ausbau hier endet, weiter entlang des Têt-Tals hinauf in die Cerdagne folgen können, ein auf gut 1000 m Höhe gelegenes ausgedehntes Hochtal im Grenzgebiet zwischen Frankreich und Spanien, um wie geplant bei Bourg-Madame/Puigcerdá die Grenze zu überqueren. Die N 116 wäre der direkteste Weg und ist in meiner Michelin-Karte auch als landschaftlich reizvoll ausgewiesen. Da ich jedoch skeptisch bin wegen des wohl zu erwartenden starken Verkehrs auf der Nationalstraße, die eine der Hauptverkehrsachsen über den östlichen Teil der Pyrenäen bildet, entscheide ich mich für eine etwas längere, landschaftlich ebenso vielversprechende und nach der Karte zu urteilen deutlich verkehrsärmere Variante für den Anstieg in die Cerdagne, nämlich entlang des Flusses Aude. Diese Straße (D 118) beginnt in Axat, und um dorthin zu gelangen, muss ich einen kleinen, den Pyrenäen vorgelagerten, wenige hundert Meter hohen Gebirgszug überqueren, die Fenouillèdes; auch diese Region erscheint nach der Karte landschaftlich lohnenswert.

Den direkten Weg von Ille-sur-Têt in die Pyrenäen und hinauf in die Cerdagne über die N 116 habe ich dann Jahre später, 2016, unter die Räder genommen.

Ich verlasse also bei Ille-sur-Têt die direkte Route in die Pyrenäen.



Die berühmten Orgues bei Ille-sur-Têt, orgelpfeifenförmige Felsformationen, sollen laut Empfehlungen, die ich hier im Forum erhalten haben, einen Besuch wert sein, aber die Zeit habe ich nicht, so dass ich sie nur von Weitem sehe.





Unerwartet stellt sich die Strecke durch die Fennouillèdes als landschaftliches Highlight heraus: Ich durchquere eine karge und kaum besiedelte Berglandschaft mit vereinzelten malerischen Gebirgsdörfern, durch die sich in stetem Auf und Ab winzige Sträßchen schlängeln, die ich fast völlig für mich alleine habe (D 21 und D 9).





Eine Brücke führt über den Stausee von Caramany.





Kurz vor St.Paul-de-Fenouillet komme ich durch eine kurze Schlucht, in deren Hängen Felsenkletterer kraxeln, die auf dem Bild aber kaum zu erkennen sind.



Am Ortseingang von St.Paul-de-Fenouillet ist ein hübscher Campingplatz, das kommt wie gerufen. Nach dem Zeltaufbau begebe ich mich in den Ort und nehme auf der Terrasse eines netten, einfachen Dorfbistros auf einem gemütlichen, sehr typisch französischen Dorfplatz ein einfaches, aber leckeres Abendessen ein. In dem Bistro läuft ein Fernseher, und anhand des Nachrichtenprogramms wird mir wieder bewusst, dass genau heute der zehnte Jahrestag von „Nine-Eleven“ ist.

Fortsetzung folgt…
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#1246905 - 06.11.16 07:09 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
cyclerps
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Beeindruckend! Vielen Dank für den bisherigen Bericht.

Leider besitze ich nicht die sprachlichen Fähigkeiten um diese gebiete zu "erfahren". Mit englisch alleine wird sowas wohl nicht klappen.

Viel Spass weiterhin und danke nochmal.
Gruss
Markus
Forza Victoria !
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#1246925 - 06.11.16 09:35 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: cyclerps]
StefanS
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In Antwort auf: cyclerps
Leider besitze ich nicht die sprachlichen Fähigkeiten um diese gebiete zu "erfahren"

All die holländischen, englischen und deutschen Campingplatzbetreiber in der Gegend sind froh, wenn sie sich mal nichts auf Französisch abbrechen müssen schmunzel

Stefan
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#1246975 - 06.11.16 13:01 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: cyclerps]
Landradler
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Beiträge: 1662
In Antwort auf: cyclerps
Leider besitze ich nicht die sprachlichen Fähigkeiten um diese gebiete zu "erfahren". Mit englisch alleine wird sowas wohl nicht klappen.

Na und! Die Franzosen sind zwar "manchmal" etwas komisch wenn du nicht ihre Sprache sprichst, aber wen störts? Ich komme mit Händen und Füßen, etwas Englisch und improvisieren meist überall klar. Scandinavien ist da leichter, die sprechen alle Englisch und stellen sich nicht so bockig an wie die Franzmänner. Wie sagte ein Finnischer Busfahrer (auf deutsch) mal zu mir: "Man kann doch keinem zumuten diese unchristliche Sprache zu lernen!" zwinker
Gruß, Michael

- Buckelst du noch oder liegst du schon? -
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#1247147 - 07.11.16 08:13 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Landradler]
cyclerps
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grins bravo

Ich danke euch.
Gruss
Markus
Forza Victoria !
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#1249772 - 19.11.16 22:49 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: cyclerps]
Tom72
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Hallo Markus,

ich würde auf keinen Fall Deiner Befürchtung zustimmen, dass man sich ohne Französischkenntnisse nicht an Radreisen in Frankreich "heranwagen" kann. Frankreich ist jedenfalls überall dort, wo es schön ist, touristisch geprägt und man ist ausländische Touristen gewöhnt. Probier es einfach mal aus schmunzel
Gruß
Tom

Geändert von Tom72 (19.11.16 22:50)
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#1249780 - 20.11.16 00:46 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
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17. Tag, St.Paul-de-Fenouillet – Formiguères

Die ersten etwa zwei Drittel der heutigen Etappe bin ich zwei Jahre später, 2013, nochmal gefahren (und habe auch auf demselben Campingplatz in St.Paul-de-Fenouillet übernachtet). Da die Bilder von der späteren Tour wesentlich besser gelungen sind, verwende ich sie hier statt der „originalen“. Der aufmerksame Leser möge sich also nicht wundern, wenn die Packtaschen am Rad auf den folgenden Fotos plötzlich anders aussehen.

In unmittelbarer Nähe des Zeltplatzes erhebt sich eine imposante Felswand.



Zum Frühstück begebe ich mich wieder auf den hübschen Dorfplatz von St.-Paul.



Nun geht es mit kaum merklicher Steigung auf der D 117 Richtung Axat. Die Straße ist gut ausgebaut, der Autoverkehr hält sich in Grenzen. Linkerhand erstreckt sich der Gebirgszug der Fenouillèdes, rechts verlaufen parallel die Corbières.





Historisch verbunden ist die Gegend mit der Geschichte der Katharer, jener mittelalterlichen Glaubensgemeinschaft, deren Mitglieder als Häretiker verfolgt wurden und die hier ihr letztes Rückzugsgebiet hatten. Eine Info-Tafel weist daher auf eine der zahlreichen in der Region vorhandenen Katharer-Festungen hin, die Burgruine von Puilaurens,



die man sich kurz darauf hoch über dem Tal erheben sieht.



Ich erreiche die Aude, entlang derer nun auf der D 118 endgültig mein Anstieg in die Pyrenäen beginnt.





In Axat an der Aude stärke ich mich für den Anstieg mit einem Steak.



Kurz hinter Axat zwängen sich die Aude und die D 118 durch eine sehr kurze, sehr enge, sehr spektakuläre Schlucht, die Gorges de St.-Georges.







Die D 118 stellt sich erwartungsgemäß als gute Wahl für die Auffahrt in die im Grenzgebiet zwischen Frankreich und Spanien gelegene Hochebene der Cerdagne heraus; die Landschaft ist beeindruckend, die Steigung ist überwiegend moderat, und störender Kfz-Verkehr findet fast gar nicht statt.







Auf meiner Radtour 2013 habe ich die D 118 bei Usson verlassen Richtung Col de Pailhères (2000 m), so dass ich ab hier wieder die Bilder der Paris-Barcelona-Reise von 2011 verwende, die ja der Gegenstand dieses Berichts ist.

Die weiter dem Tal der Aude aufwärts folgende D 118 gewinnt im weiteren Verlauf durch bewaldete Hänge über einige Serpentinen an Höhe. Oberhalb der Baumgrenze weitet sich das Tal und eröffnet den Blick auf die umliegenden Berggipfel. Ich befinde mich nun im Hochgebirge auf gut 1300 Metern Höhe, auch wenn die Landschaft nicht wirklich diesen Eindruck vermittelt.





Es wird nun langsam Zeit, nach einem Schlafplatz Ausschau zu halten. Im Ort Puyvalador werde ich nicht fündig, aber in Formiguères (ca. 1400 m) gibt es einen Campingplatz. Er ist an einem steilen, bewaldeten Hang gelegen, mit schmalen, terrassenförmigen Parzellen für die Zelte.



Im einzigen Gasthaus des Ortes belohne ich mich mit einem leckeren Abendessen; draußen sitzen, wie es bisher auf der Reise praktisch jeden Abend möglich war, kann man aber aufgrund der in dieser Höhe zu dieser Jahreszeit doch recht kühlen Witterung nicht. Meine Befürchtung, dass ich während der höchstgelegenen Übernachtung der Reise in meinem Zelt frieren muss, bestätigt sich aber nicht.

18. Tag, Formiguères – Puigcerdà

Heute steht nur eine kurze Etappe auf dem Programm. Ich werde nur die knapp 40 km bis zur Grenze fahren, die zwischen dem französischen Ort Bourg-Madame und dem benachbarten, spanischen Puigcerdà verläuft. Es geht also weiter auf der D 118 hinauf in die Cerdagne. Den wesentlichen Teil der Höhenmeter habe ich allerdings bereits gestern gemeistert. Da ich dieses Jahr (2016) auf einer Pyrenäen-Radreise einen Teil der heutigen Strecke erneut gefahren bin, verwende ich zum großen Teil die neuen Bilder.

Formiguères



Durch das weite Hochtal der Aude geht es also mit mäßiger Steigung weiter, vorbei am Stausee Lac de Matemale



und über den 1713 m hohen Col de la Quillane, den ich gar nicht wirklich als Pass wahrnehme.

Ich erreiche das gut 1500 m hoch gelegene hübsche Festungsstädtchen Mont-Louis, wo ich eine Kleinigkeit zu Mittag esse und mich im von mächtigen Fortifikationen umgebenen historischen Ort umsehe. Die Festung wurde von Vauban, dem Militärbaumeister Ludwigs des XIV (seine zahlreichen Festungsbauwerke sind fast überall in Frankreich zu bewundern) zur Sicherung des Grenzgebiets und der Verkehrswege nach Spanien im 17. Jahrhundert errichtet. Die Zitadelle wird noch heute vom französischen Militär genutzt.








Mont-Louis liegt am Fluss Têt, knapp unterhalb seiner Quelle, die Grenze zu Spanien ist nicht mehr weit. Hier treffe ich wieder auf die N 116, der ich seit vorgestern, ab Ille-sur-Têt, als direktere Route hinauf in die Pyrenäen hätte folgen können. So wie sich auch die Schmalspurbahn (Ligne de Cerdagne) von Villefranche-de-Conflent, dem Endpunkt der von Perpignan kommenden Normalspurstrecke, das Têt-Tal aufwärts schlängelt. Das heute überwiegend touristisch genutzte Bähnchen wird wegen der gelben Farbe seiner Fahrzeuge liebevoll „le Petit train jaune“ genannt und von Eisenbahnfreunden wegen seiner technischen Besonderheit, der sonst nur bei U- und S-Bahnen üblichen Elektrifizierung per seitlicher Stromschiene, als „Pyrenäenmetro“ bezeichnet. Die Linie quert kurz hinter Mont-Louis die N 116, auf der ich nun unterwegs bin, und Schilder warnen eindrücklich vor dem Berühren der Stromschiene.





Kurz darauf erreiche ich mit dem Col de la Perche die Hauptwasserscheide der Pyrenäen zwischen der Têt und dem Hauptfluss der Cerdagne, dem Sègre, der in den Ebro fließt. Der 1581 m hohe Übergang vom breiten, flachen Tal der Têt in das ebenso breite und flache Hochtal der Cerdagne (katalanisch Cerdanya) ist allerdings kaum wirklich als Pass wahrzunehmen. Nun geht es weiter auf der N 116 Richtung spanischer Grenze.





Die Landschaft der Cedagne ist ein weites, auf über 1000 m Höhe gelegenes Talbecken, umgeben von den über 2000 m aufragenden Pyrenäengipfeln. Hier im Vordergrund die Strecke des Petit train jaune; der weiße Gebäudekomplex in der Bildmitte ist der Four solaire d’Odeillo, eine der weltgrößten Solarenergie-Versuchsanlagen der Welt.



Der „Sonnenofen“ bündelt das Sonnenlicht von riesigen parabolförmig angeordneten Spiegeln in der Mitte der Anlage und erzeugt dort die für die Stromgewinnung genutzte Hitze. Ich habe die Anlage auf meinem Foto erst im Nachhinein anlässlich eines Bilderrätsels hier im Forum entdeckt.



Die N 116, der ich weiterhin folge, und ein Tunnel der Schmalspurstrecke; gut zu erkennen die Stromschiene neben dem Gleis.



Kurz hinter Saillagouse geht es dann abwärts nach Bourg-Madame, dem auf gut 1100 m Höhe gelegenen Grenzort zu Spanien.







Nach Durchquerung des kleinen Städtchens überquere ich die Grenze und erreiche den direkt anschließenden spanischen Nachbarort Puigcerdà.



Die wirklich sehenswerte Altstadt von Puigcerdà erreiche ich über steile Gassen; sie liegt auf einer Hügelkuppe, von der aus sich ein weiter Blick über die Cerdagne (ab hier natürlich: Cerdaña, ich muss mich ab jetzt ja sprachlich umgewöhnen; oder am besten gleich katalanisch: Cerdanya) bietet.



Für die Übernachtung quartiere ich mich aber auf der französischen Seite in Bourg-Madame ein, weil es dort einen Campingplatz gibt.

Nach dem Zeltaufbau ist noch reichlich Zeit, die ich für einen Abstecher zum einige Kilometer weiter gelegenen Grenzbahnhof Latour-de-Carol - Enveitg nutze. Ich möchte ihn mir ansehen wegen der eisenbahntechnischen Besonderheit, dass dort Bahnlinien mit drei verschiedenen Spurweiten zusammentreffen: Zum einen ist es der Grenzübergang der einzigen Bahnlinie, die die Pyrenäen überquert (die Hochgeschwindigkeitslinie Perpignan-Barcelona war zu dem Zeitpunkt noch im Bau), die allerdings nicht durchgehend befahren werden kann, weil hier die iberische Breitspur von Barcelona kommend auf die französische Normalspur von Toulouse kommend trifft, so dass hier ein Umsteigen erforderlich ist. Zum anderen ist der Bahnhof Endpunkt der Meterspurstrecke des Petit train jaune.

Den Tag lasse ich auf dem zentralen Platz in der Altstadt von Puigcerdà mit einer Pizza ausklingen. Das „Umschalten“ vom Französischen, das ich nun die vergangenen gut zwei Wochen täglich gesprochen habe, zum Spanischen fällt nicht allzu schwer.

Fortsetzung folgt…
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#1258087 - 04.01.17 21:03 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
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19. Tag, Puigcerdà – Ripoll

Jetzt sind es nach meinem Plan nur noch zwei Tage bis Barcelona. Da ich bei der Ankunft am Ziel der Tour nicht noch Zeit mit der Suche nach einer Unterkunft verbringen will, sollte ich bereits jetzt einen Schlafplatz organisieren. Da ich noch kein internetfähiges Handy habe, suche und finde ich in Puigcerdà ein Internetcafé und buche online ein Bett in einem preiswerten Hostel (Mehrbettzimmer) direkt in der Innenstadt von Barcelona.

Von Puigcerdà im Hochtal der Cerdanya aus muss ich noch einen Pass überqueren, bevor ich abwärts Richtung Küste und Barcelona fahren kann. Ich habe mir den ca. 1920 m hohen Coll de la Creueta ausgesucht, der mir hier im Forum empfohlen wurde. Ich habe also heute den höchsten Pass der Reise vor mir, von Puigcerdà aus noch etwa 900 Höhenmeter.

Zunächst geht es über Hauptverkehrsstraßen (N 260 und E 9) durch die flache Landschaft der Cerdanya, dann folge ich einer deutlich weniger befahrenen Straße (GIV-4082) parallel zu der Bahnstrecke, die vom gestern besichtigten Grenzbahnhof Latour-de-Carol nach Barcelona führt, aufwärts nach La Molina.



La Molina ist ein offenbar recht bedeutender Skiort, der jetzt, im Sommer, mit seinen riesigen Hotelanlagen natürlich keinen sehr reizvollen Anblick bietet. Die Straße führt steil durch den Ort aufwärts, und obwohl er zu dieser Jahreszeit ziemlich verlassen wirkt, finde ich ein geöffnetes Bistro, in dem ich mich für den Passanstieg stärken kann. Vorbei an leerstehenden Hotels und Skiliften erreiche ich den oberen Ortsausgang.





Hier beginnt der Anstieg zum Coll de la Creueta, weiterhin auf dem nun praktisch völlig verkehrsfreien Sträßchen (zunächst GI-400, dann BV-4031). Ein Schild verkündet auf Katalanisch, dass die Passstraße geöffnet ist – nicht wirklich überraschend um diese Jahreszeit.



Ich genieße die Auffahrt durch die einsame, grandiose Hochgebirgslandschaft. Ich habe die Baumgrenze hinter mir gelassen und gewinne bei durchweg mäßiger Steigung vorbei an saftigen Kuhweiden langsam und gemütlich an Höhe. Ein landschaftlicher Genuss!







Jetzt noch ein paar Kurven, dann ist die Passhöhe erreicht.





Warum das Schild oben auf dem Pass nur eine Höhe von 1888 m anzeigt, obwohl ich im Internet verschiedenen Quellen eine Höhenangabe von gut 1900 m entnommen habe, weiß ich nicht. Jedenfalls ist der Coll de la Creueta nicht nur der höchste Punkt der Reise, sondern der höchste Pass überhaupt, den ich bis dahin mit dem Rad befahren habe. Die 2000 m habe ich auf dieser Tour also knapp verfehlt. Meine ersten 2000er waren dann in den darauffolgenden Jahren zunächst ebenfalls in den östlichen Pyrenäen, nicht allzu weit von hier, der Col de Pailhères (2000 m), dann weiter westlich der Col de la Bonaigua (2072 m) und schließlich der Col de la Cayolle in den französischen Alpen (2326 m).



Ich befinde mich jetzt im Naturpark (Parque Natural) del Cadí-Moixeró. Da heute hier oben auf der Passhöhe wohl noch kaum jemand vorbeigekommen ist, errege ich das Interesse einer ziemlich großen Kuhherde. Die Tiere beäugen mich neugierig, als sie sich nach und nach vor mir am Weidezaun versammeln.



Die Abfahrt ist landschaftlich fast noch beeindruckender als die Auffahrt. Ich habe die Serpentinen praktisch völlig für mich allein.



Schließlich hat man in der Ferne einen Blick auf das malerische Bergdorf Castellar de n’Hug.





Der Ort ist wirklich sehenswert, so dass ich hier eine kurze Pause einlege und mich für die Passquerung mit einer Cerveza belohne.



Unterhalb von Castellar de n’Hug hätte ich weiter auf der BV-4031 bis La Pobla de Lillet bleiben können. Ich finde in meiner Karte aber ein vielversprechendes winziges Sträßchen, auf dem ich nun weiter gemütlich abwärts rolle und das sich als hervorragende Wahl erweist. Ich begegne niemandem, und fast kommt es mir vor, als schlängle sich das schmale Asphaltband extra für mich durch die herrliche, einsame Bergwelt.





Ich treffe nun wieder auf eine größere Straße (GI-402 bzw. 401), auf der es mit mäßigem Gefälle weiter abwärts geht und die mich in Campdevànol, etwas oberhalb von Ripoll, auf die auf direkterem Wege aus der Cerdanya kommende Nationalstraße (N 260) führt. Die heutige Etappe beende ich im hübschen Städtchen Ripoll, auf knapp 700 m Höhe gelegen. Am unteren Ortsausgang gibt es ein Hotel mit angegliedertem Campingplatz. Ich baue mein Zelt unter den neugierigen Augen einiger Pferde auf, die auf einer direkt angrenzenden Koppel grasen.

In der Innenstadt von Ripoll sehe ich mich etwas um (das Foto ist allerdings vom kommenden Tag).



Zum Abendessen setzte ich mich auf die Terrasse einer Pizzeria. Hier werde ich auf kuriose Weise daran erinnert, dass ich mich nicht „wirklich“ in Spanien, sondern in Katalonien befinde. Das Restaurant zielt auf ein touristisches Publikum ab, und es gibt Speisekarten auf Katalanisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Als ich aber nach eine Karte auf Spanisch (Español bzw. Castellano) frage, erfahre ich, dass es eine solche nicht gibt. Ich stelle mich der Herausforderung und konsultiere die Karte auf Català; das Katalanische ist mit etwas Fantasie, ausgehend vom Spanischen und Französischen, recht gut lesend zu verstehen, zumal eine Pizzakarte ja auch überall weitgehend denselben vertrauten Inhalt aufweist und keine großen Überraschungen erwarten lässt.

Morgen steht dann also die letzte Etappe der Reise auf dem Programm. Eigentlich geht es laut meiner Karte nun im Wesentlichen auf direktem Wege, überwiegend abwärts, wenn auch wohl über verkehrsreichere Straßen, in Richtung auf mein Ziel, Barcelona. Dass das doch nicht ganz so einfach sein wird, werde ich dann morgen feststellen.

Fortsetzung folgt…

Geändert von Tom72 (04.01.17 21:08)
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#1258099 - 04.01.17 21:59 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
StefanS
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In Antwort auf: Tom72
Warum das Schild oben auf dem Pass nur eine Höhe von 1888 m anzeigt, obwohl ich im Internet verschiedenen Quellen eine Höhenangabe von gut 1900 m entnommen habe, weiß ich nicht.

Tja, lustig, dass ein Pass-Schild zu wenige Höhenmeter anzeigt, dürfte tatsächlich die Ausnahme sein. Normalerweise ist es doch eher umgekehrt (Beispiel Timmelsjoch).

Viele Grüße,
Stefan
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#1258246 - 05.01.17 15:03 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: StefanS]
veloträumer
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Och, ich kenne Pässe, da gibt es 2-3 Höhenangaben zur freien Auswahl, quasi basisdemokratisch. Mal über, mal unter den Kartenangaben.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1261101 - 17.01.17 22:53 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: veloträumer]
Tom72
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Hallo Matthias,

wie hoch der Coll de la Creueta nun tatsächlich genau ist, weiß ich bis heute nicht. Aber es warst Du, der mich in dem im Prolog verlinkten Thread, in dem ich im Vorfeld um Tipps zu der Tour gebeten hatte, auf den Pass aufmerksam gemacht und ihn mir empfohlen hatte. Ein wirklich guter Tipp, nochmal vielen Dank dafür schmunzel !

Die Fortsetzung des Berichts erscheint demnächst...
Gruß
Tom

Geändert von Tom72 (17.01.17 22:57)
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#1261210 - 18.01.17 14:02 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
veloträumer
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In Antwort auf: Tom72
Ein wirklich guter Tipp, nochmal vielen Dank dafür schmunzel !

Danke, gerne, immer. Die magischen Pyrenäen lassen mich ohnehin nicht los, ich lese alles dazu immer wieder gerne. Und vielleicht verirre ich mich auch nochmal dorthin... - genau genommen würde ich ja gerne mit Axurit tauschen. Bei dem Spiel dürfte der aber kaum mitmachen wollen... unsicher traurig
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1261859 - 22.01.17 10:35 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
martinbp
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Hallo, Tom,
Viele Dank für deine Tourenbeschreibung. Ich bin gerade beim Tourenplanen und habe dank deines Berichtes nun eine neue Alternative für den Abschnitt Le Puy-en-Velay bis Nevers in Erwägung gezogen. Ursprünglich wollte ich hier dem Loire-Tal folgen.
Die D906 ist in meinem Atlas rot eingezeichent, wie hast du dort den Verkehr empfunden?

VG aus Budapeset
MArtin
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#1263478 - 31.01.17 22:13 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: martinbp]
Tom72
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Hallo Martin,

freut mich, dass mein Bericht Dir die Anregung gegeben hat, zwischen Le Puy und Nevers die von mir erkundete Route in Erwägung zu ziehen. Zu Deiner bisherigen Planung, diesen Abschnitt entlang der Loire zu fahren, kann ich nichts sagen, ich weiß auch nicht, ob es in diesem Abschnitt einen "offiziellen" Loire-Radweg gibt. Es wäre sicher kürzer und steigungsärmer, aber interessanter dürfte tatsächlich meine Variante sein.

Zur D 906 (auch in meiner Michelin-Karte rot eingezeichnet): Es ist zwar schon einige Jahre her, aber soweit ich mich erinnere, war es dort, auch wenn es eine Hauptverkehrsachse für den Nord-Süd-Verkehr in der Region ist, vom Verkehrsaufkommen her nach meinem Empfinden unproblematisch. Sicher habe ich für meine Fotos bisweilen etwas gewartet, bis keine oder wenige Autos im Bild waren, aber die Bilder geben dennoch einen realistischen Eindruck von den Verkehrsverhältnissen. Dass es besonders verkehrsarm wäre, kann man zwar nicht sagen. Die Strecke ist aber über weite Abschnitte im Verlauf recht geradlinig und übersichtlich, und gerade wegen ihrer überregionalen Bedeutung überwiegend gut und breit ausgebaut, teilweise (aber nicht durchgehend) mit breiten Seitenstreifen. Das ist natürlich auch immer eine Frage des persönlichen Empfindens. Wenn man aber grundsätzlich keine Probleme mit dem Radeln auf Landstraßen, auch mit etwas mehr Kfz-Verkehr, hat, sehe ich keine Bedenken. Vielleicht ist das Verkehrsaufkommen dort auch saisonabhängig; ich war ja nicht zur Haupturlaubszeit im Juli/August dort unterwegs. Ich habe die Straße vor allem deswegen gewählt, um vor dem Hintergrund meines knappen Zeitplans in dem Bereich die Strecke und die Höhenmeter zu minimieren. Im Übrigen kann ich aus meiner Erfahrung von mittlerweile einigen Frankreich-Radreisen die auch hier im Forum immer wieder zur Sprache gebrachte Beobachtung bestätigen, dass die französischen Autofahrer in aller Regel Radfahrer auf Landstraßen als Verkehrsteilnehmer respektieren und sich rücksichtsvoll verhalten, insbesondere mit ausreichend Abstand überholen.
Gruß
Tom

Geändert von Tom72 (31.01.17 22:17)
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#1263704 - 01.02.17 21:38 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
martinbp
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Danke, Tom für deine Antwort.
Es ist nun eine von 3 Varianten, und ich werde wahrscheinlich vor Ort entscheiden, wie weiter. Ich hatte auch eine direktere Ost-West-Verbindung von Le Puy ins Alliertal in Erwägung gezogen (hat wahrscheinlich weniger Steigungen). Autoverkehr bin ich einigermaßen gewohnt, insofern müsste die 906 schon gehen.

Von Le Puy direkt ins Loire-Tal scheint mehrmals runter ins Tal und wieder hoch auf die Höhe zu beinhalten, diese Strecke habe ich eigentlich schon verworfen.

Aber inzwischen habe ich mir für Frankreich von Süd nach Nord auch noch eine andere Variante (in etwa:Rhone-Tal-Saonne-Tal-Reims) ausgedacht, bei der ich das Zentralmassiv auslassen würde. Leider bin ich nicht so der begeisterte Bergaufradler, obwohl mir da landschaftlich immer Einiges entgeht.

Vg aus Budapest
Martin
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#1263748 - 02.02.17 10:37 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: martinbp]
StefanS
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In Antwort auf: martinbp
Von Le Puy direkt ins Loire-Tal scheint mehrmals runter ins Tal und wieder hoch auf die Höhe zu beinhalten, diese Strecke habe ich eigentlich schon verworfen.

Hm, Le Puy liegt direkt an der Loire (ok, 2-3 km entfernt). Und bis Retournac ist es auch erstmal komplett flach. Erst danach kommen bis Roanne ein paar Steigungen.

In Antwort auf: martinbp
Aber inzwischen habe ich mir für Frankreich von Süd nach Nord auch noch eine andere Variante (in etwa:Rhone-Tal-Saonne-Tal-Reims) ausgedacht, bei der ich das Zentralmassiv auslassen würde. Leider bin ich nicht so der begeisterte Bergaufradler, obwohl mir da landschaftlich immer Einiges entgeht.

Die allgemeine Übereinkunft aus vielen Forums-Diskussionen ist, dass das Rhône-Tal landschaftlich wirklich nicht so interessant ist. Würde ich nur fahren, wenn es schnell gehen soll oder wirklich einfach sein muss.

Viele Grüße,
Stefan
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#1263761 - 02.02.17 13:14 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: StefanS]
veloträumer
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In Antwort auf: StefanS
In Antwort auf: martinbp
Von Le Puy direkt ins Loire-Tal scheint mehrmals runter ins Tal und wieder hoch auf die Höhe zu beinhalten, diese Strecke habe ich eigentlich schon verworfen.

Hm, Le Puy liegt direkt an der Loire (ok, 2-3 km entfernt). Und bis Retournac ist es auch erstmal komplett flach. Erst danach kommen bis Roanne ein paar Steigungen.

In Antwort auf: martinbp
Aber inzwischen habe ich mir für Frankreich von Süd nach Nord auch noch eine andere Variante (in etwa:Rhone-Tal-Saonne-Tal-Reims) ausgedacht, bei der ich das Zentralmassiv auslassen würde. Leider bin ich nicht so der begeisterte Bergaufradler, obwohl mir da landschaftlich immer Einiges entgeht.

Die allgemeine Übereinkunft aus vielen Forums-Diskussionen ist, dass das Rhône-Tal landschaftlich wirklich nicht so interessant ist.

Das ist nun nicht mein Spezialgebiet, aber ich vermute auch, dass zu wenig Blicke auf die Alternativen von Straßenrouten im erweiteren Rhonetal gesucht werden. Die Fixierung auf eine Flussroute an der Rhone gemäß Radweg könnte schon der Fehler sein. Mit Hilfe einer ausreichend topografisch gestalteten Karten würde ich nach Routen an den Gebirgsrändern suchen, die durch möglichst viele Dörfer führen. Die Möglichkeiten dazu sind im Osten vielfältiger als im Westen, wo das Zentralmassiv teils direkt aufsteigt und nur eine Route entlang der Verkehrsachsen Auto/Schiff/Bahn übrig bleibt.

Im Osten könnte man dann auch schauen, ob man nicht da und dort einen stärker hügeligen Wegin die Drôme-Berge machen möchte - mit Felsabbrüchen und Lavendelfeldern immer einen Abstecher wert. Z.B. liefert die Isère ein Orientierung (Radweg hier kürzlich positiv besprochen) sowie die Linie Crest - Carpentras. Effektiv gefahren bin ich nur mal ein Stück zwischen Malaucène - Vaison-la-Romains - Nyons - eine Strecke, die nur sehr leicht hügelig ist, von zurückhaltender Schönheit - sicherlich nicht spektakulär. Manche Orte an der Strecke dann aber sehr reizvoll wie etwa Nyons. Möglicherweise gibt es auch einen 1-Pass-Übergang nicht so gravierender Steigung von Crest über Bourdeaux zur Eygues und abfallend weiter nach Nyons, was noch genaur auf Karte zu prüfen wäre. Von Bourdeaux gibt es hier von anderen im Forum Empfehlungen, ich selbst kann insbesondere das Eygues-Tal empfehlen. Bei Malaucène kann man recht einfach am Mont Ventoux vorbeigleiten und einen Hauch von diesem Flair des mediterranen Luberon einfangen.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias

Geändert von veloträumer (02.02.17 13:15)
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Off-topic #1263966 - 03.02.17 18:59 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: veloträumer]
martinbp
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Üdv, Matthias! (um die Liste deiner Begrüßungsformeln zu erweitern)

Im Gegensatz zu dir, der die Berge/Anstiege direkt sucht, fahre ich zwar gerne zwischen den Bergen, aber weniger gern auf die Berge und auch bei aangeren oder steileren Abfahrten habe ich eher Angst und bin dann -wie Falk sagen würde- ein Regulierbremser. (Muss zu meiner Schande gestehen, dass ich vor 2 Jahren sogar von Mals zum Reschenpass mit dem Shuttle-Bus gefahren bin). Deshalb suche ich eher flache Strecken, auch wenn sie weniger spektakulär sind. Außerdem habe ich immer die ganze Camping-Ausrüstung dabei, gehöre nicht zur Leicht-Fraktion und bin auch kein Jungspund mehr, der nicht mit seinen Kräften haushalten muss.
Also danke für die Tipps, aber wenn schon Berge, dann eher über LePuy, weil mich die Bilder vom Zentralmassiv schon faszinieren können.

Da ich in meiner Planung aus Richtung Italien komme, möchte ich die Cote Azur dann etwa bei Cannes verlassen und mich ein bisschen in die Berge wagen, also durchs Luberon. Das ist schon Herausforderung genug.
Der Mt. Ventoux wäre schon mal etwas Besonderes, aber höchstens als Tagestour ohne Gepäck. Ob ich das jedoch mache, kann ich nur vor Ort entscheiden, je nach Kraft, Laune, Krämpfe oder nicht, Wetter, Zeitreserven usw. (Habe mir aber zur Sicherheit mal den gpx-Track aufs Handy geladen)

@Stefan: Ich habe mir das Streckenprofil von Le Puy aus bis St.Just-St.Rambert bei gpsies angeschaut, und das hat mich doch etwas abgeschreckt.
Und soeben habe ich den Reisebericht über das Rhone-Tal erst einmal überflogen (und werde ihn noch einmal genauer lesen, dann mit dem Finger auf der Landkarte), und habe den Eindruck, dass diese Route besser zu meinen Kräften und Reisegewohnheiten passt.

Viele Grüße aus Budapest
Martin

Geändert von martinbp (03.02.17 19:00)
Änderungsgrund: off topic
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Off-topic #1263981 - 03.02.17 20:13 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: martinbp]
StefanS
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Hallo Martin,
In Antwort auf: martinbp
@Stefan: Ich habe mir das Streckenprofil von Le Puy aus bis St.Just-St.Rambert bei gpsies angeschaut, und das hat mich doch etwas abgeschreckt.

Sprechen wir über das hier? Im Vergleich zu der Strecke von Cannes rüber zur Rhône doch ziemlich harmlos.

Letzten Endes musst Du natürlich selber wissen, was Du möchtest. Ich kann aber nur sagen, dass ich mir selber vor zehn Jahren nicht zutrauen konnte, in den Bergen zu fahren, und dass es letztlich nicht so schwer war, aber eine unglaublich bereichernde Erfahrung. In Ungarn gibt es ja auch ein paar Mittelgebirge - wenn Du mit denen klar kommst, dann auch mit der bisher skizzierten Tour.

Viele Grüße,
Stefan
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Off-topic #1264002 - 03.02.17 21:15 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: martinbp]
veloträumer
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In Antwort auf: martinbp
Der Mt. Ventoux wäre schon mal etwas Besonderes, aber höchstens als Tagestour ohne Gepäck.

Damit wir uns nicht missverstehen - ich meinte schon, das du unten bleibst und nur vorbei fährst... zwinker

Luberon kann man recht einfach beradeln auf bestimmten Ost-West-Routen (die passen aber nicht zu deinem Tour-Plan). Der Luberon-Bergrücken in der Mitte Nord-Süd ist dann eher kräftiger, sicherlich.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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Off-topic #1264015 - 03.02.17 21:54 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: StefanS]
martinbp
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Naja, die Bergauf-bergabs sind natürlich nur im oberen Teil, insofern täuscht das Profil über die ganze Strecke ein bisschen. Von Retournac bis St Just-St Rambert gibt gpsies auf knapp 60 km mehr als 1000 Hm an, auch wenn ich davon (meiner Erfahrung nach) ca. 30% abziehe, bleiben noch 700, das mag für andere nicht der Rede wert sein. Aber mit Gepäck sind für mich 700 Hm gerade genug.
Bei meinen Tagestouren in Ungarn, ohne Gepäck kommen auch schon mal 1000 Hm an einem Tag zusammen, aber meistens so, dass ich mal 1-2 km steil schiebe.

Aber bis zum Sommer ist ja noch eine Weile Zeit, um die verschieden Alternativen abzuwägen. Meistens entscheide ich dann sowieso vor Ort (und manchmal ganz anders als ursprünglich geplant).

VG aus Budapest
Martin
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Off-topic #1265291 - 09.02.17 21:57 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: martinbp]
Tom72
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Hallo Martin, wenn Du tatsächlich Höhenmeter vermeiden willst, ist die Route entlang Rhône und Saône durchaus nicht so langweilig, wie vielfach behauptet. Eindrücke vom als Via Rhona bezeichneten Rhône-Radweg kannst Du meinem Korsika-Bericht (ich habe die Tour in Lyon begonnen) entnehmen (ziemlich am Anfang); was die Saône betrifft, gibt es zwischen Mâcon und Chalon einen schönen Bahntrassen-Radweg (etwas abseits der Saône über Cluny mit der beeindruckenden Klosterruine). Trotzdem ist es natürlich so, dass man mit der Auslassung des Zentralmassivs tatsächlich etwas verpasst. Egal wie du letztlich fährst, es wird auf alle Fälle eine tolle Tour - viel Spaß!

So, nun geht es weiter mit meinem Bericht schmunzel
Gruß
Tom

Geändert von Tom72 (09.02.17 21:59)
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#1265318 - 10.02.17 00:29 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
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20. Tag, Ripoll – Barcelona (Zugfahrt Ripoll – La Garriga)

Heute steht nun die letzte Etappe der Reise auf dem Plan; ich werde heute das Ziel der Tour, Barcelona, erreichen. Abermals kann ich aber leider nicht auf „originale“ Fotos zurückgreifen, sondern muss meinen Bericht mit Aufnahmen aus dem Vorjahr bebildern. Als ich nämlich nach einem gemütlichen Frühstück in einem Café in der Innenstadt von Ripoll aufbrechen will, stelle ich fest, dass meine Kamera ihren Dienst versagt und keine Bilder mehr speichert. Sehr ärgerlich, aber ich habe Glück im Unglück, denn ich bin am Ende meiner Radreise im Vorjahr (St.-Nazaire-Barcelona) auf demselben Wege nach Barcelona hineingefahren wie auch auf dieser Reise, so dass ich für den weiteren Bericht die dabei entstandenen Bilder verwenden kann. Die folgenden Bilder stammen daher nicht von der Tour, die Gegenstand dieses Berichts ist, passen aber trotzdem. Bis kurz vor Barcelona gibt es daher jedoch keine Bilder.

Nach dem bedauerlichen Ausfall meiner Kamera begegnet mir die zweite Widrigkeit dieser letzten Etappe auf der in Richtung Barcelona führenden Straße C-17, die mich nach meiner Michelin-Karte direkt nach Barcelona bringen sollte. Einige Kilometer südlich von Ripoll stellt sich nämlich heraus, dass sie ab hier, offenbar ganz neu, zu einer vierspurigen Autovía ausgebaut worden ist. Das war in meiner Karte noch nicht verzeichnet. Und obwohl von den Autobahnen in Spanien die Autovías, anders als die „echten“ Autobahnen (Autopistas), grundsätzlich auch für Fahrräder zugelassen sind, verkündet ein Schild ein ausdrückliches Fahrradverbot. ¡Mierda!

Ich finde ein kleines Sträßchen, dem ich noch ein paar Kilometer parallel der Autovía folgen kann, das aber schließlich wieder auf die Autobahn trifft, diesmal ohne ersichtliche weiterführende Alternative. Ich hätte ja die Weiterfahrt auf dem Seitenstreifen der Autovía trotz Verbots ernsthaft in Erwägung gezogen (ich hatte von meiner Tour im Frühling desselben Jahres in Andalusien bereits Erfahrung mit dem Radeln auf spanischen Autovías, wenn auch auf Abschnitten ohne Fahrradverbot), aber ich hätte mein Rad mitsamt Gepäck erst über die äußere und dann über die mittlere Leitplanke heben müssen, um auf die in meiner Fahrtrichtung „richtige“ Seite zu gelangen und bei starkem Autoverkehr beide Richtungsfahrbahnen überqueren müssen. Das war mir dann doch zu heftig.

Zähneknirschend fahre ich also die ganze Strecke zurück nach Ripoll und nehme den nächsten Regionalzug Richtung Barcelona (es handelt sich um die bereits erwähnte aus der Cerdanya von der spanisch-französischen Grenze kommende Bahnlinie).

Ich überlege zunächst, ob ich bereits in der nächsten größeren Stadt, Vic, aussteigen und weiterradeln soll, bleibe dann aber bis La Garriga im Zug, da ich nicht abschätzen kann, wie weit die neue und offenbar alternativlose Autovía mit Fahrradverbot reicht und bis wohin sie die in meiner Karte verzeichnete Straße inzwischen ersetzt hat. Selbst der meiner Karte zu entnehmende Ausbauzustand der C-17 lässt unangenehm starkes Verkehrsaufkommen erwarten.

Ab La Garriga, das bereits am Rande des Ballungsgebiets von Barcelona gelegen ist, geht es dann aber mit dem Rad weiter, da ich, nachdem ich ja anfangs mit dem Rad aus Paris herausgefahren bin, am Ende der Tour konsequenterweise auch nach Barcelona hineinradeln will und am Ziel der Radreise nicht mit dem Zug ankommen will. So angenehm, wie ich vor knapp drei Wochen aus Paris entlang der Seine herausgelangt bin, gestaltet sich die Fahrt durch die Vorstädte von Barcelona ins Stadtzentrum allerdings nicht. Schon im Vorjahr, als Barcelona ja schon einmal Endpunkt einer Radreise war, bin ich dabei fast verzweifelt. Schließlich gelange ich nach einigen Irrungen und aufgrund der Erfahrungen der Reise vom Jahr zuvor auf teilweise recht verkehrsreichen Straßen über Granollers, Montmeló und Cerdanyola del Vallès nach Sant Cugat del Vallès.

Sant Cugat ist Ausgangspunkt einer wunderschönen Strecke über die Gebirgskette der Serra de Collserola mit dem Tibidabo, dem Hausberg von Barcelona, von dem aus man mit traumhaften Ausblicken über die Stadt ins Zentrum der katalanischen Metropole rollen kann. So bin ich im Jahr zuvor in Barcelona angekommen, und das werde ich nun wiederholen. Daher gibt es nun auch endlich wieder Bilder, die aber, wie bereits erwähnt, wegen des Ausfalls der Kamera von der Tour des Vorjahres stammen.



Ein letztes Cerveza-Päuschen, bevor ich die letzten, nach der stressigen Fahrerei durch den Speckgürtel von Barcelona endlich wieder sehenswerten Kilometer der Reise in Angriff nehme. Im Hintergrund das Kloster von Sant Cugat.

Ab Sant Cugat schlängelt sich landschaftlich reizvoll eine verkehrsarme Straße (BP-1417) hinauf in die ca. 400 m hohe Serra de Collserola, die Barcelona vom Hinterland trennt. Der letzte Anstieg der Tour, die Steigung ist recht moderat.



Vom höchsten Punkt der Straße, nahe dem Gipfel des Tibidabo, dem Hausberg der Stadt, sind es noch ein paar Kurven abwärts, dann liegt mir Barcelona zu Füßen. Von ca. 400 m Höhe bietet sich ein traumhafter Panoramablick über die gesamte Stadt und das Mittelmeer.





Auf dem Tibidabo gibt es auch schon die ersten Sehenswürdigkeiten – hoch auf dem Berg die ab 1902 nach dem Vorbild der etwas früher begonnenen Basilique du Sacré-Cœur in Paris entstandene Kirche mit dem klangvollen katalanischen Namen „Temple Expiatori del Sagrat Cor“, auf Deutsch etwa „Sühnekirche des Heiligen Herzens“ und daneben ein historischer Vergnügungspark



sowie der von Norman Foster entworfene Fernsehturm Torre de Collserola.



Für die Abfahrt hinunter nach Barcelona kann ich zunächst, abseits vom Autoverkehr, eine mir schon aus dem Vorjahr bekannte unbefestigte Piste am bewaldeten Hang des Tibidabo mit weiteren fantastischen Ausblicken auf die Stadt und das Meer nutzen, die auch bei Mountainbikern recht beliebt ist.



Sie führt mich etwa auf halber Höhe zu der Stelle, an der die auf den Tibidabo führende Standseilbahn (Funicular de Tibidabo) ihre Talstation und die historische Straßenbahnlinie (katalanisch „Tramvia Blau“) ihre Bergstation hat (mittig im Bild).



Die „Tramvia Blau“, spanisch „Tranvía Azul“ hat, unschwer zu erraten, ihren Namen von der blauen Farbe ihrer historischen Fahrzeuge.



Die kurze, nur noch für touristische Zwecke genutzte Strecke ist der verbleibende Rest des einstmals ausgedehnten Straßenbahnnetzes Barcelonas. Seit einigen Jahren gibt es jedoch, außerhalb der Innenstadt, wieder zwei bislang separate, neu errichtete Straßenbahnsysteme (daneben gibt es noch die 1923 eröffnete und seitdem ständig erweiterte Metro (U-Bahn)).

Weiter abwärts rolle ich, der Avinguda del Tibidabo folgend, entlang der Strecke der „Tramvia Blau“.



Nun bin ich in der Innenstadt von Barcelona angekommen. Jetzt muss ich bis zu meinem gebuchten Hostel durch Hauptverkehrsstraßen und den Feierabendverkehr fahren, was sich aber als recht unproblematisch herausstellt. Teilweise gibt es sogar separate Radspuren. Immer wieder fallen Gebäude im für Barcelona typischen Jugendstil bzw. seiner spanischen Ausprägung, dem Modernismo, auf. Von den zahlreichen katalanischen Architekten, die zu Beginn des 20. Jahrhundert diesen Stil entwickelten, ist Antoni Gaudí zwar der bekannteste, aber bei Weitem nicht der einzige.



Ich erreiche schließlich die Plaça de Catalunya.





Hier beginnt die berühmte Touristen(nepp)-Meile Las Ramblas, die hinunter zum Hafen führt. Ganz in der Nähe finde ich dann nach einigem Suchen auch mein gestern online gebuchtes Hostel mit Mehrbettzimmer; sehr einfach, Jugendherbergsstandard für Backpacker, aber interessant mit sehr jungem Publikum aus aller Herren Länder. Ich hätte so kurzfristig wohl ohnehin nichts Günstigeres bekommen. Ich bin froh, dass ich auch mein Rad im Innern gut und sicher unterbringen kann und will mich hier ja auch gar nicht lange aufhalten, sondern mich nach Duschen und Umziehen noch ein wenig in der Stadt herumtreiben, zumal es bereits nach acht ist.

Obwohl ich Barcelona einige Jahre zuvor bereits während eines mehrtägigen Aufenthalts (ohne Fahrrad) kennengelernt habe und mir auch am Ende der Radtour im Vorjahr hier einen ganzen Tag zur Erkundung der Stadt gegönnt habe, fällt mir nichts Besseres ein, als den Tag auf der, wie aufgrund meiner Erfahrung zu erwarten, touristisch überlaufenen, aber fußläufig gut zu erreichenden Plaça de Santa Maria mitten in der Altstadt ausklingen zu lassen. Es ist zwar chancenlos, einen Platz an einem der Tische vor den zahlreichen Restaurants zu bekommen, aber ich ergattere schließlich einen winzigen Stehtisch vor einem sehr netten Weinlokal, wo ich mit einigen Gläschen gutem vino tinto und einigen leckeren Tapas zufrieden die erfolgreiche Ankunft am Ziel meiner erlebnisreichen Radreise feiere, die ich vor knapp drei Wochen in Paris begonnen habe.

21. Tag, Sightseeing in Barcelona und Zugfahrt Barcelona – Collioure

Ich habe heute nur wenige Stunden, um mich in Barcelona umzusehen; am frühen Nachmittag werde ich bereits die Zugfahrt zurück nach Hause antreten, zunächst nur bis Collioure an der französischen Côte Vermeille, das mir noch vom Vorjahr in guter Erinnerung ist, um dann morgen und übermorgen, mit einer Übernachtung bei meinen Eltern in Stuttgart, mit TGV und ICE Dresden zu erreichen. Hätte ich nicht vor einigen Jahren in Barcelona (ohne Rad) einen Kurzurlaub verbracht und mir am Ende meiner Radreise im Jahr zuvor einen weiteren kompletten Tag in der Stadt mit zwei Übernachtungen gegönnt, hätte ich sicher einen längeren Aufenthalt vorgesehen. Da ich nun aber bereits das dritte Mal in Barcelona bin und somit die Stadt in der Vergangenheit zwar sicher nicht erschöpfend, aber immerhin mehr als nur oberflächlich erkundet habe, hält sich mein Bedauern über die knappe Zeit, die ich diesmal zum Sightseeing habe, in Grenzen.

Die Fotos stammen wieder von der Radreise vom Vorjahr. Hier der Arc de Triomf auf dem Gelände der Weltausstellung von 1888.



Die wenigen zur Verfügung stehenden Stunden nutze ich zunächst, um an der Baustelle der Sagrada Família vorbeizuschauen. Das Bauwerk, das mit vollständigem katalanischen Namen „Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família“ heißt, auf Deutsch „Sühnekirche der Heiligen Familie“ (nicht zu verwechseln mit der gestern auf dem Tibidabo gesehenen Sühnekirche „Sagrat Cor“), hat mich schon bei meiner ersten Barcelona-Reise fasziniert, zum einen wegen der Architektur, zum anderen, weil daran seit ca. 130 Jahren gebaut wird. Ich bemerke den Baufortschritt gegenüber meinen beiden bisherigen Besichtigungen.





Die Kirche im Stil des katalanischen Modernismo gilt als das Hauptwerk von Antoni Gaudí, das er bis zu seinem Tod 1926 betreut hat, dessen Weiterbau sich nach seinem Tod und infolge des Spanischen Bürgerkriegs verzögerte und dann, verstärkt in den vergangenen Jahrzehnten, im Sinne von Gaudís Ideen und Konzeption (detaillierte Pläne des Meisters sind nicht überliefert) fortgeführt wurde und das nach derzeitiger Planung 2026, im hundertsten Todesjahr des Architekten, vollendet werden soll. Die viertürmige Westfassade, die auf den beiden vorigen Bildern zu sehen ist (die Leidensgeschichte Jesu symbolisierend) wurde 1976 fertiggestellt.

Die gegenüberliegende, von der äußeren Form her entsprechende viertürmige Ostfassade, die noch weitgehend zu Lebzeiten von Gaudí fertiggestellt wurde, thematisiert demgegenüber mit ihrer Gestaltung die Geburtsgeschichte Jesu.





Besonders beindruckend ist das zum damaligen Zeitpunkt (2011) erst seit wenigen Jahren im Rohbau fertiggestellte Gewölbe des Kirchenschiffs, von der Gestaltung an gotischen Kathedralen orientiert, aber letztlich mit einer eigenen Formensprache und statischen Konzeption, mit Pfeilern, die sich wie das Astwerk von Bäumen verzweigen.











Nach der Fertigstellung wird die Sagrada Família insgesamt 18 Türme aufweisen, von denen die bislang fertiggestellten, die derzeit noch das Erscheinungsbild des Bauwerks prägen (vier in der Westfassade, vier in der Ostfassade, zusammen mit vier weiteren noch nicht errichteten in der im Bau befindlichen Südfassade die zwölf Apostel symbolisierend), die niedrigsten sein werden. Vier weitere, höhere Türme werden hinzukommen, mit Bezug auf die vier Evangelisten, ein noch höherer über der Apsis, Maria gewidmet, und schließlich im Zentrum, über der Vierung, der ca. 170 m hohe Hauptturm, Christus gewidmet, mit dem die Sagrada Família dann das Ulmer Münster als bisher höchste christliche Kirche knapp übertreffen wird.



Anschließend sehe ich mich noch kurz im Stadtteil Eixample um, in dem auch die Sagrada Família liegt, die einen der für diese weitläufige, planmäßige Stadterweiterung des späten 19. Jahrhunderts typischen quadratischen Blocks mit den abgeschrägten Ecken vollständig einnimmt. Dieses gleichförmige Raster aus quadratischen Häuserblocks prägt weite Teile der Innenstadt Barcelonas außerhalb der Altstadt. Hier befinden sich auch zahlreiche Bauwerke der katalanischen Jugendstilarchitekten. Besonders sehenswert ist die sogenannte „Manzana de la discordia“, ein Häuserblock, in dem Bauten gleich mehrerer der Vertreter des katalanischen Modernismo vereint sind – neben einem Gebäude von Gaudí (Casa Batlló) auch je eines der Architekten Lluís Domènech i Montaner, Josep Puig i Cadafalch und weiterer Baumeister mit ebenso klangvollen katalanischen Namen.




Die volkstümliche Bezeichnung des Ensembles, „Manzana de la discordia“, spielt mit der doppelten Bedeutung von „manzana“ im Spanischen: Zum einen „Häuserblock der Zwietracht“ in Anspielung auf die eventuellen beruflichen Rivalitäten der hier vertretenen hochrangigen Architekten, zum anderen „Apfel der Zwietracht“ mit Bezug auf die drei Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite, die sich in der griechischen Mythologie um einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „für die Schönste“ streiten durften, also der sprichwörtliche Zankapfel.



Hier befindet sich auch der unterirdische Bahnhof „Passeig de Gràcia“, von dem aus ich nun meine Rückreise, heute zunächst nur bis Collioure, antrete. Mit dem Regionalzug mit problemloser Fahrradmitnahme (in Katalonien selbstverständlich, in vielen anderen Teilen Spaniens ist aber für das Rad selbst im Regionalverkehr eine Reservierung erforderlich) gelange ich parallel der Costa Brava zur französischen Grenze. Hier ist ein Umsteigen erforderlich, da hier die Spurweite von der iberischen Breitspur zur Normalspur wechselt. Ob der Umstieg im spanischen Portbou oder im französischen Cerbère war (beides hübsche kleine Küstenorte, die von den beeindruckend dimensionierten Gleisanlagen ihrer jeweiligen Grenzbahnhöfe dominiert werden), weiß ich nicht mehr, jedenfalls bin ich jetzt an der Côte Vermeille, die ich auf der Radreise im Vorjahr kennen und lieben gelernt habe.

In Collioure steige ich aus, finde zentral ein nettes, mit gut 50 € nicht allzu teures Hotel und nutze den Rest des Tages, um die Tour vor der endgültigen zweitägigen Bahn-Rückreise in diesem malerischen Küstenstädtchen gemütlich ausklingen zu lassen.








An der Côte Vermeille bin ich auf der Tour im Vorjahr und in den folgenden Jahren noch auf zwei weiteren Reisen (2012 und 2016) entlanggeradelt. Hoch oben in den Ausläufern der Pyrenäen, die hier ins Mittelmeer abfallen, erkenne ich den historischen Wachturm Tour de Madeloc, unterhalb dessen sich bis auf ca. 450 m Höhe eine wunderschöne Panoramastraße (D 86) zwischen Collioure und Banyuls-sur-Mer mit traumhaften Ausblicken über die Küste in zahlreichen Serpentinen schlängelt. Ein unbedingtes Muss für jeden, der mit dem Rad an der Côte Vermeille unterwegs ist; dieses Mal steht sie für mich nicht auf der Agenda, aber ich habe die Strecke bereits im Jahr zuvor und danach noch zwei weitere Male genossen.

Fortsetzung folgt…
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#1265455 - 10.02.17 14:47 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
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In Antwort auf: Tom72
Einige Kilometer südlich von Ripoll stellt sich nämlich heraus, dass sie ab hier, offenbar ganz neu, zu einer vierspurigen Autovía ausgebaut worden ist. Das war in meiner Karte noch nicht verzeichnet. Und obwohl von den Autobahnen in Spanien die Autovías, anders als die „echten“ Autobahnen (Autopistas), grundsätzlich auch für Fahrräder zugelassen sind, verkündet ein Schild ein ausdrückliches Fahrradverbot. ¡Mierda!

Ich finde ein kleines Sträßchen, dem ich noch ein paar Kilometer parallel der Autovía folgen kann, das aber schließlich wieder auf die Autobahn trifft, diesmal ohne ersichtliche weiterführende Alternative. Ich hätte ja die Weiterfahrt auf dem Seitenstreifen der Autovía trotz Verbots ernsthaft in Erwägung gezogen (ich hatte von meiner Tour im Frühling desselben Jahres in Andalusien bereits Erfahrung mit dem Radeln auf spanischen Autovías, wenn auch auf Abschnitten ohne Fahrradverbot), aber ich hätte mein Rad mitsamt Gepäck erst über die äußere und dann über die mittlere Leitplanke heben müssen, um auf die in meiner Fahrtrichtung „richtige“ Seite zu gelangen und bei starkem Autoverkehr beide Richtungsfahrbahnen überqueren müssen. Das war mir dann doch zu heftig.

Zähneknirschend fahre ich also die ganze Strecke zurück nach Ripoll und nehme den nächsten Regionalzug Richtung Barcelona (es handelt sich um die bereits erwähnte aus der Cerdanya von der spanisch-französischen Grenze kommende Bahnlinie).

Ich überlege zunächst, ob ich bereits in der nächsten größeren Stadt, Vic, aussteigen und weiterradeln soll, bleibe dann aber bis La Garriga im Zug, da ich nicht abschätzen kann, wie weit die neue und offenbar alternativlose Autovía mit Fahrradverbot reicht und bis wohin sie die in meiner Karte verzeichnete Straße inzwischen ersetzt hat. Selbst der meiner Karte zu entnehmende Ausbauzustand der C-17 lässt unangenehm starkes Verkehrsaufkommen erwarten.

Das ist selten eine gute Idee, mal eben noch schnell die Strecke anhand der großen Verkehrsachsen zu Ende zu radeln. In Spanien sind schon einige Straßen so neu gebaut, dass sie auf vielen Karten fehlen, bzw. der Ausbauzustand überholt ist. Das hat Vor- und Nachteile. Bei Olot bin auch mal auf ein unbekannte neue Schnellstraße gestoßen - die brauchte es dann aber nicht, weil die die geplante Passstraße ein wenig parallel dazu somit nahezu autofrei war. Diese neuen Schnellstraßen sind nicht mal unbedingt immer mit starkem Verkehr getränkt. Der Nachteil reizvoller Varianten sind oft erhebliche Umwege, viele Straßen winden sich oft sehr kurvenreich durchs Gelände (kennt man so aus Deutschland, Frankreich etc. eher nicht) und daher werden aus geplanten 1-Tagesstrecken schon mal 2 Tage. Für die dortige Bracons-Passstraße (Olot - Torello, erweiterbar nach Vic) braucht man mit Radl sicherlich die doppelte Zeit im Vergleich zur teils getunnelten, gerade terrassierten Schnellstraße - neben vielen Kurven ist der Pass auch noch knackig steil.

Kaum anders wäre dir das von Vic aus gegangen, du fährst verästelte Nebenstraßen, besser noch Umwege über entfernte Achsen wie z.B. Moia im Westen. Und schon ist das Zeitfenster zu kurz. Die Westtransversale C-25 ab Vic hatte ich zeitweise auch im Auge, weil parallel gefahren. Der Verkehr ist da gar nicht so wild (für die Südtransversale C-17 gilt das natürlich gar nicht mehr), aber du wirst ja zwischen den Leitplanken kaserniert und kannst nahezu gar nicht am Wegesrand mal parkieren. Anders gesagt, diese Straßen sind schon menschenfeindlich gebaut und äußerst unangenehm, besonders bei Hitze. In Andalusien ist das etwas anders - zumal wenn auf der Autobahn noch Meeresbrise heranreicht und Blumentöpfe den Mittelstreifen zieren. Selbst in den gehobenen Pyrenäen sind ja manchmal die normalen Landstraßen so breit ausgebaut, dass man trotz fehlender Autos in eine Psychokrise fällt, weil soviel Asphalt die Augen trocken legt.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1270853 - 14.03.17 23:42 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
Tom72
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22. und 23. Tag, Zug-Rückfahrt nach Dresden

Ich finde mich morgens zeitig am Bahnhof von Collioure ein, um endgültig die Rückfahrt anzutreten.



Zunächst geht es mit dem Regionalzug mit problemloser Fahrradmitnahme nach Perpignan, dann nehme ich bis Paris den wegen der Reservierungspflicht bereits im Voraus gebuchten TGV. Für den TGV muss ich das Rad natürlich wieder, wie schon auf der Hinfahrt und auch auf Reisen in den vergangenen Jahren bereits mehrfach praktiziert, teilweise demontieren und in den mitgeführten Fahrradtransportsack verpacken. Die Bahnstrecke verläuft zwischen Port-la-Nouvelle und Narbonne durch die wunderschöne Lagunenlandschaft, durch die mich mein Weg einige Tage zuvor mit dem Rad in entgegengesetzter Richtung entlang des parallel verlaufenden Canal de la Robine geführt hat – daher noch einmal das Bild eines TGV auf dem Bahndamm durch den Étang:



In Paris habe ich etwa anderthalb Stunden Zeit für den Umstieg; ich komme an der Gare de Lyon an, packe das Rad aus, mache es fahrbereit und radele durch das Zentrum von Paris zur Gare de l’Est. Für die Weiterfahrt muss ich das Rad zum Glück nicht erneut verpacken, da ich im TGV nach Stuttgart einen Fahrradstellplatz reserviert habe (der TGV Est von Paris über Stuttgart nach München war damals, 2011, noch eine der wenigen TGV-Verbindungen mit Fahrradmitnahme; inzwischen wird auch diese Strecke mit TGV Duplex-Doppelstockzügen betrieben, in denen nur noch die Mitnahme von verpackten Rädern möglich ist).

In Stuttgart nutze ich die Gelegenheit, bei meinen Eltern zu übernachten und ihnen von meiner erlebnisreichen Reise zu berichten. Am nächsten Tag geht es – nun wieder mit verpacktem Rad – mit dem ICE zurück nach Dresden.

Epilog

Ich war zwar zuvor schon mehrere Male in Frankreich und Spanien unterwegs gewesen, und auch noch mehrfach seitdem. Trotzdem war es eine ganz besondere Radreise, auf der ich zwischen den Metropolen Paris und Barcelona viele ganz unterschiedliche Landschaften und Regionen in Frankreich und (wenn auch nur die letzten zwei Tage) Spanien erlebt habe. Sehr vielfältige, abwechslungsreiche Landschaftseindrücke, einerseits gemütliche Fluss- und Kanalradwege entlang der Seine, des Loing, der Loire und des Canal du Midi, andererseits zahlreiche Passstraßen im Zentralmassiv mit den beeindruckenden Schluchten der Cevennen als besonderes Highlight und dann nochmal im Hochgebirge bis auf knapp 1900 m bei der Überquerung der Pyrenäen, und leider nur ganz kurz, zwischen Gruissan und Port-la-Nouvelle, auch ein kleines Stück Mittelmeerküste. Aber abschließend dann immerhin noch ein weiterer kurzer Aufenthalt an der Côte Vermeille im Rahmen der Bahn-Rückreise.

Ich bin im Laufe der 20 Fahrtage ca. 1.500 km geradelt und habe ca. 12.000 Höhenmeter bewältigt. Hätte ich noch zwei oder drei Tage mehr zur Verfügung gehabt (oder hätte ich es geschafft, etwas häufiger morgens etwas früher aufzustehen und zeitig loszukommen), hätte ich die ca. 200 km, die ich unterwegs auf drei Teilstrecken mit dem Zug zurückgelegt habe, auch noch mit dem Rad absolvieren können. Aber eine Urlaubsreise muss ja nicht in Stress ausarten…

Ich war rückblickend sehr zufrieden mit meiner Streckenauswahl für die Tour und kann sie uneingeschränkt weiterempfehlen. Vielleicht konnte ich mit meinem Bericht für die an Frankreich bzw. Spanien Interessierten hier im Forum einige Anregungen und praktische Informationen zu den von mir bereisten Regionen geben oder vielleicht sogar Lust zur Nachahmung von Teilen der Strecke oder gar der gesamten Tour erwecken.

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#1271079 - 15.03.17 22:15 Re: Radreise Paris-Barcelona [Re: Tom72]
StefanS
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 3027
Hallo Tom,

Vielen Dank für den schönen Reisebericht, den ich in den letzten Jahren immer wieder gern gelesen habe, auch wegen der schönen Bebilderung. Etliche Orte entlang Deiner Strecke sind mir mittlerweile bekannt, aber es war trotzdem nett, sie nochmal durch andere Augen zu sehen; andere Orte sind mir vielleicht Anregung für die Zukunft.

Viele Grüße,
Stefan
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